Message in a bottle

30.09.2004 um 20:57 Uhr

Gaensespiel: FELD SIEBEN

von: hibou

God said to Abraham: "Kill me a son"
Abe says "Man, you must be puttin' me on"
God say "No", Abe say "What?"
God say "You can do what you want Abe, but
The next time you see me comin' you better run"
Well Abe says "Where do you want this killin'done?"
God says "Out on Highway 61".

"Da nahm Abraham Schafe und Rinder und gab sie Abimelech; und sie machten beide einen Bund miteinander. Und Abraham stellte sieben Lämmer besonders...'Sieben Lämmer sollst du von meiner Hand nehmen, dass sie mir zum Zeugnis seien, dass ich diesen Brunnen gegraben habe'. Daher heißt die Stätte Beer-Seba, SiebenBrunnen." (1.Mose 21)

30.09.2004 um 20:47 Uhr

Nachtexpress

von: hibou

Lese in „Lila“ (Robert Pirsig), angeregt bis begeistert.

Die Indianer. They speak plain. La plaine = die Ebene

durch die Ebene à wohin? hindurch wodurch? durch wen? oder was. woher? wo?

Alles findet auf der Ebene statt. Wie auf der Haut. Pergament: ist Haut. Leinwand: Haut für die Farbe. Das haut mich nicht um aber du.

30.09.2004 um 07:53 Uhr

Nachtexpress

von: hibou

Ohne Namen leben geht nur für mich selbst. Für alle anderen habe ich oft einen Namen und dahinter nichts.

Mask as Parfüm. NoName als Türschild

 

R.U.Lonesome

U.R. Silly

I.Believe

 

Guten Tag! Mein Name ist Hohn, Reiner Hohn. Sehr erfreut, Hella Wahnsinn!

 

29.09.2004 um 19:43 Uhr

Blanche (Kneipen 15)

von: hibou

Die Kneipe heißt wirklich: „Blanche, Hündin aus der Meute Ludwigs XV.“ Sie liegt an der Tram (14?) im Arbeiterviertel Stöckach, in einem alten Wohnblock aber postmodern renoviert, unverputztes Mauerwerk, Stuckfragmente, Glas und Stahl. Wände, Decken, Fensterrahmen, alles im Rohzustand, unverputzt, ungestrichen. Die Bar aus Spanplatten, eine Wand auch. Ein üppigfarbener Blumenstrauß in einem Sektkübel. Als ich eintrete, gehen drei geckenhaft gekleidete Männer, die ich für Polen halte. Die Bedienung ist jedenfalls eine Slawin. Sie wippt auf den Fußballen und bewegt Hüften und Schultern zur Musik, trocknet dabei Tassen ab. Kaffee, sagt der Kolumbianische Präsident eben am Radio – und sie hört mit Wippen auf – ist unsere Hauptwaffe gegen den Terrorismus. Das lob ich mir und tu gleich was dagegen. Zum hundertsten Mal denke ich deswegen wieder an die Kerbe in der Kaffeebohne. Draußen Autos die flitzen oder schleichen, Schüler, das Arbeitsamt nicht weit davor eine verkrüppelte Baumgestalt. Ein Flecken Putz hier drin hat die Umrisse einer klassischen menschlichen Gestalt, ich sehe die wehende Toga, das Spiel der Muskeln. Das Kassenschloss knirscht. „Inseln der Ruhe“ steht auf der Tram.

(Zwei Jahre darauf fahre ich vorbei und sehe die Kneipe leerstehen)

(Jetzt, wo ich alles abschreibe, denke ich an die Tatsache, wie sehr der Notierende durch die Außenwelt sich selbst beschreibt. Klar ist da das Arbeitsamt, aber er hätte ebenso gut eine Möbelhandlung, die durchs Fenster zu sehen ist, erwähnen können. Hat er aber nicht. Definiere ihn einmal durch alles, was NICHT beschrieben ist!)

(Nun Schluss mit der Analyse)

29.09.2004 um 19:42 Uhr

Neue Serie: Nachtexpress. Eine Alltagsarchäologie

von: hibou

Alltagsarchäologie, eine Spurensicherung

 

Motto:

Die Zärtlichkeit, die Theodor W. Adornos Stimme annahm, wenn er Eichendorff-Verse zitierte. „Die Taten unseres Lebens beschränken sich meist darauf, unsere Kindheit einzuholen.“

 

Gegenwartsarchäologe sein. Nur mit dem Unterschied zum klassischen Archäologen, dass meine Dinge und Worte nicht erst tot und begraben sein müssen, bevor sie schön sind.

Die C-Base unterm Alex…. Tief im Süden meines Herzens…..

(my life makes perfect sense: trouble, sex and violence)

Also: Notizzettel, Verstreutes, Ein- und Ausfälle, Sitzungsnotizen (keine andere Gelegenheit ist so fruchtbar für automatisches Schreiben), Eingesammeltes, aus den Augenwinkeln Geratenes….

28.09.2004 um 23:20 Uhr

Café Taubenschlag (Kneipen 14)

von: hibou

Café Taubenschlag (Kneipen 14)

 

Mitten auf dem Kiez gelegen bietet es vormittags seine Atmosphäre gegen die Schwüle der Nacht, gegen das nahebei seit Jahrzehnten aufgeführte Musical „Grease“, gegen die staubgetrocknete Pisse im Rinnstein und die nach vielerlei Gebaruch zerknüllt liegengebliebenwn Kleenex-Tücher auf. Morgens um 11 schlafen auch Zuhälter und Huren noch, so wird die Struktur seines Innenraums nicht durch Menschen und Gerede überlagert. Nur die Musik ist etwas laut und Udo Lindenberg singt mal wieder von einem Pelikan. Aber sonst ist alles klar: die dunkle Wandtäfelung, das helle Sonnenlicht das auf diese und über die schwarzen Tische fällt, der von der Fassade herabhängende Knöterich, der die Lichtflecken flimmern lässt, die Bedienung, die genauso jung ist, wie sie aussieht, rach und ohne viel Mimk arbeitet und die geschwungenen Lippen geschlossen hält. Ein grauhaariger Mann trinkt Capucchino. Seine nicht so alte Geliebte legt nun die Beine übereinander, schaut ihn an, streicht mit der Hand über den fusslangen indischen Rock Am Fenster sitzt ein netter, konservativer Herr in Schlips und Kragen, sauber gekämmt und die Prinz-Heinrich-Mütze neben sich auf dem Stuhl. Er hat gerade die folgende Notiz geschrieben und überfliegt sie auf Fehler:

 

Sprache und Schrift in der Krise

 

Das Netz unserer Worte trägt nicht mehr, sagen immer mehr Reformpolitiker. Zu lange waren wir es gewohnt, dass immer genug davon da waren, dass es am Schluss noch immer welche zu verteilen gab. Viele Worte aber sind alt geworden, sachte und sanft verblassen sie im Sprachstrom, manche andere sind ganz verblichen – abermals! fürwahr! Strohwitwe! elukubrieren! – und die Schar der Wortkargen und Wortlosen steigt trotz aller Bemühungen seit Jahrzehnten an. Einschneidende Änderungen müssen her, sagen die Politiker, und sie werden wehtun. Nur so kann die Mitschweigementalität, die bis weit in die Oberschule reicht, bekämpft werden. Selbst der Bundespräsident greift ein. Sprache, so verkündet er, wird nie überall gleich sein können, aber, so fährt er tröstend fort: wir müssen etwa den Unterschied zwischen Substantiv und Verb nicht als Makel empfinden, sondern als Chance begreifen! Sofern man denn, wirft der PISA-Forscher ein, diesen Unterschied überhaupt kenne… Uns aber wird klar: in Zukunft wird ganz einfach das Leben wieder mehr Geschichten schreiben müssen!

 

(zurück ins Funkhaus...)

27.09.2004 um 20:44 Uhr

Soldaten wohnen auf den Kanonen

von: hibou

ach, die weltlage..... pfffft

ich setz mich hin und spiel mit meinen zinnpazifisten!

26.09.2004 um 10:10 Uhr

die kleinen unsichtbaren (5)

von: hibou

sie besprechen klischees

und leberflecken

die kleinen unsichtbaren

würde niemals

"fieberhaft wird nach den opfern gesucht"

schreiben

noch

"der tragische unfall"

"die feigen anschläge"

sie färben muttermale

mit ihrer sympathie

sie wachen

wenn wir bleiern sind

25.09.2004 um 16:13 Uhr

Herr Erdogan und die Türkei - eine Erwiderung an Erphschwester

von: hibou

Erphschwester schreibt in ihrem blog

 

http://www.blogigo.de/erphschwester/entry/27365

24.09.2004 um 05:44 Uhr

War ja nur Spaß !

 

Herr Erdogan, der aus der Türkei natürlich, hatte letzthin von sich Reden gemacht. Weil er zwei Dinge wollte, die nicht zusammen passen. Nämlich: Er wollte in die EU; er wollte aber auch so ein bißchen zurück ins Mittelalter - zumindest sah das aus dem Blickwinkel der EU so aus. Daß die Uhren in der Türkei noch etwas anders laufen als hier mittendrin in Europa ahnten wir schon gelegentlich. Endgültige Gewißheit jedoch erhielten wir nicht erst angesichts des vorgschlagenen Gesetzes gegen den Ehebruch, sondern auch angesichts der Tatsache, daß dieser und jener Türkeibesucher vielleicht schon einmal die braven Strandwächter dort erlebt hat, die türkische Jugendliche zu sittsamem Verhalten am Strand ermahnen. Hätte da nicht Herr Verheugen von der EU mahnend den Finger gehoben und gesagt: "Zwei Dinge auf einmal - das geht ja nun wirklich nicht !", hätte Herr Erdogan an seinen zwei so verschiedenen Ansinnen nichts Verwerfliches gefunden. So aber mußte er seinen Gesetzesentwurf zur Strafbarkeit des Ehebruches zurückziehen. Und jetzt ist alles wieder gut. Zumindest für Herr Verheugen und seine EU.--- Also mir ist trotz allem noch immer mulmig. ..... (bitte dort im blog weiterlesen)

Hallo Erphschwester!

Also zu Erdogan (und das ist ein Bericht von vor Ort): mich hat schon jahrelang gewundert, wie die EU auf diesen Mann abfuhr, wie gut er in den europäischen Medien als der Reformer und Erneuerer der so rückständigen Türkei wegkommt. Nicht mal seine jüngsten Schwenks wurden ihm sehr verübelt, man las: Der türkische Premier, eingeklemmt zwischen den Islamisten und den westlichen Werten (die er, so unterstellte man, anstrebt). Tatsächlich streben er und seine AKP, die seit den letzten Wahlen, die reine Protestwahlen waren, die übergroße Mehrheit im Parlament hält ganz unverblümt einen islamischen Staat an, was jeder zeitungslesende Mensch zweifelsfrei feststellen kann. Der sogenannte Ehebruchsparagraf ist dabei nur ein kleines Glied in einer langen Reihen von geplanten oder auch schon in Gang gebrachten Gesetzesänderungen, Umstrukturierungen und Neubesetzung wichtiger öffentlicher Ämter, was mit der Einführung des Kopftuchs an Schulen und Universitäten anfangen (hier war das nämlich im Unterschied zu Europa schon seit Atatürks Reformen nicht erlaubt!), mit Familien und Religionsgesetzen weitergehen soll, und wo das enden wird, traue ich mich nicht recht, mir das auch nur vorzustellen.

Was die Islamisten (noch) hindert: der Präsident Ahmed Sezer, der unbeirrt sein Veto gegen allerlei AKP-Gesetze einlegt, die Generäle, die Atatürks laizistischen Staat verteidigen (Generäle! Bisher waren mir noch keine sympathisch, aber…..), ja, und die EU, weil Erdogan aus unerfindlichen Gründen (warum will er das? ein Rätsel) dort die Mitgliedschaft anstrebt. Nicht hindern tun ihn die USA, der große „Verbündete“ der Türkei – von deren imperialistischen Plänen sie aber total abhängig ist. (Auch diese Behauptung könnte ich – vielleicht ein andermal - begründen). Interessant dennoch, dass die USA Brüssel stark unter Druck setzen, die Türkei aufzunehmen. Nur deswegen wird es vielleicht auch klappen J.

Erdogan aber ist nicht zu trauen, trotz aller Lippenbekenntnisse die er abgibt und fürderhin abgeben mag, ist und bleibt er ein Wolf im Schafspelz, der ganz und gar unbeirrt sein Ziel einer islamischen Türkei – welche nicht mehr dieselbe wäre und sogar hinter das Osmanische Reich zurückfiele – verfolgt. Aufgepasst! Nicht wieder rein ins Mittelalter. Ich stimme Dir da zu.

 

Nun zu den Schlussfolgerungen. Ein mulmiges Gefühl vieler Europäer angesichts dieser Entwicklungen – wenn sie sie denn mitbekommen und nicht einfach reflexartig „gegen Türken“ sind - kann einen nicht erstaunen. Sie sollten aber eines wissen: Erdogan ist NICHT die Türkei, er bricht gerade mit der hiesigen Gesellschaft. Es gibt – und das ist in Berlin und Mühldorf weniger bekannt – eine emanzipierte, moderne, freigeistige, hochkulturelle, nichtreligiöse (unverhüllte) türkische Gesellschaft.  Istanbul ist auch, und das seit langen Jahrzehnten, eine europäische und Weltmetropole. Freilich emigrieren die dörflichen Anatolier nach Deutschland und prägen das dortige Türkenbild. Sie emigirieren auch nach Istanbul. Nichts gegen anatolische Dörfer! Sie sind wunderbar, aber sehr arm und anfällig gegen Verführer und Gehirnwäsche. Es ist bekannt, mit welchen Mitteln die islamistischen Parteien hier und in den Slums der Grosstädte Wählerstimmen einwerben, jedenfalls nicht mit einer Bildungsoffensive. Richtig: die Türkei ist gespalten in diese zwei Welten. Aber genau das wollte Atatürk mit seinen Reformen überwinden. Erphschwester, Du weißt doch, dass er die lateinische Schrift einführte? Auch und gerade in den hintersten Winkeln. Dass er den Fez abschaffte und vieles andere Arabische. Dass er das französische Straf- und das Schweizer Zivilrecht als Grundlage für die hiesige Justiz nahm? Und anderes Erstaunliches mehr unter der Generalüberschrift: Raus aus dem Mittelalter!

Eine – wenn auch zugegeben uneigennützige Überlegung Europas zur Mitgliedschaft der Türkei wäre also: welcher der beiden Entwicklungsrichtungen würde man dabei helfen?

 

Dritter Punkt: die Mitgliedschaft in der EU – wenn wir sie denn noch erleben, smile.

Ich habe fast vierzig Jahre in Deutschland gelebt, nun lebe ich in der Türkei und bin mit einer Türkin verheiratet. Ich liebe die Türkei. Gleichzeitig wird mir klar, dass ich dasselbe von Deutschland nicht unbedingt sagen würde (Ausnahmen: 2raumwohnung, Nina Hagen, Eva Matthes, Gustav Landauer, die ostfriesische Bauernrepublik, Ernst Toller, Wolfgang Neuss, Sibel Kekilli, Ilhan Mansiz, Rosa Luxemburg und und und und (Beuys natürlich). Für mich wäre es sicher praktisch, wenn die Türkei Mitglied der Union wäre (Pass, Visa und so). Aber davon abgesehen….  Soll die Türkei überhaupt? Ich bin da nicht so sicher. Anders sieht es für die EU aus. Meines Erachtens hat sie ein vitales Interesse, die Türkei als einen modernen, laizistischen Staat zu integrieren. Die Alternative könnte nämlich leicht sein, eine Art Iran vor der Türe zu haben. Die geopolitische Lage der Türkei ist einmalig. Ich sage nur: Brückenland. Und alles einmal im Zusammenhang mit der Strategie von Bush, seinem „großen Mittelostprojekt“ (schon mal gehört? Ja, ich weiss, in Europa berichtet man wenig darüber. Hier jeden Tag) betrachten. Hätte man lieber eine amerikanische Kolonie à la Irak am Balkan? Also Leute, seht zu was ihr wollt J

 

Liebe Grüsse

Hibou von der Ecke Kleinasiens

24.09.2004 um 12:22 Uhr

Gänsespiel, Feld Sechs: Der Elefant

von: hibou

DER ELEFANT
"La fumée dans les yeux, un élefant te regarde..." (Antoine)
Seine Farbe! oder vielmehr seine Nicht-Farbe, das Grau, das Schwarzgrau, das so gut zu seinem manchmal unhörbaren Gang passt. Was erweckt der alte Riese der Wälder und Steppen für Gefühle in uns?
Eine vage, unklare Verwandtschaft, unmittelbare Zuneigung, so wir ein Kinderherz bewahrten.
Oh, sie sind uns ähnlich, sogar ähnlicher als die Primaten. Sie haben freigesetze Oberschenkel, sie haben zwei brustständige Milchdrüsen und vor allem haben sie Zahnwechsel! Ihre Backenzähne, groß wie Brotlaibe, von der Farbe und Zerklüftung weißer Jurarücken, erneuern sich alle sechs, sieben Jahre. Im Grunde stirbt ein Elefant erst, wenn kein neuer Backenzahn mehr nachwächst. Wir machen ihm das nach: einmal.
Viel wäre von ihm zu sagen! Da verschwindet er im dichten Grün...
„Die Elefanten ziehen durch den Dschungel, als ob sie eine Verabredung am Ende der Welt hätten.“ (Karen Blixen, Out of Africa)
Wir haben noch einen weiten Weg vor uns....

 

24. April

Ein neues Mal ist der Osterhase gekommen, der Verrückte, der Anarchist, der Unbezähmbare, der Unbesiegbare. Er trotzt der Macht mit Hakenschlagen und rettet sein Leben durch schiere Kreativität.
Noch ein toter Hase, so Beuys, könne mehr für die Umwandlung der Gesellschaft bewirken, als eine Theorie. Die Häsin, so Brehm, verlasse ihre Kinder bald, "neuer Genüsse wegen". Aus lauter Hasigkeit, so Christiane in einem Billet an Goethen, möchte ich ein Wagelchen nehmen und zu dir fahren.... Die Befreiung aus verkrusteten gesellschaftlichen Verhältnissen ist durchaus auch eine Auferstehung von den Toten. Jeder Mensch ein Künstler! aber vorher über die Mächte triumphieren, die uns gefangen halten. So flüsterte mir's der Osterhase.

24.09.2004 um 02:38 Uhr

FELD FUENF : GANS

von: hibou


GANS!
Noch verraten und verkauft und von niemandem erkannt, muss die Prinzessin die Gänse hüten. Nur einmal am Tag, draussen auf der Weide, kämmt sie ihr langes goldenes Haar. Der vorwitzige Gänsejunge Kürtchen will danach greifen. Sie aber spricht: "Weh, weh, Windchen! Nimm dem Kürtchen sein Hütchen, und lass ihn nach ihm jagen, bis ich mich geschniegelt und geschnatzt und wieder aufgesatzt!"
Und schon erhebt sich ein Wind, und schon jagt Kürtchen seinem Hütchen nach! So verweilen auch wir nicht sondern eilen gleich weiter zu Feld sechs: dem Elefanten.....

23.09.2004 um 18:34 Uhr

kardeshler

von: hibou

Ungleiche Schwestern- und Brüderpaare

Plaene für eine neue Serie (nach "Kneipen", "Gaensespiel" etc:

 

Ungleiche Paare, die aber in ihrer Gegensaetzlichkeit anregen. Hab schon die ersten drei im Kopf:

Henri Rousseau - Wassily Kandinsky

Andy Warhol - Joseph Beuys

Don Quijotte - Hamlet :-)

 

lacht nicht! Wie etwa würdet ihr Euch der politischen Weltlage mit Krieg, Ausbeutung, Machtpoker, Achse des Bösen, Clash of Civis usw eher naehern? als Quijotte oder als Hamlet?

 

Naeheres folgt. Vielleicht in Innercity

23.09.2004 um 10:47 Uhr

Immer wenn (featuring Dieter Bohlen)

von: hibou

“(Immer, wenn ich über Joyce schreibe, scheint etwas vom Rhythmus seiner Sprache sich meiner Feder zu bemächtigen)”

(John Berger)

 

Immer, wenn ich über

                       Beuys

                       Helene Stöcker

                       Delphine Seyrig

                       Nora Astorga

                       Ernst Mach

                       Franziska von Reventlow

                       katrin röggla

   etc.

                                                          schreibe, scheint sich etwas von ihnen meiner Feder zu bemächtigen.....

 

Immer, wenn ich von Dieter Bohlen schreibe...

Ich schreibe aber gar nie von Dieter B.??

 

Also gut. Ich versuchs mal:

 

Was haben Eros Ramazotti und Dieter Bohlen gemeinsam?

Sie waren beide schon mal in Verona.

22.09.2004 um 18:48 Uhr

Frank Bohner spricht gut

von: hibou

Warum wir uns Frieden nicht leisten können

 

 

Rüstung garantiert nicht nur Tausenden von Waffenschmieden

und -händlern in aller Welt lukrative und staatlich abgesicherte Ge-

winne. Vor allem sorgt sie dafür, daß die Zinsen in der Welt auf einer

ausreichenden Höhe bleiben, um den Streik des Kapitals zu ver-

meiden. Denn würde man das in die Rüstung investierte Kapital im

zivilen Sektor einsetzen, dann wäre das dort gegebene Angebot

deutlich größer. Ein größeres Angebot an Wohnungen,

Konsumgütern usw. aber würde auf die Kapitalrendite einen ent-

sprechenden Druck ausüben. Aufgrund dieses Drucks müßte-

wenn das Kapital nicht streiken könnte - der Zins schließlich gegen

Null heruntergehen. Da aber das Kapital streiken, d.h. sich vom

Markt zurückziehen kann, sind die Staaten an ständiger Knappheit

und ausreichend hohen Zinsen interessiert, notfalls sogar unter

Duldung und Förderung von Kriegen. Statt das Geld zu zwingen,

sich ggf. auch bei niedrigen Zinsen der Wirtschaft zur Verfügung zu

stellen, sorgen die Staaten auf diese irrsinnige Weise für die streik-

vermeidende Knappheit. Helfen Sie mit ein Geld einzuführen, das

dient und nicht herrscht!

 

 

Literatur

 

Roland Geitmann: Geld und Rüstung - Vom Zusammenhang zwischen

Geldsystem, Wirtschaftskrisen und Rüstung.

Quelle: Zeitschrift für Sozialökonomie,105. Folge, S. 20 ff.

Bezug: Fachverlag für Sozialökonomie, Postf.1320, D-24319 Lütjenburg

 

Helmut Creutz: Das Geldsyndrom, S. 382ff. ISBN 3-548-35456-4

 

 

 

21.09.2004 um 19:45 Uhr

Frankfurter Allee Berlin Lichtenberg (Kneipen 13)

von: hibou

Die Dönerbude finde ich irgendwo in der Verlängerung der Karl-Marx-Allee. Stadteinwärts sieht man schnurgerade auf den Fernsehturm am Alex, stadtauswärts bis Polen und Weißrussland. Ich esse Falafel im Fladenbrot, draußen höre ich fast pausenlos Mannschaftswagen der Polizei vorbeifahren. Ich bin nicht von dieser Welt, meint Xavier N., er singt es auch. Die beiden Imbissbetreiber, junge Männer mit ebenholzschwarzen Schnurrbärten, lesen schweigsam ihre Zeitung. Ich werde gleich zu Pablos Galerie gehen ....

 

(ab hier ging der Originaltext verloren, da der Laerm der Mannschaftswagen zu stark wurde)

 

zurück ins Funkhaus.

18.09.2004 um 11:07 Uhr

Selbstmordattentäter

von: hibou

Vom Leben.

 

Wie süß ist uns das Leben. Es gibt so viel zu genießen. Ein windstiller Septemberabend, die Luft rakitrüb, rosa und hellblau, der Mond eine müde orange Sichel im Westen über dem griechischen Archipel. Fast dieselben Farben und dazu reine Süße im Pflaumenkompott. Ein neues Buch – Geschichte des Holzes, 1.Kapitel: Worauf wir sitzen – Dilek lehnt sich entspannt zurück. Ein spätes Feuerwerk leuchtet und knallt vom Meer herauf. Die Feriengäste dehnen die Stunden ihres letzten Abends im Morgenland. Wohlig rundet sich Zeytin auf dem Diwan. Nermin gewinnt ihre Patience oder löst ihr Kreuzworträtsel aus der Posta. Die Grillen zirpen im Brennholz. Herbst ist gekommen.

 

Dann schimpfen und seufzen wir wieder. Nermin konnte nicht schlafen. Mich haben die Mücken und Grasflöhe zerstochen. Dilek ist mit ihrem neuesten Bild unzufrieden. Yadiş lehnt ihr Futter ab. Andere aber sind wirklich unglücklich, haben ihr Haus verloren, leben mit einer Niere und jeden dritten Tag ist Blutwäsche, haben Krebs, brachten ihre Schwester um…. Und doch zwingt sie alle ein starker Trieb, vielleicht der stärkste, der Selbsterhaltungstrieb, am Leben festzuhalten. Noch in der Todeszelle wird Aufschub um Aufschub herbeigezwungen. Natürlich. Früh fangen wir an, Lebensversicherungen für unsere Kinder abzuschließen. Ein Menschenleben lang geben wir Geld und Technologie und ärztliches Geschick zum Erhalt unserer Gesundheit aus. Milliarden fließen dafür. Ein umfangreicher Apparat von Behörden, Polizisten und Gendarmen sorgt für die Einhaltung der Gesetze und sichert unser Leben. Wir hüten uns vor Gefahren. Wir schnallen uns an und setzen den Sturzhelm auf. Werden wir vom Erdbeben verschüttet fangen wir Atheisten ganz plötzlich an, zu beten. Als ob das frische, nie benutzte Gebet besonders wirksam wäre. Wie Kletten hängen wir am Leben.

 

Das Leben – eine Bindung. Also müsste logischerweise dem Tod ein Moment der Freiheit innewohnen? Ich emanzipiere mich – mit ihm – vom Leben, seinen Bedingungen, Verpflichtungen, Verantwortungen. Ich lasse alles zurück: unbezahlte Rechnungen, unerfüllte Hoffnungen, ungewaschene Wäsche. Der Teufel soll sie holen!

 

Und nun die Selbstmordattentäter und seit geraumer Zeit auch –täterinnen. Ihr vorweggenommener Verzicht auf ihr eigenes Leben, wie freiwillig auch immer, macht ihre ungeheure Stärke aus. Bevor sie unsere Tabus brechen: Unschuldige, Unbeteiligte, Kinder, zivile Helfer, Journalisten, Präsidenten (!) töten, brechen sie das stärkste aller Tabus und verbünden sich mit ihrem eigenen Tod. Das macht sie so buchstäblich unschlagbar. Da kann die hochgerüstetste aller Armeen nicht allzu viel dagegen ausrichten. Nach den Anschlägen wird verkündet, dass die Sicherheitsmassnahmen (einmal wieder) verschärft würden. Ob diese unser Leben sicherer machen oder nur unlebenswerter? Wir haben schon verloren.

 

Was tun. Vielleicht dem Selbstmörder einen Grund zum Leben geben. Kann Bin Laden das, kann Bush das? Wohl kaum. A propos: was ist denn ein Grund zu leben? Sag.

18.09.2004 um 05:58 Uhr

"Erdogan ist unser Mann" - meinten die EU-Politiker lange

von: hibou

"Der Plan der gemäßigt-islamischen Regierung, Ehebruch mit Gefängnisstrafen zu ahnden, hat nicht nur in Europa Widerspruch ausgelöst sondern auch in der Türkei für erbitterten Streit gesorgt. Kritiker befürchten, die Strafbestimmung werde sich in der Praxis einseitig gegen Frauen richten. Wegen der Kontroverse verständigte sich die regierende Gerechtigkeits- und Entwicklungspartei (AKP) Anfang der Woche mit der Opposition darauf, den Paragrafen fallen zu lassen - allerdings, wie türkische Medien jetzt berichten, offenbar ohne Wissen von Ministerpräsident Erdogan. Am Donnerstagnachmittag erklärte Erdogan dann, man werde 'eine Lösung finden, die den Wünschen der Öffentlichkeit gerecht wird'. Präzise wurde er nicht."

(Frankfurter Rundschau)

was heisst in dem Zusammenhang "gemäßigt-islamische Regierung"? Nochmals: Unter der Hand und entgegen den inzwischen 80 Jahre alten Reformen Atatürks ist es den Regierungs- und Parlamentschargen inzwischen in Aussicht gestellt, drei bis fünf Frauen zu haben. Dazu das hier. Bald Tschador.

18.09.2004 um 05:49 Uhr

vieille lettre ouverte pour attila Ilhan

von: hibou

To

Attilâ Ilhan

 

 

Chèr Attilâ Bey!

 

Comme je suis resident à Bodrum mais de nationalité suisse j’ai eu les idées suivantes en lisant votre article “...Kilise Avrupa’yı, Meryem’e mi Adamiş?” in Cumhuriyet issue du 6.12.2002 (mais il faut plustôt dire que ma femme d’origine turque me traduisait son content):

 

Il-y-a des douzaines d’arguments pour et contre l’admission de la Turquie à l’Union européenne. Et je favorise d’ailleurs que la Turquie cesse de se humilier pour cette seule cause....

 

Alors voilà mon alternative: Il restent des pays non-membres et des pays très interessants!! – dont la suisse (je souris), pourquoi quand je passe les douanes de l’Union je dois le faire par la porte “non-européens”? (je me fàche) -, je propose une union de la Turquie avec la Bosnie (C’est bien naturel...), la  Serbie (vieils enemis se tendant la main), la Norvège (riche en huile et toujours nonconformistes). Qu’en dites vous de ça? (je souris encore....)

Bien sur par exemple l’Allemagne serait un bon membre de cette union, parce-qu’elle est une bonne cousine de la Turquie, presque le premier pays turque en Europe centrale (attendons un autre génération d’enfants turques...), mais je crains que les allemands sont trop obéissants aux “vrais” Européens et à l’Amérique (mais cerait-ce dont un autre similarité avec la Turquie (je souris fort)...

 

Veuillez envisager, chèr Monsieur, cette alternative dans vos commentaires futurs. Il nous faut bien d’idées, n’est-ce pas?

 

Avec mes meilleurs veux pour votre travail – que nous suivons de jour à jour – et iyi bayramlar!

 

votre

hibou

Bodrum/Akyarlar

15.09.2004 um 19:01 Uhr

wenn das so weitergeht

von: hibou

Kein Tag ohne Explosionen. Die “Alliierten” haben die Kontrolle über weite Teile des Landes verloren. Sadr-City ist in freiem Aufstand. Wenn das so weitergeht, fällt Bagdad bald in die Hände der Iraker…..

15.09.2004 um 19:00 Uhr

Gesetz gescheitert

von: hibou

In den Nachrichten Bilder der Demonstrationen von gestern. Das von Erdogan und seiner AKP gewünschte Gesetz, dass den Ehebruch zu einer Straftat machen soll, wird erst gar nicht ins Parlament eingebracht. Linke Frauen mit Spruchbändern, aber auch viele vom Dorf mit Kopftüchern, Menschen aller Art und Klassen sind sich einig in ihrem Widerstand. Cui bono? Wem käme ein solches Gesetz wohl zupass? Würde es die patriarchalischen Abgeordneten mit ihren Nebenfrauen und Geliebten treffen? Wohl kaum. Man rate. Aber dass so was zurückgezogen wird, geht eben in der Türkei. In Deutschland würde einmal Beschlossenes durchgepeitscht.