De mortuis nihil nisi bene, heißt die Redensart: von den Toten nur Gutes..... Solches hören wir jetzt vom eben verstorbenen Papst, dessen Sterben schon beeindruckend war, wenn auch mal wieder sehr fernsehgerecht aufbereitet. (Aus nichts Bilder machen: Aufnahmen von penisartig zum verschlossenen Fenster eines Sterberaums hochgereckten Teleobjektiven – also Bilder über Bildermachgeräte, die "zum Schuss" kommen wollen, falls sich ein Vorhänglein regt. Willkürliche Interviews von Passanten in aller Welt – "Wir beten für ihn", schwarzgekleidete Fernsehsprecherinnen schon Tage vor seinem Ableben, Vatikanexperten die Weisheiten über Pressesprecher des Vatikans von sich geben –"Seine Stimmer war belegt", undsoweiter, halt wie das Spektakel immer abläuft.
Ich schlage vor das Sprichwort leicht abzuwandeln: von den Toten genau so wie von den Lebenden nichts Falsches erzählen. Wenn das möglich ist. Gut, also soweit möglich seinen persönlichen reflektierten Eindruck wiederzugeben.
Also: er war sicherlich eine sehr starke Persönlichkeit. Der eiserne Wille, dem Leiden nicht nachzugeben, der eben auch der war, das Szepter bis zum letzten Moment in der Hand zu behalten. Er, "der die Jugend so liebte" war ein stets präsentes Gegenbild zum Jugendkult unserer Zeit. Die geduckte Gestalt, seit Jahren nur noch vom Betstuhl gehalten, das in die Hände gebeugte Haupt, von dem nur ein, aber wie stahlhartes! Auge zu sehen war, wirkte in seiner Versteinerung auf mich ehrlich gesagt oft bedrohlich.
Er setzte sich immer für den Frieden ein und musste, was ja sehr sympathisch ist, dabei ganz auf die Kraft des Wortes vertrauen, denn seine Schweizergardisten wären nicht einmal zur Invasion der nächstgelegenen italienischen Polizeiwache tauglich gewesen. Andererseits: was für ein Machtapparat ist die katholische Kirche noch immer. Du wirst fortan Seelen fischen, heißt ein Wort des Gottessohnes an den Fischer Petrus. Welche Massen hat er bei jedem seiner unzähligen Reisen auf die Beine gebracht! Die Melodien der Messa cantata sind zwar uralt, und doch füllte er, ein Popidol, mehr Stadien als die Rolling Stones.
Sein Gesicht sprach Bände!! Ich glaube, er war unübertrefflich darin, seinen Humor sehr höflich in seiner Physiognomie unterzubringen. Wie er Boris Jelzin und Wladimir Putin anschaute! Wie er Bob Dylan zuhörte! Und zuletzt, wie er verhuschte Handbewegungen machte, weil die weißen Tauben nicht von seinem Fensterbrett wegfliegen wollten, sondern sogar ins Zimmer hineinflogen.....
Die Szene, wie Bush bei einer Audienz den Papst auffordert, weiter für die Freiheit zu kämpfen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: der Blinde wird den Lahmen stützen......
Warum ergreift einer so ein Amt. Warum wird man katholischer Priester? Und wenn schon, warum nicht Mutter Theresa? (Dass die vor ihm kniete, fand ich eher falschrum... Und sogar bei den Muslimen gibt es inzwischen einige weibliche Imame). Denn die Kirche in ihrer noch immer absoluten Organisation ist doch eine Institution des finsteren Mittelalters, und wenn wir dem armen Karol auch die Blutspur, die sie durch zwei Jahrtausende zog, nicht vorwerfen wollen, doch im Grunde ein ganz und gar unchristliches Gebilde. "Die Wahrheit wird euch frei machen". Ein anderes Wort des Religionsgründers. Weder Wahrheit noch Freiheit haben ein Asyl in den Palästen und Inquisitionsarchiven des Vatikans. Hieße nicht, Christ zu sein, nur seinem eigenen Gewissen verantwortlich zu sein? Und wenn auch das vielleicht für ihn galt, so doch in keiner Weise für die Millionen beichtpflichtiger Schäfchen, denen die Priester resolut den Weg zu Gott verbauen.
Er war stark und empfand eine Mission, er verfügte über viele Mittel. Aber er hat den falschen Verein gewählt.
Tritt er nun - als sein Stellvertreter – direkt vor Gottes Thron? Eine interessante Frage. Und was, wenn Gott grad unterwegs und sein Haus verlassen ist?. Lesen wir aber heute nicht Dantes Göttliche Komödie: dort sind die heiligen unter den Päpsten gerade mal eben im Fegefeuer plaziert. Alle anderen schmoren in den tiefen Kreisen der Hölle (gerade so wie wir)
Wer von Euch vertraut Nostradamus? Nach ihm wird der zweitletzte der Päpste ein Slawe (gewesen) sein. Also käme nun der letzte. Nichts gegen Woytila. Aber der Papstthron gehört schleunigst abgeschafft.