...in Liebe*

05.11.2006 um 20:02 Uhr

Immer wieder

von: IchNur

Sie ist noch da. Meine Datei. Eine Zeitlang war Ruhe, Zeit zur Ruhe zu kommen, in Ruhe Zeit dazwischen zu lassen, und am Ende mit Abstand die Sache, die Geschichte neu zu betrachten. Es hat funktioniert. Sein Charme erreicht mich nicht mehr im Kern. Kein Kernerschütterer mehr. Ein Liebhaber. Ein guter. Er weiß das ich in seine Arme möchte wenn ich bei ihm bin, was ich hören möchte und was unsere Welt zu etwas besonderem macht. Es ist mein persönlicher Masochismus. Ich quäle mich ab und zu noch mit dem Gedanken, dass er etwas Besonderes war, und stelle ernüchternd fest, dass er das noch ist. Auf seine Art für mich. 

17.09.2006 um 12:49 Uhr

Altlasten

von: IchNur

Altlasten. Hab ich. Und was hab ich auf meinem Weg nicht alles gefunden. Verwegen, nicht gewolltes, zu jung, zu gut für mich, nicht gut genug, das scheinbar passende Gegenstück aus demselben Holz, Frösche und Kröten, Schwätzer, temporäres Glück. Aber einer hat sich in meinen Kopf gebrannt, ich kann diese Erinnerung nicht überspielen. Ich kann die Datei nicht löschen. Zu schön war die zu kurze Zeit, zu passend für mich, zu witzig und charmant, zu gut und zu angenehm. In seinen Armen liegen war wie zu Hause sein. Der Alltag blieb vor der Tür, nur die Sonne und der Mond konnten unsere Welt mit ihrem Licht berühren. Eine Welt voller Zärtlichkeit, Wünsche, Erfüllungen. Eine kleine Welt, nur wenige Quadratmeter groß, und nur für kurze Zeit geöffnet. Öffneten sich die Türen am nächsten Tag um hinaus zu treten, war ich zuerst von einer leichten Euphorie erfüllt. Ich konnte einen Teil der Leichtigkeit und Wärme mit hinausnehmen in den neuen Tag mit dem Wissen, dass auch diese Leichtigkeit wieder verfliegen würde, mich der kalte Alltag wieder in seinen Besitz nehmen würde. Die Fragen würden sich wieder in meinem Kopf breit machen und damit Raum machen für Melancholie, für die Gewissheit, diese Welt wird nicht für immer für mich da sein. Eines Tages werde ich anklopfen und keine Antwort erhalten. Und bis dahin würde es wieder Tage dauern, bis sich die Türen zu meiner kleinen Welt wieder öffnen, und ich mich zurück die warmen Arme einrollen kann, um alles um mich herum zu vergessen. Und einfach nur zu sein, und zu fühlen und zu spüren. Diese Datei kann nicht gelöscht werden, solange sie noch genutzt wird. Und das wird sie, solange sie da ist.

13.09.2006 um 17:48 Uhr

Müllfahrzeugphänomen

von: IchNur

Wir haben ein so genanntes Müllautophänomen. Im Durchschnitt habe ich eine Nacht pro Woche bei ihm verbracht. Manchmal auch zwei, und mal haben wir uns zwei Wochen gar nicht gesehen. Er wohnte hier in meinem Kiez, bis vor einer Woche. Wir verbrachten Nächte meist nur in der Woche miteinander. Abwechslungsreich war, trafen wir uns an einem Sonntag. Wir standen morgens immer zur gleichen Zeit auf, und ich fuhr die zehn Minuten mit dem Auto zu mir nach Hause. In den letzten Wochen fiel mir auf, dass mir der Weg jedes Mal an einer anderen Stelle im Kiez von einem Müllauto versperrt wurde. Manchmal war ein Umweg von Nöten, manchmal brauchte man nur ein Minütchen zu warten. Jedoch tauchte immer auf dem Weg von ihm zu mir, morgens auf meinem Heimweg, ein Müllfahrzeug vor mir auf. Wahrscheinlich ist es mir heute aufgefallen, weil ich heute weder warten musste, noch einen Umweg fahren.

Dafür gab es einen Abschiedskuss. Und gefehlt hätte nur noch ein „Wir essen um acht.“.

13.09.2006 um 09:05 Uhr

Es ist schön,

von: IchNur

 eigentlich einfach. Vielleicht stehe ich mir auch nur selbst im Weg.

Da lag ich nun in seinem Bett. Ich überlegte doch wieder nach Hause zu fahren. Nicht hier zu übernachten. Es war doch klar, dass ich ihn wollte. Er hingegen wollte nur das Eine. Das wollte ich zwar auch, nur was es bei mir ein Teil vom Ganzen. Bei ihm hingegen war das das Ganze. Mir wurde bewusst, dass ich mir nur etwas vormachte. Ich würde ewig warten, und doch würde nie eintreffen was ich erhoffte. Das wir eine gemeinsame Zukunft haben.

Ich schaute auf die Uhr und stellte fest, dass es noch nicht zu spät war. Ich würde einfach aufstehen, mich anziehen und wieder heimfahren. Ihm genau das sagen, was mir durch den Kopf geht. So saß ich im Bett, hin und her gerissen zwischen Bauch und Kopf. Dann schaute er mich an, schlaftrunken, und legte seinen Arm um mich, zog mich an sich heran, und wir schliefen Arm in Arm ein. Gut, also ich schlafe hier noch. Aber ab morgen dann, ist Ruhe im Kopf. Keine SMS und keine mails. Schluss mit dem an den Hals gewerfe. Er weiß es ja sowieso. Und ich hab sowieso zu tun.

In Liebe*

11.09.2006 um 21:27 Uhr

Ein fast perfekter Morgen.

von: IchNur

Stimmung: schmachtend

Im Mondscheinlicht eingeschlafen. Ab und zu geweckt, von Deckenentzug, der dann sogleich wieder beseitigt wurde. Zuerst ein zartes Streicheln einer warmen Hand, und dann ein schwungvoller Überwurf durch die Decke. Keine Kälte mehr, nur noch ein warmer kuscheliger Mann an meiner Seite. Mal von der bereits bekannten Situation abgesehen, dass mir zwischenzeitlich beherzt ins Ohr geschnarcht wurde. Der Ausgleich waren warme Hände und ein warmer Mann an dessen Rücken man sich passgenau ankuschelt konnte. Ein kuscheliges Kerlchen, der den weiblichen Körper gern mal mit einer großen Decke verwechselt. Das spielt keine Rolle, denn es fühlt sich gut an.

Das Mondscheinlicht verschwand, und wurde abgelöst von morgendlichem sakralen Glockengeläut, welches meine Augen für den Tag öffnete und daran erinnerte, wo ich bin. Umgedreht, rangekuschelt, wieder eingeschlafen. Das helle Sonnenlicht blinzelte mir ins Gesicht, und ich konnte mich noch einmal anlehnen, an den Mann in meinem Rücken. Herrlich. So lag ich da nun, nach gutem Sex im Mondscheinlicht, einer kuscheligen Nacht im morgendlichen Sonnenlicht. Alles was fehlte zu dem perfekten Morgen waren ein Kuss und eine Tasse Kaffee. Es gab beides nicht. Jetzt sitze ich am Schreibtisch vor meinen Unterlagen, habe von einem unsagbar unknuffigen Kissen einen verspannten Nacken.

Aber es war schön. Und ich weiß, dass mir dieser wärmende Mann mit seinen heimlich zärtlich streichelnden Händen heute Nacht fehlen wird, an meinem Rücken zum Anlehnen.