indalo

30.11.2010 um 22:57 Uhr

Was für eine Aufregung

von: indalo

Die letzten sieben Stunden waren wirklich aufregend. Also nicht alle sieben Stunden, da die erste eher mit komplizierten Vorträgen gefüllt war, aber von da an schlug mein Kopf Purzelbäume.

Es ist nunmehr sieben Stunden her, dass ich einen wichtigen Anruf bekam. Es geht mal wieder um den zukünftigen Beruf (ja, jetzt wirkt es eher wie Beruf als wie Job... aber dazu folgt noch ein Kommentar). Nachdem ich eine mündliche und anschließend eine schriftliche Absage bekommen habe und mich in den letzten Tagen mit meiner Zweit- und doch auch irgendwie Erstwahl anfreundete (nein, komplizierter geht es nicht mehr), hieß es nun doch, diese Absagen seien hinfällig. Ob ich noch Interesse hätte? Ich würde gerne sagen können, dass schon da alles Ja schrie, doch das stimmt nicht. Ich war wirklich nicht in der Lage darauf zu antworten. Hätte man mir die Pistole auf die Brust gesetzt, es wär n Münzwurf geworden. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte und erbat Bedenkzeit. „Denken Sie in Ruhe darüber nach und rufen Sie mich morgen früh um 8h an.“ Ja nee, ist klar. Wie war das mit Ruhe? In mir war nichts ruhig, ich haute den Kopf auf die Tischplatte und konnte nicht fassen, was geschehen ist. Dann kamen all diese Informationen auf mich eingeströmt, die mich eine Zeit lang vergessen ließen, was kurz zuvor geschah. Doch schon als ich das Gebäude verließ war alles wieder da. Ich überlegte einen kurzen Moment, ob ich das alles mit mir allein ausmachen möchte und entschied mich dagegen. Ich möchte diesen Moment teilen, diesen doch so bedeutenden Moment meiner Karriere.

Von da an telefonierte ich stundelang. Mit insgesamt sechs Menschen und einigen davon mehrmals. Nicht, weil es neue Argumente gab, sondern weil ganz andere Dinge geschahen. Letztlich auch mit zweien aus völlig anderen Gründen. Sie gehörten nicht zu den Leuten, die an meiner Entscheidungsfindung teilhaben sollten, aber sie durften. Nein, teilhaben sollten – völlig ohne darüber nachzudenken – jene, die die gleiche Laufbahn anstreben. Interessant, da ich nach diesem Kriterium gar nicht gegangen bin, sondern einfach aus dem Bauch heraus. Letztlich – so fälle ich nach neuesten Erkenntnissen meine Entscheidungen – sollten sie mir auch gar nicht wirklich Argumente liefern, sie sollten mir nur zeigen, wie meine im Grunde schon längst gefällt Entscheidung lautet. Neulich (in Neuseeland) stellte ich fest, dass nicht von Bedeutung ist, was andere sagen, sondern nur meine Reaktion auf die Aussagen anderer. Spricht ein anderer gegen eine Variante, rebelliere ich womöglich innerlich, sodass ich weiß, dass ich doch für genau diese Variante bin. Doch diese Entscheidung wurde auch so nicht gefällt. Nein, wieder einmal sagte mir mein Kopf, ich sollte Fakten und Zahlen heranziehen, doch mein Kopf hat nur für einen kurzen Moment das Ruder in der Hand. Bei den wichtigsten Entscheidungen in meinem Leben war es bisher immer so. Ich dachte ich sollte mich mal informieren und dann eine logische Entscheidung fällen. Ich bin ein wirklich logischer Mensch, aber nicht bei so was. Nein, ich höre nur auf mein Gefühl. Mein Herz schlägt für etwas oder es schlägt nicht dafür. Ganz einfach. Ich habe mich in den letzten Tagen nicht richtig damit identifizieren können, auch in den Wochen davor nicht mit dem alten Angebot. Nein, es ging nicht. Aber schon jetzt merke ich, dass ich mich mit dieser Entscheidung identifiziere. Der Moment in dem ich feststellte, wohin die Waage kippt, war total banal. Die Info, die den Baum, der sich Entscheidung nennt, fällte, war, dass diese meine jetzige Heimat die Partnerstadt zu derjenigen ist, wofür ich mich nun entschied. Total banal, ich sag’s ja, absolut nicht rational. Aber so fälle ich meine wichtigen Entscheidungen. So und durch noch viel blödere Dinge. Ganz oft spielen Zahlen eine Rolle, Zahlen, die mir gefallen müssen.
Oder auch der Umstand, dass seit mittlerweile Monaten das zwei Euro Stück genau des Bundeslandes auf meinem Spülkasten liegt, in welchem ich demnächst leben werde. Noch hab ich nichts schwarz auf weiß, aber ich bin guter Dinge. Ich fühle mich gut damit, sehr sogar. Ich muss lächeln, dauerhaft. Ich möchte umherspringen und der Welt verkünden, dass all diese Miesepeter mit ihren Schwarzmalereien Unrecht hatten. Ich, ja ich, habe den Platz meiner Wahl bekommen. Ich kann das machen, was ich möchte. Ich fühle mich wohl damit. Ich, und ich allein habe diese Entscheidung gefällt und begrüße es strahlend, dass meine mir nahestehenden Menschen diese Entscheidung unterstützen. Ich, ja ich, bin gut. Ich fühl mich gut, ich fühl mich grandios, und – was ich sowieso mal wieder schreiben wollte – bin einfach geniaziös *smile*

22.11.2010 um 21:44 Uhr

Wieso vergleichen wir?

von: indalo

Wieso vergleichen wir? Immer mal wieder stelle ich mir diese Frage. Immer mal wieder erwische ich mich dabei zu vergleichen.

Es ist mir egal, wie viel Geld ich verdiene. Und doch stört es mich, wenn ich höre, dass jemand anderes für die gleiche Arbeit einfach mal dreihundert Euro zusätzlich bekommt. Wieso überhaupt diesen Vergleich ziehen?

Auf der anderen Seite raucht mir der Kopf, weil ich tausend und eine Sache vergleichen soll um am Ende den bestmöglichen Deal zu bekommen. Das ist nicht meins. Mich stresst so was ungemein. Ein paar meiner Freunde gucken regelmäßig die Werbung durch um zu sehen, wo sie ein paar Cent sparen können. Ich bin wahrlich ein sparsamer Mensch, aber das kann ich nicht. Es stresst mich mehr als mir die paar Cent wert sind. Das können sie nicht verstehen, aber ich weiß, dass es das nicht wert ist. Die Zeit, die ich regelmäßig mit Werbung zubringen würde, nutze ich lieber anderweitig um Geld zu verdienen. Klingt unlogisch, ich weiß. Täte ich das nicht, müsste ich mir für jeden gesparten Euro mindestens eine Tafel Schokolade kaufen um den Stresspegel auszugleichen. Das lohnt sich auch nicht. 

Und dann schwankt meine Stimmung wieder und ich vergleiche gar nicht. Ich freue mich einfach nur auf das, was kommt. Doch die Betonung liegt auf schwanken, denn es schwankt hin und her. Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten drei Tagen alles verflucht habe und kurze Zeit später dachte, wie toll das doch ist.

Manchmal erschreckt mich, dass die langjährige Theorie nun Praxis werden soll. Dinge, über die man sich seit Jahren immer wieder Gedanken macht, stehen nun unmittelbar bevor. Gar nicht unbedingt der Job selbst, vielmehr das drum herum gibt mir zu denken. Da tauchen die verrücktesten Fragen auf, die sich gut in einer zusammen fassen lassen: „Wie präsentiere ich mich?“

Letztlich stehe ich unmittelbar vor einem Neuanfang. Nicht dem letzten meines Lebens, das ist sicher, aber dem ersten richtig neuen seit geraumer Zeit. Einem wichtigen, einem entscheidenden. Und ich hab so wenig Einfluss, ich will auch so wenig beeinflussen. Es wäre mir lieber, jemand würde mir sagen, was ich jetzt wo, wann und wie zu tun habe.

Damals, als die Schule zu Ende ging, hab ich immer gesagt, dass mich erst stört, dass ich auf einer fordernden Schule war, wenn mein Notenschnitt mich an dem Studienplatz meiner Wahl hindert. Doch komischerweise hab ich mir diese Gedanken nicht am Ende meines Studiums gemacht. Egal wie, ich glaube mich stört keineswegs, an dieser Universität gewesen zu sein. Denn ich kann nun nicht dem Weg folgen, dem ich möchte. Das ist mir halbwegs egal, einerseits weil ich mich schon längst damit abgefunden habe, nicht die erste Wahl zu bekommen, andererseits weil ich diesem Weg überhaupt nicht folgen will. Nachdem die erste Priorität nun längst gestorben ist, hatte ich eine neue. Nun ist auch die nichts geworden und ich schaff es nicht, eine klare Struktur in die aktuellen Ereignisse zu bringen. Einerseits hab ich meinen Wunschort bekommen, doch andererseits war es nur der Wunschort der zur Verfügung stehenden Orte. Also ist mein Wunsch erfüllt worden?

Ich warte noch auf die Dinge, die mich dazu bringen werden zu sagen: „Es hatte alles seinen Sinn.“ Ich sehe noch keinen Sinn, und bei Betrachtung der Umstände und der Wegmöglichkeiten muss ich doch zugeben, dass ich einen Grund dafür brauche, mich dem ganzen hinzugeben. Freiwillig geschieht das nicht.

21.11.2010 um 12:42 Uhr

Sie weinte wegen mir - an ihrem Geburtstag

von: indalo

Ich glaube, das ist nicht meine Woche. Dachte ich eben. Doch dann dachte ich sogleich, dass es doch komisch ist, wie schnell man das Positive bei so Negativem vergisst. Und schon schoss der nächste Gedanke in meinen Kopf: Es ist gar nicht so, dass nur das Positive bei Negativem untergeht, sondern vielmehr so, dass ich im Moment lebe und die aktuellen Gefühle die vorherigen übertönen. Und zur Zeit fühle ich mich niedergeschlagen.

Seit einer Woche bin ich zu einem Geburtstag eingeladen und seit einer Woche möchte ich da nicht hingehen. Zwischenzeitlich hatte ich es vergessen, was mir wiederum zeigte, dass ich wirklich nicht hingehen möchte. Doch es war nicht so, dass ich partout nicht wollte, ich wollte nur einfach nicht. Da war kein Bedürfnis. Geburtstage sind mir nicht so wichtig, und solange der Geburtstaghabende nicht ganz deutlich sagt, dass es ihm wichtig ist, habe ich auch nicht das Bestreben, nur wegen des Datums hinzufahren.

Kurzzeitig überlegte ich immer mal wieder, doch ich entschied mich jedes Mal dagegen. Oder eher nicht dafür. Heute liege ich hier in meinem Bett und denk nur: „Hätt ich mich mal aufgerafft.“ Denn das jammerte mir eine weinende Stimme heute früh auch ins Ohr: „Ich dachte du hättest dich aufgerafft.“ Kein Vorwurf in der Stimme, nur Traurigkeit. Sie weinte. Sie weinte unerbitterlich und ich bin Schuld.

Es wird gerade immer mehr. Wieso weinen gerade so viele Menschen wegen mir? Ich werde nicht sterben, und doch bin ich der Grund für ihre Traurigkeit. Ich löse sie aus, und weiß der Himmel, das will ich nicht. Doch ich kann mich dagegen auch nicht wehren. Das heute, das hätte ich verhindern können – hätt ich doch nur verstanden. Aber das habe ich nicht. Weil ich bockig war... weil ich was klarstellen wollte... weil ich egoistisch war... was weiß denn ich? Es tut mir Leid, es tut mir ehrlich Leid. Und ich hoffe, damit hab ich die positiven Entwicklungen der letzten Zeit nicht zunichte gemacht. Wobei ich sagen muss, dass die positiven Entwicklungen nicht so positiv gewesen sein können, wenn ich sie durch so etwas zunichte mache. Deswegen glaube ich das auch nicht. Zumal... sie verstand. Auf meine wirklich idiotischen Erklärungsversuche hieß es nur schluchzend: „Ich weiß, ich weiß.“ Doch weiß sie wirklich? Würde sie weinen, wenn sie wissen würde?

Ich versteh das nicht, wieso bin ich so anders? Anders als die Menschen um mich rum. Manche Dinge sehe ich so rational, so klar, so deutlich, und andere Dinge, und zwar genau die Dinge, die die anderen rational und eindeutig sehen, seh ich nur mit dem Gefühl. Nein verdammt, ich habe sie nie aufgegeben. Alle haben gesagt, sie würde sterben. Alle. Doch ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben, nicht einmal als ich sah, dass sie selbst die Hoffnung aufgegeben hatte. Als sie von sich sprach als wär sie schon tot. „Gegen Ende mochte ich es dann doch.“ Selbst da hatte ich Hoffnung, selbst da wollte ich kämpfen. Und damit war ich allein, ganz allein. Wie kann man nur? Wie kann man sich aufgeben? Wie kann man sie aufgeben? Aus Schmerz? Aus Angst? Aus Vorbereitung auf das angeblich nicht zu verhindernde? Nein, es gibt keinen Grund aufzugeben, nicht die Hoffnung, nicht für mich.

20.11.2010 um 17:20 Uhr

Emotion ausgestellt

von: indalo

Es wurmt mich. Eigentlich sollte ich mich mehr darüber freuen. Eigentlich.

Als ich es gestern sah, im Internet, da freute ich mich. Am Telefon hatte ich ne Freundin hängen, die meine Freude darüber gar nicht so recht bemerkte, weil sie viel zu beschäftigt mit ihrem eigenen Leben war. Aber ich freute mich.
Anschließend ging ich in die Uni und vergaß, was ich da sah. Später telefonierte ich wieder mit ner Freundin, ner anderen, und plötzlich fiel es mir ein. Ich hatte nicht darüber nachgedacht, ob oder wie ich es ihr sagen sollte, es kam mir einfach in den Kopf und ich sagte es ihr. Sie fand das gar nicht gut. Ich glaube, sie kämpfte mit den Tränen. Und auf einmal wurde mir bewusst, was genau ich ihr da sagte. Ich hätte darüber nachdenken sollen. Nun war es zu spät.
Einige Zeit danach stand sie bei mir vor der Tür und bejahte die Frage, ob sie bleiben wolle. So schlimm? Und ich dachte, ich hätte immer klargestellt, dass es so kommen würde. Verdammte Hoffnung, die sie sich gemacht hat. Verdammt sei sie, die Hoffnung. Nur Schmerz bereitet sie ihr nun.

Doch all das hat wenig mit meinen Emotionen zu tun, so hoffe ich zumindest. Mit nur einer Tat mach ich zwei Menschen unglücklich. Die eine nahm das bisher alles gefasst, die andere noch nie. Supi. Wieso können manche Menschen nicht rationaler sein? Es war immer klar, dass es so kommen würde. Immer. Schon bevor wir uns kennen lernten. Und seit geraumer Zeit, genau genommen seit Monaten, ist auch klar, dass es jetzt so kommen würde. Und doch liegen sie beide deswegen schluchzend in meinen Armen. Was soll ich denn tun? Und ist es wirklich das, was meine Freude so eindämmt?

Ich bin hin und hergerissen. Einerseits will ich das doch, aber andererseits fühle ich es nicht. Irgendwie glaube ich, hab ich meine Emotionen, was dieses Thema angeht, abgestellt. Immer mal wieder überrollt mich irgendein Gedanke und ich kann mir nur an den Kopf fassen. Vielleicht wird es besser, wenn ich mit Menschen darüber rede, die sich ausnahmslos freuen werden. Vielleicht hilft das.

19.11.2010 um 18:23 Uhr

Kreuz im Kalender

von: indalo

Heute ist ein Tag, der ein Kreuz im Kalender verdient. Ja, noch viel mehr als nur ein Kreuz. Ein unglaublicher Tag. Im Grunde warte ich schon mein ganzes Leben auf diesen Tag, und das ist wahrlich nicht so übertrieben wie man denken könnte.

Vor ein paar Stunden rief meine Mutter an um sich bei mir zu entschuldigen.

Das war’s schon? Ja, das war’s. Das ist der Grund für ein Kreuz im Kalender. Der beste Grund überhaupt. Denn solange ich lebe hat meine Mutter sich nicht ein einziges Mal entschuldigt. Noch nie. Sie hat vor über nem Jahrzehnt mal nen Fehler bemerkt, aber sie hat sich nie entschuldigt. Sie hat es auf eine andere Art „wieder gut gemacht“. Sofern man das wieder gut machen konnte. Dann nahm sie andere Wege um mir mitzuteilen, dass ihr das ein oder andere Leid tat, dass sie sich Gedanken macht. Doch nie direkt, nie von Angesicht zu Angesicht. Immer nur hinten rum. Sei es durch eine Karte, die ich in meinem Zimmer fand, oder durch ein neugekauften Gegenstand, den sie zuvor zertrümmerte. Aber noch nie hat sie sich bei mir entschuldigt. Nicht einmal für banale Dinge wie versehentliches Anrempeln. Wäre ich nicht überzeugt von ihren Deutschkenntnissen würde ich meinen, dieses Wort gehört nicht zu ihrem Wortschatz. Letztlich gehörte es immer nur zu ihrem passiven Wortschatz.

Und heute hat sie sogar extra angerufen um sich zu entschuldigen. Sie hat es einfach so gesagt. Ich war vielleicht nicht sprachlos, aber doch mehr als irritiert. Gestern telefonierten wir und sie wurde schon wieder fuchsteufelswild. Sie wurde laut, ironisch und einfach nur unhöflich. Schweigend saß ich am Telefon und wartete darauf, dass sie einfach so auflegt. So wie sie es einst tat. Ich blieb ruhig, wiedersprach ihrem Wutanfall gelegentlich und wartete letztlich ab. Dann hat sie sich plötzlich wieder eingekriegt. Ich kann mich nicht mal dran erinnern, ob sie das schon mal geschafft hat, solange ist es her, dass ich sie derart wütend erlebte. Schon knappe achtzehn Monate ist sie nämlich normal und umgänglich. So fürchtete ich während ihrer Tobsucht am Telefon, dass die Zeit des Friedens womöglich ein Ende haben könnte. Doch auf einmal hat sie sich wieder beruhigt und erzählte mir von irgendwas belanglosem. Das allein hat mich schon sehr fasziniert. Doch dass sie dann auch noch anruft, um sich dafür zu entschuldigen, das setzt dem ganzen die Krone auf.

Neben dieser absolut unerwarteten Entschuldigung verblasst der Umstand, dass ich eine Zusage für einen Job bekommen habe. Heute. Es stand im Internet, dass ich demnächst Post bekomme. Schwarz auf weiß hab ich schon gelesen, wo meine (womöglich) zukünftige Arbeitsstelle ist. Doch diese (zumindest für mich) durchaus sehr freudige Information ist untergegangen. Diese Entschuldigung beansprucht die gesamte Aufmerksamkeit. Doch ein kleiner Punkt dieses Kreuzes im Kalender steht auch für diesen Job. Auch wenn ich es nicht fühlen kann, so ist mir das doch sehr wichtig. Auch wenn es nur ein Job ist, die Lage zählt.

18.11.2010 um 21:25 Uhr

Dein Anblick hat sich eingebrannt

von: indalo

Es tut mir Leid. Es tut mir wirklich Leid. Bis zu dem Moment, als ich deinen Gesichtsausdruck sah, war ich mir nicht im Klaren darüber, was ich dir damit antun würde und letztlich angetan habe. Dir selbst war es wohl auch nicht klar.

Auf meine Frage nach der Uhrzeit hieß es nur „Sieben.“ Einer der sicherlich sehr seltenen Momente, in denen ich mir ein Handy wünschte. Oh, wie gerne hätte ich dich in dem Moment angerufen um dir zu sagen, dass es mir gut geht. Schon ganze drei Stunden war ich fort und du hast um mein Leben gebangt. Ich wusste, du würdest dir Sorgen machen, aber ich wusste nicht, was das in dir auslöst.

Im Bus sitzend freute ich mich einfach nur, dass du bald wissen wirst, dass es mir gut geht. Als der Bus auf den Parkplatz fuhr, hörte ich eine Stimme sagen: „Na siehste, jetzt ist alles wieder gut. Und sie weiß das auch.“ – „Nein, noch nicht. Siehst du denn nicht ihr Gesicht?“ Ich wollte nur eins in diesem Moment: in ihr Blickfeld kommen. Sobald ich es geschafft hatte, aus und um den Bus rumzukommen, war alles okay. Ich sah die Veränderung in ihrem Gesicht, jeder konnte sie sehen, aber nur ich konnte verstehen, wie panisch ihr Gesicht vorher wirklich war. Wir umarmten uns. Lange. Fest. Sie wollte mich nie mehr loslassen. Nie mehr. „Dir ist klar, dass ich dir von jetzt an nicht mehr von der Seite weiche?“ Nein, das war’s mir vorher nicht, aber jetzt schon. Ihr Brustkorb zitterte als ich sie an mich drückte. Sie schluchzte, doch niemand sollte es wissen. Später umarmte sie mich noch einmal und begann erneut zu beben. Da wusste ich noch nicht, dass ich sie später stundenlang zitternd in den Armen halten würde. Ouh man, was hab ich dir bloß angetan?

Jetzt, im Nachhinein, sollte ich vermutlich darüber nachdenken, dass ich es besser nicht getan hätte. Doch das tue ich nicht. Vielleicht bin ich deswegen ein schlechter Mensch, vielleicht bin ich egoistisch, wer weiß, doch ich denke nicht darüber nach, es zu bereuen. Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich es vermutlich dennoch getan. Denn wenn ich es nicht getan hätte, hätte ich das bereut. Und sie hätte sich auch Vorwürfe gemacht. So muss ich nun damit leben, dass ich für diese grausamen Emotionen verantwortlich bin, die sie an diesem Tag empfand. Ich muss mit dem Wissen leben, dass diesmal ich für ihr unaufhörliches Zittern verantwortlich bin. Es ist nicht das erste Mal, dass ich sie so erlebte, aber es ist das erste Mal, dass ich allein dafür verantwortlich bin.

Es ist nicht so, dass ich vorher nicht wusste, was ich ihr bedeute. Das wusste ich. Ich bin mir jetzt auch nicht sicherer oder verstehe es noch besser, nein, jetzt habe ich nur eine konkrete Situation als Beispiel dafür, dass ich Spuren hinterlassen würde. Sie ist mir so nah, ich bin ihr so nah, dass würde mir etwas passieren, sie danach nicht mehr der gleiche Mensch ist.
Und trotzdem bin ich mir nicht sicher, ob wir in fünf Jahren noch Kontakt haben. Ich glaube daran, ganz fest sogar, aber sicher bin ich mir nicht mehr. Bei gar nichts mehr. Und bei ihr noch weniger.

17.11.2010 um 20:18 Uhr

Ich bin nicht gesprungen

von: indalo

Vor wenigen Tagen stand ich an einem Canyon und damit vor der Wahl, hinein zu springen. Kein Selbstmordversuch, sondern ein Bungee Sprung. Ein paar Wochen zuvor erwähnte ich schon, dass ich für so ziemlich jeden Mist zu haben bin – nur über Bungee und ähnliches müsste man noch mal diskutieren. Ich wollte mir ansehen, was mich erwartet, eh ich blindlings irgendwas zusage. Denn wenn ich zusage, dann mach ich das auch. Ich zieh durch, was ich angefangen habe.

Auf dem Weg zum Canyon wurd ich schon gefragt. Ich wurde nicht gedrängt. Dort angekommen stellte ich fest, dass es hauptsächlich um Gruppendynamik ging. Nein, auf Grund von Gruppenzwang mach ich das gewiss nicht, und sollte jemand versuchen mich zu überreden, sag ich ohnehin Nein. Letztlich war mir das Spektakel zu groß, ich lehnte alle Aktivitäten des Canyons ab. Noch besser: Ich setzte mich in eine Ecke der Aussichtsplattform und ignorierte den Rest. Ich bin ein Mensch mit Höhenangst, mit extremer Höhenangst. Schon im vierten Stock bekomm ich weiche Knie. Das hält mich keineswegs davon ab, in den zehnten Stock zu gehen oder sonstige Türme zu besteigen. Nein, ich lass mich davon so wenig wie möglich und nur so viel wie nötig einschränken.
Eine andere Person am Rande dieses Canyons äußerte sich auch zu Höhenangst, bei ihr beginnt es im dritten Stock. Und doch merkte man davon nichts. Dies brachte mich einmal mehr zu der Erkenntnis, dass Höhenangst sehr menschenspezifisch ist und mich da eine durchaus kuriose Form erwischt hat. Ich allein auf der Plattform würde von der Höhenangst nichts spüren, was mir weiche Knie und ein mulmiges Gefühl in der Magengegend bereitet, sind die anderen. Das war schon auf dem Balkon im vierten Stock so, wo ich sorglos meine Beine aufs Geländer legte – solange ich allein war.

So weit, so gut. Bungee wurde von mir abgelehnt, unter anderem mit der Begründung, dass ich – wenn ich mal in solche Höhen gehe – doch etwas von der Aussicht haben möchte. In den Canyon kann ich auch so reingucken, dafür muss ich nicht reinspringen. Und den Kick brauch ich schon mal gar nicht, Kick hab ich genug in meinem Leben. Wenn es jedoch Fallschirmspringen geben würde, würd ich das noch mal in Betracht ziehen.

Einen Tag später stand ich plötzlich vor der Frage, ob ich Fallschirmspringen möchte. Um Himmels Willen, wo kam plötzlich diese Frage her? Ich brauchte Bedenkzeit. Hatte ich nicht. Gut, im Schnellverfahren. Noch in jungen Jahren beschlossen zwei Freunde und ich, dass wenn wir achtzehn werden, wir Fallschirmspringen gehen. (Unsere Eltern hätten uns das minderjährig nie erlaubt.) Das ist nun schon einige Jahre her und gemacht hat das keiner von uns – wir standen auch einfach nie vor der Wahl. Nun stand ich vor der Wahl und mich grauste der Preis. Das ist doch noch ein teures Vergnügen. Letztlich stellte ich mir nur eine Frage, und wenn ich die bejahe, dann würde ich es tun.

Wenn mir heute jemand anbietet, kostenlos Fallschirmspringen zu gehen, würde ich es machen? Ja.

Damit war für mich geklärt, dass ich es möchte. Das Geld sollte mich davon nicht abhalten. So setzte ich also meinen Namen auf die Liste und am nächsten Tag würde es losgehen.
Ich dachte nicht weiter daran. Weder an dem Nachmittag, noch abends oder nachts, noch am nächsten Vormittag. Sicherlich erwähnte der ein oder andere es mal, aber man hätte genauso gut übers Wetter reden können. Es war nicht weiter wichtig. Dann kam der Bus, der uns zum Flugplatz bringen sollte. Schon im Bus betrank sich ein anderer um den Mut zu finden. Wieso macht man so was, wenn man sich erst Mut antrinken muss?

So langsam begann die Aufregung. Nicht eine Sekunde stellte ich in Frage, was ich gerade tat. Mir kam gar nicht der Gedanke, dass ich einen Rückzieher machen könnte. Am Flugplatz angekommen pushten sich alle gegenseitig hoch. Es wurde noch mal ein Video gezeigt (sind wir wirklich so bescheuert das zu tun?) und dann wurden auch schon die ersten in Anzüge gesteckt. An uns vorbei ging es zum Flugzeug. Das Flugzeug startete und wir warteten. Das würden wir bald auch tun? Da hochfliegen, minutenlang um dann in Windeseile wieder runterzukommen? Die ersten Punkte verließen das Flugzeug. Sie fielen und fielen, der Fallschirm öffnete sich. Noch immer fiel ein Punkt, der Kameramann. Auch der Fallschirm öffnete sich und der coole Typ machte eine noch coolere Landung. Mit einem Grinsen im Gesicht kamen die ersten zurück. Immer noch kein Infragestellen. Das nächste Duo machte sich auf den Weg, die Nervosität sah man ihnen an. Das gleiche Prozedere, nur diesmal hieß es: „Nie wieder. Das mache ich niemals wieder.“ Überlebt, aber offensichtlich nicht gut überstanden. Das dritte Duo. Immer noch keine Spur von Reue. Ich sollte mir merken, ab wann ich aufgeregt war. Auch da noch nicht. Ich freute mich viel mehr auf die Aussicht und die Frau, die mich bei dieser Aktion begleiten würde. Als dann auch das dritte Paar zurückkam, war ich an der Reihe. Sie zerrte unaufhörlich an mir rum als sie mir die Gurte umband.
„Do you want gloves or are tough?“ Was für eine Frage? Was soll man darauf bitte antworten? Weiteres zerren, reißen, biegen. „Oh that’s good, just perfect.” Danke, danke. Schmiert die eigentlich allen so viel honey ums Maul? Ich fühlte mich geschmeichelt. Das macht die doch nur, damit ich mich gut fühle.
Auf dem Weg nach draußen klapperte mein Geschirr. Auf die völlig überflüssige, weil ohnehin nicht ernstgemeinte Nachfrage, ob das normal ist, kam die breit grinsende Antwort: „I don’t think there is anything normal about you.
And I love that.“ An dieser Stelle setzte mein Gehirn dann zwischenzeitlich aus. Als nächstes kämpfte ich gegen den Propellerwind an um mich ins Flugzeug zu setzen. Hier hockte ich ne Weile auf dem Boden, eh drinnen Platz für mich war. Nun sollte es also in die Lüfte gehen, nun gut. Ich setzte mich der jungen Frau auf den Schoß und hab mir die Zeit, die sie durchgängig an mir rumzuppelte und zerrte, mich auf den Boden setzte um mich wieder auf ihren Schoß zu ziehen, mich enger schnallte und umarmte und mir gelegentlich was über die Gegend unter uns erzählt, damit vertrieben, aus dem Fenster neben mir zu gucken. Eine wunderschöne Landschaft. Wir drehten unsere Kreise in der Lüfte und ich machte mir Gedanken darüber, wo der Unterschied zu einem normalen Flug war. Einerseits war das Fenster größer, das Flugzeug kleiner und es war weitaus zugiger, aber andererseits ging es doch einfach nur langsam immer höher. Nur landen sollten wir nie. Ich versuchte, meine Gedanken auf ein Minimum zu halten und die Aussicht zu genießen, was mir auch wunderbar gelang. Nur als sie plötzlich der Ansicht war, ich müsste die Tür des Flugzeugs auf über vier tausend Metern Höhe aufreißen, konnte man meinen Gemütszustand nicht gerade als entspannt bezeichnen. Ist ihr denn nicht bewusst, dass es gefährlich ist, während des Flugs die Tür zu öffnen? Und dann soll auch noch gerade ICH das machen? So hatten wir nicht gewettet, als man mir die Videos zeigte. Nicht denken, einfach handeln. Und ich zerrte an der Tür. Gar nicht so einfach, wir hatten komischerweise Gegenwind ;-)
Nicht viel später hing ich in der Luft, an eine mir wildfremde Frau gekettet, die noch im Flugzeug sitzt, und suchte nach einer Stange, UNTER die ich meine Beine packen sollte, nicht darüber. Eh ich diese Stange fand, sah ich vor meinen Augen den Erdboden und fiel. Ich hing mitten in der Luft. Hier der Ozean, da die Felder, weiter drüben die Straßen und Häuser und ganz weit hinten noch Berge. Bezaubernd die Landschaft, wirklich bezaubernd. Hinter mir eine Stimme, die mich fragte, ob das nicht absolut genial sei. Ich konnte nur bejahen. Es wurde alles immer größer, es kam näher und irgendwie hatten wir ne Menge Gegenwind. Zweihundert kmh, ich fass es nicht. Dann ein kleiner Ruck und ich saß in der Luft. Cool, so kann man sich noch entspannter umsehen. Und hey, da flattern ja noch andere umher, soso. Dann erzählte sie mir wieder was über die Gegend, als ich plötzlich ein paar Zentimeter tiefer sackte. Sie hatte irgendwas gelöst und auf meine Irritation hin hieß es nur: „You just jumped out of an airplane with me.
Don’t you think you can trust me by now?“ Aber sicher, mit meinem Leben.

Am Boden angekommen dachte ich nur: “Jederzeit wieder.” Doch als wir uns die Videos der anderen anguckten, wurde mir wieder ganz mulmig bei der Ansicht des aus dem Flugzeug springenden Menschens. Dieses Bild hatte ich eben noch live vor mir, den Abgrund, die Tiefe, und doch wirkte es anders. Das war ich, das hab ich getan. Da hatte ich keine Angst, doch dieser Film, der machte meine Knie wieder zu Wackelpudding. Erklär mir doch einer dieses Phänomen.

Ein anderer, der mich auf dieser Plattform am Canyon hat sitzen sehen, meinte – als dann alles vorbei war – er hätte nicht geglaubt, dass ich das durchziehen würde. Das passt für ihn nicht zusammen. Für mich hingegen ist das total logisch. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Beim Fallschirmspringen fällt man doch schon, was soll man da noch Angst haben? Es ist doch eh schon zu spät. Und wenn es um den Vergleich zum Bungee geht, dann behaupte ich ungesehen, dass Fallschirmspringen besser ist. Nicht nur wegen der unterschiedlichen Aussicht, sondern weil es um unterschiedliche Dinge geht. Beim Bungee geht es um den Kick des Absprungs. Den Kick brauch ich nicht, das ist nicht meins. Fallschirmspringen hat für mich auch nichts mit Kick zu tun. Ich spüre da kein Adrenalin, kein Rauschgefühl. Nein, das ist mir nicht wichtig. Und noch weniger ist mir wichtig, dass alle wissen, dass ich es getan habe. Im Gegenteil, ich habe erstmal dafür gesorgt, dass nirgends veröffentlicht wird, dass ich Fallschirmspringen war. Erzählt habe ich es bisher einem Menschen und das auch nur, weil sie fragte. Meinen Eltern möchte ich es gar nicht sagen, nicht aus Angst vor den Reaktionen, sondern einfach, weil sie sich sonst unnötig Sorgen machen würden. Die verkraften ja schon kaum, wenn ich in ein normales Linienflugzeug steige. Nein, diese Sorge muss ich ihnen nicht noch zusätzlich aufbürden.

So viel also dazu. Nur eins möchte ich noch festhalten:
Ich bin NICHT gesprungen.

16.11.2010 um 20:18 Uhr

Mein von mir gemochtes Ich gefällt auch anderen

von: indalo

Heute morgen kam ich in die Uni und merkte, wie ich beobachtet wurde. Sie stand da an der Wand und schaute schüchtern rüber. Beim ersten Mal dachte ich mir noch nichts, auch beim zweiten Weggucken ihrerseits als ich zu ihr hochguckte, war mir noch nicht klar, was das bedeutet. Neugierig war ich aber schon, sodass ich ein drittes Mal testen musste. Dieses schüchterne Lächeln. Irgendwas an mir zog ihre Aufmerksamkeit auf mich, das merkte ich auch noch, als sie an mir vorbei gehend den Raum betrat.
Irgendwann folgte ich ihr in den Hörsaal und ging – das alles schon wieder vergessend – den Gang entlang und hielt an irgendeiner Reihe um zu fragen, ob da noch ein Platz frei sei. Ich sah in erschrockene Augen und bekam keine Antwort. Als ich noch einmal dieselbe Frage stellte, nickte sie und ich erkannte, dass sie das Mädchen vor dem Raum war. Ich setzte mich. Sie wirkte genauso nervös wie irritiert.

Solche Geschichten kenne ich zur Genüge, doch eigentlich aus der anderen Sicht beschrieben. Das war mal was neues. Doch nicht das einzig neue heute.

Am späten Nachmittag klingelte mein Handy, ein doch ungewöhnlicher Umstand. Ich erkannte die Stimme am anderen Ende erst nicht, doch als sie fragte, ob ich zu Hause sei, bejahte ich einfach. In dreißig Sekunden wollte sie vor meiner Tür stehen. Aha, jetzt weiß ich auch, wer das ist. Lange nichts gehört und noch länger nicht gesehen. Dann kam sie die Treppen hoch, den Flur entlang und fiel in meine Arme. Ich glaube sie schluchzte.

Als sie fort war, kam mir der Gedanke: Ich muss ein guter Mensch sein, wenn sie in ihrer Not bei mir vor der Tür steht, obwohl wir uns lange nicht gesehen haben. Sie war mal ziemlich präsent in meinem Leben, doch das ist schon wieder Jahre her.

Heute war ich der Mensch, der ich immer sein wollte. Auf eine Art wurden Träume war. So hab ich mir mein Leben vor Jahren vorgestellt. Ich wünschte mir, einfach ich zu sein, ein normales Leben zu führen, hier und da Menschen zu kennen und eben auch, dass jene Menschen wissen, dass sie in Zeiten der Not einfach vor meiner Tür stehen können. Ganz egal was vorher war oder eben nicht war.

15.11.2010 um 06:01 Uhr

Ich konnte dich nicht fühlen

von: indalo

Gerade bin ich dort gewesen, wo du warst. Etwas, das dir gehörte. Die ganze Zeit. Ich wusste vorher, dass es so ist, dass ich dorthin fahre, wo du vor nicht allzu langer Zeit zu Hause warst. In dem Land, in der Stadt. Ich wusste, ich würde hinfahren.

Deine Adresse hab ich nicht rausgesucht. Ich wollte nicht wissen, wo du warst. Ich wollte dich nicht suchen müssen. Es sollte meins sein, meine Erfahrung, meine Geschichte. Das ist sie, und doch stelle ich gerade fest, wie nah ich dir war. Google Maps verriet mir soeben, dass du zwei Straßen weiter gewohnt hast. Ich hätte nur mein Hostel verlassen und zwei mal rechts abbiegen müssen, dann hätte ich vor deiner Tür gestanden. Ich habe es nicht gemacht, denn ich wusste nicht, dass der Zufall (oder das Schicksal?) mich schon wieder so nah an einen Menschen ranbringen würde, der eine derart bedeutende Rolle in meinem Leben spielt. Die Stadt ist riesig, die größte des Landes, und uns trennen nur zweimal rechts abbiegen und nur ein kurzer Fußmarsch? Ich laufe jeden Tag eine längere Strecke bis zur Uni als ich zu dir hätte zurücklegen müssen.

Als ich dort war, gab ich von mir, dass ich die Uni gerne sehen würde. Es war kein Muss, aber wenn man Zeit hat, dann gerne. Nicht nur wegen dir, nein, Universitätsgebäude haben oftmals ihren eigenen Charme, den hätte ich gerne sehen wollen. Doch Müdigkeit hielt mich davon ab, auf Suche zu gehen. Ich hatte auch keine Ahnung, wie weit ich hätte laufen müssen. Und dann, des Nachts, es war dunkel, stand ich plötzlich vor diesem Schild. Einfach so. Das Schild mit dem Namen der Universität, deiner Universität. Es tauchte aus dem Nichts auf. Als wollte es mir sagen: „Hey, hier bin ich. Du wolltest doch zu mir.“

Jetzt, hier, zu Hause, suchte ich spontan deine Adresse und dachte, ich guck mal nach. Da sah ich die Nähe. Ich suchte die Bilder, die du mir damals zeigtest.
Wir haben dieselben Fotos gemacht, wir haben dieselben Bäume fotografiert, wir haben denselben Turm abgelichtet. Doch ich fühlte dich nicht. Du warst nicht da, du warst nicht bei mir. Du bist weg, du bist wirklich weg.

13.11.2010 um 19:18 Uhr

Shelby in Neuseeland

von: indalo

Shelby I

Shelby steigt irgendwo in Asien um und krabbelt von einem Flieger zu nächsten.

 

Shelby II

Auf dem Weg kommt Shelby an Grünzeug und Felsen vorbei.

 

Shelby III

Und bei den großen Beuteltieren macht Shelby große Augen.

 

Shelby IV

Doch dann genießt Shelby die schöne Aussicht auf den großen Ozean. Nach so einer langen
Reise ist man auch ganz schön platt.

 

Shelby V

"Aber schön ist's hier."

 

Shelby VI

Da muss man sich erstmal wieder setzen. Einfach umwerfend.

 

Shelby VII

Sogar nen Schatz hat Shelby gefunden!

 

Shelby VIII

Nicht nur der Pazifik ist beeindruckend schön.

 

Shelby IX

"Oh je geht das tief."

 

Shelby X

"Da nehm ich lieber n Kayak."

 

Shelby XI

Und so wird man belohnt, wenn man die Schlucht erfolgreich passiert hat.

 

Shelby XII

Da hat Shelby sich gedacht: "Hier bleib ich!"

 

Shelby XIII

Kein Wunder, bei der Aussicht!

 

Shelby XIV

Doch die Abenteuerlust war stärker als die Bequemlichkeit. Ein Berg wollte bestiegen werden.

 

Shelby XV

"Muss ich wirklich noch weiter?"

 

Shelby XVI

"Aber hier reicht's doch nun wirklich, oder? Gleich gibt's kalte Füße."

 

Shelby XVII

"Guck mal, der hat auch schon keine Lust mehr. Nicht mal bis hier wollte er."

 

Shelby XVIII 

"Mist, ich wusste, ich würde kalte Füße bekommen."

 

Shelby XIX

Na, wer weiß, wo Shelby sich da gerade rumtreibt?

 

Shelby XX

Wieder auf Normalnull angekommen. Darauf gibt's jetzt erstmal n Schluck zu trinken.

 

Shelby XXI

"Huch, wo ist denn das ganze Wasser hin?"

 

Shelby XXII 

"Ach, hier hat es sich versteckt."

 

Shelby XXIII 

"Und ich versteck mich im Urwald!"

 

Shelby XXIV

Wo will Shelby da bloß hin?

 

XXV

"Oooh jaaa!"

 

XXVI 

Doch leider geht es nochmal in den Großstadtdschungel...

 

Shelby XXVII

12.11.2010 um 20:45 Uhr

Verstorben

von: indalo

Vor zwei Tagen, zwölf Stunden und vierzig Minuten ist ein Mensch gestorben. Sagt man dazu nun verstorben oder gestorben? Worin unterscheiden sich diese Wörter eigentlich?

Wie dem auch sei. Ich schrieb vor ein paar Wochen noch, dass ich nicht an den Tod glaube. Ich glaubte es damals nicht und ich glaube es heute auch noch nicht. Der Anruf mit der unheilvollen Nachricht trieb zwar Tränen in die Augen, doch glauben tu ich es nach wie vor nicht. Es ist so, das mag sein, aber es wirkt nicht wahr.

Was soll man jetzt sagen? Mein Beileid? Ich fühle mit dir? Oder: Ich weiß, wie weh das tut? Nichts davon habe ich gesagt, denn nein, ich weiß nicht wie weh das tut. Für jeden bedeutet der Tod dieses einen Menschens etwas anderes. Ich kann nicht verstehen, was es für manche bedeutet, selbst wenn ich glaube, das es enorm viel bedeutet. Floskeln treffen es jedenfalls nicht. Worte verhallen im Nirgendwo. Ich bevorzuge es zu schweigen - denn was soll ich dazu schon sagen?