indalo

28.01.2011 um 22:01 Uhr

Ich habe Angst

von: indalo

Ich habe Angst. Irgendwie. Ich liege seit Tagen bewegungslos auf meinem Bett und starre auf den Bildschirm. Irgendeine Serie läuft eigentlich immer. Ich kann mich in diese Welt verkriechen, diese fiktive Welt, in der ich ohnehin nichts richten kann. Denn in meiner Welt, da gibt es gerade zu viel zu... entscheiden.

Ich stehe vor der Weggabelung, ich schlage einen Weg ein und ich weiß nicht, wieso. Ich gehe diesen Weg, weil er richtig erscheint. In meinem Kopf springt immer wieder der Satz „Das mache ich jetzt. Dazu habe ich mich entschieden und jetzt zieh ich das durch.“ herum. Ich weiß leider nicht, worauf er sich bezog oder bezieht, denn eigentlich weiß ich doch gerade, was ich warum mache. Ich verlasse die Stadt für einen Job. Für das Fortschreiten in meinem Leben. Es fühlt sich auch nicht so falsch an, es birgt nur so viele Unsicherheiten. Wo komme ich die erste Zeit unter? Passt das, was ich mir in meinen kühnsten Träumen ausmale? Wie werde ich eine dauerhafte Unterkunft, auch Wohnung genannt, finden? Eine, wo ich mich wohl fühle? Wo ich hinmöchte? Wie wird das alles funktionieren? Es wird funktionieren, das weiß ich. Ich weiß auch, dass es gut wird. Nur wie es wird, das weiß ich nicht.

Dann habe ich ein Date mit einer Freundin festgemacht. Einfach so. Ich möchte mir ihr reden, seit einem Monat möchte ich mit ihr reden. Ihr Fragen stellen, ihre Antworten auf Herz und Nieren prüfen, mich von ihr überzeugen lassen. Ich möchte so viel, doch ich fürchte, da wird nichts gutes bei rumkommen. Ich stehe neben mir, habe viel zu viel mit meinem Leben zu tun als dass ich in ihrem rumfuschen sollte. Aber sollte mein überladenes Leben mich daran hindern, ihr zu sagen, was ich ihr sagen muss? Sollte ich es aufschieben, bis es gar zu spät ist? Ist es das vielleicht jetzt schon?

Ich habe Angst, gerade etwas falsches zu machen. Ich habe Angst, es aus den falschen Gründen zu tun. Doch sollte ich ihr nicht sagen, dass ich Zweifel an ihrer Hochzeit habe? Ist es nicht meine Aufgabe, ihr diese Bedenken mitzuteilen?

Was bedeutet das für uns, wenn ich ihr diese Gedanken mitteile? Was sagt es über mich aus, dass ich an ihrer Beziehung zweifle? Was sagen die Gedanken, die ich sonst so hege, über mich aus? Und wie kann ich damit leben, wenn es weitergeht? Wenn sie es durchzieht? Kann sie mich überzeugen? Was, wenn nicht?
...genau davor habe ich Angst.

25.01.2011 um 09:24 Uhr

Manchmal machen Träume glücklich

von: indalo

In einer Zeit wie dieser nehm ich alles mit. Und heute morgen bin ich mit einem Wohlgefühl aufgewacht, das ich gut gebrauchen konnte. Der Traum war verwirrend und mehr als unlogisch, aber ich fühlte mich wohl und geliebt in den einzelnen Szenen. Und da war diese Frau, die jemanden aus der Realität repräsentierte, mit dem ich weder was zu tun habe, noch haben möchte. Doch im Traum, da war sie angesagt. So angesagt, dass ich ihre Aufmerksamkeit in vollen Zügen genossen habe.

Noch jetzt, einige Zeit nach dem Aufwachen fühl ich mich gut damit. Ein wenig erschreckt es mich, da ich mir nicht darüber im Klaren war, dass ich das brauche. Denn auch wenn man Dinge annehmen kann, wenn man sie nicht direkt nötig hat, so bin ich mir recht sicher, dass ich es derzeit nötig habe.

Seit einiger Zeit frage ich mich nicht mehr, wie ich mich künftig präsentiere. Nein, seit ich meinen Wunschort bekommen habe, frage ich mich das gar nicht mehr. Dort fühle ich mich – zumindest aus der jetzigen Sicht – so wohl wie ich bin. Wie sich das im Einzelnen gestaltet, das werde ich demnächst sehen. Wer weiß, vielleicht wird mein Traum Realität.

14.01.2011 um 20:52 Uhr

Hallo Zahnfleisch

von: indalo

Da sind all diese Emotionen, die irgendwo hinwollen. All diese Gedanken, die rauswollen. Ich bin unausgeglichen. Ganz eindeutig. Woran ich das merke? Daran, dass mich ein nicht wahrzunehmender Zahnarzttermin emotional angreift. Daran, dass mich ein unnötiger fünfzehnminütiger Spaziergang über die Maße frustriert. Und daran, dass ich auf die Frage „Kommst du kuscheln?“ nur mit einem harten „Nein.“ reagieren kann und anschließend noch denke: „Wenn du mich kennen würdest, wüsstest du, dass...“ Es ist nicht wichtig, was nach diesem „, dass“ kommt. Es hat nichts damit zu tun, ob mich jemand kennt oder nicht. Diese Sätze oder Gedanken zeigen nur, dass ich aufm Zahnfleisch geh und jede falsche Bewegung überbewertet wird. Mehr nicht.

Gestern bekam ich eine SMS, dass ne Freundin sich gerne bei mir auskotzen würde, doch ich nicht zu Hause sei. Blöd nur, dass ich diese SMS ganze drei Stunden später bekomme und schon lange zu Hause rumsitze und nichts tue. Kaum zu Ende gelesen wähle ich ihre Nummer. Einfach so. Es ist ewig her, dass wir einfach nur telefonierten. Ich würde nicht unbedingt sagen, dass es gut tat, denn das wäre übertrieben. Aber das Wissen, dass sie mich anruft, einfach weil ihr danach ist, das täte gut – würde Wissen mehr Einfluss aufs Fühlen haben.

In den letzten Wochen überdenke ich vieles. Manche Freundschaft wird genau unter die Lupe genommen. Eigentlich will ich das gar nicht. Es ist doch völlig egal, welche Freundschaft inwiefern sinnvoll ist und welche nicht. Da gibt es zum Beispiel einen gewissen Herren. Ich kann in Worten nicht beschreiben, was unsere Beziehung ausmacht. Ich könnte in kurzen knappen Worten die Umstände beschreiben, die ein Teil von uns sind, doch das würde ein falsches Bild vermitteln. Fest steht, dass wir uns in den letzten Jahren im Grunde gar nicht unterhalten haben. Wir sehen uns regelmäßig, doch zu sagen haben wir uns nicht wirklich etwas. Und trotzdem leuchten meine Augen, wenn ich von ihm erzähle. Und trotzdem zählen manche Nebensätze aus seinem Mund mehr als manche Geschichten von anderen. Und trotzdem ist unsere Freundschaft etwas, das mich ausmacht.

12.01.2011 um 21:24 Uhr

Blöde Courtage

von: indalo

Es ist schon lustig, die Sache mit den Zeichen. Eigentlich hör ich darauf doch so sehr, und eigentlich habe ich darauf doch jetzt auch gehört. Doch wieso kommen auf einmal die lautesten Zeichen aus den falschen Ecken? Ich habe mich für eine Stelle entschieden und damit gegen eine andere. Doch auf einmal häufen sich die Zeichen, die auf diese andere Stelle hinweisen. Ich nehme das zur Kenntnis, es beunruhigt mich auch nicht weiter, aber in all meiner „Ich folge den Zeichen“-Euphorie muss ich doch fairerweise festhalten, dass ich manchen Zeichen eben nicht folge. Das heißt, ich nehme sie wahr, aber handle nicht nach ihnen. Es ist nicht so, dass ich sie gänzlich ignorieren würde. Das tue ich nicht.

So plane ich also weiter meinen Umzug. Ich bin kein Fan von Umzügen. Die Arbeit selbst ist dabei nicht das Problem, eher das ganze Drumherum. Ich habe das Gefühl, einen schlechten Deal zu machen. Wohnungen werden immer teurer und ich werde demnächst mehr zahlen und weniger dafür bekommen. Das gefällt mir nicht. Von der Maklercourtage ganz zu schweigen. Sollte nicht der Vermieter diese Gebühr zahlen, da er ja derjenige ist, der dadurch weniger Arbeit hat? Ich als Mieter habe diese Arbeit und zahl noch obendrauf – wie unlogisch ist das bitte?

09.01.2011 um 11:53 Uhr

Wege im Leben

von: indalo

Es gefällt mir immer wieder, wenn andere versuchen mich oder mein Leben zu beschreiben. Es ist mir und auch für mich wichtig, das zu erleben. So las ich eben wie ein Freund bewundernd über etwas schrieb, das für mich vollkommen normal ist. Man sieht das Besondere am eigenen Handeln und Tun nicht mehr.

So beeindrucken mich Menschen mit künstlerischen Fähigkeiten immer wieder. Die Menschen hingegen kennen aber noch viele andere, die noch ganz andere Sachen können, weshalb sie ihre eigenen Künste nicht mehr zu schätzen wissen. Das ist schade, und kommt so häufig vor. Ich weiß, dass es auch mir immer wieder passiert. Man vergleicht sich immer nur mit dem Besseren, man strebt nach mehr, nach Größerem, doch das sollte man nicht. Man darf vergleichen, aber doch nicht immer nur mit denen, die besser sind. Sicherlich fördert das die Entwicklungen und Fortschritte, nur ob das dem eigenen Wohl zu gute kommt?


Weiter las ich davon, wie er schrieb:
Sie sei froh, mich doch noch angesprochen zu haben. „Viel Glück“, wünscht sie mir, „machen Sie was aus ihrem Leben!“
Was aus meinem Leben machen. Hab ich das nicht schon? Oder bin ich mit 25 noch zu jung, um etwas aus meinem Leben gemacht zu haben? Immerhin bin ich fast fertig mit meinem Studium, habe liebe Freunde und kann mit drei Tennisballen jonglieren.


Es ist ein guter Rat zu sagen, dass man etwas aus seinem Leben machen soll. Manchem möchte ich das raten, weil ich fürchte, dass er es vergisst. Doch auf der anderen Seite kann man sich damit auch gut in die Nesseln setzen, denn manch einer hat schon mehr aus seinem Leben gemacht als man sieht. So hat dieser junge Mensch von fünfundzwanzig Jahren schon etwas aus seinem Leben gemacht. Er nutzt sein Leben, er lebt so wie es ihm gefällt. Ich bewundere das immer wieder. Denn auch wenn ich das so handhabe, so kenne ich leider viel zu viele Menschen, die das nicht gebacken kriegen. Die meisten leben Mainstream. Sie wollen doch eigentlich was ganz anderes, aber wie das im Leben so ist, studiert man, weil man sein Abitur gemacht hat. Und das wiederum hat man auch nur gemacht, weil man konnte oder eben dafür gesorgt hat, dass man es geschafft hat. Nicht weil man wollte oder darüber nachgedacht hat. Nein, einfach weil das so ist. Ich schließe mich da nicht aus, ich habe mein Abitur gemacht weil ich es nicht besser wusste. Ich habe vorher nicht darüber nachgedacht, es war wichtig für mich zur Schule zu gehen, also blieb ich dabei. Doch habe ich gewiss nicht studiert, weil man das so macht. Ich wollte nie studieren und hätte ich meinen Job auch ohne Studium haben können, so lege ich meine Hand dafür ins Feuer, das ich das sofort getan hätte.

08.01.2011 um 16:33 Uhr

Reiseerinnerungen

von: indalo

In der Bahn sitzend lese ich den Reisebericht eines Freundes, der diesen Sommer um die Ostsee radelte. Schon mehrfach wollte ich ein paar Zeilen seines Textes mit jemandem teilen. Mitteilen, wie amüsiert ich bin. Fest habe ich mir vorgenommen ihn nachher zu fragen, ob ich diesen Bericht an jemanden weiterleiten darf. Er ist viele Seiten lang, aber es lohnt sich, ihn zu lesen. Ich liebe seinen Schreibstil. Schon seit Jahren. Eines Tages soll er ein Buch schreiben, das wünsche ich mir. Doch immer wieder frage ich mich, ob mir das alles so zusagt, weil er ein Freund ist. Mein Freund ist. Denn Werke der Menschen, die man liebt, beurteilt man doch nicht mehr objektiv, eher subjektiv.

Dann passiert es. Ich lese eine Stelle und schaue lachend hoch, ein Blick aus dem Fenster der rollenden Bahn und vor meinen Augen ein wunderschönes Bild., Acker, Feld, Wiesen und Nebel. Es sieht unglaublich schön aus.

Ich beschließe, diesen Moment festzuhalten. Notiere diese Gedanken und schaue wieder aus dem Fenster. Auf einmal habe ich das Gefühl dort zu sein, wo er lang gereist ist. Die kleinen Häuser, die rote Farbe. Das habe ich doch eben erst gelesen.
Der nächste Blick aus dem Fenster liefert wieder eine romantische Aussicht. Schnee mit zugefrorenen Seen, eine langsam untergehende Sonne, zartes Blaugrau vermischt mit leichten Orangetönen erfreuen mein romantisches Herz. Das Licht, welches sich in den Pfützen spiegelt, erinnert mich daran, dass ich bald nicht mehr hier lang fahren werde. Diese sehr vertraute Strecke, die ich manchmal nicht mehr so zu würdigen weiß, wie sie es verdient hat, wird bald keine normale Fahrt mehr sein. Ich werde sie demnächst nicht mehr so entspannt nebenbei genießen können. Es werden noch mehr Tränen fließen, nicht nur wegen der Schönheit dieses Anblicks, sondern wegen der Erinnerungen die dann nur noch Erinnerungen sein werden. Es wird mir fehlen. Ich mag nicht gehen.

Ich bin ein glücklicher Mensch. Und kaum dass ich diese Worte geschrieben habe, sehe ich einen „Hamburg Süd“ Container am Straßenrand. Er katapultiert meine Gedanken zurück nach Neuseeland, wo genau diese roten Container mit weißem Schriftzug auf mich warteten. Erstaunlich, was so eine Blechbox alles auslösen kann.

05.01.2011 um 23:36 Uhr

gebrochenes Herz

von: indalo

Gerade stolperte ich über eine alte Nachricht, die ich schrieb. Sie bewegt mich sehr. Ich schrieb sie einem Menschen, den ich zu dem Zeitpunkt schon ein paar Jahre nicht gesehen hatte und zu dem auch kein richtiger Kontakt herrschte. Mir war danach noch zu antworten, nach fast einem Jahr. Warum, das weiß ich nicht. Bis heute kam keine Antwort und ich denke, sie wird auch nicht mehr kommen.

Doch was ich las, das war spannend. Darin befinden sich Sätze wie „Und dann war ich im Ausland, 6 lange Monate - war das schön! Da ist so viel passiert, so viel hat sich geändert, ich habe mich verändert. Es war unglaublich! Unglaublich schön. und ich wollte partout nicht weg...“ und „Abschiede sind einfach nichts für mich. Es brach mir das Herz und ich brauchte zwei Monate, bis ich wieder richtig in Deutschland angekommen war.“

So habe ich gefühlt? Ich erinnere mich nicht mehr richtig... ich habe diese Zeit damals in mein Herz geschlossen und gut weggepackt. Ich weiß noch, dass ich so fühlte, aber selten fühle ich noch, dass ich so fühle. Nicht einmal jetzt kann ich behaupten, es noch zu fühlen. Ich weiß es nur.

Mein Herz ist immer noch gebrochen...