indalo

31.05.2011 um 20:08 Uhr

Der Ring zur Verlobung

von: indalo

Die Frau mit dem Ring – wer erinnert sich? Vor ein paar Monaten ist sie mir begegnet. Sie und ihr Lächeln, sie und ihre liebe Art. Sie und dieses zauberhafte Aussehen. Sie gefiel mir sofort, auch wenn ich ihre erste Einladung ablehnte. Ich überlegte, ob ich mich ärgern sollte. Zu einer Lösung bin ich nie gekommen. Dann entdeckte ich einen Ring an ihrem Finger und fragte mich, was er zu bedeuten haben könnte. Ich nahm mir vor, das herauszufinden. Was ich mir vornehme, setze ich meist auch um. Und so weiß ich seit heute, dass dieser Ring etwas zu bedeuten hat. Ein Verlobungsring. Aus der Traum. Der Traum, der ohnehin schon begraben wurde. Begraben unter Arbeit, unter Verwirrungen und Zeitlosigkeit. Vielleicht auch mangels Input. Es war richtig, denn einerseits wird sie in wenigen Wochen ihren Polterabend haben und kurze Zeit später heiraten, und andererseits fehlte da auch irgendwas. Der endgültige Funken sprang nie über. Himmel sei Dank kann ich da nur sagen. Ich hab wahrlich genug zu tun, da könnt ich mich nicht auch noch um unerwiderte Gefühle kümmern. Es gibt zig andere Gefühle um die ich mich derzeit kümmere. Fragen, Unsicherheiten, Verwirrungen. Genug von allem. Und insbesondere der Kampf um den Boden unter den Füßen macht mir zu schaffen. Manch einer möchte ihn mir nehmen, letztlich schaffen es auch viele, denn der Boden kommt und geht wie bei einer Achterbahn. Ich muss nur meine Mitte wieder finden und mich solange daran klammern, bis ich auf ein wenig Erfahrung zurückblicken kann und andere mich nicht mehr angreifen können. Ich mich nicht mehr angreifen kann.

29.05.2011 um 22:32 Uhr

Liebe auf den ersten Blick - das war's

von: indalo

Das war es ganz eindeutig. Liebe auf den ersten Blick.

In einem Film heißt es, dass man es von Anfang an weiß. Beim ersten Blick ist es klar. Alles, was danach passiert, bestätigt nur, was man sofort gewusst hat.
Mir gefällt das. Ich glaube, das passt. Wobei ich einräume, dass es auch Liebe auf den ersten Blick gibt, die verpufft. Eine Täuschung, weil man vergessen hat, dass es noch andere Gefühle zwischen Nichts und Liebe gibt.

Vor ein paar Wochen stand ich im Laden, und da sah ich ihn. Er stand an die Wand gelehnt und ich guckte rüber. Da war irgendwas, ich konnte es nicht greifen. Aber es blieb, dieses Bild von ihm mit dem Rücken an der Wand. Es brannte sich ein, noch heute habe ich es sehr farbenfroh in Erinnerung. Wobei farbenfroh übertrieben ist, denn eigentlich erinnere ich mich nur an ihn. Das Drumherum existiert nicht mehr.
Heute steht er hier in meinem Wohnzimmer. Nicht an der Wand, sondern an ein paar Kartons gelehnt. „Er“ ist ein Rucksack. Mein Rucksack.
Als ich im Laden stand und ihn das erste Mal sah, wurde er mir sofort ausgeredet. Der sei nichts für mich. Möglich. Er stand ziemlich schlicht da rum und ich wollte Funktionen, und zwar viele davon. Also vertraute ich dem Mitarbeiter und ließ die Finger von ihm. Doch dann machte ich mich schlau und stellte fest, dass er alles hat, was mein Herz begehrt. Einfach alles. Und so stimmte der erste Eindruck, überhaupt der Umstand, dass er meine Aufmerksamkeit bekam. Es war Liebe auf den ersten Blick. Eine Liebe, die mit dem näheren Kennen lernen gefestigt wurde.

So wie bei ihr. Damals. Die ersten Worte, die ich von ihr las, brachten mich zum Leuchten. Meine Augen? Meine Ohren? Mein Herz? Einfach alles. Sehr schnell wusste ich, dass da was ist. Es hätte sich auch schnell als Finte herausstellen können. Doch das tat es nicht. Im Gegenteil, mit jedem weiteren Gespräch bestätigte sich der erste Eindruck. Sie kam, sah und siegte. Zumindest für eine Zeit. Zumindest bis wir alles verloren.

19.05.2011 um 09:14 Uhr

Hilfe, dieser Sommer!

von: indalo

Oh Hilfe, ich platze gerade vor Aufregung. Ich bin so hibbelig, ich weiß nicht wohin mit mir. Da sind so viele Gedanken, so viele Pläne, so viele Wünsche, so viele Doppelungen in den Terminen. Schlimm. Doch ich kann schon mal festhalten, dass ich gerade sehr in der Gegenwart bin. Dieses Jahr nimmt mich gerade ein, oder genauer genommen dieser Sommer.

Einerseits möchte ich ja ein paar Wochen ins Ausland. Diese paar Wochen sollen schon irgendwie am Stück sein, müssen sogar. Doch ich finde in diesem Terminkalender, der sich mein eigen nennt (und letztlich doch nur ein einfacher, gefalteter Zettel ist), kaum ein paar zusammenhängende Wochen. Jede zweite Woche findet irgendwas statt, manche Termine kann ich selbst bestimmen, beugen sich aber dennoch bestimmten Gegebenheiten. So scheint mir gerade, dass dieser Sommer ganz schön voll und bestimmt total toll wird, aber auf der anderen Seite frag ich mich gerade, wie ich da lebend und vor allem heil rauskommen soll.
Von den Wochen im Ausland möchte ich mich nicht abbringen lassen. Nein, nein, nein. Dann kam mir gerade diese zauberhafte Idee eine Großveranstaltung in München zu besuchen. Ganz Europa trifft sich da dieses Jahr zu einem Event, das nur bestimmte Menschen interessiert. Da möchte ich hin, zumal ich soeben feststellte, dass ich da grundsätzlich frei habe. Nur wie passt das jetzt noch in meinen Terminkalender? Kurz vorher findet doch noch was anders wichtiges in Hamburg statt. Rase ich dann einfach einmal quer durchs Land?

Bei all diesen festen Terminen muss ich aber noch Platz für einen JGA finden, den ich ganz nebenbei auch noch selbst organisieren darf. Ja doch, ich sage darf, da ich so wenigstens den Termin und den Rahmen selbst festlegen kann. Dass ich bald darauf auch noch diverse andere Termine auf Grund dieser Hochzeit habe, ignoriere ich am Besten so lange, bis ich nicht mehr kann. Denn dass ich zwischendurch auch noch arbeiten muss – nicht einmal um Geld zu verdienen, sondern einfach um mir selbst und meinem Beruf gerecht zu werden – scheint gerade gar nicht in meine Pläne zu passen.

18.05.2011 um 18:12 Uhr

Drogenproblem?

von: indalo

Es ist wie eine Sucht, es ist meine Droge. Mein Arbeitsplatz ist mein Aufputschmittel, der Stoff, der mich am Leben hält.

Seit ich da angefangen habe, lebe ich. Ich spüre jede Faser meines Körpers, jede Regung, jede kleine Veränderung. Ich lebe intensiv, ich erlebe so vieles intensiv. Es rauscht nicht an mir vorbei, ich bin da, dabei, voll und ganz. Doch schon neulich stellte ich fest, dass es wirklich der Ort ist, der meine Kräfte kanalisiert. Es ist nicht nur die Tätigkeit, nicht nur die Menschen, sondern auch irgendwie der Ort. Er war es früher auch immer. Es war mein Leben, für so viele Jahre lebte ich in der Schule. Ich lebte nicht an dem Ort, wo ich wohnhaft war – wo auch immer das zwischenzeitlich gewesen ist. Nein, ich lebte in der Schule. Das war mein Leben.
Ich erinnere mich immer noch gut daran, wie meine Mutter meinte, ich sei so ein negativer und schlecht gelaunter Mensch. Wer hier schon ein Weilchen liest, sollte wissen, dass das nicht stimmt. Es stimmte auch damals nicht, jedenfalls nicht in der Schule. Doch ich hatte meiner Mutter auch nichts entgegenzusetzen, sie kannte einen anderen Menschen als all diejenigen, die ich tagsüber sah. Auch da war die Schule mein Leben.

Jetzt ist es nicht anders. Vor einiger Zeit war mein Arbeitstag beendet, ich fühlte mich energiegeladen und belebt. Doch mit jedem Schritt, den ich mich von dort entfernte, wurde mein Körper schwerer und langsamer. Ich wurde erschöpft und müde. Die Wirkung der Droge ließ nach.

Heute machte ich mich auf den Heimweg, aufgedreht, freudig, strahlend. Das totale Energiebündel. Doch kaum dass ich in der Bahn saß, wurde ich ruhig. Meine Gedanken flossen so dahin und auf einmal erinnerte ich mich an diesen schrecklichen Moment des Tages, als mein Inneres kippte. Nicht die Stimmung im Raum war das Problem, ich wechselte schließlich den Raum, aber auf einmal entschwand das Lächeln aus meinem Gesicht und meine Stimmung fiel zu Boden. Da saß dieses Kind, diese Jugendliche vollkommen aufgelöst vor mir. Genau das gleiche Mädchen, was mich kurze Zeit vorher noch verschmitzt angrinste. Ihr wurde eine einfache Frage gestellt und statt Worte brachte sie nur Tränen heraus. Ich weiß nicht, was da los ist, ich habe keine Ahnung. Ich möchte auch keine Vermutungen anstellen. Ich möchte nur festhalten, wie unschön dieser Moment war und wie schnell ich ihn vergessen habe. Wie schnell ich wieder aktiv, fröhlich und munter wurde. Bis… bis ich mich von dem Ort entfernte, der etwas auszustrahlen scheint, das mich in Stimmung bringt.

Vielleicht, oder gar womöglich, ist das alles ein schlechtes Zeichen. Vielleicht verrenne ich mich da in etwas, vielleicht ist all das ein Zeichen dafür, dass es nicht der richtige Beruf für mich ist. Vielleicht.

17.05.2011 um 22:32 Uhr

Schöne Mails mit Unbekannt

von: indalo

Kennt ihr das? Manchmal schreibt man mit Unbekannten Emails. Einfach so, aus bestimmten Gründen. Völlig unwichtig. Und dann taucht da dieses Gefühl auf. Ein Gefühl der Zuneigung, ganz schwammig und schlecht zu greifen. Es wächst ein Lächeln auf den Lippen, wenn man durch die Zeilen fliegt und irgendwie… irgendwas sagt euch, dass da was ist. Man denkt: „Da geht doch was.“ und es ist schön zu merken, dass es so Menschen gibt. Menschen, mit denen man sich einfach versteht, auch wenn es nur eine zweckgerichtete Kommunikation ist, auch wenn klar ist, dass das Ende in Sicht ist, da man ein gemeinsames Ziel anstrebt, welches zeitlich gesteckt ist. Und doch baut sich da was auf. Gedanken formen sich, vielleicht sogar Wünsche. Doch dann, dann sagt sie einem, sie heiratet – wenn sie es nicht schon vor Jahren getan hat. Der Moment, der eigentlich alles zerplatzen lässt, und doch nicht tut. Denn das ist egal, es war von vornherein klar. Und doch ist es schade.
Nur das Schöne bleibt, die Erinnerung an die schönen Mails, an das Lächeln beim Lesen, an das verstanden fühlen. Und die Spannung auf die erste live Begegnung, die ansteht. Die erste und vermeintlich letzte, sodass es dann nur noch eine Geschichte bleibt. Eine, an die man sich gerne erinnert und sie doch niemandem erzählt, weil kaum jemand versteht.

14.05.2011 um 22:09 Uhr

Luftschloss zum Anfassen?

von: indalo

Mein Leben ist so schön, so sehr mein Leben, dass ich nicht aufhören kann zu grinsen, wenn ich durch fremde Straßen gehe. Heute Morgen machte ich mich auf den Weg in ein – wie ich zumindest dachte – kleines Dorf. Später am Tag stellte ich fest, dass es wohl nicht so klein sein kann, wenn Großstädter es kennen. Dennoch war es klein und ich bewegte mich auf meinen Füßen einmal quer durch zu einer Firma. Unbekannt, wie ich annehme. Ich traf dort auch einen Unbekannten. Wir hatten Anfang der Woche ein paar sehr wenige Emails geschrieben und Ende der Woche telefoniert um uns auf das heutige Treffen zu einigen. Ich wusste nicht, was ich zu erwarten habe, ich sicherte nicht einmal ab, dass diese Fahrt auch keine Verschwendung werden würde. Ich dachte mir, ich mach das einfach. Und wenn es am Ende nur eine Erfahrung war. Doch schon die Bahnfahrt tat mir unheimlich gut. So viel Zeit ich in den letzten Wochen und Monaten auch in Bahnen verbrachte habe, so sehr fehlt es mir auch. Denn die letzte Zeit hatte ich eigentlich immer Gesellschaft, mal fremd, mal bekannt. Doch heute saß ich einfach nur da und konnte meine Gedanken sichten. Das fehlt mir. Doch wie es für mich typisch ist, merke ich das erst, wenn ich es wieder habe. Mal sehen, ob ich daran arbeiten kann.

Wie dem auch sei, ich lief also durch diesen Ort und wusste nicht wohin mit meinem Lächeln. Gute Laune wollte aus mir heraus, doch mein Körper wusste gar nicht recht, wie er das zeigen sollte. Ich freute mich einfach so sehr. Darüber, dass ich mich auf den Weg machte, darüber, was mich wohl erwarten könnte, darüber, dass ich mal wieder einfach so etwas völlig verrücktes mache. Und ich wurde auch noch darüber hinaus belohnt. Ich bekam kiloweise Material geschenkt. Einfach so. Es ist verrückt, sich darüber derart zu freuen, doch für mich ist es nicht das Geschenk, das zählt, nicht das Material selbst, sondern die Kombination aus allem, inklusive des Umstandes, dass ich nun endlich etwas besorgt habe, was ich schon seit Monaten haben möchte. In meinem Kopf hab ich die verrücktesten Ideen gesponnen. Ich habe Pläne, ich habe Wünsche, ich habe doch Träume. Doch ich weiß nicht, ob mein realistisch denkender Kopf meinem eigenen Wunschdenken in die Quere kommt, oder ob das alles nur eine Seifenblase ist. Meine Zukunft ist mir so schleierhaft wie selten. Es gibt so viele Möglichkeiten, so wenig Klarheiten. Möchte ich mein eigener Chef sein? Möchte ich etwas erschaffen und gestalten, was bleibt? Wie groß ist eigentlich meine Angst davor, zu versagen? Hindert sie mich an der Umsetzung? Fragen über Fragen. Es bleibt einzig festzuhalten, dass es nach wie vor in meinem Kopf ist, Gedanken, die vor Jahren geboren wurden. Eigentlich schon vor über einem Jahrzehnt. Doch so langsam werden sie greifbarer, möglicher, wenn auch meine Verbündeten mit jedem neuen Aufschwung dieser Idee wechseln. Unterschiedliche Menschen bauen mit mir ein Luftschloss von dem sie, glaube ich, nicht wissen, dass ich es wirklich gerne anfassen würde.

13.05.2011 um 20:29 Uhr

Sprachkombi

von: indalo

Vor weniger als einer Stunde bekam ich eine SMS von jemandem, der mir in all den Jahren, die wir uns kennen gerade mal zwei SMS geschickt hat. Also wahrlich etwas besonderes. Ob ich etwas übersetzen könne. So öffnete ich sogleich die Seite, auf der ich vermutete, den Text zu finden. Aha, aha, ich sollte also eine Antwort in die Fremdsprache übersetzen, damit die Verständlichkeit gewährleistet wird. Krieg ich schon irgendwie hin.

Neugierig wie ich bin, guckte ich mir dann auch gleich an, worum es in diesem Text gehen sollte. Ein kleines Bildchen mit nur sehr wenigen Wörtern tauchte auf meinem Bildschirm auf. Komisch, das Ende verstehe ich, doch der Anfang ist gewiss keine Sprache, die ich spreche. Doch irgendwie… kam sie mir bekannt vor. Ich konnte erahnen, was das heißen soll. Ich lag teils daneben, doch irgendwie… irgendwie war da was faul. So googlete ich den Text und wurde fündig. Finnisch. Ich traute meinen Augen kaum. So mailte ich mit der SMS-Schreiberin hin und her bis wir geklärt haben, wo das Problem lag. Das war gar nicht so schwierig, schnell konnte ich kombinieren, was wohl geschehen ist und wir lösten das Problem.

Doch mal wieder verwundert mich, was dieser Freitag der Dreizehnte vollbrachte. In nur fünf Zeilen, in nicht mehr als acht Wörtern wurden zwei Sprachen kombiniert, die für mich auf sehr kuriose Weise zusammenhängen. Sie beide bedeuten mir etwas, auch wenn ich (bisher) nur eine beherrsche.

06.05.2011 um 22:42 Uhr

Sie verlassen das Land

von: indalo

Heute bekam ich einen Anruf. Ich wollte schon wie gewohnt ans Handy gehen und sah gerade noch rechtzeitig, dass es nicht der erwartete Anrufer war. Es war jemand anders. Doch entschied mich trotzdem für die übliche Begrüßung. „Salut.“ – „Das ist ein gutes Stichwort.“ – „Du… ihr… jetzt im Ernst?“ – „Ja.“ Wow, sie haben eine Zusage bekommen und verlassen das Land. Vor wenigen Tagen sprach ich noch mit jemandem darüber, dass ja bald die Zu- oder Absagen kommen würden. Jetzt sind sie da, heute angekommen. Sie gehen ins Ausland. Ohne mich.

Meine Freunde gehen nicht ins Ausland. Meine Freunde fahren in den Urlaub, bewegen sich nicht weiter als sie müssen und schon gar nicht aus vertrauten Gefilden heraus. Bisher nie. Das bin immer ich. Doch jetzt, zum ersten Mal in meinem Leben geht jemand anders. Also warte, es waren schon manche Freunde im Ausland, dann aber entweder mit mir zusammen, oder aber zur selben Zeit woanders. Das fiel nicht so auf. Aber jetzt gehen sie und ich bleibe. Nicht allein zurück, denn ich bin ja schon längst wieder woanders hingegangen, aber allein in Deutschland. Nicht ganz allein, aber doch irgendwie… allein. Sie machen das, was ich auch machen wollte. Und im Grunde bin ich gerade einfach nur heilfroh, dass ich vor diesem Anruf darüber nachdachte, dass ich eigentlich woanders sein wollte. Dass ich vor diesem Anruf feststellte, dass es mir trotzdem sehr gut hier geht, allemal gut genug um dem nicht hinterher zu trauern. Denn ich fürchte, würde ich jetzt ohne diese Erkenntnis erneut darüber nachdenken, wäre meine Schlussfolgerung eine andere. Wieso? Weil sie gehen und ich bleiben musste. Ich gönn es ihnen, ich freue mich wirklich für sie, aber ich hätte es auch gerne gehabt. Und jetzt, da sie gehen, drehen sich meine Gedanken wieder darum, wann ich das nächste Mal ins Ausland ziehen kann, wann und als was. Wohin? Auch das ist eine Frage. Ich habe gerade kein spezielles Ziel mehr. Das Land, welches ich damals so dringend wollte, kenn ich nun schon. Es steht nun wieder weiter unten auf der Prioritätenliste.

Komisch, ich hatte mich doch schon mit dem Gedanken angefreundet, hier zu bleiben. Die nächsten Jahre mal in diesem Land zu verbringen. Ich hatte damit angefangen, eine Zukunft zu planen, ein Leben aufzubauen – im Geiste. Genau das, was ich fürchtete. Dass sobald ich einmal in der Maschinerie Berufsleben angekommen bin, ich stecken bleibe. Doch jetzt wurde ich wieder aufgerüttelt, wenn auch nur kurz. Denn ich werde erst einmal hier bleiben, ich habe diesem Job zugesagt, ich werde ihn zu Ende bringen, das steht außer Frage. Doch was dann? Bleiben? Gehen? Wohin? Und auch warum? Immer und immer wieder frage ich mich auch nach den Beweggründen. Nicht denken, fühlen. Das sollte ich tun. Einfach fühlen und mich leiten lassen. Der richtige Weg wird sich offenbaren, er hat es auch jetzt getan. Denn mein aktueller Weg fühlt sich gut und richtig an. Es war das richtige, denn ich bin glücklich. Ich könnte kaum glücklicher sein, was ja aber nicht heißt, dass ich anderswo nicht genauso glücklich gewesen wäre. Doch wie oft bin ich noch bereit, neu anzufangen? Himmel, schon zähle ich die Jahre, die mir noch bleiben. Nein, nein, nein, damit geh ich zu weit. Ich bin jung, ich kann noch so viel machen, und das werde ich auch. Doch eh ich weiter Pläne schmiede, konzentrier ich mich auf die Gegenwart und genieße, was ich habe. Nicht, dass mir die Gegenwart noch verloren geht.

05.05.2011 um 19:31 Uhr

Mein Egoismus plant voraus

von: indalo

Eins meiner größten Probleme ist wohl nach wie vor, dass ich meist drei Schritte weiter bin als die Gegenwart. Wenn mir etwas auffällt, geh ich gleich alle mögliche Fortsetzungen und damit einhergehenden Konsequenzen durch. Nicht selten werden Dinge bis zum Ende geplant. Wobei es Ausnahmen gibt. Natürlich gibt es Ausnahmen, es gibt immer beides. Schwarz und weiß, und auch grau. Es gibt alles. Doch ich denke auch gerne in Extremen. Und in Momenten, in denen ich das Gefühl habe, mit einer Situation ge- oder gar überfordert zu werden, zählt erst einmal nur das. Und dann auch gleich viel intensiver als nötig.

Gestern verbrachte ich viele Stunden auf Arbeit. Insgesamt waren es ganze vierzehneinhalb Stunden (ja, das muss ich unbedingt festhalten). Am Ende war ich gar nicht mal so kaputt, wie man meinen könnte. Das hole ich heute nach, indem ich einfach nur durchhänge. Es war ein aufregender Tag mit sehr vielen, verschiedenen Ereignissen. Jede Stunde passierte etwas neues, jede zweite Stunde etwas, das für mich so neu war, dass es das erste Mal war. So fühlte ich mich zum ersten Mal in meinem Job. Das klingt sehr komisch, nicht wahr? Aber ich fühlte mich. Andere würden vielleicht sagen, ich hab mich von außen beobachtet, doch dem war nicht so, da ich in mir drin steckte, mich aber dennoch beobachtete. Ich reagierte auf etwas, das mir persönlich wichtig war. Zum ersten Mal wurde ich sehr ernst und vermittelte mein Anliegen mit Emotionen. Und zwar nicht mit Lachen, wie sonst. Nein, mit klaren Aussagen, deutlichen Gesten und einer unmissverständlichen Tonlage. Ein weiterer Moment, den ich mir merken werde. Ich fühlte mich in Gänze.

Zwei Stunden später überkam mich das erste Mal ein wutähnliches Gefühl, als ich einem Kollegen zuhörte. Bisher waren mir ihre teils unangebrachten Bemerkungen nie wichtig genug um derartige Gefühle hervorzurufen. Doch was ich gestern hörte, machte mich wütend. Abends schilderte ich die zwei, drei Sätze des Kollegen jemandem, der genauso aufgebracht reagierte, wie ich mich fühlte. Das beruhigt mich, da ich so wieder wusste, nicht total irrational zu sein. Aber ich nehme es als etwas hin, was ich derzeit nicht ändern kann. Es ist auch kein Weltuntergang, es widerspricht nur meinen Prinzipien.

Weitere zwei Stunden später unterhielt ich mich zum ersten Mal mit einer Kollegin, mit der ich im Grunde nichts zu tun habe. Wir haben uns einfach unterhalten, nicht einmal über unseren Job. Es war wahrlich das erste Mal, dass ich ein privates Gespräch führte, wenn auch über total banale Dinge wie Gummibärchen. Das zeigt mir, dass ich dahin gehöre. Es war natürlich, nicht gezwungen. Es entstand einfach und ist das, was mir bei sämtlichen Praktika oder auch früheren Jobs gefehlt hat.

Diesmal nur eine Stunde später wurde ich zum ersten Mal so etwas wie laut innerhalb meines Berufes. Ich wurde nicht wirklich laut, aber ich merkte, dass meine Stimmlage dazu führte, dass um mich herum alle Privatgespräche verstummte. Ich machte deutlich, dass die Grenzen langsam erreicht sind. Zufrieden bin ich damit noch nicht, denn so möchte ich nicht sein.

Als nächstes passierten weitere, nicht erwähnenswerte Dinge. Nicht alles muss hier festgehalten werden. Doch dann gab es da eine Sitzung, die für mich ein erstes Mal war. Es war irgendwie bedrückend, ein wenig traurig sogar. Doch ich versuchte, dem etwas abzugewinnen und das beste draus zu machen. Ob es gelungen ist, werde ich wohl in ein paar Monaten erfahren. Zwei Stunden nach dieser Sitzung folgte die nächste, wiederum erste dieser Art für mich. Gestern war wohl ein Tag der ersten Male. Hier konnte ich mich aber die meiste Zeit einfach nur zurücklehnen und genießen. Beobachten, lernen, erfahren. Das gefiel mir.

Doch dann, auf dem Heimweg, geschah das eigentlich bemerkenswerte. Das, was mich zu dem Gedanken brachte, dass ich manchmal drei Schritte zu weit bin. Es war schon sehr spät abends (was erwartet man auch nach einem derart langen Arbeitstag) und demnach stockdunkel draußen. Ich mag die Nachtluft und hab sie lange nicht als solches erlebt. Das Wort Nachtwanderung fiel sogar. Doch eigentlich war es eher ein Spaziergang zur nächsten Bahnstation. Ich unterhielt mich mit einem Kollegen, einfach so, über dies, über das, über jenes. Nicht zum ersten Mal und gewiss auch nicht zum letzten Mal. Doch die Worte „mit dir kann man so gut reden, da mag man gar nicht aufhören“ hallen mir noch jetzt in den Ohren. Das kann ein ganz einfacher Satz sein, es kann aber auch mehr sein. Er hätte nicht gesagt zu werden brauchen, es war schon offensichtlich. Es war aber auch nicht eine Feststellung des Offensichtlichen, es war mehr. Und dieses „mehr“ beschäftigt mich jetzt. Meine Gedanken fahren Karussell und ich weiß damit nichts anzufangen. Ich finde mich selbst nicht wieder in dieser Situation. Ich weiß noch nicht, welche Rolle ich spielen möchte, wer ich sein will und im Grunde auch nicht, wer ich bin. Ich möchte meine eigene Geschichte schreiben, aber ich möchte sie nicht planen. Sie soll geschehen und eigentlich auch nicht vorhersehbar sein. Ich möchte mich selbst überraschen und nicht schon jetzt, wo noch überhaupt nichts passiert ist, zwischen meinen schlecht zu vereinbaren egoistischen Zügen und dem sonst so rücksichtsvollen Part hin und her springen. Ich glaube auch, dass mir das ganz gut gelingen wird, aber festhalten möchte ich diese Gedanken nichtsdestotrotz. Und auch, dass es zumindest eine Geschichte in meinem Leben gibt, wo ich ausnahmsweise mal nur gehandelt habe. Ich habe nicht über die Konsequenzen nachgedacht, ich habe nicht geplant, ich habe nur eins nach dem anderen (mit)gemacht. Doch leider musste ich mich infolgedessen schon mehrmals Konsequenzen stellen, die vorher zu ahnen waren, und hätten verhindert werden können. Ich weiß bis heute nicht, ob es richtig war oder nicht, genauso wenig wie ich weiß, wie es zu all dem überhaupt gekommen ist. Doch letztlich kann ich wohl daraus schließen, dass ich noch so eine Geschichte in meinem Leben brauche, und zwar eine, bei der niemand verletzt wird.

03.05.2011 um 21:17 Uhr

Woanders

von: indalo

Gestern dachte ich darüber nach, dass ich gerade eigentlich woanders sein sollte. Oder wollte. Ich kann gar nicht genau sagen, ob es mit alten Blogeinträgen zusammenhing, die ich willkürlich las, oder woher es sonst gekommen sein könnte. Doch als ich diesen Gedanken, dass ich ja eigentlich gerade am anderen Ende der Welt sein wollte, am Telefon gegenüber jemandem äußerte, bekam ich nur die Reaktion: „Oh, wann genau hast du darüber nachgedacht? Also um wie viel Uhr heute? Mich interessiert nur, wie lang die Gedanken von mir bis zu dir brauchen.“ Aha? Da hat wohl noch jemand darüber nachgedacht. Und auf einmal fiel mir ein, dass nicht nur ich woanders sein wollte, sondern auch mein Gesprächspartner. Doch stattdessen hocken wir beide hier, in Deutschland. Wir haben nur die Stadt verlassen, nicht aber das Land.

Dabei fiel mir auch auf, dass ich in den letzten Monaten, ja in diesem ganzen Jahr noch nicht ein einziges Mal darüber nachdachte. Auch nicht, als ich an den schönen Urlaub dachte, den ich im fernen Land verbrachte, auch da fiel mir nicht ein, dass ich dieses Jahr dort verbringen wollte. Ich habe mit der Absage damals ziemlich schnell damit abgeschlossen. Spätestens mit der Zusage zu meinem aktuellen Job verschwand jeder Gedanke ans Ausland. Es müsste mich mehr überraschen als es das tut, auch wenn es mich ein wenig verwundert. Doch letzten Endes zeigt es mir nur, wie glücklich und zufrieden ich bin, und zwar genau da, wo ich bin. Wieder mal oder immer noch liebe ich mein Leben. Ich habe alles richtig gemacht. Und gerade gestern hinterließ ich auf der Mailbox eines Handys die Aussage: „Wenn ich eins richtig gemacht habe in meinem Leben, dann war es die Berufswahl.“ Mit Worten kann ich es nicht erklären, wohl nicht einmal mit Zeichen. Wenn ich davon schwärme, rede ich mich um Kopf und Kragen, wenn ich Kollegen meine Einstellungen und Erfahrungen berichte, schütteln diese nur mit dem Kopf. Manch einer ist der Ansicht, ich würde ihn nicht gewissenhaft erledigen, meinen Job. Vielleicht haben sie recht, das weiß ich nicht. Ich habe keine Argumente, keine Worte, die ich dagegen halte könnte. Irgendwann werde ich die Erfahrung dagegen halten können, und solange muss ich ausharren, mir treu bleiben und selbst den Weg finden, auf dem ich die Mängel ausbesser und meine Stärken ausbau.

02.05.2011 um 18:11 Uhr

Guilty

von: indalo

Es gibt Momente im Leben, die vergisst man nie. Sie mögen noch so unscheinbar sein, noch so unbedeutend, sie brennen sich fest im eigenen Gedächtnis. So gibt es Momente im großen Ozean, von Wellen und einem Schmetterling umgeben, die ich nie vergessen werde. Genauso wie Momente auf einem recht unbekannten Platz in der warmen Abendluft in einem südlichen Land, die mich immer begleiten werden. Womöglich auch der Moment, als meine Freundin in Unterwäsche vor mir stand und ich mir auf einmal im Klaren darüber war, wie viel sie mir bedeutet und wie wenig ich mich im Stande fühlte, ihr das zu zeigen. Momente, die so unscheinbar sind, dass sie manchmal gar nicht erwähnenswert sind. Kleine Erinnerungen, die einen ausmachen. So wie heute, als ich in diesem Laden stand, den ich seit einigen Wochen frequentiere um mich mit Nahrungsmitteln einzudecken, und auf einmal das Lied in meinen Ohren wahrnahm. Ich habe dieses Lied seit Jahren nicht gehört, es lief doch eigentlich nur im Hintergrund, doch beförderte es so manches in mir in den Vordergrund. Als ich dann auch noch aufsah und den langen, leeren Gang vor mir sah, spürte ich die Leere, die sie in mir hinterlassen hat. Vielleicht sollte ich dieses Lied als Anlass nehmen um sie nach all der Zeit wieder zu kontaktieren. Um Hallo zu sagen. Doch es scheint mir nicht das richtige zu sein, noch nicht, wage ich zu sagen. Denn ich kann mir ein Leben ohne sie nicht vorstellen. Und je länger ich hinauszögere sie anzusprechen, je länger ich damit warte, auf sie zu zugehen, desto länger kann ich sie mir als Teil meines Lebens bewahren ohne dass sie dieses Gefühl mit der gleichen Bosheit von damals zerschmettern könnte. Ich bin dafür noch nicht bereit, weder für das eine, noch für das andere.