indalo

30.03.2012 um 16:53 Uhr

Es schwankt

von: indalo

Ich schwanke. Zwischen diversen Gefühle. Den ganzen Tag. Zwischen Freude und Angst. Ich glaube, das sind so die Hauptgefühle. Ich habe Angst. Das war etwas, was ich vorhin dachte. Doch das ist keine lähmende Angst. Dennoch hat es irgendwie mit Angst zu tun. Angst davor, dass all die Gedanken, die ich mir über die Zukunft gemacht habe, demnächst auf die Probe gestellt werden. Auf Herz und Nieren geprüft werden.

Den ganzen Tag komme ich zu nichts. Meine Gedanken drehen sich im Kreis. Um privates, um berufliches, um die Gegenwart, um die Zukunft. Und auch um die Vergangenheit. Um kleine Momente, die ich in Erinnerung behalten habe. Um andere Menschen, die meine jetzige Situation schon hinter sich haben. Menschen, die sich schon beworben haben. Fühlten die sich auch so?

Es geht hin und her. Einerseits bekomme ich gerade eine Einladung zu nem Gespräch nach der anderen und denk mir: „Man, die wollen mich echt haben.“ Doch auf der anderen Seite denke ich nur, dass sie mich einladen müssen, weil ich mich ja beworben habe. Mein Selbstbild steht Kopf. Mein Inneres ist in Bewegung. Das ist gut. Es fühlt sich gut an, so aufgewühlt zu sein. Ich bin nicht mehr dumpf innerlich, ich bin aktiv. Ja, das tut mir gut. Und doch fürchte ich eben auch vieles von dem, was kommt. Umziehen… ich mag nicht umziehen, auch wenn das ein guter Umzug wird. Wenn ich endlich dahin komme, wo ich schon lange sein möchte. Das wird gut. Doch der Weg dahin ist noch lang. Zumindest manchmal. An anderen Tagen wirkt er sehr kurz. Es ist fast April, die Zeit vergeht rasend schnell. Ich komme meinem Ziel näher, und das, obwohl ich in der Gegenwart noch nichts handfestes erreicht habe. Ich bin unsicher. Ich weiß genau, was ich will. Zumindest in einer Sache. Ansonsten frage ich mich, was ich will und bin jetzt an dem Punkt angelangt, an dem ich einfach diverse Vorstellungsgespräche mitmache und einfach abwarte, wie ich mich dabei fühle. Ich muss einen Ort mögen. Da hilft die Ratio mir nicht weiter. Ich muss dahin kommen und mich wohl fühlen. Und deswegen teste ich jetzt. Ich investiere die Zeit, von Ort zu Ort zu reisen und mir alles persönlich anzugucken.

Meine Gefühle fahren Achterbahn. Und da spukt eine Frau in meinem Kopf herum, die ich vor ein paar Monaten getroffen hab. Wir haben kein Wort gewechselt, nur einen Blick. Einen so vielsagenden. Sie ist mir in Erinnerung geblieben. Bis heute. Und ein wenig frage ich mich, ob ich wegen ihr meine Vorstellung der Zukunft anpasse. Ob ich mich wegen ihr dort bewerbe. Denn das wäre doch ganz schön verrückt. Aber gerade verrückt genug für mich ;-)

29.03.2012 um 16:02 Uhr

Vorstellungsgespräche in einem Vorstellungsspräch üben?

von: indalo

Mein Herz klopft. Das Atmen fühlt sich anders an. Tiefer. Oder flacher. Anders. Bemerkenswert. Es fällt mir auf, dass ich atme. Womöglich, weil ich kurz vorher die Luft anhielt. Weil mein Leben für einen Moment stoppte.

Seit ein paar Tagen häng ich fast dauerhaft im Internet. Ich habe wenig zu tun. Eigentlich ganz viel, aber immerhin muss ich nicht das Haus verlassen. Und so krame ich rum, mache mir Gedanken und rede auch viel mit anderen. Nichts besonderes also. Und ein paar Mal am Tag geh ich die Stellenangebote durch. Denn ja, die ändern sich wirklich mehrmals täglich. Es werden mehr, nicht weniger. Und seit Montag ist die Hölle los. Da fing’s so richtig an. Zig Angebote und noch mehr Fragen, die ich mir stellte. Auch da stoppte mein Leben, als ich sah, dass es jetzt ernst wird. Ja, ich habe schon vor ein paar Wochen eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch bekommen. Ich weiß. Aber ich habe darauf nie reagiert. Warum, das kann ich nicht genau erklären. Teils rational, teils emotional. Es ist einfach so. Doch jetzt wird’s ernst. Jetzt schreibe ich persönliche Bewerbungen. Mit Ansprechpartner und allem. Das ist komisch. Das ist wirklich komisch.

Gerade eben bekam ich die erste Reaktion auf meine Bewerbungen von Montag. Gerade eben, als mein Herz so stark zu klopfen begann, las ich diese Mail. Interessant dabei ist mal wieder die Magie. Ich sitze wie gesagt den ganzen Tag vorm Rechner und gerade als ich meine Email Adresse aktualisierte um zu gucken, ob mir jemand geschrieben hat, kam mir der Gedanke, noch mal die Stellenangebote zu durchforsten. Eigentlich brauchte ich das bis abends nicht mehr. Doch ich wollte. Meine Gedanken wanderten dahin, und ich glaube, dass diese Mail dafür verantwortlich ist. Denn als ich gerade den Tab wechselte um zu den Stellenangeboten zu gelangen, bekam ich jene Mail mit der Einladung zu einem Gespräch. Ich solle mich melden, damit wir einen Termin machen können. Auch jetzt noch, bei dem Gedanken daran, spüre ich jede Faser meines Körpers. Ja, ich glaube, das trifft’s. Ich mag da nicht anrufen, ich mag nicht formell erscheinen und nun einen Termin machen. Zumal das nach wie vor meine Zweitwahl ist und ich gerne erst nen Termin für die Erstwahl hätte. Einfach damit ich sicher gehen kann, den Termin dann auch wahrnehmen zu können. Doch andererseits frage ich mich, ob ich nicht einfach diesen Termin jetzt als erstes machen sollte, einfach damit ich schon ein Vorstellungsgespräch erlebt habe, wenn ich mich auf den Weg zu meiner Erstwahl mache. Der Übung wegen, sozusagen.

27.03.2012 um 09:25 Uhr

Puzzleteil

von: indalo

„Und der Sex war immer noch gut.“ hieß es in unserem letzten Telefonat. Ein weiteres Puzzleteil was du mir gegeben hast. Eine weitere Information, die mein Bild von dir komplettiert. „Ha, das geht dir auch so? Nicht nur ich bekomme manchmal volle neue Informationen.“ Ja, das stimmt. Auch du überrascht mich immer wieder. Du passt nicht in die Welt, zu der du gehörst. Zu den Freunden, die… so normal sind. Die sozusagen langweilig sind und ein gerades Leben führen. Umwege scheint es für sie nicht zu geben. Oder noch nicht. Bei dir gab es Umwege, viele Umwege. Auch Umwege, die ich noch nicht gegangen bin. Interessante Umwege, die ich dir bisher nicht zugeordnet hätte. Und so folgt Puzzleteil um Puzzleteil, und ich habe keine Ahnung, wie viele noch kommen. Sie fehlen nicht, denn du bist auch so für mich ein richtiges Bild. Ich erkenne dich, auch wenn ich nicht alles weiß.

Und heute, womöglich ausgelöst durch die Musik, geht mir die ganze Zeit schon der Gedanke durch den Kopf, dass ich dir ein weiteres Puzzleteil geben möchte. Ich weiß nicht, warum. Ich weiß nicht, ob es wichtig ist. Ich weiß auch nicht, was ich damit erreichen will, was ich bezwecken will oder was ich mir wünsche. Aber ich möchte dir sagen, dass ich mein Herz schon vor vielen Jahren an eine Frau verschenkt habe. Vor vielen Jahren. Und ich glaube, ich werde es nie zurückbekommen. Ich möchte es wohl auch gar nicht zurück. Sie soll es behalten, mein Herz. Ich bin mir sicher, dass sie darauf aufpasst.

22.03.2012 um 17:40 Uhr

Bis(s) zum ersten Date

von: indalo

Heute beendete ich das vierte und letzte Buch. In den letzten Wochen hab ich nicht nur die Bücher gelesen, sondern auch die Filme gesehen. Alle vier. Immer, wenn ich im Buch so weit gekommen war, wie die Filme, hab ich den Film gesehen. Um zu vergleichen, zu analysieren. Doch es soll weniger um die Analyse zwischen Film und Buch gehen, als um die Faszination von Büchern.

Als ich meine mom fragte, ob sie die Twilight Reihe gelesen hat, bekam ich nur als Antwort, dass sie nichts von Fantasy hält. Meine spontane Reaktion war, dass das doch kein Fantasy ist. Aber natürlich ist es das. Vampire, Menschen, die sich in Wölfe verwandeln… für manche ist aber schon die Liebe, wie sie dort beschrieben ist, Fantasy. Und aller Wahrscheinlichkeit nach auch für meine mom.

Mir wurden die Filme, und auch die Bücher, mit den Worten empfohlen, dass es die schönste Liebesgeschichte aller Zeiten ist. Wie es so mit Empfehlungen ist, weckte das Erwartungen. Ich finde nicht, dass es die schönste Liebesgeschichte aller Zeiten ist. Sie ist schön, aber nicht diesen Superlativ wert. Doch mehr als die Liebe zwischen zwei Menschen, geht mir die Liebe innerhalb der dort selbst gewählten Familie unter die Haut. Denn das ist es doch, was dieses Buch vermittelt. Zusammenhalt und Stärke. Und der Umstand, dass jeder was besonderes ist und was besonderes kann. Ich glaube das ist auch etwas, das sich in meinem Denken festgesetzt hat. Der Glaube an das Besondere. Und das Schöne.

Selten weiß ich, wie mein Selbstbild aussieht. Ich schwanke. Immer wenn ich feststelle, dass ich Komplimente anderer nicht annehmen kann, stellt das mein Selbstbild in Frage. Und doch stehe ich gelegentlich schmunzelnd irgendwo rum und bin mir meiner Wirkung in dem Moment bewusst. Auch wenn sie mich irritiert. Oder überrascht.
So wie der bloße Umstand, dass ich etwas kurzärmeliges anhabe, meinen Kollegen zum freudigen Ausruf: „Es wird Frühling.“ brachte. Und dann guckte er verschämt weg. Sowas kenn ich doch sonst nur von ner Freundin, die jedes Mal im Winter meint: „Ich will, dass es wärmer wird.“ und mich dabei vorfreudig ansieht, um sich dann im Sommer darüber zu freuen, dass es jetzt endlich wieder wärmer ist. Ich glaube, wenn ich meinen Kollegen so betrachte, dann unterschätze ich, was ich dem armen Mann antue. Vor allem, wenn ich merke, was es für Auswirkungen im Kollegium hat, wenn er mich zum Essen einläd und ich zusage. Da geht die Gerüchteküche los, und er wartet mit stolz geschwellter Brust, dass wir uns auf den Weg machen. War das jetzt mehr, als nur die Überbrückung der gemeinsamen Wartezeit?

21.03.2012 um 18:06 Uhr

See you in Spain! Again!

von: indalo

Das Glück, welches ich gerade empfinde, kann ich nicht beschreiben. Ich kann es auch nicht teilen. Viele Sachen werden schöner, wenn man sie erzählt. Das stimmt. Doch das hier? Das kann ich nicht erzählen. Ich kann es festhalten, für mich. Aber ich kann es nicht erzählen, denn die Reaktion eines Zuhörers kann nicht dem entsprechen, was ich mir wünsche. Es endet immer in… Enttäuschung. Doch mittlerweile weiß ich, dass es so ist, und bin nicht mehr enttäuscht. Und doch weiß ich, dass ich niemanden finden kann, der diese Freude mit mir teilen kann. Nicht so.

Heute war ein Tag Achterbahn. Hoch, runter, hoch, runter. Ich wurde unberechtigt beschuldigt – etwas, das mich grundsätzlich auf die Palme bringt. Und hier auch etwas, wogegen ich nichts tun kann. Das war ein Tief. Doch das Hoch ist so viel höher, so viel tiefsinniger als dass mich heute noch irgendwas runterholen kann. Ganz egal, was noch passiert, ich werde mit einem Lächeln einschlafen. Wirklich, völlig egal.

Nicht in meinen kühnsten Träumen hätte ich es für möglich gehalten. Ich bin nicht einmal auf die Idee gekommen, dass man sich das vorstellen könnte. Das ist so fernab der Realität, dass es mir jetzt noch nicht klar ist. Mein Mitbewohner von vor vielen Jahren. Um ihn geht es. Um diesen Mann, der so in meinem Herzen ist und nie gehen wird. Er schrieb mir eine Email, im Spaß fragend, ob ich nicht Lust hätte, im Mai in Madrid zu sein. Es holterte und polterte in mir, während ich das las. Nichts war mehr wichtig von seiner Email, ich musste nur sofort fragen, wann im Mai. So schrieb ich ihm zurück, wann ich dort sein werde – denn ja, ich werde im Mai in Madrid sein. Und er schrieb zurück. Sofort. (Ich habe seit Monaten keine Email von ihm bekommen, ich würde fast sagen seit Jahren.) Er ist zur selben Zeit in der selben Stadt im selben Land auf demselben Kontinent. Und bei unserer Reiserei will das echt was heißen. Phänomenal. Ich werde ihn wieder sehen. Im Mai. Und ich wusste nicht einmal, ob ich ihn je wieder sehen werde. Diesen Menschen, mit dem ich zusammenlebte. Unsere Herzen teilten eine der schönsten Zeiten unseres Lebens. Unser beiden Leben. Wir sind miteinander verwoben, so sehr. Und auch die Menschen, die verstehen, was er mir ist, können diese Freude nicht teilen. Nicht mitteilen. Und es ist nicht schlimm, es ist okay.

Das einzig schade ist, dass so viele Menschen sich mit mir freuen würden, wenn ich den Jackpot gewonnen hätte. Da würde man das Strahlen in den Augen anderer sehen, DIE Freude würden sie verstehen. Und dabei ist das hier so viel größer. So viel mehr wert als der Jackpot. Mein Jackpot, mein ganz persönlicher Jackpot.

Und da ist es wieder, das strahlende Auge weint.

17.03.2012 um 18:32 Uhr

radikal

von: indalo

Als ich Mittwoch Abend mit nem Kollegen sprach, so über meine Vorstellungen des Berufs und was für mich in Ordnung geht und was nicht, bekam ich mal wieder zu hören: „Du bist echt radikal.“ Als ich dann ein paar Stunden später am Telefon fragte: „Findest du, dass ich radikal bin?“ kam nur ein simples: „Ja.“

Ja, das bin ich. In manchen Dingen werd ich zum Tier. Radikal. Kompromisslos. Manche Dinge gehen für mich einfach gar nicht. Und das sind die Momente – wie ich neulich schon schrieb – in denen ich weiß, wer ich bin. In denen ich fühle, was mich ausmacht. Denn diese Dinge machen mich aus. Da spielt es keine Rolle, wer ich sein will, da bin einfach nur ich.

In den letzten Wochen rede ich sehr viel mit ner Freundin, deren Beziehung gerade in die Brüche geht. So richtig. Das ist ne Achterbahnfahrt, das ist nicht mehr schön. Den einen Tag denke ich: „So, jetzt ist Schluss.“ Und am nächsten ruft sie mich freudestrahlend an und erzählt mir von ner Mail, die sie bekommen hat. Dann hat sie wieder Hoffnung, und ich höre mir das an. Ein paar wenige Tage ist dann alles gut, ich würge sie abends am Telefon ab, ruhigen Gewissens, es geht ihr ja gut. Nächsten Morgen hab ich drei Emails von ihr, zwei davon mit nem traurigen Smiley im Betreff. „ich glaub, dass wars jetzt. auf beiden seiten...“
Es gibt Momente im Leben, da bleibt alles um einen herum stehen. Man sieht nur geradeaus, alles andere verschwimmt. Für mich war das so ein Moment. Das war n Schlag in die Magengrube. So richtig.

Wir telefonierten sofort. Viel hin und her, auch die nächsten Tage noch. Bis heute. Ich weiß immer noch nicht, was die Zukunft bringt, aber im Moment sieht es sehr danach aus, als wäre Schluss. Der Funken Hoffnung bleibt, aber die Aussagen sind alle endgültig. Und sie hat die Schnauze voll von Beziehungen. Sie hat mir diverse Zukunftsszenarien unterbreitet, mit denen ich nicht leben kann. Doch jetzt, wo’s wirklich ernst ist, kam sie mit einem, mit dem ich leben konnte. „Lass uns zusammen eine Familie gründen. Dann teile ich mein Leben mit jemandem, der mir sehr wichtig ist, und muss nie mehr diesen Schmerz erleben.“ Sie und ich, zusammen wohnen, zusammen leben, und Kinder. „Dann musst du aber wirklich in die Stadt meiner Wahl ziehen.“ – „Kein Problem.“
Es war einfach so dahin gesagt. Es fielen noch ein paar mehr Worte, doch im Grunde waren es nur Worte, keine Versprechen. Doch… in der Zeit seit dieses Telefonats fing es an mich zu beschäftigen. Ich finde das keine schlechte Idee.

Und dass ich gerade eben eine Folge einer sehr aktuellen Serie sah, in der es genau darum ging (Herzschmerz und der Beschluss zweier Freunde, Kinder zu adoptieren), macht es nicht besser. Auch wenn das Fazit dieser Folge war, dass man das nicht machen sollte, auch wenn einer ne leidenschaftliche Rede darüber hielt, dass er das auch mal überlegte, doch jetzt jeden Tag dankbar ist, auf die wahre Liebe und die damit zusammenhängende Familie zu warten, mindert es den Gedanken daran kein bisschen. Ich bin froh, dass es noch mindestens zwei Jahre dauern wird, eh der Plan realisiert werden kann. Denn ich weiß offen gestanden nicht, ob ich nicht im Sinne einer Kurzschlussreaktion dazu im Stande wäre. Ich traue mir das zu.


...auch das wäre etwas sehr radikales.

08.03.2012 um 21:50 Uhr

Einteilung von Energien

von: indalo

Heute war wieder einer dieser besonders schlimmen Tage.
Es gibt Tage, die gehen nicht. Und es gibt Tage, die gehen noch weniger.
Es gibt Tage, an denen ich beherrschter bin, und Tage, an denen ich weniger beherrscht bin.
Es gibt Tage, da benehmen sich gewisse andere Menschen ganz okay, und an anderen Tagen nicht.
Aber dann gibt es Tage, wenige Tage, an denen alles zusammenkommt. Die sind sowieso schon blöd, da bin ich unbeherrscht und andere benehmen sich noch besonders daneben.
Heute war einer dieser Tage.

Mir wird regelmäßig gespiegelt, dass ich ein beherrschter Mensch bin. So sehr, dass dies auch meinem Selbstbild entspricht. Doch in Bezug auf manche Dinge bin ich nicht beherrscht, oder nicht mehr beherrscht. Und was diesen ganzen Mist in meinem derzeitigen Job angeht, hab ich viel meiner Selbstkontrolle verloren. Vor ein paar Monaten hatte ich gar keine mehr. Egal in welcher Hinsicht. Mittlerweile ist das wieder okay, aber heute bin ich innerlich explodiert, saß schnaubend da und kam sogar an den Punkt, an dem ich aufstehen wollte um den Raum zu verlassen, weil ich diesen Mann nicht mehr ertragen habe. Das einzige Problem war, dass ich nicht bei der Tür angekommen wäre. Ich fixierte die Tür mit dem Gedanken, zu gehen. Ich hätte es nicht geschafft. Ich brauchte meine gesamte Beherrschung, um still zu halten. Um nicht… ja, um was nicht? Ich weiß nicht genau, was da passend gewesen wäre. Ich weiß nur, dass ich es nicht bis zur Tür geschafft hätte. Denn mein Aufstehen hätte Reaktionen hervorgerufen, die wiederum Reaktionen meinerseits ausgelöst hätten, über die ich keine Kontrolle gehabt hätte. Ich hab wirklich keine Ahnung, was sich dahinter verborgen hätte. Ich hatte keine konkrete Befürchtung, nur einfach den Gedanken, dass alles, was ich zu tun im Stande war, war, meine Umgebung auszublenden und still zu halten.

Ja, ich lerne meine Grenzen kennen. Ganz definitiv. Und ich finde es erschreckend, das dem so ist. Und ich verstehe nicht, warum dem so ist. Was das soll, was das nützt. Wofür das Ganze?

Regelmäßig stehe ich vor der Frage, warum ich mich nicht beschwere. Warum ich nicht eine Streitdiskussion anfange. Ich tue es nicht. Das ist so. Ohne darüber nachzudenken. Es kommt für mich nicht in Frage. Und warum? Wenn ich darüber nachdenke, fallen mir unterschiedliche Antworten ein. Eine davon war heute, dass ich dafür keine Energie habe. Ich habe keine Kraft, mich gegen diesen Scheiß zu wehren, ich habe gerade nur die Kraft, ihn durchzustehen ohne unterzugehen. Eine Freundin sagte daraufhin: „Ich habe die Kraft, aber ich will sie dafür nicht aufbringen.“ Nein, ich glaube wirklich, dass ich diese Kraft auch nicht habe.
Ein anderer Gedanke ist, dass wenn ich versuchen würde, da etwas anzugehen, ich anderes vernachlässigen würde. Und dafür bin ich nicht in diesem Beruf. Ich habe diesen Job aus bestimmten Gründen gewählt, oder aus einem bestimmten Grund, und der war nicht, die Situation der Ausbildung für diesen Beruf zu verändern. Nein, das war nicht der Grund. Und wenn ich mein Ziel oder mein Hauptaugenmerk nun verändere, würde ich meinem inneren Wunsch nicht mehr gerecht werden.

Man kann nichts ändern, wenn man sich nicht äußert. Das stimmt, das weiß ich. Und doch äußere ich mich nicht. Ich habe es immer wieder versucht, aber nie so richtig. Nie die Karten so offen gelegt, dass ich mich hinstellte und sagte: „Ihr macht hier nur Mist.“ Ich überlege hin und wieder, das gegen Ende zu tun. Dann ist es zu spät. Das stimmt. Doch wie gesagt, habe ich jetzt nicht die Energie, zu kämpfen. Da ist einfach nichts mehr. Kein Freiraum. Und ich weiß noch nicht einmal, ob ich mir das am Ende antue. Ich glaube, ich würde dem Chef ganz oben, also nicht meinem, sondern dem Vorgesetzten meiner Vorgesetzten eine Botschaft à la „Wenn Sie wissen möchten, wie es aus meiner Sicht in Ihrem Hause zugeht, machen wir einen Termin.“ Ich glaube, ich möchte nur anbieten, dass sie die Kritik bekommen können. Denn spätestens heute steht endgültig fest, dass ich gehen werde. Nicht, weil ich woanders hin möchte. Nein, ich werde jetzt aus dem Grund gehen, dass ich hier nicht sein will. Dass ich es auch nicht ertragen würde, anderen dabei zu zusehen, wie sie durchmachen, was ich durchgemacht habe. Das ist mein größter Albtraum. Ich weiß, dass es anderswo nicht besser sein muss. Aber woanders bin ich nicht gezwungen, meinen Albtraum wieder zu durchleben. Ja, ich laufe weg. Ich bin nicht bereit, mich diesem Mist in den nächsten Jahren regelmäßig zu stellen. Ich könnte niemandem in die Augen sehen und ihm vermitteln, dass das schon wieder wird. Dass es gut wird. Denn ich weiß, dass es gelogen wäre. Und das ginge nicht. Ich kann auch nicht schützend meine Hand darüber halten und sagen, dass es bald vorbei geht. Ja, es wird vorbei gehen. Diese Zeit wird ein Ende haben, doch mit diesen bloßen Phrasen kann ich nicht dienen, wenn ich selbst erlebt habe, was es aus einem macht. Woanders könnt ich die Situation nicht beurteilen, ich würde die Menschen nicht kennen und könnte distanzierter darüber reden. Ich würde gegebenenfalls ähnlich leidende Menschen nicht vor das Problem stellen, mit niemandem reden zu können, weil jeder involviert ist. Nein, woanders wäre ich nämlich nicht involviert. Ja, ich werde gehen. Weg, ganz weit weg. Für mich und für andere. Doch in erster Linie für mich. Um mir gerecht zu werden. Um meine Energien für andere Dinge zu nutzen, für Dinge, die ich für richtig und wichtig halte. Um mich selbst am Leben zu halten, am Leben, nicht am Existieren. Denn ich mag mein Leben. Mein Leben ist gut. Nur dieser Albtraum muss ein Ende haben.

06.03.2012 um 18:34 Uhr

Komplimente - auf gleicher Ebene und doch so anders

von: indalo

„Ich hab gestern mit ihr geredet, und sie sagte, sie wäre gerne mehr wie du.“

Es war komisch, das zu hören. Wieso sollte jemand gerne so sein wie ich? Wieso sollte sie gerne so sein wie ich? Ich mag mich, das ist nicht das Problem. Aber… wir drei, wir funktionieren doch genauso wie es gerade ist. Warum etwas ändern wollen?

Komplimente sind so ne Sache. Manchmal kann ich sie annehmen, manchmal geht das so gar nicht. „Kannst du mir vielleicht doch deine festnetz nummer geben, falls du mal nicht online bist und ich deine stimme hören will?“ Das ging runter wie Öl. Das ist kein Kompliment in dem Sinne, und doch empfinde ich es sehr als solches. Sie kennt den Wunsch, meine Stimme hören zu wollen. Es ist schön, das zu hören. Zu wissen. Zu fühlen.

„Du bist der bunteste Mensch, den ich kenne.“ Auch das nahm ich als Kompliment, zumindest für den Moment. Auch wenn ich nicht weiß, was sich hinter dem bunt verbirgt, so weiß ich, dass das etwas ganz tolles ist. Nur war es in dem Moment nicht als Kompliment, eher als die Androhung, das auf Grund meiner… oder eher einer meiner Macken zu überdenken. Sie hatte etwas gefunden, bei dem ich ihrer Meinung nach in schwarz/weiß denke. Ich weiß nicht, ob ich das tue, ich weiß nur, dass wir da ziemlich aneinander geraten sind und wir das bisher auch nicht ausdiskutierten. Die Nacht brach über unser Telefonat herein und am nächsten Tag war es nicht mehr wichtig. War es wirklich nicht. Und doch möchte ich es eines Tages klären. Nicht, um wieder bunt zu sein, sondern einfach weil das Thema sehr wichtig ist. Mir wichtig ist. Und das Telefonat brachte neue Aspekte.

„Als du gestern so angefangen hast, hatte ich das Gefühl, du würdest mit mir Schluss machen. Kennst du das?“ – „Ja, ich kenne das. Nur zu gut.“ – „Ja, und so fühlte ich mich, als ich noch nicht wusste, worum es ging.“ – „Tut mir ehrlich leid. Wirklich, denn ich weiß, wie du dich in dem Moment fühltest, aber ich wusste nicht, wie ich es schneller über die Bühne bringen sollte.“ – „Ich wollte das nur loswerden. Dieses Gefühl. Interessant. Ha.“
Das ist interessant, nicht wahr? Ich spreche etwas an, das mich beschäftigt, und in ihr tauchen Verlustängste auf. Warum? Und warum kann sie es nur damit vergleichen, dass sie das Gefühl hatte, ich würde Schluss machen. Das hatte sie noch nie, so glaube ich. Und es tut mir wirklich Leid, denn irgendwas in mir ahnte, wie sie sich fühlen würde. Dass sie es sich sehr zu Herzen nehmen würde. Und das war gewiss nicht meine Intention. Ganz im Gegenteil, das war das Telefonat, in dem ich unsere Beziehung auf eine andere Ebene hob. Auf eine innigere.

„Es ist nicht so, als würde ich den ganzen Tag heulen.“ – „Nee, den Punkt hast du letzte Woche überwunden.“ – „In dem Telefonat mit dir, übrigens.“
Das ist eine wahre Beobachtung, die ich selbst machen konnte. Das erste Gespräch war sehr tränenlastig. Es wurde besser gegen Ende. Die Verzweiflung verschwand ein wenig. Kraft und Mut setzten sich durch. Erkenntnisse. Und dann kam der Sarkasmus. Das Lächeln, mit dem man plötzlich über den Schmerz reden kann. Ob das alles gut ist oder nicht, das muss jeder für sich selbst beurteilen. Ich fühle jedoch Wärme, mit der sie das sagte. Sie, die so vieles nicht wahrnimmt, so vieles nicht sieht und nicht versteht. So versteht sie doch, wer ich für sie bin. Und alle Jubeljahre teilt sie mir das mit. Auf so subtile Art, und doch so direkt. Ohne Umschweife.

Das waren die Komplimente der letzten zwei Wochen. Sehr viele, für so kurze Zeit. Und noch viel mehr sind sie wert. Sie geben mir die Kraft für alles andere. Vor allem für die Zeit, in der mir niemand sagt oder zeigt, wer ich für sie bin.

01.03.2012 um 12:03 Uhr

Man geht das schnell

von: indalo

Man geht das schnell. Zu schnell. Ich komm nicht hinterher.

Sonntag fällt mir auf, dass ich mich mal bewerben müsste. Sonntag guck ich mir im Internet an, was ich alles dafür brauche. Sonntag stelle ich fest, dass ich Bewerbungsfotos brauche. Ein ganz blödes Thema, wenn man mich fragt. So gar nicht meins. Wie auch immer. Montag machte ich Bewerbungsfotos. Dienstag holte ich die Bewerbungsfotos ab. Das lief gut. Dienstag wollte ich also meine Bewerbung fertig machen und stellte fest, dass ich n persönliches Anschreiben brauche. Was soll ich denn darein schreiben? Also ne Freundin gefragt, ob sie mir ihrs schickt. Macht sie morgen. Mittwoch bekomme ich also dieses Anschreiben. Nichts großartiges, nichts tolles, das hätt ich auch alleine hinbekommen. Aber es beruhigt mich zu sehen, dass es mehr nicht sein muss. Dass es wieder einmal nur eine Formalität ist. Das war gestern. Dann hatte ich Besuch aus weiter Ferne, wir quatschten, wir redeten. Irgendwann hieß es: „Es ist Mitternacht, bist du müde?“ Oh je, ich wollte doch heute meine Bewerbung fertig machen. So ging ich mit Laptop ins Bett und las das Anschreiben meiner Freundin und schrieb mein eigenes. Des nachts lud ich dann meine Bewerbung hoch. Einfach so. Ich machte den Rechner aus und schlief ein. Ich habe nicht weiter darüber nachgedacht, doch als ich morgens als erste Tat meine Emails abrief, fiel ich fast um, als ich sah, dass ich drei Emails hatte. Das allein ist nicht erstaunlich – auch wenn ich nicht viel geschlafen habe, sprich nicht viel Zeit seit dem letzten Emails checken vergangen ist – doch die Tatsache, dass sich alles um meine Bewerbung dreht, versetzte mich dann doch in leichte Panik. Da hat jemand innerhalb weniger Stunden – nächtlicher, oder morgendlicher Stunden – auf meine Bewerbung reagiert. Um 07h26 kam die erste Reaktion. Keine Systemnachricht, nein, wirklich eine Nachricht von jemandem, der meine Bewerbung gelesen hat. Ich war schockiert. Um 07h33 bekam ich nicht nur eine Reaktion, sondern gleich eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch. Sorry, das geht mir zu schnell. Ich habe noch nicht einmal verarbeitet, dass ich mich bewerben kann. Noch weniger, dass ich mich beworben habe. Und schon hab ich n Angebot. Das ist gruselig.

Internet du böses Ding, du bist zu schnell für mich.

Und nun drehen meine Gedanken Kreise. Nicht so ganz, nur teilweise, denn irgendwie ist es wirklich zu surreal. Aber ein wenig. Denn reagier ich darauf jetzt? Ich hab schon einen noch konkreteren Wunsch, ein konkreteres Wunschgebiet. Und da möchte ich zuerst hin. Das Angebot kommt von woanders, immerhin die richtige Stadt, aber noch nicht perfekt. Kann ich jetzt darauf reagieren, mir den Job als Ass im Ärmel sichern und dann doch was anderes nehmen, wenn sich was besseres bietet? Ist das nicht unfair?

Ouh man. Sonntag hab ich mich damit zum ersten Mal ernsthaft auseinandergesetzt. Zum ersten Mal mit dem Gedanken, dass ich mich bald bewerben könnte. Gestern lad ich dann eine Bewerbung mittels eines einfachen Mausclicks hoch und heute hab ich ein Angebot. Hab ich schon erwähnt, dass es mir zu schnell geht?