indalo

17.12.2013 um 21:19 Uhr

Einspruch

von: indalo

Schon vor einigen Wochen legte ich Widerspruch gegen etwas behördliches ein. Schriftlich und auf dem Postwege. Denn ich bin der Meinung, ungerecht behandelt worden zu sein. Nicht nur brauchte die Sachbearbeiterin weit mehr als ein Jahr, nein, sie weigerte sich auch, mir irgendwas anzuerkennen. Und das geht nicht mit rechten Dingen zu.
Bis heute habe ich nichts zu dem Widerspruch gehört. Muss ich jetzt wieder ein Jahr warten?

Dann bekam ich vor knapp zwei Wochen meinen zweiten Steuerbescheid. Ganz hinten unten gab es den Vermerk, was nicht bewilligt wurde und was berücksichtigt wurde. Jeweils nur eine Sache. Mit dem ersten konnte ich leben, mit dem zweiten nicht. Kurios, da mir dort doch etwas bewilligt wurde. Da ich jedoch im vergangen Jahr umgezogen bin, haben sie das irgendwie vergessen. So überlegte ich hin und her, wie das eigentlich funktioniert. Ich dachte, ich interviewe meinen Vater. Sollte ich anrufen und nachfragen, oder gleich Einspruch erheben? Ich denke mir ja, dem guten Bearbeiter ist nur ein Fehler unterlaufen, weshalb ich einfach nur darauf aufmerksam machen würde, jedoch weiß ich nicht, ob ich das mündlich darf. Womöglich muss ich es ohnehin schriftlich machen. Nach einigen gewechselten Sätzen einigten mein Vater und ich uns darauf, dass ich anrufen würde. Heute griff ich also zum Telefon, und da ich weiß, dass man es in Behörden lange klingeln lassen muss, war ich unermüdlich. Tatsächlich ging noch jemand ans Telefon. Tausend Mal besser als das Bafögamt. Die arme Frau ist vermutlich Beamtin, arbeitet mit Steuererklärungen und bekommt daher vermutlich viele Vorwürfe zu hören und hat jede Menge schlecht gelaunte Menschen am Telefon. Und wenn man das gewohnt ist, erwartet man das auch. Ich begann direkt mit der Frage, ob ich bei ihr richtig bin, mit jemand anderem reden sollte oder meine Nachfrage gleich schriftlich einreichen sollte. Sie war sehr bissig zu Beginn, doch ich sollte erklären, worum es ging. Ich fasste mich kurz, sie verstand nicht recht. Merkte jedoch, dass ich sie nicht anzicke. So unterbreitete sie mir Vorschläge, die ich allesamt niederschlug, weshalb sie meine Akte raussuchte. In aller Seelenruhe las sie nach und nahm mich wieder ans Ohr, sie war wohl froh, mal nicht beschimpft zu werden – obwohl ich allen Anlass dazu hätte. Denn wie so oft frage ich mich, warum bei solchen Dingen immer wieder Fehler unterlaufen. Wenn ich solche Fehler mache, hab ich immer Mahngebühren oder sonstige Strafen am Hals, wohingegen sich Behörden und Konzerne mit einer einfachen Entschuldigung aus dem Staub machen. Das empfinde ich nach wie vor als Frechheit!

Wie dem auch sei, wir zwei kamen zu dem Schluss, dass mein Steuerbescheid fehlerhaft ist und sie sagte mir in liebenswertem Ton, dass ich einfach n Zweizeiler schreiben soll und diktierte mir halb – leider viel zu schnell – was ich schreiben soll. Und so wurde der Zweizeiler ein Achtzeiler. So bin ich eben.

14.12.2013 um 16:07 Uhr

Die Sattelfahrt

von: indalo

Gestern Abend stand das Ereignis an, welches sich wohl Weihnachtsfeier nannte. Von Weihnachten bekomm ich herzlich wenig mit, weshalb das nur ein Arbeitstitel für mich war. Dekoriert war jedoch sehr schön. Und so begab ich mich zum Treffpunkt und sah einen Haufen Kollegen. Nette Menschen, gute Menschen. Es wurde gegessen, gelacht, gequatscht. Und dann wurde aufgeräumt. Es war noch nicht allzu spät, aber vorbei sollte die Party nicht sein. Aus Spaß hieß es, man könne ja mit zum Kollegen gehen. Aus Spaß wurde ernst. Doch wie kam man dahin? Betrunken. Zu Fuß, mit Fahrrad oder Taxi? Je mehr Menschen, desto mehr Chaos. Ich fragte nach Gepäckträgern, doch keiner konnte einen bieten. Plötzlich hieß es, es könne noch jemand auf dem Rad mitfahren – aber wie? „Einer sitzt aufm Sattel, der andere fährt.“ Oh ha. Ja, ich konnte bis gestern sagen, so etwas noch nie gemacht zu haben. Es war ein Erlebnis. Immerhin war keine Polizei in der Nähe. Und so waren die Radfahrer noch vor dem Taxi an Ort und Stelle – obwohl das Taxi aufs Gelände fuhr, als das Rad gerade runterrollte. Starke Beine und starkes Gefälle sind da von Vorteil.

Es war ein lustiger Abend mit mehreren Outings. Verdammt, warum muss ich bloß so anders sein? Nein, so richtig passe ich da nicht rein, auch wenn ich den Abend sehr amüsant fand. Die ein oder andere Kollegin findet mich nun… komisch. Und vermutlich auch langweilig. Doch mit Professionalität werden wir auch das meistern. Die Herren der Schöpfung beschlossen Bagger zu fahren. Und das startete noch bevor ich mein Essen anverdauen konnte. Ich weiß beim besten Willen nicht, wieso ich an diesem Abend zur Zielscheibe wurde… es wurde mir nur auf mehreren Kanälen sehr deutlich gemacht. Und doch kann ich nichts davon ernst nehmen. Liegt das an mir oder eben an der Tatsache, dass es nicht ernst gemeint war?
So gegen ein Uhr morgens krempelte mein Bodyguard die Ärmel hoch, was den anderen keineswegs daran hinderte, den restlichen Abend weiterhin den Platz neben mir einzunehmen. Gegen drei mimisierte mir ein anderer eine gewisse Verbindung zwischen mir und dem nächsten wahrzunehmen. Gegen vier verbalisierte er dies in mein Ohr brüllend, sodass es nicht half, als jener nächste ne halbe Stunde später mein Gesicht in beide Hände nahm, mir tief in die Augen blickte und mich fragte, wieso ich entschied, mit ihm und den zwei anderen an der Musik turtelnden zu bleiben. Mein sehr ratloser und vermutlich auch sonst für sich sprechender Gesichtsausdruck gab der Situation nicht viele Fortsetzungsmöglichkeiten. Wir wurden mit einem sehr breitem Grinsen in die Nacht entlassen. Wohin wir gehen würden, wurde nur belächelt.

Ich muss sagen, der Abend entwickelte sich zu etwas, das mir in Erinnerung bleibt, auch wenn es keine großartigen Überraschungen gab. Ich glaube, meine Menschenkenntnis wurde nur bestätigt, auch wenn mich noch am Abend verwunderte, dass mein Chef mich leicht gedemütigt daran erinnerte, dass ich letzte Woche ein Telefonat zwischen ihm und seiner Frau mitbekam. Wer da die Hosen anhat, ist mehr als deutlich. Man sieht, was auf Arbeit kompensiert werden muss.

 

Ich werde bleiben. Bisher hätte ich mich nirgendwo in eine solche Situation wie die gestrige gebracht. Nirgendwo, wo es um Arbeit ging. Ich wusste, welches Risiko ich damit eingehe und tat es dennoch. Und für ein erstes Mal fühlte ich mich sehr wohl.
Bleibt nur die Frage was passieren wird, wenn sie eines Tages mitbekommen, dass die letzte Person, die ich küsste, eine Frau war.

11.12.2013 um 20:09 Uhr

Das Tier in mir braucht einen Namen

von: indalo

Schon gestern dachte ich das. Das Tier in mir braucht einen Namen. Dringend.
Warum so dringend? Weil es seit ziemlich genau achtundvierzig Stunden nicht mehr schlafen möchte. Es tritt vor die Tür um frische Luft zu schnappen und mich meinen Alltag bewältigen zu lassen, aber sobald es thematisch in die Richtung geht, kommt es reingerannt und haut alle und alles um. Es lebt, es ist da und es will gehört werden. Es will gewinnen, um jeden Preis.
Zu recht, wie ich finde.

Schon als Kind sagte man mir einen sehr starken Gerechtigkeitssinn nach. Auch in späteren Jahren hab ich mir den ein oder anderen Feind gemacht und damit für mich sehr negative Konsequenzen eingefangen, wenn ich für die Rechte anderer eingetreten bin. Doch seit ein paar Jahren versuche ich, auch meine Rechte deutlicher zu vertreten. Nein zu sagen. Für mich einzustehen. Vermutlich kann ich das schon besser als viele andere, doch nicht immer und nicht überall. Und für meine persönliche Entwicklung, Job hin oder her, ist diese Telefonnummerngeschichte verdammt wichtig. Denn hier zeige ich eine Grenze, die ganz offensichtlich überschritten wurde. Mein früheres Ich hätte das hingenommen („So schlimm war’s ja nicht, tat auch nicht weh.“). Doch ich will und werde das nicht hinnehmen. Gestern rotierte ich und fühlte das Tier in mir brüllen. Wenn es mir ums Prinzip ginge, wäre das eine Kopfsache, oder nicht? Doch da war es definitiv nicht der Kopf, der das Vorrecht hatte, sondern das Tier. Und weil es einfach unhöflich ist, immer von „dem Tier“ zu reden, braucht es einen Namen. Nur welchen? Hat jemand einen Vorschlag?

10.12.2013 um 18:46 Uhr

Der Eisprung

von: indalo

Gerade habe ich über zwei Stunden mit einer meiner liebsten und unberechenbarsten Freundinnen geredet und danke ihr von Herzen für die letzte Info. Es war ein hin und her, ja, sie ruft nur aus zwei Gründen an. Entweder es ist etwas passiert, was sie unbedingt loswerden muss, oder sie beschäftigt etwas, wofür sie in Gang kommen muss. Dieses Mal musste sie in Gang kommen, was ich aber einfach überging und stattdessen von meinem spektakulären Wochenstart erzählte. Sie steht voll hinter mir, was diese ganze Telefonnummerngeschichte angeht. Sie meinte, man müsse die Vorgeschichte kennen um zu wissen, warum ich so extrem reagiere. Denn das tue ich. Aber heut Nachmittag wollte ich ohnehin einen Eintrag zu meinem Extremismus verfassen. Ich entschied mich dagegen, denn das Ende des Telefonats war eindeutig erwähnenswerter.

So ging es also hin und her. Es gibt solche und solche Menschen und sie gehört zu denen, die sexuellen Bedürfnissen keine große Aufmerksamkeit schenkt, bzw. sie nicht wahrnimmt. Das ist alles toll und so, aber wunderbar zu kontrollieren. Und plötzlich brach es aus hier heraus: „Boa, neulich, da hatte ich wohl meinen Eisprung.“ Ich lachte. Ich lachte laut. „Das hab ich von dir ja noch nie gehört.“ – „Das hab ich so auch noch nie gemerkt. Ich war in der Schwimmhalle und da sind sie ja alle nackt. Das stört mich nie, da guck ich nicht hin, das interessiert mich nicht. Doch neulich, da sah ich Brüste. Überall Brüste. Es ließ mich gar nicht mehr los. Ein paar Tage lang stellte ich immer wieder fest, dass ich jeder Frau in Ausschnitt gucke.“ Ich konnte mich kaum einkriegen vor lachen. Sie lachte mit mir. Und ich konnte nur an manche Freunde denken, die sie ja jetzt besser verstehen muss. „Was, geht denen das etwas immer so?“ Ja, ich fürchte schon. Mindestens einer Freundin und einem Freund geht es immer so. Immer. Und das muss echt anstrengend sein.

09.12.2013 um 22:29 Uhr

Ein abendlicher Anruf

von: indalo

Ich bin so sauer, dass ich es nicht in Worte fassen kann. Hysterisch, ja, so könnte man es nennen. Fassungslos. Und das war ich heute morgen schon. Mehrmals, aus mal schwerwiegenden, mal amüsanten Gründen. Aber jetzt bin ich so fassungslos, dass ich mich kaum bremsen kann. Ich bin wütend, stinkendsauer und weiß noch nicht, wie ich damit umgehe. Ich bremse mich noch in der Hoffnung, eine sinnvolle Erklärung zu bekommen.

Am heutigen Abend wurde ich von einer mir wildfremden Frau angerufen, die eine simple, und doch unerhörte Frage hatte. Ich war gefasst, wenn auch entsetzt. Und bevor sie auflegen konnte, hatte ich noch eine Frage. Woher sie meine Nummer hat? Erst kam ne Antwort, woraufhin ich nur meinte, dass dann meine nächste Frage wäre, woher die Person meine Nummer hat. Von ner Kollegin, vermutete meine Gesprächspartnerin. Ich auch. Und sie legte etwas pikiert auf, dass ich in einem so stringentem Ton mit ihr redete. Sie kann womöglich nichts dafür, dass sie meine Nummer hat, aber sie könnte schlau genug sein, mich nicht am Abend vorher anzurufen. Nein, das empfinde ich als Frechheit. Erziehung, wozu überhaupt?!

Meine Woche startete mit einem wütenden (er war nicht wütend, er wütete) Zwölfjährigen, der in seiner blinden Aggression genug Kraft entwickelte um mich mitzuziehen. Ich habe mehr Kraft als man denken könnte, und doch stellte ich im Gefecht irritiert fest, dass ich plötzlich zwei Meter weiter vorne stand als erwartet. Es war eine Situation, die nicht hätte sein dürfen. Es war, wie es war. Mein Vorteil war, dass ich den Jungen von hinten erwischte und eben standhaft genug war um mich nicht von ihm zu Boden reißen zu lassen. Kurz darauf kümmerte ich mich um einen am Boden liegenden Jungen, der mit letzter Kraft in den Mülleimer erbrach. Ja, mein Wochenanfang war schon gelungen. Doch dieser Anruf ist schlimmer als beides zusammen. Ja, gar schlimmer als bisherige Ereignisse. Denn – sofern besagte Kollegin wirklich meine Nummer weitergegeben hat – empfinde ich das als Wendepunkt. Wir sind im Laufe dieses Jahres mehrmals aneinander geraten, weil sie möchte, dass ich meine Telefonnummer rausgebe. Sie meinte jedoch auch schon im April, dass sie respektiert, dass ich es nicht tue und mich nie bloß stellen würde, sie dennoch anderer Meinung sei. Von mir aus, aber unter diesen Voraussetzungen meine Nummer weiter zu geben, ist ne Schweinerei. Und ich hoffe inständigst, dass jemand anders dafür verantwortlich ist. Doch meine Hoffnung ist sehr klein, denn sie ist die Verbindung zwischen mir und meinem Gesprächspartner. Und in meiner Rage, die wirklich erstaunlich heftig ist, gehen mir viele Gedanken durch den Kopf. Ja, ich bin sogar so weit sie wegen Verletzung der Privatsphäre anzuzeigen, mindestens aber mich zu weigern, mit ihr weiter zusammen zu arbeiten. Das ist so eine Verletzung meiner Rechte, dass ich damit gerade gar nicht klarkomme.
Morgen werde ich auf sie zu gehen und mit der mir ruhigmöglichsten Stimme fragen, ob sie mir erklären könne, wie meine Nummer an Fremde geraten sein könnte. Wenn sie das zugibt, explodiere ich. Und zwar richtig. Vor Kollegen, vor den Chefs, denn zu denen würde ich im Nachhinein gehen.

Ja, ich finde es irgendwie albern wegen eines einfachen Anrufs so zu reagieren, aber hierbei geht es mir eindeutig ums Prinzip. Doch vermutlich bin ich ohnehin zu professionell um das auf unsere Zusammenarbeit zu übertragen.

08.12.2013 um 16:23 Uhr

Schon wieder diese Zeit

von: indalo

Es ist wieder diese Zeit im Jahr, in der ich mich gegen alles wehre. Warum gibt es zum sechsten Dezember Computerspiele für sechzig Euro? Weil da Nikolaus auf dem Kalender steht? Was bedeutet das? Was wird da gefeiert?
Warum zünde ich am Wochenende eine Kerze an? Weil es gemütlich ist? Warum sind es dann zwei am nächsten Sonntag? Warum nicht von Anfang ein Zahl, die gut in mein Wohnzimmer passt?

Viele machen es, weil sie es von Kindesbeinen an gewohnt sind. Dagegen spricht für mich überhaupt nichts. Doch für mich ist es keine Erinnerung aus der Kindheit. Für mich bleibt nur die fortwährende Frage „Warum?“

Eine Freundin hat mir einen Adventskalender gebastelt. Was ist mein erster Gedanke? „Wozu?“ Jeden Tag eine Süßigkeit. Ich esse was ich möchte, wann ich möchte. Dazu brauch ich keine Tage raufzuzählen. Und warum schenken wir immer Süßigkeiten?
Sie hat Freude am Basteln und am Schenken, und ich fühle mich schlecht, weil ich da echt die falsche Person bin. Ich hab wohl nicht einmal mehr Freude daran, beschenkt zu werden.

Seit Jahren wurde ich zu Weihnachten gezwungen. Ich hatte keine Lust, zu meiner Familie zu fahren, ich habe schon vor langer Zeit den Geschenkezwang abgeschafft. Ich mochte die Erwartung nicht und sehe keinen Sinn darin, Geld zu verschenken. Ich wollte auch kein Geld geschenkt bekommen. Und mir ein Geschenk zu kaufen, was andere dann bezahlen, das erschien mir auch nicht sinnvoll. Und ganz offensichtlich hatte niemand Freude daran, mir einfach so etwas zu schenken. Nein, nicht niemand. Da gab es ein befreundetes Pärchen, die das taten. Mit Freude. Und ich freute mich darüber. Ja, daran erinnere ich mich noch. Doch auch das verlief aus unterschiedlichsten Gründen im Sande.
So wurde ich also immer zu meinen Eltern zitiert, wenn die Feiertage nahten. Meistens kam ich, denn ich dachte mir, dass es mir weniger schadet als es ihnen Freude bereitet. Doch jetzt, nur weil mein Bruder in diesem Jahr derjenige ist, der nicht in der Stadt ist, zu sagen, wir können es ausfallen lassen oder ohne ihn machen, da er sonst so weit fahren muss, ärgert mich. Jahrelang musste ich bei Sturm, Eis oder auch blauem Himmel stundenlang hierher gondeln und niemanden interessiert’s, und kaum dass der arme Junge weggezogen ist, sind Fahrzeiten was schlimmes. Nein, du raffst es nicht einmal, wenn ich dir das so sage. Der arme Junge.
Und dann jetzt auch noch zu hören, dass dir Weihnachten nie wichtig war, du das immer für deinen Ex gemacht hast und jetzt mit der Scheidung das ja nicht nötig sei – ist der blanke Hohn. Warum lügst du? Was versuchst du damit zu erreichen?

Essen gehen… ich gehe ungern essen, da es für mich eine Geldverschwendung ist. Ich bin noch nicht an dem Punkt, an dem es gemütlich und angenehm ist. Doch zu Weihnachten, da sollen wir jetzt essen gehen. Gut, wenn es das ist, was ihr wollt. Aber nur um eins klarzustellen: „Nur weil ich am Meisten Geld verdiene, heißt das nicht, dass ich euch einlade.“ – „Ich wusste, dass du das sagen würdest.“ Gut, dann müssen wir darüber also nicht diskutieren. Aber der arme Junge hat doch die Fahrtkosten. Jaja, und ich verdiene Geld. Weil ich mir verdammt noch mal den Arsch dafür aufgerissen habe während er feiern ging. Muss ich deswegen jetzt ihn zu etwas einladen, was ich selbst nicht möchte? Nein.

Jetzt kam mir die Idee, dass ich auch das Essen machen könnte. Begeistert war die gute Frau nicht, aber irgendwie nahm sie’s hin. Auf die resignierte Frage, ob wir dann die Einkaufskosten teilen, konnte ich nur antworten, dass ich das von mir aus mache und dazu einlade. Denn das ist ja etwas, das ich für mich entscheide. Also wollte sie nen Kuchen machen und ich wollte vorschlagen, dass er sich um Nachtisch kümmern kann – schließlich kocht und back er mit Leidenschaft. Doch sie wollte Nachtisch machen und fragte, was er denn zur Strafe mitbringen soll. Bitte was?! „Wo kommt denn Strafe her?“ – „Nenn es doch wie du willst, er soll auch was tun.“ Ich war irritiert. Nein, ich nenne es nicht wie ich möchte. Es ist keine Strafe. Wenn wir hier von Strafen reden, können wir doch gleich alles sein lassen. Denn begonnen hat das Gespräch ja damit, dass wir bei mir Kaffee trinken, damit sie sich vom Acker machen kann. Ey, wozu setzen wir uns zusammen, wenn jemand jetzt schon plant, sich vom Acker zu machen? Was soll denn der Scheiß?

04.12.2013 um 20:56 Uhr

Beifall

von: indalo

Es war wieder ein guter Tag. Anstrengend, wie so oft, aber gut. Ich fühle mich gut. Mit mir, und mit meinem Job. Es war abwechslungsreich, doch auch irgendwie hoffnunggebend. Ich wurde positiv überrascht, ohne mich überraschen zu lassen.

Vieles mag ich, vieles mag ich nicht. Es gab wieder tiefgreifende Gespräche, grundlegende Kritik und jede Menge Sorgen. Doch ich stehe derzeit auf der Eisscholle, die einfach so vor sich hindümpelt. Einfach so.

Gestern war ich auf einer Fortbildung und sagte dazu wenig. Ich ging in die Fortbildung mit der Aussage, dass ich dort bin um Anregungen zu bekommen. Wir, meine Kollegen und ich, sind blutige Anfänger. Wirklich sehr blutige Anfänger, die eine Verantwortung haben, die erst später kommen sollte. Und deswegen suche ich Unterstützung. Ich ging aus der Fortbildung mit dem mittlerweile allzu bekannten Gefühl, alles anders machen zu wollen und zu sollen.
In den letzten Monaten habe ich mich zu keiner Fortbildung angemeldet, weil ich sie alle für unnütz hielt. Auch gestern hatte ich wenig Hoffnung, doch der kleine Funken wollte keine Ruhe geben. Ich wurde nicht fortgebildet. Auf die Frage, worin ich fortgebildet wurde, antwortete ich: „Darin, dass Fortbildungen nicht fortbilden.“ Ich wurde nicht ernst genommen. Und doch habe ich etwas mitgenommen. Wahrscheinlich sollte ich regelmäßig zu Fortbildungen gehen um das Gefühl, Dinge anders und besser machen zu wollen, nicht ganz zum Schweigen zu bringen. Da ist noch viel Potential, was ich ausschöpfen möchte. Und gerade die Fortbildungen zeigen mir, was ich noch will. Jetzt muss ich nur den Weg noch gehen.

Ach, zu der Fortbildung wollte ich gar nichts schreiben. Mir ging’s um mein Dümpeln, mit dem ich mich ganz wohl fühle. Und heute erst recht wieder, denn ich wurde in den höchsten Tönen gelobt. Eine emotional erregte Kollegin ergriff das Wort und sprach eine Lobeshymne auf mich, die mit einem ziemlich langen Beifall der Kollegen unterstützt wurde. Ja, ich wurde rot, ja, mir war warm. Und auch das stellte ich zu Hause fest. Ich mag meinen Job, ich mag meine Verantwortung, doch ich bin damit auch noch ganz gut gefordert. Es macht mich nervös, vor all meinen Kollegen zu sprechen. Ich kenne sie alle, ich rede mit vielen, doch die geballte Mannschaft mir gegenübersitzen zu haben und führen zu sollen, ist doch eine Herausforderung. Und ich glaube, meiner Chefin ist heute erst (oder wieder) klar geworden, dass es für mich nicht das normalste der Welt ist. Dass ich nicht zu den alteingesessenen Kollegen gehöre, die schon auf Jahrzehnte Berufserfahrung zurückblicken können. Ja, ich glaube ihr zugeflüstertes Lob im Vorbeigehen „Du machst das richtig toll.“ entstand aus eben jener Erkenntnis.
Ich mache (zumindest in diesem Bereich) meinen Job richtig gut. Und vor dem Hintergrund meiner jungen Jahre und geringen Berufserfahrung, mache ich ihn sogar richtig super gut.

01.12.2013 um 21:02 Uhr

Liebes Patenkind,

von: indalo

für dein Leben wünsche ich dir Liebe,
und Gesundheit. Allem voran immer
Liebe, denn ein Leben ohne Liebe ist
nicht gesund. Liebe hat viele Gesichter,
das darf man nie vergessen. Ich wünsche
dir, sie alle kennen zu lernen und
annehmen zu können. Und ich wünsche
dir Mut zum Träumen und die damit
einhergehende Kraft, deine Träume
auch umzusetzen. Das Leben ist voller
wundersamer Dinge, die entdeckt
werden wollen. Viele kann man nur
mit dem Herzen sehen…
Neben all den Wünschen gebe ich dir
am heutigen Tag auch offiziell das
Versprechen, dich auf deinem Weg
mit Rat und Tat zu unterstützen.