indalo

25.06.2014 um 23:58 Uhr

Führungskräfte

von: indalo

Letzte Woche zog ich aus meinem Postfach bei der Arbeit eine Broschüre. „Führungskräfte“ stand vorne groß drauf. Aha. Ich hab ja eine Ahnung, rein begrifflich, was mir der Autor damit sagen will. Aber was hat das in meinem Fach zu suchen? Und was will mir der Absender damit sagen? Pläne für mich, von denen ich nichts weiß?

Ich nahm es mit nach Hause und legte es beiseite. Jetzt stolperte ich wieder drüber. Bis heute hat mich niemand darauf angesprochen. Wieso bekomme ich so etwas ins Fach gelegt? Kommentarlos. Gut, Kommentare kann man sich klemmen - doch mich würde interessieren, wer mir das ins Fach legte. Wer hat da Pläne für mich?

Schon neulich schlug mir eine Kollegin einen Job vor, den ich dankend ablehnte. Nun hat sie ihn. Musste sie ihn jetzt nehmen, damit jemand aus unserem Team ihn macht? Wollte sie ihn damals schon und ihn nur mit mir zusammen machen? Was steckt dahinter?

Oder steckt hinter dieser Broschüre etwas ganz konkretes. Bei uns wird eine Stelle unter den Führungskräften frei. Soll ich die nehmen? Bin ich nicht noch ein ganz klein wenig jung dafür?
Und mal im Ernst: Ich wollte nie Karriere machen. Nie. Auch heute noch nicht. 

24.06.2014 um 17:20 Uhr

Im Treibhaus

von: indalo

In den letzten Tagen bin ich unglaublich erschöpft. Ich weiß nicht recht, wieso. Doch heute nutzte ich den Nachmittag um einen Film zu gucken. Oder auch zwei. Das hielt mich doch sonst bei Laune. Wobei die Laune gar nicht schlecht ist. Ich bin nur kaputt und irgendwie nachdenklich. Wieder einmal. Oder immer noch.

In dem Film jedenfalls sprach jemand davon, dass er keine Lust habe über den emotionalsten Moment nachzudenken, bzw. ihn zu verschriftlichen. Etwas, das ich nicht nachvollziehen kann. Kaum etwas tue ich lieber als diese Momente festzuhalten. Sie zu erleben ist noch besser, aber sie für immer einzufangen, das macht sie unsterblich. Wobei sie es von sich aus sind. Es sind nicht die Worte, die sie verewigen, es sind die gefühlten Gefühle. Die Momente selbst. Sie sind einfach unvergänglich.

Und so war es letzten Freitag wieder einmal so weit. Ein Treffen in einem Restaurant, welches ich noch nie zuvor betreten habe. Ein erstes Mal. Und es war wunderschön. Die Kellnerinnen waren nicht sehr begeistert von uns, auch der Koch verpönte unseren Tisch. Doch nichts davon war wichtig. Wichtig waren allein die Menschen des Abends. Diese wunderbaren, einmaligen Menschen, die ich schon sehr viele Jahre kenne. Nichts kann uns mehr trennen. Im Herzen sind wir uns nah. Da herrscht einfach Verständnis, Liebe, Zuneigung. Und ich fühlte mich so unendlich wohl in ihrer Mitte. Wir waren eins, eins miteinander und doch sind wir alle so eigenständig, leben unsere eigenen Leben. Doch ab und an, dann und wann, kommen wir zusammen und zelebrieren diese Freundschaft.

Auch nach all den Jahren, nach all den Gesprächen und gemeinsamen Erfahrungen, auch jetzt noch lernen wir uns immer weiter kennen. Wir wachsen miteinander, wir gedeihen aneinander. Vertrauen, Offenheit und Freude sind die Basis unseres Beisammenseins. Möge es so weitergehen, für immer. 

22.06.2014 um 20:53 Uhr

"Stör ich?" - "Ja"

von: indalo

In meinem Kopf ist viel, und ich versuche, ihn leer zu halten. Er sollte nicht denken, nicht überlegen, nicht abwägen. Einfach handeln. Einfach nur tun, wonach mir ist. An die See fahren, wenn ich das möchte. Auch mit Fremden. Oder dann doch spontan hier bleiben und sie zu mir einladen. Auch bei meinem Chaos. Ich bin offen, ich bin frei. Was soll’s?

Sie ist ein angenehmer Mensch, für mich. Sie ist mir viel zu ähnlich, das erschreckt mich von Zeit zu Zeit. Wir sind auf Themen gekommen, die hab ich schon vergessen. Sehen wir die Farben alle unterschiedlich? Was macht man, wenn die Polizei bei einem klingelt? Oder man sie anruft und sie nicht bereit ist, einem zu helfen? Meine Gedanken überschlagen sich. Ich kann reden ohne mir Gedanken zu machen. Ich bin einfach ich, mit Macken und Idiotien. Genauso wie sie. Offen, ehrlich und direkt. Und diese Blicke. Da werd ich schüchtern. Nicht lüsternd, einfach nur intensive Blicke.

Überbewerte ich hier etwas? „Ich bin auch sanft“ - „Und auch das ist ein Vorurteil.“ gehörte zu den Gesprächsfetzen, die mich amüsierten. (Und auf dem Heimweg ein Gedankenkarussel anstießen.) „Dich hat wohl noch nicht die Leidenschaft übermannt.“ - „Nee, über-mann-t hat sie mich nicht, das stimmt.“ gehörte zur den Zitaten, die mich einerseits amüsierten, die aber auch mehr mit mir machten. 

Sie ist trocken, sarkastisch und einfach sie selbst. Würde sie nicht zuerst reden, würde ich meinen, sie redet mir nach dem Mund. Oder ist sie einfach so gut darin?

Nein, ich frage mich das nicht wirklich. Ich schwimme einfach mit dem Strom, ich lasse mich vom Wind treiben. „Ich möchte nicht, dass der Abend schon endet.“ - „Man könnte jetzt pedantisch sein und sagen, dass Mitternacht von alleine kommt.“ - „Das ist doof. Und das meinte ich auch nicht.“ Stille. In meinem Kopf Reaktionen. Sie bleiben in meinem Kopf. Ich bin vorsichtig. Ich weiß nicht, was ich will. Ich will es nicht wissen, ich will es herausfinden. Nicht im Geiste, in der Tat.

Und dann der Anruf heute Vormittag. „Stör ich?“ - „Ja“ und ich konnte mir bildhaft vorstellen, was im Kopfe der fragenden Person für ein Bild herrscht. Und ich merke, dass sie eifersüchtig ist. Auf mich. Jetzt schon. Weil sie sich abmeldet um sich mit mir zu treffen. Abmelden… wer sich abmelden muss, ist nicht frei. Oder will es nicht sein. 

18.06.2014 um 22:20 Uhr

Das muss ich jetzt aushalten

von: indalo

Eben schloss ich meine Wohnungstür auf und das war mein Gedanke. „Das muss ich jetzt aushalten.“ Es war nicht das erste Mal, dass ich es heute dachte, aber eindeutig der Anlass für diesen Beitrag. Denn das muss ich jetzt einfach aushalten. Was? Dieses Gefühl. Ein Gefühl von Schuld, Ärger, Wut, Unsicherheit, Unfähigkeit und noch vielem negativem mehr. Es nützt wenig, die einzelnen Begrifflichkeiten zu suchen, es ist einfach ein Gefühl, was ich aushalten muss. Ich möchte die Absolution,ihre Absolution. Ich möchte, dass sie mit mir redet, dass sie mir verzeiht, dass sie mir sagt, dass es nicht meine Schuld ist. Dann wäre es womöglich besser. Doch niemand außer ihr könnte mir sagen, dass es nicht meine Schuld ist. Das weiß ich einfach. Und trotzdem habe ich zwei Leute vollgejammert. Begonnen habe ich mit „Ich brauche seelischen Beistand.“ Und doch weiß ich, dass sie nichts sagen können. Ich kenne die Pros und Contras, ich weiß, was ich richtig gemacht habe und dass ich alles versuchte habe. Und doch war es nicht gut genug. Ich war nicht gut genug. Ich habe nicht alle Eventualitäten berücksichtigt. Und darunter leidet jetzt jemand anderes. Nicht ich. Ich leide nur mit. Ein wenig. Ich kann mich verteidigen, würde mich jemand angreifen, doch ich allein greife mich an. Sonst niemand. Vielleicht noch sie. Doch nicht einmal das tut sie. Sie schweigt. Sie weint. Und ein Blick in ihr Gesicht jagte mir das Bild durch den Kopf, dass ich ihr gerade einen Dolch in den Bauch stach. Ich kenne das, wenn Menschen alles aus dem Gesicht fällt, doch so intensiv habe ich das noch nicht erlebt. Das war hart. Und das ist es noch.

Es war das erste Mal, dass ich das erlebte. Diese ganze Situation. Das erste Mal, dass ich so hilflos war, so machtlos, so unfähig. Beim nächsten Mal bin ich schlauer, beim nächsten Mal wird alles besser, doch für sie nützt das rein gar nichts. Und das werde ich mein Leben lang mitnehmen. Das Wissen um diese Erfahrung. 

Als Mensch wünsche ich mir ihre Absolution, doch ich muss lernen, ohne sie zu leben. Denn das muss ich jetzt aushalten. So wie es ist.

Der Tag war anstrengend. Ich bin richtig kaputt. Total erschöpft. Ich möchte jetzt schlafen, damit ich morgen besser gelaunt bin. Damit ich heute heute sein lassen kann. Und dabei hat dieser Tag so wunderbar begonnen. Emotional ohne Ende. Kerzen, Dunkelheit, Lichter, Engel, strahlende Gesichter und ganz viel Emotion. Vorfreude. Gefühl. Da war ganz viel heut morgen. Ich war so bewegt, doch ich habe es schon wieder vergessen. Der Mittag war eine andere Welt, eine unschöne Welt. Diesen Teil meines Berufes mag ich nicht. 

Und das alles zum Jahrestag. Ich gratuliere mir selbst. Eine Dekade ist vergangen. 

05.06.2014 um 22:40 Uhr

Frühstück, Erdbeerkuchen und Windeln

von: indalo

Was für ein Tag. Womöglich auch: Was für eine Woche. Oder: Was für ein Leben. Aber jetzt speziell: Was für ein Tag.

Gestern verschickte ich eine Rundmail an einen ausgewählten Kreis von Damen und kurz darauf klingelte das Telefon. Ein ganz flüchtiger Gedanke ging in die Richtung, dass der Anruf mit der Mail zusammenhing. Doch irgendwie… nö. Es stellte sich heraus, dass da doch ein klarer Zusammenhang war. So telefonierten wir ein wenig und ganz zufällig erwähnte sie, dass sie am nächsten Morgen zum Frühstücken verabredet sei. Achso? Wie schön. Moment, am nächsten Morgen kann ich doch ausschlafen. Vielleicht schlaf ich doch nicht aus und geh frühstücken.
Ich fragte zwar, ob sie der Meinung sei, die anderen hätten was dagegen, wenn ich unangemeldet vor der Tür stehe, doch ich war mir ziemlich sicher, dass dem nicht so sein würde. Und so schickte ich noch während des Telefonats eine SMS an einen Kollegen, ob er etwas mit mir tauschen würde. Perfekt, es hat funktioniert, ich hab mir noch ein wenig Zeit rausgeschunden. Und dann schwang ich mich heute morgen im Nieselregen aufs Rad und klopfte kurz darauf bei Freunden. „Hä, dir hab ich doch gar nicht Bescheid gesagt.“ Nö, hat sie auch nicht. Ich wollte auch nicht stören. Stattdessen balancierte ich mit zwei Armen drei Kinder und war fasziniert von dem Zusammenspiel. Die Mamis durften essen.

Dann ging’s zur Arbeit, völlig unspektakulär und anschließend wieder aufs Rad, n Riesenpaket bei der Post abgeben, ein mittelgroßes Abholen und nebenan beim Bäcker rein. Ja, es gab Erdbeertorte. Da mittlerweile zweitweise die Sonne schien, beschloss ich in den Garten zu fahren und den neuen Mann im Leben meiner Mutter kennenzulernen. Ein kurzer Anruf mit Vorwarnung und der Nachfrage, ob er denn auch Erdbeerkuchen möge und schon stopfte ich den Kuchen in den Rucksack und radelte die Straße entlang. Es war ein gemütliches Zusammensitzen, doch irgendwie wirkt der gute Mann schüchtern. Die kennen sich noch nicht sehr lang, aber diverse Urlaube sind schon geplant. Er erinnert mich ganz extrem an ihren noch-Ehemann, doch irgendwie ist er auch ganz anders. An die Männer davor erinnert er mich keineswegs, was ja doch irgendwie spannend ist. Wir tauschten uns über das Reisen aus und nach ein paar Stunden bestieg ich wieder meinen Drahtesel und nahm diesmal einen Rad- und Wanderweg, den ich erst vor kurzem mit Kinderwagen kennenlernte und noch nie gefahren bin. Dann wieder rechts, den Deich entlang zur jüngsten Mutter und die das Postpaket mit den Windeln abgegeben. Ja, ich bekam ein Paket Windeln zugeschickt. Etwas, das einen wundern könnte, aber für meine Umgebung schon nicht mehr verwunderlich ist.

So schaffte ich es auch endlich, dem wichtigsten Pärchen davon zu erzählen, dass ich bald mal wieder für lange Zeit verschwinde. Nicht, weil sie die wichtigsten Menschen in meinem Leben sind, aber weil sie das einzige Paar sind, dem ich es als Paar sagen wollte. Bei allen anderen reicht es, wenn einer die Information erhält. Bei diesen beiden wollte ich, dass sie beide davon erfahren. Dass sie es gemeinsam erfahren und niemand vor dem anderen. Deswegen das wichtigste Paar. 


Tja, und dann ging’s wieder nach Hause, den anderen Deich entlang. Fahrrad in Keller, Salat mit Mozzi, Tomaten und Speck vorbereitet und dann eine wunderbare Email gelesen. Wow war der erste Gedanke. Und irgendwie wowt es immer noch in meinem Kopf. 

Die SMS, dass jemand, den ich vor ein paar Stunden zu erreichen versuchte, nun wieder erreichbar sei, löste in mir wieder ein Gefühl der absoluten Überwachung aus. Ich musste auch anrufen: „Hast du gerade eben dein Handy eingeschaltet?“ - „Ja, wieso? Wird dir das angezeigt?“ Ja, wird es… und ich finde das nicht in Ordnung. 

01.06.2014 um 23:29 Uhr

Waschmaschinenreparatur

von: indalo

Nachdem ich gestern spät nach Hause gekommen bin und nur noch kaputt ins Bett fiel, wollte ich dann heute meine Wäsche der letzten Tage waschen und zudem auch meine neuen Errungenschaften. Doch irgendwie wollte meine Waschmaschine nicht das machen, wofür sie gemacht ist. Ich stellte sie an, ging ins Wohnzimmer und wunderte mich nach einiger Zeit, wieso ich sie nicht höre. Also ging ich zurück in die Küche stellte fest, dass sie nichts tat. Da kam mir die Erkenntnis, dass ich letztes Wochenende auf Empfehlung einer Freundin das Wasser unten ablaufen ließ und dafür den Wasserhahn zudrehte. Nur leise gebe ich zu, dass ich den Hahn sondern immer voll aufgedreht lasse. Also drehte ich den Hahn wieder auf - doch es passiert nichts. Blöd. Dann drehte ich die Maschine aus, da es ja doof ist, wenn sie Wasser pumpen will und nichts kommt. Dann entschied ich mich, erst zu essen und mich danach darum zu kümmern, was da los ist.

Nachdem ich gegessen habe, probierte ich es noch einmal und rief dann meinen Vater an. Er überlegte direkt, was es sein könnte und gab mir natürlich erst einmal all die Tipps, die ich schon längst ausprobiert hatte. Dann überlegten wir weiter. Ich drehte währenddessen den Hahn auf und zu, auf und zu. Dann drehte ich den Schlauch ab und es tropfte ein wenig Wasser. Mehr nicht. Das sei nicht normal, warf mein Vater ein. Also drehte ich an weitere Hähnen und mein Vater bot um Fotos von dem, was ich ihm zu beschreiben versuchte. Also schickte ich ihm Fotos der drei Wasserhähne, des Zwischenstopps und des Adapterstücks. So richtig konnte er damit auch nichts anfangen. Und während wir weiter rätselten, klopfte und drehte ich an allem rum und immer mal wieder kam Wasser. Weniger, dann mehr. Aber noch nicht genug. Dann legte ich auf um in Ruhe weiter zu probieren. Ich geb ja nicht auf, und wenn ich bis Mitternacht da sitzen sollte. Mein Vater riet mir schon, dem Hausmeister Bescheid zu geben, doch das könnte ich ja erst morgen.
Irgendwann war es dann soweit, dass genug Wasser rauskam, sodass meine Waschmaschine zufrieden war. Ich bin der Meinung, es ist noch nicht alles, was der Hahn schaffen könnte, aber es war genug. Dann rief mein Vater auch schon wieder an und leitete das Gespräch mit der Frage: „Na, hast du aufgegeben?“ ein. Nein, natürlich nicht. Er erzählte mir noch von dem, was er im Internet gelesen hat und ich erklärte ihm, dass meine Maschine momentan wäscht und ich mich damit vorerst zufrieden geben.

Und so kann ich nun stolz sagen, dass ich meine Waschmaschine zum Laufen gebracht habe.  Mehr oder minder allein. Mit Hilfe meines Vaters, der mit Sicherheit auch stolz ist. Auf sich, weil ich anrufe, auf mich, weil ich’s geschafft habe.
Wunderbar, insbesondere da ich ihm gestern eine eher unschöne Geschichte erzählte und in der Küche stehend hörte, wie seine Freundin beschwichtigend meinte: „Aber du siehst doch, dass sie sich zu helfen weiß.“ Ich hatte vor der Erzählung gar nicht darüber nachgedacht, dass ich ihm damit Sorgen bereiten könnte.

Und achso, der Umstand, dass ich auch dafür verantwortlich bin, dass die Maschine nicht so arbeiten konnte, wie sie sollte, mindert meine Freude über die Reparatur keineswegs.