indalo

26.06.2015 um 21:19 Uhr

Zwei große Tage begannen ganz klein

von: indalo

Altbekannt, diese Frage, wieso es immer einen selbst trifft. Wieso mich und nicht andere? Ich frage nicht mehr. Ich wundere mich auch nur gelegentlich. Eigentlich stelle ich nur immer wieder aufs Neue fest. Doch diesmal hat es absolut und rein gar nichts mit mir als Person zu tun. Diesmal war ich nur Teil der Show, aber nicht das Ziel. Und doch sitzen meine betagten Kollegen (einer hat weit ältere Kinder als ich es bin) neben mir und sagen: „Das habe ich noch nie erlebt.“


Vorgestern begann der Tag schon mit einer solchen Aussage. Die ganze Woche war hart. Sie würde hart werden, das wusste ich. Seit Montag schlafe ich wenig. Nicht nur wegen der knappen Zeit, sondern auch wegen der Dinge, die ich mit nach Hause nehme. Seit Dienstag sind ein paar Sachen geklärt, aber dann wartete Mittwoch. Ein Marathon an Präsentationen und gleich die erste war das Unheil schlecht hin. Nach bitten kommt betteln. Und was kommt dann? Flehen. Und das war’s. Es fehlte der Kniefall, aber die Hände waren vor dem Herzen gefaltet, die Stimme klagend, der Blick verschwommen. Sie flehte. „Bitte, bitte, von ganzem Herzen, ich bitte Sie.“ und so weiter und so fort. Als wären wir dafür verantwortlich, als könnten wir noch irgend etwas tun. Da war nichts, aber auch rein gar nichts zu machen. Hoffnungslos. Und so saßen wir da, sprachlos, fassungslos und wohnten diesem Nervenzusammenbruch bei. Ich bleibe da ziemlich entspannt irgendwie. War aber auch nicht schwer, da - sehr interessant! - nur die beiden Herren an meiner Seite angefleht wurden. Der Interpretationen gibt es viele, doch das lassen wir mal offen. Einmal fiel mein Namen in dem herzzerreißenden Flehen und es traf. Es traf mehr als die Tränen, die Verzweiflung und der Schmerz, den ich schon zuvor deutlich wahrnahm. Meinen Namen zu hören, angefleht zu werden, von ganzem Herzen, das trifft noch einmal in einer anderen Dimension. Es gab mir ein besseres Gefühl dafür, wie es meinem Kollegen da gerade ging. Er verließ verzweifelt den Raum um Hilfe zu holen, der andere verließ frustriert den Raum, ahnungslos wie er reagieren soll. Und ich stand dazwischen und hoffte, dass es aufhört, dass Hilfe kommt und der Nervenzusammenbruch ein Ende hat. 

 

So starteten drei lange Tage. Es zieht auch heute noch an meinen Nerven. Es war vorgestern so schlimm, dass ich nicht im Stande war noch andere Gespräche zu führen. Dass ich vermutlich sogar unfreundlich zu anderen wurde. Gerechtfertigter Weise, wie ich finde. Aber was ich finde, müssen andere ja nicht so sehen. 

 

Und heute? Heute wurde die Messlatte tiefer gehängt als ich es je für möglich gehalten hätte. Pure Fassungslosigkeit. Erst gab’s ein nettes Gespräch zum Klavier spielen und dann den Schlag ins Gesicht. Sprichwörtlich. Nach nur wenigen Minuten war die Präsentation vorbei und wir sprachlos. Und jetzt? Jetzt begann die Talfahrt erst recht. Es ging tiefer und tiefer bis die Aussichtslosigkeit in Aussicht war. Nein, das habe ich so noch nicht erlebt. Und meine durchaus erfahrenen Kollegen auch nicht. Der eine dürfte mehr Berufserfahrung haben als ich Lebensjahre, und er sagte klipp und klar: „Das habe ich noch nie erlebt.“ Und wieder einmal sitze ich da und denke: „Danke, wieso muss ich darüber stolpern, wenn es das erste Mal ist, dass ich tue, was ich hier gerade tue.“ Zugegeben, meine Berufserfahrung wächst von Jahr zu Jahr und ist mittlerweile sogar vorhanden, aber dennoch stehe ich ganz am Anfang und habe Kerben in meinem Holz, die ich dort nie haben wollte. Mehrere. Diese hier schneidet nicht allzu tief, die ist vielmehr mit Ärger verbunden und dem Wissen, was ich noch alles vorbeugen muss. 

 

Glaube nie, dass es nichts gibt, was du noch nicht gesehen hast. Es wird immer etwas neues geben. Es wird immer schlimmer kommen können, es wird immer eine Stufe mehr. Auch in ein paar Jahrzehnten wird es so sein, bis zum letzten Tag. 

16.06.2015 um 22:24 Uhr

ein Tag vieler Mails

von: indalo

So schön gestern auch war, so hoch ich auch fliegen konnte, so tief kann ich immer wieder fallen. Ich bin so abhängig von meinem Tag. Ich mache mich abhängig, weil ich mein Herzblut reinstecke. Und weil ich genießen möchte, was es zu genießen gibt. Dabei muss man eben auch leiden, wenn es etwas zu leiden gibt. Und doch lerne ich, Stück für Stück, mir manche Dinge nicht zu Herzen zu nehmen. Leider ändert das nichts daran, sie mit nach Hause zu nehmen. Den ganzen Tag auf eine Antwort zu warten, immer wieder zu überlegen, ob ich noch eine Email hinterher setzen sollte. Es beschäftigt mich offensichtlich noch, und eben las ich erneut die Mail, die ich vor sechs Stunden verschickte. Eine Antwort auf eine sehr lange Email, in der mir das Leid über die unfaire Welt geklagt wird, und in der auch deutlich gemacht wird, dass ich Teil dieser unfairen Welt bin. Dass ich unfair behandele und jemanden nicht für das wahrnehme und schätze, was er sein möchte oder könnte. Ja, im Konjunktiv. So steht es auch in der Mail. Es sind Vorwürfe und Unterstellungen. Beim ersten Anlesen der Mail kam ich in Schwung, musste meine Energie jedoch anderweitig bündeln. Dann las ich sie erneut, ganz in Ruhe und wusste, ich würde antworten. Dann nahm ich mir eine Stunde Zeit um eine Antwort zu formulieren. Ruhig, denn das war ich. Doch ich nahm mir das Recht, zu sagen, was ICH alles unfair finde. Denn auch wenn ich das Ziel dieser Beschwerde war, so möchte ich trotzdem spiegeln, dass sich nicht alles nur um einen selbst dreht. Dass auch ich, auf der anderen Seite der Mail, jemand bin, der Dinge unfair findet. So wie eben jene Email. 

 

Schon gestern Abend, auf meinem Höhenflug, machte ich die Feststellung der Abhängigkeit. Mehr als heute. Denn mein Tag war trotzdem nicht schlecht. Ich überlege nur, wie ich diesem Menschen helfen kann. Ich fühle mich weder schuldig, noch persönlich verletzt. Ich sehe nur jemanden, der verzweifelt ist, Angst hat und seine Emotionen nicht kontrollieren kann. Da ist ganz viel Wut, und ich bin das Ventil. Noch ziemlich gesittet, weit gesitteter als ich es von manch einem Erwachsenen schon erleben musste, und doch nicht gesund. Ich lehne mich zurück und versuche das vor mir liegende Problem zu lösen. Nicht in mir liegend. So weit ist es nämlich nicht mehr. So weit bin ich schon gekommen. 

 

Doch ich greife zu dieser Datei, weil ich eben überlegte, jemanden anzurufen. Den ersten Gedanken verwarf, den zweiten und den dritten. Warum? Weil ich genau weiß, was mir gesagt werden würde. Weil mir nichts von dem helfen könnte, was sie mir sägten. Nein, da bin ich mir sicher, und deswegen gehe ich jetzt ins Bett. Wohl wissend, dass trotzdem irgendwas fehlt.

 

Und ich werde die letzte Email des Abends mit ins Bett nehmen. Denn auch sie löste ein tiefes Gefühl und ein Schmunzeln aus. Ich nehme es an und quittiere es mit einem einfachen Smiley. 

 

„Ich hab da jetzt ein Idee!. Sie können sich nicht vorstellen wie GLÜCKLICH ich grade bin vielen vielen Dank!!!“

16.06.2015 um 00:16 Uhr

Glück ist zu lieben was man tut

von: indalo

Sonntagabend um halb acht klingelt das Telefon: „Mein heimlicher Plan für heute war, schnell fertig zu werden und noch ne Runde laufen zu gehen. Ich weiß jetzt, dass ich nicht so fertig werde, dass ich danach noch laufen gehen würde, aber eine Pause könnte ich einschieben. Aus gesundheitlichen bzw. schlaftechnischen Gründen sollte ich es lassen, hier liegt noch genug rum, aber dann möchte ich für morgen Abend das Laufen anmelden.“ Was soll ich noch zu so einem Dialog sagen? Ich stand Sonntagmorgen nach nur sechs Stunden auf und setzte mich an den Schreibtisch. Bis zu diesem Telefonat hab ich mir lediglich eine einmalige Pause zum Essen machen und Essen verspeisen gegönnt. Mein Kopf schwirrte und es wartete noch weitere Arbeit auf mich. Auf der anderen Seite war ich zwischendurch so frustriert, dass ich irgendwas kaputt machen wollte. Stattdessen aß ich irgendwas und überlegte bei diesem Monolog, ob laufen bei der Frustration hilft. Nachdem ich also eine Weile am Telefon schwieg, brachte ich nur: „Bei mir sieht’s genauso aus wie bei dir.“ raus. Damit wurde entschieden, dass wir nicht laufen. Ich versuchte noch einmal, zum Laufen zu bewegen, da mir diese Frustration Sorgen bereitete, aber es war lediglich ein schwacher Versuch. Stattdessen arbeitete ich also bis Mitternacht weiter und fiel dann nur ins Bett. Heute morgen krabbelte ich aus diesem wieder heraus und marschierte zur Arbeit. Dort lief alles mehr oder minder glatt. Es lief einfach. Doch trotz der Anstrengungen und durchaus vorhandenen Hürden fühlte ich weder Frustration noch Erschöpfung. Bis auf gelegentliches Gähnen. Acht Stunden durchgängig arbeiten, direkt im Anschluss eine Sitzung und dann nochmal an den Computer. Um sechs Uhr abends beschließe ich, dass ich nach Hause gehe, werfe ein Brot in den Ofen und setze mich wieder an den Schreibtisch. Um acht Uhr hüpfe ich in Laufklamotten durchs Treppenhaus und mach mich auf den Weg. Eine Stunde Laufen inklusive Erzählung des Tagesgeschehens später komme ich wieder zu Hause an. Ich fühle mich gut. Nur dreiundfünfzig Minuten für die kleine, gemeinsame Runde. Kein Gehen, kein Stocken, einfaches, entspanntes Laufen und Reden. Irgendwann sagte ich dabei „Ich hatte gute Laune“ und wurde irritiert angeguckt. Also dachte ich darüber nach, doch, ich hatte gute Laune. Den ganzen Tag. Und auch jetzt noch. Denn auch wenn ich mich nach dieser eineinhalb stündigen Laufpause wieder an den Schreibtisch setzte, nun Mitternacht ist und ich durchgängig gearbeitet habe, fühle ich mich gut. Nebenbei aß ich mein frischgebackenes und gar nicht so günstiges Brot. Schon in die erste Scheibe reinzubeißen brachte meine Endorphine in Wallungen. Schon da sprach es in mir „tolles Leben“. Doch auch jetzt ging ich gerade in die Küche um mein Brot für morgen zu verpacken und stelle fest: Es ist mal wieder ein Tag zum Festhalten von Gefühlen. Von Erinnerungen. Einfach zur Feststellung, dass ich glücklich bin. Mit mir und meinem Leben. 

 

Glück ist

…zu lieben was man tut.

 

Und wenn man dann noch stürmisch umarmt wird („Ich muss Sie jetzt drücken“), dann liebt man noch mehr, was man tut. Oder wenn man liest „Sie … sind für einen da. Das schätze ich sehr.“

07.06.2015 um 20:22 Uhr

Assi TV

von: indalo

Unglaublich. Mein Weltbild wird erschüttert, oder korrigiert. Vor allem das Bild meiner Welt. Meines Lebensraumes. 

Vor zwei Tagen machte ich die Feststellung, eine vierzehnjährige und schwangere Nachbarin zu haben. Wie ich das feststellte? Sie stand mit auf dem Bauch gefalteten Händen vor mir. Sie ist keineswegs schlank, weshalb manch einer den Bauch für einen Speckgürtel hält - aber wer faltet denn darauf seine Hände? Und wer kann es auch - als Frau? Männer sind da anders gebaut, da geht das auch. Aber Frauen können das für gewöhnlich nur mit Babybauch. Oder noch anderen Ausmaßen. 

Per kryptischer SMS wurde mir dieser Umstand am Abend dann auch bestätigt. Es ist also keine Vermutung mehr, es ist ein Fakt. Sie ist schwanger. Das liest man in Klatschzeitungen, das hört man von anderen. Mich überrascht die Nähe, mit der es jetzt traf. 

 

Nun denn. Das war die eine Sache, die ich seit zwei Tagen festhalten möchte. Die verdient noch lange nicht diesen Titel. Der kam mir erst heute, als ich auf dem Balkon saß. Bisher dachte ich, ich wohne irgendwo recht neutral. Weder in nem guten, noch in nem schlechten Viertel. Die schlechten Viertel sind nebenan, da wohnte ich auch schon. Aber offensichtlich haben sie sich ausgedehnt. Denn bei meinem selbstgemachten Himbeereis auf dem Balkon sitzend, guckte ich Assi TV. Erst kommt der kleine Bruder der Schwangeren aus der Wohnung im Erdgeschoss und geht ein paar Schritte. Dann watschelt sie (auch vor der Schwangerschaft konnte man ihren Gang nicht anders bezeichnen) aus dem Haus und fragt (den Kleinen!!) ob er Feuer hat. Eine Antwort bekomme ich nicht mit, sie wiederum geht zurück ins Haus. Ich hoffe noch, dass sie Feuer für ihre Mutter besorgen wollte, die zu jeder möglichen und unmöglichen Zeit rauchend auf dem Balkon steht. Doch als sie das Haus erneut verließ, spielte sie mit dem Feuerzeug. Dass sie raucht, wäre mir neu. Aber ich krieg auch nicht alles mit. Doch der Moment für diesen Titel war jener, als der kleine Bruder ins Gebüsch neben der Wohnungstür pinkelte statt die drei (ernsthaft nur DREI) Meter bis zum EIGENEN Klo zu gehen. Er wohnt da. Es ist im Erdgeschoss. Ich weiß, wo in der Wohnung die Toilette liegt und er pinkelt von der anderen Seite dagegen. Ich kann nur lachen. Keine zehn Minuten später springt der nächste von der Schaukel auf und ruft „Ich muss pinkeln.“ Natürlich direkt dort hin. In den Jahren die ich hier schon wohnte, wurde ich heute zum ersten Mal Zeuge einer solchen Handlung. Und neben mir ertönt es: „Ich weiß, ich hab das heute auch gemacht, ich sollte mich nicht aufregen. Aber ich war um einiges weiter von hier entfernt.“ Und ich lachte. Ich gucke nicht nur Assi TV, ich lebe es anscheinend. In der Realität. In live und in Farbe. 

03.06.2015 um 13:13 Uhr

Sie haben mich gefragt - chapeau

von: indalo

Ein Tag für ein rotes Kreuz im Kalender. Ein Kreuz, kein Eintrag, denn ich wüsste gar nicht, was ich schreiben sollte. Bei allem, was mich gerade wieder dermaßen auf die Palme bringt, dass ich aggressive Anwandlungen habe, finde ich noch kleine Goldstücke, die gar nicht so klein sind. 

 

Seit langem lebe ich die Devise: Du darfst mich alles fragen, was du möchtest, ob ich antworte, ist meine Entscheidung. Und das nicht nur im Privaten, auch beruflich. Das bete ich ihnen zwar nicht vor, aber wann immer mir private Fragen während der Arbeitszeit um die Ohren geworfen werden, sage ich, dass sie mir private Fragen in der Freizeit stellen dürfen, schließlich bin ich dann Privatperson mit Privatleben. Das klappt auch ziemlich gut, zumal nur höchst selten das Interesse groß genug ist um sich in der Freizeit mit mir zu beschäftigen. Passt für mich wunderbar. 

 

Seit circa eineinhalb Jahren gibt es nun Gerüchte und mehrmals hab ich schon einzelne darauf angesprochen, dass sie nicht von Dingen reden sollen, von denen sie keine Ahnung haben. Sie sollen sich Ahnung verschaffen oder aufhören Gerüchte zu verbreiten. Das hat manch einen verschreckt. Sei’s drum. Mich hat’s genervt.

Doch heute kam dann der Tag. Es ging während der Arbeit darum, mit wem ich denn befreundet sei und wie gut diese Freundschaft denn ist. Ich antwortete spontan mit Ja und Nein, bis ich dann wieder auf die Freizeit verwies. Und es passierte. Da kamen zwei Mädels schnellen Schrittes in den Raum und eine fragte: „Frau Indalo, sind Sie lesbisch?“ Faszination pur. Bestimmt auch irgendwie Überraschung, aber hauptsächlich war ich fasziniert. Ich lies sie zappeln, noch war Arbeitszeit, nur noch wenige Minuten, aber immerhin. Sie harrte aus. „Es ist im Übrigen auch meine Entscheidung, ob ich dann auch antworte.“ - „Wetten, dass Sie dann sagen, dass Sie nicht antworten wollen.“ - „Oh ja, lass uns wetten. Was bekomm ich denn, wenn ich die Wette gewinne?“ - „Nichts.“ - „Na, dann müssen wir auch nicht wetten.“ Die Minuten zogen sich, doch eine blieb und wartete. Kurz vor der Zeit fragte ich dann zurück: „Was bedeutet das denn für dich?“ - „Dass Sie Frauen lieben?“ - „Ausschließlich?“ - „…oder auch Männer?“ fragte sie noch neugieriger geworden. Ich lachte innerlich. „Okay, wenn es darum geht, ob ich mir vorstellen kann, mein Leben mit einer Frau zu verbringen, dann ist meine Antwort Ja, das kann ich mir sehr gut vorstellen.“ Es kam noch irgendeine Art von Reaktion und sie verließ den Raum. Unter Strom, denn das wird sie noch eine Weile beschäftigen. Die zweite kam angeflitzt und guckte mich an. Ich fragte: „Möchtest du mich irgendetwas fragen?“ - „Sind Sie lesbisch?“ - „Was bedeutet das für dich?“ - „Lieben Sie Frauen?“ - „Im Moment liebe ich keine Frau, aber ich kann mir gut vorstellen, mein Leben mit einer Frau zu verbringen.“ - „Ich find das gar nicht schlimm. Ich weiß gar nicht, warum die anderen das so schlimm finden.“ - „Achso? Ich hab noch von niemandem hier gehört, dass das was schlimmes sei.“ - „Doch, das sagen die.“ - „Naja, okay. Ich finde es übrigens schön, dass ihr den Mut gefunden habt, zu fragen, statt Gerüchte zu verbreiten.“ - „Ja.“ Und damit war auch das Gespräch beendet. Ich grinste von einem Ohr zum anderen. Mir geht’s gut damit. Ich suchte nur noch meine befreundete Kollegin, bzw. bekollegte Freundin um sie auf den neuesten Stand zu bringen. Nicht, dass sie sich kompliziert rausredet, wenn die Kleinen das doch nun wissen. Und wer weiß, vermutlich gibt es bald das Gerücht, wir hätten etwas miteinander. Da wollte ich sie vorwarnen. Und ich konnte nicht mehr vor grinsen. Das tat gut. 

 

Die einzige Wolke am Himmel ist ne andere Kollegin, bei der ich viele mögliche Szenarien im Kopf habe, was jetzt passieren wird. Von „Das hättest du mir sagen müssen.“ über „Wieso weiß ich das nicht?“ bis hin zu „Das kannst du denen doch nicht sagen.“ ist alles dabei. Und es ist relativ egal, ob irgendwas davon passiert, mir gruselt allein der Umstand, dass diese Gedanken in meinem Kopf sind. Und ich finde es traurig. Denn ich glaube, dass es nicht an mir liegt. Bei anderen Kollegen, die jetzt in der gleichen Situation stecken, komm ich gar nicht auf die Idee. Nur bei ihr. Doch auch die Wolke wird weiterziehen. Ich freue mich jetzt über den Mut, über das wahre Interesse und darüber, zu wissen, dass wenn jemand wirklich aus Interesse (und nicht als Mutprobe) fragt, ich ohne Spielchen antworte. Denn diese Spielchen beherrsche ich bis zur Perfektion. Doch hier war kein Spiel von Nöten. Kein „Wie kommst du darauf?“, „Warum willst du das wissen?“, „Würde es etwas für dich ändern?“ oder „Das geht dich gar nichts an.“ Nichts in mir regte sich dahingehend. Ich wurde auch nicht nervös oder war peinlich berührt. Es war total normal.