indalo

28.11.2015 um 23:29 Uhr

emotional ueberfordert

von: indalo

Ich sitze im Bus, nicht weit von einer weiteren Landesgrenze entfernt und meine Emotionen fahren Achterbahn. Ganz plötzlich. Ich gucke aus dem Fenster, sehe den riesigen Titicaca-See und im Hintergrund Berge mit Schneekappe. Mich überkommen Emotionen der Bewunderung, der Nächstenliebe, der Faszination. Dabei war ich doch gerade noch unheimlich genervt und gedanklich sehr in Deutschland. Und wär ich gestern nicht so damit beschäftigt gewesen, runter zu kommen, hätte ich festgehalten, wie wichtig Richtungen sein können. Denn ich freue mich unheimlich auf zu Hause. Doch das hat nichts damit zu tun, dass ich hier weg will. Ich möchte dahin, ich möchte da sein, ich möchte meinen Alltag genießen, mein Leben; doch zur selben Zeit lebe ich mein Leben wie es mir gefällt. Genau hier, genau jetzt.

 

Peru hat mich genervt. Ich möchte zynisch sagen, dass ich jetzt verstehe, warum alle Backpacker Machu Picchu im Programm haben - sie wollen einfach nicht zurück nach Peru. Ich hab Machu Picchu nicht mit genommen. Absichtlich nicht. Ich werde wieder kommen, denn auch wenn die hupenden Autos mich an meine Grenzen bringen und ich nur pöbelnd vor ihnen stehen bleibe, wenn ich bei Fußgängergrün auf der Straße stehe, so gefiel mir Cusco. Die Männer in Peru sind mir definitiv zu aufdringlich, aber womöglich komme ich in Begleitung wieder, dann erübrigt sich das. Und so ist Peru nicht mein Lieblingsland, meine Nerven schienen blank zu liegen, da ich mehr fluchend als grinsend durch die Straßen lief (und stolperte), doch das scheint alles wie weg geblasen, als ich im Bus sitze und die Landschaft vorbei ziehen sehe. Ich habe nach einer reichlich verzögerten Busfahrt und einem Marsch zur Grenze, diese problemlos passiert und wurde auf der anderen Seite erst auf einen Ananassaft eingeladen, dann auf Schokolade mit Erdnüssen, noch nen Karottensaft hinterher und ne Packung dunkle Donutkekse mit weißer Schokolade. Einfach so. Achja, und das Klo hatte man mir zuvor auch bezahlt.

 

Ich wär wirklich gern in Deutschland. Ich möchte meine schwangere Freundin umarmen. Ich möchte die andere besuchen, sobald sie Mama geworden ist. Kugelrunde Fotos hat sie mir geschickt, und der Termin ist vor ein paar Tagen gewesen. Ich möchte manch einen Kollegen sehen, nicht, weil wir Freunde sind, ich will auch über nichts privates reden, ich möchte einfach nur wieder Teil dieser Familie sein. Ich möchte meiner Mutter den Gefallen tun, sie zu besuchen, damit sie mich nicht so vermisst. Ich möchte in den Dünen spazieren gehen und die kleinen Kinder in der Luft herumwirbeln. Ich habe Sehnsucht. Sehnsucht nach meinem Leben. Und es fühlt sich toll an!

 

Und da zuckt ein Blitz zu den Bergen herunter. Ein Spektakel, nachdem ich eben noch kleine Sandtornados sah und Lamas bestaunte. In den Bergen regnet es, über uns scheint die Sonne. Ich bin hier, ich bin dort. Ich bin zerrissen zwischen den verschiedensten Gefühlen.

 

Gerade noch ärgere ich mich über diesen Vollidioten, der mein geliebtes Couchsurfen ausnutzt und einfach nicht begreift, dass ich sein Bett nicht teilen will. Es ärgert mich dermaßen, dass ich unfreundlich werde. Doch kurz darauf bekomme ich eine Nachricht aus Buenos Aires, sogar zwei, dass man mich sehr gerne kennenlernen möchte und ein Teil meines Abenteuers werden will. Es sind die Kontraste, die so fordernd sind. Und die Leidenschaft mit der ich daran gehe.

 

Ich hab vor Wochen Physallissaft getrunken. Heute Möhrensaft. Neulich auch Baumtomatensaft und sonst ganz viele Dinge, von denen ich schon lange den Namen vergessen habe. Ich hab solche Sehnsucht. Und ich bin so glücklich.

25.11.2015 um 02:01 Uhr

¿Te puedo robar un beso?

von: indalo

Es ist soweit, der erste couchsurfer startet einen Annäherungsversuch. Und ich finde, wir haben die Situation gut überstanden. Ich weiß nicht, ob er einfach so ist, ein typischer Latino eben, aber ohne mir etwas einbilden zu wollen, hoffe ich einfach, dass das nicht seine Masche ist. Denn dafür couchsurfen zu missbrauchen, fänd ich voll daneben. Dennoch kann einem ja einfach jemand gefallen, ist ja nicht so, als wär mir das nicht auch grad erst passiert. Nur war ich weit weniger direkt als er. Denn von Komplimenten, über regelmäßige, ganz zufällige Berührungen bis hin zu tiefen Blicken in die Augen, verteilte er vieles über den Tag. Bis dann mitten im Wasser die Frage kann, ob zu Hause jemand auf mich wartet. Die spontane Antwort war nein, doch dann fing ich an zu überlegen… nunja, zu spät, er war schon auf der Jagd nach der nächsten Welle. Denn ja, wir waren surfen. Einfach so. Ich liebe dieses Leben. 

 

Zurück an Land schüttete er mir erst neckisch nen Eimerchen Wasser übern Kopf, dann schaute er immer wieder rüber, kam näher, ging wieder, bis er sich dann doch entschied, es zu versuchen und kam auf mich zu, mit seinem Gesicht ganz dicht an meines und fragte, ob er mir einen Kuss stehlen darf. 

 

 

…und dass ich vorher noch die folgende Mail eines Kollegen las, versetzte mich vermutlich schon in die entsprechende Laune *gg*

„… ich wusste, dass ich dich irgendwann glücklich machen werde...“

23.11.2015 um 23:15 Uhr

wie sich eins zum anderen fügt

von: indalo

Das Glück hat mich wieder. Ach nein, ich hab das Glück mal wieder gepachtet.

 

Nachdem ich am Flughafen in Ecuador gelandet bin und vollkommen entspannt die Sicherheitszone verließ (Inlandsflüge sind so viel besser für die Nerven!), erkundigte ich mich an der Information nach dem Busbahnhof und man sagte mir doch glatt, dass man in zehn bis fünfzehn Minuten zu Fuß dahin kommt. Wunderbar. Die Wegbeschreibung hingegen ließ zu wünschen übrig. Nichtsdestotrotz kam ich nach einem nicht allzu schlimmen Fußmarsch am Einkaufszentrum inklusive Busbahnhof an, sah im Seitengang nen Supermarkt, kaufte eine dreieinhalb Liter Wasserflasche für weniger als nen Dollar sowie ne Packung Kekse und folgte den Schildern zu den Verkaufsstellen für Bustickets. Statt das irgendwie zentral zu regeln gibt es circa hundert kleine Fenster, sodass ich erst einmal nach den internationalen Busgesellschaften fragte. Man wies mir den Weg und kurz darauf hieß es „in ner halben Stunde fährt nen Bus nach Peru“. Schnell noch entschieden, wohin in Peru ich eigentlich will, und schon kaufte ich das viel zu teure Ticket. Mal sehen, wo ich da ankomme und was mich erwartet. Das Ziel klang lustig, doch das wichtigste Kriterium war, morgens statt abends anzukommen. 

 

Also stieg ich um halb acht am nächsten Tag aus dem Bus aus und man drückte mir noch das Frühstück in die Hand - überhaupt war es das erste Mal, dass man mir (warmes!) Essen im Bus servierte. Doch dazu wann anders vielleicht noch ein Eintrag. Und so setzte ich mich etwas schläfrig auf ne Bank und wurde von Taxifahrern überfallen. Die ließen sich auch nicht so schnell abwimmeln, sondern umkreisten mich wie die Aasgeier. Meine Güte, ich möchte wirklich kein Taxi. 

Nachdem ich mich also etwas gesammelt habe, marschierte ich zu Fuß los und fragte jemanden nach dem Weg zum Zentrum. Ist gar nicht weit, nur ein paar Blöcke in eine Richtung. Als ich auf dem zentralen Platz ankam, sah ich auch direkt das große goldene M. Nicht grundsätzlich mein Ziel, aber meist ein guter Anlaufpunkt für Internet, welches ich suchte. Dennoch lief ich ein wenig umher und kam dabei in die Fußgängerzone. Nirgends schien es kostenfreies Internet zu geben, sodass ich mich auf den Weg zu Mc D machte. Kurz bevor ich die Straße überquerte, fragte man mich auf Englisch ob ich ankomme oder abfahre. „Beides.“ war meine simple Antwort, denn offensichtlich wollte man mir ein Hostel anbieten. Ob ich etwas zum Essen suche, nö, ich suche nur Internet. Mehr nicht? Nö. Das bietet sie mir in ihrem Hostel an. Und was wird mich das kosten? Wenn ich nichts außer Internet möchte, kostet mich das auch nichts. Okay, mehr möchte ich gerade wirklich nicht. Also schickte sie mich fünf Blöcke weiter zu ihrem Hostel und rief noch schnell an um ihrer Angestellten mitzuteilen, dass ich komme und sie mich doch noch zum Frühstück einlädt. Oh man, kann ich das annehmen? Doch ich lass mich ja leiten und gleiten. Und so bekam ich einen frisch pürierten Saft und Brötchen - bzw. was man hier dafür hält - mit Butter und Erdbeermarmelade. Meine Güte ist es lange her, dass ich Erdbeermarmelade aß. 

Im ganzen Hostel gab’s nur einen Gast, der kurze Zeit später aus seinem Zimmer kam und sich zu mir gesellte. Ein Schweizer mit dem ich dann spontan Sightseeing betrieb. Zu meinem Glück, denn ich stand mal wieder vor monetären Problemen. Keine Ahnung, was das immer wieder soll, aber das bringt mich ja schon länger nicht aus der Ruhe. 

 

Auf dem Rückweg kaufte ich mir ein wunderbares Stück Schokotorte und als es hieß, ich bekomm drei zum Preis von zwei, nahm ich das Angebot an um meiner lieben Gastgeberin was gutes zu tun. Und so verbrachte ich den Rest des Tages im Internet und mit Fotos sortieren, bis ich abends in den nächsten Nachtbus stieg um zur Hauptstadt des Landes zu fahren, wo man mir bereits diverse Schlafplätze angeboten hat. 

22.11.2015 um 18:03 Uhr

Der erste Schnee - in Deutschland

von: indalo

Nicht jeden Tag bekomme ich Emails, aber heute gleich drei (oder vier?) mit dem selben Inhalt. Teilweise auch nur mit diesem Inhalt, teilweise mit Fotos als Beweis. In Deutschland gibt es den ersten Schnee. …und es ist so surreal. Ich laufe den ganzen Tag in so wenig Klamotten wie möglich rum und schwitze trotzdem, spring in den Ozean ohne zu frieren und flüchte vor der Sonne um keinen Sonnenbrand zu bekommen, und ihr habt Schnee. Es ist kalt in Deutschland. Es ist Ende November. Unglaublich. 

 

Ich sitze am Flughafen und fliege entlang des Äquators um wieder aufs Festland zu kommen. Ich lande in einer Stadt über die ich nichts weiß und im Grunde auch nichts wissen möchte. Eigentlich will ich nur weiter ins nächste Land. Irgendein Bus wird mich dem schon näher bringen. Stück für Stück - oder doch in Gänze? Gucken wir mal. Ein neuer Abschnitt beginnt. Galápagos war eine willkommene Pause, ein eingeschobener Urlaub. Ein wunderschöner Urlaub, aber auch ein anstrengender. Denn wenn man ganz viel sehen und erleben will, kostet das auch Energie, und so war vorgestern ein sportlicher Tag.

 

Morgens um sechs stand ich auf um mit wildfremden Menschen Kayak zu fahren. Es stellte sich heraus, dass es Touristen aus Europa sind. Nun gut. Also auf ins Kayak und los gepaddelt. Auf Grund starken Wellengangs und nicht vorhandenen Tiefgangs gingen wir baden. Mit allem, also auch der Kamera. Gut, dass ich vorher die Latschen am Rucksack befestigt hatte. Nicht viel später brachte ich uns dann auch mal zum Kentern. Das ist doch fair, jeder darf einmal. 

Einige Zeit später landen wir an einem Steg an, verscheuchen Seelöwen um anzulegen und klettern später um die Holztreppe herum, weil da ein anderer Seelöwe den Weg versperrt. Nicht nur die zwei Meter Regel wird nicht eingehalten, nein, sie nutzen auch frech den von Menschen für Menschen gebauten Weg und hindern uns Menschen damit daran, uns fortzubewegen. Aber was macht man nicht alles aus Rücksicht auf die Tierwelt. 

Dann beobachten wir schlafende Haie und gehen zurück um mit diesen wundervollen Geschöpfen (auch Riesenschildkröten genannt) zu schnorcheln. Es ist doch immer wieder spannend, wie schnell man zum Reiseführer wird. Denn den spielte ich, als wir schnorchelten und zeigte den anderen die Unterwasserwelt, samt spielender Schildkröten. Was waren sie fasziniert - und ich auch! Immer noch.

Mit dem Kayak ging es weiter zum anderen Ende der Bucht, wo wir wieder anlegten um nach einem kleinen Spaziergang in einer Schlucht zu schnorcheln. Das war weniger spektakulär, aber jetzt weiß ich wenigstens selbst, dass es sich nicht lohnt. Und dann paddelten wir auch schon zwischen den Felsen zurück - ohne Tiefgang kann man das auch riskieren. 

 

Überraschenderweise ging es dann ne Stunde später mit vier Fahrrädern im Taxi hoch zum Vulkan. Das war spontan, und ich bin mal wieder unheimlich froh darüber, wie sich manche Dinge einfach ergeben. Wir wanderten um die Zwillingsvulkane und radelten dann zur Schildkrötenfarm. An Land gibt es diese riesigen Tiere auch, doch im Meer find ich sie aufregender. Den Lavatunnel (wie unspektakulär) haben wir auch besucht und sind dann ne Stunde nach Hause geradelt. Das war anstrengend. Bergauf, bergauf, bergauf. Und dann rollten wir nur noch heim, das war ebenso sportlich und aufregend. 

Zurück im Hostel kauften wir die Abfahrtstickets für den nächsten Tag, duschten und machten uns fertig für die Präsentation der universitären Projekte meines Gastgebers. Genau deswegen couchsurfe ich so gerne, man sieht einfach mehr und anderes. Es war schön, das zu erleben!

 

Und dann lud man mich für all die Hilfe des Tages zum Essen ein. Tortilla de papa und tortilla de yuca. Je eine Hälfte, denn wir teilten geschwisterlich. Aber einen Guyanabana-Saft gab es für jeden. 

Ich habe einen neuen Freund gefunden, der sogar in meiner Heimatstadt lebt. Und wir werden segeln gehen, wenn ich zurück komme. Und er lädt mich zum Essen ein, denn er kocht gerne. Und… ich bin glücklich! Und voller Vorfreude, auf die Heimat und auf das, was mir bis dahin noch begegnet. 

19.11.2015 um 05:05 Uhr

Gigantisch

von: indalo

Noch so ein gigantisches Erlebnis. Vor zwei Tagen sagte ich meinem Gastgeber, dass ich eine andere Insel besuchen möchte. Er tätigte einen Anruf und organisierte mir zwei Nächte auf der Nachbarinsel mit Hin- und Rückfahrt sowie einer Tour. So fertig geplant hatte ich das nicht, aber ich übergab mich meinem Schicksal und nickte seine Planung ab. 

 

Früh morgens brach ich auf und es folgte eine mehr als zweistündige, holprige Fahrt auf der aus gegenüberliegenden Ecken sich zwei Leute übergaben. Mir ging es Himmel sei Dank gut - ich hab noch zwei solche Fahrten vor mir… Und noch bevor ich den Steg betrat entdeckte ich die Pinguine. Pinguine! Kleine, süße, lebhafte Pinguine. Und sie schwirrten durchs Wasser. Vom Steg wurden sie gefilmt und fotografiert. Man ist das lange her, dabei war es gestern Morgen. Am Vormittag buchte ich noch eine andere Tour, die mich morgen erwartet. Doch es sollte um die heutige Tour gehen. 

 

Um acht kam jemand ins Hotel und holte mich ab. Ich probierte Schwimmflossen und Schnorchelmaske, und nach kurzem Widerspruch bekam ich auch den Neoprenanzug ohne zu bezahlen. Dann ging’s ins Taxi und zum Steg, wo ich die Robben mal in Aktion erlebte. Tobend und springend im Wasser. Ein wunderbarer Start in den Tag. Es folgte eine einstündige, ebenso holprige und diesmal feuchte Fahrt mit einer zehner Gruppe Touristen. Der einzige, der nicht mit jemandem unterwegs war, textete mich ne Weile zu, bis ich ihm endgültig signalisierte, dass ich keine Lust habe mich zu unterhalten. (Der arme Kerl schaffte nicht einmal die dreiminütige Taxifahrt ohne den Taxifahrer zu bitten, die Musik anzuschalten.)

 

Erst betrachteten wir Vögel und Natur. Doch dann kam das wirklich aufregende, das Schnorcheln. Die Vögel sind toll, die Felsbrücken auch, aber heute herrscht etwas anderes vor. Schnorcheln gehört von nun an zu meinen Lieblingstätigkeiten. Diesmal konnten mich die Haie auch mehr beeindrucken - ich wusste ja nicht, dass sie mir begegnen würden. Schon gar nicht in der Menge und in der Nähe. Die Seepferdchen versteckten sich, sodass es mir reichen muss, im Zimmer „Seepferdchen“ zu schlafen. Doch die Riesenschildkröten haben meine Euphorie für den Tag bestimmt. Ich entdeckte sie überall, und sie schwimmen gar nicht unbedingt weg. Sie waren zum Greifen nah. Um uns herum, unter uns, über uns, einfach überall. Und ich finde diese zwei-Meter-Abstand-Regel ja gut und sinnvoll, aber wenn die Tiere sie nicht einhalten, warum dann wir? Und nachdem mir Robben, Iguana und Blaufußtölpeln auf weniger als zwanzig Zentimeter nahe kamen, nun auch die Schildkröten. 

 

…als unser Reiseführer zwei Schildkröten filmte, krachte er Kopf an Kopf mit der dritten Schildkröte zusammen - was hab ich gelacht. Nur zu gern hätte ich ein Video davon :-)

 

Und während ich weiter den Schildkröten folgte, war ich ganz allein mit einer. Sie schwamm neben mir her - nicht ich neben ihr. Sie beobachtete mich und kam näher. Ich konnte da nichts für. Doch sie kam so nahe, dass sie nicht nur zum Greifen nah war, sondern dass ich ihr sogar den Rücken streichelte. Sie ist mir schließlich so nah gekommen, da kann ich doch nicht widerstehen… Ich habe eine gigantische Schildkröte gestreichelt!

 

…und ich war in Versuchung, mich von ihr ein Stück mitziehen zu lassen. 

 

Wow, ich bin mit Schildkröten geschwommen, und sie kam mir so nahe, dass ich ihren Panzer angefasst habe!

 

Gigantisch, einfach gigantisch!

16.11.2015 um 15:17 Uhr

mein erstes Taucherlebnis

von: indalo

Als ich den Flug für Galápagos buchte, informierte ich mich übers Tauchen. Denn nach Galápagos zu fliegen und nicht tauchen zu gehen, schien mir eine Schande. Ich verbrachte also ne Nacht damit mich dazu zu belesen und der Plan entstand, einen Tauchkurs zu machen. Nicht auf Galápagos - viel zu teuer! Aber womöglich noch auf dieser Reise. Später. Doch oh je, ich fliege ja jetzt dahin, was tun? Aber ich las, dass man auch als Unerfahrener hier tauchen kann und so informierte ich mich noch am ersten Abend. Was ist das teuer! Am zweiten Tag gingen wir schnorcheln - so konnte ich das Atmen durch den Mund üben. Ging ganz gut und war ein wundervolles Erlebnis. Und dann, des Abends lief ich los um die Tauchtour für den nächsten Tag zu buchen. Der Ort klang hübsch, die Dame war nett und der Preis der günstigste, den ich fand. Mit ein wenig Glück bekam ich dann auch einen Platz in der zwölf-Personen-Gruppe.

 

Morgens früh aufgestanden, hinspaziert und mit Taxi zum Schlauchboot, mit Schlauchboot zur Yacht um damit zur nächsten Insel zu kommen. Ich als Anfänger ging beim ersten Mal schnorcheln. Schon das war aufregend. Die anderen unter mir verursachten wunderschöne Blasen, Fische tummelten sich in Mengen um mich und dann hing da noch ein Seehund im Wasser. Ha, den sehen die da unten bestimmt nicht. Ich war glücklich und reizte die Zeit bis zum Ende aus, denn vor dem zweiten Tauchgang würde es ja eine Pause geben. Doch falsch gedacht. Ich ging nicht beim zweiten Tauchgang mit, ich sollte die Pause nutzen um mit meinem Privattauchlehrer die Unterwasserwelt zu erkunden. Das kam überraschend, aber ich kann mich ja gut beruhigen. So belud er mich mit dem ganzen Gerödel und ich durfte Füße voran ins Wasser gleiten. Und dann ging es auch schon direkt unter Wasser. Das ging schnell. Ich hätte gerne einen ersten Versuch gehabt und wär dann noch einmal aufgetaucht. Doch es gab kein Erbarmen, es ging einfach weiter runter. Die ersten Meter waren etwas gruselig. Es gab so viel zu beachten. Atmen. Bloß nicht aufhören zu atmen. Durch den Mund, kein Problem. Aber dieses Geräusch, ich hab doch kein Asthma. So, das scheint normal zu sein. Ohren frei blasen. Signalisieren, dass es mir gut geht. Nicht die Nase nutzen. Atmen, hör bloß nicht auf zu atmen. Huch, schon wieder tiefer. Er meint das ernst. Ohren frei machen, signalisieren, dass alles in Ordnung ist. Stopp. Ich brauch ne Pause. Lass mich doch hier ankommen. Und schon schob er mich etwas höher. Nein, so war das nicht gemeint. Okay, wieder weiter runter. Die Ohren, das Atmen. Puh. Und plötzlich bewegten wir uns fort. Er hielt die ganze Zeit meine Hand. Irgendwie süß. Aber total logisch. Und ich sah die Felswand, die ich zuvor nur von oben betrachten konnte. Plötzlich war ich da, ganz unten. Nah dran. Auf Augenhöhe, zum Festhalten. Und die Fische schwimmen über mir, unter mir, um mich herum. Aber ÜBER mir, das ist das Besondere. Ach wie schön sieht die Wasseroberfläche von unten aus! Und es geht weiter, um Ecken, und tiefer. Ich war zu fasziniert um mir Sorgen zu machen. Und dann waren da Haie. Ich paddelte einfach weiter und wurde geführt durch diese magische Welt. Ja, es ist wirklich eine andere Welt. Die Haie zu sehen, erinnerte mich nur an das Video, welches ich vorher sah. Irgendwie nichts Besonderes mehr. (Da schein ich sehr extrem zu sein…) Doch den schwarzen Rochen mit weißen Punkten zu sehen, lenkte mich wieder von der kurz auftauchenden Panik ab: „Hilfe, ich bin unter Wasser, ich kann nicht einfach auftauchen, weil meine Lunge das nicht mögen würde. Was, wenn jetzt was passiert? Egal, nicht darüber nachdenken - oh, ein Rochen.“ Und noch mehr Fische, so längliche, Aale? Und dann entdeckte ich Schildkröten. Große Schildkröten, die mich faszinierten. (Danke, dass ich die nicht im Video sah!) 

Es gab noch einen Moment, in dem ich realisierte, wo ich bin, was ich mache, dass es irgendwie auch gefährlich ist. Nicht wegen der Tiere, sondern wegen der absoluten Unerfahrenheit meiner Person. Und ich bin im Ozean, auf zehn Meter Tiefe. Nicht in einem Schwimmbecken, zum ersten Mal tauchen, und dann gleich so eine Aufregung. 

Er kontrollierte meine Instrumente, sodass ich mich um nichts sorgen musste. Ich merkte nicht einmal, dass wir auf fünf bis sechs Meter auftauchten um dort die Sicherheitspause einzulegen. Erst als er mir signalisierte, dass es jetzt hochgeht, wunderte ich mich, wie schnell wir auftauchen. Das soll man doch nicht. Zu spät. Da ist ja schon das Boot. ich fühl mich gut, alles in Ordnung. Ich bin fasziniert. Es war wundervoll und ich werde wieder tauchen gehen. 

 

Auf dem Heimweg wollte ich verarbeiten, was ich erlebt habe. Doch der Taxifahrer wollte lieber reden. Ich hatte nur kurz Zeit um festzustellen, dass das der erste Tag auf dieser Reise ist, an dem ich mir jemanden zum Reden wünschte, der mich kennt. Der weiß, was es mir bedeutet, der es einschätzen kann und nicht einfach nur hört „oh, du warst tauchen, cool“. Es war etwas ganz Besonderes.

Aus dem Taxi aussteigend setzte ich mich auf eine Bank um runterzukommen, doch neben mir quatsche ein Pärchen. Zurück im Hostel gab es wieder Ablenkung in Form verschiedener Personen. Nur als ich vollkommen erschöpft nachts die Augen schließ, blitzten kurzzeitig Blubberblasen vor meinem inneren Auge auf. Und schon schlief ich. 

 

Es war vermutlich vollkommen idiotisch, das zu tun. Es war gefährlich und Risiko behaftet. Doch das Glück ist mit den Dummen, und unwissend ob all der Gefahren beim Tauchen (meine Zimmergenossin erzählte mir abends von ihrem unglücklichen Tauchgang) gehöre ich definitiv zu den Dummen.

15.11.2015 um 04:57 Uhr

Schnorcheln auf Santa Cruz

von: indalo

Womit ich dieses Glück verdient habe, ist mir nicht ganz klar, aber ich nehme es dankend an. Nachdem ich gestern voller Vorfreude auf Galápagos landete, hatte ich heute schon einen Tag, der die ganze Reise Wert wahr. Ein langer Tag, aber ein guter Tag.

 

Mitten in der Nacht stand ich auf um mit meinem Gastgeber zum Markt zu fahren, wo es günstigeres Essen geben würde. Leider hatte er seinen Wecker zuvor falsch gestellt, sodass wir erst ne Stunde später los sind. Es war spannend, das alles zu erleben, den Markt, die Menschen, die Preise ( :-O ), aber noch nicht das Highlight. Zurück im Hostel (gehört seiner Familie) zeigte er mir das Grundstück mit Bäumen, die diverse Früchte tragen (Kokosnuss, Papaya, Mango, Bananen und irgendwas mir vollkommen unbekanntes). Schon da war die Informationsflut (und Probe der Geschmacksnerven) groß. Doch das war nur der Anfang. Besinnen wir uns lieber auf das Wichtigste. Ich habe Schildkröten gesehen auf denen man reiten kann - und ja, ich möchte betonen, dass ich sie gesehen und erlebt habe, denn in mir sträubt sich alles dagegen zu hören „davon hab ich gelesen“ oder „das hab ich schon im Fernsehen gesehen“ -  und Iguanas auf die ich fast drauf getreten wäre, so gut waren sie getarnt. Pelikane erhofften sich Fisch von den Fischern, genauso wie die Robben. Und dann war ich schnorcheln. Fantastisch. Ich will gar nicht behaupten, dass die Farben grandios waren, es ging mir mehr um die großen, blauen Augen der Fische, schöne Augen, schöne Fische. Doch der spannendste Moment war, als mich ein Schwarm dieser normalen, weniger schönen Fische umzingelte. Ich wechselte die Richtung um den Schwarm nicht zu stören und stellte fest, dass sie mich eingekreist hatten. Wow, ich war schnorcheln. Manchmal bewegte ich mich weniger schwimmend als am Meeresboden entlang hangelnd fort. Wie elegant. Und dann noch die Muscheln voller Leben. Endlich hab ich mal erlebt, wie sie als Haus genutzt werden statt nur tot am Strand rum zu liegen. 

 

Ihr seht, ich bin begeistert. Leider zahle ich die Rechnung mit einem sehr unschönen Sonnenbrand. Aber der wird vergehen, die Erinnerungen werden bleiben. 

 

Oh, spannend war auch, wie sich zwei Iguana um uns tummelten, als wir schnorchelten. Nicht nah genug zum Anfassen, aber auch keineswegs scheu. 

 

Ich habe gelernt, wie man männliche Langusten von weiblichen unterscheidet und war ohnehin den Tag mit meinem privaten Reiseführer unterwegs. Ich möchte danksagen für die Erfindung einer Internetseite, die kulturellen Austausch mit dem Angebot eines Schlafplatzes kombiniert. Ich lebe im Luxus (ohne einen Cent zahlen zu müssen).

12.11.2015 um 04:17 Uhr

Manchmal fühle ich mich schuldig

von: indalo

Nachdem ich letzte Nacht schon vor dem Einschlafen viel zu viel Zeit im Internet verbrachte, wachte ich nach zwei Stunden wieder auf und surfte noch ein paar Stunden weiter. Die Vorfreude hielt mich womöglich vom Schlafen ab. Ich googlete, was man auf den Galápagos Inseln wohl nicht verpassen sollte - wenn ich mir nun die Mühe mache dahin zu fahren, dann möchte ich mir hinterher nicht anhören müssen, diese oder jenes verpasst zu haben. Wenn, dann will ich das bewusst entschieden haben. 

 

Und so überkam mich auch heute während des Tages immer mal wieder diese Vorfreude. Ich versteh nicht ganz, womit sie zusammen hängt. Vielleicht ist es die Aussicht auf unberührte Natur und Ruhe statt Lärm in der zivilisierten Welt. Vielleicht ist es das wieder in Bewegung setzen, nachdem ich nun eine Woche die Füße still hielt. Vielleicht hängt es auch einfach mit den tollen Mails zusammen, die mich in diesen Tagen erreichten. Wer weiß das schon. Ich freue mich jedenfalls unheimlich auf diesen Flug. Womöglich auch, weil es ein Inlandsflug ist und ich mir ausnahmsweise mal keine Gedanken über Einreisebestimmungen machen muss. Ich bin ja schon im richtigen Land. 

 

Doch während mich diese Vorfreude überkommt und ich es immer noch nicht fassen kann, fühle ich mich auch von Zeit zu Zeit irgendwie schuldig. Denn ich kann das einfach so entscheiden, und es war nicht der Traum meines Lebens. Nein, ich überlegte hin und her, als Fazit kaufte ich die Flüge, doch es war eher eine nebenbei Entscheidung, wohingegen andere Jahre oder gar Jahrzehnte davon träumen und trotzdem noch nie da waren. 

Die gleichen Gedanken hatte ich schon in Kuba. Es ist ja nicht so, dass ich es nicht verdient hätte oder ich es mir nicht gönnen würde, aber mich lässt das Gefühl nicht los, dass da draußen mindestens ne Handvoll Menschen rumläuft, denen es mehr bedeuten würde und für die es trotzdem nie Wirklichkeit wird. 

09.11.2015 um 23:16 Uhr

Galápagos auf eigene Faust

von: indalo

Nachdem ich nun ein paar Tage am selben Ort bin und mir gestern nicht ganz so wohl zu mute war, ist heute wieder so ein besonderer Tag. Was genau gestern war, weiß ich nicht. Ich glaube nicht, dass es am Essen lag. Vielleicht an der Hitze. Oder am Wasser, denn das riecht irgendwie erdig. (Oder waren es die vielen Mückenstiche, die nach kurzer Zeit wieder verschwinden?) Es war auch nicht schlimm, ich lief nur nicht mit der gleichen Energie durch den Tag wie sonst. Wie auch immer, kommen wir zu heute. 

 

Ich habe zwei Flüge gebucht. Offiziell nennen sie sich beide Hinflüge, aber letztlich ist es ein Flug auf ne Insel und von einer (anderen) Insel zurück zum Festland. Denn nach einigem Hin und Her habe ich die Entscheidung getroffen, mir die Galápagos Inseln zu gönnen. Der Prozess dauerte eine Weile, noch in Deutschland lag mir ein Kollege in den Ohren, dass ich die nicht auslassen dürfte. Aber meine Güte, ein Besuch dort ist sehr kostspielig. Dann schrieb er mir zufällig als ich gerade in das dazugehörige Land aufbrach, vermutlich ein Zeichen, welches ich jedoch noch ignorierte. Doch man muss sich auch was gönnen, und ich gönne mir jetzt zehn Tage auf den Inseln. Wie viele auf welcher, das weiß ich nicht, das werde ich dann sehen. Für den Moment freue ich mich einfach darüber, mich darauf einzulassen. Heute gebucht und in vier Tagen bin ich schon da - manchmal ist kurzfristig buchen tatsächlich günstiger. 

 

Doch nicht einmal das verleitete mich zu diesem Eintrag. Erst als ich eben meine Ankunftsdaten an der Südspitze per Mail verschickte, überkam mich so ein Hochgefühl. Ich werde zum ersten Mal in meinem Leben mit einem Namenskärtchen vom Flughafen abgeholt werden :-)

…wobei ich noch gar nicht weiß, ob es ein Namenskärtchen wird. Womöglich steht da nur der Tourname, wie langweilig. Aber das werde ich noch erfragen. 

 

Diese Tage der Ruhe, der Hängematte, des Lesens und des Putzens tun mir gut, denn ich kann planen. Irgendwie fügt sich alles und Stück für Stück entsteht mein Weg. 

 

Vor Jahren hab ich in einer sehr sinnfreien aber nicht minder lustigen Komödie zum ersten Mal von den Galápagos Inseln gehört. Doch ich begriff gar nicht, dass dieser Ort in Wirklichkeit existiert. Ich dachte, er sei frei erfunden, doch jetzt flieg ich da auf einmal hin. Auf eigene Faust, denn wenn sich etwas auf dieser Reise bestätigt hat, dann dass ich gelenkte (Tages-)Touren nicht ausstehen kann - mögen die beiden bereits gebuchten Touren trotzdem positiv verlaufen…

 

 

Und noch während ich diese Zeilen tippe, erreicht mich eine Email aus Kanada, die mir so ein warm wohliges Gefühl vermittelt. Man könnte sie meine kanadische Familie nennen, doch ich möchte keine weitere Familie, also sind es wohl Freunde. Und eine zweite Mail, diesmal von der Galápagos Insel, auf der ich die ersten Nächte verbringen werde. Ich bin ein glücklicher Mensch - im doppelten Sinne des Adjektives. 

07.11.2015 um 01:30 Uhr

chévere

von: indalo

Wie so oft wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Und das ist das Beste. Wirklich. 

 

Ich landete in Südamerika und wurde vom Flughafen abgeholt. Mein großer Rucksack und ich wurden auf einem Motorrad nach Hause transportiert. Ja, irgendwie nach Hause, denn ich fühlte mich wie zu Hause. Ich kam in ein Haus, welches mir sofort gefiel. Ich lernte die ganze Familie kennen, auch die angeheiratete. Und ich wurde verwöhnt, bekocht, verhätschelt. Man änderte Essenpläne für mich, da ich doch dieses und jenes probieren musste. Ich lernte neue Früchte kennen und am nächsten Tag wurde daraus ein Saft gemacht. Extra meinetwegen. 

 

Dann wurde ich in die nächste Stadt vermittelt, wo ich weiter verwöhnt (und gemästet) wurde. Ich erkundete die Stadt auf meine Art und war vollkommen zufrieden damit, bis ich erst im nächsten Ort strandete, nur um dann von jemand anderem gerettet zu werden. Die Mast ging weiter. Wirklich, im ganzen Land fühlte ich mich gemästet. So sehr, dass ich immer noch die Nase voll hab von warmen Bananen. Das war die letzte Mahlzeit, und es war einfach zu viel. Außerdem: Banane mit Käse?! 

 

So legte ich einen Wasser und Cracker Tag ein, wobei es eher ein Wasser, Cracker und Mentosverschnitt Tag war. Denn die stopfte ich in Unmengen in mich hinein. [Mist, jetzt musste ich doch glatt aufstehen um mir so einen Bonbon zu holen.] Es war ein Tag zwischen zwei Nächten im Reisebus, die ich dank drei-Jahreszeiten-Schlafsack halbwegs schlafend verbringen konnte. Trotzdem gefällt mir das Busfahren hier nicht so. Und ich kann’s wirklich nicht ausstehen, ständig angelogen zu werden. Nicht nur wegen der erhöhten Preise auf Grund meiner Hautfarbe, nein, das kann ich ihnen noch halbwegs verzeihen, sondern so simple Dinge wie „Ist das ein Fensterplatz?“ oder „Fährt der Bus direkt dahin oder muss man umsteigen?“ Denn was ist so schwierig daran, darauf ehrlich zu antworten? Ich möchte es doch einfach nur wissen. Eine Toilette im Bus wurde mir auch zugesagt, jedoch nicht, dass der Aufenthalt darin zeitlich begrenzt ist, es weder Wasser noch Toilettenpapier gibt und die Toilette nur für Frauen ist - für Männer hält der Bus ernsthaft an um sie ins Gebüsch zu schicken!

 

Das war also die sechsunddreißig Stunden Reise. Am Ziel angekommen wartete ich auf den Tagesanbruch, klopfte, bat um eine Dusche, bekam Frühstück und begann ein paar Stunden später mit meiner Arbeit. Und nun arbeite ich wieder. Denn ich möchte die Füße stillhalten. Ich muss verarbeiten, was ich erlebe. Und gestern in der Hängematte auf dem Dach kam dann auch die neue Wahrheit in Form einer Erkenntnis: Ich könnte nicht ewig reisen. Ich möchte nicht ewig reisen. Mal abgesehen von meinen Freunden und meinem Beruf, freue ich mich auf mein Leben in Deutschland. Mit Hygiene, weniger Lärm und gesunder Ernährung. 

 

Und diese Erkenntnis ist chévere. 

 

Es ist grandios, hier zu sein. Gestern gab’s selbst gemachte Pizza samt Abendunterhaltung auf dem Dach, nachdem ich den Nachmittag lesend in der Hängematte verbracht habe und heute faltete ich Bettwäsche und wurde anschließend mit nem Mototaxi zum Surfen entführt. Jetzt gerade möchte ich nirgends anders sein, aber ich weiß ja auch, dass ich in weniger als einem Jahr wieder mein selbst gemachtes Brot essen werde, die Essenszeiten selbst bestimmen kann und nichts aus Höflichkeit essen muss. Dass ich in einem Bett schlafen werde, dessen Matratze(n) nicht wie eine Hängematte geformt ist und ich in wenigen Minuten zu einem Ort spazieren kann, wo man nichts außer dem Wind hört. 

 

 

…und kaum dass ich diesen Beitrag abgeschickt habe, gibt es Schokokuchen und süße Hafermilch mit echter Milch sowie das Angebot mich zu wecken, wenn das von Hand zubereitete Abendbrot fertig ist, damit ich mich bis dahin hinlegen kann, ich sähe doch müde aus. Paradiesisch, nicht wahr?

04.11.2015 um 01:49 Uhr

erweckte Bedürfnisse

von: indalo

Und es war grandios. Beim Frühstück fragte mich Sohnemann, wie lange ich seine Mutter denn kennen würde, und als ich antwortete „seit gestern“, erklärte sie mir, dass sie ihm nur schnell sagten, dass sie jemanden abholen würden. Es musste schnell gehen, denn sie wollte mich nicht unnötig warten lassen. Dann wandte sich wieder der Sohn an mich: „Ja, es hieß nur, dass jemand „ein Dach überm Kopf“ bräuchte.“ Er setzte den Teil in Anführungszeichen und ich fühlte mich ertappt. Sah er ebenso mehr als nur das Angebot eines Daches über dem Kopf?

 

Doch dann kam die ernüchternde Frage: „Hast du nen Freund?“

Es gibt Momente, da finde ich diese Frage dermaßen dämlich, dass ich am Liebsten gar nicht reagieren möchte. Doch ich reagierte, nutzte in meiner Antwort aber bewusst das geschlechtsneutrale Wort. Sie reagierte absolut nicht, und verstand auch nicht. Ich ließ mich trotzdem nicht von meiner Überzeugung abbringen… Und als dann noch die Frage nach dem Hochzeits- und Kinderwunsch kam, war ich zwar ziemlich verwirrt, aber meine Phantasie blieb ebenso farbenfroh wie ich meine Augen nicht von ihr abwenden konnte. 

Erst als ich hörte, dass die Trennung von ihrer ersten Freundin gerade mal zwei Monate zurückliegt und ihr Herz daher weiterhin vergeben ist, verstand ich die Welt wieder. 

 

Wir verbrachten traumhafte achtundvierzig Stunden miteinander, die mir Hoffnung geben. Ich registrierte jede ihrer Berührungen und genoss die Vertrautheit dieser Familie. Beim Mittag schob ich Essen auf den Teller der Oma, beim Nachmittag trank der Sohn meine Weintraubenbrause aus, als ich sie ihm anbot, und abends lagen wir lachend und Geschichten erzählend im Bett. Und als sie mir heute beim Mittag die Bohnensuppe mit dem Kommentar „mal ehrlich, das isst du doch eh nicht alles auf“ klaute, war das Bild vollkommen. 

02.11.2015 um 03:57 Uhr

morgen wird ein guter Tag

von: indalo

Da saß ich wie bestellt und nicht abgeholt am Busbahnhof, in eine Ecke unter den Tresen einer Busgesellschaft gekauert und wartete auf Antwort. Nichts. Eigentlich war ich verabredet, zumindest hatte ich es so verstanden. Doch auf diverse Kontaktversuche gab es keine weitere Reaktion. Also setzte ich ein Gesuch auf und eine halbe Stunde später wurde ich kontaktiert, unfassbar. Kurze Zeit darauf kam eine bildschöne Frau auf mich zu und umarmte mich. Faszination pur. Sie nahm meinen Rucksack und schritt voran, sodass ich nur noch schnell ein Tschüß zur Frau der Busgesellschaft rufen konnte und stolperte hinter ihr her. Wir gingen zum Auto und auf dem Heimweg kaufte sie mir Abendbrot, welches ich in ihrem Beisein zu mir nahm. Wir unterhielten uns, vollkommen belanglos. Doch da gab es diesen Moment, indem ich einfach grinsen musste. Hilfe, was passiert hier gerade?

Und dann trat sie mich unterm Tisch, als sie sich über ihre Mutter lustig machte, die von sich wies, dass sie überall schlafen könnte. Und sie legte ihre Hand auf meinen Arm - ja, es fiel mir auf. Und dann kommt ihr Sohn die Treppe runter und steht etwas verloren vor mir. „Ohne dich beleidigen zu wollen… du wirkst mehr wie ein Mann als wie eine Frau.“ Ich muss lachen, seine Mutter auch. Was liebe ich Kinder für ihre Ehrlichkeit. Ich kann damit leben, dass er das so sieht, aber wollen wir doch mal sehen, ob ich seine Meinung morgen nicht ändern kann *gg*