indalo

30.08.2016 um 20:24 Uhr

Das lag aber auch an dir

von: indalo

Worte. Worte und ihre Bedeutungen. Das lag aber auch an dir. So ganz ohne Zusammenhang könnte es wie ein Vorwurf klingen, nicht wahr? Doch das war es keineswegs. Auch keine Danksagung. Nein, eine Begründung dafür, sich an etwas erinnern zu können. Und in diesem Fall an meinen Namen. Unverhofft kommt oft, doch dies wäre nicht unverhofft, dies wäre erhofft und erwünscht. Sehr erwünscht. Doch wir wollen mal lieber die Kirche im Dorf lassen und uns keine weiteren Gedanken machen. Ich möchte nur diesen Satz festhalten, und damit womöglich die Erinnerung an das Begreifen der Bedeutung dieses Satzes. Es dauerte ein wenig, doch ich glaube, die Botschaft kam an. 

Die Seerose blüht. 

22.08.2016 um 23:45 Uhr

In dieser Stadt werde ich immer Student sein.

von: indalo

Nachdem wir leckeres (und teures!) Eis aßen und uns von der Eisdiele entfernten, wo die Studenten über ihre heutige Prüfung sprachen, fragte sie: „Findest du das eigentlich komisch?“ - „Was genau?“ - „Von einer Weltreise hier so im normalen Alltag zu landen.“ - „Nein, das hab ich jeden Tag.“ Sie war verwirrt. Doch ich landete jedes Mal im Alltag eines Menschen, wenn ich couchsurfte. Ich war selten in Hostels, ich besuchte Menschen, die ihr normales Leben weiterlebten. So wie sie es tat. Und seit Jahren tut. Aber da sei ich mit meinem Gepäck als Reisender zu erkennen, hier hab ich einfach nur viel Gepäck. Und das stimmt auch soweit, als dass man mich in nordeuropäischen Ländern nicht automatisch für einen Ausländer hält (im Gegenteil, mehrfach wurde ich trotz großem Gepäck von Einheimischen so lange zugetextet, bis ich die Worte „Sorry, I don’t speak…“ dazwischen bekam), aber letztlich wusste auch höchstens mein Gastgeber, mit welchen Geschichten im Gepäck ich eigentlich reise. Insofern nein, ich finde das überhaupt nicht komisch. Und ich kann jetzt auch klar sagen, dass ich mich tatsächlich seit Ankunft in Europa zu Hause fühle. Grenzen spielen keine Rolle, auch die Sprache schafft es nur zu einer Randnotiz, wichtig ist die Natur, die Landschaft, das Wetter. 

Diese, ihre Stadt, ist noch einmal etwas anderes. Nicht so sehr wie man meinen könnte, doch die Menschen, die in die Bahn einsteigen wollen während ich aussteige, bringen mich ausnahmslos zum Grinsen. Das sind meine Menschen. Hier fühle ich mich wohl, hier bin ich richtig. Eine Erinnerung, ein Gefühl, ein Teil von mir. 

21.08.2016 um 13:42 Uhr

the hardest part

von: indalo

Als viel gereister Mensch wird man ständig gefragt, wo es denn am Schönsten ist. Oder was man als Erstes empfehlen würde. Doch je öfter man gefragt wird, desto mehr nervt diese Frage. Denn jeder empfindet anderes als schön, und auch für mich waren so unterschiedliche Dinge gleich schön. Denn vergleichen kann man kaum etwas. Kein Land ist wie ein anderes, und doch kann man sie gruppieren. Sicherlich nach Kulturen, doch für mich gehören Peru und Vietnam beispielsweise in eine Kategorie. 


So ist es also schwierig, diese Frage zu beantworten. Nun überlege ich seit Monaten, welche Frage ich denn angebracht fände. So wirklich bin ich nicht zu einer Lösung gekommen, doch die Frage, wohin ich als Erstes zurück möchte, wirft einen ganz anderen Aspekt auf. Ich habe auch darauf keine Antwort, ich weiß noch nicht einmal, ob ich als erstes irgendwohin zurück möchte, oder ob ich als erstes etwas Neues entdecken möchte. Und dann etwas Neues in einem bekannten Land, oder etwas vollkommen Neues? Ich werde mich einfach überraschen lassen. 

Doch dann wurde ich vor ein paar Tagen gefragt, was die größte Herausforderung beim allein Reisen ist. Oder das Schwierigste? Das Anstrengendste? Es hieß: „I have a question for you.“ - „Okay.“ - „What is the hardest part about traveling alone?“ Und mir gingen erst einmal nur Vorteile durch den Kopf. Keine Kompromisse, völlige Freiheit. (Witziger Weise die Antwort auf die Frage, was die größte Herausforderung beim gemeinsamen Reisen ist.) Man trifft alle Entscheidungen allein, was sowohl Vor- als auch Nachteil ist. Denn wenn etwas schief geht, kann man niemandem die Schuld geben. Dann erinnerte ich mich an meine Kollegin, die mit ihrem Mann unterwegs ist und mich am zweiten Tag fragte, wie ich damit umgehe, all die verschiedenen Situationen des Tages mit niemandem auswerten zu können. Ich habe mir darüber ein einziges Mal Gedanken gemacht. Es gab eine Situation in der ich mir jemanden gewünscht hätte, dem ich von meinem Tag erzählen könnte, jemanden, der mich kennt. Doch ansonsten war das für mich nie ein Thema. Dennoch gab ich dies als Antwort. Man muss damit leben, Situationen allein einzuschätzen, auszuwerten und beim nächsten Mal womöglich den gleichen Fehler wieder zu machen. Man ist einfach immer allein. Doch später änderte (oder verfeinerte?) ich meine Antwort zu Folgendem: You have to realize, that nobody will ever understand what you saw or did. Und ich glaube, das trifft’s. Für mich persönlich war etwas anderes schwieriger in Bezug auf diese Reise, doch wenn es um den Aspekt allein Reisen geht, dann ist es das. Denn niemand hat erlebt, was ich erlebt habe. Niemand hat gesehen, was ich sah, oder hat jene Menschen getroffen, die ich traf. Und auch wenn meine Reisefreunde, die ich jetzt wieder besuchte, noch am Ehesten nachempfinden könnten, was ich erlebte, so sind sie trotz allem meilenweit entfernt.

 

Für mich war diese Reise nie etwas Großes, es war nie ein Wettstreit oder ein zu erreichendes Ziel, es war einfach etwas, das ich tat. Es war ein Abenteuer, ich hab mich darauf gefreut, ich habe es genossen, doch ich bin nicht stolz darauf. Es ist nicht etwas, das ich erreicht habe. Es gehört mir, und was andere darüber denken, ist mir schnurzpiepegal. Ich habe es für mich getan, und jeder darf daraus ziehen, was er oder sie möchte. 

19.08.2016 um 23:31 Uhr

beim Fernsehen

von: indalo

Heute war ich beim Fernsehen. Nicht im Fernsehen, aber die Menschen, die ich dorthin begleitete, waren im Fernsehen. Nicht im Fernseher, aber so richtig mit Interview vor laufender Kamera. Live. Das war eindeutig ein erstes Mal für mich. Und so richtig begriffen habe ich das alles noch nicht. Sie waren im Fernsehen. Weshalb? Weil sie eine Reise wie die meine hinter sich haben. Sie sind nämlich meine Reisefreunde, die ich zu Beginn traf, in der zweiten Hälfte gleich zwei Mal und dann eben jetzt am Ende. Sie kehrten vor drei Wochen zurück, ihre Zeit war vorüber. Und so haben sie in den drei Wochen ein Interview beim Radio gehabt und heute eben beim Fernsehen. Und während ich da so saß und auf sie wartete, dachte ich darüber nach, wie kurios das alles ist. Am heutigen Tag schließt sich ein Kreis innerhalb meiner Reise. Nicht einmal bei unserem dritten Treffen hatte ich auf dem Plan, sie nun erneut zu treffen. Doch es kam wie es kommen musste. Und hier bin ich. Auf Reisen. Immer noch. Auch wenn es sich nicht so anfühlt. Für sie war der heutige Tag ein Rückblick auf etwas Vergangenes. Es sind verschiedene Level, verschoben auf der Zeitachse, und doch im selben Moment, am selben Ort. 

17.08.2016 um 10:13 Uhr

Querschnitt

von: indalo

Das Leben spielt mir einen Streich. Keinen üblen, aber trotzdem ist es doch ein Streich. 

Ich find dich online, ein Profil. Ich sehe das Foto und bin hin und weg. Ich lese, was du schreibst, und bin begeistert. Ich schreibe dir von dieser Begeisterung und bekomme eine ebensolche Reaktion. Doch ich bremse mich, denn von Fotos sollte man sich nicht irritieren lassen, und die anderen Fotos lösen nicht die gleiche Reaktion aus. Also begebe ich mich in eine abwartende Position, auch wenn jede weitere Nachricht meinen ersten Eindruck bestätigt. Das wird gut. 

Dann gestern fast an dir vorbei zu laufen, dich anzusehen und dich sofort zu erkennen, war neu. Sonst werde ich erkannt. Aber ich wusste, dass ich mit dir mitgehen wollte. Und so folgte ich dir, erst zur geschlossenen Tür, dann zum Auto. Du bist aufgedreht und erzählst mir von deinem Tag. Die Chemie explodiert. Und dann deine Behausung zu betreten und als erstes den Geruch von Holz so intensiv wahrzunehmen, katapultiert mich in die Vergangenheit. Ich habe schon mal ein Haus betreten und genauso dies gerochen. Und das war bei meiner Ex. 

Anschließend bewundere ich die Gestaltung, setze mich mit dir an den Tisch und bekomme vegetarische Cannelloni vorgesetzt. Und Tee. Ich beobachte dich, wie du redest, was du erzählst. Eigentlich möchte ich dich die ganze Zeit ins Bett stecken, denn du musst morgen früh aufstehen. Ich kann ausschlafen. Doch du hast keine Ambitionen dich schlafen zu legen. Also reden wir, stundenlang. Und du erinnerst mich an jemanden. Eine alte Bekannte. Nicht das Gesicht, eher die Mimik. Doch deine Bewegungen zu beobachten, deine Statur, das erinnert mich alles an jemand anderen. Meine letzte Bettgeschichte ist dir unheimlich ähnlich. Und dann festzustellen, dass ihr beruflich den gleichen Weg verfolgt, passt so sehr ins Schema, dass es mich irritiert. Auch deine Ängste wahrzunehmen, deine Unsicherheiten, deine Überlegungen und Gedanken. Da ist so viel bekanntes, so viel vertrautes. Und irgendwie gewinne ich den Eindruck, dass du der Querschnitt der Frauen meines bisherigen Lebens bist. 

16.08.2016 um 14:42 Uhr

lückenlos

von: indalo

Es fasziniert mich tatsächlich, wie sich gerade alles fügt. Ich habe immer wieder betont, dass ich keine Ahnung habe, wohin ich als nächstes fahre, dass ich nicht wüsste, wo ich in einer Woche sein würde. Doch mir schien manches Mal, dass man mir das nicht richtig glaubt. Und jetzt, mit meinen Planungen für die Heimkehr, wird es irgendwie noch deutlicher. Vor einem Jahr dachte ich nicht ansatzweise darüber nach, wen ich vor Arbeitsbeginn noch besuchen würde. Vor einem Jahr wusste ich nicht, von wo aus ich Deutschland ansteuern würde. Weder Land noch Himmelsrichtung. Jetzt bin ich ein Jahr weiter, jetzt bin ich in Europa und weiß, von welchem Land aus ich Deutschland betreten werde. Jetzt weiß ich, dass ich es tatsächlich schaffe, die drei auswärtigen, zu meinem Fest geladenen Freunde zu besuchen. Sicherlich habe ich auch einiges passend gemacht, doch nichtsdestotrotz boten sich erst nach und nach die Möglichkeiten. Es ist schon so unheimlich, dass ich mich zwischendurch fragte, ob jemand einen größeren Plan dahinter hat und ich fröhlich auf die Köder anspringe. 

Von jetzt bis zu meinem Arbeitsbeginn ist alles strukturiert. Für eine Nacht fehlt mir noch ein Dach über dem Kopf, nur eine weitere Nacht werde ich in einem Bus verbringen und für mehr als eine Nacht hab ich diverse Schlafplätze zur Auswahl. Die Qual der Wahl sozusagen,  doch ich habe meine Entscheidungen getroffen. 

…und während ich diese Zeilen tippe, schreibt mir mein Bruder und ich scheine auch ihn in meine Rundfahrt einbauen zu können. 

12.08.2016 um 18:50 Uhr

Meine Freunde lieben mich

von: indalo

Dass ich meine Freunde liebe, ist bereits bekannt. Doch - und es ist womöglich gar keine große Überraschung - meine Freunde lieben mich ebenso. 


Es fühlt sich unheimlich toll an. Schon vor Monaten zu bemerken, dass der kleine Zwerg, der bei meiner Abfahrt weder laufen noch reden konnte, meinen Namen konnte, löste ein ganz wohliges Gefühl aus. Denn offensichtlich redet man von mir - woher sonst sollte er den Namen kennen?

Und heute erreichten mich Emails mit zauberhaften Liebeserklärungen zwischen den Zeilen. Die eine Mama schrieb mir davon, dass ihre Tochter ihr verraten hat, wann ich wieder komme. Sie flüsterte ihr die Worte „Sie kommt in einer Woche.“ ins Ohr. Und es berührt mich, dass sie darüber reden, und dass ich der Kleinen doch irgendwie ein Begriff bin, auch nach all den Monaten. 

Und eben hieß es von einer anderen Freundin, dass ihr Mann sagte, ich dürfte gerne bei ihm einziehen und sie dürfe dann auf der Couch schlafen. Es ist alles nur Spaß, ich weiß, doch dass sie, die sonst die Eifersucht in Person ist, mir das schreibt, einfach so, ohne irgendwas dazu, sagt so viel mehr als in den Worten steht. Sie freuen sich auf mich, anscheinend genauso sehr wie ich mich auf sie freue. Insbesondere jetzt, wo genau feststeht, an welchem Tag wir uns wiedersehen. Es macht es so viel realer. Das Ziel rückt in Sichtweite, bald kann ich es anfassen. 

11.08.2016 um 11:22 Uhr

Europa riecht gut

von: indalo

Seit Tagen denke ich das. Europa riecht gut. Und auch wenn ich dem Geruchssinn nie allzu viel Bedeutung beigemessen habe, so scheint er eine wichtige Rolle in meinem Leben zu spielen. Denn alles an Europa riecht gut. Vielleicht bedeutet gut in diesem Fall einfach vertraut, doch Vertrautheit ist gut. Und hier fühle ich mich zu Hause. Mit all meinen Sinnen. 

Im Bus die Bäume an mir vorbei ziehen zu sehen ist etwas ganz anderes als die Vegetation in Südamerika, Asien oder Afrika. Wie viele Autofahrten saß ich hinten und phantasierte über den Wald? Wie viele Waldspaziergänge hab ich gemacht und mich nie verlaufen? Oh, wie habe ich das Baumhaus geliebt. …bis die Erwachsenen kamen und es zerstörten. Sie verbesserten es, sagten sie, doch für mich war es eine Verschlechterung. Ich wollte schon als Kind kein kommerzielles Baumhaus. Ich wollte schiefe Holzbretter, knarrende Äste und echtes Holz, keine Planken. 

Bäume, ich habe Bäume schon immer geliebt und zig Fotos davon, wie ich sie umarme. 

Doch auch die Blumen riechen gut. So süß, und zart. Die Blüten gibt es in verschiedenen Farben und Formen. Einfach zauberhaft. Doch nichts geht über den Geruch von Gras. Am intensivsten ist er direkt nach dem Mähen, und dann übt er eine immense Anziehungskraft auf mich aus. So wie gestern, als ich das Wellenrauschen hörte und mich dann doch auf den Stein auf dem Rasen setzte. Der Mäher war noch unterwegs, sodass der Motorenlärm im Wechsel mit den Wellen an meine Ohren drang, doch ich hatte nur Gras in der Nase.

Und dann kam da dieser kleine Junge und bestieg den anderen Stein. Er tollte umher und rollte im Gras. Und als ich aufsah, stand sie da. Eine hübsche Frau mit langen, roten Haaren, die ihren - wie ich annehme - Sohn anhimmelte. Ein wunderschönes Bild und ich merkte, wie ich ein Foto im Geiste machte. Dann spielte der Kleine verstecken mit mir und amüsierte sich köstlich, was uns beiden Großen natürlich auch zum Grinsen brachte. Und so vergingen viele Minuten, er näherte sich an, lief umher, doch als ich das erste Mal den Mund aufmachte, erschrak er sogleich. Das war eine fremde Sprache, das verstand er nicht. Doch sie ermunterte ihn weiter, sich zu mir zu setzen. Er kam auch noch mal an, doch dann verschwand der kleine Junge mit der beigeweißen Mütze im Gebüsch Richtung Strand. Auch ein Foto in meinem Kopf, wenn auch ohne sie. Er brachte sie nochmal zurück, doch mir war schon klar, dass es keine Unterhaltung geben würde. Ich gebe aus deren Sicht Laute von mir, keine Worte.

10.08.2016 um 22:56 Uhr

Es fügt sich

von: indalo

Es fügt sich alles zusammen. Stück für Stück schließen sich die Lücken, ich treffe Menschen, denen ich mich schon vor drei Monaten angekündigt habe, ich treffe jemanden, der mich schon vor einigen Wochen einlud und dann werde ich anscheinend auch meine Reisefreunde wiedersehen. Ich lernte sie zu Beginn kennen, traf sie zwei Mal unterwegs und werde sie nun am Ende wieder sehen. Bei ihnen zu Hause, denn sie sind bereits heimgekehrt. 

Es wirkt so rund, und es fühlt sich so richtig an. Nein, ich war nicht in den anderen Großstädten, ich überspringe die nächste Hauptstadt und fahre stattdessen in ein kleines Dorf. Es geht mir um die Menschen und wenn sich da jemand auf dem Dorf anbietet, dann fahr ich da jetzt hin. Was interessiert es mich in einer weiteren europäischen Hauptstadt allein umherzulaufen, wenn ich stattdessen irgendwo im Nirgendwo jemanden kennen lerne. Ich habe meine Entscheidungen getroffen und bis auf zwei oder drei Nächte alles durchdacht. Es musste eine Papierliste her, so kompliziert wirkte es. Aber auch nur, weil ich das Datum für das Betreten Deutschlands festgelegt hatte. Zumindest für mich. Denn noch muss eine der drei Personen zustimmen. Sollte sie Nein sagen, bleib ich einen oder zwei Tage länger fern. Mal sehen. Vielleicht auch nicht. Auch das wird sich fügen, so wie alles gerade. Ich merke, wie ich wieder mehr ich selbst werde. Irritierend, da ich reisend doch auch ich war. Bzw. noch sein sollte. Aber ich gehe anders an diese letzten Wochen heran. Ich möchte anderen gerecht werden, sie in meine Pläne einbauen und schon brummkreisel ich wieder. Es ist keine Wertung, nur eine Beobachtung. 

Doch was das alles mit dir wird, das weiß ich nicht. Daraus werde ich nicht schlau. Da sind so viele Gedankenansätze, so viele Gefühle, Hoffnung, Trauer und Verlustängste. Denn du bist mehr als nur ein Stützpfeiler meines Lebens, du… warst ein Grundpfeiler, der gerade seine Identität verliert. Meine Gedanken kehren immer wieder zu dir zurück, zu uns, doch ich weiß auch, dass ich nichts anderes tun kann, als abzuwarten. Und das tue ich. Bestmöglichst. Geduldig. So weit ich kann. Doch deine Emails helfen dabei nicht, bzw. meine Wahrnehmung deiner Emails. Da steckt so viel zwischen den Zeilen, so viel von dem ich mich frage, ob du es mit bekommst. Ich kommentiere es nicht, es hat keinen Sinn. Ich warte, wir werden uns finden, irgendwo auf diesem deinen Weg. 

08.08.2016 um 19:44 Uhr

Der Kreis schließt sich langsam

von: indalo

Reisen macht mich glücklich. Sommer macht mich glücklich. Und ich muss etwas korrigieren: Ich bin Nordeuropäer. Durch Tallinn zu laufen, überhaupt nur hier anzukommen, löst ein Heimatgefühl aus. Seit Vancouver die erste Stadt, möchte ich meinen, in der ich direkt nach Ankunft denke „Hier könnte ich leben.“ Es ist ein Gefühl, aber es ist auch ganz viel Erinnerung hier. Vancouver erinnerte mich an nichts, es war einfach nur schön. Aber Tallinn… Tallinn liegt an der Ostsee und ich stelle gerade sehr deutlich fest, dass Hansestädte nicht grundlos Gemeinsamkeiten haben. Ich lerne nicht aus Büchern, sondern von Erfahrungen. Durch Beobachtungen. Und das ist geniaziös!

Doch nicht nur das. Heute bin ich ins Zentrum geradelt und kam einige Stunden später mit nem Fährticket für morgen zurück. Einfach so. Ich liebe diese Freiheit, bzw. auch die Spontaneität - wobei ich schon länger mit dem Gedanken spielte, einen dieser Tage in Finnland zu verbringen. Mein ehemaliger Mitbewohner ist leider nicht vor Ort, doch allein jetzt mit ihm zu mailen erinnert mich an die Gefühle, die ich noch immer für ihn habe. Wir haben uns verändert, ohne Frage, doch auch wenn wir lange Zeit keinen Kontakt hatten, so fühle ich die Vertrautheit in den wenigen Zeilen, die wir schreiben. Auch wenn wir uns nicht sehen, wird er morgen bei mir sein. Denn ich werde seinen Empfehlungen folgen. 

Und da ich nun im letzten Abschnitt meiner Reise angekommen bin, kann ich diesen auch durchdenken. Bis ich hier landete, konnte ich einfach nicht weiter denken. Es lag auf Eis, und ich kann nur von Glück sprechen, dass ich einen Gastgeber gefunden habe. Oder er mich. Denn das ändert wie so oft ganz viel. 

Es entstehen also Pläne, und viel mehr als die nächsten Tage, plane ich die letzten Tage vor Heimkehr. Und mir scheint, so langsam weiß ich, wann ich wieder auf deutschem Boden sein werde. Und auch, wann, wo und mit wem ich die ersten Tage dort bzw. die letzten Tage meiner Reise verbringen werde. Denn bevor ich in meinen Alltag zurückkehre, besuche ich wohl noch drei Freunde in Deutschland, die nicht in der selben Stadt leben wie ich.

Mir gefällt mein Plan, ich muss jetzt nur noch die anderen davon überzeugen.

07.08.2016 um 09:36 Uhr

Vorgeschmack meines Lebens

von: indalo

Das war ein Vorgeschmack meines Lebens. Meines normalen Lebens. Das Leben, was sich Alltag nennt. Auch wenn es gewiss kein Alltag war, so ist es eine wiederkehrende Routine gewesen, die zu meinem Leben gehört. Mit Freunden und Fremden zelten. Irgendwo in Europa. Mal regnet’s, mal scheint die Sonne, doch man findet immer glückliche Menschen. Und alles ist in Bewegung. Nicht nur jeder, alles. 

Es war eine wunderbare Woche. Mehr als eine Woche. Und ich kann wohl sagen, dass ich mehr Tränen vergossen habe als in den zwölf Monaten davor. Aus verschiedensten Gründen. Es war eine emotionale Achterbahn. Ich habe den Menschen wieder gesehen, der den mit Abstand größten Teil meines Alltags ausmacht. Ich habe jemanden wieder gesehen, den ich seit Jahren irgendwie kenne und doch nichts über ihn weiß. Und ich habe jemanden wieder gesehen, der mich vor ein paar Monaten in Asien beherbergte. Es war ein großes Durcheinander, und ich habe so viele Momente so sehr genossen. Ich habe mich genossen. Und die Magie um mich herum. Im Einklang mit ihr zu sein. Zu fühlen, wie es mich bewegt. Zu spüren, wie das ganze Zelt im Einklang klatscht. Zu sehen, wie jemand vor Freude strahlt, weil ihm etwas gelingt. Die Anspannung zu spüren, die Gemeinschaft. Einfach alles. 

Und das Internet verriet mir gerade, dass ich die Tradition im nächsten Jahr fortführen kann. Zeitlich passt alles zusammen. Diese geliebte Tradition, aber auch mein bereits gebuchter, nächster, großer Urlaub. Denn ich bin zwar von dieser Reise noch nicht zurück gekehrt, doch im nächsten Sommer habe ich schon eine Reise in den Norden gebucht. Und jetzt für mich die Fortführung dieser Tradition beschlossen. Weil es mein Leben ist, und ich die Entscheidungen treffe. Weil ich die Vorfreude mag und es okay ist, sollte es nicht dazu kommen. Drei Wochen des nächsten Sommers sind verplant mit sehr unterschiedlichen und einfach wundervollen Dingen. 

Ich bin glücklich. 

05.08.2016 um 07:44 Uhr

bei mir sein

von: indalo

Du warst der letzte (und womöglich einzige) Mensch, der mit seinen Gedanken einfach nur bei mir war, wenn er bei mir war. Stück für Stück merkte ich, wie die Menschen um mich herum gedanklich verschwanden. Es beginnt damit, dass Kinder im Moment leben. Die Zukunft ist nicht wichtig, die Vergangenheit ist schon fort. Man ist, wo man ist. Mit allem was man hat. Die Erwachsenen haben Sorgen und Gedanken, an gestern, heute, morgen. Aber auch an andere Menschen. Sie haben Verantwortung, sagen sie. Sie haben einen Teil ihres Herzen verschenkt und weil Ganzsein ein Grundbedürfnis ist, sehnt sich das Herz nach seinen verschenkten Stücken. Der Moment ist wichtig, aber nicht nur der Moment in dem man selbst steckt, sondern auch jeder Moment einer jeden verschenkten Faser. So richtig deutlich wird es erst bei einer größeren Sammlung solcher Herzfasern. Sprich in der Liebe. Und bei Kindern. Du hast kein Kind bekommen, aber du hast Liebe gefunden. Und ich finde das wunderschön. Wie du von ihm redest, was du von ihm erzählst, ich finde es einfach nur schön. Genauso wie du da sitzt und ihm all diese zauberhaften Momente zeigen möchtest. Erzählen reicht nicht, er muss es sehen, er muss es erleben, er muss es fühlen. Das wissen wir beide. Er muss das noch erfahren und verstehen. Doch wir wissen es. Und ich weiß, dass diese Momente nicht mehr uns gehören. 

Abends fragst du, ob die Schwärmerei nervt. Welche Schwärmerei? Bisher hast du nicht geschwärmt. Doch dann fängst du an. Und ich finde es wirklich schön. Ganz ehrlich. Doch es bedeutet gleichzeitig eine Veränderung in meinem Leben. Denn ich schwinde. Wenn ich dir morgens die Sonne im Bett ermögliche, dann geht es nicht um mich, nicht um den Moment, es geht um ihn. Deine Gedanken sind nicht hier, deine Gedanken sind bei ihm. Denn er hat das auch gemacht. Wenn ich dich anfasse, denkst du an ihn. Wenn wir beide mit gefülltem Herzen in der Tribüne sitzen und den Moment wahrnehmen, dann bin ich hier. Im Moment. Mit dir. Doch du bist bei ihm, in Gedanken. Und wenn wir irgendwann kuschelnd auf der Couch liegen - ich habe wieder Hoffnung darauf, dass dies möglich ist - wirst du bei ihm sein. 

Es war schön mit dir. Danke für all die Momente in all den Jahren. Danke, dass ich weiß, dass es möglich ist, dass jemand einfach nur bei mir ist. 

Und um deinetwegen danke ich dafür, diesen Verlust zu empfinden, denn er steht für das, was du gefunden hast. Ich für meinen Teil plane schon die Hochzeitsrede. 

03.08.2016 um 17:36 Uhr

(Körper-)Kontakt wieder hergestellt

von: indalo

Erstaunlich. Da gab es die große Offenbarung und dann geht’s einfach weiter. Ich bin wie immer. Was soll auch anders sein? Und langsam wirst auch du wieder mehr du selbst. Zumindest kommst du mir näher. Erst verschlafen im Zelt dein Kopf auf meinem Arm. Eigentlich normal, doch jetzt irgendwie ungewohnt. Nicht der Offenbarung wegen, sondern wegen der Tage davor. Und letzte Nacht legst du mir erst eine Hand auf den Rücken, als ich mich unruhig hin und her werfe, und dann kuschelst du dich später sogar an. Das war doch das Normale. Das waren wir. Werden wir das auch wieder? 

Und heute legtest du mir dann doch tatsächlich die Hand aufs Knie, nachdem du vorher sagtest „Ist das schön, wieder mehr ich selbst zu sein.“ Oh ja. Doch schieb es nicht auf Schmerzen oder Unwohlsein, denn damit kenne ich dich, und das hat nie den Körperkontakt verhindert, im Gegenteil. Also suche bitte keine Ausreden, lüg mich nicht an. Lüg auch dich nicht an. Sei du selbst, sei der Mensch den ich kennen und lieben lernte, den ich nie wieder hergeben wollte. Sei du. Und wenn du das möchtest, dann helfe ich dir gerne dabei. Denn ich kenne dich, deinen Kern, dein Inneres. Und vielleicht sogar besser als du selbst. Denn mir ist vollkommen egal wer an deiner Seite sitzt, du bist du, und ich hoffe, du erkennst das eher früher als später. Denn ich möchte nicht kämpfen, nicht gegen dich, nur mit dir. 

Doch ich nehme dieses Verhalten jetzt als Bestätigung dafür, dass es andersherum der Untergang wäre, nicht wahr? Wäre ich in deiner Situation und du in meiner, würdest du alles in Frage stellen, nicht wahr? Ich stelle die letzten Jahre nicht in Frage. Vielleicht bin ich zu arrogant dafür, vielleicht nur blauäugig, doch ich stelle nicht in Frage, was du zu hinterfragen scheinst. Ich habe wieder Hoffnung, Hoffnung darauf, dass wir einen Weg finden. Für dich. Und für dich und mich. Zueinander. 

02.08.2016 um 13:05 Uhr

Identitätsfrage

von: indalo

Es hat was mit Identität zu tun. Das sagtest du. Gestern. In Bezug auf ihn, euch, das jetzt. Und ich habe nicht viel gesagt. Ich habe gelacht über die Pillendiskussion, die wir vorher noch führten. Doch sonst nehme ich einfach nur an. Und auf. Was immer du zu erzählen bereit bist. Doch als du das sagtest, reagierte es in mir. Wieso hat es etwas mit der Identität zu tun? Deiner Identität? Definierst du dich jetzt wirklich neu? Bist du ein anderer Mensch? Waren die letzten Jahre… warst das nicht du? Willst du das wirklich sagen? 

Das ist es, was weh tut. Das ist es, was mir Angst macht. Höllische Angst. Nicht er. Es hat überhaupt nichts mit ihm zu tun. Für dich vielleicht, doch meine Bedenken starteten lange bevor er in deinem Leben auftauchte. Und ich bin heilfroh, dass dem so ist. Denn es gibt mir die Gewissheit, dass es nicht um ihn geht. Und das werde ich ihm auch genauso sagen, wenn es soweit kommt. 

Du verneintest meine Frage, ob ich dich jetzt neu kennen lernen muss. Ich stellte sie vor diesem Gespräch. Warum verneinst du sie, wenn du hier von Identität sprichst? Wenn du dich neu finden musst? Ich kann wirklich nur hoffen, dass ich miterleben darf, wenn du dich findest. Auch wenn ich sagen muss, dass dieser eine Satz, bzw. eben auch die darauf folgenden, in mir die Frage auslösen, ob wir uns überhaupt kennen. Denn warum in aller Welt ist das eine Identitätsfrage? Es geht doch um den Menschen, nicht um das Geschlecht. Oder bin ich wirklich so allein damit? 

01.08.2016 um 23:55 Uhr

bittere Schokolade

von: indalo

Du hast mir Schokolade mitgebracht. Mit kleiner Vorankündigung, und doch irgendwie kommentarlos. Vor allem, nachdem du sie nicht mitbringen wolltest. Und dann gabst du sie mir. Einfach so. Und ich nahm sie, weiterhin dabei auszuloten. Nicht aktiv, du merkst es nicht. Doch ich lote alles aus. ALLES. Denn ich weiß nicht, was mich erwartet. Und auch wenn ich auf so vieles vorbereitet war, so war das, was du mir heute erzähltest, überhaupt nicht auf dem Plan. Es überraschte mich sehr. Ich freue mich, für dich. Sehr sogar. Doch ich kann vermutlich sagen, dass ich mir in den letzten Jahren nichts so sehr gewünscht habe, und gleichzeitig nichts so sehr gefürchtet habe. Auch wenn weder das eine noch das andere ein vorherrschendes Gefühl war. 

Die Schokolade, sie wirkt wie ein Friedensangebot. Es kam aus dem Nichts für mich, und ich war sehr irritiert. Schon in der Mail. Daher ignorierte ich es in meiner Antwort auch gänzlich. Doch du hast sie mir trotzdem überreicht. 

…sollte ich nun symbolisch das Kriegsbeil begraben? Es gibt doch keinen Krieg. Es wird auch keinen geben. Denn ich schrieb zwar, dass ich alles zu geben bereit bin, damit es harmoniert, doch Harmonie ist nicht alles. Und ich werde nicht um dich kämpfen. Ich werde dich ziehen lassen. Denn du bist glücklich. Du hast dich überraschenderweise neulich schon so glücklich angehört. Und jetzt dieses Strahlen, die Art des Erzählens, das Rotwerden. Du bist glücklich, und ich passe nicht ins Bild. 

Ich werde mich zurückziehen, denn du tust es jetzt schon. Erst in der Umarmung, dann die Hand und Körperkontakt gibt es auch keinen mehr. Du bist schon weg. Und dann kann ich auch gehen. Denn ich lasse mich nicht kaufen. Auch nicht mit Schokolade. Und diese wird irgendwie bitter schmecken, und das nicht nur, weil ein Teil Bitterschokolade ist.