indalo

23.02.2017 um 19:53 Uhr

Wiedergutmachungsangebot vom Leben

von: indalo

Gestern war wieder so ein komischer Tag. Einer dieser Tag, an dem man total willkürlich die verschiedensten winzigen Entscheidungen trifft und daraus etwas ganz Großes werden könnte. Die Verkettungen von Ereignissen, die einem meist nicht klar sind. Ich beobachte viel, ich durchdenke alles, doch ich möchte gerade nicht mehr. Denn ich bin gerade ganz böse auf die Nase gefallen. Und dabei war vorher alles so eindeutig. Doch dazu schrieb ich schon vor bald neun Jahren einen Eintrag. Selten haben mich Zeichen auf Glatteis geführt, aber damals schon. So richtig sehr. Und jetzt wieder. Ja, es sind viele Jahre vergangen, vielleicht muss das ab und an passieren. Doch wenn dem so ist, warum dann überhaupt an solche Zufällen glauben?

Seit Jahren laufe ich jeden Tag den gleichen Weg zur Arbeit. Immer vorbei an den gleichen Bäumen und Sträuchern. Viel passiert da nicht. Und schon recht früh bemerkte ich auf der linken Seite ein leerstehendes Haus. Schon damals zog es mich irgendwie an. Dann wurde es nach einigen Monaten abgerissen. Aha. Da baut wohl jemand neu? Nein, nichts passiert. Die Bauarbeiter gingen, das Gras ist wieder gewachsen. Die Monate zogen weiter ins Land. Ich überlegte, ob ich damals die Bauarbeiter hätte ansprechen sollen um zu fragen, wem dieses Grundstück gehört. Doch zuerst dachte ich ja, es würde abgerissen um neu zu bauen. Als nichts passierte, war es zu spät um jemanden zu fragen. Jeden Tag laufe ich daran vorbei, die meisten Tage versuchte ich die Tiefe des Grundstücks abzuschätzen. Jeden Tag gucke ich dahin. Ob auf dem Hin- oder dem Rückweg. Immer wieder spielte ich mit dem Gedanken, dort ein Haus zu bauen. Dann verschwand ich für lange Zeit und fragte mich, ob bei meiner Rückkehr etwas passiert sein wird. Nichts war geschehen. Es ist immer noch verwahrlost. Also versuchte ich herauszufinden, wem dieses Grundstück gehört. Wochenlang durchsuchte ich das Internet nach Informationen oder nach den richtigen Behörden, die mir die Informationen geben könnten. Im Herbst schwang ich mich dann aufs Rad und fragte nach. Ich stand nervös in diesem immensen Gebäude und wurde letztlich dermaßen unfreundlich angeblafft, ich solle bloß nicht wiederkommen, dass ich mich nicht mehr fragte, wieso Beamte so einen schlechten Ruf haben. Versuch gescheitert. Noch einige Zeit später klingelte ich einfach bei den Nachbarn um zu fragen, ob sie mir etwas zu dem Grundstück sagen könnten. Fehlanzeige. Und damit gab ich auf. Ich wusste ja nicht einmal, ob ich das Grundstück überhaupt will. Ich wollte die Möglichkeiten abchecken. Pros und Cons gibt es wie bei allem. Sodass ich letzte Woche kurz nach der Niederlage auch klar sagen konnte „perfekt gibt es nicht, der geplatzte Kaufvertrag wäre der Perfektion am Nächsten gekommen“. Auch da bedachte ich jenes Grundstück. Denn selbst wenn es meins wäre, gäbe es Einschnitte. 

Wie auch immer, gestern entschied ich mich nach einem langen Arbeitstag, mein Essen vor Ort aufzuwärmen, statt gemütlich zu Hause zu essen. Das habe ich noch nie getan und machte auch wenig Sinn. Doch so geschah es, dass ich noch ein kurzes Gespräch mit einer Kollegin führte eh ich mich auf den Heimweg machte. Da sah ich dann eine Frau mit Papierkram in den Händen das Grundstück betreten. Ich weiß nicht einmal, wo die Frau hergekommen ist, noch welchen Weg ich bis dahin gegangen war. Ich blieb am Gartenzaun stehen und wartete. Sie nahm mich war, stapfte aber weiter übers Grundstück, machte Fotos und kam erst dann zurück zum Gehweg. Wohlwissend, dass ich auf sie warte, guckte sie mich dann auch auffordernd an. Wir unterhielten uns und ich weiß jetzt, wem das Grundstück gehört, wie groß es ist und was es mich kosten würde. Meine Fragen aus dem Herbst sind nun beantwortet. Nur meine Frage an mich selbst nicht. Will ich es haben?

Jetzt, so am Abend, kam mir jedenfalls der Gedanke, dass das Leben eingesehen hat, einen Fehler gemacht zu haben und mir deswegen dieses Wiedergutmachungsangebot macht. Oder es will mich nur noch mehr ärgern, indem es mir zeigt, dass ich nicht (mehr) weiß, was ich will. Ich fühle mich um so viele Schritte zurück versetzt. Ich stehe nicht mehr am Anfang, ich stehe davor. Irgendwo im Minusbereich. 

21.02.2017 um 21:53 Uhr

'n Platten

von: indalo

*seufz* Was für ein Tag. Heute. Ein Tag… Einfach ein Tag. Und doch gedanklich noch lange nicht abgeschlossen. Spätestens seit letzter Woche arbeite ich nicht mehr richtig. Wieso ich mir das gerade erlauben kann, weiß ich nicht. Aber auch wenn der Job gerade das ist, was mich über Wasser hält, so vernachlässige ich ihn gerade sträflich. Doch auch wenn der Job gerade das ist, was am Besten läuft, so bleiben meine Freunde mein Rettungsanker. Ja, meine Freunde. Die Menschen, die als Gruppe funktionieren. Denn - und das ist vermutlich auch das Grundrezept - sie werden von mir immer wieder als Gruppe betrachtet. Wenn die Einen einen Totalausfall darstellen (ich werde sehr nachdrücklich „Geht’s dir denn - abgesehen von der Erkältung - gut?“ gefragt, antworte laut und deutlich mit Kunstpause und Kräfte sammeln „Nö“ und werde dann stehen gelassen), kommen die Anderen aus ihren Löchern gekrochen. Faszinierend. Denn heute Abend saß eine Freundin bei mir für drei Stunden auf der Couch und hörte mir einfach nur zu. Ich hab nen Seelenstriptease hingelegt, der sie vermutlich arg überfordert hat, aber uns auch näher brachte. Wenn es dunkel wird, erkennt man die Sterne.

Doch unabhängig von diesem schweren Thema passierte heute noch etwas Wunderbares. Etwas unbeschreiblich Schönes. Da bin ich oben aufm Berg, führe ein längeres Gespräch und als ich mich auf mein Rad schwingen will, ist der hintere Reifen platt. Nein, da möchte ich mich nicht mal nur zum Runterrollen drauf setzen. Also spaziere ich zu Freunden. Ich kündige mich nicht an, ich klingele einfach. Und als er die Tür aufmacht und mich begrüßt, sieht er schon mein Fahrrad und sagt „oh nee“. Ich sage „oh doch“ und er läuft mit der Frage „Wie viel Zeit hast du?“ in den Keller. Ich steh noch etwas unbeholfen im Flur „Joa, je nachdem wofür. So ne halbe Stunde/Stunde vielleicht.“ Letztlich gehe ich nach oben um mit dem Säugling zu spielen, den er auf dem Boden liegen ließ, und höre, wie er raus geht. Kurze Zeit später liegt der abgeschraubte Reifen im Flur und er werkelt vor sich hin. Ich betüdel’ das Kind und zwischendrin fragt er „Wo ist das passiert?“ Fragt er sich, ob ich extra mit dem platten Reifen zu ihm gekommen bin? So dreist bin ich nicht. War ich nicht. Wär ich nicht gewesen. Jetzt schon. Denn wenn das immer so einfach läuft, dass ich klingel’ und er absolut kommentarlos mein Rad repariert, dann mach ich das in Zukunft nochmal. 

Mein Vater ist ein hilfsbereiter Mensch und trotzdem hätte eine solche Aktion nur mit vielen Worten funktioniert. Vielleicht nicht mit Bitten und Betteln, aber definitiv mit Fragen. Doch, mit Bitten. Hier habe ich gar nichts gemacht. Ich kam vorher nicht einmal auf die Idee, dass er den vor Ort und sofort flickt. Ich wollte eigentlich nur den Reifen aufpumpen um damit nach Hause zu kommen. Im Idealfall mein Rad dalassen für wenn er Langeweile hat und mich womöglich noch nach Hause fahren lassen. Aber mit dieser Variante hatte ich nicht ansatzweise gerechnet. Und es wird ein weiterer Meilenstein in der Geschichte, warum dieser Mann zu meinem Lieblingsmenschen wird. 

…da geht das kurze Gespräch, was wir am Ende führten, fast unter. Erstaunlich, da es eins der best gehüteten Geheimnisse meines Lebens werden wird, wenn nicht sogar das geheimste aller Geheimnisse. 

17.02.2017 um 23:07 Uhr

Drei Niederlagen und ein Sieg - doch was überwiegt?

von: indalo

Als ich mich gestern auf den Heimweg machte, passierte etwas Unglaubliches. Etwas Schönes, das ich womöglich in kürzester Zeit schlecht reden kann. Doch ich tue mein Bestes, meine kritische Seite zu ignorieren. Ich bin cool. Am Coolsten. Das sagte man gestern über mich. Es ist nicht so, dass das noch nie jemand gesagt hat, aber doch schon ein Unterschied, wenn es aus heiterem Himmel über mich gesagt wird. Es war so… ehrlich. Denn es wurde nicht mir gesagt, es wurde über mich gesagt. Ohne auch nur die geringste Chance auf einen Vorteil dadurch. Es beflügelte mich, so sehr, dass ich zum ersten Mal seit sehr langer Zeit jemanden anrief, einfach nur um davon zu erzählen. Eine kurze Begegnung, die ich hoffentlich nie vergessen werde. 

Und heute erzählte ich meinen Kollegen davon und schloss die Unterhaltung mit den Worten „Die Kleinigkeiten, die einem das Leben versüßen. … Nein, das ist keine Kleinigkeit, das ist groß.“ Und mein Kollege nickte nur und meinte „Das ist wirklich keine Kleinigkeit.“

Ja, schon gestern dachte ich „…weil immer nur eins gut laufen kann.“ So viel Schaden wie der geplatzte Kaufvertrag in meinem Privatleben anrichtet, so viel wird mir gerade beruflich geschenkt. Erst gestern, und dann heute. Heute ist das Highlight meiner beruflichen Karriere. Heute kann ich sagen, dass ich es wirklich geschafft habe. Auch wenn ich „es“ nicht in Worte fassen kann. 

Im Laufe der letzten Jahre gab es viele wunderschöne Momente in meinem beruflichen Alltag. Es gibt Anerkennung, es gibt Beförderungen, es gibt Lob. Von allen Seiten. Ich hatte meine Hobbies in den Alltag integriert und hab schon vor knapp vier Jahren festgehalten, dass ich’s geschafft habe. Schon da schrieb ich, dass ich schon Karriere gemacht hab. Und meine damalige Feststellung ist keineswegs widerrufen worden oder hat an Bedeutung verloren. Ich hatte schon da Karriere gemacht. Doch heute Abend habe ich einen so großen Sprung auf der Karriereleiter hingelegt, dass ich mir den Kopf stoßen müsste. Es geht nicht höher. Ich bin oben. Ich bin genau dort, wo jede noch so kritische Begutachtung es nicht schafft, mir diesen Erfolg zu nehmen. Ich bekomme die Anerkennung von genau denjenigen, für die ich diesen Beruf gewählt habe. Und dabei waren wir nur Essen. Ein paar Stunden in einem Restaurant am Wasser. Doch die Zeit verflog, es war so natürlich, so normal, so… entspannt. Auch der Wechsel zwischen Du und Sie führte zu keinen Unannehmlichkeiten. Sie erzählten von ihren Partnern, ihren Jobs, ihren Lebensplänen, ihren Familien, ihrer Vergangenheit, ihren Freunden. Von einfach allem. Ohne Scham, ohne Zurückhaltung, ohne Zögern. 

Danke, danke, danke, danke, danke. Für das schüchterne Lächeln, die strahlende Ernsthaftigkeit, die liebevolle Umarmung, das stetige Anhimmeln und das fortwährende Necken. Ihr macht meinen Beruf zu meinem Privatleben, und das ist etwas Gutes. 

15.02.2017 um 17:07 Uhr

Puff. Peng. Kaputt.

von: indalo

In weniger als einem halben Jahr sind drei bis fünf Lebensträume zerplatzt. Und es waren keine Schäume, keine Traumschlösser, es war Realität. Schöne und gute Realität. Absolut realistisch. Und ja, ich bin in der Tat gut darin, mich wieder aufzurappeln, aber so langsam weiß ich nicht mehr… wozu? Oder wie? Ich mein, ist das alles nur ein Spiel? Ja, das Leben ist ein Spiel. Ein Glücksspiel. Und ich halte mich grundsätzlich für glücklich - weil ich es so will. Aber ich verliere gerade. Eine Niederlage nach der anderen und die erste der drei großen habe ich bis heute nicht verkraftet. Die zweite… nunja, hab ich mir schön geredet? Die dritte? Werde ich mir vermutlich irgendwann schön reden, aber zur Zeit seh ich das nicht kommen. Ich sehe nur Nachteile. 

Anfang Dezember steckte ich in einem tiefen Loch. Ich bin da irgendwie wieder raus gekrabbelt. Irgendwie. Jaja, blabla, was einen nicht umbringt, macht einen stärker. Aber es gibt den Zustand „zu stark“. Und ich möchte keinen Deut stärker werden. Nicht nur im November, auch so, erklärte ich meinen Kollegen immer, dass ich - auch im Regen - freiwillig zu Fuß nach Hause laufe, da ich diese Zeit brauche um mein Arbeitsleben gefühlstechnisch hinter mir zu lassen. Ein wenig abschalten. Auch wenn ich zu Hause weiter arbeite, so ist es doch anders. Doch heute gehe ich genau diesen Weg, bei strahlend blauem Himmel, und merke genau das Gegenteil. Ich gehe von meiner Arbeit, mit deren Missständen ich mich wieder arrangiert habe, nach Hause, in mein Leben, das in Bruchstücken vor mir liegt. Mir kamen die Tränen, weil ich nicht nach Hause gehen wollte. Weil mir gerade sehr deutlich wurde, dass ich keine Balance finde. 

Gestern fragte mich eine Freundin „Und nu?“, worauf ich nur schrieb „Nun fall ich in ein Loch und begrab mich da ;-)“ und als Reaktion „Och, bitte nicht!!!“ kommt. Das war am Nachmittag. Das Ende unserer Unterhaltung. Und ich werfe es ihr nicht vor, wirklich nicht, aber ich merke doch, dass es nicht richtig ist. Denn ich versuche gerade, alle Bälle in der Luft zu halten, doch einer nach dem anderen fällt zu Boden, und bleibt dort liegen. Ich habe nicht die Kraft, meinen Freunden zu erklären, was die Niederlagen im Einzelnen bedeuten. Ich vertrage es gerade nicht, nicht verstanden zu werden. So wenig, dass ich manche Dinge nicht angehe, nicht frage, nicht erwähne, weil ich auch nur das kleinste Nein nicht ertragen könnte. 

Und trotzdem geht es mir nicht beschissen. Und trotzdem gehe ich lächelnd durch meinen Tag, weil mir mein Job Spaß macht, weil manche Arbeit eben doch ihre Früchte trägt. Doch ich möchte ganz ernsthaft fragen: Womit habe ich das verdient?

14.02.2017 um 16:15 Uhr

Unfassbar

von: indalo

Einfach unfassbar. Und absolut unverständlich. Nun äußerte ich gestern, dass ich mir meine eigenen vier Wände zu lege. Gestern unterschrieb ich den Darlehensvertrag, alles in Butter. Super Konditionen, die richtige Summe und der schlüssige sowie dazu passende Tilgungsplan. Die Zahlen sprachen für sich, es passt einfach alles. Von vorne bis hinten. Das Gefühl ist wunderbar. Gewesen. Oder doch noch? Heute vormittag notierte ich noch, wie gut alles läuft, wie ich meinen Weg wieder gefunden habe, mich langsam aufrappel und die Tage wieder gut werden. Gestern sagte ich zwar noch, dass noch nicht alles geklärt ist, es muss erst noch beim Notar unterschrieben werden, aber ich war überhaupt nicht skeptisch. Nun war alles geklärt. Die verschiedenen Hürden wurden genommen, die Wartezeiten abgewartet und dann rief ich heute mittag an um den Notartermin zu besprechen und was sagt die Frau am Telefon? „Ich hab gute und schlechte Nachrichten.“ Sie machen mir Angst. Und ehrlich gesagt überlege ich gerade, ob man mir je wirklich schlechte Nachrichten mit diesem Satz eingeleitet hat. Denn sie scheint die Ausmaße nicht zu verstehen. Die schlechten sind: Auch wenn ich den Vertrag vorliegen habe, so hat jemand anders schon beim Notar unterschrieben. Die guten Neuigkeiten? Sie bieten mir ein anderes Objekt zu einem reduzierten Preis an. Klar, sag jemandem einen Tag vor der Hochzeit, dass sie ihren Partner nicht heiraten dürfen, aber wenn sie das Geschwisterkind nehmen, kriegen sie noch ne Entlohnung. Also mal ehrlich. Ich will keine verdammte Kapitalanlage, ich will mein Leben - zumindest das nächste Jahrzehnt - dort verbringen. Nicht mehr und nicht weniger. 

 

Ich bin fassungslos, entsetzt und so schockiert, dass ich es nicht begreifen will. Die Frau am Telefon fragte ernsthaft noch, wie wir nun weiter verfahren. Da kann ich nur sagen, dass ich nicht weiß, wie wir verfahren sollen. Sie verkaufen nicht an mich, worüber sollen wir also noch kommunizieren? Ende. Aus. Vorbei. Ich nehme nicht die große Schwester, auch wenn die Hochzeit geplant und bereits bezahlt ist und man mir mehr als zweiundzwanzig Tausend Euro dafür bietet. Für sie ein Objekt, für mich mein Leben. Ja, da steh ich mir womöglich im Weg. Aber Kompromisse waren noch nie meine Stärke.

13.02.2017 um 17:32 Uhr

kleine Präsente

von: indalo

Ich war noch nie [ein unendlicher Zeitraum… wahrheitsgemäß müsste es wohl heißen: in den letzten zehn bis zwanzig Jahren] ein Freund von Präsenten. Wozu der Schnickschnack? 

Ein einstiger Lebenspartner meiner Mutter hat im Rahmen seiner Selbstständigentätigkeit immer Präsente verteilt, die meine Mutter sich letztlich unter den Nagel gerissen hat. Auch da verstand ich das Konzept schon nicht. Wozu bringt er jemandem etwas mit, nur weil sie zusammen arbeiten? Oder diese Blumensträuße, die man mitbringt. Nee, das ist echt nicht meins. Selbst Geburtstagsgeschenke hab ich gestrichen. 

Doch heute verstand ich auf einmal die Bedeutung des Ganzen. Nein, den Hintergrund? Hmm. Die Tradition? Das, was es auslöst. Denn vor einer Stunde saß ich an meinem Küchentisch mit einem Herren im Anzug und leistete diverse Unterschriften. Hier und da, und ich möchte meinen, ich hab sogar das Meiste verstanden. Ich weiß, was ich da unterschrieben habe. Ich weiß, dass es um horrende Summen geht und welche Bedeutung dahinter steckt. Doch erst als er mir zwei kleine Sektflaschen in Geschenkverpackung vor die Nase stellte, traf es mich. Ich bin im Begriff mir ein Eigenheim zu kaufen, und was gibt es da besseres als mit Sekt anzustoßen?

Ob das nun meine Grundeinstellung zu Präsenten und Geschenken über den Haufen wirft, wage ich zu bezweifeln, aber immerhin verstehe ich jetzt, was es mit dieser Geste auf sich hat. 

09.02.2017 um 15:54 Uhr

unlautere Angebote

von: indalo

Da suchte ich vergebens meinen Chef um ihm für morgen etwas vorzuschlagen und entschied mich dann kurzer Hand, ihm einen Zettel zu schreiben, den ich zwischenzeitlich amüsiert mit Liebesbrief betitelte. Davon kann er nichts mitbekommen haben, genauso wenig wie irgendwelche Herzchen auf dem Zettel sind, und doch kommt er ein paar Stunden später auf mich zu, legt seinen Arm um mich und drückt mich mit den Worten „Vielen Dank für dieses unlautere Angebot“ und ich muss lachen. Das ist immer noch der gleiche Mann, von dem ich vor ein paar Jahren geschworen hätte, dass wir niemals nie Körperkontakt haben würden. Jetzt überrascht mich das schon gar nicht mehr, aber damals umarmte er mich aus heiterem Himmel, was ich bis einschließlich heute überraschend finde. Grundsätzlich würde ich auch behaupten, dass er zu keinem Kollegen ein körperliches Verhältnis hat, ganz im Gegenteil zu unserer Chefin, die mir neulich minutenlang den Rücken streichelte.