indalo

30.05.2017 um 18:31 Uhr

Man kann sich auch selbst drauf schreiben.

von: indalo

Es war total banal, wirklich. Doch der Satz geht mir nicht aus dem Kopf. Auch das Lächeln danach nicht. Es war wieder so… so alles. Es war wieder sie, und ich. Ach man, was werde ich sie vermissen. 

Ich setzte mich zu einem nicht allzu schönen Gespräch zu meinem Chef ins Büro und er tat mal wieder so, als würde er kluge Ratschläge haben. Amüsant, doch ich durchschaue sein sicheres Auftreten bei absoluter Ahnungslosigkeit. Nebenbei sah ich, wie meine Chefin eine Datei auf ihrem Computer anfertigte, in der sie Namen vertrauenswürdiger Kollegen notierte. Keine von ihr geschriebene Liste, eine Liste mit Vorschlägen der Kollegen, die sie nur zusammentrug. Ich nahm es einfach nur zur Kenntnis und ahnte nicht, dass mir das zum Verhängnis werden könnte. Denn als ich mich verabschiedete, sagte sie - weiterhin mit dem Rücken zu mir auf den Bildschirm starrend - „Man kann sich auch selbst drauf schreiben.“ Vermutlich war sie längst bei etwas anderem, doch ich wusste sofort, was sie meint. Und sie guckte mich nicht an, sie blickte nicht einmal auf. Sie sagte es ganz einfach, laut und deutlich. Ich grinste von einem Ohr zum anderen. „Ja, ich weiß.“ und mein Chef grinste mich verschmitzt an „Weißt du, an welchen Kollegen ich spontan denken musste?“ Ihn auffordern anzugucken, ist sinnlos, da wiederholt er nur seine Frage. „Nee, aber ich dachte du verrätst es mir, wenn ich dich auffordernd angucke.“ - „An Indalo.“ Und ich lachte. „Na, dann schreib mich doch drauf. Du gehörst doch auch zu den Kollegen.“ und der zukünftige Chef ruft ein ironisch überraschtes „Nein!“ zu ihm rüber. Ja doch, er ist doch auch ein Kollege. Ich wünschte allen lachend einen schönen Tag und hüpfte von dannen. Ja, das tat mal wieder sehr gut. Und ich freue mich darüber, wie entspannt ich mit all dem umgehe. Ich brauche keine Sonderrollen mehr, mir gefallen solch kurze Begegnungen viel mehr. 

Und ich ging grinsend nach Hause. Grinsend, bis zu dem Telefonat, welches meine Tagespläne verhinderte. Da sank meine Laune spontan, irgendwie klar. Und auch nicht dramatisch. Jetzt kann ich wieder breit grinsend zu Hause sitzen. Es ist okay, dass es meine Laune und mein Leben beeinflusst. Ich erwarte nicht (mehr), dass das von heut auf morgen erledigt ist. Das wird noch Monate so weitergehen, aber es wird besser. Ich kann endlich wieder sagen, dass ich glücklich bin. Nicht dauerhaft, aber genug um es ehrlich sagen zu können. Ich hab so viel, für das ich dankbar bin. So viel Gutes in meinem Leben, dass ich auch ohne sie glücklich sein kann. Und in einem kuriosem Anflug bezeichnete ich meine Mutter und mich als Gewinner der Herzen - und das obwohl wir beide gerade sowieso die Gewinner des Spiels waren. Keine Ahnung, was mich da geritten hat, aber ich hab mein Leben wieder im Griff. Und darauf kommt es an. 

29.05.2017 um 23:23 Uhr

Stimmt, das wäre vielleicht unangenehm geworden.

von: indalo

Es ist soweit, ich mache mir Sorgen. Denn wenn die anderen anfangen, eine Begegnung zwischen dir und mir als unangenehm zu betrachten, dann wird’s schwierig. Und das hast du neulich verbockt. Oder er. Mit diesem blöden Fahrrad. Man ey.

Wenn das Gelingen einer Situation von zufälligen Faktoren abhängt, dann ist das Leben ein Glücksspiel. Dann gibt es keine Sicherheit, denn mehr als blöde Zufälle sind das alles nicht. Es könnte so einfach sein. Aber das ist es nicht. Und das wird es auch nicht. Doch dass sie diese Worte wählt, wenn ich sage, dass wir uns beinah zufällig begegnet wären, dann ärgert mich das. Erst ärgert es mich, doch ich reagiere humorvoll. Dann kommt noch so eine Reaktion und ich beginne, mir Sorgen zu machen. Ich darf sarkastisch und gemein sein, ihr nicht. Ihr müsst das cool übergehen. Sonst wird das nichts. Ich kann euch nicht beruhigen, ich schaffe es gerade mal, ruhig zu bleiben. Doch heute verlässt mich meine Ruhe, weil es - mal wieder durch blöden Zufall - mein Leben einschränkt. Weil ich eine Freundin nicht besuchen kann, weil du da bist. Und ich möchte schreien, ich möchte meckern, doch ich weiß, dass niemand Schuld an dieser Situation hat. Manchmal möchte ich, dass du das auch fühlst, dass du das auch merkst, aber dann weiß ich wieder, dass es auch nichts nützen würde. Oh, wie sehr verfluche ich, dass er dich hat sitzen lassen. Wäre er bloß geblieben. Dann wär alles anders gekommen, nicht weniger schmerzhaft, aber anders, und mit ziemlicher Sicherheit besser. 

Bis heute früh war alles gut. Das Wochenende mit der Nachtwanderung steckte mir noch in den Knochen, und das machte mich anfällig für die Frustration, die mich nach wenigen Minuten auf Arbeit einholte. Irgendsoein Vollidiot hat die Flure mit nem Feuerlöscher verwüstet. Also kletterte man mehr oder weniger durchs Fenster rein. Aber nicht nur das, es wurden auch noch Räume getauscht, und dann ging die Technik nicht. Mehr hätte nicht schief laufen können. Ich war gefrustet und ging zur Chefetage um mir technische Hilfe zu holen. Meine Chefin begrüßte mich freudig, doch als ich sagte, dass nicht alles gut ist, hieß es gleich: „Wer ärgert dich? Du weißt, wir hauen die dann.“ Und ich konnte nur trocken antworten: „Die können auch alle nichts dafür. Manchmal geht’s nicht anders, aber doof ist es trotzdem.“ Diese Reaktion irritierte sie, doch ich befragte den Herren an ihrer Seite zu meinem technischen Problem. Er wollte mich erst mit Worten abfertigen, merkte dann aber, dass mir das nicht reicht und fragte mich „Soll ich mir das mal angucken?“ - „Ja, bitte.“ und wir verließen den Raum. Er verbrachte einige Zeit damit eine Lösung zu suchen, ich glaub einerseits wollte er bleiben, andererseits merkte er, dass ich eine Lösung nötig habe. Erstaunlich, dass er für mich tatsächlich ein Gefühl entwickelt hat. …oder meine Ausstrahlung war einfach so intensiv, dass er es nicht ignorieren konnte. 

Ich dankte ihm, denn ich war ihm wirklich dankbar. Doch mein Tag wurde nicht besser. Ich bin heute so viel unnötig im Kreis gelaufen, hab so viel dämliche und teilweise falsche Antworten bekommen, dass meine Laune nicht besser werden konnte. Immerhin wurde sie auch nicht schlechter. Leider hat auch all die Schokolade und der leckere Salat nicht geholfen. Ich werde irgendwann - weit nach Mitternacht - gefrustet ins Bett gehen. 

Nach diesem Wochenende werde ich schlauer sein. Je nachdem, wie (un)angenehm die Begegnungen verlaufen werden. Ich möchte nur nicht gefrustet in die Situation starten.
…mir stehen sieben entscheidende Tage bevor, und ich wünschte, ich wäre dafür besser gewappnet. 

28.05.2017 um 11:33 Uhr

Damit du nicht ganz aus der Welt bist

von: indalo

Da verschickt man nichts ahnend ein Angebot zu selbst gemachtem Kuchen und Spaziergang, und plötzlich landet man in einer Ehekrise. Damit hab ich nicht gerechnet. Erst schrieben wir und nach zwei Stunden wurde der Spaziergang dann doch angenommen, und eine weitere Stunde später stand man sich dann gegenüber. Oha. Leicht angeschäkert und mit viel Chaos im Kopf. Blöd nur, dass es bald Mitternacht ist und ich schon echt müde auf der Couch lag. Nun denn, wir drehten zwei Runden um den Flugplatz und kamen nach drei Stunden wieder zu Hause an. Es ist mitten in der Nacht, die Taxen grüßen schon mit „guten Morgen“, wollen einen aber auch nicht abholen. Kein freies Fahrzeug. Ist klar. 

Es war ein interessantes Gespräch, und ich nehme ein wenig irritiert zur Kenntnis, dass ich die erste Person bin, die von der Ehekrise erfährt. Ich unterstelle, dass mir eine Portion des Gedankenchaos vorenthalten wurde, merke aber auch, dass das kein Problem für mich darstellt. Ich ruhe wirklich in mir, was das angeht. Doch der Satz „Damit du nicht ganz aus der Welt bist“ geht mir nicht aus dem Kopf. Als er gesagt wurde hielt ich das „du“ für ein „man“, doch das tat ich zuvor schon fälschlicherweise. Womöglich bin mit dem „du“ tatsächlich ich gemeint, doch das wären viel zu große Zugeständnisse. Von mir sollte man den neuen Wohnort nicht abhängig machen, denn die Wohnungssuche läuft bereits. 

26.05.2017 um 14:43 Uhr

back on track

von: indalo

Schon seit ein paar Wochen merke ich es, Stück für Stück geht’s voran, komme ich voran. Mein Leben ist zwischenzeitlich auf einen falschen Kurs geraten, naja, geraten worden. In einer der emotionalsten und unsichersten Phasen wurde mein Leben auf fürchterliche Weise attackiert und in Frage gestellt. Dem konnte ich nicht standhalten, sodass ich vom Weg abkam und ziemlich verwirrt durchs Gebüsch stolperte. Kein Licht am Ende des Tunnels, nur Dickicht um mich herum. Und Stimmen. Da waren immer wieder diese Stimmen, die sagten, was sein wird, was gut ist, dass ich mich gedulden soll. Doch manchmal wollte ich ihnen nicht zuhören. Stattdessen suchte ich einen Weg aus dem Dickicht, versuchte mich freizubuddeln und bekam noch mehr Steine in den Weg gelegt, fiel und stolperte erneut. Frustration pur. Und dann hörte ich auf zu strampeln und blieb stehen. Ich könnte mich um dieses und jenes kümmern, aber ich wollte nicht mehr. Nein, ich wollte gar nichts mehr. Also blieb ich stehen, sah mir meine Umgebung genau an und machte das Beste daraus. Gut war es nicht, aber es war das Beste, was ich erreichen konnte. Ich wurde mir nicht gerecht, aber ich machte mir keine Vorwürfe daraus. Ich ließ einfach alles um mich rum liegen. Rechnungen stapelten sich, meine Wohnung ist ein noch größeres Chaos als sowieso schon immer gewesen, doch es war mir alles egal. Immerhin ging ich noch zur Arbeit, denn irgendwie war das der Hoffnungsschimmer am Horizont. Solange ich meinen Job habe und liebe, wird es weitergehen und ich mich eines Tages finden. Und so merkte ich kleine Erfolge, schaffte es letzte Woche zum ersten Mal weiter als bis zum nächsten Tag zu denken. Mein Handy erinnerte mich seit letztem Jahr sehr regelmäßig daran, was ich alles tun müsste. Rechnungen bezahlen, Flüge buchen und vieles mehr. Die Liste wurde immer länger, doch erst letzte Woche schaffte ich es, die Flüge für meinen Sommerurlaub zu buchen. Die Reise selbst hatte ich bereits vor Rückkehr gebucht, als mein Leben noch Sinn ergab. Nun habe ich die Flüge dazu. Und gestern kümmerte ich mich endlich um all die Rechnungen seit Jahresbeginn. (Ich glaub um Weihnachten rum hatte ich mal kurz all meine Energie gesammelt um zumindest dringende Dinge der Monate davor zu bearbeiten.) Ein Wunder, dass mir bisher keine Mahnung ins Haus geflogen kam. Stattdessen brachte ich es aber fertig, einige Rechnungen doppelt zu bezahlen… und heute machte ich eine Kostenaufstellung für meinen Zwischenmieter. Ja, er ist bereits vor knapp neun Monaten ausgezogen, doch ich hatte keine Muße dazu. Gar keine. Bis heute, und es fühlt sich gut an. Schon gestern fühlte es sich gut an. Auch dass ich gestern (ja, ich weiß, dass es ein Feiertag war) zur Arbeit ging um dort einigen Papierkram zu erledigen, fühlte sich gut an. Mein Leben geriet aus der Spur, but now I am back on track !

24.05.2017 um 23:37 Uhr

Ich wurde nicht geschlagen

von: indalo

Es war wieder einer dieser Tage, an denen so viel passiert, dass ich gar nicht weiß, was ich als erstes festhalten soll. Insbesondere da so viel Unabhängiges passierte. Gedanken kreisen, jede Minute wird gelebt. Heute passte wieder alles ineinander. Bis zum zehn Prozent Gutschein im Briefkasten meiner Nachbarn. Denn eigentlich wollte ich gestern in meiner Lieblingsdrogerie einen Großeinkauf machen, doch ich fand den Coupon mit den Extrapunkten nicht wieder, sodass ich den Einkauf auf Freitag verschieben wollte. Beim Heimkommen eben fand ich dann den noch viel besseren Gutschein und lächle in mich hinein. Wunderbar gelaufen. Und eine so banale Kleinigkeit, dass ich meine Leser damit langweile ;-)

Nun denn, heute habe ich es endlich geschafft, meinen Vater nach langer Zeit allein zu erwischen und konnte ihm die Frage stellen, die mich letztes Jahr beschäftigte. „Es gibt gute und schlechte Menschen, nicht wahr?“ Stille. „Man kann Menschen doch in gut und schlecht einteilen, oder nicht?“ - „Ja.“ - „Waren deine Eltern gute Menschen?“ - „Doch, ja. Ich wurde nicht geschlagen, nur von meiner Schwester.“ Und auch wenn ich an dieser Stelle einhaken könnte, ob geschlagen zu werden der Maßstab sei, so gingen meine Fragen in andere Richtungen weiter. Ich ahnte es, und er sagte es selbst „Man sieht es hinterher besser als es war.“ Mir reicht die Antwort, mir reicht die Reaktion. Mit allem drum und dran. Und ich bin offen gestanden total fasziniert davon, wie diese - wenn auch kurze - Unterhaltung verlief. Ganz ernst, ganz gelassen, ganz entspannt. Ich habe meine Antwort. Und sie passt. 

23.05.2017 um 18:22 Uhr

Versprichst du mir etwas?

von: indalo

Unser Gespräch war mal wieder konfuser als jedes Labyrinth. Doch wir sehen noch durch, und nur das ist wichtig. Es war die selbe Stelle, nicht wahr? Ich schob schon einmal den Kinderwagen diesen Weg hoch, mitten durch den großen Spielplatz, und drehte mich zu dir „Es ist schön, dich zu kennen.“ Ich sagte es heute zweimal, falls du das erste Mal nicht gehört hast. Doch das letzte Mal war auch da, und es war kein déjà-vue, es war eine Erinnerung. Warum auch immer ich es das letzte Mal sagte, es hat sicherlich nicht an Bedeutung verloren. Heute waren es die Worte „nicht nur da“ auf meine Frage „Ist dir aufgefallen, dass sie im November die ganze Zeit am Handy war?“

Es ist ihr aufgefallen. Schon vorher. Und es hieß einige Zeit später: „Und ich möchte erwähnen, dass ich dir nicht nach dem Mund rede. Mir ist das auch vorher schon aufgefallen.“ - „Ich weiß, und gerade heute hatten wir zwei Beweise dafür, dass wir ganz unabhängig die gleiche Meinung haben.“ Denn dieses Thema begann mit den vorsichtig nachfragenden Worten „Also Sven ist ihr ganz schön wichtig, oder?“ und ging mit „Vielleicht kompensiert sie da ja irgendwas.“ weiter. Der Hammer. Meine liebe Freundin, mein Sonnenschein, mein unabhängiger Richter, ich danke dir ganz besonders für heute. Auch wenn ich dir womöglich mehr die Augen geöffnet habe als du mir, so wurde die Geschichte unsere Freundschaft weiter an den Fels gemeißelt. Und schon gestern wollte ich dich um dieses Versprechen bitten. Auch wenn es nicht unbedingt nötig ist, so wollte ich es trotzdem von dir hören. „Versprichst du mir etwas?“ - „Na?“ - „Ich weiß, das kommt darauf an, was ich jetzt sage. Daher ist es ein doofer Anfang, doch ich wollte trotzdem mit dieser Frage beginnen, denn ich überlegte, wie ich sonst anfangen könnte und mir fiel nichts besseres ein. Versprichst du mir, dass egal was du von anderen hörst - egal von wem - du mich nach meiner Sicht der Geschichte fragst?“ kurze Denkpause ihrerseits „Egal von vom. Von ihr, von deiner Mutter, von deinem Mann. Bitte gib mir einfach immer die Chance, dir meine Sicht zu erklären.“ - „Das fällt mir schwer, aber doch, das tue ich. Auch wenn es mir schwer fallen wird, bei dir würde ich das tun. Das verspreche ich dir.“ Und ich liebe sie dafür, dass sie darüber nachdenkt, dass sie sagt, was sie denkt, und mir nicht einfach nur ein Versprechen gibt. Bitte bleib, für immer. 

Dass ich jetzt auf dieses Versprechen komme, kann ich ihr anhand der anderen beiden Damen leicht erklären. Doch damit hat es gar nichts zu tun. Neulich, beim königlichen Schnellessen, da passierte etwas, das ich erklären könnte, aber nicht erwähnen möchte. Und wenn andere es erwähnen, möchte ich die Chance haben, es erklären zu können. Und ich glaube auch, dass sie sich daran halten wird. Ich glaube außerdem, dass sie es vor dem Versprechen getan hätte, aber vielleicht fällt es ihr so etwas leichter, mich darauf anzusprechen. 

 

„Kann ich das sagen? Ich glaube schon. Also, es geht ja nicht um Seiten, aber: Ich steh auf deiner Seite.“ Danke. Vorgestern hörte sich das noch anders an, denn es hieß „Das ist jetzt nicht euer Ernst?!“ Da fühlte ich mich ein wenig angegriffen, denn ich finde nicht, dass ich mich da kindisch oder anderweitig fehlverhalten habe. Insofern tat es gut, das heute zu hören.

Auch wenn mir wichtig ist, dass du keine Partei ergreifst. 

16.05.2017 um 16:04 Uhr

Ein regnerischer Dienstagmorgen

von: indalo

Es war ein Dienstag im Mai, ich war auf dem Weg zur Arbeit und es regnete. Es war ein sonniges Wochenende, was überhaupt nichts zur Sache tut. Ich weiß auch nicht, was es an diesem Morgen ausgelöst hatte, ich weiß nur, dass ich plötzlich handfestere Pläne machte. Ich gab dem ganzen einen Namen. Mein Lebensplan ist und bleibt der gleiche, er wird nur ergänzt. Ein zweites Standbein? Ein Traum? Allemal eine Vorstellung. Eine schöne noch dazu. Es war Dienstagmorgen und ich malte mir die Zukunft aus, meine Zukunft. Fragte und frage mich noch immer, was die Zukunft für meine Gegenwart bedeutet, was ich einbauen will, was später umgebaut wird. Da springen Gedanken durch meinen Kopf, die irgendwann Hand und Fuß bekommen. Oder auch nicht. Denn es ist wieder eins dieser Dinge bei dem es total egal ist, ob es Realität wird, allein der Gedanke macht mich glücklich. Das hier ist ein Luftschloss, und wer weiß, vielleicht werde ich ihm eines Tages Leben einhauchen. Doch dann möchte ich erzählen von diesem Dienstagmorgen, als mir der Name kam. Bis zum Nachmittag fielen mir weitere Namen ein, überlegte ich, wie es umgesetzt werden könnte. Ja, ich googlete sogar die ein oder andere Bestimmung, während ich meine heißbeliebten Waffeln aus Kokosmilch mit frischen Erdbeeren aß. Auch Mitarbeiter fallen mir schon ein, mein Hirn scheint wieder Kapazitäten zu haben, um weiter zu machen. Auch wenn du fehlst. Gestern noch viel mehr als all die Tage und Wochen davor. Dabei waren es zwei vollkommen unabhängige Situationen, ausgelöst durch Zufall. Du fehlst. 

15.05.2017 um 22:47 Uhr

Trauzeuge auf der Hochzeit der Ex am eigenen Geburtstag

von: indalo

…und das brauteigene Kind lehnt das Trauzeugendasein ab. Wie geht es einem wohl damit? Fast die Hälfte des Lebens schon die wichtigste Frau, alles hat er ihr gegeben, bis zum großen Knall. Dann gab es eine kurze, distanziertere Phase, doch noch bevor der nächste Mann auftaucht, geht es weiter wie zuvor. Und nun die Hochzeit auf der sie sich zur Standesbeamtin dreht und meint „Nee, der soll’s sein.“ und auf den anderen Mann im Raum zeigt. Denn ja, so wie heute der Raum betreten wurde, war überhaupt nicht klar, wen von beiden sie jetzt heiraten würde. Beinah wär’s der Falsche gewesen. Aber er hat seinen Personalausweis im Vorzimmer gezeigt und wurde dann mit falschem Namen als Trauzeuge eingetragen. Auch nach mehreren Jahrzehnten achte ich noch auf die richtige Schreibweise und nutze den Moment, indem er sich um sein klingelndes Handys kümmert, um die Standesbeamtin auf ihren Fehler hinzuweisen… Erstaunlich, wie das Leben manchmal spielt. Denn sie wollte ganz bewusst an diesem Tag heiraten, und eigentlich hätte sie ihn damals heiraten wollen. Stattdessen fahren sie nun zu dritt in den Urlaub, zumindest für ein paar Tage. 

„Er ist jetzt dein Stiefvater.“ - „Nein, ist er nicht.“ Und es folgten Diskussionen über Begriffe wie Stief- und Adoptivvater. Ich weigere mich, ihn als meinen Stiefvater zu betrachten, der letzte Mann ihrerseits ist es auch nie gewesen, und eine Stiefmutter akzeptiere ich genauso wenig. Diese würde nun gerne eine Mutterrolle einnehmen, aber was bin ich froh, dass zumindest er heute ebenso resolut ablehnte, mein Stiefvater zu sein. Da sind wir uns einig. 

07.05.2017 um 18:34 Uhr

Ich bin dein Alkohol

von: indalo

Manchmal fehlt einem die richtige Erkenntnis um in Worte zu fassen, was man doch eigentlich schon die ganze Zeit weiß. Und dies ist meine neueste Erkenntnis: Ich bin dein Alkohol. Ich bin dein Suchtmittel. Und: Du hast mich nie geliebt. Du hast es geglaubt, du hast danach gelebt, aber du hast mich nie geliebt. Du hast mich gebraucht, du warst süchtig nach mir, dachtest, du könntest ohne mich nicht leben. All das denken Alkoholiker über ihren Alkohol. Und du bist krank. Du hast kurzfristig anerkannt, krank zu sein. Hältst du dich jetzt für geheilt? Irrelevant. Für mich war einzig die Erkenntnis relevant. Es reichte nicht zu erkennen, dass du krank bist. Nicht für mich. Ich musste auch erkennen, dass ich für dich nichts anderes bin als das Suchtmittel. Und mit dieser Erkenntnis erkannte ich die Zukunft. Denn was machen selbst geheilte Alkoholiker mit Alkohol? Ihn aus der Ferne betrachten, aber nie wieder anfassen. Wie passend, wie treffend, denn genau das möchtest du, nicht wahr? Wie unpassend, dass genau diese Form der Beziehung für mich ganz persönlich nie in Ordnung war und aller Wahrscheinlichkeit auch nie sein wird. Entweder jemand ist in meinem Leben, oder eben nicht. Ich wehre mich gegen Beobachter und werde das auch weiterhin tun, weshalb du und ich immer weiter kämpfen werden. 

Und auch wenn du das nicht hören möchtest und vielleicht nie einsehen wirst, aber du hast mich nie geliebt. Und ein Teil von mir wusste das immer. Doch ich hätte einen Teufel getan, dir das zu sagen, denn es hätte dich nur verletzt. Du hättest nicht verstanden. Vielleicht wirst du es eines Tages verstehen, vielleicht gibt es dann doch Hoffnung. Doch ich werde auf diesen Tag nicht warten. Ich werde auf dich nicht mehr warten. Der Mensch, der du jetzt bist (und vielleicht immer warst), gefällt mir nicht. Und auch wenn mein tief verwurzelter Glaube, dass ich dich an die Melodie deines Herzens erinnern könnte (und sollte), immer wieder ums Überleben kämpfte, so kann kein Alkohol der Welt einen Alkoholiker heilen. 

06.05.2017 um 16:13 Uhr

Ich bin neidisch auf Anna und Marie

von: indalo

Gestern klingelte mal wieder das Telefon, als ich kurz davor war ins Bett zu gehen. Es ging um Müsli, selbstgemachtes. Und darum, dass der Mann nun umsteigen möchte und gesundes Müsli essen wird. Wie schön. Doch ich musste direkt das Thema wechseln, denn anderes beschäftigte mich. Das Sorgenpaar im Freundeskreis. Neue Informationen kamen ans Licht - oder waren es alte Informationen, die mir nur wieder in Erinnerung gerufen wurden? Ich bin mir nicht sicher, und es ist auch nicht wichtig. Wichtig ist nur, was nun passiert. Kann ich ihnen helfen? Ist es richtig, ihnen zu helfen? Und falls ja, welchen Weg soll ich nehmen? 

Wir quatschten also einige Zeit über Freundschaften, Veränderungen, das Leben. Und auf einmal sagte sie „Ich bin neidisch auf Anna und Marie.“ Etwas irritiert fragte ich bloß „Wieso?“ Denn was haben die beiden denn nun miteinander zu tun? „Weil du öfter bei denen bist als bei mir.“ Das verschlug mir kurzzeitig die Sprache. „Öhm…“ Ja, und dann kamen verschiedene Gedanken. Einerseits stimmt das so nicht unbedingt, andererseits hab ich im Herbst jedes Wochenende bei ihr verbracht und die anderen ignoriert, doch letztlich ist kein Argument davon irgendwie wichtig, denn ich nehme ihre Kritik an. Und das sagte ich ihr auch in diesen Worten. Und: „Ich sehe das Problem. …und vielleicht habe ich bald auch eine Lösung dafür.“ Sie kommentierte das nicht. „Danke, dass du mir das sagst.“ - „Ja, es ist irgendwie komisch, so etwas zu sagen.“ - „Ich weiß, aber dafür sind Freunde doch da.“ - „Trotzdem ist es komisch.“ Sicherlich. Und sie warf auch noch ein, dass es ihr gar nicht um sich selbst geht. Sie meinte damit, dass es ihr auch um ihren Sohn geht. Doch ich glaube, dass es ihr genauso um sich selbst geht. Es geht um beides. Und wenn ich die Lösung in den Händen halte - eine Lösung, an der ich seit ein paar Wochen arbeite - werde ich sie an dieses Gespräch erinnern. Aber ich möchte ihr keine Lösung versprechen, ich möchte sie ihr geben. Also Geduld, meine Liebe, Geduld. 

Und nicht nur das war eine tiefgreifende Aussage von gestern. Da passierte viel. Sehr viel. Doch zwei Sätze von Anna möchte ich festhalten. „Du stehst übrigens auf der Liste der Kita.“ Aha? Was für ne Liste? Die Liste derer, die ihre kleine Tochter abholen dürfen. Ohne mich zu fragen, haben sie mich auf die Liste geschrieben. Und sie erzählt es mir irgendwie auch nur nebenbei. Spannend, und bedeutend. Ebenso wie der Satz „Ich wünsche dir, dass du auch mal so eine tolle Freundin haben wirst wie ich.“, den sie kurze Zeit später zu ihrer großen Tochter sagt. Und ich genieße es, die drei zur Tanzstunde zu begleiten - und das nicht zuletzt weil die Leiterin unglaublich heiß ist!

01.05.2017 um 20:26 Uhr

Die Gesellschaft hat gewonnen

von: indalo

Der Kampf begann vor ein paar Jahrzehnten. Die Gesellschaft und ich. Es gibt Regeln, und es gibt Regelbrecher. Ich sehe manche Regeln einfach nicht ein, also breche ich sie. Ganz einfach. Und so kämpfte ich Jahr um Jahr. Und mein größter Kampf geht um Freundschaft. Denn überall geht die Familie vor, doch weder sah ich das je ein, noch tue ich es jetzt. Und nach langem Suchen fand ich Menschen, die - ohne es zu wissen - den gleichen Kampf kämpften. Wir kämpften gar nicht miteinander, wir lebten einfach unser Leben. Jahr für Jahr verbrachten wir miteinander, mit unseren Höhen und Tiefen, aber immer der gleichen Front gegen die Gesellschaft. Keiner glaubte uns, alle steckten uns in Schubladen und ich ging über Leichen in diesem Kampf. Denn wer mir nicht vertraut, wer mir nicht glaubt, dass wir einfach ganz besondere Freunde waren, der sollte gehen. Und so kam die Einsicht bei anderen, wir waren einfach nur Freunde, gute Freunde, die alles teilten. Ganz nebenbei gewann ich dann noch einen anderen Kampf, als eine Freundin sagte „Ihr bleibt. Für immer.“ Es war ein ruhender Kampf, der auch bestimmt ein Jahrzehnt anhielt. Doch ha, Gesellschaft, ich habe gesiegt. Es war kein lauter Sieg, es war ein leiser. Klammheimlich verließ ich triumphierend das Schlachtfeld. 

Doch, und vielleicht soll ich das daraus lernen, man sollte sich nie zu früh freuen. Denn urplötzlich habe ich verloren. Ich weigere mich noch immer, über eure Leichen zu gehen, doch ich muss erkennen, dass die Gesellschaft euch zurück erobert hat. Euch beide. Denn nicht nur du willst mich dazu bringen alles in Frage zu stellen, auch sie leugnet, was gewesen ist. Und ich bin mir so sicher, dass es gewesen ist. Es ist gewesen, und an diesem Wochenende wurde mir von einem Beobachter dieser Zeit unseres Lebens vehement, ohne große Aufforderung, bestätigt, dass es so war. Mit euch beiden. Wir drei waren ein tolles Paar. Das gibt mir Sicherheit, denn nicht nur hatte ich da einen Menschen vor mir sitzen, der zwar in der Gesellschaft lebt, mich aber versteht, sondern ich hatte auch noch die Bestätigung, nicht völlig verblendet durchs Leben zu laufen. 

In wenigen Stunden erzählte ich ihr die Geschehnisse der vergangenen Monate. Sie ist sprachlos, so richtig. Denn wie sagte sie mehrmals über die Tage verteilt? „Ich habe mit allem gerechnet, nur damit nicht.“ Und ich glaube ihr. Alles war möglich, aber das schien unmöglich. Und hätte man es mir prophezeit, so hätte ich gelacht. Laut gelacht. Denn das sah ich nicht einmal ansatzweise kommen. „Ich hab euch immer um eure Freundschaft beneidet.“ Mein Grunzen wurde als Lachen ausgelegt. „Lach nicht. Ich habe euch wirklich immer beneidet. Ihr wart so eng, so vertraut, ihr konntet euch alles erzählen, ihr wart immer füreinander da, und doch konntet ihr machen, was ihr wolltet, denn ihr wart Freunde, nicht in einer Beziehung.“ Und genau da erkannte ich, dass ich euch an die Gesellschaft verloren habe. Alle beide. Und ich bin mir sicher, dass es nicht daran liegt, dass ich euch als selbstverständlich betrachtet habe. Ich wusste, was ich an euch habe, ich habe euch eingeladen um zu feiern, was wir haben. Ich habe es (und euch) geschätzt, auch nach all den Jahren. Und genau deswegen mache ich mir auch keine Vorwürfe. 

Die Gesellschaft hat gewonnen, aber ich werde mich nicht geschlagen geben. 

Und während ich diese Zeilen einige Bahnstationen später wieder lese, möchte ich mir bereits widersprechen. Hätte ich gelacht? Womöglich. Aber ich wusste immer, ich ahnte immer, ich fürchtete immer das Ende dieses Traums. Dieser Realität. Ich glaubte an die Möglichkeit, ich glaubte an die Hoffnung, aber ich wusste auch immer, dass nur ein ganz bestimmter Faktor sich ändern müsste, und alles kopf stehen würde. Ich wusste es immer, auch in den letzten Monaten. Und doch trifft mich das jetzt mit so einer Vehemenz, wie ich sie nicht erwartet habe, nicht in Erwägung gezogen hatte. Denn es hat sich kein bestimmter Faktor geändert, und doch ist alles anders. Ich habe verloren. Dich. Dich und einen Teil von mir. Denn ich stand in Tränen vor dir und sagte: „Ich weiß nicht, ob du mir verzeihen kannst und willst. Ich weiß aber auch nicht, ob ich mir verzeihen kann.“ Und jetzt weiß ich zumindest eins. Ich verzeihe mir.