indalo

29.11.2017 um 20:19 Uhr

Die Nachricht mit Witz

von: indalo

Boa, bin ich k.o. Ich schleppe mich gerade von einem Tag in den nächsten. Ich falle zu Hause kaputt auf die Couch und lasse mich berieseln - doch selbst das ist mir zu viel. Irgendwann fällt mir auf, dass ich noch arbeiten muss und ich quäle mich dadurch. Alles auf die letzte Minute. Das ist so anstrengend, und es liegt diesmal echt nicht an falschen Prioritäten, es ist einfach nur sehr viel momentan. So auch heute, als ich am Nachmittag auf Arbeit bin und feststelle, dass echt gar nichts mehr geht. Mein Arbeitstag ist ein einziger Kampf, und heute wollte ich nicht mehr kämpfen. Ich kam nicht dagegen an, ich verließ den Raum und stellte mich in die kalte Luft. Ich war weder sauer noch genervt, ich war einfach am Ende meiner Leistungsfähigkeit. Und: Es war zu laut. Ich ertrug diese Lautstärke nicht mehr, und es war total egal an welcher Stelle ich versuchte, etwas gegen den Lärm zu tun, prompt kam es aus einer anderen Ecke. Ich fühlte mich so machtlos wie lange nicht mehr. Also führte mich mein Weg zum Chef mit der Bitte um andere räumliche Bedingungen. Morgen wird er dem Nachkommen, da bin ich mir sicher. Noch einmal mach ich diesen Lärm nicht mit. 

Doch das Schöne war das, was danach kam. Ich schleppte mich aus dem Gebäude und griff nach meinem Handy. Mehrere Nachrichten warteten dort auf mich und ich musste lachen. Eine amüsanter als die nächste - und das nicht, weil sie witzig gemeint waren. Teilweise waren sie mit Witz geschrieben („Ich hab ein paar interessante Lösungen zu deinem Matheproblem.“ *gg* ), aber teilweise auch einfach nur so persönlich wie die Sprachnachricht eines neuen Freundes, der hauptsächlich ins Telefon grummelt, weil seine drei Versuche mir eine lange Sprachnachricht zu schicken, alle abgebrochen wurden. Es war so echt, so authentisch, so nah.

Vor einigen Wochen sagte ich auf zwei Spaziergängen mit unterschiedlichen Personen, dass ich aufhören sollte und möchte, Menschen hinterher zu trauern/laufen, die mich nicht wertschätzen. Es gibt schließlich Leute in meinem Leben, die gerne Zeit mit mir verbringen, warum nicht also mit diesen meine Zeit verbringen. Und meine beiden Spaziergänger gehören zu diesen neuen Menschen, die gerne mehr Zeit mit mir verbringen würden. Die mich amüsierenden Nachrichten sind zwei weitere. Also ja, ich habe wirklich ausreichend Menschen in meinem Leben, die mir gute Laune machen können - auch an bzw. nach so einem Tag. 


27.11.2017 um 22:33 Uhr

Du Dieb du

von: indalo

Das macht mich fertig. Da sind immer noch und immer wieder so viele Gedanken zu. Böse Gedanken, gute Gedanken. Und Gefühle, positive wie negative. Es geht einfach nicht weg. Und das wird es wohl auch nie tun. Manche Dinge bleiben ein Leben lang. Kann ich das schon in so jungen Jahren sagen? Ja, kann ich. Denn manche Dinge sind mein Leben lang geblieben. Und auch wenn das gerade noch in den Anfängen ist, so ahne ich, dass es in fünf Jahren noch genauso gefühlvoll ist wie andere Dinge, die momentan fünf Jahre auf dem Buckel haben. 

Du und ich, wir harmonieren. Immer noch. Siehst du das? Fühlst du das? Willst du das? Ja, es dreht sich alles nur darum, was du willst. Es geht nicht um mich, ich kann nicht zulassen, dass es um mich geht. 

„Na, hast du dich auch schön unterhalten?“ hieß es neulich Abend im Auto. „Ja, wir haben uns nett unterhalten.“ - „Das ist doch schön.“ - „Nein, nicht wirklich.“ Und ich wusste nicht, was ich noch sagen sollte. Stille. Irritation. Er versteht es einfach nicht. Wie auch. „Es bringt mir nichts, mich unterhalten zu können. Es bringt mir nur neue Gedanken, neue Fragen. Als schön würde ich das nicht bezeichnen.“

Immer wieder stehe ich vor der Frage, ob ich einfach zu bockig bin, zu trotzig. Aber das ist es nicht. Ein Großteil ist Beherrschung. Denn auch wenn die Nachrichten mit nem anderen Freund sich am nächsten Tag nur wieder darum drehen, dass ich doch den Anstoß geben soll, so ist eins weiterhin glasklar: Das darf ich nicht. Wenn du und ich jemals eine Chance haben sollten - nein, Hoffnung mache ich mir darauf nicht - dann darf das nicht von mir ausgehen. Du musst es angehen und ansprechen, nicht ich. 

Und es ist so verdammt anstrengend. Denn ich bemerke jede noch so kleine Sache. Deine Hand auf meinem Rücken - was soll das? Es löst bei mir nichts aus, ich beobachte es nur. Denn im gleichen Flur legte mir mal jemand anders die Hand auf den Rücken, und das löste verdammt viel aus. Also nein, du löst einfach nichts bei mir aus. 

Und die Details auf die du achtest. Ich trinke meinen Cocktail bis auf den letzten Tropfen, bewege dabei den Kopf, bin wirklich und wahrhaftig nur bei mir - und du auch. Denn du reagierst auf mein Kopfschütteln, du beziehst es auf dich. Ich nehme das wahr, bemerke die Bedeutung, aber kehre wieder zu mir zurück um festzustellen, dass diese Verbindung zwischen dir und mir für mich keine Relevanz hat. Es gibt sie nicht mehr, nicht auf meiner Seite - bemerkst du das? 

Ich frage nicht nach den Rätseln, denn es ist offensichtlich, dass ich daran Interesse hätte. Ich frage auch nicht nach dem Bericht, wieso sollte ich? Von dir möchte ich nichts mehr. Ich komme nicht einmal auf den Gedanken, dich danach zu fragen. Und jetzt bietest du es mir an? Bin ich doch wieder in deine Gedanken eingezogen? Ist deine Bockigkeit jetzt vorüber? Erlaubst du dir wieder, für andere zu denken? Herrliche Normalität. 

Und das Zuwerfenwollen des Schlüssels. Sorry, ich brauche dich nicht. Denn beide Türen öffneten sich für mich, ohne deine Hilfe. Ja, ich stehe darüber. Du kannst uns begleiten, doch du gehörst nicht dazu. Und es interessiert mich nicht einmal, wie es dir damit geht, ob du es bemerkst, ob du es ignorierst. Wow, daran habe ich in der Tat keinen einzigen Gedanken verschwendet. Ja, ich führe Smalltalk und erzähle dir von dem Druckfehler. Ich gebe dir auch das Buch um es der Schwester eines ehemaligen Freundes zu geben - faszinierend, dass du auch nach über einem Jahr nicht weißt, dass die beiden verwandt sind. Mein altes Ich hätte mit dir gefühlt, hätte sich Gedanken darum gemacht, wie es dir damit geht, so offensichtlich außen vor zu sein. Krass, dass ich mich wirklich den ganzen Abend nicht um dich gekümmert habe. Esta parte ha muerto. De verdad. 

Ich halte fest: Ich bemerke, was du tust, aber ich fühle mich nicht mit dir verbunden.

25.11.2017 um 01:07 Uhr

Die kleine Schwester deines Schwarms

von: indalo

Wenn du die kleine Schwester deines Jugendschwarms siehst und denkst „Scheiße, sieht die alt aus!“, dann kannst du dir einer Sache sicher sein: Du bist alt.

22.11.2017 um 19:25 Uhr

Dieses Lächeln

von: indalo

Ein guter, guter Tag. Ein wichtiger Tag. Ein großer Tag. Ein ganz großer Tag. 

Heute habe ich mir einen Chef ausgesucht. Heute habe ich uns einen Chef ausgesucht. Oder: Heute habe ich den richtigen Menschen auf den Stuhl im Chefbüro gesetzt. Ha. Denn ich habe so viel mehr gemacht als der Betrachter von außen sehen konnte. Und auch wenn ich mich gerade heldenhaft erfolgreich finde, weiß ich, dass mein zukünftiger Chef heute die meiste Arbeit geleistet hat. 

Ich bin mit so vielen gemischten Gefühlen an diese Aktion rangegangen, dass es Bücher füllen würde, das alles auszuführen. Ich ganz persönlich möchte diesen Kollegen als Kollegen behalten und nicht an die Chefetage verlieren. Das habe ich ihm schon vor Monaten gesagt. Ich finde, dass wir ihn auf unserer Seite brauchen. Ich finde aber auch, dass wir jemanden wie ihn auf der anderen Seite brauchen. Also persönliche Gefühle hin oder her, das muss ich schlucken. Dann hatte ich zwar einen Favoriten, doch bin ich wirklich und ganz ehrlich ohne Vorentscheidung in diesen Prozess gegangen. Mich nervte nur, dass es eine Vorentscheidung gegeben zu haben scheint. Ganz unabhängig davon, ist meine persönliche Meinung, nicht einen Kollegen zum Chef zu machen, sondern von außen Kompetenz ranzuholen. Auch das spielte mit rein. Dass meine Kollegen alle unbedingt eine Frau auf dieser Position haben wollen, ließ ich dermaßen an mir abprallen, dass ich der Frau von ganz oben ins Wort fiel, als sie eben dies äußerte. Da sprudelte es aus mir heraus, dass ich das eben anders sehe. Zwar ist unsere Chefetage ausschließlich mit Männern besetzt, aber das ist für mich absolut kein Grund jetzt einer Frau den Vortritt zu lassen, einfach weil sie eine Frau ist. Ist nicht. Von fünf Bewerbern zog eine zurück, einer fiel aus biographischen Gründen raus und drei blieben im Rennen. Eine externe Frau mit Kompetenz - klingt doch ideal, nicht wahr? Und zwei Männer von uns. Moment, ich überspringe ein paar Schritte. Denn der Personalrat bat mich doch tatsächlich um ein Vorgespräch, worauf ich mit den Worten „Achso, man redet darüber vorher? Ich dachte, wir gehen da alle möglichst unvoreingenommen ran.“ reagierte. Erst sprach er mit dem Chef, dann mit mir. Das Wort loyal fiel. Joa, damit ist noch einmal bestätigt, dass der Chef einen Bewerber bevorzugt. Nämlich den, der ihm absolut loyal ist. Will mich jetzt ernsthaft der Personalrat dazu überzeugen, dem zu folgen? Ich war fassungslos und tat dies auch kund. So nicht. Nicht mit mir. 

Und dann begann die Schlacht. Erst sie, dann die Männer und dann der andere. Und doch, der ist erwähnenswert. Er betrat den Raum, als Einziger schüttelte er allen die Hände und dann, während er sich darstellte, ließ er die Augen nicht von mir. Oha. Was soll das denn jetzt? Ich war eine von sechs Personen am Tisch, und er redete für eine so lange Zeit nur mit mir, dass mein Chef sich rüber beugt um meinen Gesichtsausdruck zu sehen und seine Irritation kundzutun. Es gab kurzzeitig den Gedanken, meinerseits klarzustellen, dass ich diesen Mann da noch nie gesehen habe. Ich verwarf ihn wieder und schaffte es auch, durch Gestik und Mimik dem Bewerber deutlich zu machen, dass dies nicht der Weg sei. Was in aller Welt hatte der bloß mit mir? 

Tja, und dann passierte so viel. Ich wusste, wohin ich wollte, ich ahnte, was der Weg sei, und ich ging ihn. Es gab Zweifel an meinem Favoriten, von denen wusste ich nun, Loyalität war gefragt. Und ich halte diesen Mann für absolut loyal - doch meine Mitmenschen scheinbar nicht. Also musste ich ihn dazu bekommen, seine Loyalität zu kommentieren - und das ohne ihn zu fragen. Was also tun? Eine Frage so stellen, dass er ins Schwanken gerät, dass er Themen anreißt und damit die Frage aus dem Chef raus zu kitzeln. Ich bin mir nicht sicher, ob der Chef sowieso gefragt hätte. Ich weiß es schlicht weg nicht. Aber es hat alles einwandfrei geklappt. In mir begann die Party, als er neben mir zuckte und sagte „da möchte ich einhaken“, denn es war die Steilvorlage, die er mit Bravur genommen hat. Herzlichen Dank. Ich habe gewonnen, ich habe erreicht, was ich für richtig halte, und ich meine, ich habe dazu sogar beigetragen. Egal wie, es war ein voller Erfolg. 

Die Nachbesprechung war auch faszinierend, da ich zwar wie gesagt keinen großen Wert auf eine faire Geschlechterverteilung lege, aber auf verschiedene Typen. Es müssen unterschiedlichste Charaktere vertreten sein um die große Bandbreite zu treffen, und das wollte ich deutlich machen. Ich hatte den Eindruck mich um Kopf und Kragen zu reden, ein wenig durchs Minenfeld zu laufen, aber mich auch aufs Glatteis zu begeben. Ich bin nicht eingebrochen, es ist keine Mine hochgegangen, ich bekam Zustimmung und Verständnis. Tschakka. Nur später, als der Chef zum Stellvertreter meinte „Indalo hat sich auch gut geschlagen“, blieb mir nur die amüsiert genervte Aussage „Dass ihr das wie die Kinder macht… immer dieses Schleimen“. Da hieß es von meinem Chef grinsend „Ich meinte das Ernst. Weißt du manchmal nicht, wie ich etwas meine?“ - „Äh, öh.“ Stille. Er guckte mich an, immer noch mit diesem Grinsen - was ist das eigentlich für ein Grinsen? „Naja, wenn ich etwas anders verstehe als du es meinst, woher soll ich wissen, ob ich es anders verstehe, wenn ich doch nicht weiß, was du meinst?“ - „Ja, also… wir haben ja noch genug Gelegenheiten um darüber mal zu reden.“ Oha. Ist da irgendwie meine Aussage von einem der Auswertungsgespräche hängen geblieben? Da verteidigte ich den einen Bewerber, dass er in der Rolle des Kollegen kein klärendes Gespräch geführt hat, weil man auf gleicher Ebene das nicht unbedingt muss, er aber eben noch nicht so weit dachte, dass er das als Chef tun sollte. Ich glaube, da klingelte es in den Ohren meines Chefs. Mal sehen, was daraus wird. 

Und dann trafen wir einstimmig eine Entscheidung. Gut so. Ich möchte händereibend, verschmitzt grinsend da sitzen. Doch stattdessen räume ich lieber auf und bringe die Tassen zurück. Auf dem Weg werde ich begleitet, und als ich mich von einem meiner Mitstreiter verabschiede, höre ich plötzlich folgende Worte: „Als ich dieses Lächeln sah, wusste ich sofort, dass ich es wieder sehen möchte und fragte mich, was ich tun könnte, um es möglichst oft zu sehen.“ Ganz ehrlich? Auch wenn ich schon fürchtete (nicht nur ahnte), dass er mich meint, wollte ich das noch nicht wahrhaben, und schlug ihm das Lächeln des heutigen Gewinners vor. Er grinste und sagte „Nein, dieses Lächeln.“ Und ja, ich grinste. Aber was in aller Welt? Ist das gerade sein Ernst? Will der wirklich mit mir flirten? Also, flirtet der gerade mit mir? Hilfe, wie komme ich da bloß wieder raus? 

Man, war das schräg. Möge er nicht so schnell wieder bei uns auftauchen. Das ist mir nichts…

Der glückliche Gewinner bedankte sich noch bei den anderen Teilhabenden, doch ich ging einfach weiter, denn wenn ich ihm gratuliere, dann richtig. Nicht vor Zuschauern. Ich glaube, das verstand er, weshalb er mir tatsächlich einige Zeit später folgte. Wir haben - bis auf eine zaghafte Umarmung zum Geburtstag - keine körperliche Ebene. Doch als er den Raum betrat, umarmte ich ihn einfach nur. Und lange. Krass, wie lange. Hach ja. Das tat gut. Er ist der richtige für diesen Job, auch wenn wir seit Anbeginn unserer gemeinsamen Arbeit oftmals sehr konträre Standpunkte haben, so halte ich ihn für genau richtig. Auch wenn jetzt noch mehr Baustellen entstehen, so finde ich nicht falsch, dass er jetzt die Seiten wechselt. Und ich konnte mir auch nicht verkneifen, ihm zu sagen „Ich hab dich noch nie nervös erlebt.“ Und er lächelte. Ich mag den Mann. Und ich war ein wenig froh, dass er nicht meinen Lieblingspullover angezogen hat - sonst hätte ich ihm unlautere Beeinflussung unterstellt. 

Ach, und dann war da noch anschließend das Gespräch mit einer jungen Kollegin. Wie sie lächelte, wie sie strahlte, aber auch, wie sie mich sorgenvoll und gefühlvoll ansah, als wir über eine sehr dunkle Zeit meines Lebens sprachen. Es war kein langes Gespräch, sie steckt nur gerade in der Situation in der ich damals steckte, wenn auch ganz anders, denn ihr Leben ist gerade positiv. Und sie guckte mich an „Wie hast du das damals durchgestanden?“ und mir blieb nichts anderes übrig als zu sagen „hab ich nicht, gar nicht“. Boa, meine Augen wurden feucht, sie guckte mich weiter so an. „Du siehst, dass mich das immer noch beschäftigt. Das hab ich nie verarbeitet, das will ich auch gar nicht mehr. Es geht mir gut, jetzt und hier, in der Gegenwart.“ Sie nickte. „Wie lange ist das her?“ - „Fünf/Sechs Jahre.“ Oha. 

 

Das ist die Vergangenheit. Das war nicht gut, das wird auch nicht mehr gut werden. Aber das muss es auch nicht, denn es ist vergangen. Und in der Gegenwart, gerade heute, fühle ich mich gut. Und Lächeln fällt mir heute besonders leicht. 


21.11.2017 um 21:59 Uhr

Du und ich - wir müssen reden

von: indalo

Heute wurde es wieder sooo offensichtlich. Ein Teil von mir ist fasziniert, ein anderer schockiert, der nächste irritiert und ein weiterer verletzt. Der faszinierte Part hofft noch darauf, dass du dieses Gespräch initiierst, der Schockierte ist zu entsetzt um sich zu äußern und der Irritierte zu verwirrt ob all der Optionen. Naja, und der Verletzte weiß nicht so richtig, was er zu sagen hat. Denn sicherlich möchte dieser Teil reden, doch er sollte nicht der Initiator des Gespräches sein, aber um seinetwillen muss das insbesondere geklärt werden. Aber genau dieser Teil fürchtet, dass es keine Lösung gibt. Oder dass ihm die Lösung nicht gefällt. 

Es ist eine Achterbahnfahrt. Und ich sitze nicht am Steuer. Ich entscheide ja nicht einmal, ob ich einsteige. Ich fahre blind, denn ich sehe nicht, wann etwas kommt, geschweige denn, was kommt. Aber heute kam wieder die Breitseite. Es war eine, auch wenn ich sie keineswegs verdient habe. 

Da nahm sich der Klugscheißer von Chef nen gelben Marker mit der Aussage „Dann wollen wir deine subjektive Wahrnehmung doch einmal gerade rücken.“ Oder so ähnlich. Er sagte „subjektive Wahrnehmung“, und er sagte nicht „überprüfen“. Er sagte es so, dass klar war, dass meine Wahrnehmung nicht den Tatsachen entspricht. Deutlich, wörtlich. Er grinste dabei nicht, aber er fühlte sich siegessicher. Und er nahm die Liste, auf der er jeden Namen, den er nicht zuvor im Gespräch mit mir durchstrich und markierte ihn gelb. Es hätte auch gereicht, einfach zu zählen, aber er musste - siegessicher wie er ist - es farblich hervorheben. Ich möchte sagen, dass ich meinen Augen nicht traute - aber es wäre gelogen. Denn ich traute meinen Augen und zählte mit. Ich verzählte mich, zählte noch einmal nach und als er am Ende ankam, sagte ich „Dreißig.“ - „Hast du mitgezählt?“ Statt einer Antwort gab ich einen äh-ähnlichen Ton von mir. „Indalo, was ist das denn für eine Antwort?“ hieß es, als er selbst zu zählen begann. Und während er dies tat, gab ich nur „naja, ich hab mitgezählt, aber mich dann verzählt, also dann noch einmal nachgezählt, das wäre also weder Ja noch Nein als Antwort auf deine Frage und damit zu lang“ von mir. Ob er dies wahrnahm, ist nicht wichtig. Wichtig ist jedoch, dass er selbst „Dreißig.“ sagte. Ein wenig niedergeschlagen, möchte ich behaupten. Und ich konnte mir ein „Sagte ich nicht, dass dreißig Kollegen fehlen?“ nicht verkneifen. Er nickte resigniert. 

Wir müssen reden. Denn ich kann beim besten Willen nicht damit umgehen, dass man mich für hysterisch hält. Oder für übertrieben bzw. übertreibend. Ich kann aufbrausen, ich kann mich aufregen, ich kann mich in etwas reinsteigern, aber verdammt nochmal, ich kann das alles sehr gut trennen und meine beruflichen Anliegen sachlich formulieren und darstellen. Und wenn ich sage, dass sich dreißig Kollegen nicht beteiligt haben, dann ist das verdammt noch mal keine Übertreibung. 

20.11.2017 um 22:57 Uhr

Nass, kalt, doof - Ende November und Weihnachten naht

von: indalo

Das ärgert mich. Darf es das? Klar. Dürfen darf es alles. Sollte es das? Nein. Warum tut es das trotzdem? Wenn ich das bloß wüsste… Aber ich weiß es doch! Weil ich verletzt bin. Immer noch. Weil es weh tut. Immer noch. Und du hast da verdammt nochmal nichts zu suchen. Und auch nicht auf so naive, unschuldige Art daran zu erinnern. Niemand, den das interessiert, braucht dafür eine Erinnerung. Du wolltest doch nur sagen, was du an dem Abend machst. Dann schreib das doch! Nicht so hintenrum, von wegen du würdest an die anderen denken. Pah!

Doch viel mehr als deine falsche Nachricht ärgert mich, dass ich mich über mich selbst ärgere. Das weiß ich wohl. Dazu bin ich reflektiert genug. Doch diese Fähigkeit zur Selbstreflexion hilft mir nicht dabei, das zu ändern. Die Reaktion ist da. Sie war es auch im letzten Jahr. Sie geht nicht weg. Und ich weiß einfach nicht, was noch passieren muss, damit diese Wunde mal abheilt. 

Es ist die falsche Jahreszeit. Es ist dunkel und nass. Den ganzen Tag. Selbst mitten am Tag ist es dunkel draußen, wie in der Dämmerung. So richtig hell wird es momentan nicht. Und ich mag Herbst, ich mag das Rascheln des Laubes. Aber seit wann raschelt nasses Laub?


Es gibt so viel, das mich frustriert. So viele Ärgernisse, große wie kleine. Und trotzdem freue ich mich wie ein kleines Kind über den strahlenden Regenbogen am Samstag. Über den Doppelregenbogen! Ich erfreue mich daran mit meinem Patenkind Kekse zu backen, und es erfüllt mein Herz, mit ihr allein Kekse zu backen. Ohne Mama und Papa. ICH backe mit IHR Kekse. Ich bin nicht nur Beiwerk, es geht um mich. Schon in der Vorfreude darauf initiiere ich wagemutig ein großes Keksbacktreffen mit dem ganzen Freundeskreis. Ich bin euphorisch, bis diese blöde Weihnachtsfeier geplant wird. Da zerfällt wieder alles und ich bin einfach nur genervt. Ich fühle mich respektlos behandelt und ignoriert. Nicht nur ich persönlich, sondern das Gesamte. Nichts davon empfinde ich als Attentat auf mich, und trotzdem bin ich genervt. So sehr, dass ich ganz absagen will. Und vielleicht auch werde. 

12.11.2017 um 13:27 Uhr

die eingeforderte Umarmung

von: indalo

Es sind die kleinen Momente, die einen daran erinnern, was wirklich wichtig ist. Es sind die Momente, die einem niemand nehmen kann. Und was ist ehrlicher als ein Kind? 

Dass ich ein Magnet für Kinder bin, das weiß ich schon ziemlich lange. Manchmal ist es mir mehr bewusst, manchmal weniger. Doch dieses Kind, dieser Blondschopf mit den braunen Augen, der hat mir in diesem Jahr schon so viele Liebeserklärungen gemacht, dass ich es wirklich nicht mehr abstreiten kann. Vom ersten Moment an hat er damit begonnen, einfach so. Erklären kann ich es mir nicht, aber fühlen. Und gestern, als ich ankam, zeigte es sich wieder so deutlich. Er wollte sich am Freund der Familie nur vorbei zwängen, um zu mir zu gelangen. Der Freund interpretierte seine Annäherung als Wunsch umarmt zu werden, doch das war es nicht. Als er ihn umarmte, wehrte der Zwerg sich vehement, nicht, weil es ihm unangenehm war, sondern weil er dadurch aufgehalten wurde. Und er wollte doch einfach nur zu mir. Die durchgestreckten Arme, das Abdrücken vom anderen sowie der irritierte und genervte Gesichtsausdruck sprachen Bände. Und so Leid es mir für den Freund tut, so sehr ehrt es mich. Ich stand einfach nur da, und beobachtete. Na, und die Umarmung, die der Kleine dann heute von mir einforderte, die genoss ich umso mehr. Denn er warf sich an meine Beine, bis ich in die Hocke ging und er sich in meine Arme werfen konnte. Faszinierend. Wohltuend. Liebevoll. 

In mir ist so viel. Manchmal habe ich den Eindruck, kurz vor dem Bersten zu sein. Danke für dieses volle Leben. Auch wenn ich auf manches Verzichten könnte, so gehört es dazu. Es ist sonderbar, und doch auch irgendwie normal. Und mich lässt der Gedanke nicht los, dass ich diese Konstellation nur allzu gerne in einem Buch festhalten wollen würde. Ich möchte anderen zeigen, was alles möglich ist, dass es möglich ist. „Es ist schön, dass wir alle so entspannt darüber reden können. Es fühlt sich richtig an.“ Das stimmt. Auch wenn wir nicht über alles reden, so wurden gestern Abend weitere Dinge auf den Tisch gelegt. Ich wurde überrascht und bekam wieder ein großes Paket zum Analysieren. Doch ich werde nicht aktiv, ich habe nichts zu klären, ich lasse es laufen und irgendwann vielleicht, wenn es passt, dann reden wir weiter darüber, öffnen uns mehr. Oder auch nicht. 

Das ist innere Ruhe.

08.11.2017 um 22:10 Uhr

Sadness

von: indalo

Heute war wieder einer dieser Tage… Habe ich die eigentlich öfter? Oder kommt mir das nur so vor? Es war wirklich ein höllischer Tag. Meine Beherrschung hielt durch, aber es gab mehrere Momente, in denen ich nur tief durchatmete. Es gab auch Momente, in denen ich einfach nur schlucken konnte. Alles runter schlucken. Meinen Ärger und meine Verzweiflung, denn letztlich hing es einfach mit meinem Unvermögen zusammen, mit Ungerechtigkeiten umzugehen. Und heute wurden mir Stöcker zwischen die Beine geworfen, mehrere. Und das nicht absichtlich, ich glaube wirklich, dass niemand mir etwas Böses wollte. Es war einfach nur eine Aneinanderreihung ziemlich ätzender Dinge. Alles begann damit, dass der Chef auf mich zukam, weil eine andere wichtige Instanz eine Beschwerde über mich weiterleitete. Damit konnte ich im ersten Moment überhaupt nichts anfangen. Im Laufe des Tages - eben durch die Aneinanderreihung sämtlicher Zufälle - ärgerte es mich. Nicht mein Chef, nicht die Art und Weise wie er die Sache handhabte, sondern der Umstand, dass da mal wieder mindestens drei Ebenen übersprungen wurden. Warum höre ich von dieser Beschwerde von meinem Chef? Weder mit mir, noch mit Kollegen, noch mit sonst irgendwem wurde das Gespräch gesucht. Das macht mich fassungslos. Und traurig. Warum ist eigentlich niemand mehr in der Lage ein ganz normales Gespräch zu führen? Ich fühle mich gar so, als wäre man mir mit Anwalt gekommen. Einen Unterschied würde es jedenfalls nicht mehr machen. 

…ach, da ist sie ja. Die Verzweiflung. Hallo. Schön dich zu sehen? Naja, schön zu sehen, dass es dich noch gibt. Oder warte. Eigentlich bist du Kummer. Oder Traurigkeit. Hey Sadness, wie geht’s dir? Fühlst du dich vernachlässigt? Es tut mir Leid, dich manchmal zu ignorieren. Aber ich gebe dir gerade Raum, denn auch du brauchst ihn manchmal. Das ist okay. Heute ist kein Weltuntergangstag, es ist einfach nur ein ganz besonders blöder Tag. Und das obwohl ich heute einen Euro gefunden habe. Und man mir zugehört hat. Auf Arbeit. Denn auf dem Heimweg war für mich eins klar: Ich möchte über den heutigen Tag nicht reden, ich möchte nur in den Arm genommen werden. Es bringt mir nichts, den Tag Revue passieren zu lassen, es bringt niemandem etwas. Also will ich auch nicht telefonieren. Ich möchte eine Umarmung. Ich möchte wissen, dass es Menschen gibt, die einfach da sind. Und dann bekam ich ein Video meines Patenkindes: „Indalo, ich hab ein Delphinbild für dich.“ Ja, es bringt mich zum Lächeln. Es macht nicht alles wieder gut, aber ich kann mich darüber freuen. Und ich kann dem Gefühl nachgehen, welches immer mal wieder nach Luft schnappt. Denn da gab es doch den Menschen, der einfach nur für eine Umarmung vorbei kam. Das war gut, doch auch wenn ich ihm heute schreiben wollte, so habe ich es nicht getan. Denn das hat er mir genommen, das kann ich nicht mehr tun. Und auch das macht mich traurig. 

Verflixte Gesellschaft. Und verflixte Ansprüche an mich selbst. Denn wäre ich nicht so, wie ich bin, wäre das alles gerade so viel leichter zu ertragen. 

Achje, da war ja inmitten diesen Unwetters heute noch die kurze Sequenz mit folgender Ansprache: „Indalo, ich würde gerne mit dir reden. Als Vertrauensperson. Wann hast du Zeit?“ In mir stoppte für einen Moment alles, das Gewitter blendete ich gänzlich aus, doch das brachte den anderen aufziehenden Sturm wieder ins Blickfeld. Was mich bei diesem Gesprächstermin erwartet, kann ich mir nicht ansatzweise vorstellen. Ich managte das dermaßen gelassen und professionell, dass man mir die aufkeimende Panik nicht anmerkte. Aber im Grunde gab es nur einen Gedanken: „Was auch immer da auf mich zukommt, ich fürchte, dass meine Reaktion sein wird, dass ich derzeit die absolut falsche Person bin um  für irgendwen etwas zu regeln.“

06.11.2017 um 22:05 Uhr

Eine Baustelle folgt der nächsten

von: indalo

Mein Hirn macht Purzelbäume, das ist kaum auszuhalten. Ich fühle mich wie ein kleines Kind das von jedem vorbei fliegenden Flugzeug total aus dem Konzept gebracht wird. Das ist doch nicht normal. Nur sind meine Flugzeuge verschiedenste Projekte. Viele davon hab ich selbst angeleiert, dessen bin ich mir bewusst, aber über manche bin ich einfach nur gestolpert. Und heute verbrachte ich auf Arbeit mal wieder ein paar Stunden mit Gesellschaftskritik. Oder war ich Kummerkasten? So genau weiß ich das nicht, ich habe jedenfalls unheimlich viele neue Informationen bekommen, die mein Hirn irgendwie verarbeiten möchte. Möchte, denn es kommt nicht dazu. 

Dann ging ein Kollege an mir vorbei, in Gesellschaft anderer Menschen und sagte „Wie hieß das noch? BSD? CDF? AZG? Sag doch mal.“ Und auch wenn er einfach nur Selbstgespräche hätte führen können, so wusste ich, dass er MICH fragt. Und ich hatte nicht einmal ansatzweise eine Ahnung, worum es ging. Dies äußerte ich auch, woraufhin es nur hieß „Doch, das weißt du. Sag doch mal.“ Und auch wenn das ein Witz sein könnte, so war es Ernst gemeint. Aber dafür fehlten mir die Kapazitäten - und standen da nicht noch zig andere Leute? Ich ging kopfschüttelnd weiter während er mir nochmal hinterher ruft, dass ich das sicherlich wisse. Er war nicht böse, gar nicht. Er war sich einfach sicher. Einige Zeit später lief ich ihm noch mal allein über den Weg und schlug ihm zwei Abkürzungen vor - denn, oh Wunder, mein Hirn arbeitete weiter an dem Problem. Er lachte und nach ein paar Sätzen hieß es „Danke, dass du weiter darüber nachgedacht hast. Wobei das wohl nicht ganz freiwillig war.“ Und damit hat er sooo Recht. Auch wenn ich gewillt bin ihn zu unterstützen, so wollte ich in dem Moment darüber nicht nachdenken. Aber ich konnte nicht anders. Blödes Gehirn. Wieso macht mein Hirn eigentlich, was es will? 

„Du bist ein Kontrollmensch.“ hieß es gestern, als die Hypnose fehlschlug. Und die wollte man doch überhaupt nur ausprobieren, weil mein Kopf-Gefühl-Debakel so interessant wirkt. Muss ich mich jetzt dafür entschuldigen? Der Hypnose stand ich skeptisch gegenüber, aber ich war gewillt, mich darauf einzulassen. Ob das nun etwas mit Kontrollmensch zu tun hat, weiß ich nicht. Aber wenn ich doch so ein Kontrollmensch bin, wieso kann ich dann mein Hirn nicht kontrollieren?

Es ratterten noch zig andere Dinge durch meinen Kopf. Unter anderem stellte ich einem Chef der mittleren Etage eine Frage, die ich mit den Worten „Ich versuche gerade mein Selbstbild mit meiner Außenwirkung in Einklang zu bringen“ einleitete. Feingefühl gehört nicht zu den Fähigkeiten, die ich ihm zuschrieben würde, aber zu meiner Überraschung hat er es zum zweiten Mal in diesem Jahr bewiesen. Und meine Frage wurde dahingehend beantwortet, dass mein Selbstbild in diesem Zusammenhang mit der Außenwirkung identisch ist. Er setzt sogar noch einen obendrauf: „Das sieht man dir auch an!“ Und ich lachte. „Ja, ich weiß. Das find ich auch gut so.“

Ein wenig irritierte ihn meine Nachfrage, aber mehr als Umreißen wollte ich es nicht. Mal sehen, was da noch folgt. 

Baustellen über Baustellen. Aber ich kann keine davon ruhen lassen, sie bauen doch aufeinander auf und sind miteinander verknüpft. So habe ich nun zwar meinen Führerschein in der Tasche, aber jetzt möchte ich lernen, wie motorisierte Gerätschaften funktionieren. Was steckt dahinter? Und warum können wir nicht alles selber tun? Wollen andere das wirklich nicht wissen? Warum nicht? Und warum will ich das einfach wissen? Ich habe mir das nicht vorgenommen, aber auf einmal steht das auch auf dem Programm. Seit heute.

06.11.2017 um 01:11 Uhr

Moe Benelli

von: indalo

Das war ein langer Tag. Erst verlasse ich total überstürzt das Haus, weil ich etwas mehr als eine Stunde mit Bus und Bahn zu einem Ort brauchte, an dem ich mich motorisieren möchte. Auf dem Weg dahin machte ich mir Gedanken darüber, wie überstürzt ich eigentlich das Haus verließ, es nun aber zu spät sei und ich ziemlich sicher das Gefährt kaufen werde, egal was die Mängel sind. Wenn es fährt, fährt es. Auch wenn es womöglich langsam ist. Hauptsache die Papiere sind da. So meine Gedanken. Schlechte Voraussetzungen für eine Verhandlung, aber nunja. Ich kam an und wurde mit den Worte „ich nicht gut deutsch“ begrüßt. Bingo. „My cousin comes.“ Aha. Mehr englisch war aber auch nicht drin. Da stand nun das Gefährt, und wir voreinander. Hände und Füße sind tolle Hilfsmittel. Ich fuhr das Ding kurz Probe, es lief, passt schon. Achja, Licht und Blinker kontrollieren. Mist, er sagte, die Batterie gehe nicht. Das hat zur Folge, dass kein Licht funktioniert. Öhm… joa. Und nun? Kaufe ich die Katze im Sack? Das Ding ist spottbillig und nun bin ich hier. In eineinhalb Stunden muss sich wieder zu Hause sein, mit der Bahn komm ich definitiv zu spät, laut online Karten sollte ich es motorisiert jedoch schaffen. Ich will nicht zu spät kommen, also kauf ich das Ding einfach. (Ja ich weiß, dass ich bekloppt bin.) Und so handelte ich noch ein wenig den Preis runter und unterschrieb kurzerhand einen Kaufvertrag. Himmel, was tue ich hier eigentlich? Und wie komme ich wieder nach Hause? Kurz fuhr ich im Kreis, befragte mein Handy und stellte fest, dass ich tatsächlich in meine Vergangenheit reisen muss um nach Hause zu kommen. Nicht nur meine letzte Fahrstunde führte mich an fast allen Wohnungen vorbei in denen ich hier in der Gegend wohnte, auch meine erste alleinige Fahrt führt mich durch mein Leben - das ist echt komisch. Statt der guten Stunde brauchte ich letztlich drei Stunden nach Hause. Das Ding ist mir öfter abgesoffen als ich zählen konnte, eine Ampel habe ich fast übersehen und zwei bis drei rote Ampeln waren dabei, aber anscheinend habe ich keinen Autofahrer verärgert, denn zumindest hat niemand gehupt. Es war abenteuerlich, aber ich schaffte es endlich auf den Deich, meinen Deich, und fuhr ihn vom Anfang bis vor die Haustür. DAS will ich doch die ganze Zeit schon machen. Und nun hab ich es gleich am ersten Tag getan. Erledigt. In die Wohnung gesprungen, ein Glas Sauerkraut und Quinoa Happen in Halloween Deko geschnappt und direkt weiter zu Freunden. Dort leckerste Pizza (roh!) gegessen, nen Spaziergang gemacht und dann festgestellt, dass ich im Dunkeln ja mal gar nicht ohne Licht fahren sollte. Die Vernunft hat gesiegt, stattdessen bestieg ich ihr Rad und nahm dies mit nach Hause. Ein tolles Rad, mit Licht und Gangschaltung. Doch ich kam nicht umhin zu denken, dass ich mich auf meiner persönlichen Fahrradstrecke im Dunkeln ohne Licht am Fahrrad wohler fühle als mit. Ganz im Ernst. Der Lichtkegel ist mir zu grell, zu klein und zu fokussiert. Wenn ich ohne Licht durch die Schrebergärten fahre, nehme ich alles um mich herum wahr, ich werde nicht geblendet von dem Fleck hellen Untergrunds direkt vor dem Rad. Also wirklich weiter ohne Licht Rad fahren. Aber auf den Straßen glaube ich, fahre ich lieber mit Licht. Denn nur weil ich auf dem Rad wie ein Henker fahr, muss ich das ja nicht auf dem Roller tun. So, zu Hause angekommen hab ich gleich noch einige Stunden gearbeitet und versucht, sämtliche Irrwege meiner Gedanken zu stoppen. Dabei ist da sooooo viel los. Unter anderem die Feststellung, dass ich zwar nun ein motorisiertes Gefährt habe, aber dies bei Freunden vor der Tür steht. Wie komisch. Wenn ich mich morgen auf den Weg zur Arbeit mache, wird vermutlich auf Höhe der Parkstraße (von parken, nicht vom Park) die Frage auftauchen: „War das alles nur ein Traum?“

04.11.2017 um 12:20 Uhr

Kriegserklärung vs. Potentialanalyse

von: indalo

Du lieber Himmel. Da geht schon wieder zu viel in mir ab. Viel zu viel. Und mit wem soll ich reden? Mit wem darf ich reden?

Tief durchatmen. 

Nachdem mein Chef mir gestern den Krieg erklärte - oder warte, eigentlich hat er sich bereits als Gewinner dargestellt - geht heute noch mehr durch meinen Kopf. Über dem Fußvolk gibt es drei Ebenen. Den Chef, den Stellvertreter und dann in der dritten Ebene ein paar Leute im gleichen Team. Der Chef ist neu, die Chefin hat uns kürzlich verlassen. Und nachdem wir vor ein paar Wochen eine Auseinandersetzung hatten, die für mich nicht endgültig geklärt ist, sitzt er gestern zurückgelehnt auf seinem Stuhl und verkündet „Hier bin ich der Chef. Das mag einigen Leuten nicht gefallen, aber so ist das nun einmal.“ Offiziell bezog er sich damit nicht auf unseren Konflikt, aber ich habe den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden. Doch was ich aus diesem Stück Holz nun zaubere, das steht in den Sternen. Auch für mich ist dies noch nicht klar. Erschwert wird die Situation nun jedoch dadurch, dass ich ihm gerne eine Weile aus dem Weg gehen würde, wir aber auf zwei Ebenen gerade eng zusammen arbeiten sollten. Denn sein Team braucht Nachwuchs und ich wurde von den Kollegen dazu auserkoren im Bewerbungsverfahren meine Stimme geltend zu machen. Momentan kann ich deutlich sagen, dass das unserem Chef gar nicht in den Kram passt. Witzig (oder eher ironisch) ist aber auch, dass ganz egal wofür ich stimme, seine Entscheidung endgültig ist. Auch das erwähnte er gestern. Und seine Körpersprache war deutlich: „Du kannst mir gar nichts.“ 

Argh. Dies ließ ich gestern unerwähnt, auch wenn es definitiv erwähnenswert gewesen wäre. Heute überwältigt mich etwas anderes. Denn nun habe ich die Bewerbungsunterlagen vor mir liegen. Zwei habe ich gelesen und hatte eine Meinung. Dann kam die dritte Bewerbung und ich geriet ins Schwanken. Denn einige Dinge wurden mir sehr deutlich. Mein Chef bat mich gestern zu diesem Gespräch um mir gewisse Informationen, die nicht in den Unterlagen stehen, mitzuteilen. Bösartig wie ich bin, erfragte ich, ob die Reihenfolge der Lebensläufe relevant sind. Er ruderte sofort zurück, dass dies total willkürlich sei - komischerweise stimmt sie jedoch nicht mit der Reihenfolge der Termine überein. Und alphabetisch sind sie auch nicht. Gestern wollte ich ihm noch glauben, dass er - bis auf die beiden letzten - keine Rangfolge hat. Bezüglich der beiden letzten machte er seinen Standpunkt deutlich. Heute weiß ich, dass dort eine Rangfolge besteht. Die oberste Bewerbung soll erfolgreich sein, und ich weiß nicht, wie ich das verhindern kann - mal abgesehen davon, dass ich ja noch gar nicht weiß, ob ich es verhindern will. 

Was bringt mich zu meinem sicheren Wissen? Die Arbeitszeugnisse der Bewerber. Sie sprechen Bände. Zumindest diejenigen, der internen Bewerber. Was da nicht alles steht oder nicht steht. Und: Was im Vergleich dazu bei mir steht. Der Wahnsinn. Aus purer Neugier griff ich zu meinem letzten Arbeitszeugnis und verglich die Potentialanalyse. Der Stellvertreter hat sie geschrieben. Sowohl meine als auch die meiner Kollegen. Und ich kann es nicht fassen: Mein Potential wird am Höchsten eingeschätzt - auch im Vergleich mit Externen. Denn ich soll nicht nur ins Team der Chefetage, ich soll gleich noch eine Ebene höher gehen. 

Da stellt sich mir momentan nur eine Frage: Wird mein nächstes Arbeitszeugnis mir weniger Potential zuschreiben, wenn der Chef den von ihm erklärten Krieg gewinnen sollte?

03.11.2017 um 17:29 Uhr

Machtlosigkeit

von: indalo

Ich sollte erleichtert sein, aber ich bin verärgert. Ich sollte mich freuen, doch es fällt mir schwer. Seit letztem Samstag drehten sich meine Gedanken oft um den Führerschein. Witziger Weise erklärte ich Montagabend noch Kollegen, dass ich keinen habe. Sie wollten mir nicht glauben. Ich verriet ihnen aber auch nicht, dass ich gerade einen mache. Ab sofort wird es mich mehr Sätze kosten, Menschen zu erklären, dass ich keine Fahrerlaubnis für ein Auto habe. Wie dem auch sei, meine Gedanken drehten sich seit Samstag häufig darum. Einerseits war ein Teil von mir nervös, doch es ging nicht darum, dass ich durchfallen könnte und damit keinen Führerschein hätte. Dass ich ihn spätestens beim zweiten oder dritten Versuch bestehen würde, war mir klar. Es ging mir jedoch um das Finanzielle. Und genau das ist es auch, was mich ärgert. Denn ich bin mir sicher, ausgenommen worden zu sein. Die Prüfung, die ich heute gefahren bin, die hätte ich nach der dritten Fahrstunde bestanden - unter Garantie. Alles dazwischen war reine Geldverschwendung und nur für das Ego meines Fahrlehrers da. Und ich konnte noch nie mit dem Gefühl umgehen, machtlos zu sein. Denn wenn ich angefangen hätte zu diskutieren, hätte er mich nie zur Prüfung gemeldet. Und so etwas nervt mich. Ich weiß, wie man Menschen auf Prüfungen vorbereitet, ich weiß, wie man sich dabei verhält, ich weiß, dass der Prüfling sich oft schlechter einschätzen kann als derjenige, der ihn vorbereitet. All dessen bin ich mir bewusst, wenn ich sage, dass er mir unnötig Übungsstunden abverlangt hat um mehr Geld zu verdienen. Und es ärgert mich, dass es dafür keine Überprüfung gibt. Trotz aller möglichen Tests gibt es keinen Verbraucherschutz für Fahrschüler, oder?

Es war richtig, damals keinen Führerschein gemacht zu haben. Das hätte mich unnötig Nerven gekostet, und Geld. Ja, jetzt hat es mich vermutlich die gleiche Summe gekostet, wie es mich damals gekostet hätte, aber jetzt verdiene ich mehr Geld. Auch wenn in den vergangenen Monaten immer wieder das Geldsparen im Vordergrund stand, so wurde mir erst Samstag die Summe deutlich. Viel zu viel Geld für dieses bescheuerte Stück Plastik. Und es regt mich auf. Denn da denke ich definitiv: Blödes Deutschland. Horrende Kosten für so wenig, und doch so viel. Denn es ist ein Luxusgut, ganz eindeutig. Ich brauchte es bisher nicht, ich brauche es jetzt auch nicht. Ich möchte es, weil ich nicht übers Wetter und die Distanz nachdenken möchte, wenn ich an meine Freunde denke. Und die sind nun einmal aufs Dorf gezogen, wo man schlecht mit Bus hinkommt und der Radweg über die Deiche bei unserem stürmischen Wetter eine wahre Zumutung ist. Also liebe Freunde, bald zeige ich euch mein Geschenk an euch. Denn nur euretwegen habe ich diesen Führerschein gemacht. 

Um die Ärgernisse gering zu halten, fand ich andere Vorteile. Denn ich suchte Anreize um dem Ganzen positiv gegenüber zu stehen. Und ein Reiz war, zu beobachten, wie man sich in meinem Alter dabei fühlt, einen Führerschein zu machen. Doch - und das mag meine Paranoia sein - viel relevanter als das Alter war mein Job. Und der kam gar nicht gut an. Womöglich bin ich paranoid, aber einerseits pampte mich die eine Fahrlehrerin unverfroren und überflüssigerweise in einer Theoriestunde an, und andererseits wies mich der andere Fahrlehrer regelmäßig in Schranken, denen ich gewiss nicht zu nahe kam. Ich fühlte mich fortwährend ungerecht behandelt, und deren Verhalten im Doppelpack zu erleben, halte ich für keinen Zufall. Insbesondere wenn ich bedenke, dass die anderen Angestellten der Fahrschule mir gegenüber durchgängig sehr sympathisch waren. An mir allein wird es nicht gelegen haben. 

Und weil es so extrem auffällig war, möchte ich noch festhalten, dass vor Prüfungsbeginn meine Zähne klapperten. Ja, es ist kalt geworden, aber ich lief morgens noch im T-Shirt draußen rum. Zu dem Zeitpunkt des Zähneklapperns stand ich mit zwei Jacken und zwei Hosen auf nem Parkplatz. Also ganz egal was das Thermometer sagt, das Zähneklappern hing mit den Schwingungen zwischen ihm und mir zusammen. Genau wie am Samstag, als ich zitternd in der Garage stand. Es gruselt mir zu merken, wie sehr mein Körper reagiert. Aber das Kapitel ist jetzt abgeschlossen. Ich darf künftig allein auf motorisiertem Gefährt durch die Straßen ziehen. Nun brauche ich nur noch einen Roller.