indalo

25.02.2018 um 22:24 Uhr

ehrenamtliche Naivität bei Schnee

von: indalo

„Du weißt, dass ich dich mag, nicht wahr?“ - „spätestens jetzt schon“ Und ich bin empört. Denn das habe ich ihr schon oft gesagt. Wobei sie vergesslich ist, und ich es in diesem Jahr vermutlich noch nicht aussprach. Aber ich mag sie, so sehr und immer wieder. Warum diesmal? Weil sie wieder einmal auf so wunderbar eindeutige Art gezeigt hat, wie naiv sie ist. Ich bin naiv, immer mal wieder. Und ich finde das in Ordnung. Ich schäme mich dafür nicht und hoffe, dass es ihr ebenso geht. Insbesondere, da wir oftmals in genau den selben Punkten total naiv durchs Leben laufen. Manchmal verliert sie ihre Unschuld zuerst, manchmal ich. Und in diesem Fall bin ich schon vor vielen Jahren darüber gestolpert, dass ehrenamtliche Tätigkeiten höchstselten etwas ehrenhaftes haben. Denn sorry Leute, aber wer Geld im Austausch für eine Tätigkeit erhält, der tut es nicht um der Ehre willen. Auch wenn das Geld unter dem Titel „Aufwandsentschädigung“ statt „Lohn“ oder „Gehalt“ läuft. Und seit ich das weiß, zweifle ich sämtliche Ehrenämter an. Manche bekommen derartige Aufwandsentschädigungen, dass sie mehr Geld in den Händen halten als andere nach einem richtigen Arbeitstag. Was hat das noch mit Ehre zu tun?

Und während ich mich gerade wieder über die Ironie der Bezeichnung „ehrenamtliche Tätigkeiten“ äußere, fällt bei ihr der Groschen, wieso sie seit Jahren zur Ehrenamtsfeier der Gemeinde eingeladen wird, obwohl sie schon lange nichts mehr ehrenamtlich macht. Dass sie Orgel spielt bezeichnet sie nicht als Ehrenamt, schließlich bekommt sie dafür Geld. Erst ich erklärte ihr, dass dieses Geld mit dem Titel Aufwandsentschädigung eben für das Ehrenamt des Organisten ist. Ich muss lachen, als ich ihren Groschen fallen höre. Ich finde es schön, das so deutlich mitzubekommen, dass sie sich nicht doof dabei vorkommt, dass sie es mich wissen lässt. Danke für diese Nähe!

Der perfekte Abschluss eines schönen Tages. Wobei es sehr zeitnah mit dem Zähne putzen auf dem Balkon passiert. Wieder einmal sitze ich da und bewundere mein Lieblingssternenbild. Wenn ich kurz innehalte, höre ich das Knistern der Hochspannungsleitung und denke „wenn ich hier bald wegziehe, werde ich das vermissen“, doch während ich weiter putze, denke ich wiederum „hör ich beim Putzen eh nicht“. Der Mond strahlt heute wieder besonders hell. So stark, dass die Bäume richtige Schatten werfen. Sicherlich unterstützt der zauberhafte Schnee die Deutlichkeit der Schatten, doch unabhängig davon strahlt der Mond heute wieder heller als in anderen Nächten. Das merkte ich schon, als ich auf meinem abendlichen Spaziergang meinen Schatten wahrnahm. Ich zweifelte kurz, ob er nicht doch durch die Lampen entsteht, doch der Winkel passt nicht. Und beim Betreten des Balkons bin ich mir absolut sicher, dass der Schatten des Geländers auf dem Boden nur vom Mond ausgelöst sein kann. Ich liebe die Natur. Und heute ganz besonders den Schnee, der durch die Luft tanzte und unter meinen Füßen knirschte. 

23.02.2018 um 21:23 Uhr

sechs Minuten sechzehn Sekunden

von: indalo

Ich freute mich schon über erste Telefongespräche mit Kindern, ich weiß, doch das jetzt war wirklich das erste ganze Telefonat mit einem Kind. Sie rief an, wir tauschten sogar richtige Inhalte aus, und dann legten wir auf. Mama und Papa liefen im Hintergrund rum, aber ich habe kein Wort mit ihnen gewechselt. Beeindruckend. Sie erzählte davon, dass sie sich am Morgen übergeben hatte, es ihr aber jetzt viel besser geht, dass sie eine Zahnlücke hat, aber noch kein anderer Zahn wackelt, und: Dass der Zahn schon abgeholt wurde. Von sich aus. Auf Nachfrage erzählte sie mir mehr von der Zahnfee, aber erwähnte wieder von selbst, dass sie später auch mal Zahnfee werden möchte. Dass sie dann alle Zähne sammeln könnte, interessierte sie weniger. Sie behält dann nur zwei. Auch dass sie abends, wenn die Kinder schlafen, die Zähne abholen würde, war kein Hindernis. Denn die Zahnfee kommt ja nur, wenn sie tief und fest schläft. Deswegen konnte sie nicht mit ihr reden. Hach wie süß. Und weil Mama und Papa genauso Abendbrot vorbereiteten, wie ich gerade dabei war mir Essen zu machen, legten wir dann auf. Die Frage, wie mein Tag war, ließ ich unbeantwortet. Ich reagierte mit Belanglosem, aber was kann ich einem fast fünfjährigen Kind schon von meinem Tag erzählen?

22.02.2018 um 20:53 Uhr

Bist du schwanger?

von: indalo

„Bist du schwanger?“ sagte sie neckisch in die gefüllten Taschen der dicken Jacke piksend. „Willst du darauf eine Antwort?“ Es folgt ein skeptischer Blick. „Die Antwort wäre nämlich ein Ja.“ Der Blick bleibt. „Das ist mein Ernst.“ Es wird ein Grinsen, ein freudiger Blick. Sie glaubt es. Weiterhin verstört sagt sie leise „Ich wusste gar nicht, dass du den Mann dazu hast.“ - „Hab ich auch nicht.“ - „Hast du die Frau dazu?“ - „Nein.“ Kurze Pause. „Wolltest du das?“ Kurzes Überlegen. „Ja.“ Wieder eine kurze Pause. „Das Kind. Nicht den Mann dazu.“ - „Das meinte ich auch.“ Noch eine Pause. „Bei dir hätte ich das am Allerwenigsten erwartet.“ - „Ich weiß.“ - „Du bist doch auch ständig unterwegs.“ Nicken. Und dann todernst: „Jetzt bin ich neidisch.“ - „Das tut mir Leid. Ich wollte nie jemanden neidisch machen.“ - „Auch nach all der Zeit gehen die Gedanken immer wieder dorthin.“ Stille. „Du kommst dann einfach vorbei und spielst mit dem Kind. Ich weiß, das ist was anderes, aber wenn du möchtest…“ Stille. „Dann genieß mal, dass du mich sprachlos gemacht hast.“ - „Ich hab das nicht gemacht, um bei anderen die Kinnlade fallen zu sehen.“ - „Aber es amüsiert dich schon.“ - „Oh ja.“

17.02.2018 um 21:05 Uhr

Indalo redet man nichts aus

von: indalo

Du kannst dein Leben lang wissen, dass du anders bist, doch es nützt alles nichts, wenn du nicht danach lebst. Wenn du es nicht akzeptierst, wenn du es nicht wahrhaben willst. Denn warum ist es so relevant, anders zu sein? Anders als wer? Anders als was? Wollen alle anderen so sein? Oder sind sie einfach so? 

ich habe so viele Dinge nie verstanden und immer mehr erkenne ich, dass ich es auch nicht verstehen kann, oder auch nur konnte. Ich bin einfach nicht so gestrickt. Ich bin anders, ich weiß das schon so lange, doch immer wieder vergesse ich es. Das ist einfach nicht meine Welt, und wenn mir eines Tages jemand sagt, dass ich von nem anderen Planeten komme, so würde ich ihm glauben. Ich verstehe diese Welt nicht, also doch, ich verstehe sie, aber ich funktioniere nicht so. Meinem kindlichen Ich wurde vorgeworfen, mit Scheuklappen durch die Welt zu laufen. Es war ein Vorwurf, ganz klar. Und so versuchte ich seit damals mich auf links und rechts zu konzentrieren, doch ich frage mich wozu? Warum ist so wichtig, was links und rechts vom Weg, von meinem Weg, liegt, wenn dies doch mein Weg ist? Warum darf ich nicht einfach meinen Weg verfolgen, so wie ich ihn für richtig halte? Warum muss ich vergleichen, mir anhören, dass ich dieses oder jenes nicht machen sollte? So vieles sollte ich nicht machen, vor so vielem wurde ich gewarnt. Und ich bin all diese Warnungen Leid. 

In letzter Zeit schwebt immer wieder im Raum, dass ich über viele Dinge nicht rede. Und ich kann gerade auch benennen, warum das so ist. Weil man mich vor allem, was ich in meinem Leben machen wollte, gewarnt hat. Es ist nicht das, was andere wollen. Überall sind Gefahren, doch muss ich die wirklich alle kennen? Ich wurde gerade gefragt „Seit wann planst du das?“ - „Seit zwei Jahren.“ Und ich glaube, meine Antwort war verletzend. Denn wieso habe ich in diesen zwei Jahren nicht darüber geredet? Weil ich vielleicht die Energie, aber keineswegs die Lust gehabt hätte, darüber zu diskutieren. Alles wird zur Diskussion, so wenig ist noch Gespräch. Und manchmal sieht man nur, dass das Gegenüber diskutieren möchte und es nicht tut. Doch das macht es nicht besser, trotzdem möchte man sich rechtfertigen, verteidigen oder zumindest erklären. Und einer Freundin rutschte neulich raus, dass ich bescheuert sei - oder mein Vorhaben es ist? Sie erschrak selbst darüber, mich und dieses Wort in Zusammenhang zu setzen. Doch als sie den Schreck überwunden hat, nahm sie es hin. Sie kennt mich, auch wenn ich sie überraschen kann. 

Ein anderer Freund sagte auf dem letzten Spaziergang „vielleicht wären die Reaktionen anders wenn du vor der Umsetzung davon erzählt hättest“, als ich äußerte, wie überrascht ich davon bin, dass ich so wenig sorgenreiche Gesichter zu sehen bekomme. Und er hat Recht, doch genau deswegen habe ich es erst umgesetzt und dann darüber geredet. 

Und da war noch das Gespräch zwischen einer Freundin und einer Bekannten, in dem sie ihr von meinen Plänen erzählte und die Bekannte sagte „Das reden wir ihr aus.“, woraufhin meine Freundin nur konterte „Indalo redet man nichts aus.“ Und dabei will sie mir das noch nicht einmal ausreden, im Gegenteil, diese Freundin ist die größte Befürworterin dieses Planes. 

Warum meinen andere ständig, mitreden zu dürfen? Wenn das erwünscht ist, dann frage ich nach. So wie ich meinen Bruder diese Woche mit Mails bombardierte, weil ich nicht mehr allein entscheiden wollte. Ich brauchte seine Meinung, eine Tendenz, irgendwas. Und dann konnte ich entscheiden. Also ja, wenn nötig, dann hole ich mir, was ich brauche. 

13.02.2018 um 20:44 Uhr

Gedanken über Gedanken

von: indalo

Heute ist wohl wieder viel passiert. Und erst gerade eben dachte ich daran, dass dreizehn Jahre vergangen sind… Das ist eine lange Zeit… für mich, für sie, für uns alle. Doch das war nicht in meinen Gedanken, als ich die Datei öffnete. Da springen anderen Sachen durch meinen Kopf. Vieles. „Indalo, das ist dramatisch.“ - „Was?“ - „Das finde ich wirklich dramatisch.“ - „Was findest du dramatisch?“ - „Diese ganzen Veränderungen.“ - „Dass du jetzt mein Chef bist?“ Nein… das meinte er nicht. Er traute sich nicht, es auszusprechen. Er wollte über mich reden, über mein Leben, meine Veränderungen. Traut er sich nicht mehr, weil er jetzt mein Chef ist? Oder ist ihm das alles zu suspekt? Jedenfalls sollte es um mich gehen. Zwei Chefs der mittleren Etage sprachen schon mit mir, als der Stellvertreter hinzukam. Er setzt sich. Die Tür war zu - wer hat eigentlich die Tür geschlossen? Und wann? Wir sprachen. Über alles mögliche. Und der rote Faden war, dass ich in dieses Büro soll. Ich will immer noch nicht, doch es gibt neue Argumente. Welche, denen ich nicht widersprechen kann. Und tatsächlich zog ich dort, in dem Moment, zum ersten Mal in Erwägung, mich dem hinzugeben. Ich will das für mich immer noch nicht, aber ich habe aufgehört nur für mich zu denken. Ich habe eine Entscheidung getroffen, die nach sich zieht, dass es nicht mehr nur um mich in meinem Leben geht. Und das Denken daran beginnt schon jetzt. Es hat schon lange begonnen, doch die Auswirkungen ziehen jetzt immer weitere Bahnen. Sie scheinen sogar meinen Job zu betreffen, und das fasziniert mich. Also möchte ich festhalten, dass ich heute zum ersten Mal in Erwägung zog, meinen Aufgabenbereich zu verändern. Zum ersten Mal. Nicht für dich, aber deinetwegen. 

Und erst als ich mit einem Freund und seinem Hund spazieren ging, fiel mir die Bedeutung des heutigen Gesprächs auf. Denn ich dachte im vergangenen Jahr, dass sie aufhören werden mich zu beschwatzen, wenn sie von meinen Lebensplänen erfahren. Doch siehe da, es war beides im selben Gespräch Thema. Sie haben es nicht vergessen, nicht verdrängt, es stört sie schlichtweg nicht. Sie wollen mich, trotz allem, mit allem, so wie ich bin. Faszinierend. 

Doch auch der Spaziergang war gedankenreich. Tausend Sachen, alle Richtungen. Doch noch eh wir den Flugplatz umrundet haben, erzählte ich ihm von meinen Plänen für den Sommer. Er war überrascht, ohne Frage, doch er hat sich gefreut. Er legte einen Arm um mich, ließ mich eine Weile nicht los. Ich hoffe wirklich, dass es ihm gut damit geht. Und er will es seiner Frau sagen. Mal sehen, was da kommt. 

Und dann ist da noch das Geburtstagskind. Wir telefonierten. Das war schön. Sie verbringt den Abend mit mir am Telefon statt mit ihrem Mann auf der Couch. Auch wenn es plötzlich heißt „Emil fragt gerade, ob er anrufen darf. Darf er?“ Ja. Auch wenn ich abrupte Enden von Telefonaten nicht leiden kann. Er darf. Denn ich hab genug zum Denken. 

10.02.2018 um 00:20 Uhr

Va piano mit Barfußschuhen

von: indalo

Geh langsam. Und es passt. Zu heute, zu dem, was gut war. Denn heute war gut. Ein schöner Tag mit einem noch schöneren Ende. So gelungen war der Vormittag nicht. Ich bin schon um vier Uhr morgens aufgewacht und nicht wieder eingeschlafen. Müde war ich, das auf alle Fälle. Aber meine Gedanken kreisten. Mein Arbeitsplan ist eine Zumutung. Punkt, aus, Ende. Das ist eine längere Geschichte, aber nicht Teil dieser. Jedenfalls kreiste das durch meinen Kopf. Dann bin ich irgendwann aufgestanden, hab in Ruhe gefrühstückt und marschierte zur Arbeit. Dort fraß mir der Stellvertreter aus der Hand, lobpreiste mich beim Chef dermaßen, dass ich ihnen einen schönen Tag wünschend den Raum verließ und legte mir im Grunde die Welt zu Füßen. Das war… übertrieben. Die drei alteingesessenen Herren überschlugen sich in ihrer Schleimerei, was mich nur zum Kopfschütteln brachte. Kurz darauf setzte ich andere dermaßen auf den Pott, dass absolute Stille herrschte. War also alles nicht gelungen, aber hey, es war hell draußen und ich konnte früher nach Hause gehen. Das tat ich dann auch, machte mir mein zweites Omelette und warf mich dann auf mein Minimoto um eine Thermohose für meinen nächsten Urlaub abzuholen und stoppte noch eben in der Rollerwerkstatt. Ich fuhr also eine Weile durch die Gegend und genoss das Wetter, die Landschaft und die trockene Straße. Auch wenn es seit Tagen Minusgrade und die Seen zugefroren sind, ist die Straße nicht glatt. Sehr schön. Zu Hause guckte ich meine neue Serie und musste lachen. Das wird gut, da guck ich gerne weiter. Endlich wieder herzhaft lachen. Und schon war es Zeit für einen Spaziergang in die Stadt. Ich hätte fahren können, ich hätte mich abholen lassen können, aber ich wollte nicht. Ich wollte mich bewegen, das gute Wetter genießen und tatsächlich hüpfte ich immer mal wieder ein Stück. Ich hüpfte wirklich. Nicht nur innerlich. Und schon an der ersten Straßenecke grinste jemand aus dem Auto auf meine Schuhe. Ich glaube, er wollte dazu etwas sagen. Meine Schuhe… achja, das sagte der Stellvertreter heute auch: „Indalo, ich hab mich immer noch nicht an deine Schuhe gewöhnt!“ und der Chef aus der anderen Ecke des Raumes „Ich auch nicht!!“ Kopfschüttelnd und lachend sagten sie es, und ich fragte nur „Auch nach eineinhalb Jahren noch nicht?!“ - „Nee!“ kam es im Chor zurück. Warum auch immer heute, aber heute bekamen meine Schuhe wieder besondere Aufmerksamkeit. Sehr zu meiner Irritation, da ich mich in all der Zeit so daran gewöhnt habe, dass ich mich manchmal frage, warum man mir auf die Füße starrt. Aber hey, besser dahin als woandershin. Wie auch immer, ich hüpfte in die Stadt, sammelte kleine Geschenke ein, kaufte mir eine vegane Nuss-Nougat Creme und traf mich dann pünktlich zum Essen mit einer Freundin. Sie saß noch nicht einmal als es hieß  „Darf ich dich was fragen?“ - „Alles, was du möchtest.“ - „Danke. Das muss ich jetzt fragen. Das beschäftigt mich jetzt schon die ganze Zeit. Wie ist das technisch abgelaufen?“ Und ich muss lachen. Also nicht, weil sie fragt. Sondern wie sie fragt. Und wann sie fragt. Total süß. Also erkläre ich ihr die Details total entspannt und sie fragt auch weiter. So süß. Danke für deine Neugier - denn wie kann man da nicht neugierig sein? Und dann wechseln die Themen, die Dritte stößt dazu, ich werde meinen Ärger über meinen Arbeitsplan los und werde verstanden, unterstützt und bestätigt. Mal von der einen, dann von der anderen. Und ich fühl mich so pudelwohl dazwischen. Die Themen springen, doch eins ist konstant: Wir. Es tut so gut, Dinge sagen zu können und zu wissen, dass man verstanden wird. Zu fühlen, dass man verstanden wird. Auch wenn man unterschiedliche Meinungen hat. Das ist in Ordnung. Und so angenehm. Doch die Müdigkeit, das Alter, die Bequemlichkeit veranlasste uns zum Heimweg. Und im Auto wurde noch heiß diskutiert, ich wurde bestätigt, sprach Dinge aus, die mich schon eine Weile beschäftigten und bekam noch mehr Unterstützung. Danke für diesen Rückhalt! Zu Hause angekommen sah ich einen verpassten Anruf, schrieb kurz ne Nachricht und schon klingelte das Telefon. Die dritte Freundin erzählt mir absolut ungefragt in kleinsten Details vom ersten Kindergeburtstag ihres Sohnes. Es ist ihr einfach ein Bedürfnis mir davon zu erzählen. Und es fühlt sich gut an. Ich sitze einfach nur da, erfreue mich des Lebens - denn schon vor diesem Telefonat fühlte ich mich so geliebt wie lange nicht. Währenddessen noch mehr. Erwartungslos und langsam gehe ich weiter meinen Weg. Va piano, giro di amici.

08.02.2018 um 19:12 Uhr

Das Geburtstagsticket nach Syrien

von: indalo

„Wann haben Sie Geburtstag? Ich möchte Ihnen etwas schenken: Ein Ticket nach Syrien.“

In mir schmunzelte es. Den find ich ja sogar clever. Darauf aus einer anderen Ecke: „Aber da ist doch Krieg!“ und es flüstert der Dritte „Deswegen ja.“

Das erinnert mich an „Besser arm dran als Arm ab“. Diese kleinen bösen Dinge, die nachhallen. Als Reaktion auf Letzteres wurde der Raum unter Tränen verlassen. Da oben? Ich schwieg. Hätte ich anders reagieren sollen? 

Vor ein paar Jahren warf man mir verheult auf dem Flur den Satz „Hätten Sie das nicht sein können?“ vor die Füße, als verkündet wurde, dass jemand Selbstmord begangen hat. Ich schaffte noch einen Schritt, eh ich auf der Stelle kehrtmachte und ein „Wie bitte?“ von mir gab. Ich sprach es an. Richtig oder falsch, wer weiß das schon. Ich trug es weiter, ausgewählt. Nicht als Geschichte für alle, nur im Zwiegespräch, wenn es mir zu passen schien. Und ein einziger Mensch schaffte es zu fragen: „Wie geht es dir damit?“ Das saß. Diese blöde Bemerkung? Ich weiß es nicht. Aber die Frage. Und die Erkenntnis, dass keiner meiner Freunde in Erwägung zog zu fragen. Im Gegenteil, es hieß nur bestätigend auf meine Aussage, dass ich finde, dass man darauf reagieren sollte: „Ja, nur weil dich das nicht kratzt, wäre das für andere vielleicht viel schlimmer.“ Wer hat gesagt, dass mich das nicht kratzt? Ich habe das nie behauptet. Ich habe nur versucht, diese Zeit zu überstehen. Diesen Selbstmord und die Bedeutung des Ganzen, die Folgen, die Zusammenhänge irgendwie zu verarbeiten. Aber spätestens meine Reaktion, meine gefühlte Reaktion auf  die Frage, wie es mir damit geht, zeigte mir sehr deutlich, dass mich das sehr wohl kratzt. Auch heute ist es noch ein wunder Punkt. Und das vermutlich auch wegen des fehlenden Verständnisses meines Umfeldes. Situationen, die man erlebt haben muss um sie zu verstehen. Denn das damals berührt mich jetzt noch mehr als das heute. Das fand ich wirklich clever. So viel cleverness hätte ich nicht erwartet, sodass es fast schon Bewunderung ist. 

Und irgendwie passt der Anruf meiner Mutter dazu. „Weißt du noch? Damals…“ und ich wusste noch. Wir bastelten die Geschichte zusammen, ich erzählte ihr meine Erinnerungen, sie mir ihre Eindrücke. Ihre jetzigen Eindrücke. Die Geschichte ist zwanzig Jahre her. Und jetzt fragt sie „Ist damals was passiert?“ Nach zwei Jahrzehnten… Es heißt zwar besser spät als nie, aber in diesem Fall? Sie passt zu diesem Tag, die Frage, das Gespräch. Aber die Frage passt mir nicht. Sie zeigt mir, dass sie in Erinnerungen gräbt. Jeder neue Mann bringt neue Einblicke, ganz offensichtlich. Aber dieses Gespräch zeigt mir auch, dass sie an der falschen Stelle sucht. 

07.02.2018 um 13:07 Uhr

Liebe Sonne

von: indalo

Ich habe dich vermisst. Ganz doll. Die letzten Wochen waren grau, kalt und nass. Die zwei Momente, in denen du dich kurz gezeigt hast, hab ich aufgesogen, doch sie waren zu schnell vorbei. Dich jetzt schon zwei Tage strahlen zu sehen, in deiner Wärme stehen zu können, das macht so viel aus. Es sind Minusgrade, doch du wärmst mein Gesicht. Das geht bis nach ganz tief drinnen. Ich atme durch, spüre die Luft und die Wärme durch meinen Körper gehen. Bitte bleib ein bisschen. Und lass uns nicht wieder so lange allein. Wir brauchen dich. Dich und die Sterne des nachts. Gestern Zähne putzend auf dem Balkon zu sitzen und beim Blick in den Himmel die Sterne bewundern zu können, machte mich glücklich. Also liebe Himmelskörper, versteckt euch nicht. Lasst die Wolken weiterziehen und zeigt euch!