indalo

03.05.2008 um 11:53 Uhr

Begegnungen sind wie Sanduhren

von: indalo

Bei jedem Menschen, dem wir begegnen läuft der Sand dieser Begegnung in unsere Hände. Dabei liegt es an uns, ob wir einfach nur die Handflächen geöffnet halten, die Finger geschlossen, oder gespreizt sind. Bei für uns wertvollen Menschen, oder denen die wir lieben bilden wir eine Schale, um die Berührung mit dem Sand des Anderen lange zu spüren. Beim Gegenteil drehen wir die Hände sogar um und lassen die Sandkörner auf unsere Handknochen prasseln, wobei das uns selbst sicher ebenso schmerzt.

Sobald wir das erkannt haben, werden wir immer seltener unsere Hände umdrehen und vielleicht manche erstaunliche Erfahrung machen. Es gibt große Sanduhren, die uns eine lange Zeit begleiten, vielleicht ein Leben lang, und es gibt sehr kleine, deren Sand kaum spürbar ist. Es gibt sie in allen Größen. Eines haben alle gemeinsam. Ob gewollt oder befürchtet, wir können den Sand nicht halten. Mal langsamer, mal schneller wird er durch unsere Finger rieseln. Und das ist auch gut so, denn nichts, was mit Gewalt gehalten wird ist von Bestand.

Wir können ein wenig pusten, um auch die letzten Krümelchen einer unangenehmen Begegnung von unseren Finger zu entfernen, damit wir frei davon sind. Und wir können unsere Finger schützend um den Sand legen, um ihn ein bisschen länger liebevoll zu betrachten.

Doch halten können wir ihn nicht.

 

(eine Geschichte von Nicole Schrader) 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenShadowfax schreibt am 03.05.2008 um 13:54 Uhr:das ist eine wirklich schöne geschichte...die werde ich noch ein weilchen auf mich wirken lassen ;-)
  2. zitierenIgnorabo schreibt am 03.05.2008 um 17:21 Uhr:die schönsten Sanduhren haben leider immer ein bisschen zu wenig Sand
  3. zitierenZwischenweltler schreibt am 03.05.2008 um 21:19 Uhr:Ich hab auch so eine "Sanduhr", die mir nur wenige Körnlein schenkt jedes Jahr. Und doch halte ich jedes dieser Körner fest wie ein Heiligtum. Und irgendwann - wenn mein Hand voll ist - werden wir uns begegnen, und das wird ein Fest für die Sinne und Emotionen. Alle paar Jahre wieder und immer wieder unvergleichlich schön. Man darf nur die einzelnen Körnchen nicht aus dem Auge verlieren...
  4. zitierenindalo schreibt am 06.05.2008 um 17:53 Uhr:Hmm... ich werde nicht ganz schlau aus deinem Kommentar, Zwischenweltler... irgendwann wird es soweit sein, alle Jahre wieder... ich kann mir keinen Reim draus machen...
  5. zitierenZwischenweltler schreibt am 07.05.2008 um 09:15 Uhr:Ich spreche von Freundschaften, die mit äußerst seltenen Kontakten auskommen, aber wahnsinnig intensiven sind.
    Mit einem solchen Freund - von dem mich fast 700 km trennen - telefoniere ich vielleicht ein-, zweimal im Jahr und schreibe nicht mehr als eine handvoll Mails, aber wenn wir uns dann einmal treffen, ist es so grandios... es läßt sich nicht mit Worten beschreiben.
  6. zitierenindalo schreibt am 07.05.2008 um 10:59 Uhr:Ah, jetzt verstehe ich besser. Danke. Und ja, ich stimme dir zu!
  7. zitierenlara_13 schreibt am 03.07.2009 um 15:18 Uhr:
    Ignorabo:die schönsten Sanduhren haben leider immer ein bisschen zu wenig Sand

    nicht zu wenig sand.Ihr Sand ist einfach so zart und fein,wie Pulversand,das er schneller und besser durch alle Ritze kommt.Leider ;o)

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