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<title>Johann Wolfgang von Goethe: Italienische Reise</title>
<link>http://www.blogigo.de/italien</link>
<description>In den Jahren 1786 bis 1788 unternimmt Johann Wolfgang von Goethe eine ausgedehnte Reise nach Italien. Er reist von Karlsbad über den Brenner, nach Verona, Venedig nach Rom, wo er sich einige Zeit aufhält. Über Neapel reist er nach Sizilien und von dort wieder zurück zu seinem Zweiten Rom-Aufenthalt. Basierend auf seinen Reise-Tagebüchern erscheint 1816/1817 das Buch &quot;Italienische Reise&quot;.&lt;br /&gt;&amp;nbsp;&lt;br /&gt;

In &quot;Echtzeit&quot;, versetzt um 217 Jahre und 7 Monate, erscheinen in diesem Weblog die Tagebucheintragungen Goethes vom Start in Karlsbad bis kurz vor den Zweiten Römischen Aufenthalt.  Der erste Eintrag vom 03. September 1786 erscheint also am 03. April 2004.</description>
<language>de</language>
<dc:creator>jw_goethe</dc:creator>
<dc:publisher>jw_goethe</dc:publisher>
<pubDate>Thu, 01 Jul 2004 23:35:57 +0200</pubDate>
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<title>Den 1. Dezember.</title>
<description> Hier in Rom, wo man so viel Fremde sieht, die nicht alle der höheren Kunst wegen diese Hauptstadt der Welt besuchen, sondern auch wohl auf andere Art unterhalten sein wollen, ist man auf allerlei vorbereitet. Es gibt so gewisse Halbkünste, welche Handgeschicklichkeit und Handwerkslust verlangen, worin man es hier sehr weit gebracht hat und die Fremden gern mit ins Interesse zieht.
  
Dahin gehört die Wachsmalerei, die einen jeden, der sich einigermaßen mit Wasserfarben abgegeben hat, durch ihre Vorarbeiten und Vorbereitungen, sodann zuletzt durch das Einbrennen, und was sonst noch dazu gehört, mechanisch beschäftigen und einen oft geringen Kunstwert durch die Neuheit des Unternehmens erhöhen kann. Es gibt geschickte Künstler, die hierin Unterricht geben und unter dem Vorwand der Anleitung oft das Beste bei der Sache tun, so daß zuletzt, wenn das von Wachs erhöhte und glänzende Bild in goldenem Rahmen erscheint, die schöne Schülerin ganz überrascht von ihrem unbewußten Talent dasteht....</description>
<pubDate>Thu, 01 Jul 2004 23:35:57 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/italien/Den-1.-Dezember./95/</link>
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<title>Den 1. Dezember.</title>
<description>Moritz ist hier, der uns durch »Anton Reiser« und die »Wanderungen nach England« merkwürdig geworden. Es ist ein reiner, trefflicher Mann, an dem wir viel Freude haben.</description>
<pubDate>Thu, 01 Jul 2004 19:53:19 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/italien/Den-1.-Dezember./94/</link>
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<title>Den 24. November.</title>
<description> Von der Nation wüßte ich nichts weiter zu sagen, als daß es Naturmenschen sind, die unter Pracht und Würde der Religion und der Künste nicht ein Haar anders sind, als sie in Höhlen und Wäldern auch sein würden. Was allen Fremden auffällt, und was heute wieder die ganze Stadt reden, aber auch nur reden macht, sind die Totschläge, die gewöhnlich vorkommen. Viere sind schon in unserm Bezirk in diesen drei Wochen ermordet worden. Heute ward ein braver Künstler Schwendimann, ein Schweizer, Medailleur, der letzte Schüler von Hedlinger, überfallen, völlig wie Winckelmann. Der Mörder, mit dem er sich herumbalgte, gab ihm an die zwanzig Stiche, und da die Wache hinzukam, erstach sich der Bösewicht selbst. Das ist sonst hier nicht Mode. Der Mörder erreicht eine Kirche, und so ist&#039;s gut.
  
Und so sollte ich denn, um auch Schatten in meine Gemälde zu bringen, von Verbrechen und Unheil, Erdbeben und Wasserflut einiges melden, doch setzt das gegenwärtige Ausbrechen des Feuers des Vesuvs die...</description>
<pubDate>Thu, 24 Jun 2004 22:13:05 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/italien/Den-24.-November./93/</link>
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<title>Den 23. November.</title>
<description> Damit es mir denn aber doch mit meinem beliebten Inkognito nicht wie dem Vogel Strauß ergehe, der sich für versteckt hält, wenn er den Kopf verbirgt, so gebe ich auf gewisse Weise nach, meine alte These immerfort behauptend. Den Fürsten von Liechtenstein, den Bruder der mir so werten Gräfin Harrach, habe ich gern begrüßt und einigemal bei ihm gespeist, und konnte bald merken, daß diese meine Nachgiebigkeit mich weiter führen würde, und so kam es auch. Man hatte mir von dem Abbate Monti präludiert, von seinem »Aristodem«, einer Tragödie, die nächstens gegeben werden sollte. Der Verfasser, sagte man, wünsche sie mir vorzulegen und meine Meinung darüber zu hören. Ich ließ die Sache fallen, ohne sie abzulehnen, endlich fand ich einmal den Dichter und einen seiner Freunde beim Fürsten, und das Stück ward vorgelesen.
  
Der Held ist, wie bekannt, ein König von Sparta, der sich wegen allerlei Gewissensskrupel selbst entleibt, und man gab mir auf eine artige Weise zu verstehen, der...</description>
<pubDate>Wed, 23 Jun 2004 18:30:19 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/italien/Den-23.-November./92/</link>
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<title>Rom, den 22. November 1786, am Cäcilienfeste.</title>
<description> Das Andenken dieses glücklichen Tages muß ich durch einige Zeilen lebhaft erhalten und, was ich genossen, wenigstens historisch mitteilen. Es war das schönste, ruhigste Wetter, ein ganz heiterer Himmel und warme Sonne. Ich ging mit Tischbein nach dem Petersplatze, wo wir erst auf und ab gehend und, wenn es uns zu warm wurde, im Schatten des großen Obelisks, der eben für zwei breit genug geworfen wird, spazierten und Trauben verzehrten, die wir in der Nähe gekauft hatten. Dann gingen wir in die Sixtinische Kapelle, die wir auch hell und heiter, die Gemälde wohlerleuchtet fanden. Das »Jüngste Gericht« und die mannigfaltigen Gemälde der Decke, von Michelangelo, teilten unsere Bewunderung. Ich konnte nur sehen und anstaunen. Die innere Sicherheit und Männlichkeit des Meisters, seine Großheit geht über allen Ausdruck. Nachdem wir alles wieder und wieder gesehen, verließen wir dieses Heiligtum und gingen nach der Peterskirche, die von dem heitern Himmel das schönste Licht empfing und in allen...</description>
<pubDate>Tue, 22 Jun 2004 23:08:16 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/italien/Rom-den-22.-November-1786-am-Caecilienfeste./91/</link>
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<title>Den 20. November 1786.</title>
<description> Da uns die Erfahrung genugsam belehrt, daß man zu Gedichten jeder Art Zeichnungen und Kupfer wünscht, ja der Maler selbst seine ausführlichsten Bilder der Stelle irgendeines Dichters widmet, so ist Tischbeins Gedanke höchst beifallswürdig, daß Dichter und Künstler zusammenarbeiten sollten, um gleich vom Ursprunge herauf eine Einheit zu bilden. Die Schwierigkeit würde um vieles freilich vermindert, wenn es kleine Gedichte wären, die sich leicht übersehen und fördern ließen.
  
Tischbein hat auch hiezu sehr angenehme idyllische Gedanken, und es ist wirklich sonderbar, daß die Gegenstände, die er auf diese Weise bearbeitet wünscht, von der Art sind, daß weder dichtende noch bildende Kunst, jede für sich, zur Darstellung hinreichend wären. Er hat mir davon auf unsern Spaziergängen erzählt, um mir Lust zu machen, daß ich mich darauf einlassen möge. Das Titelkupfer zu unserm gemeinsamen Werke ist schon entworfen; fürchtete ich mich nicht, in etwas Neues einzugehen, so könnte ich mich...</description>
<pubDate>Sun, 20 Jun 2004 21:39:42 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/italien/Den-20.-November-1786./90/</link>
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<title>Zum 18. November.</title>
<description> Nun muß ich aber auch von einem wunderbaren problematischen Bilde sprechen, das sich auf jene trefflichen Dinge noch immer gut sehen läßt.
  
Schon vor mehrern Jahren hielt sich hier ein Franzos auf, als Liebhaber der Kunst und Sammler bekannt. Er kommt zum Besitz eines antiken Gemäldes auf Kalk, niemand weiß woher; er läßt das Bild durch Mengs restaurieren und hat es als ein geschätztes Werk in seiner Sammlung. Winckelmann spricht irgendwo mit Enthusiasmus davon. Es stellt den Ganymed vor, der dem Jupiter eine Schale Wein reicht und dagegen einen Kuß empfängt. Der Franzose stirbt und hinterläßt das Bild seiner Wirtin als antik. Mengs stirbt und sagt auf seinem Todbette, es sei nicht antik, er habe es gemalt. Und nun streitet alles gegeneinander. Der eine behauptet, es sei von Mengs zum Scherz nur so leicht hingemacht, der andere Teil sagt, Mengs habe nie so etwas machen können, ja es sei beinahe für Raffael zu schön. Ich habe es gestern gesehn und muß sagen, daß ich auch nichts...</description>
<pubDate>Fri, 18 Jun 2004 22:49:06 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/italien/Zum-18.-November./89/</link>
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<title>Den 18. November.</title>
<description> Daß ich mit Tischbein schon so lange durch Briefe in dem besten Verhältnis stehe, daß ich ihm so manchen Wunsch, sogar ohne Hoffnung, nach Italien zu kommen, mitgeteilt, machte unser Zusammentreffen sogleich fruchtbar und erfreulich. Er hatte immer an mich gedacht und für mich gesorgt. Auch was die Steine betrifft, mit welchen die Alten und Neuen gebaut, ist er vollkommen zu Hause, er hat sie recht gründlich studiert, wobei ihm sein Künstlerauge und die Künstlerlust an sinnlichen Dingen sehr zustatten kommt. Eine für mich ausgewählte Sammlung von Musterstücken hat er vor kurzem nach Weimar abgesendet, die mich bei meiner Zurückkunft freundlich empfangen soll. Ein bedeutender Nachtrag hat sich indessen gefunden. Ein Geistlicher, der sich jetzt in Frankreich aufhält und über die antiken Steinarten ein Werk auszuarbeiten dachte, erhielt durch die Gunst der Propagande ansehnliche Stücke Marmor von der Insel Paros. Diese wurden hier zu Musterstücken verschnitten, und zwölf verschiedene Stücke...</description>
<pubDate>Fri, 18 Jun 2004 20:18:34 +0200</pubDate>
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<title>Den 18. November.</title>
<description> Es ist wieder schön Wetter, ein heller, freundlicher, warmer Tag.
  
Ich sah in der Farnesina die Geschichte der Psyche, deren farbige Nachbildungen so lange meine Zimmer erheitern, dann zu St. Peter in Montorio die »Verklärung« von Raffael. Alles alte Bekannte, wie Freunde, die man sich in der Ferne durch Briefwechsel gemacht hat, und die man nun von Angesicht sieht. Das Mitleben ist doch ganz was anders, jedes wahre Verhältnis und Mißverhältnis spricht sich sogleich aus.
  
Auch finden sich aller Orten und Enden herrliche Sachen, von denen nicht so viel Redens ist, die nicht so oft durch Kupfer und Nachbildungen in die Welt gestreut sind. Hievon bringe ich manches mit, gezeichnet von guten jungen Künstlern.  </description>
<pubDate>Fri, 18 Jun 2004 15:36:54 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/italien/Den-18.-November./87/</link>
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<title>Rom, den 17. November.</title>
<description> Wir sind zurück! Heute nacht fiel ein entsetzlicher Regenguß mit Donner und Blitzen, nun regnet es fort und ist immer warm dabei.
  
Ich aber kann nur mit wenig Worten das Glück dieses Tages bezeichnen. Ich habe die Freskogemälde von Dominichin in Andrea della Valle, angleichen die Farnesische Galerie von Carracci gesehen. Freilich zuviel für Monate, geschweige für einen Tag.  </description>
<pubDate>Tue, 15 Jun 2004 23:11:22 +0200</pubDate>
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<title>Frascati, den 15. November.</title>
<description> Die Gesellschaft ist zu Bette, und ich schreibe noch aus der Tuschmuschel, aus welcher gezeichnet worden ist. Wir haben ein paar schöne, regenfreie Tage hier gehabt, warm und freundlichen Sonnenschein, daß man den Sommer nicht vermißt. Die Gegend ist sehr angenehm, der Ort liegt auf einem Hügel, vielmehr an einem Berge, und jeder Schritt bietet dem Zeichner die herrlichsten Gegenstände. Die Aussicht ist unbegrenzt, man sieht Rom liegen und weiter die See, an der rechten Seite die Gebirge von Tivoli und so fort. In dieser lustigen Gegend sind Landhäuser recht zur Lust angelegt, und wie die alten Römer schon hier ihre Villen hatten, so haben vor hundert Jahren und mehr reiche und übermütige Römer ihre Landhäuser auch auf die schönsten Flecke gepflanzt. Zwei Tage gehn wir schon hier herum, und es ist immer etwas Neues und Reizendes.
  
Und doch läßt sich kaum sagen, ob nicht die Abende noch vergnügter als der Tag hingehen. Sobald die stattliche Wirtin die messingene dreiarmige Lampe auf den...</description>
<pubDate>Tue, 15 Jun 2004 21:56:32 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/italien/Frascati-den-15.-November./85/</link>
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<title>Den 11. November.</title>
<description>Heut&#039; hab&#039; ich die Nymphe Egeria besucht, dann die Rennbahn des Caracalla, die zerstörten Grabstätten längs der Via Appia und das Grab der Metella, das einem erst einen Begriff von solidem Mauerwerk gibt. Diese Menschen arbeiteten für die Ewigkeit, es war auf alles kalkuliert, nur auf den Unsinn der Verwüster nicht, dem alles weichen mußte. Recht sehnlich habe ich dich herzugewünscht. Die Reste der großen Wasserleitung sind höchst ehrwürdig. Der schöne, große Zweck, ein Volk zu tränken durch eine so ungeheure Anstalt! Abends kamen wir ans Coliseo, da es schon dämmrig war. Wenn man das ansieht, scheint wieder alles andre klein, es ist so groß, daß man das Bild nicht in der Seele behalten kann; man erinnert sich dessen nur kleiner wieder, und kehrt man dahin zurück, kommt es einem aufs neue größer vor.</description>
<pubDate>Fri, 11 Jun 2004 20:35:24 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/italien/Den-11.-November./84/</link>
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<title>Den 10. November 1786.</title>
<description> Ich lebe nun hier mit einer Klarheit und Ruhe, von der ich lange kein Gefühl hatte. Meine Übung, alle Dinge, wie sie sind, zu sehen und abzulesen, meine Treue, das Auge licht sein zu lassen, meine völlige Entäußerung von aller Prätention kommen mir einmal wieder recht zustatten und machen mich im stillen höchst glücklich. Alle Tage ein neuer merkwürdiger Gegenstand, täglich frische, große, seltsame Bilder und ein Ganzes, das man sich lange denkt und träumt, nie mit der Einbildungskraft erreicht.
  
Heute war ich bei der Pyramide des Cestius und abends auf dem Palatin, oben auf den Ruinen der Kaiserpaläste, die wie Felsenwände dastehn. Hievon läßt sich nun freilich nichts überliefern! Wahrlich, es gibt hier nichts Kleines, wenn auch wohl hier und da etwas Scheltenswertes und Abgeschmacktes; doch auch ein solches hat teil an der allgemeinen Großheit genommen.
  
Kehr&#039; ich nun in mich selbst zurück, wie man doch so gern tut bei jeder Gelegenheit, so entdecke ich ein Gefühl, das mich...</description>
<pubDate>Thu, 10 Jun 2004 21:57:01 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/italien/Den-10.-November-1786./83/</link>
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<title>Den 9. November.</title>
<description>Manchmal stehe ich wie einen Augenblick still und überschaue die höchsten Gipfel des schon Gewonnenen. Sehr gerne blicke ich nach Venedig zurück, auf jenes große Dasein, dem Schoße des Meeres wie Pallas aus dem Haupte Jupiters entsprossen. Hier hat mich die Rotonda, so die äußere wie die innere, zu einer freudigen Verehrung ihrer Großheit bewogen. In St. Peter habe ich begreifen lernen, wie die Kunst sowohl als die Natur alle Maßvergleichung aufheben kann. Und so hat mich Apoll von Belvedere aus der Wirklichkeit hinausgerückt. Denn wie von jenen Gebäuden die richtigsten Zeichnungen keinen Begriff geben, so ist es hier mit dem Original von Marmor gegen die Gipsabgüsse, deren ich doch sehr schöne früher gekannt habe.</description>
<pubDate>Wed, 09 Jun 2004 23:19:20 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/italien/Den-9.-November./82/</link>
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<title>Den 8. November.</title>
<description>Mein wunderliches und vielleicht grillenhaftes Halbinkognito bringt mir Vorteile, an die ich nicht denken konnte. Da sich jedermann verpflichtet, zu ignorieren, wer ich sei, und also auch niemand mit mir von mir reden darf, so bleibt den Menschen nichts übrig, als von sich selbst oder von Gegenständen zu sprechen, die ihnen interessant sind, dadurch erfahr&#039; ich nun umständlich, womit sich ein jeder beschäftigt, oder was irgend Merkwürdiges entsteht und hervorgeht. Hofrat Reiffenstein fand sich auch in diese Grille; da er aber den Namen, den ich angenommen hatte, aus einer besondern Ursache nicht leiden konnte, so baronisierte er mich geschwind, und ich heiße nun der Baron gegen Rondanini über, dadurch bin ich bezeichnet genug, um so mehr, als der Italiener die Menschen nur nach den Vornamen oder Spitznamen benennet. Genug, ich habe meinen Willen und entgehe der unendlichen Unbequemlichkeit, von mir und meinen Arbeiten Rechenschaft geben zu müssen.</description>
<pubDate>Tue, 08 Jun 2004 23:37:20 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/italien/Den-8.-November./81/</link>
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</item><item>
<title>Den 7. November.</title>
<description> Ich habe manchmal in früherer Zeit die wunderliche Grille gehabt, daß ich mir sehnlichst wünschte, von einem wohlunterrichteten Manne, von einem kunst- und geschichtskundigen Engländer nach Italien geführt zu werden; und nun hat sich das alles indessen schöner gebildet, als ich hätte ahnen können. Tischbein lebte so lange hier als mein herzlicher Freund, er lebte hier mit dem Wunsche, mir Rom zu zeigen; unser Verhältnis ist alt durch Briefe, neu durch Gegenwart; wo hätte mir ein werterer Führer erscheinen können? Ist auch meine Zeit nur beschränkt, so werde ich doch das Möglichste genießen und lernen.
  
Und bei allem dem seh&#039; ich voraus, daß ich wünschen werde, anzukommen, wenn ich weggehe. 
 </description>
<pubDate>Mon, 07 Jun 2004 23:34:55 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/italien/Den-7.-November./80/</link>
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</item><item>
<title>Den 7. November.</title>
<description>Die Logen von Raffael und die großen Gemälde der »Schule von Athen« etc. hab&#039; ich nur erst einmal gesehen, und da ist&#039;s, als wenn man den Homer aus einer zum Teil verloschenen, beschädigten Handschrift heraus studieren sollte. Das Vergnügen des ersten Eindrucks ist unvollkommen, nur wenn man nach und nach alles recht durchgesehn und studiert hat, wird der Genuß ganz. Am erhaltensten sind die Deckenstücke der Logen, die biblische Geschichten vorstellen, so frisch wie gestern gemalt, zwar die wenigsten von Raffaels eigner Hand, doch aber gar trefflich nach seinen Zeichnungen und unter seiner Aufsicht.</description>
<pubDate>Mon, 07 Jun 2004 22:16:24 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/italien/Den-7.-November./79/</link>
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</item><item>
<title>Den 7. November.</title>
<description> 
Tischbeins Talente sowie seine Vorsätze und Kunstabsichten lerne ich
nun immer mehr kennen und schätzen. Er legte mir seine Zeichnungen und
Skizzen vor, welche sehr viel Gutes geben und verkünden. Durch den
Aufenthalt bei Bodmer sind seine Gedanken auf die ersten Zeiten des
menschlichen Geschlechts geführt worden, da, wo es sich auf die Erde
gesetzt fand und die Aufgabe lösen sollte, Herr der Welt zu werden.
  Als geistreiche Einleitung zu dem Ganzen bestrebte er sich, das
hohe Alter der Welt sinnlich darzustellen. Berge, mit herrlichen
Wäldern bewachsen, Schluchten, von Wasserbächen ausgerissen,
ausgebrannte Vulkane, kaum noch leise dampfend. Im Vordergrund ein
mächtiger in der Erde übriggebliebener Stock eines vieljährigen
Eichbaums, an dessen halbentblößten Wurzeln ein Hirsch die Stärke
seines Geweihes versucht, so gut gedacht als lieblich ausgeführt.
  Dann hat er auf einem höchst merkwürdigen Blatte den Mann
zugleich als Pferdebändiger und allen Tieren der Erde, der...</description>
<pubDate>Mon, 07 Jun 2004 20:18:02 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/italien/Den-7.-November./78/</link>
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</item><item>
<title>An demselben.</title>
<description>Ich bin recht wohl. Das Wetter ist, wie die Römer sagen, brutto; es
geht ein Mittagwind, Scirocco, der täglich mehr oder weniger Regen
herbeiführt; ich kann aber diese Witterung nicht unangenehm finden, es
ist warm dabei, wie es bei uns im Sommer regnichte Tage nicht sind.</description>
<pubDate>Mon, 07 Jun 2004 19:01:17 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/italien/An-demselben./77/</link>
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</item><item>
<title>Den 7. November 1786.</title>
<description>Verzeihen mir jedoch meine Freunde, wenn ich künftig wortkarg erfunden werde; während eines Reisezugs rafft man unterwegs auf, was man kann, jeder Tag bringt etwas Neues, und man eilt, auch darüber zu denken und zu urteilen. Hier aber kömmt man in eine gar große Schule, wo ein Tag so viel sagt, daß man von dem Tage nichts zu sagen wagen darf. Ja, man täte wohl, wenn man, jahrelang hier verweilend, ein pythagoreisches Stillschweigen beobachtete.</description>
<pubDate>Mon, 07 Jun 2004 18:19:40 +0200</pubDate>
<link>http://www.blogigo.de/italien/Den-7.-November-1786./76/</link>
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