j_o_t

28.07.2008 um 19:17 Uhr

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von: jeary

Abgebrochen wegen (angesagten) Dauerregens im Raum Oberösterreich. Im Endeffekt hätt ich wohl nur noch vier-fünf Tage durchstehen müssen, bis es wieder schön wurde. :[

 

J.-

23.07.2008 um 15:57 Uhr

J_on_tour

von: jeary

Dies wird der vorsichtige Versuch, eine zensierte Version meines Reisetagebuches online zu stellen. Allerdings ist die Tastatur in diesem Internet-Café so schlecht, dass ich schon wieder kurz davor bin, Abstand zu nehmen und mich auf eine sehr kurze Zusammenfassung zu beschraenken. Die folgt dann jetzt erstmal.

 Tag 1 verbringe steige ich 4.36 Uhr in die Strassenbahn, 5.31 in den Zug. Aufgrund von Bauarbeiten verpasse ich in Nuernberg meinen Anschlusszug und stecke dort zwei Stunden fest. Schlussendlich komme ich tatsaechlich 16.41 in Passau an. Gut elf Stunden... ab in die Jugendherberge.

Mittelmaessig freundlich aufgenommen beziehe ich mein Zimmer - vier Doppelstockbetten fuer mich alleine. Und die Dusche gleich nebenan... apropros Dusche, guter Punkt. Hinterher versuche ich noch einmal in die Stadt zu kommen, im leichten Nieselregen. Als ich es endlich den Berg runtergeschafft habe, regnet es in Stroemen. Da ich klitschnass eh nirgends mehr hingehen kann und ich auch ein wenig Angst um die Kamera habe, geht es den Berg gleich wieder raus. Abendessen heute also Pumpernickel und Marmelade aus der Tupperdose.

Am naechsten Morgen stiefel ich los. Der Donau-Hoehen-Wanderweg ist in der Jugendherberge unbekannt, also nochmal in die Touri-Info. Die kennen den zwar den Weg und verkaufen mir auch eine suendhaft teure Karte dazu - die ist aber eher ernuechternd. Statt an der Donau lang verlaeuft der Weg wohl eher durch die Donau-Hoehen - teilweise in bis zu fuenf Kilometern Entfernung und mit dementsprechend laengeren Strecken. Die Etappen sind machbar - allerdings brauche ich dann wohl auch eine Woche bis nach Linz. Fuer den ersten Tag probiere ich es auf einem Teilstueck aus und verlaufe mich dabei gruendlichst. Mit enorm schlechtem Gewissen schlage ich mich im Naturschutzgebiet durch's Gebuesch, um dann irgendwann doch mal die markierten Wege wieder zu finden. Der Teil hat enorm Spass gemacht - mich aber auch einen halben Tag gekostet, ohne, dass ich wirklich vorwaerts gekommen waere. (Schoene Umweg fuer's Kilometerkonto, Teil 1) Deshalb geht's auf dem Radweg weiter, um noch irgendwie was zu schaffen. Der verlaeuft allerdings direkt an der Bundesstrasse, gut befahren, irgendwann sogar extra Radstreifen. Was fur Radfahrer vielleicht noch irgendwie machbar ist, ist fuer mich so ziemlich die Hoelle. Irgendwann komme ich halbwegs durchnaesst wegen Regen in Jochenstein an und lese etwas von einer Zimmervermittlung. Langes Hin und Her, wo ich denn noch hinlaufen koennte - das einzige halbwegs bezahlbare Zimmer befindet sich genau gegenueber auf der anderen Donauseite, also nehme ich das. Meine erste Erfahrung damit, wie schwer es ist, bezahlbare Einzelzimmer zu finden. (Und den Damen in der Vermittlung glaubhaft zu vermitteln, dass ich alleine unterwegs bin.).

Erfahrung des ersten Lauftages: Es ist langweilig auf dem Radweg. Der Laufteil im Wald war nett und spannend, unten an der Elbe laufe ich aber ausschliesslich auf Asphalt, was denkbar unangenehm ist. Ausserdem die Etappen an der Strasse... und das Gefuehl, staendig von Radfahrern ueberholt zu werden ;) Das eine Paerchen in der Pension bemerkt neidisch, dass ich ja dann viel mehr sehe von der Strecke. Mmh. Ja, tu ich. Immer das gleiche dummerweise. Mir wird langsam klar, warum das ganze als Radweg ausgeschrieben ist.

Tag 2: Es wird noch nicht mal richtig hell, alles verhangn, also starte ich mal gleich in Regenjacke. Nicht unbegruendet. Radweg bei Regen ist noch zermuerbender. Man sieht naemlich noch weniger. Und schleppt sich so vorwaerts. Als ich gegen Mittag klitschnass in Schloegen ankomme, gebe ich auf, steige auf's Schiff und fahre bis in den naechsten groesseren Ort. (Am Tag vorher in der Vermittlung schon ausgekaspert, wie weit ich kommen muss, um wieder eine Chance auf ein guenstiges Zimmer zu haben.) Guenstiges Zimmer kein Problem und ich finde nahe Aschach fuer eine Nacht eine Ersatzmami, die mich beplappert und mir meine vollkommen durchgeweichten Sachen trocknet.

Tag 3: Wieder halbwegs schoenes Wetter. Die ersten zehn Kilometer laufen sich so weg. Ich laufe ueber die Felder, komme durch viele kleine Orte, wo ich ein bisserl gucken kann. Dann geht's (leider) wieder an den Fluss, auf den Dammweg, fad. Langsam merke ich auch, wie fertig ich bin. Sicherlich nicht verwunderlich, nach den letzten Tagen, wenn man einfach mal so mit 15kg auf dem Ruecken loslaeuft. Allerdings auch ziemlich arg. Im schoensten Sonnenschein ist mir kalt, Gaensehaut, Schuettelfrost, saemtliche Muskeln im Bereich meiner Beine machen mich darauf aufmerksam, dass sie existieren - danach sind die Gelenke dran. Irgendwann mache ich geschaetzt alle halbe Stunde Pause, weil ich einfach nicht mehr kann. Keine fuenf Kilometer bis Ottensheim und ich brauche wohl um die drei Stunden. Allerdings bedingt durch eine Umleitung, weil in diesem Bereich dieser Tage die Ruderweltmeisterschaft stattfindet. Um genau zu sein vermute ich, dass man versuchte, mir mit den fuenf bis sechs Kilometern Umweg, die sich aufgrund der Wegsperrung ergeben, erst recht den Hals zu brechen. War lustig, sich die Leute beim Plantschen anzusehen, allerdings hab ich nur die Qualifies mitbekommen... trotzdem strange - Weltklassesportler auf der Donau und es scheint so gut wie keinen zu interessieren. Weil ich einfach nicht mehr kann schleich ich nur noch zum Bahnhof und fahre nach Linz. Selbst das ist schon schwer, ich stelle irgendwann fest, dass ich mit dem alten Herrn mit Stock vor mir nur schwer mithalten kann. Schockierend. :(

 So. Und nun sitz ich in Linz in diesem Internetcafé mit den schlechten Tastaturen. Und ueberlege, wie es weitergehen soll. Morgen ist eh erstmal Ruhetag geplant, Museumsbesuche. Und dann? Ich weiss es nicht. Ich kaempfe gerade mit mir, einfach mit dem Zug nach Wien zu fahren, dort ein paar Tage zu bleiben und mit den Eltern am kommenden Wochenende zurueck nach Deutschland, um mir dort einen wirklich schoenen Weg zu suchen, der auch laufenderweise Spass macht. Ausserdem wurde mir heute irgendein Kammweg in Niederoesterreich empfohlen... halt irgendwas - nur weg von diesem langen Asphaltwurm. Es tut mir urleid, so zu denken... ich mag Fluesse im Allgemeinen und die Donau sowieso, aber gerade macht es einfach keinen Spass und ich weiss nicht, ob es dann wirklich Sinn macht, sich um jeden Preis durchzubeissen. Eye, eigentlich hab ich Urlaub!

Meinungen erwuenscht. *traurig guck*