Jaris Büchergebrabbel

04.08.2012 um 20:55 Uhr

[Leserunden] José Saramago - Die Stadt der Blinden Teil 1

von: Jari   Kategorie: Leserunden

 
José Saramago - Die Stadt der Blinden
Anfang bis Seite 52
 
Den ersten Teil habe ich nun gerade gelesen. Mir tat der Erblindete wirklich Leid. So von einer Minute auf die andere blind zu werden muss ja schrecklich sein! Zum Glück stand sein Auto gerade - wer weiss, was passiert wäre, wäre er auf der Autobahn bling geworden. 
Und jetzt breitet sich das Ganze mehr und mehr aus. Woher diese Krankheit wohl kommen mag? Auch der erste Blinde wird sie doch irgendwoh aufgelesen haben müssen?
Die Ehefrau des Arztes finde ich übrigens toll. Obwohl sie weiss, dass sie sich anstecken wird, bleibt sie bei ihrem Mann und kümmert sich um ihn. Sie muss ihn wirklich lieben. Ganz toll!
 
Den Schreibstil finde ich bisher eigentlich gar nicht so schwierig, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Gut, mann kann Saramago nicht einfach so nebenher lesen. Aber ich hatte Schwierigeres erwartet. Vielleicht liegt es auch daran, dass "Die Abschaffung der Arten" noch eine Spur anspruchsvoller geschrieben ist. Dann findet man Saramago natürlich leichter lesbar. Oder es liegt daran, dass ich mehr Übung im Lesen habe als bei meinem letzten Saramago ("Die Stadt der Sehenden" - eigentlich die Fortsetzung von "Die Stadt der Blinden". Aber man kann sie gut getrennt lesen).
 
Jetzt bin ich gespannt, wie es weiter geht. Wahrscheinlich wird es bald die ganze Stadt treffen. Fürchterlich! 

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenangelmagia schreibt am 06.08.2012 um 17:13 Uhr:Hab den ersten Teil auch gerade gelesen.
    Das ist ja mein erster Saramago und ich finde den Schreibstil sehr interessant. Hab soetwas noch nie gesehen. Das ist von Anfang an gleich ein wenig anders als alles, was ich kenne. Einfach weil da so viele Sätze durch Komma verbunden sind und es nicht einmal wirkliche wörtliche Rede gibt.

    Schreibt er immer so?

    Bin schon jetzt total gepackt von der Geschichte. Sie zieht einen mit sich und man fragt sich ja doch schon so einiges. Es geht mir auch so, dass ich mich frage, woher der allererste diese Blindheit hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie aus heiterem Himmel kommt. Und leid, das tut er mir auch.

    Allein die Vorstellung ist fürchterlich und diese Hilflosigkeit, wenn einem nicht einmal ein Arzt helfen kann und niemand auch nur den Hauch einer Idee hat.

    Zum zweiten Kapitel, wenn man es denn so nennen kann... Warum hat der Autodieb so ein schlechtes Gewissen? Das ist doch sein "Beruf", sein Alltag.
    Es wird geschrieben, dass er auch Angst hat zu erblinden... Warum hat man Angst vor etwas, was für einen selbst normalerweise als unmöglich erscheint?
    Würde das nicht mehr Sinn machen, wenn er schon von einem anderen Fall gehört hätte?

    Zwei Zitate, die mir aufgefallen sind.

    "Das Gehirn hätte die Fähigkeit verloren zu wissen, was es wusste und mehr noch dies auszudrücken." -> Ist ja furchtbar... (S. 34)

    "Das Abbild sah ihn, doch er sah sein Abbild nicht." (S. 44)... -> Eine passendere Beschreibung könnte es ja gar nicht geben...

    Zu der Prostituierten. Ich bin verwirrt. War sie schon blind, bevor sie ins Hotel ging oder erst nachdem sie sich mit dem Mann vergnügt hatte? Laut S. 40/41 war sie es erst danach. Auf S. 39 steht "Ich sehe immer noch alles weiß", wonach sie es vorher war.

    Ich bin auch gespannt wie es weitergeht :) Und ich habe festgestellt, dass die TB-Ausgabe von den Seitenzahlen übereinstimmt.
  2. zitierenJari schreibt am 06.08.2012 um 20:40 Uhr:Ja, das ist Saramago, wie er leibt und schreibt. Leider nicht mehr ganz, er ist ja verstorben. Ich trauere noch immer um diesen grossen Schriftsteller.
    Wie gesagt, in "Die Stadt der Sehenden" treibt er das Ganze noch ein Spürchen weiter. Deshalb finde ich, dass dieses Buch für einen Saramago wirklich einfach geschrieben ist.

    Ich frage mich natürlich auch, woher die Krankheit kommt. Aber so wie ich Saramago einschätze, wird er uns keine Antwort bieten. Jedenfalls nicht auf dem silbernen Tablett. Das ist nämlich nicht sein Stil.

    Warum hat er ein schlechtes Gewissen? Weil er einen hilflosen Mann bestohlen hat, dem er gerade noch geholfen hat? Aber so wie ich es mitbekommen habe, ist der Autodieb eher ein Gelegenheitsdieb. Ich denke nicht, dass er wirklich geplant hatte, den Blinden zu beklauen. Er stand da, mit den Schlüsseln und -hey! warum nicht?- nimmt er das Auto an sich. Deshalb auch das schlechte Gewissen.

    Ist Angst nicht etwas Natürliches? Auch ich fürchte ab und zu, an gewissen Krankheiten zu erkranken. Ausserdem spielt wahrscheinlich auch die Art, wie die Blindheit eingetroffen ist, eine Rolle. Der Blinde war nichtsahnend, gesund. Plötzlich, von einer Sekunde auf die andere wird er einfach so blind. Kann so etwas nicht auch mir passieren?

    Der Satz mit dem Abbild ist mir auch hängen geblieben. Es ist schlicht und einfach toll. Sehr eindrücklich und beschreibt seine Situation hervorragend.

    Also ich habe es so in Erinnerungen, dass es erst hinterher passiert ist. Nachdem sie mit dem Mann zusammen war. Sie hatten Sex und währenddessen wird es wohl passiert sein. Deshalb sagt sie ihm ja auch, dass sie noch immer alles weiss sehe. Sex ist ein Ausnahmezustand, da kann man schon einmal weiss sehen und es als Teil des Aktes annehmen. Doch dann realisierte sie, dass das Weisse gar nichts mit dem Sex zu tun hat...

    Die Seitenzahlen stimmen? Toll, das macht Vieles einfacher!
  3. zitierenangelmagia schreibt am 06.08.2012 um 20:59 Uhr:Finde ich auch sehr toll, dass die Seitenzahlen stimmen :) Hatte mich unheimlich gefreut, als ich reingeschaut habe.

    Kann ich gut verstehen, dass du um ihn trauerst. Der Stil ist wirklich ungewöhnlich und einfach nur toll. Ich war direkt von Anfang an in der Geschichte drin und hätte ich nicht so viel um die Ohren und so viel zu tun, hätte ich gar nicht aufhören können zu lesen. So musste ich mich schon fast zwingen es aus der Hand zu legen.

    Danke für deine Sichtweisen :)

    Ich bin gespannt, inwiefern und ob überhaupt er uns Anhaltspunkte gibt, woher die Krankheit stammt.

    Und zu dem Dieb, dass er ein Gelegenheitsdieb ist, das hab ich auch so verstanden. Aber er scheint der Versuchung ja ab und an nicht widerstehen zu können, auch ohne schlechtes Gewissen. Deswegen hat es mich ein wenig irritiert, dass es offenbar in dem Fall so ist.

    Ja, natürlich ist Angst etwas Natürliches.
    Nur könnte es ja auch sein, dass diese plötzliche Blindheit so unwahrscheinlich ist, dass er das für sich selbst komplett ausschließt.

    Ja, fand den Satz auch sehr eindrücklich :)

  4. zitierenJari schreibt am 06.08.2012 um 21:10 Uhr:Scheinbar hat der Autodieb sich wohl mit dem Blinden identifiziert, ansonsten hätte er ja ausgeschlossen, dass er auch erblinden könne. Oder es ist wie bei manchen Leuten eine leichte Paranoia. Jeder weiss, dass Krebs nicht ansteckend ist und trotzdem wagen sich Viele nicht einmal in deren Nähe. Bei AIDS ist es noch viel schlimmer. Schade, dass wir ihn nicht persönlich fragen können ;)
  5. zitierenangelmagia schreibt am 06.08.2012 um 21:11 Uhr:Ja, da sagst du allerdings was ;) Das wäre manchmal schön die Leute persönlich befragen zu können.

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