Jaris Büchergebrabbel

25.08.2012 um 19:11 Uhr

[Rezension] Das Jugendfest

von: Jari   Kategorie: Leseeindrücke

Inhalt:

Das alljährliche Jugendfest verändert seit über 400 Jahren das Leben der jungen Leute.

Nun kommt Mauro nach mehreren Jahren in Italien wieder in die Schweiz zurück, da seine Mutter an Alzheimer erkrankt ist. Er ist schwer überfordert mit der Situation, aber er gibt sein Bestes.
Bei einem gemeinsamen Ausflug beginnt die alte Mutter plötzlich mit einem unbekannten Soldaten zu tanzen und Mauro fragt sich, in welcher Zeit sich seine Mutter nun aufhält.
Was ist damals geschehen vor so vielen Jahren? Die nächsten Tage werden nicht nur Mauros Leben grundlegend verändern. Es ist Zeit, dass Geheimnisse ans Licht kommen...

 

Meine Meinung:

Das wunderschöne Cover von Urs Augstburgers Buch "Als der Regen kam" machte mich sehr neugierig und auch das Thema sprach mich an. Tatsächlich ist es ein schönes und berührendes Buch, dennoch konnte es mich nicht auf ganzer Linie überzeugen.

Was mir gefallen hat, war, wie Augstburger die unterschiedlichen Blickwinkel der Geschichte schilderte. Er beschreibt Mauros Überforderung mit der Krankheit seiner Mutter, seine Einsamkeit als Junge und auch die Einblicke in die Gedankenwelt der Mutter sind gut gemacht. Wer weiss schon, wie es im Kopf eines an Alzheimer Erkrankten aussieht?

Die Verbindung von mehreren historischen Ebenen ist Augstburger ebenfalls gut geglückt. Einerseits haben wir die Gegenwart mit Iphone und Handy. Dann haben wir die 50er-Jahre, als die Italiener in die Schweiz kamen und überall beschimpft wurden. Ausserdem reisen wir in die direkte Nachkriegszeit als Mauros Mutter jung ist. Dort liegt auch der Kern der Geschichte.

Nun, weshalb konnte mich das Buch trotzdem nicht ganz überzeugen?
Weil es zu viel auf einmal ist. Der Autor deutet so viel an, wirft so viele Fragen auf, dass man rasch den Faden verliert. Dort ist einer mit seiner Geschichte und Geheimnissen. Da noch einer und dort nochmal einer. So viele Fäden, so viele Namen und der Leser muss dies alles auf einmal entwirren.

Ich wusste schon bald nicht mehr, wo mir der Kopf stand. Ausserdem bin ich kein grosser Freund von 200 Seiten voller Andeutungen und Hinweisen und 2 Seiten Auflösung.

Was ebenfalls dazu führte, dass mir das Buch nicht wirklich gefallen hat, war die Tatsache, dass das Gerüst ziemlich durchschaubar ist. Sobald man mal alle Charaktere kennt, kann man sich die restlichen Seiten eigentlich sparen, es ist alles so vorhersehbar. Und natürlich gut mit Dramatik gewürzt. So sehr, dass es fast schon weh tut. 

Fazit: 

Schade, die Idee wäre eigentlich schön gewesen. Leider happert es an der Umsetzung. Wäre Augstburger etwas aufs Gaspedal getreten wäre es ein sehr schönes und anrührendes Buch geworden.
Nun werde ich das Buch ins Regal stellen und mich am Cover erfreuen. Wenigstens das.

Urs Augstburger
Als der Regen kam
HC, 2012
Klett-Cotta

978-3-608-93974-3 


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