Mit dem Kopf voran

09.01.2006 um 00:22 Uhr

0900-Straßenwinterdienst

Berlin-Kreuzberg, Sonntag abend, minus sieben Grad Celsius: Meine Laufstrecke am Landwehrkanal ist seit Tagen auf fast der gesamten Distanz total vereist. Die Benutzung gleicht einem, nicht ungefährlichen Eiertanz. Glaubt man dem Berliner Straßenreinigungsgesetz, dann dürfte für einen großen Teil der in Parkanlagen befindlichen Gehwege die BSR räumpflichtig sein. Da diese angesichts der chronisch leeren Berliner Stadtkasse ihre Priorität offenbar allein den Straßen widmet, dürfte es nicht sehr viel weiterhelfen, lediglich über diesen Zustand zu wehklagen.

Warum nicht die Nutzer der betreffenden Gehwege auf eine einfache, kostensparende Art für die Finanzierung des Winterdienstes auf öffentlichen Wegen heranziehen? Warum nicht moderne Zahlsysteme für diesen Zweck benutzen? Nahezu jeder Mensch besitzt ein Mobiltelefon, mit dem er jederzeit in der Lage ist, über telefonbasierte Bezahlsysteme von jedem beliebigen Ort Zahlungen für jeden beliebigen Zweck zu leisten, die später über die Telefonrechnung abgerechnet werden. So bräuchte der jeweilige Winterdienst lediglich an den betreffenden Gehwegen kenntlich zu machen, dass der Benutzer über die Wahl einer 0900-Nummer freiwillig ein Nutzungsentgeld übernehmen kann, um damit zur Deckung der Winterdienstkosten bezutragen. Natürlich setzt ein solches System voraus, dass die Gehwegbenutzer nicht die Position des Trittbrettfahrers einnehmen. Allein weil diese Gefahr sehr groß ist, dürfte der Aufbau aufwendiger Bezahlsysteme, ähnlich eines Netzes von Fahrkartenautomaten, kaum praktikabel und unwirtschaftlich sein. Aber ein derart einfaches Bezahlsystem könnte auch dazu beitragen, die individuellen Kosten einer nutzergerechten Finanzierung des Winterdienstes so gering wie möglich zu halten. Natürlich müßte das finanzielle Aufkommen auch unmittelbar für die Schnee-und Eisräumung der Gehwege verwendet werden, so dass die Nutzer ein unmittelbares Ergebnis ihrer freiwilligen Geldleistung verspüren.

Zugegeben, die Idee klingt etwas unrealistisch. Doch nicht so abwegig, dass es sich nicht lohnte, über derartig neue Wege der Finanzierung öffentlicher Aufgaben und den eigenen Beitrag zur Sicherung des Gemeinwohls nachzudenken.
 

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