Mit dem Kopf voran

20.03.2006 um 17:28 Uhr

Gesundheitsökonomie

Die Debatte um die Reform des deutschen Gesundheitssystems lässt eine eine problemorientierte Diskussion vermissen. Die Vielzahl der Lösungsvorschläge aller möglichen Parteien ist weniger von der Analyse der Ursache der Misere, als vielmehr vom Streit um die Verteilung der immer höher werdenden Kosten geprägt. Jüngstes Beispiel hierfür sind die Forderungen, die privaten Krankenversicherungen in die Finanzierung der Leistungen  der gesetzlichen Versicherungen mit einzubeziehen. Statt über mehr Effizienz und sinnvolle Anreize zur Kostenreduzierung zu diskutieren, erschöpfen sich die Lösungsvorschläge in Verteilungsdebatten.

Wer vor diesem Hintergrund solide Analysen der Ursachen von Kostenexplosion und Leistungsdefiziten erwartet, steht hierzulande eher im Regen. Nur wenige deutsche Autoren warten mit ursachenbezogenen Analysen auf, zu denen Horst Siebert und Ulrich van Suntum gehören. Ein Blick in die amerikanische Bücherkiste kann mehr Licht ins Dunkel der Misere bringen. In ihrem aktuellen Buch "Healthy Competition" zeigen etwa Michael Cannon und Michael Tanner Ursachen und Lösungen der Krise US-amerikanischen Gesundheitssystems auf, wobei die hier diskutierten Anreizdefizite so ziemlich eins zu eins auf Deutschland übertragbar sind. Mit Spannung warte ich auch auf das neue Buch "Crisis of abundance: Rethinking how we pay for health care" von Arnold Kling, der bereits mit "Learning Economics" nicht nur eines der besten Bücher zum Einstieg in die Welt der Ökonomie  verfasst hat, sondern in seinen TCS-Kolummnen profunde Kenntnis des Gesundheitsmarktes beweist.