Mit dem Kopf voran

12.07.2006 um 09:51 Uhr

Die wundersame Welt des Tausches

Wie Nutzen auf Märkten durch freiwilligen Tausch geschaffen wird, hat ein Kanadier sehr schön illustriert. Er hat mit 14 Tauschgeschäften über das Internet eine Büroklammer gegen ein zweistöckiges Haus eingetauscht. Offenbar hat jeder Tauschpartner die Transaktion aus freien Stücken gemacht und stets haben beide Beteiligten zum beiderseitigen Vorteil gehandelt. Unterschiedliche Präferenzen, gesicherte Eigentumsrechte und etwas Glück machen das eigentliche Rezept aus, nach dem der Markt funktioniert. Mehr braucht man nicht, aber auch nicht weniger.

11.07.2006 um 10:17 Uhr

Spuren des Glücks

Kein Wunder, dass man auf Berlins Straßen so häufig in die Exkremente unseres treuen vierbeinigen Weggefährten tritt. Schließlich macht der Besitz eines Hundes glücklicher als eine stabile Partnerschaft oder eine befriedigende Arbeit, wie eine MORI-Umfrage (Market & Opinion Research International) ergeben hat. Deshalb halten sich also so viele Berliner einen Hund. Immerhin gab es in Berlin nach Angaben des Statistischen Landesamts Berlin 2004 rund 103 000 Hundehalter mit knapp 108 000 versteuerten Hunden. Also 32 Hunde pro 1000 Berliner, was dann bei 0,3 kg Kot pro Hund und Tag für jeden Berliner zum Glück täglich nur ein 10 g Häufchen bedeutet. Mit etwas Glück kommen uns die Rückstände des Glück anderer Leute nicht in die Quere...

10.07.2006 um 17:27 Uhr

Grenzwertig

Deutschland gehört zu den Industrieländern, die ihren Bürgern den größten Teil des sauer verdienten Einkommens direkt oder indirekt wegsteuern. 59 Pfennige jeder zusätzlich verdienten D-Mark gingen in den neunziger Jahren an den Fiskus. Japaner und Amerikaner durften deutlich mehr behalten. Wir wurden nur noch von den Italienern übertroffen:

Grenzsteuerbelastung (1993-1996)
Germany 0,59
France 0,59
Italy 0,64
Canada 0,52
United Kingdom 0,44
Japan 0,37
United States 0,40

Siehe auch den alten Eintrag hierzu.

Via Greg Mankiw's Blog.

09.07.2006 um 14:08 Uhr

Kein Freizeitparadies

Heleen Mees hat in ihrem Project Syndicate-Beitrag "Europas Freizeitfalle" noch einmal sehr schön zusammengefasst, warum Freizeit insbesondere für europäische Frauen nicht immer gleich Freizeit ist:

Amerikanische Frauen arbeiten länger und verwenden das Geld dann, um Personen zu beschäftigen, die jene Aufgaben erledigen, die sie wegen ihrer Erwerbstätigkeit nicht selbst erledigen können. Europäische Frauen andererseits arbeiten weniger und haben weniger Geld für derartige Dienstleistungen zur Verfügung. In ihrer „Freizeit“ sind europäische Frauen damit beschäftigt, sauber zu machen und sich um die Kinder zu kümmern. Alles in allem arbeiten europäische und amerikanische Frauen etwa die gleiche Anzahl Stunden.


Siehe auch: Warum arbeiten Amerikaner länger als Deutsche?

08.07.2006 um 13:27 Uhr

Die Kirche im Dorf lassen

Die Trennung von Kirche und Staat genießt in Deutschland Verfassungsrang. Das hält Politiker nicht davon ab, in Sachen Liberalisierung der Ladenschlußzeiten der Kirche am Sonntag das "Angebotsmonopol" zu überlassen. Jedenfalls sollen bei der Erweiterung der Ladenöffnungszeiten am Sonntag die Gottesdienstzeiten aus Rücksicht vor der Kirche ausgenommen werden. Ganz selbstbewußt treten ja auch deren Vertreter wie Bischof Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland, auf. Der meint gegenüber dem Tagesspiegel, es müsse dabei bleiben, dass der Sonntag arbeitsfrei ist und in seinem Charakter als Gottesdienstag, der Muße und Begegnung gestärkt werde. Was aber, wenn der Konsument nur am Sonntag "Muße" zum Einkauf findet und auch an diesem Tag Lust auf die "Begegnung" mit einem reichen Warenangebot hat? Schließlich ist Zeit auch für die Konsumenten Geld. Es ist nicht nur die größere Flexibilität beim Einkaufen, die dem Konsumenten zugute kommt. Mehr Zeit heißt auch mehr Muße zum kritischeren Konsum, dem Vergleich von Qualität und Preis. Das fördert den Wettbewerb im Einzelhandel und bringt schließlich bessere und billigere Produkte.

08.07.2006 um 12:55 Uhr

Umverteilung von Unten nach Oben

Harald Schumann beklagt sich in seinem heutigen Tagesspiegel-Beitrag "Die Umverteiler" über die Bundesregierung und ihre Steuerpolitik, die seiner Meinung nach ohne Grund die Hauptbelastung der Staatsfinanzierung auf die Schultern von Arbeitnehmern, Rentnern und Familien verlagert. Ganz sicher nicht ohne Grund, denn der Staat verhält sich hier wie ein einnahmenmaximierender Monopolist, der die mobilen Steuersubjekte und -objekte relativ weniger belastet, da diese sich durch Steuerflucht schneller davonmachen können. Der immobile Teil der Bevölkerung dagegen muß weniger vorsichtig behandelt werden (analog zur Ramsey-Preisbildung im Monopol: hier ist der optimale Preis proportional zur reziproken Preiselastizität, diejenigen die am schlechtesten ausweichen können zahlen die höchsten Preise und subventionieren den Rest). Eine stärkere Belastung der mobileren Produktionsfaktoren Arbeit und Kapital würde kaum mehr Einnahmen, sondern noch weniger Investition und Arbeit bedeuten, gerade weil sich die Betroffenen durch Steuerflucht der Belastung vergleichsweise leicht entziehen können. Insofern ist der Appell des Journalisten, dieser "Ungerechtigkeit" ein Ende zu setzen, nicht besonders konstruktiv, da mit dem Weggang des Kapitals auch die Voraussetzungen für mehr Einkommen und Konsum verschwinden.

Sorgen sollte sich Herr Schumann eher um die Ausgabenseite des Staates machen. Schließlich ist der Staatshaushalt ein riesiger Selbstbedienungsladen für diverse Lobbygruppen, von dessen "wohltätigen Gaben" in erster Linie der gut organisierte und wohlhabendere Teil dieses Landes profitiert. Was für stimmenmaximierende Politiker ja wiederum nur rational ist. Der mitdenkende Bürger wird gekauft, den dummen Rest bewegt man mit den notwendigen ideologischen Argumenten zum "richtigen" Kreuz auf dem Stimmzettel.

07.07.2006 um 15:47 Uhr

Nützliche Diskriminierung

Viele Leute rümpfen die Nase, wenn Unternehmen für gleiche oder nahezu identische Produkte von unterschiedlichen Konsumentengruppen differenzierte Preise verlangen. Und dennoch trifft man auf dieses Gebahren wo man geht und steht.  Airlines, die Bahn, Kino und Theater sind klassische Beispiele. Aber selbst der Bäcker um die Ecke streut ein paar Körner auf sonst identische Brötchen, um ein paar Eurocent mehr vom Konsumenten zu ergattern. Das diese Art der Diskriminierung sowohl eine effiziente als auch eine verteilungspolitisch sinnvolle Art der Marktpreisbildung ist, beschreibt Robert H. Frank in seiner New York Times Kolummne "How Much Is That Laptop? It Depends on the Color of the Case. And That's Fair" (kostenfreie Registrierung nötig, übrigens auch eine Form der Preisdiskriminierung, Leser und Werbeadressaten, denen eine Registrierung zu aufwendig ist oder das Lesen am PC zu unbequem, kaufen sich das Blatt lieber am Kiosk).

Ein wichtiger Effekt dieser Preispolitik ist die damit erreichbare Ausnutzung von Größenvorteilen (positive Skalenerträge), die zu einer Reduzierung der Durchschnitts- und Grenzkosten der Produktion führt. Da durch die unterschiedlichen Preise alle Konsumenten mit einer Zahlungsbereitschaft oberhalb der Grenzkosten des Produkts bedient werden, steigt der Produktabsatz und die höheren Produktmengen können insgesamt günstiger produziert werden. Als Beispiel führt der Artikel einen Vergleich der Sitzplatzkosten zweier Versionen der Boing 737 an. Die Version des Verkehrsflugzeugs mit einer Mehrkapazität von 70 Sitzplätzen hat um 25 Prozent geringere Kosten pro Sitzplatz. Erst durch eine Differenzierung der Flugpreise lassen sich größere Maschinen gezielt vollständig auslasten. Ein klarer Effizienzgewinn für Produzent und Konsumenten.

06.07.2006 um 00:45 Uhr

Die dunkle Seite der Mindestlöhne

von: steffenh   Stichwörter: Wirtschaftspolitik

Die fatale Wirkung von Mindestlöhnen für geringqualifizierte Arbeitskräfte ist trotz immer wieder aufwallender Debatten (gute Zusammenfassung bei Statler&Waldorf) und den nicht endenden Forderungen aus dem Gewerkschaftslager allgemein bekannt. Die Wirkung von Mindestlöhnen als Wettbewerbsschutz der Unternehmen wird in der Öffentlichkeit dagegen kaum wahrgenommen. Eher unfreiwillig deutet ein Beitrag über Niedriglöhne im Gastgewerbe auf Gallileus zu einer Studie des Gelsenkirchner Institituts für Arbeit und Technik auf diesen Aspekt hin:

Für die Hotellerie zeichnet sich ab, dass Spielräume zur Kostensenkung allmählich ausgereizt und Einsparpotenziale bereits ausgenutzt sind. Vor diesem Hintergrund erscheint es nicht mehr überraschend, dass sich der Innungsverband der Gebäudereiniger für die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes einsetzt, um auf massive Durchsetzungsprobleme des Tarifvertrages zu reagieren und dem fortschreitenden Unterbietungswettbewerb Einhalt zu gebieten. Ein gesetzlicher Mindestlohn kommt damit nicht nur den Beschäftigten, sondern auch den Arbeitgebern zu Gute.

Der zitierte IAT-Report benutzt überdies eine eigenartige Definition für Verlierer. So werden die hohe Konkurrenz und im europäischem Maßstab niedrigen Bettenpreise in Deutschland beklagt, ein ganz klarer Vorteil für den Konsumenten. Verlierer seien weiterhin auch Reinigungskräfte mit Migrationshintergrund, die unter den Niedriglöhnen und der Reduzierung von Vollzeitstellen leiden. Die Lösung wäre nach Ansicht der Autoren nur ein Mindestlohn und eine Durchsetzung der bestehenden Flächentarifverträge. Fragt sich für wen eigentlich. Für die Gewerkschaften und ihre Mitglieder und einige konkurrenzscheue Reinigungsfirmen. Für die Reinigungskräfte mit Migrationshintergrund, die mit dieser Tätigkeit ihr Haushaltseinkommen aufbessern, sicher nicht.

03.07.2006 um 21:07 Uhr

Die fetten Jahre sind vorbei. 2. wesentlich verbesserte Auflage

Bryan Caplan hat dem eher unerträglichen Dialog zwischen Kidnapper Jan (Andre Brühl) und dem Villenbesitzer Hardenberg (Burghardt Klaußner) auf der Almhütte aus der Originalfassung des Films "Die fetten Jahre sind vorbei" etwas mehr Überzeugungskraft verliehen. Und siehe da, Gutmensch Jan und seine Mitstreiter kommen nun nicht mehr so glimpflich davon und Hardenberg führt die ganze Szene vor. Besonders schön:

Jan: Whatever. So how can you live knowing that people are starving for want of your help?

Hardenberg: How can you live knowing that people are starving for want of your help? While I've been your prisoner, you've smoked enough cigarettes to feed an African family for a year.


01.07.2006 um 16:47 Uhr

Die Webpage der Pandora

Im Informationszeitalter bringt Pandora nicht mehr das Unheil über die Erde, sondern ist ganz im Gegenteil ein Quell neuer musikalischer Inspirationen, die in ordentlicher Klangqualität übers Netz ins Wohnzimmer kommen. Das Pandora Internet Radio sucht ausgehend von einem individuellen Musikwunsch ähnliche Musikstücke und spielt sie nacheinander ab. Bewertet man die vorgeschlagenen Titel und Interpreten kann man die Suche verfeinern. So gewinnt der Anbieter nützliche Informationen über den Musikgeschmack seiner Nutzer. Und für mich scheint sich der Traum vom "Free Lunch" zu erfüllen.