Mit dem Kopf voran

10.08.2006 um 02:03 Uhr

Vorsicht Wirtschaftskundeunterricht!

von: steffenh   Stichwörter: Ökonomie

Greg Mankiws Blog machte mich gestern auf den Newsweek-Artikel "Capitalist Manifesto" aufmerksam:

 

Yet when Dariani looks back at his high-school days, a decade ago in the west German city of Kassel, he remembers his teachers warning against exactly what he's doing. "They taught us the market economy was a dangerous wilderness full of risk and bankruptcy," Dariani says. "We never learned how prices affect supply and demand, only about evil managers and unjust wages."

 

Dieser Artikel erinnert mich wiederum an eine eher unangenehme, aber sehr erhellende Debatte mit einer Wirtschaftskundelehrerin eines Gymnasiums. Nachdem ich der vielleicht zwei oder drei Jahre jüngeren Dame von meiner Gastgeberin als Volkswirt am Rande einer Geburtstagsfeier vorgestellt wurde, fragte sie mich, ob ich ihr nicht den Verlauf der Angebots- und Nachfragefunktion in einem Marktdiagramm erläutern könne. Sie würde selbigen seit einem Jahr versuchen ihren Schülern zu erklären, hätte aber die Details selbst noch nicht richtig verstanden. So versuchte ich eine einfache Beschreibung und empfahl ihr als weitere Lektüre David Friedman's anschauliche Lehrbuchadaption "Der ökonomische Code. Wie wirtschaftliches Denken unser Handeln bestimmt". Leider musste ich aber im Verlauf des Gesprächs feststellen, dass die Lehrerin eigentlich weniger an den unbequemen Details von Angebot und Nachfrage, als vielmehr an einer Bestätigung ihres unternehmerfeindlichen und sozialromantischen Weltbilds gelegen war. Nach einer ermüdenden Debatte über den vermeintlichen Widerspruch von hohen Gewinnen und Arbeitsplatzabbau und das soziale Desaster der Globalisierung quittierte sie schließlich meinen Einwand auf ihre Beschwerde über das aus ihrer Perspektive hohe Londoner Preisniveau, das sei wohl mehr eine Folge der hohen Nachfrage seiner überdurchschnittlich zahlungskräftigen Bewohner als ein Ausdruck von Ausbeutung, mit einer abfälligen Bemerkung, in der das unvermeidliche Wörtchen "neoliberal" nicht fehlen durfte, und beendete abrupt das Gespräch. Was soll man dem für die Zukunft der Bildung unserer nachwachsenden Generation entnehmen? Wenig Ermutigendes.

10.08.2006 um 01:02 Uhr

Irgendwas geht immer nach hinten los

Offenbar sind die Grünen wieder einmal über das "Gesetz der ungewollten Konsequenzen" gestolpert. Kaum wird auch in Europa die Regulierung des Rauchens in öffentlichen und privaten Räumen forciert, schon reagieren die Gemaßregelten, in dem sie sich die durch politischen Aktionismus zusätzliche Kosten verursachenden Raucher vom Hals schaffen. Verständlich, dass ein Unternehmen auf die Einstellung von Rauchern verzichtet, wenn es gezwungen ist, hohe Kosten verursachende Vorkehrungen zu treffen, um die Nichtraucher vor den Abgasen ihrer rauchenden Kollegen zu schützen. Im Extremfall ist dann eine Diskriminierung von Rauchern die billigere Alternative. So ein Verhalten ist nicht neu, kennen wir doch den Wohnungsmarkt, wo einkommensschwache Wohnungssuchende, Familien mit Kindern oder Hundebesitzer mitunter schlechte Karten haben, weil der Vermieter wegen großzügiger Kündigungsschutzregeln von vorn herein kein Risiko eingehen möchte und sich seine Kunden besonders sorgfältig auswählt.

Es reicht nicht, dass die gegenwärtigen Bestrebungen der Bundesregierung zusätzliche Rauchverbote einzuführen, eine sachliche Nutzen-Kosten-Bewertung vermissen lassen. Nein, es wird auch wenig über die unbeabsichtigten Nebenwirkungen dieser Politik nachgedacht.

Als überzeugter Nichtraucher (und Fan des Coase-Theorems) frage ich mich immer wieder: Sind die Raucher für mich ein Problem oder bin ich ein Problem für die Raucher? Ich kann dem Qualm aus dem Weg gehen. Und für die Folgen ihrer Leidenschaft sind meine rauchenden Mitmenschen selbst verantwortlich und in der Regel gestraft genug. Inzwischen weiß man, dass Raucher gute Steuerzahler sind und häufig früher sterben. Das spart wiederum Kosten. Den entstehenden Schaden für die Allgemeinheit dürfte die üppige Tabaksteuer wohl bereits decken.

09.08.2006 um 10:25 Uhr

Wenn das Klima nicht mitspielt

Die amerikanischen Klimaexperten Dr. Pielke, Sr. und Dr. Pielke Jr. in ihrem gemeinsamen Beitrag "Big Time Gambling With Multi-Decadal Global Climate Model Predictions" zu den Grenzen modellgestützter langfristiger Klimaprognosen als Informationsbasis der Klimapolitik:

There is no greater danger to support for action on important issues of human impacts on the environment than an overselling of what climate science can provide. If the climate behaves in ways that are unexpected or surprising it will be more than just credibility that is lost. Advocates for action should think carefully when gambling with the unknown predictive abilities of climate models. The human influence on the climate system is real, but the climate may not always cooperate.

09.08.2006 um 01:03 Uhr

Skandalbehaftet?

Berliner Politiker und Medien haben ihr Sommerthema, der Skandal um das verpatzte Geschäft mit dem Medienareal rund um das Funkhaus Nalepastraße. Verbissen versuchen Berliner Spitzenpolitiker der Baufirma, die an Stelle der öffentlichen Liegenschaftsgesellschaft einen Reibach von 3,9 Mio. Euro mit dem Gelände gemacht hat, illegale Machenschaften anzuhängen, um das Geschäft annullieren zu können, damit der Gewinn doch noch an den Staat geht. Der hatte, in Form der Liegenschaftsgesellschaft von Sachsen-Anhalt das Areal für nicht mal ein Zehntel der Summe an die wesentlich geschäftstüchtigere Baufirma verschachert. Noch weiß niemand genau, was wirklich hinter den Kulissen des Geschäfts lief. Aber ist das wirklich wichtig?

Ob die 3,9 Mio. Euro vom Staat oder dem privaten Investor konsumiert bzw. investiert werden ist zunächst ziemlich irrelevant. Irgendjemand kauft von dem Geld Güter und Dienstleistungen, deren Produktion Einkommen und Arbeitsplätze erzeugen. Letztlich wichtig ist die Frage, wer von beiden das Geld sinnvoller anlegt.

Nun, der Staat ist dafür bekannt, das er vor allem konsumiert und bei seinen Investitionen eher selten an die langfristige Effizienz der Ausgaben denkt. In der Regel fließen staatliche Investitionsmittel in Projekte, die von privaten Marktakteuren aufgrund zu geringer Nachfrage oder zu hohen Risikos nicht getätigt worden wären. Manchmal mag es sinnvoll sein, diese Projekte doch durchzuführen, weil etwa positive Externalitäten entstehen, die ein gesellschaftlich sinnvolles Marktangebot verhindern. Das mag für den Bildungssektor und die Grundlagenforschung zum Teil zutreffen, kann aber staatliche Investitionen in anderen Bereichen nicht rechtfertigen. Staatliche Akteure investieren in derartige Projekte, weil sie die Nutzen in Form von Wählerstimmen und politischer Unterstützung der Begünstigten individuell einstreichen, die Kosten aber aufgrund ihres Machtmonopols sozialisieren können. Eine unmittelbare soziale oder gesellschaftliche Kontrolle über eine sinnvolle Verwendung der 3,9 Mio. Euro würde also kaum stattfinden.

Die Baufirma dagegen trägt die Risiken der Verwendung des Verkaufserlöses selbst und wird sie daher nur in Projekte stecken, die sich unter den gegebenen Marktbedingungen rentieren. Die Kontrolle übernehmen unzählige, ebenfalls das eigene Marktrisiko selbst zu verantwortende Anbieter und Nachfrager auf den Märkten. Tätigt die Firma Fehlinvestitionen, dann richtet sie mit Sicherheit nicht mehr Schaden an als der Staat, bekommt aber anders als die Politik ganz unmittelbar einen ordentlichen Denkzettel.

Was bleibt, ist also wie immer eine dieser leidigen Verteilungsdebatten, über die sich jeder sein eigenes Urteil bilden kann. Eine nüchterne Diskussion über die Sinnhaftigkeit der Mittelverwendung findet dagegen nicht statt. Ohnehin ist mit ziemlicher Sicherheit abzusehen, dass ein Erfolg der Politik in dieser Sache in überbordenden Auflagen für zukünftige Investoren und dem Signal mangelnder Rechtssicherheit gipfelt. Damit wäre dann auch wahrscheinlich, dass sich für den jetzigen Preis kein neuer Käufer mehr findet.

08.08.2006 um 13:12 Uhr

Blogosherenforschung

Wie ich David Harnasch's Blog entnehme, wird von Studenten der Uni Leipzig eine Online-Umfrage zur Erforschung der Blogosphere durchgeführt. Na dann wollen wir mal den Kollegen bei ihrer Forschungsarbeit etwas unter die Arme greifen und die 10 Minutenin den Fragebogen investieren.

08.08.2006 um 08:52 Uhr

T. Cowen in der NZZ

Für diejenigen, die "Marginal Revolution" nicht ohnehin schon täglich lesen ein Artikel in der Neuen Zürcher Zeitung über dessen Kopf Professor Tyler Cowen:

Das Faszinosum der Vielfalt

Die verschiedenen Welten des Ökonomieprofessors Tyler Cowen

S. Es ist nicht ungewöhnlich, aber doch immer wieder wohltuend überraschend, wenn man feststellt, dass die grössten Bewunderer der Schweiz Ausländer sind. Einer davon ist Tyler Cowen. Er ist zumindest in einschlägigen Kreisen bekannt als ein Experte in Sachen Kunstökonomie (oder wohl eher: Kulturökonomie). Der 44-Jährige unterrichtet Wirtschaftswissenschaften an der renommierten George Mason University und hat bei den besten Verlagen insgesamt elf Bücher veröffentlicht, darunter «Good & Plenty: The Creative Successes of American Arts Funding», das dieses Jahr bei Princeton University Press erscheint, «Creative Destruction: How Globalization is Changing the World's Cultures» (2002) oder «In Praise of Commercial Culture» (1998).

Sein Besuch in der Schweiz verdankt sich einer Einladung der Zürcher Progress Foundation, an deren «Economic Conference» vom Juni er über Kulturförderung aus amerikanischer Perspektive spricht. Cowen tut dies zwar mit viel Detailkenntnis, er nutzt aber seinen Auftritt zugleich, um der Schweiz ans Herz zu legen, doch ja ihre Eigenarten in allen Belangen, auch im Kulturellen, zu bewahren, und sich deshalb ja nicht der EU anzuschliessen. Dass dies nicht romantische Verklärung einer Schweiz, die es so gar nicht mehr gibt, ist, zeigt sich im Laufe des Vortrages und im anschliessenden Gespräch. Cowen wechselt zum Schluss auf Deutsch, das er bemerkenswert gut spricht, und er gibt zu erkennen, dass er in den meisten Kantonen der Schweiz schon mehrmals war, und zwar auch an durchaus abgelegenen und unspektakulären Orten.

Die Begeisterung und Kenntnis geht nicht zuletzt auf einen einjährigen Studienaufenthalt an der Universität Freiburg im Breisgau 1985–86 zurück. Er hat dort, wie er etwas schelmisch gesteht, nicht in erster Linie Ökonomie studiert, sondern Deutsch gelernt und sich mit europäischer, vor allem deutschsprachiger Kultur beschäftigt.  Cowen scheint denn auch kleinere Museen, die Spielpläne der grossen Opernhäuser oder weniger bekannte Künstler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wie selbstverständlich aus dem Gedächtnis abrufen zu können, so, als ob sein Fach nicht die «dismal science» der Ökonomie wäre, sondern Musik oder Kunstgeschichte.

Noch begeisterter als von seinem Fach und von Kultur – unser Gesprächspartner, der auch Spanisch spricht, sammelt unter anderem mexikanische sowie haitianische Volkskunst und besitzt Tausende von CD – ist er aber von seinem Blog, www.marginalrevolution.com. Das «Wall Street Journal» nannte diesen 2004 einen der vier besten ökonomischen Blogs im Netz. Cowen hat ihn vor rund drei Jahren gestartet und betreibt ihn zusammen mit seinem Kollegen Alex Tabarrok täglich – 365 Tage im Jahr –, er schreibt Texte, weist auf neue Publikationen hin, stellt Links zu anderen Anbietern von Informationen her. Mit 5,5 Millionen verschiedenen Besuchern seit der Gründung und 20 000 bis 30 000 Besuchern täglich ist er im Urteil Cowens auch der grösste ökonomische Blog in den USA. Da er naturgemäss viele Reaktionen erhält, investiert er täglich ein bis zwei Stunden in dieses «Hobby». Die Reaktion seiner Frau, einer gebürtigen Russin, auf die Zeitangabe lässt allerdings vermuten, dass die Zeit wohl etwas höher anzusetzen ist.

Die Spannbreite der Themen ist enorm, da finden sich Betrachtungen über den Krieg im Nahen Osten, über Frankreichs Reichensteuer oder über die Ursachen der landwirtschaftlichen Revolution ebenso wie eine ökonomische Interpretation von Dürrenmatts «Besuch der alten Dame», eine Aufzählung schwieriger Fragen, die Cowen gerne seinen Gesprächspartnern beim Mittagessen stellt, eine Analyse der Flugpreise bei Internet-Buchung oder Überlegungen zu Freundschaft und Erotik. Als roter Faden zieht sich durch alle Texte, Hinweise und Links die ökonomische und liberale Perspektive. Daneben betreibt der vielseitige Professor auch noch einen Restaurantführer für Washington auf dem Internet. Doch dahinter steckt durchaus ein tieferer Sinn: Die Die Küche zählt für ihn, als wäre er ein Franzose, ganz selbstverständlich zur Kultur, und die Globalisierung, die die ethnischen Küchen auf der ganzen Welt verbreitet hat, empfindet er auch von daher als kulturelle Bereicherung.

Ein faszinierender Autor ("Weltmarkt der Kulturen") und ein offenbar gnadenloses Arbeitstier...

07.08.2006 um 17:37 Uhr

Eine Prise Selbstkritik...

...streut Chris Harris in der Einleitung seines neuen Handbuchs der Elekrizitätswirtschaft Electricity Markets in das Getriebe der Stromversorger:

Perhaps a little knowledge is a dangerous thing, but many policy decisions have been made with violations of some very basic scientific, economic or technological principles. It is to the discredit of the ESI [Electricity Supply Industry] that opinion has often prioritised over education.

Der EU-Emissionshandel als eines der jüngsten umwelt- und energiepolitischen Schelmenstücke - hier immer wieder dokumentiert, woanders ebenfalls im Detail kritisiert - sollte hierfür als mahnendes Beispiel dienen.


07.08.2006 um 10:02 Uhr

Mitnahmeeffekte

In Australien soll nun mit öffentlicher Förderung die originelle, jedoch inzwischen nicht mehr spektakuläre Idee eines solaren Saugkraftwerkes in die Tat umgesetzt werden. Was mir an der Nachricht auffiel war nicht so sehr die Sache an sich, sondern eine kleine Randbemerkung eines der potentiellen Betreiber:

But out at Tapio Station, Davey [der Investor] insists that the solar tower will be built whether or not the government gives EnviroMission $ 75 million. "This used to be a dream," he says, staring out at the horizon where the tower will rise. "Then it became a concept. Now it's becoming reality."

Bei allem wünschenswerten Umweltnutzen, es bleibt ein bitterer Nachgeschmack bei Nachrichten über diese Umverteilungsmaschinen.

06.08.2006 um 18:15 Uhr

Nichts zu machen?

"Ein Stau ist etwas ganz natürliches" kommentiert Physik-Professor Schreckenberg von der Uni-Duisburg-Essen die vor allem zur Ferienzeit verstopften Autobahnen und ergänzt, das komme auch im Tierreich häufig vor. Daher könnten wir auch bei der Lösung des Stauproblems von den Tieren lernen. Nun, so weit brauchen wir eigentlich nicht zu gehen, denn einige Vertreter unser eigenen Spezies, die Ökonomen, propagieren schon seit langem eine wirksame, wenn auch leider häufig unpopuläre Lösung dieses Problems.

Wir alle beklagen uns über Staus, wir alle verursachen sie. Staus oder genauer genommen die sinnlose Warterei auf der Straße sind die Folge individueller Handlungen deren soziale Kosten von den Verursachern nicht berücksichtigt werden. Autofahrer, die auf eine Straße auffahren und Fahrmanöver vornehmen, berücksichtigen dabei ihre individuellen Vor- und Nachteile, nicht jedoch die anderer Fahrzeugführer.

Und genau hier liegt der Schlüssel zur Lösung des Problems. Eine Methode, den Autofahrern die Kosten anzulasten, die sie für die anderen Autofahrer mitverursachen. Autofahrten finden statt, wenn deren zusätzliche Nutzen die zusätzlichen Kosten übersteigen. Höhere Kosten, weniger Autofahrten. Wenn die zusätzlichen Kosten einer Autofahrt die Kosten für die anderen Autofahrer mitberücksichtigen, wird weniger gefahren oder es werden alternative Verkehrsmittel genutzt. Der Stau löst sich auf. All dies legt eine PKW-Maut nahe, die mit variablen Mautsätzen die "externen Kosten" der Autofahrt internalisiert. Der Verkehr wird flüssiger, die Nerven der Fahrzeuginsassen entspannen sich, die Umweltbelastung in ungüstigen Drehzahlbereichen fahrender Fahrzeuge reduziert sich und diejenigen mit dem höhsten Nutzen aus einer Autofahrt kommen zu erst zum Zuge. Und der Betreiber der Straße kann herausfinden, ob er den Stau am besten über die Mauthöhe reguliert, jedoch bei zu hohen Sätzen Einnahmen durch abtrünnige Autofahrer verliert, oder die Straßenkapazität erweitert um seine Kunden zu halten. Also wird nicht nur das temporäre Stauproblem reduziert, sondern es lassen sich langfristig auch Informationen über die optimale Straßenkapazität sammeln. Straßen werden gezielt ausgebaut und erweitert, statt das Ergebnis von Prognosen mit zweifelhaften Prämissen zu sein.

Ein Stau mag etwas Natürliches sein, weil das ihm zugrundeliegende Verhalten in der Natur des Menschen liegt. Die Natur hat uns jedoch dazu befähigt Probleme zu lösen. Hier haben wir dem Tierreich ein Stück Intelligenz und Flexibilität voraus. Denke ich aber an die ablehnende Haltung vieler Mitbürger gegenüber einer konsequenten Nutzerfinanzierung unserer Straßen, bin ich mir da manchmal nicht mehr so sicher.

05.08.2006 um 20:09 Uhr

Berliner Hanfparade

Eine liberale Drogenpolitik, prominente Forderung der heutigen Berliner Hanfparade, ist wohl eine der wenigen politischen Forderungen, die ich mit den zumeist politisch linken Demonstranten ohne Einschränkung teile.

Die Kriminalisierung von Drogen kann auf eine Bilanz der Drogenkriminalität und des Elends vieler betroffenen Drogenabhängigen zurückblicken. Erst durch das Drogenverbot und die damit verbundenen hohen Risiken des Drogenhandels lassen sich auf den illegalen Drogenmärkten hohe Gewinne erzielen, die wiederum eine hohe Gewaltbereitschaft der Anbieter im Kampf um Marktanteile und eine hohe Beschaffungskriminalität erzeugen. Zudem führt die Marktillegalität zu erheblichen Informations- und Qualitätsproblemen, mit den damit verbundenen gesundheitlichen Folgen für Drogenabhängige.

Aus gegebenem Anlass verlinke ich daher auf David Friedman's Aufsatz "Drugs, Violence und Economics" in dem er sich mit dem Zusammenhang von Drogenverboten und Drogenkriminalität auseinandersetzt. Auch Jeffrey Alan Miron's Buch "Drug War Crimes: The Consequences of Prohibition" sollte bei keinem der Demonstranten und der verantwortlichen Politiker auf der Leseliste fehlen.

04.08.2006 um 17:44 Uhr

Teures Pflaster!

Autobahnen sind teuer, wohl aber vor allem wegen der Bürokratiekosten des Straßenbaus. Wie der Focus vor geraumer Zeit berichtete verursachte die Verwaltung in der Genehmigungsphase von neun Autobahnneubauprojekten 35 % der Kosten, ergänzt durch den Aufwand für sonstige Verwaltung und Gutachten im Umfang von 21 %. Lediglich ein Viertel der Kosten verursachte die eigentliche Fahrbahn und weitere 19 % entfielen auf weitere Straßenausstattung wie Lärmschutz und Telematik.

04.08.2006 um 17:28 Uhr

Mautkiller

Most of economics can be summarized in four words: "People respond to incentives."  The rest is commentary.

Mit diesen Sätzen beginnt das erste Kapitel der fesselnden Analyse der Ökonomik unseres Alltags "The Armchair Economist" von Steven Landsburg. Und unser Alltag bestätigt diese Faustregel immer wieder aufs neue. So erfährt man aus der aktuellen Ausgabe von "Verkehr+Umwelt" unter Berufung auf Daten des Kraftfahrtbundesamtes, dass seit Einführung der LKW-Maut im Januar 2005 die Zahl der Neuzulassungen bei mautfreien mittelschweren Lastwagen (7,5t bis 12t) um knapp 28 % gestiegen ist, der Zuwachs bei den schweren LKW (>12t) lag im gleichen Zeitraum nur bei 1,8 %. Ein Grund mehr den Infrastruktursozialismus in diesem Land auf eine echte Nutzerfinanzierung der Straßen mit einer Maut für alle Fahrzeuge umzustellen.

04.08.2006 um 10:33 Uhr

Spielwiese für den Stimmenkauf

Professor Jürgen B. Donges in seinem Kommentar "Das deutsche Sozialstaatsparadoxon" in der Financial Times Deutschland (Nachdruck INSM):

Paradox an der Diskussion ist, dass dem Sozialstaat immer noch so viel zugetraut wird, obwohl er offensichtlich versagt hat. Was soll man von einem Staat halten, der mehr als 50 Prozent seines Budgets für Sozialausgaben verwendet und zugleich seit Jahren alle Rekorde bei Dauerarbeitslosigkeit bricht? Wie viel kann ein Sozialstaat noch wert sein, in dem ein Großteil der Bevölkerung meint, von sozialen Leistungen abhängig zu sein? Politökonomisch betrachtet dient ein solcher Sozialstaat wohl eher als eine Spielwiese für den Stimmenkauf.

Doch die Bürger sollten fragen, was mit ihrem Geld eigentlich erreicht wird. Pro Jahr werden 150 Mrd. Euro für die Förderung von Kindern und Familien ausgegeben - gleichzeitig geht die Zahl der Geburten zurück, es fehlen Kindergartenplätze, und der bauliche Zustand vieler Schulen ist erschreckend. Bis zu 40 Mrd. Euro gibt der Staat jährlich für die Förderung von Langzeitarbeitslosen aus - ohne spürbaren Erfolg. Dafür nimmt der Finanzminister in diesem Jahr neue Kredite in Höhe von 39 Mrd. Euro auf, während die öffentlichen Investitionen bei 23 Mrd. Euro stagnieren. Der Traum vom "schlanken Staat" ist ausgeträumt.


04.08.2006 um 09:54 Uhr

Kannte Brecht die Bundesregierung?

Meine Herren, das ist sehr schwierig
Mit der Arbeitslosigkeit.
Wir ergriffen ja begierig
Jegliche Gelegenheit
Diese Sache zu – besprechen
Wann Sie wollen! Jederzeit!
Denn das muß ein Volk ja schwächen
Diese Arbeitslosigkeit.

Uns ist sie ja unerklärlich
Diese Arbeitslosigkeit
Dabei ist sie so beschwerlich
Und es wär auch höchste Zeit!
Dabei darf man nicht einmal
Sagen, sie sei unerklärlich
Denn das ist ja auch fatal
Das verschafft uns nämlich schwerlich

Das Vertrauen bei den Massen
Und das ist uns unentbehrlich
Man muß uns gewähren lassen
Denn das wäre ganz gefährlich
Jetzt das Chaos zu entfachen
In so ungeklärter Zeit!
So etwas darf man nicht machen
Bei der Arbeitslosigkeit!

Oder was ist Ihre Meinung?
Passen würd uns in den Kram
Diese Meinung: die Erscheinung
Wird verschwinden, wie sie kam.

Aber die erzählt uns hier nicht:
Unsere Arbeitslosigkeit
Geht nicht eher weg, eh ihr nicht
Arbeitslos geworden seid!

Ich bin mir unsicher, ob ich Bertolt Brechts Gedanken in seinem Gedicht "Arbeitslosigkeit" richtig interpretiere. Aber offenbar war er schon vor 75 Jahren zu der Erkenntnis gekommen, dass solche politischen Institutionen wie das inzwischen beerdigte "Bündnis für Arbeit" und seine Nachfolgebemühungen den Betroffenen mit ihrer Selbstauflösung den größten Gefallen tun würden. Bloß schade, dass dem Dichter diese Erkenntnisse später immer wieder entfallen sind. Sonst würden Politiker, die sich in seiner intellektuellen Tradition sehen, heute arbeitslos sein oder besser noch etwas Sinnvolles tun.

03.08.2006 um 09:43 Uhr

Menschenverachtende Politik!

Sechs Todesopfer als Folge der gestrigen Verfolgungsjagd eines Schlepper-PKWs durch die Polizei in Brandenburg sind ein weiterer Beleg für die unmenschliche Wirkung der Kriminalisierung von Wirtschaftsimmigranten nach Deutschland durch die Bundesregierung. Ganz abgesehen davon, dass Einwanderungsbeschränkungen die verzweifelten Flüchtlinge in die Hand von (erst durch diese Politik entstehende) kriminellen Schlepperbanden treiben, denen sie große Teile ihres kärglichen Vermögens und oft auch ihr Leben in die Hand geben müssen, beschränkt diese Einwanderungspolitik die Freiheit sowie die wirtschaftlichen Entfaltungsmöglichkeiten der Einwanderer und der Deutschen.

03.08.2006 um 01:39 Uhr

Fatale Fehler

Der amerikanische Ökonom William Baumol über die fatalen Konsequenzen lückenhafter ökonomischer Analyse in "Errors in Economics and their Consequences":

"IF ALL ECONOMISTS WERE LAID END TO END, THEY WOULD NOT REACH a conclusion" is a standard witticism about my discipline and one that relates to two made in this paper. First, the witticism itself it simply wrong--a problem that is more characteristic of the field is not excessive disagreement, but its opposite: the propensity of its practitioners to agree too much. One need merely look at the standard economics texts, the subjects they encompass, the tools they utilize to analyze those subjects, and the conclusions they derive to recognize that there are no profound differences in analytic approaches. Of course, economists do disagree, sometimes passionately, primarily because their varied political orientations, which are patently not derived from economic analysis (nor are they claimed to be so derived) do frequently lead them to differ sharply in their recommendations. But that is, evidently, a very different matter from incompatible analysis.

Second, the jest can be interpreted to imply that because economists allegedly so often disagree, at least some of them must frequently be wrong. Of course, I can hardly deny my own errors or those of my colleagues. Indeed, I will offer a number of illustrations in the text that follows. But economists are hardly the only source of economic errors. My discipline is particularly vulnerable to mistaken ideas contributed from the outside.

Unfortunately, unlike fields such as physics, economics is a subject on which even the most ill-informed of individuals are apt to feel themselves qualified to make authoritative pronouncements. After all, everyone participates in the economy in one way or another. Moreover, where widespread misconceptions passionately held are the result, democratic government can be forced to act in accord with them. Politicians, too, frequently just assume that they understand the workings of complex but common economic phenomena, and have been content to proceed to their conclusions with little evidence or analysis.

In this paper, I will deal with a variety of illustrative errors, focusing among others on two that are critical for policy: the notion that a budget deficit constitutes a burden for our grandchildren, and the idea that rising costs of health care and education mean that society will be increasingly incapable of financing them and that cutbacks in both of these vital services are therefore unavoidable.


03.08.2006 um 00:11 Uhr

The Pentagon is the Post Office with nuclear weapons

Alex Tabarrok auf Marginal Revolution. Den zu diesem Zitat gehörenden Text muß man einfach verlinken:

All wars are full of incompetence, mendacity, fear, and lies.  War is big government, authoritarianism, central planning, command and control, and bureaucracy in its most naked form and on the largest scale.

02.08.2006 um 11:31 Uhr

...für trübe Tage

von: steffenh   Stichwörter: Musik

Es gibt Tage, die bleiben dunkel, obwohl die Sonne aufgeht. Damit diese Zeit nicht vollständig verloren ist, braucht man die richtige Musik. Sophia's People are like Seasons (Video: "Oh my love") passt da perfekt. Danke für die CD, Anne!

01.08.2006 um 00:31 Uhr

Konstruiertes Glück!

Glaubt man einer Studie der New Economics Foundation, dann ist Glück nicht so sehr eine Sache von Wohlstand und Gesundheit, sondern schlichtem Lebensstandard. Jedenfalls stellen sie fest, dass die südpazifische Inselgruppe Vanuatu (Jahreseinkommen 3346 $(PPP)/Kopf) die glücklichsten Menschen beheimatet, gefolgt von den Entwicklungsländern Columbien, Costa Rica, der Dominikanischen Republik, Panama und Cuba. Die Bewohner von Industriestaaten wie Großbritannien (30470 $/Kopf) und den USA (41399 $/Kopf) gehören dagegen nach dem Glücksindex der Studie zu den unglücklichsten Bewohnern dieses Planeten.

Wie kommt man zu einem derartigen Index? Nun, man hat eine Agenda im Kopf, nach der jederman unglücklich zu sein hat, der einen großen "ökologischen Fußabdruck" erzeugt und setzt diese Agenda in einen Index um, der vom Einfluß des "ökologischen Fußabdrucks" dominiert wird:

Glücksindex = (Zufriedenheit x Lebenserwartung)/"ökologischer Fußabdruck"

Was daraus resultiert ist klar, wenn man berücksichtigt, dass die Variablen Zufriedenheit  und Lebenserwartung ebenso signifikant positiv mit dem Pro-Kopf-Einkommen korelliert sind wie der "ökologische Fußabdruck". Dann ist der Einfluß zusätzlichen Einkommens auf den Glücksindex zunächst bestenfalls unbestimmt. Berücksichtigt man zusätzlich, dass die Einkommenselastizität der Zufriedenheit und der Lebenserwartung im verwendeten Datensatz degressiv positiv ist, der "ökologische Fußabdruck" - dominiert vom Energieverbrauch - dagegen proportional zum Einkommen wächst, dann ist ein negativer Einfluß des Einkommens auf das Glück vorprogrammiert (ausführliche Analyse und Abbildungen bei Heavy Lifting).

Die ideologische Konstruktion dieses Glücksindex war denn auch Anlaß für diese schallende Ohrfeige vom Experten in Sachen Glücksforschung Will Wilkinson:

There is simply no non-crazy sense in which Vanuatu is the world’s happiest country. And there is no credible empirical reason for docking countries on any kind of index of human well-being for producing a lot of wealth. The evidence says that the happiness of poor populations like Vanuatu’s would skyrocket with swift economic growth. But growth is exactly what NEF is trying to limit. Their pseudo-study encourages us to be complacent about the poverty of Vanuatu, which is, after all, the “happiest” place on our “happy planet,” on the basis of the fact that they use almost no energy. If you really care about the well-being and happiness of the world’s poor, then agressively misleading publicity stunt studies like this one, and the people who author them, deserve nothing but our scorn.

Heavy Lifting's Kommentar "My take is that while it is possible to be happy with less, it is far easier to be happy with more." kann ich nur zustimmend ergänzen: Wir verweichlichten Wohlstandsbürger haben es einfach verlernt, mit chronischen Zahnschmerzen und schlecht bezahlten Knochenjobs glücklich zu sein. Hacken zusammen, man kann auch im Unglück noch lachen! Hauptsache der Energieverbrauch hält sich in Grenzen.

Update: Ein etwas objektiveres Glücksranking inklusive einer Weltglückskarte veröffentlichte unlängst der New Scientist. Hier haben die gar nicht so armen Dänen (34737 $/Kopf) die Nase vorn.

Update 2: Florian hat mich freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht, dass wichtige deutsche Massenmedien wie tagesschau, Spiegel-Online u.a., ohne auch nur eine Minute über die fragwürdige Methode des Glücks-Index nachzudenken, entsprechend reißerische Beiträge wie "Gefühlstudie: Die Glückskinder von Vanuatu" veröffentlicht haben. Diese Art der Berichterstattung kann jedoch nicht allein an der berufsbedingten Oberflächlichkeit von Journalisten liegen. Denn wer in verschiedenen Zeitungen zum Thema recherchiert und sich anstatt zuerst die Untersuchungsmethodik unter die kritische Lupe zu nehmen die Mühe macht, die Inhalte eines Interviews eines Journalisten einer in Vanuatu ansäßigen Zeitung zu zitieren, der hat die Agenda der Autoren der Studie wohl bereits verinnerlicht.