Mit dem Kopf voran

10.08.2006 um 02:03 Uhr

Vorsicht Wirtschaftskundeunterricht!

von: steffenh   Stichwörter: Ökonomie

Greg Mankiws Blog machte mich gestern auf den Newsweek-Artikel "Capitalist Manifesto" aufmerksam:

 

Yet when Dariani looks back at his high-school days, a decade ago in the west German city of Kassel, he remembers his teachers warning against exactly what he's doing. "They taught us the market economy was a dangerous wilderness full of risk and bankruptcy," Dariani says. "We never learned how prices affect supply and demand, only about evil managers and unjust wages."

 

Dieser Artikel erinnert mich wiederum an eine eher unangenehme, aber sehr erhellende Debatte mit einer Wirtschaftskundelehrerin eines Gymnasiums. Nachdem ich der vielleicht zwei oder drei Jahre jüngeren Dame von meiner Gastgeberin als Volkswirt am Rande einer Geburtstagsfeier vorgestellt wurde, fragte sie mich, ob ich ihr nicht den Verlauf der Angebots- und Nachfragefunktion in einem Marktdiagramm erläutern könne. Sie würde selbigen seit einem Jahr versuchen ihren Schülern zu erklären, hätte aber die Details selbst noch nicht richtig verstanden. So versuchte ich eine einfache Beschreibung und empfahl ihr als weitere Lektüre David Friedman's anschauliche Lehrbuchadaption "Der ökonomische Code. Wie wirtschaftliches Denken unser Handeln bestimmt". Leider musste ich aber im Verlauf des Gesprächs feststellen, dass die Lehrerin eigentlich weniger an den unbequemen Details von Angebot und Nachfrage, als vielmehr an einer Bestätigung ihres unternehmerfeindlichen und sozialromantischen Weltbilds gelegen war. Nach einer ermüdenden Debatte über den vermeintlichen Widerspruch von hohen Gewinnen und Arbeitsplatzabbau und das soziale Desaster der Globalisierung quittierte sie schließlich meinen Einwand auf ihre Beschwerde über das aus ihrer Perspektive hohe Londoner Preisniveau, das sei wohl mehr eine Folge der hohen Nachfrage seiner überdurchschnittlich zahlungskräftigen Bewohner als ein Ausdruck von Ausbeutung, mit einer abfälligen Bemerkung, in der das unvermeidliche Wörtchen "neoliberal" nicht fehlen durfte, und beendete abrupt das Gespräch. Was soll man dem für die Zukunft der Bildung unserer nachwachsenden Generation entnehmen? Wenig Ermutigendes.

10.08.2006 um 01:02 Uhr

Irgendwas geht immer nach hinten los

Offenbar sind die Grünen wieder einmal über das "Gesetz der ungewollten Konsequenzen" gestolpert. Kaum wird auch in Europa die Regulierung des Rauchens in öffentlichen und privaten Räumen forciert, schon reagieren die Gemaßregelten, in dem sie sich die durch politischen Aktionismus zusätzliche Kosten verursachenden Raucher vom Hals schaffen. Verständlich, dass ein Unternehmen auf die Einstellung von Rauchern verzichtet, wenn es gezwungen ist, hohe Kosten verursachende Vorkehrungen zu treffen, um die Nichtraucher vor den Abgasen ihrer rauchenden Kollegen zu schützen. Im Extremfall ist dann eine Diskriminierung von Rauchern die billigere Alternative. So ein Verhalten ist nicht neu, kennen wir doch den Wohnungsmarkt, wo einkommensschwache Wohnungssuchende, Familien mit Kindern oder Hundebesitzer mitunter schlechte Karten haben, weil der Vermieter wegen großzügiger Kündigungsschutzregeln von vorn herein kein Risiko eingehen möchte und sich seine Kunden besonders sorgfältig auswählt.

Es reicht nicht, dass die gegenwärtigen Bestrebungen der Bundesregierung zusätzliche Rauchverbote einzuführen, eine sachliche Nutzen-Kosten-Bewertung vermissen lassen. Nein, es wird auch wenig über die unbeabsichtigten Nebenwirkungen dieser Politik nachgedacht.

Als überzeugter Nichtraucher (und Fan des Coase-Theorems) frage ich mich immer wieder: Sind die Raucher für mich ein Problem oder bin ich ein Problem für die Raucher? Ich kann dem Qualm aus dem Weg gehen. Und für die Folgen ihrer Leidenschaft sind meine rauchenden Mitmenschen selbst verantwortlich und in der Regel gestraft genug. Inzwischen weiß man, dass Raucher gute Steuerzahler sind und häufig früher sterben. Das spart wiederum Kosten. Den entstehenden Schaden für die Allgemeinheit dürfte die üppige Tabaksteuer wohl bereits decken.