Zum Sommer durchgeboxt
Fast schade, dass die Sonne wieder scheint. Hatte ich doch gerade die richtige Musik gefunden, die das Zeug hat, mich durch diesen trüben Sommeranfang zu boxen.
Fast schade, dass die Sonne wieder scheint. Hatte ich doch gerade die richtige Musik gefunden, die das Zeug hat, mich durch diesen trüben Sommeranfang zu boxen.
In den letzten Tagen sind offenbar viele Leser über Google auf meine Einträge zur Shangri La Diät des amerikanischen Psychologen Seth Roberts gestoßen. Inzwischen wurde sein Buch "Die Shangri-La Diät" in deutscher Sprache veröffentlicht, wobei der Verlag freundlicherweise auch ein Exzerpt des Buches ins Netz gestellt hat.
Mangels eigenem Diät-Bedarf hatte ich damals aus reinem Interesse nach Erfahrungsberichten gefragt. Inzwischen haben zwei Leserinnen angekündigt, über ihre Erfolge mit der Diät zu berichten. Schön wäre es, wenn sie das in Form eines Weblogs täten. Gewissermaßen als "Free Lunch" für andere...
Kurz vor der Angst hab ich es heute noch geschafft, in die vielgepriesene Fotoausstellung "Humanism in China" zu gehen. Eine Entäuschung. Nein, nicht wegen der Fotos. Die sind gut gemacht, zeigen eine widersprüchliches, sich entwickelndes Land und sind trotz der zeitlichen Spanne der Aufnahmen von mehr als vierzig Jahren von sehr guter technischer Qualität.
Entäuschend und zuweilen ärgerlich sind die Bildunterschriften, die dem Betrachter Dinge suggerieren, die nicht auf dem Bild erkennbar sind oder einfach nur einem simplen Weltbild der Macher der Ausstellung entspringen. Da steht zum Beispiel unter einem Bild von fröhlich spielenden Kindern vor in den Himmel wachsenden Wohntürmen der mahnende Satz, der Bau von Häusern ließe immer weniger Platz zum spielen. Wäre es besser man würde zugunsten von Spielflächen die Kinder weiter in den engen Bretterbuden schlafen lassen, von denen man auf den anderen Bilder mehr als genug zu sehen bekommt? Oder das Bild eines Mädchens, dass einen elektrisch betriebenen Pflug auf einem Reisfeld bedient wird mit dem Satz kommentiert: "Weil es nicht genügend Ochsen zum Pflügen gibt, werden elektrische Pflüge auf den Wasserfeldern benutzt." Eine ganz neue Interpretation des technischen Fortschritts. Man könne genauso auch sagen, weil wir nicht genug Pferde haben, fahren wir heute mit dem Auto zur Arbeit.
Ärgerlich ist auch, dass die Ausstellung keiner Chronologie folgt, so dass der Betrachter erst bei genauem Hinsehen bemerkt, dass die krassen Gegensätze der Aufnahmen zum Teil auch einem zeitlichen Abstand von mehreren Jahrzehnten geschuldet sind.
Die Krönung ist jedoch folgendes Foto, dass offenbar die unhaltbare Umweltverschmutzung durch die chinesische Industrialisierung zeigen soll. Zu dumm, dass der Fotograf beim Nachbearbeiten des Bildes allzu dilettantisch ans Werk gegangen ist und der dunkle "Rauch" eine Aura um den Kopf des Arbeiters bildet. Ohne Zweifel, genießt der Umweltschutz in China nicht die oberste Priorität. Kein Grund jedoch, die guten Sitten des Fotojournalismus mit den Füßen zu treten.
Wirklich schade, dass die eigentlich gute Idee, die vielen von uns unbekannte chinesische Realität in Bildern zu dokumentieren, wieder nur einer Art suggestiven Journalismus zum Opfer gefallen ist.
Eine langjährige Tradition deutscher Sozialpolitik ist es, familienpolitische Ziele klammheimlich mit Klientelpolitik zu verbinden. So auch das neue Vorhaben des Familienministeriums, betriebliche Kitas extra zu subventionieren. Eine tolle Idee: Auf der einen Seite werden die Gewinne der berechtigten Unternehmen erhöht, denn ein Unternehmen wird solange zusätzliche Kindergartenplätze schaffen, wie deren Kosten unterhalb der gezahlten Subventionssumme liegen. Das wiederum dürfte dazu führen, das Unternehmen, die sich eigentlich eher ihrem Kerngeschäft widmen sollten, nun anfangen bestehenden Kindertagesstätten Konkurrenz zu machen.
Dabei ist es fraglich, ob betriebliche Kindergärten gegenüber regulären Kindertagesstätten irgendeinen Spezialisierungsvorteil haben. Wenn ja, dann dürfte sich deren Existenz auch ohne eine Förderung lohnen, denn schließlich drücken sich Flexibilitätsgewinne der Eltern direkt in einer gestiegenen Produktivität für das Unternehmen aus. Eine bessere Verbindung von Beruf und Erziehung lässt sich aber auch erreichen, wenn es für die Eltern ausreichend Möglichkeiten einer flexiblen Kinderunterbringung in der Nähe des Wohnorts gibt. Die besondere Förderungswürdigkeit von betrieblichen Kitas ist somit nicht einleuchtend.
Gleichzeitig wird die Gutscheinlösung, die als Finanzierungshilfe berufstätiger Eltern erhebliche Vorteile hat, weil sie den Qualitätswettbewerb zwischen Kitas besser fördert, mit fadenscheinigen Argumenten vom Tisch gefegt. Familienpolitik, deren Nutzen von vornherein einem möglichst breiten Adressatenkreis zugute kommt, ist eben keine Stärke einer an Partikularinteressen ausgerichten Umverteilungspolitik.
Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung fordert, dass zukünftig auf der Leinwand und im Fernsehen zum Schutz der Jugend weniger geraucht werden soll. Wenn man alles aus Film und Fernsehen entfernte, was nach Ansicht mancher Politiker die Jugendlichen vom Pfad der Tugend abbringen könnte, reduzierte sich das Angebot dieser Medien sicherlich auf die Teletubbies. Deren permanente Wiederholung von Banalitäten ist doch genau das Richtige für den ordentlichen deutschen Staatsbürger.
"Recycling is the philosophy that everything is worth saving except your time"
"The only “answer” to poverty reduction is freedom from being told the answer. Free societies and individuals are not guaranteed to succeed. They will make bad choices. But at least they bear the cost of those mistakes, and learn from them. That stands in stark contrast to accountability-free Developmentalism."
William Easterly: The Ideology of Development, Foreign Affairs, July/August 2007
Soeben aufgeschnappt: Waldbrände auf der Südhalbkugel der Erde belasten die Umwelt nach Angaben Mainzer Forscher in erheblichem Maß mit Quecksilber. Brennende Biomasse setze dort zeitweilig mehr giftiges Schwermetall frei als menschlichen Aktivitäten wie Kohlekraftwerke und Müllverbrennung...
Roger Pielke Jr. et al, zeigen in ihrem jüngsten Aufsatz (Vorabversion), dass es entgegen landläufiger Behauptungen keinen Aufwertstrend der Schäden sich über dem Atlantik bildender Hurrikans gibt. Eine sachgerechte Korrektur der Inflation, der Bevölkerungsentwicklung sowie der Wertentwicklung des in den betroffenen Regionen existierenden Sachvermögens ergibt zwar für die Sturmschäden des Wirbelsturm Katrina einen Ausreißerwert, jedoch nicht die höchsten Schäden des vergangenen Jahrhundert und keinerlei Trend.
Via World Climate Report.
Eigentlich ist es müßig über die Fehlinformationen des "Spiegel" große Worte zu verlieren. Aber im Zusammenhang mit der Medieninformation zum Transformatoren-Brand im AKW Krümel beweist SPON wieder einmal, dass Wahrheitsfindung keine Tugend der Massenmedien ist. Hier wird ein alter Beitrag zum Störfall des schwedischen Kernkraftwerks Forsmark zitiert, der seinerzeit bereits die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) zu einer Gegendarstellung bewogen hatte, weil eklatante Fehlinformationen über den Störfall und die Berichterstattung der GRS abgedruckt wurden. Trotzdem verwendet SPON diesen Bericht voller Spekulationen und Unwahrheiten nach wie vor, um die Folgen der Havarie im AKW Krümel mediengerecht zu dramatisieren.