Mit dem Kopf voran

22.04.2004 um 01:09 Uhr

Apocalypse Not

Mit Sicherheit wird der weltweite Start des Hollywood Blockbusters "The Day After Tomorow", indem die katastrophalen Folgen des Versiegens des Golfstroms in furchterregenden Filmszenen verewigt wurden, wieder für einige Panikmache in Sachen globaler Klimaerwärmung und deren mutmaßlich anthropogene Ursachen sorgen. Nicht nur das. Auch hochoffizielle Studien, wie etwa ein vom Pentagon kürzlich veröffentliches Gutachten über die dramatischen Folgen des Klimawandels, lassen einem beim oberflächlichen Hinschauen das Blut in den Adern gefrieren.

Doch bevor einem dieser mediale Strudel die Lust am Leben vereitelt, sollte man sich mit Argumenten der Wissenschaft eine dicke Jacke gegen die drohende Kälte der Welt der Panikmache anziehen. So relativierten führende Klimaforscher kürzlich im New Scientist die durch Film und Presse geisternden apokalyptischen Szenarien. Selbst der sonst zum Klimaaktivismus neigende Wissenschaftler des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung Stefan Rahmstorf, eigentlich entschiedener Verfechter der Theorie vom versiegenden Golfstrom, warnt davor die drastischen Schilderungen allzu ernst zu nehmen. Er betont, dass die Szenarien der Pentagonstudie extrem unwahrscheinlich sind.

Doch selbst Rahmstorfs Modellwelt, die ohne drastische Klimaschutzmaßnahmen ein Versiegen des Golfstroms in hundert Jahren prophezeit, ist nicht unumstritten. Zu solchen ultimativen Aussagen sind die Klimaforscher und deren Modelle beim aktuellen Stand der Forschung schlichtweg nicht in der Lage.

Also statt lähmende Angst vor allzu großer Kälte zu bekommen, heißt es eher einen kühlen Kopf bewahren. Denn merke, Filmemacher wie Roland Emmerich, das Pentagon oder Spiegel-Online haben ziemlich wenig mit seriöser Wissenschaft zu tun.

 


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