Mit dem Kopf voran

27.05.2004 um 01:05 Uhr

Jürgen goes to Hollywood

von: steffenh   Stichwörter: Klimapolitik

Soweit ist es gekommen. Für die Durchsetzung von Politik scheint inzwischen jedes Mittel recht zu sein. Dass man sich inzwischen auch in Deutschland Hollywoods Katastrophenfilmspezialisten bedient, war aber eigentlich zu erwarten. So findet Bundesumweltminister Jürgen Trittin es "legitim", dass Emmerich in seinem neuen Film "The Day after Tomorrow" nahezu alle Gesetze der Physik außer Kraft setzt, um die Leute in Sachen Klimaschutz auf die Fährte seines Ministeriums zu bekommen. Dabei erhält er dann gleich noch Schützenhilfe von Prof. Dr. "Ich-kenne-mich-überall-aus." Alexander S. Kekule, der in seiner Kolumne "Was Wissen schafft" im Tagesspiegel meint "Emmerichs Film ist Unsinn - aber wichtig", um uns dann zu erzählen, das der Film trotz "Fiktion und Übertreibung ... eine wahre Geschichte" erzählt. Dann fährt er fort, das selbe oberflächliche, pseudowissenschaftlich zurechtgestutzte Konsensgeschwafel über die jetzt schon absehbaren Folgen des vom Menschen gemachten Klimawandels zu wiederholen, dass bereits seit mehr als einem Jahrzehnt durch die Presse geht. Wie lückenhaft diese ganze Argumentation auch heute noch in all ihren Einzelheiten, vom Abreißen des Golfstroms, über den Anstieg der Temperaturen bis hin zu den extremen Wetterereignissen ist, haben wir in den vergangenen Monaten schon mehrfach auf diesem Weblog angesprochen.

Für wie blöd wird der Durchschnittsdeutsche eigentlich gehalten, dass die Herren meinen, es bräuchte pseudowissenschaftlichen Nonsens aus Hollywood, um uns endlich wach zu rütteln? Und wofür eigentlich? Damit wir dem Jürgen für sein nahezu wirkungsloses Kyoto-Klimaabkommen den Rücken stärken? Damit niemand, auch nicht der Spiegel, mehr über die Verschwendung von Steuergeldern in teure, aber das Klima wenig schützende Windkraftanlagen murrt. Damit wir die Kompetenzen über die Verwendung der Steuergelder noch leichter an Berlin und Brüssels Bürokraten abgeben?

Welchen Wert haben solche Übertreibungen? Brauchen wir eine Stimmung im Land, die Politiker legitimiert, eine Politik an wissenschaftlich ungesicherten Extremszenarien auszurichten? Wenn sie es dann wenigstens machen würde? Bislang war die europäische Klimaschutzpolitik ein teures und unwirksames Herumgedümpel zwischen einer lückenhaften Ökosteuer mit Unmengen von Ausnahmeregelungen und der Verschwendung öffentlicher Mittel für erneuerbare Energieprojekte, die bis zu zehnmal so hohe Kohlendioxid-Vermeidungskosten wie eine klassische Kraftwerksoptimierung aufweisen. Wenn das so weitergeht, dann wird der Film eines mit Sicherheit nicht schaffen: Das Klima schützen.


Diesen Eintrag kommentieren