Wem schaden Sweatshops?
Erst kürzlich wieder machten Berliner Studenten und Globalisierungsgegner mit der Besetzung von Textilgeschäften ihren Unmut gegenüber negativen Folgen der Globalisierung für die Bewohner der Entwicklungsländer deutlich. Ihr Problem sind die sog. Sweatshops, in denen unter vermeintlich unerträglichen Arbeitsbedingungen und Dumpinglöhnen für reiche Industrieländer produziert wird. Was ist von diesem Vorwurf zu halten?
Richtig ist, dass die Löhne der Sweatshops mit dem hiesigen Lohnniveau nicht mithalten können. Jedoch ist ein solcher Vergleich aufgrund der Kaufkraftunterschiede der Einkommen zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern nicht ohne weiteres möglich. Jeder von uns, der in südlichen Ländern seinen Schnäppchenurlaub macht profitiert davon. Aber würde ein Lohnangleichung wirklich Vorteile für die Arbeiter in den Entwicklungsländern bringen? Ganz sicher nicht, da die hohe Verfügbarkeit kostengünstiger Arbeitskräfte gegenwärtig oft der einzige Standortvorteil dieser Länder ist. Verschwindet er durch Mindestlöhne und hohe Arbeitsstandards weit oberhalb des Durchschnitts in dem betreffenden Entwicklungsland, wären Investitionen in diese Ländern weniger attraktiv, was zu Lasten der Zahl neuer Arbeitsplätze ginge.
Wie sieht es jedoch in der Realität aus? Produzieren ausländische Unternehmen in den Entwicklungsländern wirklich unter untragbaren Bedingungen? Ergebnisse empirischer Studien zeigen offenbar eher das Gegenteil. Wissenschaftler der amerikanischen Tufts University und der University of Michigan haben verschiedene Länderstudien zusammengefasst und kommen zu einigen interessanten Ergebnissen:
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Amerikanische Tochtergesellschaften zahlen Lohnaufschläge von bis zu 100% der Durchschnittslohns in Niedriglohnländern,
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Unterauftragnehmer von Nike zahlten im Juni/Juli 2000 im Schnitt 670$ im Vergleich zum durchschnittlichen Minimallohn von 134$,
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in Bangladesh liegen die niedrigsten Löhne in "Sweatshops" 40% über den Minimallöhnen für ungelernte Arbeiter, 15% über den Löhnen für teilausgebildete Arbeiter und 50% oberhalb des Minimallohnniveaus für Facharbeiter.
Mit Hilfe von Unternehmensdaten und ökonometrischen Verfahren gewonnene Erkenntnisse für Mexiko und Venezuela untermauern diese Fallbeispiele:
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Hier führt eine 10%ige Steigerung des Anteils ausländischer Unternehmen zu einem Anstieg der Industrielöhne um 2,5%,
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dabei erhöhen sich die Löhne sowohl für gelernte als auch für ungelernte Arbeitskräfte, wobei der Anstieg der Löhne für Facharbeiter 50% höher als für ungelernte Arbeiter ist.
Angesichts dieser Fakten sollte man etwas genauer über die übliche Globalisierungskritik nachdenken. Die Sorge der Aktivisten um die Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Entwicklungsländern kann man nur unterstützen. Doch laufen deren Aktivitäten Gefahr, genau das Gegenteil ihres Ansinnens zu erreichen. Statt Groll gegen international operierende Unternehmen und die Konsumenten ihrer Produkte zu hegen und Mindeststandards und deren Überwachung zu fordern, sollten sie sich lieber dafür einsetzen, dass Handelsschranken und politische Hemmnisse der wirtschaftlichen Entwicklung in den Entwicklungsländern abgebaut werden. Und statt "Eddie Bauer"-Läden und "H&M"-Filialen zu besetzen, sollten sie dort vielleicht lieber öfter einkaufen gehen.

lg Klaus