Mit dem Kopf voran

13.09.2006 um 00:04 Uhr

Wollen wir ein Döner-Kartell?

von: steffenh   Stichwörter: Wirtschaftspolitik

Nicht erst seit dem Gammelfleischskandal wissen wir, dass auch die Betreiber von Dönerbuden Gewinnmaximierer sind. Und Gewinne sind bekanntlich am größten, wenn man die Differenz zwischen Umsatz und Produktionskosten maximiert. Wenn die Dönerbudenbetreiber jetzt einen Mindestpreis von 3 Euro für ihr Fastfood-Angebot verlangen, dann können sie damit zwar bei einer geringen Preisreaktion der Nachfrager versuchen ihren Umsatz zu fixieren und ein Preiskartell zu bilden, aber eine Kontrolle über die Tricks zur Kostenreduktion hat der Konsument dadurch noch lange nicht. Aus diesem Grund würde ein Mindestpreis für Döner nicht nur ein herber Schlag für eine heilsame Konkurrenz zwischen den Dönerbuden bedeuten, sondern der Preis würde auch noch seine Informationsfunktion als Qualitätsindikator verlieren. Heute kann man unter den gegebenen Konkurrenzbedingungen (in meinem Kiez Kreuzberg 61 gibt es fast so viele Dönerbuden wie Straßenbäume) durchaus davon ausgehen, dass Dönerverkäufer, die mit extrem niedrigen Preisen ihre Produkte auf den Markt drücken, irgendwo, vielleicht auch beim Fleisch, gespart haben und dass hohe Preise eher ein Signal für hohe Qualität (oder wenig Wettbewerb, was aber selten vorkommt) sind. Aus dieser Information kann man seine Verbraucherentscheidung ebenso (vorsichtig) ziehen, wie der Lebensmittelkonsument, der lieber in den teuren Bio-Apfel beisst. Ist der Preis erst auf das hohe Niveau von 3 Euro fixiert, gibt er keinen Hinweis mehr, ob der Verkäufer zu diesen Konditionen ein Qualitätsprodukt verkauft oder eine gammelige Mogelpackung. Zudem bringt ein derartig hoher Mindestpreis ein Angebot hervor, das mit Sicherheit über der Nachfrage liegt. Sollte sich der Staat also entschließen, den Mindestpreis einzuführen, dann wird ihm wohl nichts anderes übrig bleiben, als mit Interventionskäufen einen Dönerberg anzulegen, wenn er einen Dönerschwarzmarkt verhindern will, auf dem das verdorbene Dönerfleisch dann doch noch zu Dumpingpreisen feilgeboten wird.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenmomocat schreibt am 14.09.2006 um 11:33 Uhr:Oder der Konsument fragt sich solange zu einer Dönerbude durch, bis man ihm auch sagen kann, woher das Fleisch stammt.

    Ich könnte ja mal fragen, aber demnächst gehe ich defintiv nicht vorsätzlich in einen Dönerladen. Dafür ist deren Fleisch einfach zu minderwertig (zu viel Mett, wird täglich erwärmt und wieder abgekühlt).
  2. zitierensteffenh schreibt am 14.09.2006 um 13:54 Uhr:Das ist die adäquate Verbraucherstrategie, auf die die Branche mit einer Branchenstrategie nach dem Muster einer Qualitätszertifizierung reagieren kann. Der Schlüssel zur Problemlösung liegt in einer zuverlässigen Informationspolitik durch die Händler selbst, die diesen dann von ganz allein höhere Absatzpreise einbringt. Hier sollten sie sich ein Beispiel an den Marketingstrategien der Bio-Lebensmittel-Branche nehmen. Dort hat Qualität (wie immer man diese subjektiv bewertet) eindeutig ihren Preis.

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