Literatur

03.02.2014 um 18:26 Uhr

Blog-Umzug

von: m3rlin

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19.10.2013 um 12:55 Uhr

"Die Maske" von Siegried Lenz

von: m3rlin   Kategorie: Kurzgeschichten   Stichwörter: Lenz

 

"Die Maske"

 

von Siegfried Lenz

Hoffmann und Campe 2011

128 Seiten

 

Dieser kleine Erzählband besteht aus fünf Kurzgeschichten. Ich möchte hier jede einzeln bewerten, um dem Bändchen wirklich gerecht zu werden:

 

1. Rivalen

Die Handlung in einem Satz: 

Ein Museumswärter nutzt die Verwirrung eines Einbruchs und stiehlt sein Lieblingsbild, ‘Antonia’ - seine Frau jedoch hat mit der neuen Rivalin im Haus zu kämpfen.

 

Eine schöne Geschichte über Kunst, Liebe und Eifersucht, sehr einfühlsam und mit einem gelungenen Ende erzählt!

In Sternen: 4/5

 

***

 

2. Die Maske

Die Handlung in einem Satz:

Eine angeschwemmte Kiste mit Tiermasken verändert das Leben der einzelbrötlerischen Inselbewohner, die nun - unter der Maske - wieder miteinander feiern können, Freundschaften (wieder)herstellen und sich verlieben. 

 

Diese Parabel - denn so verstehe ich „Die Maske” - ist meisterhaft: Menschen, die hinter der Maske plötzlich ihren Verhaltensmustern entfliehen, Mut bekommen, jemanden anzusprechen und Feindschaften beilegen. Und doch verklärt der Autor hier nicht alles zu einem Paradies, denn natürlich können auch Masken nicht über die Realität hinwegtäuschen. Ein interessantes Gesellschaftsbild, das Lenz hier entwirft - Sein und Schein vermischen sich und lassen mehr Fragen zurück  als sie beantworten.

In Sternen: 5/5

 

***

 

3. Die Sitzverteilung

Die Handlung in einem Satz:

Ein Kapitän wird für seinen lebensgefährlichen Einsatz im Sturm auf hoher See geehrt.

 

Es geht um so etwas Langweiliges wie das Organisieren einer Ehrengala, wobei der Ich-Erzähler die Sitzplätze festlegt und gleichzeitig die Geschichte des in Seenot geratenen Schiffes rückblickend erzählt. Ich fand die Geschichte langweilig und habe das Ende nicht ganz begriffen - Warum klatschen die Leute am Ende nicht, weiß es jemand von euch? 

In Sternen: 1/5

 

***

 

4. Ein Entwurf

Die Handlung in einem Satz:

Ein Schriftsteller liest seiner Frau die Lebensgeschichte ihres gemeinsamen Sohnes Sven vor.

 

„Was wäre, wenn…?” könnte der Titel dieser Geschichte auch lauten. So unspektakulär sich die Zusammenfassung liest, diese Erzählung hat es wirklich in sich. Selten habe ich eine Geschichte so voller Sehnsucht gelesen - einfach traurigschön!

In Sternen: 5/5

 

***

 

5. Das Interview

Die Handlung in einem Satz:

Ein Journalist unterhält sich mit einem Filmregisseur über dessen jüngsten Film „Der Vorkoster”: Ein Mann namens Vincent wird darin durch eine Rettungsaktion vom Obdachlosen zum Vorkoster eines Großkonzerns, dann allerdings vom Schicksal zurückgeworfen.

 

Die Geschichte ist ganz interessant, mehr aber auch nicht. 

In Sternen: 3/5

 

***

 

Mein Schlussfazit:

Jede der Geschichten beschreibt einen Umbruchpunkt im Leben eines Menschen. Wie die Menschen letztendlich damit umgehen, ob sie gestärkt daraus hervorgehen oder daran zerbrechen, wird oftmals offen gelassen, aber gerade das gefällt mir sehr. Allein für „Rivalen”, „Die Maske” und „Ein Entwurf” lohnt sich die Lektüre von Lenz’ Bändchen in jedem Fall. 

Es sind allerdings auch nur 128 Seiten Genuss, vielleicht wäre daher die Bibliothek der bessere Anlaufpunkt. 

Auf jeden Fall: Lesetipp!

 

11.10.2013 um 18:03 Uhr

"Der Wolkenatlas" von David Mitchell

von: m3rlin   Kategorie: Belletristik   Stichwörter: Mitchell

 

Der Wolkenatlas

 

von David Mitchell

Rowohlt 2007

672 Seiten

 

 

Der Klappentext klingt erst einmal interessant - was soll ein amerikanischer Anwalt aus dem 19. Jahrhundert mit einem koreanischen Klon im 22. Jahrhundert zu tun haben? Nun ja, irgendwie besteht da eine Verbindung, doch einfach macht sich Mitchell diese wahrhaftig nicht! Während ich am Anfang noch überhaupt keine Idee hatte, wie ich dieses Buch zu verstehen habe (es handelt sich um Tagebucheinträge des besagten Anwalts über seine Reise durch Ozeanien), wurde ich doch - je weiter ich las - immer begeisterter von der Struktur, mit der Mitchell hier arbeitet. 

Sechs Charaktere werden vorgestellt, jeder lebt in einer anderen Zeit, jeder hat seine eigene Weltanschauung und Geschichte. So weit, so gut. Der Clou dabei ist jedoch, dass jeder auch seine eigene Erzählform erhält: Ewing führt Tagebuch, Frobisher schreibt Briefe, Rey ist Protagonistin in einer Kriminalgeschichte, Cavendish schreibt seine Memoiren, Sonmi wird vor ihrem Gerichtsverfahren verhört und Zachry erzählt seine Geschichte vor Publikum, ganz so als ob er am Lagerfeuer sitzt. Sechs unterschiedliche Genres also und Mitchell beherrscht jedes davon - von der Hirtensprache bis zum (spannenden) Kriminalroman. Jede Geschichte ist auf seine Weise interessant - ich würde sogar behaupten, man hätte aus jeder Geschichte ein eigenes Buch machen können.

Den Schreibstil würde ich als sehr ausgefeilt beschreiben.

 

„Der Wolkenatlas” ist somit ein abwechslungsreiches Buch, auf das sich allerdings der Leser einlassen muss. Es gibt hier keine lineare Erzählweise, d.h. es ist kein Abriss der Menschheitsgeschichte wie auf dem Buchrücken behauptet wird. Alle Geschichten hängen zusammen und ergänzen sich gegenseitig - gerade diese Parallelen zu entdecken, ist ein Lesevergnügen erster Klasse. 

Was kann ich anderes geben als 5/5 Sternen?

 

07.10.2013 um 19:06 Uhr

"Der alte Mann und das Meer" von Ernest Hemingway

von: m3rlin   Kategorie: Weltliteratur & Klassiker   Stichwörter: Hemingway

 

„Der alte Mann und das Meer”

 

von Ernest Hemingway

Rowohlt 2012

160 Seiten 

 

Die Handlung in einem Satz:

Ein alter Fischer fängt einen großen Fisch, den er nach tagelangem Kampf an sein Boot festbinden kann - doch er hat die Rechnung ohne die Haie gemacht. 

 

Ich fasse mich kurz, was Hemingway meiner Meinung nach auch hätte tun sollen: Selten habe ich eine so langweilige Geschichte gelesen. Die Grundidee ist ganz gut, die Handlung hat Märchencharakter - daher hätte sie viel mehr Wirkung entfalten können, wenn Hemingway sie auf zwei bis maximal drei Seiten erzählt hätte. Stattdessen führt er das Innenleben des alten Fischers in epischer Breite aus und das auch noch so spannungslos, dass selbst der Fischer sich langweilen muss. 

Die Sprache ist zudem sehr einfach und schnörkellos (passend zu einem Märchen), ebenfalls nichts Besonderes.

 

Ich kann das Büchlein trotz prominentem Autor leider niemandem empfehlen; daher gibt’s von mir leider nur 0/5 Sternen. Wem das zu hart erscheint angesichts des Nobelpreises, den Hemingway erhalten hat: Ich bewerte hier keine Autoren, sondern einzelne Werke unabhängig davon, wer sie geschrieben hat. Ich kenne gar keine anderen Werke von Hemingway, doch nach diesem Buch fehlt mir auch jegliche Lust, mich weiter damit zu beschäftigen. 

Leseflop!

 

 

Was meint ihr? Schreibt eure Meinung in die Kommentare!

 

 

05.10.2013 um 13:20 Uhr

"Delikatessen: Der vierte Fall für Bruno, Chef de police" von Martin Walker

von: m3rlin   Kategorie: Krimi   Stichwörter: Walker, Frankreich

 

„Delikatessen: Der vierte Fall für Bruno, Chef de police”

von Martin Walker

Diogenes 2013

403 Seiten

 

Die Handlung in einem Satz:

Bruno, Polizeichef eines kleinen Städtchens im französischen Périgord, hat wieder alle Hände voll zu tun: Die ETA droht einer baldigen Konferenz mit einem Terroranschlag, Umweltschützer setzen auf Selbstjustiz und auch sein Privatleben verläuft alles andere als geordnet.

 

„Ein leckerer Titel für einen Roman”, dachte ich mir und - wie ich nach dem Lesen finde - sogar schöner und passender als der Originaltitel „The Crowded Grave”, der eine dunkle Thriller-Stimmung aufkommen lässt, die bei diesem Krimi absolut fehl am Platz ist. 

Es geht natürlich wieder um Bruno, den Polzeichef von St. Dénis. Nachdem ich vom dritten Teil der Serie, „Schwarze Diamanten”, sehr enttäuscht war, wird man hier wieder in die französisch-provinzielle Atmosphäre hineingezogen: Gerechtigkeit findet auf der Straße statt und nicht vor Gericht, dazu gutes Essen («foie gras» - Gänsestopfleber) und ein ordentlicher Hauswein. Bruno sitzt liebestechnisch immer noch zwischen zwei Stühlen, trauert einerseits seiner verflossenen Isabelle hinterher und wundert sich dann, dass seine Derzeitige sich nicht für ihn öffnen mag. Diese abwechselnden Techtelmechtel finde ich persönlich reichlich merkwürdig und Bruno geht aus diesen Begegnungen nicht gerade als sympathischer Held hervor. Am liebsten würde man das Buch an einigen Stellen umschreiben.. 

In der Logik der Haupthandlung, der Aufklärung eines Mordes an einem ETA-Mitglied (eine Terrororganisation in Spanien, spätestens bekannt durch Kerkelings „Ich bin dann mal weg”), hat sich im Vergleich zum letzten Band einiges getan - Gott sein dank! Diesmal gibt es auch nicht zu viele verschiedene Handlungsstränge und diese wenigen überschneiden sich teils sogar, was bei einem Krimi eigentlich selbstverständlich sein sollte, bei Walker aber nicht immer besonders einfallsreich umgesetzt wird (Leider!). 

 

„Delikatessen” ist somit eine runde Geschichte ohne viel Tiefgang mit interessanten Charakteren in einer sympathisch-leichten Ferienumgebung, dem Périgord. 

Kein Must-Have, aber solltet ihr in der Bibliothek eures Vertrauens darüber stolpern, werdet ihr den kleinen Ausflug nach Frankreich sicher nicht bereuen. Und Krimi-Skeptiker seien beruhigt: Die Bruno-Bände sind keine klassischen Krimis, sondern vermitteln stets ein mediterranes Lebensgefühl, sodass auch ihr auf eure Kosten kommt.

 

In Sternen vergebe ich dafür 4/5. Urlaubslektüre!

 

 

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