Umzug - 2. Akt
Stimmung: Verpackt, verstaut, eingewickelt und zugeschnürt
Musik: Jule Verne - In 80 Kartons um die Welt

Nach der gestrigen Pleite heute diesmal Anruf bei der T-COM exakt um 8:00 Uhr MEZ.
Nach zweimaligem Klingeln ist seltsamerweise ein netter Herr am Telefon und fragt den verdutzten Bürger freundlich nach dessen Begehr. Dieser, sichtlich überrascht, dass er seine zurechtgelegte Standpauke jetzt nicht loswerden kann, stammelt verlegen sein Anliegen nebst Auftragsnummer und hört im Servicecenter der Telekom die Tastatur klappern.
"Ihr Umzugsauftrag wurde von uns bereits an das für sie zuständige regionale Servicecenter weitergeleitet. Daher kann ich ihnen nicht sagen in welchem Stadium sich ihr Auftrag befindet. Ich gebe ihnen die Telefonnummer des regionalen Servicecenters, bitte fragen sie dort direkt nach. Guten Tag."
Aha!
Also der Auftrag ist da. Also schnell die 0800-3301000 wählen und weiter geht’s.
Das wäre doch gelacht, wenn man in diesem unseren Lande mit Hilfe innovativer und moderner Kommunikationsmittel nicht den Umzug eines Telefonanschlusses organisieren und administrieren könnte.
Gespannt wartend lauscht der nunmehr hochmotivierte Bürger in das Telefon und hört:
Herzlich willkommen bei T-COM. Zur Zeit sind alle unsere Berater im Gespräch. Dieser Anruf ist kostenfrei. Möchten sie mehr wissen über unsere Produkte und Dienstleistungen dann besuchen sie uns doch im Internet unter www.t-com.de
Es ist kurz nach 8:00 Uhr morgens als der eben noch hochmotivierte Bürger die abrupte Rückkehr des Frustmultiplikators verspürt. Zusammen mit etwas Restalkohol und zuviel Magensäure eine ideale Voraussetzung für Magengeschwüre, Herzinfarkte und Hirnschläge. Hat eigentlich schon mal ein Statistiker untersucht, ob Telefonbesitzer häufiger an diesen Krankheiten verenden als andere Menschen?
Nicht aufgeben motiviert sich der Bürger durch Selbstsuggestion.
Wir leben in einer modernen, aufgeklärten, kultivierten Wohlstandsgesellschaft.
Es kann sich bei dem Problem nur um eine äußerst seltene und ungewöhnliche Aneinanderreihung von unglücklichen Umständen handeln.
Und tatsächlich gelingt es dem Bürger durch Beharrlichkeit und unter Verwendung der heftig malträtierten Wahlwiederholungstaste an seinem Telefoniergerät kurz vor der Mittagszeit eine Sprachverbindung mit einem menschlichen Wesen im Servicezentrum herzustellen.
Diesmal handelte es sich der Stimme nach zu urteilen um eine weibliche Person.
Ruhig und immer noch gefasst trägt der Bürger sein Anliegen vor und beendet seine Rede mit dem Satz "ich gebe ihnen mal die Auftragsnummer".
Verdutzt muss er jedoch zur Kenntnis nehmen, dass die Dame mit der Auftragsnummer nichts anfangen kann. Statt dessen will sie seine alte Telefonnummer wissen. Darüber findet sie den richtigen Name und Adresse des Bürgers und Anrufers, kann aber keinen Auftrag finden.
Dann erkundigt sie sich nach der neuen Adresse des Bürgers, kann aber auch mit diesen Daten keinen Auftrag finden.
"Wir haben ihren Auftrag noch nicht erhalten", teilt sie dem Bürger mit.
"Das verstehe ich jetzt nicht", wagt der Bürger aufzubegehren, "ihr Kollege hat mir heute morgen um 8:00 Uhr erzählt, dass der Auftrag da ist und an sie weitergeben wurde. Jetzt ist es fünf nach zwölf und sie sagen sie haben keinen Auftrag. Können sie mir erklären wo denn der Auftrag ist? Arbeiten sie denn nicht mit dem gleichen Computer? Wie lange wird das denn dauern bis sie den Auftrag bekommen? Wie lange soll ich denn noch auf meinen Telefonanschluss warten?"
Die Leitung macht "knack" und dann "tüüt tüüt tüüt".
Der Bürger starrt fassungslos auf seinen Telefonhörer und die Antrittsrede des neuen Bundespräsidenten geht ihm durch den Kopf. «Eine grundlegende Erneuerung unseres Landes ist notwendig und überfällig» hat der frischgewählte Bundespräsident gesagt.
Hat der eigentlich schon Telefon in Schloss DingensBummens da in Berlin oder hat er das alles noch vor sich?
Bevor der Bürger seine Mordgedanken endgültig im Alkohol ertränkt und darüber nachsinniert, ob man sich selbst (und andere) mit der Telefonleitung eines Festnetzanschlusses erhängen kann, erinnert er sich noch daran, dass er ja auch noch Aktionär dieses großen deutschen Telekommunikationsunternehmens ist und dessen Vorstände am Ende eines Wirtschaftsjahres von der Hauptversammlung entlastet werden wollen.
Von mir nicht, denkt sich der Bürger und Aktionär vor Eintritt des Deliriums noch, von mir garantiert nicht!
Und morgen geht der Bürger persönlich zur Deutschen Post und stellt dort einen Antrag auf Nachsendung seiner Post an die neue Adresse.
Und danach ruft er dann wieder das Servicecenter der T-COM an.
Vielleicht geschehen ja doch noch Zeichen und Wunder und der Auftrag taucht aus den Tiefen des Zentralcomputers wieder auf.

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Jungs, das braucht ihr nicht zu diskutieren. Macht euch doch jetzt keine Gedanken mehr. 