***Kids rule ... das Leben mit und von 3 Zwergen***

30.03.2007 um 20:45 Uhr

Astrid Lindgren zur äußeren Anwendung

von: malula

Neulich beim Einkaufen sprang mir ein neues Kinderpflegeprodukt ins Auge. Auf der mittelblauen Dose sieht man Pippi Langstrumpf in typischer Positur, den kleinen Onkel über den Kopf stemmend, daneben turnt ihr Äffchen Herr Nilsson an einem Ast.

 

Die „Pippi Wind- und Wetter-Weltmeer-Creme“.

Pflege und Schutz speziell für zarte Kinderhaut. Mit Avocadoöl und Vitamin E.

 

Als Mensch, der von frühster Kindheit an geprägt wurde durch die Bücher über Kalle Blomquist, Michel von Lönneberga, den Kinder aus Bullerbü, Madita und natürlich Pippi Langstrumpf, musste ich diese Creme sofort kaufen.

 

Die Zwerge waren begeistert – eine Pippi-Creme! Die Mädels cremten ihre Gesichter bis sie glänzten wie Fettschwarten. Nur der kleine Mann nicht. Der fand zwar die Dose toll, aber an seiner grundsätzlichen Aversion gegenüber dem sich eincremen lassen, änderte sie nichts.

 Ich schlug ihm einen Deal vor. Er lässt sich eincremen, dafür singe ich ihm währenddessen das Pippi Langstrumpf Lied vor.

2 x 3 macht 4
Widdewiddewitt und Drei macht Neune!!
Ich mach' mir die Welt
Widdewidde wie sie mir gefällt ....

Hey - Pippi Langstrumpf
trallari trallahey tralla hoppsasa
Hey - Pippi Langstrumpf,
die macht, was ihr gefällt.

Ich hab' ein Haus,
ein kunterbuntes Haus
ein Äffchen und ein Pferd,
die schauen dort zum Fenster raus.
Ich hab' ein  Haus,
ein Äffchen und ein Pferd,
und  jeder, der uns mag,
kriegt unser 1 x 1 gelehrt.
 

 

Das gefällt dem kleinen Mann. Es gefällt ihm so gut, dass er nun mehrmals täglich mit der Cremedose in der Hand ankommt. „Lied singen!“ Da sitzen wir dann und cremen dem kleinen Mann singend das Gesicht ein. Das eine geht nicht ohne das andere. Beim Cremen muss gesungen werden und das Pippi Lied darf nur gesungen werden, wenn dabei gecremt wird.  

Unsere „Pippi Wind- und Wetter-Weltmeer-Creme“ neigt sich inzwischen langsam dem Ende zu, und heute habe ich Zwerg 1 die Aufgabe 3 + 3 = 6 als falsch angekreidet, denn 2 x 3 macht 4, widdewiddewitt und 3 macht Neune!!

28.03.2007 um 21:13 Uhr

Drum prüfe...

von: malula

Dreizehn Schuljahre mit unzählige Schulaufgaben, Klassenarbeiten, Extemporalen, mündlichem Abfragen.  Mit 18 das Abitur, das erneut aus mehreren Klausuren und mündlichen Prüfungen bestand. Ebenfalls mit 18 die Führerscheinprüfung, schriftlich und praktisch. Es folgten Klausuren, Referate, Hausarbeiten und Kolloquien während meines Studiums, als Abschluss eine Diplomarbeit, sowie weitere mündliche und schriftliche Diplomprüfungen. Danach diverse Vorstellungsgespräche und Präsentationen im Job.

 

Alles in allem also eine stattliche Ansammlung an Prüfungssituationen, die ich in meinem Leben schon so gemeistert habe. Ich bin vertraut mit all den üblichen Begleiterscheinungen, wie Anspannung, Nervosität, durchlernten und schlaflosen Nächten, plötzlichen Totalaussetzern, Appetitlosigkeit bis hin zur Übelkeit, Panikattacken, Panikakne und dem guten alten Herzklopfen.

 

Und dann bekam ich Kinder, hörte auf zu arbeiten und war glücklich, dass diese Zeiten hinter mir lagen. Keine Prüfungen mehr, keine Klausuren, keine Ängste. Dachte ich. Bis Zwerg 1 in die Schule kam. Genauer bis zu dem Tag, an dem Zwerg 1 ihre erste Mathearbeit schrieb.

 

Die erste Mathearbeit, in der 1. Klasse, mein Zwerg ganz alleine, mein kleines Mädchen.

 

Den ganzen Vormittag tigere ich durchs Haus, räume auf, putze, wische, telefoniere, bügle, koche, kurz ich versuche mich auf jede erdenkliche Art abzulenken. Als es dann endlich Mittag ist und mein Zwerg vor der Tür steht – strahlend und gut gelaunt, als ich endlich weiß, dass alles gut gelaufen ist, da dämmert es mir. Prüfungen sind Vergangenheit? Pustekuchen!! Die wirklich harten Prüfungen liegen erst noch vor mir.

 

Viele, viele Prüfungen...

27.03.2007 um 20:51 Uhr

Bisschem kaputt gangen

von: malula

Frühstück. Die Sonne scheint in die Küche, ich beginne mich gerade zu fühlen wie in einem dieser Familien-Happy-Dappy-Werbespots.

 

Auf einmal ein bekanntes Geräusch. Das Geräusch von zerspringendem Geschirr.

 

Der kleine Mann sitzt auf seinem Tripp-Trapp Kinderstuhl und schaut mehr oder eher weniger betreten auf den Küchenboden.

 

Müsli bisschem kaputt gangen.“

 

Ja, das passiert schon mal, wenn man die Müslischüssel vom Tisch auf den Fliesenboden befördert. Da geht so eine Schüssel aus Porzellan eben kaputt. Und so verteilen sich Milchspritzer, Scherben und Müsliflocken großflächig auf dem Küchenboden.

 

„Mama-Papa muss neue kaufem!“, erklärt der kleine Mann trocken.

 

Die Welt ist so einfach, wenn man zwei Jahre alt ist.

Wird etwas schmutzig – „Mama muss Waschschiene waschem.“

Funktioniert etwas nicht mehr – „Papa muss repariemem.“

Geht etwas kaputt – „Mama-Papa muss neues kaufem.“

 

Ich explodiere! Während ich den Küchenboden wische erkläre ich unserem Filius lautstark was von besser aufpassen – davon, dass Dinge Geld kosten, dass alles Geld kostet! Geld, das man erst mal verdienen muss!! Geld für das man schwer arbeiten muss!!!

 

Da sitzt er, Zwerg3, die Unterlippe nach vorne gestülpt, Tränen in den Augen. Und auf einmal ist seine kleine Welt so gar nicht mehr in Ordnung. Heulend klettert er von seinem Stuhl und marschiert aus der Küche. Während er im Flur verschwindet hört man sein lautes Schluchzen, unterbrochen von wütenden Sätze wie „Mama böse!“ und „Mama nicht mehr mein Freund!“.

 

Doch wie meist ist auch diesmal sein Unmut nicht von langer Dauer und wenige Minuten später kommt er frohgemut, sich die letzten Tränen aus den Augen wischend, zurück in die Küche, in seiner Hand den Autoschlüssel.

 

Er klettert auf Papas Schoß, drückt ihm einen Kuss auf die Wange und den Autoschlüssel in die Hand.

 

„Tschüss Papa. Jetzt Arbeit fahrem, schnell! Mit dem VW-Sharan-Auto.“

  

26.03.2007 um 21:05 Uhr

It's such a perfect day, I'm glad I spend it with you

von: malula

Den ganzen Tag waren wir beschäftig mit Putzen, Schlauch flicken, Helm für Zwerg 3 besorgen, Sattel einstellen, Ketten ölen. Am frühen Abend ist es dann soweit, das Fahrrad ist repariert, der neue Kindersitz für den kleinen Mann angebracht.

 

„Mama, biitteee, lass uns noch eine kleine Fahrradtour machen. Ich muss Dir unbedingt was zeigen.“

 

Wir radeln los, Zwerg 1 und 2 kurvig vor mir weg, Zwerg 3 in meinem Rücken. Er juchzet, er strahlt. „Mädels, bin hier oben!! Hier bin ich!!“

 

Durch den Ort, immer weiter. Wir biegen in den Feldweg, fahren weiter Richtung Bahnübergang. Die kühle Abendluft weht uns ins Gesicht.

 

„Mäuschen, wo fahren wir denn hin?“

 

„Na guck doch, Mama, da vorne!“

 

Ich sehe die Sonne, riesengroß, glutrot versinkt sie am Horizont.

 

„Wir fahren der Sonne gute Nacht sagen!!“

 

25.03.2007 um 13:20 Uhr

Vom Kochen und Springen

von: malula

Bettkantengespräch mit Zwerg 2.

 

„Mama, Opa hat gesagt, dass ich das Abendessen toll gekochte habe. Aber in echt hat das ja Papa gekocht, das hab ich Opa gesagt.“

 

Wir hatten Besuchswochenende und den Gästen zur Ehre wurde groß aufgekocht. Mein Mann stand den halben Nachmittag in der Küche, um abends mit großem Dinner aufzuwarten. Die Mühe hat sich gelohnt, von allen Seiten erntete er zu Recht begeistertes Lob.

 

„Mama, der Opa weiß das vielleicht nicht, aber ich kann gar nicht so was kochen....“, fuhr mein Zwerg abends im Bett fort.

...eigentlich nicht, weil ich es nicht kann, sondern weil ich mit ohne Hocker da nicht dran komme.... und die Töpfe und Pfannen und Kartoffeln sind viel zu schwer für mich. Das kann ich nicht hoch heben. Ich bin ja erst vier Jahre alt und deswegen noch nicht so groß und stark. Aber ich werde es sein. Und dann kann ich auch kochen.“

 

In ihr arbeitet es, das Thema ist noch nicht durch.

 

„Außerdem bin ich dafür vom 1er gesprungen.“

 

Ja – ist sie wirklich. Letzte Woche im Hallenbad. Ohne Schwimmflügel! Ohne Seepferdchen! Vom 1-Meter-Brett! Ich habe ihre Angst gesehen,  als sie da auf dem Brett stand unter sich ein Meter Luft und dann die glatte Wasseroberfläche, der Blick ungetrübt bis zum fünf Meter tiefen Beckengrund. Sie hatte Angst, pure Angst. Natürlich tat sie mir leid, gerne hätte ich ihr gesagt, Du musst nicht springen. Aber neben der Angst in ihren Augen, war da etwas anderes in ihrem Blick, etwas typisches für Zwerg 2. Ich wußte, dass sie nicht zurück kann. Dass sie springen muss, weil sie es sich selber nicht erlauben kann, einen Rückzieher zu machen. Sie ist ehrgeizig unser Zwerg 2, ehrgeizig, zielstrebig und stur. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann gibt sie nicht auf, bis sie es geschafft hat. Für sie gibt es kein Kapitulieren, kein Zurück.

 

Da stand sie also, mit zitternden Knien, blassem Gesicht und klopfendem Herzen. Und dann ist sie gesprungen! Die Augen weit aufgerissenen, der Gefahr ins Gesicht blickend ist sie gesprungen.

  

Vom 1er springen ist vieeeeel schwerer als kochen. Und der Papa müsste ja ungefähr vom 100er springen, wenn er so mutig wäre wie ich. Er ist  ja viel größer und älter. Und d a s  würde er sich nieeeee trauen. Also war das mit dem Kochen auch gar nicht sooo toll, oder?“. Zwerg 2 gähnt und kann nun, da sie eine akzeptable Lösung für die Kompetenzunterschiede innerhalb der Familie gefunden hat, ganz entspannt einschlafen....

 

„Aber lecker war es..... Und auch wenn er nicht vom 100er springt, ist unser Papa der tollste Papa der Welt!“

23.03.2007 um 13:15 Uhr

RUHE BITTE!

von: malula

Zu den Lieblingssituationen aller Eltern von kleinen (und vermutlich auch größeren) Kindern gehören definitiv die Situationen, in denen sich der Nachwuchs möglichst still und unauffällig verhalten soll.

Obwohl ich mich inzwischen durchaus als erfahrene und kompetente Mutter bezeichnen würde, die sich sowohl praktisch, als auch theoretisch, ein umfangreiches Wissen auf dem Gebiet der Kindererziehung angeeignet hat, fehlt mir bei solchen Gelegenheiten immer noch das geeignete Patentrezept.

 

Letztes Jahr Oktober. Ich fliege mit den drei Zwergen nach Brasilien. Ja, Brasilien in Südamerika, Brasil, am anderen Ende der Welt.

 

Lufthansa Langstrecke – zwölf Stunden Direktflug von Frankfurt nach Sao Paolo plus fünf Stunden Zeitverschiebung. Nur die Zwerge und ich. Und natürlich noch die anderen gut 300 Passagiere an Bord. Passagiere, die in Ruhe essen wollen, die lesen wollen, die das sagenhafte Filmangebot nutzen wollen und die v.a. schlafen wollen. Passagiere, die zum überwiegenden Teil keinen gesteigerten Wert auf zeternde, quengelnde oder quietschende Kinder in ihrer Nähe legen.

 

Also sollten die Zwerge für zwölf Stunden jegliches Zetern, Quengeln und Quietschen einstellen. Eigentlich waren es fünfzehn Stunden, da auch in Warteschlange und Abflughallen solches Verhalten von Kindern nur ungern gesehen und selten lange geduldet wird.

 

Natürlich hatten wir das komplette Kinder-Animations-Programm eingepackt, angefangen bei Büchern, Spielen und Malsachen bis hin zu Getränken und Bestechungs-Süßigkeiten. Natürlich hofft man als verantwortliche Mutter darauf, dass die Kleinen schlafen oder sich lustig, fröhlich und v.a. ruhig in die ungewohnte Umgebung einfügen, unbeeindruckt von der ganzen Hektik, dem Stress und den langen Wartezeiten, die Flugreisen eben so mit sich bringen.

 

(Auch wenn es von einigen Mitreisenden insgeheim unterstellt wird, die wenigsten Eltern weisen in solchen Situation ihre Kinder im Vorfeld an, möglichst viel zu streiten und zu plärren.)

 

Beobachtet man Mütter oder Väter am Flughafen, fällt schnell auf, dass sie ihre Bemühungen größtenteils darauf konzentrieren, sich unauffällig mit ihren Zwergen in die Flughafenwelt einzugliedern. Eine Welt, die auch von einem nicht ganz Zweijährigen erwartet, dass er nach mehrstündigem Eincheck-, Sicherheitskontrollen- und Ablughallenwartemarathon  nachts um eins ohne Zicken auf dem Schoß seiner Mutter, in einem Flugzeugsitz eingeklemmt, einschläft. 

 

Muss das den wirklich sein, dass man mit drei kleinen Kindern nach Brasilien fliegt? Dass man, nur weil der eigene Bruder dort heiratet, allen anderen Reisenden so etwas zumutet? Wo bleibt da das soziale Denken? Zeugt es nicht von purem Egoismus, mit kleinen Kindern eine Flugreise zu unternehmen? 

 

Egoismus hin oder her ... was soll ich sagen, die Zwerge waren toll! Wir haben unser bestes gegeben und sind nicht unangenehm aufgefallen! Wir waren überraschender Weise kein wesentlicher Störfaktor an Bord und wurden als vorbildliches Mutter-Kinder-Team angesehen, als Familie, die ihre Kinder wohl erzogen und im Griff hat. Ja, bei manchem Mitreisenden (und v.a. bei mancher Stewardess) war sogar ein Anflug von heimlicher Bewunderung zu spüren! Mit einem Wort - wir haben die Situation souverän gemeistert.

 

Und dass wir vier nach der Ankunft im Flughafen-Wickelraum vor Erschöpfung in Tränen ausgebrochen sind, das weiß ja niemand...

 

....wir waren ja alleine....und wir waren auch ganz leise!!

22.03.2007 um 10:13 Uhr

Tante hütet Schäfchen

von: malula

Gestern kam zur großen Freude aller Zwergens Tante zu Besuch. Zwergens Tante ist eine sehr engagierte Tante und stürzt sich immer voll und ganz in die Kinderbetreuung (daher ist sie nicht nur Zwergens Lieblingstante, sondern auch meine Lieblingstante). Sie spielt mit den Zwergen, sie füttert, sie zieht um, sie putzt Zähne, sie bringt die Zwerge ins Bett.

 

Und sie liest vor!

 

So auch gestern. Es sollte „Das Schaf Charlotte“ gelesen werden, ein Buch das Zwerg 2 zum letzten Geburtstag bekommen hatte.

 

Das Buch handelt, wie der Titel schon andeutet, vom Schaf Charlotte.

 

Es beginnt mit den Zeilen: „Niemand wusste, warum Charlotte anders war als alle anderen. Aber sie war es von Anfange an. Wenn die anderen Schäfchen still bei ihren Müttern standen, tobte Charlotte über Stock und Sein.“

 

Auf der großformatig Seite ist ein durch die Luft fliegendes Schaf zu sehen (klar, Charlotte) und fünf weitere Gras kauende Schafstiere.

 

Tante will eine gute Tante sein und nicht einfach nur vorlesen, sondern die ganze Sache interaktiv gestalten.

 

T(ante): „Und wie heißen die anderen Schafe?“

 

Z2 sehr bestimmt: „Die haben keinen Namen, nur das Schaf Charlotte hat einen Namen. Es heißt Charlotte.“

 

T: „Naja, aber wir können uns ja Namen für die anderen Schafe ausdenken.“

 

Z1 als kreativer Geist legt gleich los: „Also das 1. Schaf hier heißt Maja und das andere heißt Brummelbär.“

 

Z2 wird langsam wütend: „NEIN!  D-I-E-S-E    S-C-H-A-F-E    H-A-B-E-N   K-E-I-N-E-N   N-A-M-E-N!!!”

 

T will beschwichtigen: „Ja ich weiß mein Schatz, wir tun ja nur so als ob."

 

Z1 „Und ich finde, Maja und Brummelbär sind sehr schöne Namen für Schafe.“

 

Z2 mit Tränen in den Augen: NEIN! NEIN! Das ist mein Buch und ich darf bestimmen über die Namen.“.... heulend.... „Ok, Maja geht noch. Aber BRUMMELBÄR ist ein ganz, ganz blöder Name für ein Schaf. SO HEISST KEIN SCHAF IN MEINEM BUCH!“, sprach's und vergrub ihren Kopf heftig schluchzend im Kopfkissen.

 

Z1 nun ebenfalls mit roten Augen, in denen die ersten Tränen schimmern: „Du bist soooo gemein. Ich sag ja auch nicht, wenn Du Dir was ausdenkst, dass das ganz blöd ist. Und ich finde Brummelbär eben schön.“  Zwerg 1 heult das andere Kopfkissen voll.

 

Der kleine Mann bleibt gelassen. „Will jetzt weiter vorlesen.“

 

Und das wurde dann auch getan.

 

Also, liebe Tanten, seid gewarnt! Im Umgang mit Kindern finden sich überall versteckte Stolperfallen, die unangeahnte Dispute nach sich ziehen können.

 

21.03.2007 um 10:11 Uhr

Viel Lärm um nichts

von: malula

Tschingderassabumm-Tschingderassabumm.

Mit lautem Getöse ziehen die Kindergartenkinder verkleidet durchs Dorf. Winteraustreiben! Tröten, Ratschen, Trommeln, Pfeiffen, Topfdeckel, Rasseln, Tuten, Hupen. Wenn es etwas gibt, was alle Kindergartenkinder richtig können, dann lärmen. Und nun dürfen sie, sollen sie sogar.

Tschingderassabumm-Tschingderassabumm.

 

Zwerg 2 erzählt aufgeregt mit leuchtenden Augen. „Richtig laut waren wir! Und gesungen haben wir! Damit der Winter Angst bekommt und nicht mehr wieder kommt, denn jetzt soll Frühling sein! Dem haben wir’s gezeigt, den haben wir ganz doll vertrieben.“

 

 

Heute morgen wacht Zwerg 2 auf, schaut aus dem Fenster und ist entsetzt. Es schneit! Der Winter trotzt allen Bemühungen, trotzt all dem Lärm, trotzt dem festen Kinderglauben an den alten Brauch.

 

Ja, so ist das eben manchmal. Je mehr Getöse man um etwas macht, je mehr man überzeugt ist, dass es nun endgültig verstanden ist, nun endlich ausgetrieben ist, desto geringer der Erfolg.

 

Doch dann strahlt Zwerg 2 wieder. „Eigentlich ist die Welt in Weiß auch wunderschön!“

 

Ja, mein Zwerg. Und eigentlich sind auch Eure Ecken, Kanten und Eigenheiten wunderschön.

20.03.2007 um 20:17 Uhr

Die Leichtigkeit des Seins

von: malula

Manchmal stößt man überraschend auf einen Meister seines Metiers und staunt, bewundert und lernt.

 

So ging es mir kürzlich, als ich einen Bericht über Raed Abu-Awad sah. Abu Awad ist Verkehrspolizist in Ramallah. Sein Arbeitsplatz ist der Löwenplatz im Zentrum der palästinensischen Stadt. Dort dirigiert er mit tänzerischer Leichtigkeit und Eleganz den Verkehr. Der Platz ist ein Knotenpunkt, in den sechs Straßen münden, ohne Ampeln, ohne Verkehrsschilder, ohne Regeln. Mittendrin steht Raed Abu-Awad im Kampf mit dem Chaos. Er setzt sich durch in einer Welt, in der man nicht viel von Geboten und Verboten hält.

 

Eine fremde Welt, die auf den ersten Blick so ganze anders ist als die unsrige. Aber eben nur auf den ersten.

  

Wer mehr sehen will von Raed Abu-Awad, hier der Bericht:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek/inhalt/5/0,4070,4392517-0,00.html

19.03.2007 um 21:51 Uhr

Teurer, treuer Freund

von: malula

Eine halbe Stunde nach dem Zubettgehen. Zwerg 1 schleicht sich ins Wohnzimmer. Da steht sie in ihrem geringelten Nachthemd, barfuss, lockige Wuschelhaare, trauriger Blick.

 

„Ich kann nicht schlafen. Mein Kater ist nicht da. Ohne meinen Kater kann ich nicht schlafen. Der ist zum Schlafen genauso wichtig wie mein Bett.“

 

Das ist eben so, ohne Kater tut Mäuschen kein Auge zu.

 

Der Kater. Jeder, der Zwerg 1 näher kennt, kennt auch den Kater. Ihren schwarzen Kuschelkater mit weißen Pfoten. Er gehört zu unserer Familie seit Zwerg 1 ein halbes Jahr alt ist. Also sehr, sehr lange.

 

Kater hat mit Zwerg 1 schon die halbe Welt erobert und ist dabei bis nach Brasilien vorgedrungen. Nicht schlecht für so ein Katertier.

 

Einmal hat Kater sogar alleine Urlaub gemacht. Bei einer sommerlichen Wanderung in Südtirol setzte er sich ab. Am Ende einer 5-stündigen Wanderung mit Zwerg1 und 2, die damals noch auf unseren Rücken über Berg und Tal getragen wurden, war Kater auf einmal verschwunden. Wir vermuteten, dass er auf der wunderschönen Blumenwiese mit den braunen Kühen geblieben war. Die Blumenwiese lag drei Stunden Fußmarsch bergauf entfernt. Aber vielleicht war es auch die kühle Waldlichtung auf halber Wegstrecke, die es ihm angetan hatte. Auf jeden Fall war Kater nicht mehr da. Kater wollte noch länger Urlaub in Südtirol machen.

 

Zwerg 1 weinte herzzerreißend und war entsetzt über diese egoistische Handlung ihres besten Freundes. Wir weinten auch und konnten nicht mit ansehen, wie unserem Zwerg das Herz gebrochen wurde.

 

Der Urlaub ging vorbei, der Sommer ging vorbei. Beinah täglich wurde die Frage erörtert, wie lange so ein Kater Urlaub macht. Und was er die ganze Zeit treibt in Südtirol. Und dass er inzwischen bestimmt ein richtig guter Bergsteiger geworden ist. Und ob er vielleicht einen anderen Kater getroffen hat, mit dem er Südtirol durchwandert.

 

Der Herbst kam und ging und Zwerg 1 hoffte, dass dem Kater nicht kalt wird, da er ja nur sein Sommerfell im Gepäck hatte.

 

Es wurde Winter, Nikolaus stand vor der Tür.

 

„Ich wünsch mir vom Nikolaus, dass er den Kater aus Südtirol holt.“

 

Nikolausmorgen.

 

Zwerg 1 hüpft aufgeregt aus ihrem Bett und zur Wohnungstür. „Meint ihr, er hat den Kater mitgebracht?!“

 

Der Nikolaus ist ein guter Mann! Nach Wochen und Monaten der Sehnsucht konnte Zwerg 1 ihren Kater wieder in den Arm schließen. Kater war zwar etwas größer und fülliger geworden, was wohl daher rührte, dass auch ein kleiner Kater wächst und er sich während seiner Auszeit am Südtirolerspeck genüsslich getan hatte. Aber Kater war wieder da!

 

 

Tja, so starten wir eben ab und an abends eine Kater-Suchaktion. Gott sei Dank hatte Kater nie wieder das Bedürfnis nach Alleingängen und verbrachte seit seiner Zeit in den Bergen alle Nächte in Zwergens Arm gekuschelt.

 

So auch heute – Papas langjähriger Sucherfahrung sei Dank.

 

18.03.2007 um 21:45 Uhr

Steuerbescheid dank Götze Krodo

von: malula

Sonntag. Sturm, Hagel, Temperatursturz. Kurz ein Sauwetter par excellence.

 

Genau der richtige Tag, um endlich die Steuererklärung zu machen, v.a.  wenn man auf Grund von Umzugs-, Fahrtkosten und Doppelter Haushaltsführung mit einer stattlichen, staatlichen Steuerrückerstattung rechnen kann (welch Konstrukt, hm?).

 

Aber was machen mit dem Haufen lärmender, unausgeglichener Kinder?! Kinder, die man, wenn Ruhe und Konzentration nötig sind, nicht so ohne weiteres los wird, da es die eigenen Kinder sind.

 

Wir beschließen Arbeitsteilung. Mein Mann kümmert sich um die Steuererklärung, während ich verantwortlich bin für ein außerhäusliches Kinderbeschäftigungsprogramm. Eine ehrliche, saubere, gerechte Arbeitsteilung.

 

Was tun? Wir überleben, wir diskutieren und dann klingelt das Telefon. Zufällig melden sich just in diesem Moment Freunde der Familie. Zufällig geht Zwerg 1 ans Telefon. Und zufällig...

 

„Jaaaaa!! Juhuuuuuu !!! Wir wollen mit!!“

Ich weiß es. Ich weiß genau, was jetzt kommt. Ich sehe die strahlenden Augen von Zwerg1, ich sehe uneingeschränkte Begeisterung und ich weiß, wo wir den Rest des Nachmittags verbringen werden.

„KRODOLAND!!!“

 

Krodoland ist der Inbegriff von sinnvoller Sonntag-Nachmittagsbeschäftigung für meine Kinder.

 

„Krodoland – Die Erlebniswelt für die ganze Familie“. Krodoland, einer dieser populärer werdenden Indoor-Spielplätze (aber einer von der netten Sorte).

 

Das Erstaunliche am Krodoland ist der Name.

 

Vom Götzen Krodo

Als im Harz noch Heiden wohnten, verehrten diese einen scheußlichen, blutrünstigen Gott mit Namen Krodo.[...] Wenn Menschen besondere Wünsche hatten, brachten sie ihm Opfergaben, um ihn zu erfreuen. Wenn es lange Zeit trocken blieb, oder Unwetter drohten, dann glaubten die Menschen er wäre zornig und wollte sie bestrafen. Dann wurden dem Krodo sogar kleine Kinder auf dem Opferaltar dargebracht. Deren Blut, so meinte man, würde ihn besänftigen.

(aus „Mythologie Harz. Märchen & Sagen.“)

 

Wie doch die Zeit die Geschichte umdreht. Im modernen Krodoland werden nicht die Kinder geopfert, sondern die Eltern opfern sich selber. Sie opfern ihr Ruhe, ihre Zeit der Entspannung, Stunden der ruhigen, geistig anregenden Freizeitgestaltung und nicht zuletzt ihr Geld. Sie opfern nicht für ihre eigenen Wünsche sondern opfern für ein paar (oder in unserem Fall drei Paar) strahlende Kinderaugen. Und sie opfern gerne! Das Opfer lohnt sich.

 

Wenn jetzt noch der Steuerbescheid stimmt, dann erst recht!!

   

16.03.2007 um 14:56 Uhr

Personalgespräch

von: malula

Als ich heute versuchte, meinen Mann telefonisch zu erreichen, war er nicht zu sprechen, da er sich im Personalgespräch mit einer Mitarbeiterin befand.

 

Das brachte mich auf die Idee, neben der bereits geschilderten Projektarbeit auch dieses klassische Management-Tool in unserer Familie zu institutionalisieren.

 

Ich bat also Zwerg1 und 2 zum Gespräch. Zwerg 3 machte gerade Mittagsschlafen und ich denke, dass er sprachlich sowieso noch nicht weit genug ist für eine derartige Unterhaltung, in der es um die Reflektion der eigenen Leistungen und Gefühlslage und so gar nicht um Autos geht.

 

 

Wir setzten uns an den Küchentisch. Zwerg 1 und 2 bekamen einen Lolli in die Hand (von wegen ungezwungener Atmosphäre und so) und es ging los.

 

M (Mama): „So ihr beiden. Wie findet ihr es denn eigentlich bei uns zu Hause, in unserer Familie?“

Z1 (Zwerg 1) völlig auf ihren Lolli konzentriert: „Gut.“

Z2 (Zwerg 2) auch eher gelangweilt: „Gut.“

 

Ahhh ja, das war ja schon mal sehr aufschlussreich.

 

M: „Gibt es denn irgendetwas, was Euch nicht so gefällt, was ihr gerne ändert würdet?“

Z1: „Nööööööö.“

Z2: „Nööööööö.“...Pause...  „Aber komisch finde ich, dass es hier im neuen Haus keinen Keller gibt..... Eigentlich finde ich schön, dass es hier keinen Keller gibt.... Ich geh nicht gerne alleine in den Keller. Und manchmal brauche ich was aus dem Keller zum Beispiel meine Rollschuhe. Wenn dann niemand Zeit hat mitzukommen, weil der kleine Mann wieder Unsinn gemacht hat und Du aufräumen mußt und weil Zwerg 1 schon draußen ist und mal wieder nicht auf mich wartet...", bitterböser Blick in Richtung von Zwerg 1, sie redet sich so richtig in Rage" ...dann muss ich alleine in den Keller gehen. Ooooder ich kann nicht Rollschuhfahren!!! Das ist unfair!!"

Zwerg 1 und ich sehen uns verdutzt an.

Kurze Pause - Zwerg 2 beruhigt sich wieder und fährt einlenkend fort:"Aber jetzt sind die Rollschuhe ja im Schuppen. Da trau ich mich auch alleine hin. Das ist viiieeel besser.“.... Pause.... „Also finde ich hier alles gut bei uns.“

 

Z1: „Ich aber doch nicht. Ich finde wir könnten jeden Tag Pfannkuchen essen.“

 

Das läuft irgendwie in die falsche Richtung. Wozu habe ich anno dazumal Vorlesungen in Personalmanagement gehört?! Jetzt muss ein Klassiker kommen.

 

M: „Gibt es denn etwas, was ihr an Euch selber nicht so gut findet und woran ihr arbeiten möchtet?“

Z2: „Ich will nicht immer soviel Unordnung machen und besser aufräumen.“... Pause... „Schreibst Du das jetzt dahiinn?!?! Kannst Du nämlich, weil dafür hab ich es ja gesagt.“

 

Man, man, man, der vierjährige Zwerg hat’s einfach drauf! Die wird keiner so schnell unterbuttern bei zukünftigen Personalgesprächen.

 

Z1: „Meine Zunge ist ganz blau vom Lolli.“ Streckt ihre Zunge raus.

Z2: „Meine auch.“ Streckt auch die Zunge raus.

 

Und dann sind beide abmarschiert ins Bad. Dort betrachten sie jetzt giggelnd vor Vergnügen ihre blauen Zungen im Spiegel.

 

Ein voller Erfolg, unser Personalgespräch würde ich sagen!

  

16.03.2007 um 13:18 Uhr

Pfannkuchenmonster

von: malula

Nur kurz.

8 - in Worten acht - Pfannkuchen, oder genauer acht Crêpes habe ich heute für meine drei Zwerge und mich gemacht.

Acht Pfannkuchen, das heißt 250 g Mehl, 5 Eier, 600ml Milch, 1 Päckchen Vanillezucker, 1 Prise Salz. Oben drauf Nutella, Marmelade, Zucker & Zimt.

Und wieviel habe ich davon abbekommen?

Einen halben!

Einen lächerlichen, halben Pfannkuchen!!!

PFANNKUCHENMONSTER!

15.03.2007 um 09:07 Uhr

Die "Böse Bande"

von: malula

Nach dem Mittagessen macht Zwerg 3 seinen Mittagsschlaf, Zwerg 1 sitzt an den Hausaufgaben und Zwerg 2 beschäftigt sich still (ja, auch das gibt es). Ich aber nehme unseren vor Freude Purzelbaum schlagenden Hund an die Leine und mache mit ihm den täglichen Waldspaziergang. Das ist meine (und Hundes) ruhige halbe Stunde am Tag. Die Zeit, in der ich nachdenken kann, mir die Sonne ins Gesicht scheinen lassen und Hund auf sich durchs Gestrüpp schnüffelnde Weise sein Hundeleben so richtig genießt.

 

Gestern wollte mich Zwerg 2 überraschend begleiten, um mir das Waldsofa der Kindergartenkinder zu zeigen.

Es war schön, nur Zwerg 2, ich (und der Hund im Gestrüpp), der Wald, die Vögel... einfach schön eben.

 

Zwerg 2 fing an mir zu erzählen, vom Kindergarten, vom Waldtag, vom Waldsofa...

 

„Uuuund Mama,...“

 

Ein ernster, bedeutungsvoller Blick. Ich merke, jetzt kommt etwas wichtiges.

 

„...ich bin jetzt in der bösen Bande.“

„Aha, wie heißt Eure böse Bande denn.“

„Na, hab ich doch gesagt, „Böse Bande“ !“

 Wie konnte ich auch so blöd fragen!

 

Zwerg 2 ist als zum Mitglied der „Bösen Bande“ geworden. Eine echte Auszeichnung v.a. in Anbetracht der Tatsache, dass Zwerg 2 erst vier Jahre alt ist und eigentlich nur angehende Schulkinder bei der „Bösen Bande“ mitmachen dürfen.

 

 

„Deeennnn, da muss man schon groß sein, um da mit zu machen. Und wenn nämlich Elias (der, wie ich herausfand, unbestrittene Boss der „Bösen Bande“ ist) ruft, dass Alarm ist, müssen wir alle ganz schnell wegrennen. Und dann können ja die Kleinen nicht so schnell rennen und fallen auch immer hin. Und dann werden die gefangen. Und dann kommen die nämlich in den Kerker. Und da kriegen die nichts zu essen und verhungern. Und das fänden die Eltern dann bestimmt nicht gut, wenn die zum Abholen kommen. Das wäre ja sehr traurig für die Eltern, wenn das Kind dann verhungert ist. Stiiiimmt’s, Mama?!“

 

Wir übten dann gleich noch mal ein bisschen Wegrennen im Wald. Damit im Alarmfall Zwerg 2 nicht gefangen wird und in den Kerker kommt und verhungert.

 

Denn das fände ich dann ja auch sehr traurig beim Abholen!

  

14.03.2007 um 10:02 Uhr

Terminkoordinationsproblematik

von: malula

Wenn Sie denken, dass Terminfindung eine Problematik ist, mit der sich v.a. Chefsekretärinnen und Projektkoordinatoren in der Arbeitswelt auseinandersetzen müssen, dann haben Sie noch nie versucht, den Terminkalender einer 4-jährigen zu verwalten.

 

Mittags im Kindergarten, Abholzeit.

Die Mutter einer Kindergartenfreundin von Zwerg 2 spricht mich an.

 

Sie (freudig): „Du, unsere Mädels wollten sich gerne verabreden.“

 Ich (ebenfalls erfreut): „Klar gerne, wann denn?“

 

 

Sie (in ernsterem Tonfall, denn jetzt kommt der geschäftliche Teil des Gesprächs): „Also, morgen kann Anna nicht, da hat sie Turnen. Wie wäre es mit übermorgen?“

 Ich (in routinierter Chefsekretärinnen Manier): „Übermorgen hat Zwerg 2 Schwimmkurs, da ist es schlecht. Aber vielleicht am Freitag?“

 Sie (rattert aus dem Efef): „Freitag geht gar nicht, da hat Anna erst Musikschule und dann muss ich ihren großen Bruder zum Fußballtraining fahren.“

 Ich (will ja nicht nachstehen): „Montag geht bei uns wieder nicht – da ist unser Turntag.“

 

Ich bin ja schon lange für die Zwangseinführung fester Turn-, Musikschule-, Sonstwas-Tagen für alle Vereine und Schulen. Dann hätten alle Kinder am gleichen Tag Turnen, Musikschule oder Sonstwas.  Das würde vieles vereinfachen und wesentlich zur Vertiefung der sozialer Bindungen bei Kindern beitragen.

 

 

Sie (unsicher, hoffend): „Also bleibt nur Dienstag?“

 Ich (erleichtert): „Ja, Dienstag geht!“

Sie (hocherfreut): „Prima, also Dienstag.“

Ich (stolz, für Zwerg 2 ein Date klar gemacht zu haben): „Ja, prima!“

 

 

Kurze Pause... Sie setzt zögernd an... schon klar, ich weiß aus Erfahrung soooo einfach geht es dann doch nicht...

 

 

 „Alsooo,  ich glaube nächste Woche Dienstag geht allerdings nicht, da haben wir einen Arzttermin. Ich bin mir nicht ganz sicher.“

Ich (leicht genervt): „Die Woche drauf ist Bastelnachmittag in der Schule von Zwerg 1, da will Zwerg 2 unbedingt mitkommen.“

 

 

Längere Pause, man geht im Kopf den Terminkalender durch.

 

 

Sie (das ganze endlich abkürzend): „Hör mal, lass uns doch gleich telefonieren, ich muss erst mal in unseren Kalender schauen.“

 

Wir hatten dann doch noch einen Termin gefunden. Dienstag, fünf Wochen später, zwischen 15.00 und 16.30 Uhr. Geht doch!

 

Zu dumm, dass Zwerg 2 und Anna sich just an diesem Tag im Kindergarten gestritten haben. Zu dumm, dass sie daraufhin nachmittags nicht mehr miteinander spielen wollten. Und zu dumm, dass wir wohl im nächsten halben Jahr keinen gemeinsamen Termin mehr finden werden.

 

Aber, wie sagt man so schön, wer nicht will, der hat schon!

  

12.03.2007 um 10:43 Uhr

Profanes bewegt die Welt

von: malula

Manch Ereignisse erscheinen im Hinblick auf den Lauf der Dinge sehr profan. Aber gerade das ist eine der wesentlichen Veränderungen, wenn man Kinder hat. Auf einmal bekommen profane Ereignisse eine enorme Relevanz, die aus der emotionalen Tiefe einer Eltern-Kind-Beziehung ensteht.

Plötzlich gehört man selber zu den vorher schräg beäugten Menschen, die jubilieren über den ersten Schritt, das erste „Mama“ und „Papa“, die ersten Meter auf dem Fahrrad ohne Stützräder, die ersten selbst gelesenen Wörter. Man kann kaum glauben, welch sensationelle Fähigkeiten im eigenen Nachwuchs stecken und auch die Tatsache, dass es noch das ein oder andere Kind gibt, das zu solchen Höchstleistungen fähig ist, tut dem elterlichen Stolz keinen Abbruch. Denn insgeheim weiß man genau, dass die eigenen Zwerge die tollsten ersten Schritte machen und besonders schön „Mama“ und „Papa“ aussprechen können.

Man bemüht sich in der Öffentlichkeit relativ gelassen mit der Tatsache umzugehen, dass man ein Wunderkind gezeugt hat, das eigentlich alles kann (nur manchmal nicht will), denn schließlich will man nicht Neid und Missgunst auf sich ziehen. Dem einen gelingt diese Gelassenheit mehr, dem einen weniger, dem anderen gar nicht (was sehr unangenehm sein kann).  

Und einige Eltern haben leider komplett verdrängt, dass ihr Kinder was ganz besonders sind, dass ihre Kinder unglaubliche Stärke zeigen im Meistern der großen und kleinen alltäglichen Schwierigkeiten eines Kinderlebens. Sie vergessen, dass jedes Kind einmalig ist und in seiner Einmaligkeit, Einzigartigkeit ein echtes Wunder. 

Wieso ich das alles schreibe? 

Weil gestern so ein profanes Ereignis war. Weil Zwerg 1 gestern ihren ersten Wettkampf geschwommen ist. Und weil Zwerg 1 den zweiten Platz belegt hat.  

Weil ich mit Tränen in den Augen am Beckenrand stand und die stolzeste Mama der Welt war! 

10.03.2007 um 19:08 Uhr

Das Gemüsebeet-Projekt

von: malula

Als Werber ist man gewohnt in Projekten zu denken und zu arbeiten.

Nun bin ich zwar schon vor einigen Jahren von der Werbung in einen traditionelleren Berufszweig gewechselt (Hausfrau), habe aber diese Arbeitsmethodik beibehalten, was sich schon oft als sehr nützlich erwiesen hat.

 

Wir haben ein neues Familienprojekt. Das Gemüsebeet-Projekt.

 

Seit unserem Umzug steht uns ein großer Garten zur Verfügung und durch dieses pädagogisch sehr wertvolle Projekt eröffnet sich eine gute Möglichkeit, unsere Kinder in die Gartenarbeit einzuspannen, ohne dass das Ganze ein ausbeuterisches G’schmäkle bekommt.

 

Gestern stand Phase 1 unseres Projekts auf dem Tagesplan - Briefing und Brainstorming.

 

„Kinder, wäre es nicht toll, wenn wir in den Osterferien zusammen ein Gemüsebeet anlegen würden. Ihr dürft Euch auch mit aussuchen, was wir anpflanzen.“

 

Die Zwerge waren spontan begeistert und stiegen sofort enthusiastische in die Brainstorming-Phase ein.

 

Zwerg 2: „Ich pflanze Tomaten, Gurken und Kirschen an.“

„Schatz, Kirschen wachsen auf Bäumen, die kann man nicht im Gemüsebeet anpflanzen.“

 

Zwerg 1: „Ich pflanze Erbsen und Erdbeeren, weil Erbsen mein Lieblingsgemüse und Erdbeeren mein Lieblingsobst sind. Außerdem weil beides mit E anfängt.“

(Zwerg 1 gibt gerne mal ein bisschen mit dem halben Jahr Schulbildung, die sie bis jetzt genossen hat, an)

Zwerg 2 ganz engagiert: „Ääätsch, geht nicht. Erdbeeren sind keine Gemüse sondern Obst. Wir machen aber ein Gemüsebeet!!“

 

„Doch, wir können auch Erdbeeren anpflanzen, die wachsen auch im Beet. Wir machen dann halt ein Obst- und Gemüsebeet.“

 

Zwerg 2: „Dann will ich aber auch Kirschen! Die sind nämlich auch Obst!!“

 

Zwerg 3: „Will Möhren und Porsche-Autos pflanzen!!“

 

Ich muß mal wieder einschreiten. „Kirschen gehen definitiv nicht, Porsche-Autos auch nicht!“

 

Zwerg 2 und 3 fangen an zu heulen, nur Zwerg 1 ist zufrieden und heult nicht. Das Abendessen aber ist gelaufen.

 

Nun, wir werden sehen, was daraus wird.

 

Aber eins ist sicher.

Irgendwie liefen die Projektmeetings früher anders ab!

 

09.03.2007 um 14:29 Uhr

Die typischen Typischheiten

von: malula

Syndrom ,das: Krankheitsbild, das sich aus dem Zusammentreffen verschiedener charakteristischer Krankheitszeichen ergibt.

  

Meine Familie ist leider multipel Syndrom belastet.

Aufgetreten sind bisher:

  

Ignore-Syndrom

Offensichtlich anstehende Arbeiten werden möglichst lange ignoriert, z.B. der volle Mülleimer, die alten Zeitungen auf dem Wohnzimmertisch, die Geschirrspülmaschine mit sauberen Geschirr, die ausgeräumt werden muss, ungemachte Betten und verwüstetet Kinderzimmer. Es gilt das Prinzip, wer länger aushält gewinnt. Ich verliere fast immer!

 

Treppenabsatz-Syndrom (Sonderform des Ignore-Syndroms)

Typisch ist das Ignorieren von Gegenstände, die auf dem Treppenabsatz liegend darauf warten, nach oben oder unten getragen zu werden. Führt zu hohen sportlichen Leistungen, weil man dadurch oft eine, manchmal sogar zwei Stufen übersteigen muß. Kann im Extremfall Hals- und Beinbruch nach sich ziehen.

 

 

 Partielles-Hör-Syndrom

Davon betroffen ist  neben den Zwergen v.a. der Hund. Umgangssprachlich wird es auch das „Ich-hör-nur-das-was-und-wann-ich-will-Syndrom“ genannt.

  

Last-Minute-Syndrom

Äußert sich darin, dass in dem Moment, in dem man das Haus verlassen will, noch uuuunbedingt, ganz schnell etwas geholt oder gemacht werden muss. Tritt verstärkt in Situationen auf, in denen man es besonders eilig hat und führt zu chronischer Unpünktlichkeit.

 

Ich-war-das-nicht-Syndrom

Darunter leidet momentan besonders der arme kleine Mann (einer der wenigen Sätze, die er schon absolut fehlerfrei aussprechen kann).

 

Daneben gibt es noch die altbekannten Klassiker, das "Insomnia-Syndrom" (oder auch "Ich-kann-nicht-einschlafen-Syndrom"), das "Sturkopf-Syndrom" (auch gerade bei Zwerg 3 sehr akut), das "Plötzliche-Tränen-Syndrom" und das "Unerklärliches-Verschwinden-Syndrom" (als Nebenform des "Ich-war-das-nicht-Syndroms" ).

 

Was dagegen hilft?

 

Das Prinzip Hoffnung.

 

Ach ja, Vorsicht, Frauen insbesondere Mütter neigen sehr zum Permanent-Repeating-Syndrom!!

08.03.2007 um 14:42 Uhr

Mütter können alles und noch viel mehr

von: malula

Das Schöne an Kindern im Alter von Zwerg 3 ist deren unumstößlicher Glaube an die alleskönnerischen Fähigkeiten ihrer Mutter. Nicht nur, dass Mama alles kann, nein, Mama kann auch alles als Einzige.

 

Man ist auf dem Spielplatz, eine freundliche Dame möchte Zwerg 3 Schwung auf der Schaukel geben.

„NNEEIINN! Nur meine Mama kann!!!“.

 

Nach dem Kinderturnen, ich bin damit beschäftigt die in der ganzen Garderobe verteilten Turnklamotten von Zwerg 1 bis 3 zusammen zu suchen. Eine nette Nachbarin möchte Zwerg 3 schon mal die Schuhe anziehen.

 „NNEEEIINN! Nur meine Mama kann!!“

 

Sonntagsfrühstück, Papa möchte Zwerg 3 seine Marmeladen-Semmel schmieren, da ertönt das vertraute Gebrüll

„NNEEIIINN!! Nur meine Mama kann!!“

 

Aber nicht nur, dass ich alles kann. Ich kann auch vieles, was ich nicht kann. 

 

„Kleiner Mann, was willst Du frühstücken?“

„Jogug!“

„Joghurt ist leider alle, müssen wir erste einkaufen. Was willst Du? Einen Toast? Müsli vielleicht?“

„Jogug!!“

„Ist, wie bereits erwähnt, nicht mehr da. Wir gehen später einkaufen, dann kannst Du Joghurt essen. Aber was willst Du jetzt?“

„Jogug!!!!!“

„Ich kann nicht zaubern, Joghurt ist nicht da. Wie wäre es mit einem leckeren Honigbrot?“

„NEIN!! Jogug!!!!“

 

Geschrei, Tränen, Geheule. Papa kommt dazu.

 

„Was ist denn hier los?“

„Mama will keinen Jogug zaubern!!!“

 

Wie gesagt, Mama kann alles, kann alles besser und kann alles als einzige. Nur eines nicht....

 Nein! Nicht Mama Auto fahren! Nur mein Papa kann!!!“   

07.03.2007 um 21:03 Uhr

Eremitage im Wald

von: malula

Neulich hatte mein Mann Geburtstag. Wir bekamen übers Wochenende Besuch von seiner Schwester, ihrem Mann und deren Kindern – 6 und 3 Jahre. Sie kamen am Freitag gegen 16.00 Uhr und fuhren am Sonntag gegen 13.00 Uhr.

 

Macht 5 Kinder, Durchschnittsalter 4,2 Jahre, 45 Stunden lang.

 

Ich musste an meine Oma denken. Sie lebte am Rande eines wunderschönen alten Kurparks. Dieser Park war für uns Kinder ein verwunschener Ort voller mystischer Geschichten und Legenden, die uns meine Oma ein ums andere mal erzählen musste.

 

 Da gab es zum einen den Schneckenberg, der seinen Namen von dem sich wie ein Schneckengewinde hinaufschlängelten Weg hatte. Man quälte sich hinauf in der Vorfreude, die Kurven hinunter zu rasen. Später fanden wir auch die Aussicht von oben sehr schön.

 

Dann war da das alte Karussell. Das Karussell befand sich in einem Rundtempel mit Säulen auf einem Hügel im Park. Es hatte Kutschen mit Pferden, die originalgetreu restauriert waren und aus der Jahrhundertwende stammten. Wirklich spannend jedoch war der Karussellantrieb. Das Karussell wurde unterirdisch angetrieben in einem im Felsen versenkten Kellergeschoss und zwar von Menschenhand. Diese Vorstellung von Menschen, die dort unten schufteten, damit andere ihr Vergnügen haben, faszinierte uns immer wieder aufs Neue.

 

 

Unter dem Karussell führte ein dunkler Grottengang durch den Fels, dahinter befand sich die Schlucht („Höllental“) mit der schwankenden Teufelsbrücke.

 

All diese wunderbaren Orte wurden jedoch übertroffen von der theatralischen Eremitage im wilden Teil des Parks. Es handelt sich dabei um eine grottenartige Behausung eines Mönchs, welcher der Legende nach bereits im Mittelalter in diesem Wald Abkehr von weltlicher Genusssucht suchte. Hinter einer Glaswand saß da die Figur des Mönchs in seiner schlichten, kargen Behausung, umgeben von einer dunklen, melancholischen Stimmung. Auf unsere Fragen, wieso der arme Mönch in den Wald gegangen war um dort ganz einsam in einer Höhle zu leben, antwortete meine Oma immer „Er war auf der Suche nach Stille.“

 

Als Kind konnte ich das nie nachvollziehen.

 

Heute verstehe ich es!