Eine charakteristische Eigenschaft von Zwerg 2 ist eindeutig ihre Shopping-Versessenheit. Sie liebt es, sich neu einzukleiden. Sie stöbert mit Begeisterung durch Kinderboutiquen und wird schnell zur besten Freundin übereifriger Verkäuferrinnen, die mit ihr komplette Kollektionen angesagter Designer durchprobieren, offensichtlich nicht wissend, dass Zwerg 2 mit vier Jahren weder über die finanziellen Mittel verfügt selbige zu kaufen, noch über die Befehlsgewalt, ihre Eltern zum Kauf zu zwingen. Die große Ernüchterung folgt dann an der Kasse, wenn mit gut Glück ein Einzelstück gekauft wird. Ernüchterung jedoch lediglich auf Seiten des Verkaufpersonals, Zwerg 2 kennt das Prozedere und ist sich im klaren über die Sinnlosigkeit, eine Diskussion anzuzetteln.
Nun steht der Kauf von Sommersandalen für sie an. Nicht nur, dass unser Mädel gerne einkaufen geht. Nein, sie liebt auch Einkaufsgespräche im Vorfeld der eigentlichen Aktion.
„Maaammmaa..... Wenn wir Sandalen für mich kaufen, darf ich die dann ganz alleine aussuchen?“
Ha, mein Liebchen, Du hältst mich wohl für einen Anfänger im immer wiederkehrenden Shopping-Disput?!?
„Mein Schatz, wir sollten versuchen Sandalen zu finden, die uns beiden gefallen.“
Und mit gefallen meine ich natürlich die üblichen Kriterien, die man als verantwortungsbewusste Mutter an Kinderschuhe stellt und die oft konträr sind zu den Kriterien, die eine Vierjährige an die optimale Sandale stellt.
Zwerg 2 folgt mir in die Küche.
„Die müssen mir ja auch passen, stimmt’s?!“
„Ja, das wäre von Vorteil, wenn Du vor hast, sie auch anzuziehen.“ Ich setzte mich an den Tisch und blättere in der Zeitung.
Zwerg 2 klettert auf meinen Schoß und zupft an meinen Haaren.
„Und dann sollen die auch bequem sein, oder?!“
Oha, Zwerg 2 so pragmatisch?
„Ja, bequem ist gut.“
Zwerg 2 räkelt sich auf meinem Schoß.
„Und die muss ich ja auch gut zum Spielen anziehen können, neee ?!“
„Genau, dafür sollten sie auch geeignet sein.“
„Ja, dass ich die auch in den Kindergarten anziehen kann und nicht nur, wenn ich mich fein mache, oder?!“
Zwerg 2 macht sich nämlich gerne „fein“, am liebsten würde sie auch in „fein“ im Sandkasten buddeln und auf Bäume klettern.
„Uuuunnnd Mama...“, nachdem sie meine komplette Argumentationskette vorweg genommen hat, kommt sie auf den Punkt, „.... und wenn die Sandalen das alles können, dann könnten sie ja auch noch ein bisschen Glitzer haben und rosa sein.“
„Ja, dann könnten sie auch das mein Schatz.“
Zwerg 2 springt abrupt von meinem Schoß, rennt aus der Küche, hoch ins Kinderzimmer und erklärt ihrer Schwester triumphierend:
„Ätsch, ich bekomme rosa Sandalen mit Glitzer und Duuuu nicht!!“