***Kids rule ... das Leben mit und von 3 Zwergen***

27.04.2007 um 08:26 Uhr

Blutige Eitelkeit

von: malula

Sommertag Ende April. Blauer Himmel, Sonnenschein, kurze Hosen, Sommerkleider, Sonnencreme. Die ganze Bande auf dem Kinderspielplatz.

Das Drehkarussell bepackt mit Kindern. Einige sitzen, einige geben Anschwung, rennen mit dem Karussell. „Schneller!! Schneller!!“-Rufe. Ein Sturz. Die Freundin liegt auf dem Boden. „SSTTOOPP!!“

 

Mama rennt herbei. Die Freundin brüllt. Tränen. Ein aufgehauenes Knie. Mama tröstet, Freundin heult Indianergeheul.

 

„Tuuut.... weehhh.... buuhhuuu.....Maaammmaa......brauch Pflaster.....buuhuuu.......“

 

Die Stimme festigt sich ein bisschen, aber immer noch mit Heulen unterlegt.

 

„Leute!! Wer will alles mein Blut sehen?!?“

  

Blut sehen – die sensationslüsterne Meute sammelt sich, begutachtet die Verletzung. Freundin presst mehr Blut aus der Wunde.

  

Ein Junge: „Pah, is doch gar nichts. Man sieht ja kaum was.“

  

HÖCHSTSTRAFE!

  

Das ist in etwa, als bekäme eine 50-jährige nach einer schmerzhaften Botox-Behandlung von ihrer Freundin an den Kopf geknallt 

 

 „Die Schmerzen hättest du dir sparen können. Du siehst immer noch aus wie 50!"

26.04.2007 um 15:33 Uhr

Federn lassen...

von: malula

Zwerg 2 wird am 1. Mai fünf Jahre alt. Vor gut einem Monat fing es an.

 

„Mama, wir müssen noch mein Federkörbchen machen!“

 

Federkörbchen??

 

„Na, wegen meinem Geburtstag....“

 

„Ooocchh, Du weißt doch, wegen den Geschenken!“

 

Ok. Sie meinte ein VEDES-Körbchen. Diesen Floh hatte ihr eine Kindergartenfreundin schon vor Monaten ins Ohr gesetzt.

 

„Also vor Deinem Geburtstag gehst Du dann mit Deiner Mama zu Vedes und suchst Dir aus, was Du alles haben willst. Und das kommt dann in einen Korb. Und dann schreibst Du auf die Einladungen, dass Du ein Vedes-Körbchen hast. Dann gehen die Kinder, die du eingeladen hast zu Vedes und kaufen Dir was aus dem Korb. Und das kriegst Du dann geschenkt.“

 

Zwerg 2 als pragmatisch Kind, das genau weiß, was es will, war von dieser Idee sehr angetan.

 

Woche für Woche fragte sie nach, wann wir denn nun endlich ihr Federkörbchen machen.

 

Das Vedes-Körbchen ist zusammengestellt, die Einladungen verteilt und der Geburtstag nur noch wenige Tage entfernt.

 

Gestern haben zwei Kinder abgesagt. Zwei gute Freunde von Zwerg 2. Zwei Kinder, an denen ihr sehr viel liegt.

 

Zwerg 2 standen die Tränen in den Augen, sie war zu tiefst enttäuscht. Ich tröste meinen armen Zwerg, war gerührt, wie sehr sie an ihren Freunden hängt. Ich nahm sie auf den Arm, spulte das ganze Aufmunterungsprogramm ab. Doch Zwerg 2 ließ sich nicht aufmuntern.

Ach, was für ein treues Kerlchen meine kleine Maus doch ist. Die Vorstellung, durch wie viele Enttäuschungen sie im Laufe ihres Lebens noch gehen wird, bricht mir fast das Herz.

 

 

 

Aber nur fast.

 

 

 

Denn dann rückte sie damit heraus.

 

Es war nicht die Aussicht, ohne zwei ihrer besten Freunde zu feiern, die sie so betrübte. Es war eine ganz andere Aussicht. Es gab einen anderen, einen sehr viel weniger ehrenhaften Grund.

 

 „Mama, wenn die beiden nicht kommen, dann bekomme ich vielleicht gar nicht alle Geschenke aus meinem Federkörbchen!“

24.04.2007 um 09:09 Uhr

Heiße Luft um kühle Winde

von: malula

Welcher Grad von Vertrautheit unter Geschwistern herrscht, erkennt man daran, wie ausgeprägt ihre Fähigkeit ist, sich mit nur wenigen Worten bis aufs Blut zu reizen. Sie wissen genau, welche Knöpfe sie drücken müssen, wie sie es schaffen, mit nur einem Satz den anderen rasend zu machen.

 

„Fang doch nicht immer gleich an zu heulen.“ -ein emotionslos vorgetragener Satz ohne Zusammenhang. Ihr ist einfach nach ein bisschen Piesacken zu mute.

„Ich heule gar nicht immer!“ – der Kopf schon rot, die Augen schwimmen.

„Doch, Du heulst jetzt auch gleich.“ – gleichgültige Diagnose der Situation.

„ICH HEULE NICHT!!“ – die Tränen kullern, erstes Schluchzen.

„Siehst Du, jetzt heulst Du.“ – und weg ist sie.

Zurück bleibt ein wütender Zwerg, ein rasender Zwerg, ein Zwerg der auf Rache sinnt.

 

Dieses Spielchen läuft nach immer gleichen Regeln ab, lediglich die Rolle des Aggressors und des Opfers wechseln.

 

So ist es bei meinen Zwergen heute, so war es bei mir und meinen Bruder früher.

 

Ihm reichte ein Wort, um mich in ein heulendes Etwas zu verwandeln.

 

„Du....... B-I-S-E!!“

 

Ich wurde rasend. Es war die gemeinste, die schlimmste, die verletzenste Beleidigung. Ein absolutes No-go. Es waren Momente, in denen ich alles gegeben hätte, ein Einzelkind zu sein. Wie es zu diesem Wort kam, weiß ich nicht mehr. Wieso es mich so verletzt hat, weiß ich nicht mehr. Vielleicht wäre alles anderes gewesen, wenn es damals schon Internet gegeben hätte, wenn ich damals schon Zugriff auf Wikipedia gehabt hätte.

 

Bise: Die Bise ist ein trockener, kalter Wind, der kalte Kontinentalluft aus dem Nordosten Europas nach Mitteleuropa befördert. Dieser erreicht wegen der Kanalisierung im Schweizer Mittelland durch die Alpen und den Jura seine größten Stärken im Genferseeraum, wo bei klassischer Bisenlage nicht selten mittlere Windgeschwindigkeiten von 60 km/h und Böenspitzen bis über 100 km/h registriert werden. 

22.04.2007 um 21:09 Uhr

Schuhlos aber nicht sprachlos

von: malula

Auf meinem linken Arm balanciere ich einen Kleiderberg, rechts baumelt meine Umhängetasche mit Kinderbasis-Equipment, in der Hand der Geldbeutel und das Handy. Langsam schiebt sich die Schlange voran, die Kasse ist noch in weiter Ferne. Großeinkauf bei den Schweden. Zwerg 1 konnte es auch im letzten Winter nicht unterlassen zu wachsen und benötigt nun eine neue Sommergarderobe.

 

Zuvor hatten wir den bereits erwähnten Sandalenkauf für Zwerg 2 erfolgreich getätigt. Im völlig überlaufenen Schuhladen wurde Zwerg 2 auf einen Stuhl gesetzt und angewiesen ihre Schuhe aus und die von mir gebrachten Sandalen anzuziehen. Nach diversen Anproben inklusive seltsamer Gehversuche („Läuft ihr Kind immer so komisch?“ der Kommentar eines Verkäufers), konnten wir uns dann auf ein praktisches, gut sitzendes, bequemes, rosanes Sandalenpaar ohne Glitzer einigen und verließen den Schuhladen, um unsere Shopping-Tour fortzusetzen.

 

Gut eine Stunde später in der Kassenschlange zupft Zwerg 2 mich am Arm.

 

„Mama, wir müssen neue Socken für mich kaufen.“

„Socken... jaja... Socken..“, antworte ich mechanisch, während ich in meinem Geldbeutel nach der EC-Karte suche.

„Ja, wir müssen jetzt neue Socken kaufen. Meine sind nämlich ganz schmutzig.“

„Schmutzig? Wieso schmutzig?!?“. Wo steckt nur die Karte?

Plötzlich beginnen einige Leute um mich herum zu kichern.

Ich blicke auf.

„Na, weil der Boden so schmutzig ist.“, erklärt mir Zwerg 2 und zeigt mir ihre Füße. Füße in total verdreckten Socken. Füße ohne Schuhe!!

 

„ Zwerg?!? Wo sind denn deine Schuhe?!“. Ich glaub es nicht!!

„Im Schuhladen. Du hast doch gesagt, ich soll sie ausziehen.“

Ja,  aber   natürlich    solltest    Du    sie    am    Ende    auch wieder     anziehen!!!“

„Hast Du aber nicht gesagt!“, antwortet Zwerg 2 beleidigt.

 

Stimmt, hab ich aber nicht gesagt...

 

20.04.2007 um 10:36 Uhr

Shopping-Queen

von: malula

Eine charakteristische Eigenschaft von Zwerg 2 ist eindeutig ihre Shopping-Versessenheit. Sie liebt es, sich neu einzukleiden. Sie stöbert mit Begeisterung durch Kinderboutiquen und wird schnell zur besten Freundin übereifriger Verkäuferrinnen, die mit ihr komplette Kollektionen angesagter Designer durchprobieren, offensichtlich nicht wissend, dass Zwerg 2 mit vier Jahren weder über die finanziellen Mittel verfügt selbige zu kaufen, noch über die Befehlsgewalt, ihre Eltern zum Kauf zu zwingen. Die große Ernüchterung folgt dann an der Kasse, wenn mit gut Glück ein Einzelstück gekauft wird. Ernüchterung jedoch lediglich auf Seiten des Verkaufpersonals, Zwerg 2 kennt das Prozedere und ist sich im klaren über die Sinnlosigkeit, eine Diskussion anzuzetteln.

 

Nun steht der Kauf von Sommersandalen für sie an. Nicht nur, dass unser Mädel gerne einkaufen geht. Nein, sie liebt auch Einkaufsgespräche im Vorfeld der eigentlichen Aktion.

 

„Maaammmaa..... Wenn wir Sandalen für mich kaufen, darf ich die dann ganz alleine aussuchen?“

 

Ha, mein Liebchen, Du hältst mich wohl für einen Anfänger im immer wiederkehrenden Shopping-Disput?!?

 

„Mein Schatz, wir sollten versuchen Sandalen zu finden, die uns beiden gefallen.“

 

Und mit gefallen meine ich natürlich die üblichen Kriterien, die man als verantwortungsbewusste Mutter an Kinderschuhe stellt und die oft konträr sind zu den Kriterien, die eine Vierjährige an die optimale Sandale stellt.

 

Zwerg 2 folgt mir in die Küche.

 

„Die müssen mir ja auch passen, stimmt’s?!“

 

„Ja, das wäre von Vorteil, wenn Du vor hast, sie auch anzuziehen.“  Ich setzte mich an den Tisch und blättere in der Zeitung.

 

Zwerg 2 klettert auf meinen Schoß und zupft an meinen Haaren.

 

„Und dann sollen die auch bequem sein, oder?!“

 

Oha, Zwerg 2 so pragmatisch?

 

„Ja, bequem ist gut.“

 

Zwerg 2 räkelt sich auf meinem Schoß.

 

„Und die muss ich ja auch gut zum Spielen anziehen können, neee ?!“

 

„Genau, dafür sollten sie auch geeignet sein.“

 

„Ja, dass ich die auch in den Kindergarten anziehen kann und nicht nur, wenn ich mich fein mache, oder?!“

 

Zwerg 2 macht sich nämlich gerne „fein“, am liebsten würde sie auch in „fein“ im Sandkasten buddeln und auf Bäume klettern.

 

„Uuuunnnd Mama...“, nachdem sie meine komplette Argumentationskette vorweg genommen hat, kommt sie auf den Punkt, „.... und wenn die Sandalen das alles können, dann könnten sie ja auch noch ein bisschen Glitzer haben und rosa sein.“

 

„Ja, dann könnten sie auch das mein Schatz.“

 

Zwerg 2 springt abrupt von meinem Schoß, rennt aus der Küche, hoch ins Kinderzimmer und erklärt ihrer Schwester triumphierend:

 

„Ätsch, ich bekomme rosa Sandalen mit Glitzer und Duuuu nicht!!“

  

18.04.2007 um 21:04 Uhr

Schweres Geschütz

von: malula

„Schschießkanone!!“

 

Der kleine Mann verfolgt den Hund durchs Haus.

 

„Schschießkanone!!“

 

Zazoo wuselt zwischen meinen Füssen, verfolgt von einem Krabbelmonster.

 

„Schschießkanone!!“

 

Die beiden wirbeln um mich herum, rennen ins Wohnzimmer, durchs Esszimmer, unter den Tisch, auf allen Vieren durch die Küche, den Flur. Sie haben einen Heidenspaß – zwei junge Wilde in ihrem Element.

 

„Schschießkanone!!“

 

Und wieder flitzen sie an mir vorbei. Der kleine Mann und der kleine, weiße Hund. Weiße?!? Nein, der kleine weiße Hund mit blauen Flecken?!?!!!

 

Ich hinterher. Dann sehe ich die Schießkanone. Die Nivea-Sun-Schießkanone! Die blaues-Sun-Spray-für-Kinder-Schießkanone! Die absolut-verboten-für-den-kleinen-Mann-Schießkanone!!!

 

Leider ist Zwerg 3 kein besonders guter Schütze gewesen. Neben dem armen Hundetier haben auch Böden, Türen und Möbel hellblaue Sonnencreme-Streifschüsse abbekommen.

 

Ab jetzt ist hier strikt entmilitarisierte Zone. Es hat sich aus schießkanont!

 

18.04.2007 um 13:18 Uhr

Aufklärungsunterricht im Zwergenland

von: malula

Über die dem kleinen Mann eigene ausgeprägte Begeisterung für Vehikel jeglicher Art habe ich bereits mehrfach berichtet. Gestern konnte ich endlich dank Zwerg 2 die Ursache für diese Fixierung ausfindig machen.

 

Zwerg 2 ist mit fast fünf Jahren und einem kleinen Bruder bestens informiert über die alle Kinder bewegende Frage, wo die Babys herkommen. Ihr Wiesen ist so profund, dass sie uns kürzlich beim Abendessen den nützlichen Tipp gab: „Mama, Papa, wenn ihr noch mehr so tolle Kinder haben wollt wie uns drei, dann müsst ihr einfach sexln. Und schon hat Mama ein neues Baby im Bauch.“ Na gut, die Story mit dem Klapperstorch hat sich damit wohl erledigt.

 

Nun hat es sich Zwerg 2 zur Aufgabe gemacht den dritten im Bunde, den kleinen Mann, ebenfalls aufzuklären. Beim Durchblättern einer Zeitschrift auf der Suche nach, wie soll es anders sein, Autowerbeanzeigen stolperten die beiden über das Foto einer hochschwangeren Frau. Zwerg 2 packte die Gelegenheit beim Schopf.

 

„Schau, die Frau ist soooo dick, weil sie ein Baby im Bauch hat. Und bald kommt das Baby raus. Und dann ist es auf der Welt.“, erklärt sie schulmeisterhaft ihrem kleinen Bruder.

 

„Und ICH, ich war in Mamas Bauch und bin dann auf die Welt gekommen. Und Zwerg 1 war auch in Mamas Bauch, aber schon vor mir. Weil wir können ja nicht gleichzeitig in Mamas Bauch sein, da ist ja nicht genug Platz.“

 

Der kleine Mann folgt interessiert den Ausführungen seiner großen Schwester, zeigt dann auf das Bild und erklärt eifrig: „Baby im Bauch.“

 

Zwerg 2 ganz stolz auf ihre pädagogischen Fähigkeiten: „Ja, ja Baby im Bauch. Genau! Und DUUU...“, mit ihrem Zeigefinger pickt sie dem kleinen Mann auf die Brust, „...... DU bist auch aus Mamas Bauch gekommen!“

 

Aber das weiß nun der kleine Mann besser! Mit vehementer Stimme, die keinen Widerspruch duldet, erklärt er seiner Schwester „Nein, ich nicht Mamas Bauch kommen! Bin aus Papas Auto kommen!!!“

15.04.2007 um 21:32 Uhr

Mamas schöne Brille

von: malula

Ich befinde mich gerade beim Wäsche sortieren, als ich den kleinen Mann unten jammern höre. Während er Stufe für Stufe die Treppe nach oben gestapft kommt, brabbelt er unverständliches in weinerlichem Singsang. Dann steht er in der Tür mit betrübter Miene.

 

„Was ist denn los kleiner Mann?!“

„Mamas Brille! Mamas schöööne Brille!!“

 

Mamas schöne Brille ist eine 10 Euro Sonnenbrille aus der H&M Sommerkollektion des letzten Jahres. Früher waren Mamas schöne Brillen von D&G oder ESCADA oder PRADA. Dann kamen die Zwerge. Und schlagartig sank die Lebenserwartung einer Sonnenbrille auf wenige Monate, teilweise Wochen. Da das bei den genannten Marken auf Dauer ziemlich ins Geld ging, stieg ich im 2. Zwergenjahr auf günstigere Modelle um. Frühling für Frühling stehe ich nun sehnsüchtig vor den Schaufenstern der Optiker, bewundere die neusten Trends der Designer, spiele mit dem Gedanken, mir doch mal wieder eine „richtige“ Brille zu leisten und sage mir dann, warten lieber noch ein Jahr bis die Zwerge älter und vernünftiger sind. Seit der kleine Mann da ist, sag ich mir, dass ich wohl noch ein paar mehr Jahre warten muss.

 

Er jammert „Mamas schöne Brille kaputt gangen.“

„Ja, wie konnte das denn nur passieren?“

Der kleine Mann zuckt mit den Achsel und streckt die Handflächen nach oben.

„Weiß nich!“, sagt er mit engelshafter Unschuldsmiene.

„Hmm. Wer hat die Brille denn kaputt gemacht?“

„Zazoo wesen!“

 

Ich folge dem kleinen Mann nach unten, um die angebliche Untat unseres Hundes in Augenschein zu nehmen.

 

Der Zwerg zieht mich an der Hand in die Küche. Dort öffnet er den Mülleimer und zeigt auf einen Bügel der Brille, der zwischen leeren Dosen und Plastikverpackungen hervorlugt. Ich krame die in mehrer Teile zerbrochene Brille heraus. Immerhin hat er den Gelben Sack Müll gewählt.

 

„Und wer hat die Brille, nachdem der Hund sie zerbrochen hat, denn in den Mülleimer gestopft?“

„Auch Zazoo wesen!“, sagt der kleine Mann ganz befliesen.

 

Ich schüttle den Kopf und sehe den kleinen Mann ernst an. Der guckt mich an, beugt sich dann zu Zazoo runter, schüttelt auch den Kopf und sagt vorwurfsvoll  „Böser, böser Zazoo!! Mamas schöne Brille!“

  

11.04.2007 um 21:35 Uhr

Des einen Leid, des anderen Freud

von: malula

Auf unser österlichen Autofahrt kam es wie es kommen musste. Wir landeten im Stau. Meter für Meter schob sich die Autokarawane voran. Im Schritttempo fuhren wir an den Autos auf der anderen Spur vorbei, kurz darauf fuhren selbige an uns vorbei. Ein stetiges Wechselspiel, bei dem man interessante Einblicke in das Autoleben anderer Menschen bekommt. Menschen mit Handys am Ohr, Menschen mit Zigarette in der Hand, schlafende Beifahrer, spielende Kinder, streitende und küssende Pärchen, manchmal auch lachende. Im Takt wippende, mitsingende Autofahrer, genervte Gesichter.

 

Der kleine Mann ist alles andere als genervt. Wir spielen sein Lieblingsspiel – Automarken bestimmen, Autotypen bestimmen. Er ist voll in seinem Element und jeder BMW, jeder Audi, jeder Mini wird euphorisch registriert „Booaahh  - der BeeMWeenn! Der schwarze 3er BeeMWeen!!!“ (War zwar ein 5er, aber er ist halt erst zwei Jahre alt, da passiert so was schon mal)

 

In der Ferne tauchen blaue, blinkende Lichter auf. Der den Stau verursachende Unfall. Grosse Aufregung bei den Zwergen, ungeduldig warten sie darauf den Ort des Geschehens zu erreichen. Unfälle üben eine ganz besondere Faszination auf Kinder aus. Blaulicht, Polizei, Krankenwagen. Sie sehen nicht das Drama dahinter, sie sehen das Ereignis. Wir passieren die Unfallstelle.

 

„Mama! - Der Audi!! - Papa!! Der Audi is kaputt!! Und der Mini Cooper!! Muss in die Werkstatt! Mit’m Abschlepper! Muss repariemt werden!!“

 

Der kleine Mann ist völlig ekstatisch. Hektisch versucht er, sich auszuschnallen, um einen bessern Blick auf die beiden demolierten Autos zu bekommen. Er reckt und streckt sich, windet sich aus den Gurten. Kurz er ist einer von ihnen, einer von denen aus dem Verkehrsfunk  - er ist ein GAFFER.

 

Und dann ist es vorbei, der Verkehr läuft weiter, wir beschleunigen. Und der kleine Mann beschleunigt auch. Er gibt richtig Gas, fängt an zu strampeln und wütend zu heulen. Er brüllt: „NEIN!!! Nicht weiter fahren!!! Will zu Unfall!! PAPA!! Anhalten! PAPA – will zu Unfall!!“

Er tobt und ist nicht mehr zu beruhigen. Bis Papa die rettende Eingebung hat.

 

„Kleiner Mann, wir müssen weiterfahren. Wir müssen einen neuen Unfall suchen.“

„Ja, neue Unfall suchen!! Viel Unfall suchen!“

 

Makaber? Nein, nur ein Bub. Ein 2-jähriger Bub.

10.04.2007 um 08:53 Uhr

Dwarfs go comedy

von: malula

Autofahrt mit den drei Zwergen. Zwerg 3 schläft, Zwerg 1 und 2 sitzen plappernd nebeneinander.

 

Z1: „Soll ich Dir mal einen Witz erzählen?!“

 

Einen Witz? Ich wusste nicht, dass Zwerg 1 einen Witz kennt.

 

Z1: „Also da sagt der Vater zu seinem Sohn.... nein, also der Vater will Zigaretten haben.“

Z2 empört: „Iiihhhgittigitt. Da stirbt der, wenn er raucht.“

Z1 genervt: „Ja, aber das ist doch nur ein Witz! Das ist doch nicht in echt!“

Z2 lässt nicht locker „Aber es gibt auch Leute die in echt in Rauchen. Die sterben dann.“

Z1 „Ja, weiß ich auch Duuu.......... Kinki!!“  (Ähm... Kinki?)

PAUSE

Z1 ganz aus dem Konzept: „Jetzt weiß ich gar nicht mehr, wo ich war.... Also da sagt der Vater zu seinem Sohn, er soll zum Kiosk gehen und sagen, dass er Zigaretten haben will, und dass 30 Jahr alt ist und drei Kinder hat. Der Sohn geht zum Kiosk und sagt: „Ich bin 3 Jahre alt und habe 30 Kinder. Meine Frau ist in den Gulli gefallen und die Schlüssel liegen im Krankenhaus.“ - Oha, überraschend wird ein neuer Erzählstrang eingeführt – „Da sagt der Verkäufer, dass er keine Zigaretten bekommt, weil er erst drei Jahre alt ist und den Schlüssel nicht dabei hat.“.....Eine Pointe, mit der man nicht unbedingt gerechnet hat.

 

„Hihihihih....“ Gekünsteltes Gekichere aus dem Autofont.

 

Z2 eifrig „Jetzt erzähle ich einen Witz.“ Sie fängt an und erzählt darauf los. Es ist ein eher abstrakter Witz, ohne rote Faden, ohne Handlung. Eine zusammenhangslose Aneinanderreihung von Sätzen.

 

Der Zwerg erzählt und erzählt in fröhlichem Singsang.

 

Plötzlich ist es still.

 

Zu Beginn der „Sendung mit der Maus“ wird auf Deutsch ein kurze Vorschau auf den Inhalt der Sendung gezeigt wurde, drauf folgt das ganze dann in einer anderen Sprache und endet stets mit dem Satz, der das Geheimnis der fremden Sprache lüftet zB „Das war Rumänisch!“

 

Z2 in Maus Manier: „Das war ein Witz!“

 

Z1 enttäuscht: „Das war ja eine Geschichte.“

 

Z2 stolz: „Es war ein Geschichten-Witz!“

 

Z1 trocken: „Aber der Geschichten-Witz war überhaupt nicht lustig!“

 

Z2 lässt sich nicht aus der Ruhe bringen: „Der sollte gar nicht lustig sein. Das war ein trauriger Geschichten-Witz.“

04.04.2007 um 21:11 Uhr

Ein Satz

von: malula

Manchmal reicht ein Satz. Ein falscher Satz um dauerhaft Sympathien zu verspielen. Das ist nicht nur unter erwachsenen Menschen so, das kann auch bei Kinder passieren. Dort kommt es zwar seltener vor, da man den meisten Kindern wohlwollend entgegen tritt und die Toleranzgrenze sehr viel höher liegt. Aber es passiert!

 

Der kleine Mann hat einen wunderbaren Autositz, das Sicherste was es auf dem Markt gab. Wir haben lange gesucht um dieses Modell zu finden. Sichere Modelle gibt es in reichlicher Auswahl, aber sichere Modelle ohne Luftballons, Bärchen, Elefanten oder sonstigen Tieren sind schon seltener. Und sichere Modelle ohne Tiere, ohne Muster in gedeckten Farbtönen passend zu den Autositzen sind wahre Raritäten. Aber wir haben ihn gefunden - unseren Kinderautositz.

 

Ein Kinderautositz, der 1 ½ Jahren in Gebrauch ist, nach tausenden von Kilometern mit unzähligen Keksen, Brezeln, Getränken, Gummibärchen, Matschstiefeln und klebrigen Kinderhänden sieht einfach furchtbar aus, da kann er ursprünglich noch so schön gewesen sein. Irgendwann ist der Punkt gekommen, an dem der Bezug abgenommen und gewaschen werden muss. Dieser Punkt war bei uns schon vor geraumer Zeit erreicht. Heute wurde es endlich getan.

 

Sitz aus dem Auto holen, auseinander bauen, Bezug abnehmen, waschen, trocknen und das ganze Ding wieder zusammenbauen. Zusammenbauen!

 

Umringt von fünf Kindern, meinen drei und zwei weiteren aus der Nachbarschaft, mache ich mich ans Werk. Beim Zusammenbau ist auf Grund diverser Gurtsysteme, Haken und Ösen, eine genaue Reihenfolge einzuhalten, übergeht man einen Schritt, merkt man es erst am Ende und kann dann wieder alles demontieren und von vorne anfangen. Genau das ist mir heute passiert – zu meinem großen Ärger und unter den interessierten Blicken meines Publikums.

 

Und dann kam der Satz. Aus dem Mund eines 7-jährigen  sommersprossigen, blauäugigen Rotschopfs. 

 

Mit hochgezogenen Augen sagte er in altklugem Tonfall:

 

„Meiner Mama geht das alles viel schneller von der Hand.“

 

.... viel schneller von der Hand....!!!

  

Ja, so sind sie die süßen Kleinen!

03.04.2007 um 20:50 Uhr

Gut Ding will Weile...

von: malula

In der vorösterlichen Zeit hat Basteln Hochkonjunktur. Im Kindergarten werden Papier-Tulpen und Grasnester gebastelt, in der Schule Eier bemalt und betropft und selbst in den Pre-Kiga-Spielgruppen werden kleine Wattelämmchen produziert.

 

Als sei das nicht genug der Bastelei, traten die Zwerge mit dem Wunsch an mich heran, am Sonntag gemeinsam etwas zu basteln. Die alljährliche Ostereiermalerei hatten wir schon zwei Wochen zuvor erledigt, also entschieden wir uns für Küken und Hasen. Küken und Hasen, die gebommelt werden.

 

Sonntagnachmittag, strahlender Sonnenschein, wir sitzen auf der Terrasse, vor uns Tonkarton, Scheren, Stifte, Kleber, Wolle, Nadeln.

 

Mein Mann stahl sich mit einem gemurmelten „Bin ja nicht so der Bastler... eher was für Kinder.“, aus der Affäre, nicht ohne zu bedenken zu geben, dass unser Projekt für die Kinder vielleicht etwas umfangreich ist.

 

„Quatsch, die Zwerg sind sehr ausdauernd beim Basteln und die Viecher sind außerdem ruck-zuck fertig.“

 

Mit großer Motivation starten wir unser Bastelvorhaben. Vorlagen auf Tonkarton pausen, ausschneiden, mit Schnäbeln bekleben, anmalen, um dann zum eigentlichen „Bommeln“ zu kommen. Dazu muss man einen Pappring (in diesem Fall der Küken- bzw. Hasenbauch) mit einem inneren Durchmesser von ca. 2cm gleichmäßig mit einem Wollfaden umwickeln.  Und zwar so lange, bis der Ring ausgefüllt ist. Da wir uns als unerfahrene Bommler für einen eher dünnen Wollfaden entschieden hatten, mussten wir viel wickeln. Wir wickelten, wickelten, wickelten und das Loch war immer noch da. Also wickelten wir weiter und weiter. Ich half abwechselnd Zwerg1 (der Hase) und Zwerg 2 (das Küken). Völlig vertieft in mein Gewickel, schreckte ich hoch, als plötzlich mein Mann neben mir stand.

 

„Meine Liebe, ist Dir eigentlich aufgefallen, dass nur noch du bastelst?“

 

In der Tat, die Zwerge tummelten sich vergnügt am Klettergerüst im Garten. Sie schaukelten, sie turnten und die gebommelten Ostertiere waren längst vergessen.

 

Nach meinen großspurigen Worten am Anfang, musste ich das Ganze nun natürlich erhobenen Hauptes zu Ende bringen und so bommelte ich mit gespielter Begeisterung weiter.

 

Und dann waren sie endlich fertig. Bommelküken und Bommelhase. Bommelküken wurde von Zwerg 2 freudestrahlend in Besitz genommen und „Pi-pi“ gennant, Bommelhase wurde von Zwerg 1 „Wolli“ getauft.

 

Wie schön, wenn man seinen Kindern etwas Gutes tun kann, da hat sich die stundenlange Bastelei doch gelohnt.

 

Als ich abends die Terrasse aufräumte, die Spielsachen verstaute und den Sandkasten abdecken wollte, entdeckte ich dort einen völlig zerrupften und durchnässten „Pi-pi“ und einen „Wolli“ in ähnlichem Zustand.

 

„Die wollten unbedingt im Sandkasten spielen. Wir haben ihnen gleich gesagt, dass das keine so gute Idee ist!“

 

Welch undankbares Bommelgetier!

01.04.2007 um 21:48 Uhr

Tears in heaven

von: malula

Weinende Kinder sind eine Wissenschaft für sich. Nach Art des Weinens, Zweck des Weinens, Heftigkeit des Weinens oder Ursache des Weinens lässt sich das Weinen in verschiedenste Untertypen einteilen. Es gibt Protestweinen, Wutweinen, Angstweinen, Müdigkeitsweinen, Schmerzweinen, Solidaritätsweinen, Jammerweinen, Mitleidsweinen. Es wird geweint, um zu demonstrieren, dass einem Unrecht widerfahren ist. Man weint prophylaktisch in Situationen, in denen das Aufdecken einer Schandtat kurz bevorsteht und man eine Bestrafung zu befürchten hat.

 

Und manchmal weinen Zwerge, um sich selber beim Weinen zu zusehen. Da steht dann der kleine Mann vor dem Spiegel, weint herzerreißend. Er beobachtet, wie dicke Kullertränen die Wange hinabfließen, probiert verschieden Wein-Mundstellungen aus – weit aufgerissen, bebend zusammengepresst. Reibt sich mit seinen Fäustchen die Augen, hält sich die Hände an die Backen, lässt den Kopf hängen, beobachtet sich von unten in den Spiegel schielend. Ist von seinem eigenen Unglück fasziniert, leidet mit diesem rotwangigen verzweifelten Wesen dort im Spiegel, dem scheinbar so viel Schlimmes zugestoßen ist. Er schluchzt, er schluckt, er heult auf, er rauft sich die Haar.

 

Dann tritt er vom Spiegel weg, steigt aufs Bett und strahlt mich hüpfender Weise an. „Bin wieder lustig! Bin der kleine Mann!“

 

Oh ja, mein kluger, kleiner Mann.