***Kids rule ... das Leben mit und von 3 Zwergen***

31.05.2007 um 15:52 Uhr

Die Zeit ändert die Zeiten

von: malula

Seit ziemlich genau 6 Jahren, 7 Monaten und 7 Tagen hat sich ein sehr alltäglicher Vorgang grundlegend verändert. Das „Aus-dem-Haus-gehen“.

 

In der Pre-Kinderzeit war man, wollte man das Haus verlassen, meist schnell fertig. Schuhe, je nach Witterung Jacke, Handschuhe, Schal, Mütze, Sonnenbrille. Schlüssel, Tasche, Handy.  Regenschirm nie – nur unnötige Schlepperei. That’s it. Bei guter Vorbereitung und stets etwas unter Zeitdruck ging das Ruck-Zuck, da wurde im persönlichen Zeitmanagement selten extra Zeit für das „Aus-dem-Haus-gehen“ eingerechnet.

 

Dann kamen die Zwerge. Und damit wurde alles anders.

Man kam aus dem Krankenhaus mit so einem kleinen Würmchen. Herbst, Regen, Wind, Mistwetter. Kann man überhaupt das Haus verlassen?! Nun, andere laufen ja auch mit ihren Babys draußen rum. Muss wohl gehen. Also Baby gewickelt, angezogen, Body, Strampler, Söckchen. Wie kalt ist es denn nun draußen? Doch lieber noch ein Jäckchen drüber, Mützchen, natürlich Mützchen. Und jetzt den Zwerg in den Daunensack packen. Schweißperlen auf der Stirn.

 Ist es doch zu warm für ein extra Jäckchen?

Zwerg wieder raus, Daunensack aus, Jäckchen aus, Daunensack an. Baby mit Daunensack in den Wagen. Windeln und Feuchttücher einpacken, Creme, Wechselsachen – man weiß ja nie, wie das so ist mit einem Baby unterwegs, lieber für alle Eventualitäten gewappnet sein.

 

Gott, ist das eine Aktion. Jetzt noch selber fertig werden, geht schon so, irgendwo muss man Einschnitte machen.

 

Baby fängt an zu weinen. Was jetzt? Baby raus aus dem Wagen, aus dem Daunensack geholt. Es riecht.

 

Es riecht nicht nur, es stinkt! Das Spielchen beginnt von vorne und die 2-3 Minuten die man früher brauchte, werden jetzt zu einem ernst zu nehmenden Zeitfaktor in der Tagesplanung. Eine halbe Stunde ist da gar nichts.

 

Das war am Anfang. Mit der Zeit wird man routinierter, jeder Handgriff sitzt, die Abläufe sind geplanter. Und außerdem werden die Zwerge älter, man selber entspannter.

 

Als es jedoch immer mehr Zwerge in unterschiedlichsten Altersstufen wurden, gewann das Ganze an Komplexität.

Heute gehören zum „Aus-dem-Haus-gehen“ Jacken, Schuhe, Kappies, Toilettengang, Getränke (denn eines der Kind hat immer unterwegs Durst!), Essen (und ein anderes hat immer Hunger!) - das ganze mal drei. Dann je nach Ausgehziel Turnbeutel, Musiktasche, Schulranzen, Kindergartentasche in den unterschiedlichsten Kombinationen. Heimlich geschmuggelte Spielsachen. Und jetzt reden wir mal nicht vom Winter!

 

D  a  s         d   a    u    e   r   t  .   .     .  

   

In einer Viertelstunde müssen wir los. Ich sitze hier und schreibe. Und es ist sicher. Wir werden mal wieder zu spät sein.

30.05.2007 um 00:38 Uhr

Philosophische Abendkost

von: malula

Gezanke unter Schwestern beim Abendessen. Heute eindeutig mit Zwerg 1 in der Rolle des Aggressors. Zwerg 2 lässt einige bösartigen Stichelein über sich ergehen und sitzt nun nach elterlicher Intervention mit zufriedenem Siegerlächeln am Tisch. Zwerg 1 kocht innerlich, muss sich aber zurück halten, da die imaginäre rote Karte schon über ihrem Lockenköpfchen schwebt. Zwerg 2 grinst vor sich hin und knabbert an ihrem Brot.

 

Z1 „Ich weiß es genau. Wenn Du so guckst, dann denkst Du immer, Du bist was besseres als ich!!“

 

Z2 „Ich denke überhaupt nicht an Dich!“

 

Z1 „Doch, jetzt denkst Du an mich!“

 

Z2 „Nein! Du weißt nämlich gar nicht an was ich denke. Du kannst ja nicht in mich reinschauen! Und jetzt gerade denk ich an gar nichts. Ich esse!“

 

Z1 „An irgendwas denkt man immer! Man kann nicht an nichts denken!“

 

Z2 „ Wenn ich nicht an dich denken will, dann denke ich immer an den lieben Gott!"

21.05.2007 um 22:35 Uhr

Rennfieber

von: malula

Samstag. Momente des Glücks für den kleinen Mann. Papa tut es. Das inbrünstig ersehnte, das lang erhoffte, das immer wieder erfragte, erbettelte. Ein großer Traum wird wahr für Zwerg 3. Papa baut die große Carrera Bahn auf. Carrera Evolution Pro X mit Steilkurve und digitaler Zeitmessung. Es gibt den „schnellsten roten Ferrabi“ und den „coolsten Silbermercedes“.

 

Alle sind im Rennfieber, die Autos rasen eine Runde nach der anderen, sie fliegen aus der Kurve – „Booohhm!“ Der kleine Mann strahlt, der kleine Hund jagt Schwanz wedelten hinter den Autos her, die Mädels werden zu halsbrecherischen Rasern. Es werden Mann-gegen-Mann- Rennen gefahren, Zeiten notiert, Rundenrekorde bejubelt. Es wird gefiebert, angefeuert, getunet, geflucht.

 

Mitternacht – die Zwerge schlafen längst, träumen von der Siegesfeier mit Popcornregen. Wir rasen weiter Mann-gegen-Frau. Ehemann-gegen-Ehefrau. Arbeiten verbissen an unseren Bestzeiten, es geht um Sekundenbruchteile.

 

Doch am Ende kann es nur einen geben. Einen wahren Sieger, einen da ganz oben auf dem Siegerpodest.

 Ja, Papa kann vieles toll, besser und schneller. Aber nicht Carrerbahnfahren!

S T R I K E

18.05.2007 um 22:03 Uhr

Ist Celebrity das bessere Elternmagazin?

von: malula

Ich bekenne, ich lese leidenschaftlich Glamourmagazine wie „Celebrity“, „Gala“ oder „Instyle“. Das war vor den Zwergen so, das ist immer noch so. Ich bin mir bewusst, dass diese Zeitschriften nicht der Inbegriff von  Intellektualität sind und darin ein Weltbild vermittelt wird, das wenig mit der Realität zu tun hat. Mir ist auch klar, dass man sich mit dem Kauf dieser  Illustrierten in moralisch gefährliches Fahrwasser begibt, da man eine Industrie unterstützt, die krankhafte Auswüchse wie Paparazzi, magersüchtige Jungstars und Schönheitsoperationen am Fließband mit sich bringt.

 

Aber es unterhält mich, es entspannt mich und, auch wenn es auf den ersten Blick abwegig erscheint, diese Magazine enthalten durchaus wertvolle Tipps und Ratschläge für jede Mutter.

 

Man nehme die aktuelle Ausgabe der „Celebrity“.

 

Da ist zum einen der Artikel „Hollywoods verkaufte Jugend – Das Los der einstigen Kinderstars“. Darin ist zu lesen, wie Mama Spears ihr Tochter schon in frühster Kindheit von einem Casting zum nächsten schleppte und versuchte, die Kleine an die Werbung, das Fernsehen, die Unterhaltungsindustrie zu verkaufen, was letztendlich dazu führte, dass das Mädel zwar weltberühmt und eine Cash-Cow für die Spearsche Familienkasse wurde, es aber in jüngster Zeit zu etlichen ungeplanten Eskapaden des einstigen Kinderstars kam, die in der wohl prominentesten Glatzenrasur aller Zeiten gipfelten. Neben Spears werden Lohan, Culkin und (der wohl tragischste Fall) Michael Jackson als Beispiel für von ihren Eltern zum Erfolg - im wahrsten Sinne des Wortes - geprügelten Jungstars aufgeführt, die aufgrund ihrer verlorenen Jugend mit massiven Problemen wie Magersucht, Drogensucht oder Depressionen zu kämpfen haben. In dem Artikel ging es im Grunde einzig und allein um Kindererziehung. Er war eine eindringliche Warnung an alle überehrgeizigen Elteren. Und ob sie nun eine Hollywoodkarriere oder ein Oxfordstudium für ihre Kinder anstreben, es finden sich einige Parallelitäten.

 

Neben derartigen erziehungsnahen Essays liebe ich besonders die Rubrik „Stars & Styles“, die einen über Neuigkeiten vom internationalen Catwalk und die Trends der Stars auf dem Laufenden hält. Nicht dass ich selber diese Klamotten tragen könnte. Davon trennen mich sowohl drei Kinder und ein bis zwei Kleidergrößen, als auch ein paar Nullen auf dem Konto. Nein, für mich kommt das meiste leider nicht in Frage. Die Looks inspirieren mich aber beim Nähen von winzigen Glamourfetzen für die Barbiepuppen von Zwerg 1. Und so trage ich zwar H&M Jeans aus der Kollektion 2005, dafür hat Zwergens Puppe nun eine mondäne Robe frei nach einer aktuellen Prêt-à-porter-Kreation von John Galliano für Dior.

 

Und zu guter letzt, wieso der Shopping-Guide „50 Luxus-Sonnenbrillen – Von retor bis cool – für jedes Budget“, für mich von besonderer Relevanz ist, war ja bereits Thema in "Mamas schöne Brille"

16.05.2007 um 11:04 Uhr

Von Fingerspuren und lendlischer Lebenseinstellung

von: malula

Unsere Küche hat dunkelgraue Fronten mit Griffen aus gebürstetem Edelstahl. Das sieht sehr schlicht, sehr edel aus. Dieser schlichte, edle Eindruck ist jedoch zunichte, wenn darauf Fingertapser zu sehen sind. Die Oberfläche ist anfällig für Tapser, die Türen sind übersäht mit kleinen, meist in Vierer-Gruppen angeordneten Fingertapsern. Und diese Fingertapser nerven. Sie nerven und sind symptomatisch. Denn genaugenommen sind es nicht die Fingertapser, die nerven, sondern die Tatsache, dass der aussichtlose Kampf gegen sie zum festen Bestandteil meines Alltags geworden ist.

 

Eine typische Begleiterscheinung des Hausfrauen- und Mutter-Daseins. Auf einmal werden Dinge, die man vorher „nebenbei“ am Wochenende oder Feierabend erledigt hat, zur Hauptbeschäftigung. Und da man die Sache ja nun „hauptberuflich“ angeht, stellt man wesentlich höhere Ansprüche an die Durchführung als zu den Zeiten, in denen man den Haushalt als Nebenjob betrieben hat. Nun kann man argumentieren, der Hauptjob ist das Mutterdasein, die Kindererziehung. Nur läßt sich das eine vom anderen nicht trennen, die Bereiche gehen fließend ineinander über, daher ja auch die Bezeichnung „Hausfrau und Mutter“.

 

Die  Fingertapser habe ich inzwischen so halbwegs im Griff. Man muss immer dran bleiben, darf es nicht schleifen lassen. Was aber, sollte ich, wie es geplant ist, wieder berufstätig werden? Kann ich dann meine Ansprüche bezüglich der Reinheit des Küchendekors zurückschrauben?! Kann ich problemlos den Haushalt vom Hauptjob wieder zum Nebenjob degradieren? Oder geht es mir wie Ivan Lendl, der kürzlich in einem Interview sagte, er spiele inzwischen überhaupt nicht mehr Tennis, weil er nicht mehr so spielen kann, wie er spielen möchte? Wenn er etwas anpackt, dann will er es zu 100 Prozent machen. So wie ich mit meinen Tapsern, die ich auch zu 100 Prozent entfernt haben will. Ein unscheinbares, aber handfestes Dilemma.

 

Und wie schon Konfuzius sagte: „Menschen stolpern nicht über Berge sondern über Maulwurfshügel.“

 

13.05.2007 um 20:30 Uhr

Künstlerisches

von: malula

Zwerg 1 überlegt mit ihrer Freundin, wie sie sich die Zeit vertreiben. Zwerge 1 hat eine Idee. „Wir spielen Künstler. Wir malen Bilder und verkaufen sie dann!“

Die beiden verschwinden im Kinderzimmer.

 

10 Minuten später sind sie wieder zurück. Bepackt mit einem Stapel Blätter. Auf der einen Seite, um es mal euphemistisch zu formulieren, skizzenhafte Zeichnungen, auf der Rückseite große umrundete Zahlen 10 znt, 20 znt. Die Preise der Bilder, wie mir erklärt wird.

 

Die beiden debattieren leidenschaftlich über die Erfolgsaussichten, als Künstler seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

 

Zwerg 1: „Ich will später Künstler-Malerin werden. Dann male ich schöne Bilder und verkaufe die für viel Geld an Leute, die sie dann aufhängen.“

Zwergensfreundin (ZF) - ein liebes Mädchen mit leichtem Hang zum Altklugen: „Ja, für ein Kind malst Du schon ganz schön. Aber wenn Du als Erwachsener Bilder verkaufen willst, musst Du noch besser werden. Dafür zahlt Dir niemand viel Geld.“

Z1: „Ich hab ja noch Zeit zu üben.“

ZF: „Stimmt. Und man kann nicht früh genug anfangen, zu überlegen, was man später werden will.“

Z1: „Ja, ich verkauf’ auch schon ganz lange Bilder. Schon da wo ich vorher gewohnt habe.“

ZF (offensichtlich schwer beeindruckt von dieser Geschäftsidee): „Und wie verkaufen sich Deine Bilder so?“

Z1 (ganz der abgebrühte Verkaufshase): „Gut, sehr gut. Ich habe sogar schon mal eins für 50 Cent verkauft!“

ZF: „Aber leben kannst Du davon noch nicht!“

Z1: „Nee, aber jetzt wohne ich ja noch bei meinen Eltern, da brauch ich nicht so viel Geld. Die bezahlen ja.“

 

Ich habe die aufstrebenden Künstler gesponsert und jedem ein Bild abgekauft. Aber nur aus der Kategorie für 10 Cent. Lieber sparsam sein und etwas Geld auf die hohe Kante legen, wer weiß, wie ernst es Zwerg 1 mit ihren beruflichen Ambitionen ist.

 

 

 

 

Künstlerleben
    

13.05.2007 um 16:30 Uhr

Kindermund

von: malula

Der kleine Mann: "Können wir die Kaulwaquen Fütter futtern?!"

13.05.2007 um 12:16 Uhr

Wünschen kann man viel

von: malula

Es ist anstrengend nie zur Ruhe zu kommen. Aber noch anstrengender ist es, es zu versuchen und daran zu scheitern.

 

Heute ist Muttertag. Als Mutter von drei Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter hat dieser Tag naturgegeben eine gewisse Relevanz für mich.

 

Mein in den letzten Tagen mehrfach geäußerter Wunsch war es, heute ausschlafen zu dürfen, mich nicht um das ganze Anziehprozedere der Zwerge kümmern zu müssen und mich zu einer Zeit, die mir angenehm erscheint, an den fertig gedeckten Frühstückstisch zu setzten, um ein ruhiges, gemütliches Sonntagsfrühstück mit meiner Familie zu genießen. Ein frommer Wunsch, ein Wunsch, der nicht unbedingt realistisch ist, der meinen Lieben einiges abverlangt. Aber – Verzeihung für diese abgedroschene Floskel - Wunder gibt es immer wieder.

 

Selbstkritisch muss ich zugeben, dass ich selbst die Erfüllung meines Wunsches von vorneherein torpedierte, in dem ich Zwerg1 erlaubte, einen Übernachtungsgast einzuladen.

 

Protokoll des Muttertagmorgens:

 

6:50 Uhr            Die Schlafzimmertür öffnet sich leise. Eins – zwei – drei – vier Zwergenköpfe schieben sich durch die Öffnung. Getuschel, Gekicher, Geflüster. „Mama, was sollen wir heute anziehen?“

 

7:05 Uhr            Schlafzimmertür die Zweite, schon nicht mehr sehr zurückhaltend, schließlich wissen sie ja, dass ich schon wach bin, beziehungsweise schon mal wach war. „Können wir jetzt zum Bäcker geben?“ Ich rüttle meinen Mann, der tief schläft oder sich zumindest sehr überzeugend tief schlafend stellt, wach. „Schatz, Muttertage!“ Missbilliges Gegrummel. Er steht auf, murmelt was von „...altmodische Sitten...“ .

 

Endlich etwas Ruhe, ich triefte wieder in einen leichten Schlaf.

 

7:30 Uhr            Schlafzimmertür die Dritte, diesmal schwungvolles Aufreißen. „Mama, bist Du jetzt fertig mit dem Ausschlafen? Wir können frühstücken.“ Auf einmal Zwerge überall im Bett. Zwergenbauch auf meinem Gesicht, kitzelnde Zwergenhände, Zwergenknie im Magen, Zwergenkuss auf der Nasenspitze. Zwergenhaare im Mund. Ich stehe auf.

 

7:45 Uhr            Selbstgebastelte Muttertagsgeschenke auf meinem Platz, Blumen auf dem Tisch, Zwerge auf meinem Schoß, frischer Kaffee, Croissantes, Brötchen. Das Leben kann auch viel zu früh am Sonntagmorgen einfach schön sein.

 

7:50 Uhr            Zwergenvorschlag: „Und nächsten Sonntag feiern wir Kindertag! Am Kindertag dürfen wir uns wünschen wie der Tag sein soll und ihr müsst das so machen! So wie wir heute! Da schlafen wir dann aber nicht so lang!!“

09.05.2007 um 21:23 Uhr

Candies Candies Candies

von: malula

Unsere Tante Emma heißt Frau Werner. Ihr gehört ein kleiner Laden an der Hauptstrasse. Man bekommt dort das wesentliche für den täglichen Bedarf. Seien es Nudeln, Zucker, Mehl, Möhren oder Bratwürste. Zahnpasta, Toilettenpapier, „Das Goldene Blatt“ und ganz hinten in der Ecke versteckt Kondome. Das wichtigste bei Frau Werner sind aber die „gemischten Tüten“. Ein großer Teil des Taschengeldes der Dorfkinder geht für die bunten Süßigkeiten drauf.  

Es gibt grüne Frösche, blaue Schlümpfe, orange Schnecken, rote, gelbe, braune Schlangen. Es gibt saure Zungen, süßen Mäusespeck, gezuckerte Erdbeeren. Kirschohrringe, Colafläsche, Schnuller, Konfektstangen, Brausebonbons, Schleckpulver, Esspapier und süße Ketten.

 

Für 50 Cent darf man 10, für einen Euro 20 Naschereien aussuchen.

 

Gehen zwei plus zwei befreundete Zwerge zu Frau Werner, dann dauert es. Die Zwerge rechnen, überlegen, beraten. Vielleicht zwei davon, eins davon und drei davon – oder doch nur zwei von dem und dafür noch eins von jenem?! Man könnte natürlich auch die Kaugummizigaretten für 50 Cent und dann nur für die restlichen 50 Cent eine bunte Tüte.... es gibt unzählige Möglichkeiten, Kombinationen, Entscheidungen die zu treffen sind.

 

35 Minuten. Wie gut, dass Frau Werner ein netter Mensch ist. Ein netter und geduldiger Mensch!

08.05.2007 um 20:51 Uhr

Stilistische Bleiente

von: malula

Schulanmeldung für Kinder, die im Sommer 2008 eingeschult werden. Verbunden ist die Anmeldung mit einem ersten Sprachtest, der eventuellen Förderungsbedarf bei den zukünftigen Schulkindern aufdecken soll.

 

Eine seit 5 Minuten wartende Mutter empört sich:

 

„Also wenn die jetzt hier in ner halben Stunde nicht fertig sind, dann geh ich aber. Dann können die mich mal mit der Anmelderei und ihrem bescheuerten Sprechentest. Wir haben nachher gleich noch dem Jungen seinen Schwimmkurs. Den hab ich bezahlt, da geht der Junge auch hin! Das kannste aber mal glauben!! Sonst kann ich ja das Geld, das wo mein Mann hart verdient hat, gleich zum Fenster rauswerfen!“

 

Ja, manchmal muss man eben Prioritäten setzen.

07.05.2007 um 21:04 Uhr

Zwerg 2 goes the Brain

von: malula

Zwerg 1 zu Zwerg2: "Was willst Du später mal werden?"

Zwerg 2: "Der Chef von allen!"

Pause.

Den Zeigefinger auf Zwerg 1 gerichtet.

"AUCH VON DIR!"

The Pinky and the brain

07.05.2007 um 17:50 Uhr

Kulturelles Gezicke - II

von: malula

Hinter uns ein öko-intellektuell-angehauchtes Ehepaar mit ihrem unverkennbaren Einzelkind-Sohn, der schon im Vorfeld erklärte, dass er 6 Jahre alt ist und in die 1. Klasse geht, aber eigentlich schon in die 2. könnte, weil er in vielem wesentlich weiter ist, als andere Kinder in seinem Alter. Und dass er Geige spielt. Und der seine Eltern mit Vornamen anspricht. 

 

Die dazugehörige Mutter beweißt gleich zu Beginn des Stücks, wie sehr sie in der Welt von Pettersson und Findus zu Hause ist. Als zwei mausähnliche Fingerpuppen über die Bühne huschen, kommt von hinten ein begeistertes „Ooch guck, die Mucklas!! Ooch, sind die nicht drollig!! Guck, wie kann Pettersson die nur für Mäuse halten!! Das sind doch eindeutig Mucklas!!“ . 

 

Es ist immer wieder zu beobachten, wie fiktive Figuren und Geschichten in Familie zur halbrealistischen Fantasiewelt hochstilisiert werden, die nahezu gleichberechtigt neben der alltäglichen Realität existiert. Vorangetrieben wird diese Schöpfung der Parallelwelt meist von Seiten der latent kreativen Eltern, die dadurch die ach so ausgeprägte schöpferische Begabung ihrer Sprösslinge frühst möglich fördern wollen. Vor ihrem inneren Auge sehen sie ihren Nachwuchs schon als richtungsweisendes Mitglied der künftigen Boheme. Die Kids als Künstler in spe, die ein Leben führen werden, dass sie selber nie leben konnten. Gehemmt nicht etwa durch mangelndes Talent oder Intelligenz, sondern durch die von klein auf eingetrichterten Konventionen der Großelterngeneration. Um der Welt und sich nun zu beweisen, dass die eigene Abnablung vom Elternhaus doch noch gelungen ist, erziehen sie ihre Kinder absolut konventionsfrei. Womit der Bogen zum Theaterbesuch wieder gespannt ist, denn der eine mag es als unhöflich, der andere als unkonventionell bezeichnen, wenn man während einer Theateraufführung – und sei es ein Kindertheater – ununterbrochen laute Kommentare von sich gibt.

 

Zusammenfassend war trotz der selbsternannten Mucklar-Prilla-Expertin hinter, der autoritären Justus-Oma vor und der wachsamen Gluckenscharr um uns, der Theaterbesuch sehr kurzweilig und erfüllt seinen ursprünglichen Zweck – ein schöner Familien-Sonntag im Kulturkraftwerk.

 

06.05.2007 um 21:28 Uhr

Kulturelles Gezicke

von: malula

Familien-Sonntag im Kulturkraftwerk – das Theater Firlefanz zeigt „Wie Findus zu Pettersson kam“.

 

Eine perfekte Plattform für soziologische Studien.

 

Die rüstige Großmutter vor uns mit grauem Kurzhaarschnitt, die wieder mal erkennen muss, dass bei der Erziehung ihres Enkels einiges im Argen liegt.

 „Christina, alle anderen Kinder sitzen alleine vorne. Nur Dein Sohn nicht. – Justus, nun geh doch nach vorne! – Justus, ich versteh Dich nicht. – Nun gut Justus, wenn Du nichts sehen willst, dann eben nicht. Da hätten wir uns das Geld für die Karten ja sparen können.“

 

Eine schnatternde Schar aufgebrachter Mutterglucken bevölkert die Szenerie. Sie empören sich, dass dem Hinweis auf den Eintrittskarten

„Erwachsene wählen bitte die Plätze am Rand oder hinten – wir wünschen uns für alle Kinder, dass diese das Stück gut sehen können.“ 

nicht zu genüge Folge geleistet wird, als einige Spätankömmlinge sich in Ermangelung anderer freier Plätze in der 3. Reihe an den Rand setzten.

„Hinten steht da drauf. Hinten!“ 

 

„Nein, hinten oder am Rand steht da. Nicht hinten und am Rand.“ 

 

 „Dann kann mein kleiner Emil eben nichts sehen. Scheint Ihnen ja egal zu sein.“ 

 

 „Ich kann mit ihrem kleinen Emil ja tauschen.“

„Nein, mein Emil wollte genau auf diesem Platz sitzen. Wir sind extra früh gekommen.“

Der kleine Emil thront Gummibärchen mampfend auf dem auserkorenen Stuhl und scheint völlig unbeeindruckt von der mangelhaften Sicht.

 

"Weiter hinten ist kein Platz mehr frei."

 

"Ja, das kommt davon, wenn man zu spät kommt."

 

"Es ist ja gar nicht zu spät, das Stück hat noch nicht angefangen."

 

"Aber zu spät für den richtigen Platz."

 

Die herrische Oma meldet sich wieder zu Wort.

„Wann fangen sie denn nun endlich an. Immer fangen sie zu spät an.“

Es ist exakt 30 Sekunden nach 17.00 Uhr, dem angekündigten Vorstellungsbeginn.

„Wenn sich endlich mal alle setzten würden, könnten sie anfangen. Die Kinder werden ja alle schon ganz unruhig. Justus, willst Du Dich nicht doch zu den anderen Kindern setzten?! Also ich versteh Dich ja nicht!“

 

.... Fortsetzung folgt.