Ich spar mir das jetzt

08.08.2013 um 14:31 Uhr

Die pädagogische Eignung ist nicht erkennbar Teil 1

Na sowas. Dieser Satz hat mich im Mai noch mal richtig runtergezogen. 

So, erstmal ist ja klar: Ich habe kein 2. Staatsexamen.

Durchgefallen, gescheitert, versagt und für immer aus der Beamtenlaufbahn gebeamt.

Was mache ich jetzt?, das war die Frage.

Ich will mich nicht ein Leben lang als Versagerin fühlen, ich will das nicht vor mich hertragen; Seht her, ich kann es nicht, ich traue mir nichts mehr zu. Alles vorbei.

Deshalb erlaube ich mir, wieder an mich zu glauben.

Natürlich steht die Frage im Raum, ob es nicht besser ist, sich einen anderen Bereich zu suchen. Keine Pädagogik mehr. Was ganz anderes.

Aber dann hätte ich das Gefühl, dass ich alles wegwerfe, was ich gelernt habe und einen Teil meiner Fähigkeiten einfach brach liegen lasse, obwohl doch eigentlich nur das Unterrichten das Problem war.

Dazu muss man sagen, dass ich zwar Lehramt studiert habe, aber auf Sonderschule und das ist etwas spezieller, viel mehr Pädagogik, viel mehr Psychologie und wenig Fach.

Meine Schwerpunkte waren im Studium schon im sozialpädagogischen Bereich. Ich habe Nachtschichten im Heim geschoben, Sprachförderung im Kindergarten gemacht und mit einem Haufen Psychologen bei der studentischen Telefonseelsorge ehrenamtlich Dienste geschoben.

Leider habe ich aber nicht Sozialpädagogik studiert, sondern Lehramt. Das 1. Staatsexamen gilt praktisch nicht als Qualifikation.

Nach dem Referendariat wußte ich das aber nicht so genau.

Ich habe mich als Integrationserzieherin beworben, wurde genommen und war ziemlich glücklich. Dafür bin nach Berlin gezogen. Damals dachte ich noch, dass ich mich jetzt in Ruhe damit abfinden kann, dass ich sehr viel weniger Geld verdienen werde, als als Sonderpädagogin in der Schule. Das es mich glücklich machen wird, wenn ich Kinder nicht zwingen muss, zu lernen und es war mir ein echtes Anliegen, dass Kinder möglichst früh gefördert werden. Ganzheitlicher als in der Schule. Ich wollte Verantwortung übernehmen und mich für die Sensibilisierung meiner Kollegen einsetzen, für Inklusion und überhaupt für eine bessere Welt :-)

Aber dann kam der Brief mit der Ablehnung als Quereinsteigerin und es wurde alles nur noch frustrierender. Das ich damals dachte, dass die Kohle mein wichtigstes Problem sein würde, kommt mir im Moment ziemlich naiv vor. 

 

 

 

 

 

 

 

 

23.11.2012 um 12:01 Uhr

Was würdest du tun?

von: Hermine

Ja, so war das. Ich habe im Referendariat viele Fehler gemacht. Der größte war wohl, dass ich dachte, das ich jemand anders werden muss. Ich hatte Schwierigkeiten mit der Unterrichtsplanung und habe die gesehen, die es schaffen, die es gut hinbekommen haben. Da ich nicht wußte, wie ich besser hinbekommen soll, versuchte ich das zu übernehmen, was ich bei anderen sah und was man mir vorschlug.

Zeit war zu knapp, der Druck war zu groß, so dass ich nie zur Ruhe kam, um mir zu überlegen, wie ICH etwas angehen würde.

Ich war völlig hilflos und meine eigene Kreativität war unter meiner Verunsicherung und mein Unwohlsein vollkommen verschüttet. Sie erstickte, wie ein Bergsteiger unter einer Lawine.

 

 

17.11.2012 um 14:10 Uhr

Kein zweites Staatsexamen: Sie haben endgültig nicht bestanden

von: Hermine   Stichwörter: Prüfung, nicht, bestanden, Lehrprobe

Ich bin durchgefallen. Durch die Wiederholungsprüfung, die zweite Lehrprobe hat nicht hingehauen und somit war ich plötzlich frei. Das ist nun schon fast ein Jahr her und inzwischen bin ich sogar umgezogen. Von der großen Stadt in die größte Stadt , die dieses Land zu bieten hat. in die beste Stadt, die ich mir aussuchen konnte.

Es geht weiter. Ich werde hier noch die ganze Geschichte erzählen. Einfach weil ich will, weil mir das gut tut und weil ich denke, dass es vielleicht anderen hilft, die gerade völlig verzweifelt nach Alternativen suchen. Es gibt sie. Bestimmt.

Jetzt muss ich los. Irgendwo anzukommen, das geht nur teilweise. Es wird nie wirklich perfekt sein. Aber wer will das schon. 

17.02.2011 um 11:31 Uhr

Ich bin kein Soldat

von: Hermine

Ich bin keine Bildungssoldatin, äh, Kompetenzsoldatin.

Ich soll Lehrerin werden. Die vom Institut sagen mir dann wie.

Was ich vorher gelernt habe, zählt irgendwie nicht mehr richtig. Was ich denke eh nicht.

Ich glaube denen ja nicht, dass sie mir den aufrechten Gang beibringen wollen.

Das sie nicht wollen, dass ich mich ducke.

Dafür sind sie alle viel zu überfordert.

Mit der gescheiterten Reform. Mit mangelnden Absprachen und mit dem hastigen kopieren.

In einem Stadtstaat konzentriert sich Politik und Verwaltung auf wenige Gebäude. Alle sitzen aufeinander, können sich notfalls mit dem Bus erreichen und verfassen am laufenden Band Altpapier.   

Ich hatte noch nie so viel inneren Widerstand wie jetzt im Referndariat. Der absolute Höllenritt auf mehreren Ebenen.

Weil ich mich selber massiv in Frage stelle und tatsächlich ziemlich geduckt gehe.

Wer nimmt einen ernst, wenn man so viele 4-en produziert?

02.12.2010 um 17:14 Uhr

Jupidu

von: Hermine

Heute fiel meine Hospi aus. Meine Mentorin meinte, dass wäre ja auch gut, weil es noch hapert.

Ich bin so fertig und gleichzeitig so vergnügt...

11.11.2010 um 20:05 Uhr

Persönliches Portfolio und Lehrertraining - Glücklich kommt von glücken

von: Hermine

 

Die einzigen bewertungsfreien Zonen der Lehrerbildung.

Na danke. Mein persönliches Tagebuch würde ich eh nicht vorzeigen!

Bis jetzt wollte auch keiner eine zusammenfassung davon! bis jetzt.

Aber wenigstens hasse ich nach dem einzelgespräch mit der lehrertrainerin nicht mehr das ganze LI.

geht nichts über eine gute(!) beratung.

morgen habe ich meine hospi, aber nur die anderen refs. keine seminarleitung.das geht meistens sonst nur zusammen, weil wir so wenig geld, äh zeit für die ausbildung haben.

habe ja im januar meine erste lehrprobe.

da müssen alle dauernd vorbei kommen.

aber da ich vier wochen ohne mentorin bin habe ich klugerweise meinen seminarleiter ausgeladen. der kommt extra. habe heute trotzdem von sieben bis 20 uhr in der schule gehangen und unterrichtet und vorbereitet. ein hoch auf lange öffnungszeiten. die anderen bekommen nur den verlauf. ein hoch auf die anderen. denen macht das nichts aus.

abends hatte die blöde kindergärtnerin den alarm ausgelöst (super, laternenumzug! die hat probleme!) und ich mußte mit dem wachdienst telefonieren (mir doch egal, ob das was kostet, wenn die kommen!!!).

morgens hat mich mein guter herr ka noch mal ins hospi-gebet genommen. im direktorenzimmer. die schüler hätten sich bei der sekretärin beschwert, dass ich so streng geworden bin. räusper. das wäre ein zeichen, dass ich auf dem richtigen weg bin. räusper. räusper. ich mußte grinsen.

Glücklich kommt von glücken und ich war meistens glücklich, sagt er dann noch. Stände er nochmal vor der gleichen Wahl, er würde es wieder genau so machen. unter den damaligen umständen, unter den jetzigen nicht.

er ahnt vielleicht gar nicht, dass das verdammt wichtig für mich war, dass er das gesagt hat.

ich habe mich nämlich geschämt, dass ich sonderschulen anlehne, weil ich auch dann ihre schufterei nicht anerkenne und dann dachte ich auch noch, wie schwer ist es denn bitte nach 35 jahren an der schule sich nicht einsam zu fühlen?

Aber ich habe ihm das abgenommen. und ich muss schlafen.

 

 

 

 

 

24.10.2010 um 13:38 Uhr

Erste Phase

von: Hermine

ca. 359 Tage insgesamt:

99 Tage: 14 Wochen und 1 Tag an dieser Schule.

davon: 36 Tage keine Termin (Ferien, Wochenende)

davon: 11 Tage nur Seminar, Passivhospis

davon: 52 Tage Unterricht an dieser Schule

(davon: 12 Tage Seminar nachmittags, das Modul, Einzeltermine nicht eingerechnet.)

inklusive 2 Hospis (Kleingruppe und Seminarleiter)

inklusive erste Lehrprobe.

Danach noch 260 Tage. 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

22.10.2010 um 10:14 Uhr

Langzeitstudentin wird Lehrerin

von: Hermine

Tja, so sieht das aus. Ich bin durch, habe im Dezember letzten Jahres mit 1,6 einen passablen letzten Auftritt hingelegt (3 Dreier, 5 Einser, typisch, so nen komischer Schnitt) und wurde dann gleich im Mai in der großen Stadt angenommen. Dafür war ich dankbar und habe mich ohne Ende gefreut. Ich war richtig stolz.

Jetzt bin ich Referendarin. 

Alle sagten: Das wird hart. 

Alle sagten: Das war die schlimmste Zeit in meinem Leben.

Ich dachte: Was kann denn schlimmer werden, als das was hinter mir liegt?

Angelogen und getrennt (nach 10 Jahren) trotzdem Examen gemacht, während dessen Wohnung gesucht, ordentlich krank gewesen, keine WG mehr (nach 8 Jahren) und 

TROTZDEM noch da. 

Das KANN gar nicht die schlimmste Zeit sein! Die habe ich doch schon hinter mir.

Weit gefehlt.

DAS jetzt ist eine wirklich miese Zeit.

Du mußt deinen ganzen Willen aufbringen, um hier durch zu kommen.

Meine Lieblingsstrategien (die Ungesunden) sind nun völlig kontraproduktiv

und ich musste mir neue suchen.

Mein Felsen (Mister A.R.) ist auch nicht mehr da und

für nen Neuen bin ich nicht bereit, was dazu führt, dass ich immer

wieder seltsame Begegnungen habe, die nicht zu mir passen (aber dafür ist der andere Blog).

Ein halbes Jahr stehe ich das nun schon durch. 

Im Januar ist meine erste Lehrprobe (eine der großen Noten).

Werde hier jetzt in nächster Zeit Dampf ablassen

und ich sage allen, die auch überlegen,

ob sie sich für nen Hungerlohn 10-16 Stunden am Tag krumm machen wollen, nur um danach eventuell diesem chaotischen Bildungssystem zu dienen:

Man muss es wollen.

Man sollte es nicht machen müssen.

 

 

 

 

 

19.10.2010 um 22:33 Uhr

ich finde diese

von: Hermine

ausbildung unverschämt.

07.09.2010 um 18:41 Uhr

Vertretungslehrer sind keine Streikbrecher!

von: Hermine

Simpsons versüssen mir die Unterrichtsvorbereitung!

Willi: "Oh, ein Kind hat sich bei mir bedankt!" Das muss ich in mein Tagebuch schreiben..."

 

Heute war ein guter Tag.

18.08.2010 um 17:55 Uhr

Ich habe ein langes Stück roten Faden gefunden,

von: Hermine

er lag in einer Kiste im Gruppenraum meiner "Lerngruppe" (ich will eigentlich "meine Klasse" sagen). Beim Aufräumen habe ich ihn gefunden. Habe meine Anleiterin dazu angestachelt. Sagt sie jedenfalls. Aber dann hat sie friedlich vor sich hin sortiert und ich kenne jetzt den Raum.

Ich werde Kartenarbeit machen. Wir nehmen den Stadtteil unserer Schule. Das wird gut, mit Knete und Modell und Perspektiven zeichnen. Ich will Spass! (Notfalls zählt das!)

Orientierung kann nicht schaden. Kneten und zeichnen auch nicht. Man kann alles didaktisch begründen.

"Das sagt mir mein Gehirn." (Kinderzitat, aber leider nicht von einem meiner Gören.)

06.03.2010 um 16:52 Uhr

Ich bin fertig!

von: Hermine

Ich bin fertig mit dem Studium und hab nen Durchschnitt von 1,6!

Jetzt ist das geschafft und ich hab auch schon nen Refplatz in der großen Stadt. Jetzt ist mein ganzes Leben sehr neu. Alles ist anders, nichts mehr beim alten und ich finde mich noch nicht ganz zurecht. Bin anders, mache andere Sachen. Versuche jetzt ohne Geld Urlaub zu machen und das schaff ich auch irgendwie...

Irgendwie, Irgendwas und irgendwann wird sich ändern. 

06.12.2009 um 20:50 Uhr

Notenbank

von: Hermine

Ich habe jetzt 3 von 4 Teilstudiengängen abgeschlossen.

Am 17.12. folgt dann die letzte, die allerletzte mündliche Prüfung...

Hab in Chemie ne solide 3, sowohl schriftlich, als auch mündlich. 

Meine Examshausarbeit ist ne EINs (juhu) und die mündliche Prüfung war auch ne ordentliche eins, da bin ich durchgeritten

sprachebehindertenpäd. ist ne 3 schriftlich und ne eins mündlich!

Ich bin ja sowas von entspannt.

13.11.2009 um 10:40 Uhr

Ich hab einfach nur keine Zeit

von: Hermine

Am 17.12. bin ich mit meinem ewig langen Studium fertig.

Es wird sich zeigen was am Ende dieser Reise bewertet wird, denn:

Gleichen Schritt und Tritt zu verlangen beachtet nicht die unterschiedliche Anstrengung für kleine und große Beine. Auch im Intellektuellen und Geistigen bedeuten Gleichschritt und Gleichtakt die Schwächung der Schwächeren und die Behinderung der Stärkeren. (Ruth C. Cohn)

und von der selben brillanten Frau:

"Prüfungs- und Geldnoten sind schlechte Wertmaßstäbe fürs Leben."

In diesem Sinne fange ich an, mich auf meine Prüfungen zu freuen. Auch wenn ich nicht so gründlich vorbereitet bin. Dies war trotzdem das anstrengendste Jahr meines Lebens. Und trotzdem eines der spannendsten und somit auch eins der schönsten. Und ich werde endlich meinen Druck los. Ich kann`s kaum erwarten.

01.09.2009 um 11:15 Uhr

Bald schreib ich wieder

von: Hermine

ganz bestimmt, es gibt soviel zu erzählen