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Gruss Dietmar
Stimmung: Wütend
Musik: keine
Stimmung: Aufgewühlt
Musik: -----------
Was ist "Erbarmen"? Ein Verzeihen, wenn es nichts zu verzeihen gibt? Ein Losprechen von der Schuld? Ein Vergraben der Wut? Der Ohnmacht? Der Hoffnungslosigkeit?
Ich las soeben den Artikel "Erbarmen mit den Erbarmungslosen" auf Spiegel.de. Es geht um Jessica, die bei ihrem Tod mit 7 Jahren soviel wog wie derzeit meine Tochter. Und diese ist 9 1/2 Monate alt!
Und ich frage mich, wie kann ein Mensch dies tun? Wie kann man als Eltern so etwas zulassen? Ich kenne keine Antwort darauf. Ich bin leer. Ohnmächtig. Es macht mich sprachlos.
Und ich wünsche mir insgeheim, ich hätte nie davon erfahren. Oder vielleicht doch? Vielleicht ist es gut, dass ich davon erfahren habe. Ich sehe meine Tochter. Ich sehe andere Kinder. Ich beobachte. Und das ist richtig. Ich darf nicht blind durch das Leben gehen.
Den Tod der kleinen Jessica kann man nicht sühnen. Mit nichts auf der Welt. Auch nicht mit dem Tod der Eltern, manche werden sich das bestimmt wünschen. Aber man kann daraus lernen. Das unter uns Menschen leben, die Hilfe brauchen. Und an die man denken muss. Und denen man helfen muss. Dies gilt für Jessica UND für ihre Eltern.
Gleichgültigkeit tötet. Lasst sie uns ausrotten.
Für das Leben!
Ich weiss, was ihr nun denkt. Und ihr habt Recht! Doch es gibt mehr als eine Jessica.
Bis dann, Dietmar
Stimmung: Endlich entspannt
Musik: Roberto Carlos
Was für ein Wochenende. Heute ist Dienstag und ich bin noch ganz fertig. Das Internet war komplett ausgefallen, der Papst war in Deutschland, die Korruption in Brasilien zieht immer weitere Kreise und meine Frau ist samt unserer Tochter zur Schwester gefahren.
Und ich allein zu Hause.
Keiner verlangte meine Aufmerksamkeit, niemand hat mich geweckt, gestört, genervt, um einen Gefallen gebeten, Wie Langweilig. Da freut man sich die ganze Woche, darauf, mal Ruhe zu haben und dann ist es auch wieder nicht das, was man eigentlich will. Naja, vielleicht lag es daran, dass das Internet nicht ging. Und ich halt kein Telenovela-Freak bin.
Nicht das es sooo schlimm war, NICHT den Papst über N-TV oder Phoenix-Livstream zu sehen. Nicht das es sooo schlimm war, NICHT die neusten Ermittlungen im Korruptiopnsskandal von meiner Frau übersetzt zu bekommen. Nicht das es sooo schlimm war, NICHT morgens um fünf Uhr einen Finger meiner Tochter in Ohr und Nase zu haben, aber vermisst habe ich es schon.
Die fahren mir nicht mehr weg, die Beiden! Und mein Provider hat auch einen Anschiss bekommen! Ich konnte mich nämlich vor lauter Ruhe gar nicht richtig erholen.
Was für ein Wochenende.
Bis dann, Dietmar
Stimmung: Aufgewühlt
Musik: Nix
Bringt mir ein Opfer!
Bald ist Wahl, keiner weiss warum und doch sind sich alle einig: Wir wollen gewinnen. Zuerst einmal den Wahlkampf, versteht sich. Daher hat der liebe Gott das Duell erfunden. Und damit sich die verschiedenen Parteien nicht gegenseitig wie Hooligans in den Fussgängerzonen die Köppe einhauen, schicken sie ihre Vorsitzenden in den Ring. Da werden die Spitzenpolitiker zu Kampfmaschinen und streiten sich später darum, wer die grösseren Augenringe mangels Schlaf hat. Wenn die blauen Augen, die man sich in den diversen Duellen geholt hat, dies nicht wahlkampftaktisch kaschieren. Und die Meute steht daneben und grinst sich einen. Sie können die Bratwürste – die ja für die Wähler sind, damit die am Wahltag genug Kraft haben, das Kreuzchen zu machen – ungestraft aufessen, mit den leeren Sektpullen Flaschendrehen spielen und nach der Wahl ihrem Boss Schuld an der Niederlage geben. Er war halt nicht genug im Ring. Oder man verlängert einfach den Urlaub. Es gibt ja vielleicht gar keine Neuwahl.
Aber wer duelliert sich jetzt mit wem, wo doch jeder jeden herausfordert? Wie oft trifft sich jetzt Merkel mit Schröder? Einmal! Und warum? Wer verliert, ist raus. Wie bei „Mensch-Ärgere-Dich-Nicht“. Und deshalb nimmt Merkel sich sogar ein bisschen Zeit für Schröder. Aber nicht Soo-viel! Ich finde das trotzdem sehr lobenswert, wo Schröder doch wann auch immer und überall als Kanzler Zeit hat. Doch Merkel ist noch nicht Kanzler(in) und deshalb hat sie auch (noch) keine Zeit.
Daher – und ich spreche wahrscheinlich für eine ganze Nation - brauchen wir mehr Duelle. Genau. Richtig. Deshalb. Wir wollen noch mehr Blut sehen. Brot und Spiele – Wahlkampf macht Laune. Und wenn schon jeder gegen jeden, dann bitte auch der Sommerloch-Füller mit Stoiber und Lafontaine. Der „Kluge“ gegen den „Frustrierten“? Wenn alle so klug wären wie die in Bayern, dann würde man das verstehen. Sagt man in Bayern. Ich komme nicht aus Bayern und ich verstehe es auch nicht. Glück für mich? Doch zurück zum Duell: Wo soll es denn ausgetragen werden? Im Privatfernsehen oder muss ich fauler Wähler etwa Zeitung lesen? Lafontaine will ein TV-Duell, Stoiber ein „Print-Duell“. Dann kann er unbeschwert über den Osten lästern und keiner dort versteht es – denkt er vielleicht. Aber ein Zeitungs-Duell ist auch gefährlich für Eddy: Werden die Aussagen von Stoiber nach der alten Rechtschreibregelung (in Bayern nach wie vor gültig) und die von Lafontaine nach der Neuen abgedruckt? Müssen wir in der Zeitung dann solche Sätze lesen: „Sie müssen die ernstzunehmenden Probleme unserer notleidenden Bevölkerung hierzulande erkennen!“ sagt Stoiber und Lafontaine antwortet: „Ich erkenne stets die ernst zu nehmenden Probleme unserer Not leidenden Bevölkerung hier zu Lande.“ Und weil am Ende immer die Worte gezählt werden, gewinnt Lafontaine haushoch. Es lebe die Rechtschreibreform und der, der sie auszunutzen weiss. Dann doch lieber Privatfernsehen. Da gibt es wenigstens Werbepausen zum Nachdenken. Ausserdem könnte Lafontaine sich derweil verdrücken. Erfahrung hat er ja damit.
Doch wenn dann alle Statistiken ausgewertet sind, alle Wörter gezählt, alle Versprecher gedeutet und medienwirksam ausgeschlachtet wurden, wenn alle Charakterzüge, Furzgewohnheiten und Paarungsstellungen analysiert sind, und wir uns den Mund fusselig geredet haben über Dinge, von denen wir eh keine Ahnung haben, und dann letztendlich alle Punkte des (neudeutsch) Parteienrankings auf der „Rangliste Deutschland“ verteilt sind: Haben wir dann eine rechtsverbindliche Wahlempfehlung? Hat sie Bestand vor dem Bundesverfassungsgericht? Oder muss ich so oder so genau wie der Bundespräsident auf den Bundeskanzler hören und meine Politik nicht über ihn stellen? Werden die Stimmzettel vielleicht so vorgedruckt? Oder erklären wir dieses Ergebnis wochenlanger Schlammschlachten einfach für gültig, weil’s am Wahlsonntag regnet und kein Schwein aus dem Haus will?
Nein. Nein. Nein. Denn wer zuletzt gewinnt, das entscheiden Gott sei Dank in einer Demokratie diejenigen, die sich am Ende dann doch noch um die letzte verbrannte Thüringer und das lauwarme Freibier prügeln, die die Was-Weiss-Ich-Denn-Wer-Das-War-Partei durch irgendwelche dubiosen Spenden finanziert hat und am Ende aus Gründen der Beweismittelvernichtung verschenken musste: Wir Wahlkampfopfer!
Bis dann, Euer Dietmar