Impressionen der vergangenen zwei Wochen. Barfuß durch das Grabsteinland und zurück. Als wäre nichts gewesen. Ein Rückblick aus der normalité rétournée...
I
Wach auf, mein Herz, die Dunkelheit ist nah...-Untoten, Grabsteinland I
Ich liege. An meiner Decke ist ein toter
schwarzer Nachtfalter. Ich starre ihn an. Die Dunkelheit kam langsam,
schleichend, aber konstant. Nun schlage ich um mich. Ich muss mich irgendwie
herausziehen. Ein Moor, welches mich zu verschlingen droht.
Ich habe Angst. Sie kriecht den Nacken entlang und streift meine Haut erneut
mit kalten Fingern.
Ich kann nichts glauben. Vielleicht sollte ich es, doch die Angst hat scharfe
Zähne. Sie frisst das Positive auf. Ich muss es retten, irgendwie.
Ich liege. Und verabscheue solche Phasen, in welchen sich nicht einmal die Worte
richtig aneinanderreihen. Ich wollte nie zurück in das Damals, ich bin doch nun
viel weiter, viel erwachsener und doch ähnelt das Gefühl einem anderen Herbst.
Doch es ist nicht gleich. Es ist nur ansatzweise ähnlich. Das ist das
Unterschied.
Ich muss meine Zähne in die Hand nehmen und einfach ein wenig kämpfen
II
Parle-moi, pour que je puisse oublier mon angoisse...
Um mich herum ist es still. Von draußen
dringt nur der entfernte Lärm der Autos. Gerade hat mich Ingo nach Hause
gebracht, wir haben wieder im Auto geredet und ich habe meine Angst für einige
Momente vergessen. Umbrüche. Wendepunkte. In vierundvierzig Stunden habe ich
hoffentlich mein erstes Staatsexamen und in wenigen Momenten fange ich an, mir
Baldrian zuzuführen. Gegen vier Uhr werde ich bestimmt wieder wach sein und
Hilbert Meyer- Definitionen durch meinen Kopf jagen. Morgen werde ich vier
Stunden arbeiten, anstatt zu lernen. Here we go.
Um mich herum ist es still. Ich rieche
bestimmt nach Zigaretten, die ich mir in der Kneipe geliehen habe. Ich habe
seit drei Wochen nicht mehr auf meine Ernährung geachtet und der tolle Roman,
den ich angefangen habe, liegt einsam auf dem Nachttisch. Die Stunden ziehen
sich.
Der Lärm der Autos verschwindet langsam. Heute hat mich eine weitere
Krankenversicherung abgelehnt und ich werde im Referendariat weniger Geld haben
als jetzt. Spastis sind zwar nett und außergewöhnlich, aber leider auch teuer.
Vielleicht sollte ich den Bürokratenmenschen Antisemitismus vorwerfen. Ich habe
ein bisschen geweint, meinen Kajalstrich nachgezogen, um in die Gesamtschule zu
fahren, wo ich mit Essen beworfen wurde. C'est la vie. Krasse
Checker mögen nur Fördertanten, die ihnen alles durchgehen lassen. Ich bin
anders.
Ich werde nun den Kneipengeruch beseitigen, durch die Nachtwiederholungen
schalten und hoffentlich schlafen.
III
de vita beata...
Ich sitze an meinem Computer, als wäre nichts gewesen. Die letzte Prüfung ist vorbei, ich habe in den letzten Tagen gebührend gefeiert. Glückwünsche empfangen, all das. Nun liegt neben mir ein Exmatrikulationsantrag und hinter mir ein großartiges Wochenende. Vor mir ein neues Leben. Nur die Verschnaufpausen lassen zu wünschen übrig.
Ich bin zurückgekehrt, mitten in das Leben. Das Ziel im Blick. Mohnblätter auf der Zunge, die Augen nach Vorn.