pavot rouge

26.11.2008 um 18:34 Uhr

kulta

von: nenia   Kategorie: champs d'or

Komm leg dich hin zu mir
ins Morgentau-Grün
Sieh in meinen Augen
Die Wolken fortziehen
Und ich wollt' wir zögen mit ihnen
Wohin keiner folgen kann
Wo uns keiner je findet
Und wir frei sind irgendwann...
(ASP & Lisa Pawelke - Mein Herz erkennt dich immer)

Die Goldfelder. Wir werden uns hineinlegen, mit Staub auf den Wimpern, unser eigenes Königreich bauen, mit Feuer im Blick. Ich will mutig sein. Für uns. Der Morgentau wird auf dem Asphalt des Ruhrpotts erschaffen, die Sonne über den grau angehauchten Dächern aufgehen. Ich werde meine Nase in Deine Armhaare graben, oder in die Kuhle zwischen den Schulterblättern für einen magischen Moment, bevor ich in die Realität muss. Frei sein. Zusammen. Wenn Du Dich umdrehst, wird der blaue Himmel in Deinen Augen sein. Voll mit Gold.

22.11.2008 um 15:53 Uhr

ambivalence

von: nenia

Der Schnee schimmert sanft unter den gleitenden Strahlen der Abendsonne. Ich habe den ganzen Tag in einem babyblauen Schlafanzug verbracht. Ich freue mich auf den Abend.
Heute ist mein Zeugnis angekommen, das erste Staatsexamen auf Papier festgehalten. Nachdem das Rotweindelirium und die Anfangseuphorie verflogen sind, gibt es noch beaucoup à régler. Geld muss gespart werden, Wohnung gesucht. Ich mag keine Umbrüche. Sie machen mir Angst. Und trotzdem strebe ich nach ihnen, weil ich nie stehenbleiben will.
Das Gefühl ist ambivalent. Ich bin unsicher und zweifelnd, jedoch mit beiden Beinen im Leben. Ein neuer Abschnitt beginnt und noch habe ich trotzdem ein wenig Zeit, den alten zu genießen. Freunde zu sehen. Durch den Siegener Schnee zu laufen. All das.
Als das letzte Mal Schnee lag, brütete ich noch über dem Schmerzbaby. Es scheint, als wäre es gestern gewesen, dabei ist es sieben Monate her.
Ich wünschte, ich wäre ein bisschen euphorisch. Stattdessen plagt mich meine insecurité.
Ich sollte meinen Kopf abschalten. Heute Abend.

21.11.2008 um 02:53 Uhr

02:55

von: nenia   Kategorie: art

spem metus sequitur.

Gedanken in die Nacht gekratzt,
zaghaft zitternd ausgeschrieben,
die Hoffnung etwas abgenutzt,
das Glück im Rotweinglas geblieben.

Gejagt von alten Phantasien
von neuen Worten ausgelöst,
Seelensumpf in Nacht geschrien,
während das Innere nur tost,

Und der Nebel schweiget leise,
- nur leere Worte in Obskur,
und das Kopfkino zieht Kreise,
im Takt des leisen Tickens der Uhr.

17.11.2008 um 23:17 Uhr

land of tomb stones - been there, done that

von: nenia

Impressionen der vergangenen zwei Wochen. Barfuß durch das Grabsteinland und zurück. Als wäre nichts gewesen. Ein Rückblick aus der normalité rétournée...

I
Wach auf, mein Herz, die Dunkelheit ist nah...-Untoten, Grabsteinland I

Ich liege. An meiner Decke ist ein toter schwarzer Nachtfalter. Ich starre ihn an. Die Dunkelheit kam langsam, schleichend, aber konstant. Nun schlage ich um mich. Ich muss mich irgendwie herausziehen. Ein Moor, welches mich zu verschlingen droht.
Ich habe Angst. Sie kriecht den Nacken entlang und streift meine Haut erneut mit kalten Fingern.
Ich kann nichts glauben. Vielleicht sollte ich es, doch die Angst hat scharfe Zähne. Sie frisst das Positive auf. Ich muss es retten, irgendwie.
Ich liege. Und verabscheue solche Phasen, in welchen sich nicht einmal die Worte richtig aneinanderreihen. Ich wollte nie zurück in das Damals, ich bin doch nun viel weiter, viel erwachsener und doch ähnelt das Gefühl einem anderen Herbst. Doch es ist nicht gleich. Es ist nur ansatzweise ähnlich. Das ist das Unterschied.
Ich muss meine Zähne in die Hand nehmen und einfach ein wenig kämpfen

II
Parle-moi, pour que je puisse oublier mon angoisse...

Um mich herum ist es still. Von draußen dringt nur der entfernte Lärm der Autos. Gerade hat mich Ingo nach Hause gebracht, wir haben wieder im Auto geredet und ich habe meine Angst für einige Momente vergessen. Umbrüche. Wendepunkte. In vierundvierzig Stunden habe ich hoffentlich mein erstes Staatsexamen und in wenigen Momenten fange ich an, mir Baldrian zuzuführen. Gegen vier Uhr werde ich bestimmt wieder wach sein und Hilbert Meyer- Definitionen durch meinen Kopf jagen. Morgen werde ich vier Stunden arbeiten, anstatt zu lernen. Here we go.
Um mich herum ist es still. Ich rieche bestimmt nach Zigaretten, die ich mir in der Kneipe geliehen habe. Ich habe seit drei Wochen nicht mehr auf meine Ernährung geachtet und der tolle Roman, den ich angefangen habe, liegt einsam auf dem Nachttisch. Die Stunden ziehen sich.
Der Lärm der Autos verschwindet langsam. Heute hat mich eine weitere Krankenversicherung abgelehnt und ich werde im Referendariat weniger Geld haben als jetzt. Spastis sind zwar nett und außergewöhnlich, aber leider auch teuer. Vielleicht sollte ich den Bürokratenmenschen Antisemitismus vorwerfen. Ich habe ein bisschen geweint, meinen Kajalstrich nachgezogen, um in die Gesamtschule zu fahren, wo ich mit Essen beworfen wurde. C'est la vie. Krasse Checker mögen nur Fördertanten, die ihnen alles durchgehen lassen. Ich bin anders.
Ich werde nun den Kneipengeruch beseitigen, durch die Nachtwiederholungen schalten und hoffentlich schlafen.

III
de vita beata...

Ich sitze an meinem Computer, als wäre nichts gewesen. Die letzte Prüfung ist vorbei, ich habe in den letzten Tagen gebührend gefeiert. Glückwünsche empfangen, all das. Nun liegt neben mir ein Exmatrikulationsantrag und hinter mir ein großartiges Wochenende. Vor mir ein neues Leben. Nur die Verschnaufpausen lassen zu wünschen übrig.
Ich bin zurückgekehrt, mitten in das Leben. Das Ziel im Blick. Mohnblätter auf der Zunge, die Augen nach Vorn.

15.11.2008 um 00:35 Uhr

illuminated

von: nenia

Jolie bouteille, sacre bouteille,
veux-tu me laisser tranquille,
je veux te quitter, je veux m'en aller,
je veux récommencer ma vie...
(G. Allwright)


Récommencer ma vie. Ein Lebensabschnitt ist zu Ende. Ich habe mein erstes Staatsexamen. Zeit, dies zu realisieren. Dinge umzukrempeln. Gar nicht mehr rauchen. Nicht mehr lamentieren. Ich fange neu an, nach einer tollen rotweingetränkten Party, denn Kinder und Betrunkene sagen die Wahrheit. Die Rotweinflasche werde ich ab und an bestimmt nicht ganz sein lassen, aber andere Dinge. Ich werde mehr Gemüse essen und weniger jammern.
Und nun gehe ich mit guten Gedanken und erfüllbaren Veränderungen schlafen. Minä olen Alumna. Westward ho!