pavot rouge

30.12.2008 um 16:46 Uhr

dernier regard

von: nenia

Retro-Spektive. Letzter Blick auf das Jahr. Es schien nicht das Meinige zu werden. Und doch. Ich habe meinen Bruder verloren und der Verlust wog und wiegt schwer. Es wird besser. Chaque jour. Gleichzeitig habe ich viel gelernt. Ich kann mehr. Ich bin stark geworden. Ich kann. Alles. Ich konnte gleichzeitig Staatsarbeit schreiben und weinen, meinen Alltag bewältigen, während es in mir nur gewütet hat, auch wegen familiärer Geschichten.
Erst im April schien es besser zu werden. Dann kam Amsterdam und die Grachten. Mein Geschenk mit Dir. Der Sommer war angenehmer. Mit Promotionsplänen, viel Arbeit und dem Gefühl, etwas zu schaffen. Im Herbst trat ich den neuen Job an, sammelte Erfahrungen. Im August flogen wir endlich nach Helsinki. Es war der Urlaub meines Lebens und die schönste Stadt der Welt.
Im November bestand ich endlich das erste Staatsexamen und verließ die Universität. Ein einschneidendes Jahr am Anfang des Wendepunkts. Ende November haben wir die Zusage für unsere traumhafte Bochumer Wohnung bekommen. Ich ziehe am ersten Februar ein, Du am ersten März und die Fernbeziehung wird nach fünf Jahren endlich der Vergangenheit angehören. In einem Monat bin ich Referendarin. Freude und Angst mischen sich. Freude auf unsere Zukunft. Angst vor dem Verlassen der cité de la victoire und meiner Freunde, ohne die das Jahr bestimmt viel schlimmer gewesen wäre. Freundschaften wurden intensiviert und gefestigt. Dafür danke ich Euch.
Ein letzter Blick auf ein durchwachsenes und doch verdammt wichtiges Jahr, das Schmerzbaby und alles, was passiert ist. Mit Angst und Hoffnung. Mohn in den Pupillen und neuem Selbstbewußtsein.

Je veux partir dans les champs du coquelicot rouge, avec ma vie dans les paupieres sauvages... Je veux être la princesse pavot avec des défis nouveaux, pour cultiver mes labours.

14.12.2008 um 19:10 Uhr

hyvää syntymäpaivää

von: nenia

Freundschaft, das ist Heimat.
(Kurt Tucholsky)

Alles Liebe zum Geburtstag. Merci pour être ma patrie.

10.12.2008 um 21:10 Uhr

la vie sauvage

von: nenia

Manchmal fehlt es mir. Das wilde Leben. Eine Schachtel Zigaretten. Eine Zugfahrt nach Heidelberg. Einmal an das andere Ende von Deutschland und zurück. Der Sommer mit Steppenwolf, Narziß und Goldmund.
Der Kopf voll mit schlimmen Gedanken, der Körper erschöpft und doch. Ich lebte in den Tag hinein, war froh, wenn ich diesen ohne Ausfälle überstand, ohne Ohrgeräusche und Brieföffner. Ich lebte und wollte lebendig bleiben. Ich hatte nicht viele gute Momente, aber die, die es wert waren, hatten sich gelohnt, durchtränkt von einer berauschenden Intensität, die Körper und Geist erfasste.

Du hast mich heute daran erinnert, Barbiepuppe. Ich hatte Dich ewig nicht gesehen und heute stolzierte ich an Dir vorbei. Du hast mich fallen gelassen, nach diesem Sommer und ich würde nie wieder ein Wort mit Dir sprechen. Ich habe damals unsere Freundschaft beendet, weil Du eben Barbie warst, gedankenlos und ohne Empathie. Ich bereue es nicht.
Dein penetranter Blick verfolgte mich fast bis nach Draußen. Du hast nicht einmal gegrüßt.
Ich vermisse Dich nicht. Aber das Leben, die Zeit. Du warst nur ein minimaler Teil. Ich hätte nie gedacht, dass ich auch das (fast) Schlechte zu vermissen lerne, um die guten Momente, die es in sich trug.

07.12.2008 um 20:45 Uhr

voyage à Aix.

von: nenia

Ich mal meine Sehnsucht,
ich bin unterwegs,
das ist es noch nicht,
das Ziel...

(Eric Fish- Unterwegs)

Ein Tag, fast jenseits der Realität, mit guten Gesprächen. Aufgehoben, geborgen, obwohl man sich lange nicht gesehen hat. Ein Augen-Blick, sofortiges Verstehen. Die Lichter des Weihnachtsmarkts. Der Elisenbrunnen, die französische Sprache in der Fußgängerzone. Aix-la-Chapelle, eine meiner Lieblingsstädte, in der sich viele Wege kreuzten und auseinander liefen. 93.5.
Morgens hörte ich Eric Fish auf dem Weg. Eine Zeitreise, und doch nicht mehr. Kleines Aufblitzen vor Augen und doch eher in der Gegenwart, mit beiden Beinen auf dem Boden. Mit Euch.
Ihr habt mich kennengelernt, als ich nicht ich selbst war, und mich trotzdem aufgefangen, gewärmt und gemocht. Und egal, wie oft wir uns sehen, Ihr werdet ein ganz besonderer Teil meines Lebens bleiben.
Ich danke den Nachtwelten dafür, dass ich Euch dort fand.

05.12.2008 um 11:15 Uhr

Tief im Westen II

von: nenia

Turbulente Zeit. Am Freitag haben wir eine traumhafte Wohnung besichtigt. Gestern habe ich den Mietvertrag unterschrieben. Es geht alles Schlag auf Schlag. Bald ist schon Mitte Dezember. Irgendwann Februar. Ich habe Sehnsucht nach der großen Stadt. Den grauen Häusern und der U 35 in der es so lustige Checker gibt. Wir haben Crêpes mit Kinderriegeln gegessen und uns über die riesige Wohnung gefreut, die bald die Unsere sein wird. Die Goldfelder nehmen Gestalt an. Champs d'or.
Gestern war Examensfeier. Ich stand oben auf der Bühne, zu der man mich erst überreden musste. Und da war sie wieder. Die Nostalgie. Es ist trotzdem anders. Ich freue mich auf den neuen Lebensabschnitt. So sehr.