Musik: Private Practise im Hintergrund
"Wenn ich das
Gefühl kriege, dann hilft nur eins: in ein Taxi springen und zu Tiffany
fahren. Das beruhigt mich sofort. Es ist wie eine einsame Insel, da
kann einem gar nichts Schlimmes passieren. Wenn ich irgendwo ein
Fleckchen finde, wo ich dasselbe Gefühl habe wie bei Tiffany, dann kauf
ich mir 'ne Einrichtung und geb der Katze einen Namen."
(Breakfast at Tiffany's - Truman Capote)
Mir wurde oft gesagt, dass ich etwas nicht kann. Kein Französisch. Kein wissenschaftliches Arbeiten. Ich habe mich nun damit abgefunden, dass mein Weg mich wohl nicht in die Hochschule führen wird. Mich an der Schule festgehalten. Nun bricht das Kartenhäuschen zusammen. Gestern wurde mir gesagt, dass ich kein Deutsch unterrichten kann. Es ist anmaßend. Ich habe fünf Praktika und sieben Jahre Nachhilfe hinter mir. Ich habe zwei Schüler durch die Nachprüfung gebracht. Seitdem ich neunzehn bin, habe ich immer wieder mit Jugendlichen gearbeitet. Ich habe mein erstes Examen nicht umsonst gemacht. Und nun stehe ich in der Ecke. Menschen, die mich nicht kennen, beurteilen mich so, wie es nach drei Wochen eigentlich nicht richtig ist. Drei Wochen stehen gegen sieben Jahre.
Ich bin bereit, dafür zu kämpfen. Ich habe mich trotz schlechter Voraussetzungen durch das Examen gebissen, durch sämtliche Seminare und Modulprüfungen.
Nun muss ich wieder neu sortieren, meine Zähne in die Hand nehmen. An mir arbeiten. Die Voraussetzungen sind nicht die Besten. Mein Versagen der letzten Wochen sprach sich bereits im Kollegium herum, am Kaffeeautomaten vorbei. Die Wände im Lehrerzimmer haben tausend Ohren und noch mehr Zungen. Es ist schwer, ein sich verfestigendes Bild zu ändern.
Ich wäre manchmal gerne Holly Golightly. Dann würde ich leichtfüßig durch das dunkle Treppenhaus tänzeln, alles leicht nehmen in einem Kleid aus Chiffon. Vielleicht finde ich es noch. Mein sinnbildliches Tiffany's.