pavot rouge

21.11.2009 um 08:11 Uhr

J'adore les enfants II

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

Frau L, sind Sie verheiratet?
- Nein...
Dann müssen wir ja Mademoiselle zu Ihnen sagen!

21.11.2009 um 08:09 Uhr

Französische Wortfindungsstrategien...

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

Schüler: Qu'est-ce que c'est le SIDA?
Ich: Lies mal rückwärts...
Schüler: Seit wann heißt AIDS denn ADIS?

13.11.2009 um 13:34 Uhr

Ca y est!

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

Die Co-Korrekturen sind abgegeben, alle Ärzte abgeklappert. Und der Einstieg in der 11 ist gut verlaufen.  Ich habe Fortschritte in den Sicherungsphasen und der Unterrichtsbesuch in Deutsch steht. Eine der stressigsten Wochen meines Lebens ist passé. Ich lebe noch, zwar mit einer Bronchitis, aber doch. Heute Abend gibt es Badewanne, neue Körperbutter und John Irving, bevor es morgen an die Feinplanung geht.

21.10.2009 um 20:02 Uhr

Wörterbuch Referendarisch

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

Mein Treffen mit der Tandempartnerin war sehr zielführend in der Gesprächsführung. Ich kenne nun viele alternative Wörter und bin flexibel um adäquat auf Äußerungen der SuS einzugehen. Dies ist schon ein gutes Kriterium und in meinem Kopf ist alles stimmig von den gelenkten Yogaübungen mit guten problematisierenden Impulsen. Ich bin erfüllt mit Input und gebe ein gutes Feedback.

29.09.2009 um 08:59 Uhr

Feuerprobe

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

Der Unterrichtsbesuch kostete mich wieder eine unruhige Nacht. Vier Augenpaare mit Stiften und kritischen Blicken. Morgens schenkte mir Madame la directrice einen roten Kreidehalter. Für Mohnanschriften. Es wurde gut. Laut Ausbildungskoordinatorin war der Deutschfachleiter zufrieden, obwohl ich am Ende unleserlich mit blauer Kreide geschrieben habe. Die jüdische Kurzgeschichte hat anscheinend Glück gebracht, die Zehnklässler waren nett und ruhig. Und ich habe endlich den Geschmack eines guten Besuchs gekostet.

"Frau L., Sie haben blaue Kreide im Gesicht. Passt zu Ihrem Shirt!"

21.09.2009 um 17:20 Uhr

the truth is out there, but not here.

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

Es gibt da diese Akte X-Folge, in welcher den GIs das Schlafbedürfnis gekappt wird. Das hätte ich gerne bis zum 9. Oktober. Achtung, popkulturelle Anspielung. Irgendwie scheinen Unterrichtsgespräche in Deutsch eine X-Akte zu sein. Die Wahrheit ist da draußen und entzieht sich mir vor lauter Aufregung. Ich hätte gerne einen didaktischen David Duchovny (Alliteration). Und weniger Schlafverlangen, damit ich besser planen kann.

07.09.2009 um 20:35 Uhr

Kurzgeschichtenlegenden

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

Von Frau Wohmann habe ich bestimmt die Pointen geklaut, das unerwartete Etwas am Ende der Geschichte, die Warze, Asmus der Ferienmann, all das. Von Peter Bichsel den Aussteigerkomplex. Von Borchert die grüne Hoffnung. Ich glaube es gibt kein anderes Thema im Deutschunterricht, an dem mein Herz mehr hängt. Ich fühle mich ein bißchen wie sechzehn, Herr H. sitzt vor mir, wir interpretieren herum. Irgendjemand sagt Peter Wichsel. Und ich hänge an den Zeilen, an diesen kurzen Lebensausschnitten, die auch mich inspirierten. Personaler Erzähler. Unvermittelter Anfang. Soweit. Und nun, zehn Jahre später stehe ich vorn. Ich bin unruhig, meine Gesprächsführung kränkelt noch, ich sage zu allem jaja. Jaja, gutgut. Die Schüler schauen gelangweilt, wie damals. Doch am Ende hellt es auf. Soviel steckt in einer Geschichte, sagt ein Mädchen. Die Metallerin schaut intellektuell - gelangweilt, manchmal hatte auch ich früher diesen Blick. Alles wiederholt sich, nur aus einer anderen Sicht. Und ich habe es. Das Gefühl des Fortschritts, aber auch der Sehnsucht.

Danke, liebe Nachkriegsliteraten!

31.08.2009 um 14:36 Uhr

schubidu

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

"Du hast die Lernziele sinnvoll gesetzt und erreicht!"

 

29.08.2009 um 16:02 Uhr

San Salvador

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

Er hatte sich eine Füllfeder gekauft. Nachdem er mehrmals seine Unterschrift, dann seine Ini­tialen, seine Adresse, einige Wellenlinien, dann die Adres­se seiner Eltern auf ein Blatt gezeichnet hatte, nahm er ei­nen neuen Bogen, faltete ihn sorgfältig und schrieb: „Mir ist es hier zu kalt", dann „ich gehe nach Südamerika", dann hielt er inne, schraubte die Kappe auf die Feder, be­trachtete den Bogen und sah, wie die Tinte eintrocknete und dunkel wurde (in der Papeterie garantierte man, daß sie schwarz werde), dann nahm er seine Feder erneut zur Hand und setzte noch großzügig seinen Namen Paul dar­unter. Dann saß er da. Später räumte er die Zeitungen vom Tisch, überflog dabei die Kinoinserate, dachte an irgend-etwas, schob den Aschenbecher beiseite, zerriß den Zettel mit den Wellenli­nien, entleerte seine Feder und füllte sie wieder. Für die Kinovorstellung war es jetzt zu spät. Die Probe des Kirchenchores dauert bis neun Uhr, um halb zehn würde Hildegard zurück sein. Er wartete auf Hildegard. Zu all dem Musik aus dem Radio. Jetzt drehte er das Radio ab.Auf dem Tisch, mitten auf dem Tisch, lag nun der gefaltete Bogen, darauf stand in blauschwarzer Schrift sein Name Paul. „Mir ist es hier zu kalt", stand auch darauf. Nun würde also Hildegard heimkommen, um halb zehn. Es war jetzt neun Uhr. Sie läse seine Mitteilung, erschräke dabei, glaubte wohl das mit Südamerika nicht, würde den­noch die Hemden im Kasten zählen, etwas müßte ja ge­schehen sein.Sie würde in den „Löwen" telefonieren. Der „Löwen" ist mittwochs geschlossen. Sie würde lächeln und verzweifeln und sich damit abfin­den, vielleicht.Sie würde sich mehrmals die Haare aus dem Gesicht strei­chen, mit dem Ringfinger der linken Hand beidseitig der Schläfe entlangfahren, dann den Mantel aufknöpfen.Dann saß er da, überlegte, wem er einen Brief schreiben könnte, las die Gebrauchsanweisung für den Füller noch einmal ‑leicht nach rechts drehen ‑ las auch den franzö­sischen Text, verglich den englischen mit dem deutschen, sah wieder seinen Zettel, dachte an Palmen, dachte an Hil­degard. Saß da. Um halb zehn kam Hildegard und fragte: „Schlafen die Kinder?" Sie strich die Haare aus dem Gesicht.

Peter Bichsel. "San Salvador"

Meine Lieblingsgeschichte seit acht Jahren. Es gibt keine Alltäglichere, keine Bessere. Und keine, die meinem Aussteigerkomplax von damals so nahe kam. Ich habe sie von Anfang an geliebt und schon einmal im Praktikum unterrichtet, das Video davon ist noch auf der Festplatte, der grünäugige Referendar hat mit der Kamera gewackelt und meine Schrift verlor sich etwas an der Tafel. Es war trotzdem gut, damals. Und Montag werde ich wieder Pauls Innensicht analysieren und einen Abschiedsbrief schreiben lassen. Guten Morgen. Ich bin die neue Deutschreferendarin. San Salvador. Der Erlöser. Es gibt keinen besseren Beginn für den Unterricht unter Anleitung. Voilà. 

 

13.08.2009 um 19:11 Uhr

école de Gött

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

Die erste Konferenz ist vorbei. Nachdem eine Stunde lang neue Kollegen beklatscht wurden, ein Foto gemacht wurde und ich lange Zeit hatte, mit Mme la directrice im Sekretariat auf meinen Schlüssel zu warten, ist der erste Tag gut überstanden. Alle sind ganz locker und nett, keiner hat mich seltsam angeschaut und ich gehe guter Dinge Jules neue Lemminge anschauen.

12.08.2009 um 15:38 Uhr

Ouff!

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

Heute Morgen rief die Direktorin an. Morgen ist Konferenz. Und der Traum vom bedarfsdeckenden Unterricht hat sich erfüllt: Ich bekomme eine eigene 6. Klasse. Salut, les enfants. Ouvrez vos livres. Die Herrin des Seminars hat mich für die Entscheidung gelobt. Ich bin aufgedreht, neu frisiert. Und total gespannt!

14.06.2009 um 20:37 Uhr

Rävärändahr

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

Ein Referendar ist die Vorstufe zum Lehrer und ist deshalb noch etwas wissender als die Ausgebildeten.

(http://www.stupidedia.org/stupi/Referendar)

10.06.2009 um 16:16 Uhr

Au revoir

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

...liebe Schule. Ich darf Dich nur noch zwei Wochen betreten. Zum Kaffeeautomaten schleichen, weil mich einige Lehrer seltsam anschauen werden. Mich langsam verabschieden. In den Ferien Defizite aufholen und mein Glück an einer neuen Schule versuchen. Und wenn es dort nicht klappt, gehe ich in die Erwachsenenbildung. Là voilà!
Im Raum stehen zwei Mohnblumen. Und wenn ich könnte, würde ich eine für Dich stehlen, dafür, dass Du meinen Mohn am Leben erhalten hast. Danke.

02.06.2009 um 08:45 Uhr

crepusculo

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

"Ich finde, dass Stephenie Meyer gut erkannt hat, worauf weibliche Teenager stehen, nämlich auf gutaussehende Vampire!"

(7. Klasse- Rezension über "Breaking Dawn")

29.05.2009 um 22:54 Uhr

Kanon, oh non!

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

Fontane? Brecht? Den Zauberberg? Nein? Oh der Kanon. Das Zauberwort. Mein Kanon war ein Anderer. Ich habe in meinem Leben viel gelesen. Zuviel, vielleicht, sagten Sie.
Ach was wissen Sie von Robert Schindel und Maxim Biller, von John Irving und Michel Houellebecq?
Ich lese seit ich vier bin. Vielleicht manchmal oberflächlich. Aber viel. Ich habe immer versucht, mich literarisch umfassend zu bilden. Und nun stehe ich in einer Ecke. Mit der Nase zur Wand. Manchmal weiß ich nicht, woher ich die Kraft nehme. Ich presse die Nase an die Tapete, so fest, dass sie knackt. Und dann gehe ich hoch und stelle mich mit einem bezaubernden Lächeln vor die Klasse. Ich bin nicht Holly Golightly, aber ich kann innerlich so tun als ob. Bonjour la classe, ouvrez vos livres. Und weiter bis zum nächsten Gespräch über das gefährdete Examen. Lächeln, baby. Für das Ziel. Wir müssen nur noch an den eigenen Operatoren basteln. Was hat Michel gesagt? Rester vivant. Le sens du combat.

19.05.2009 um 16:03 Uhr

la marée

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

Ich versuche "Gezeiten" auf Französisch zu umschreiben. Ergebnis: "La mer se change"

(Das Meer zieht sich um.)

11.05.2009 um 15:24 Uhr

untold words

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

Liebe Frau S.,
vielen Dank für das heutige Gespräch. Es hat meine Ängste um den selbstständigen Unterricht gelindert. Mir gezeigt, dass ich nicht ganz versagt haben kann. Dass die Schule trotz allem hinter mir steht und mir in den nächsten zwei Jahren nichts passiert. Wenn ich das zweite Staatsexamen nicht schaffe, wird mein Leben trotzdem weitergehen - wobei Sie mir bestätigt haben, dass ich diesen Biss besitze, der gleichzeitig meine Hoffnung ist. Sie wissen nun vom Elfenbeinturm. Von Anton Reiser und diesem unglaublichen Unterschied zwischen Schule und meinem alten Leben. Sie bewundern mich ein bisschen für meine Standhaftigkeit. Haben Sie gesagt. Sie sorgen sich um mich. Und es tut unendlich gut zu wissen, dass Sie hinter mir stehen. Dass ich nicht allein bin. Dass Sie auf mich aufpassen.
Ich werde nicht die Schule wechseln. Das ist mir heute wieder klargeworden. Ich werde bleiben und kämpfen, Besuche über mich ergehen lassen. Sie werden in meinem Hinterkopf sein. Ermutigend und lächelnd. Mir passiert nichts.

06.05.2009 um 20:37 Uhr

Ich habe leider kein Foto für dich!

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

Thema: Castingshows. Kind: "Ich habe mich auch für ein C&A-Casting beworben. Ich wurde abgelehnt. Die nehmen nur häßliche Kinder."

03.05.2009 um 13:57 Uhr

Vorstadtkrokodile...

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

6. Klasse. Wir reden darüber, dass das Buch zu sehr auf den behinderten Jungen fokussiert ist. Meldung aus der letzten Reihe: "Ey, warum heißt das Buch eigentlich nicht Kurt, der behinderte Retter?"

27.04.2009 um 17:39 Uhr

Oulàlà

von: nenia   Kategorie: vie scolaire

Ich stehe in meinem Nadelstreifen-Sakko im Schreibwarenladen und suche Folienstifte aus. Ein Mann spricht  mich an: "Entschuldigen Sie, ich suche kleine weiße Briefumschläge." Ich: "Keine Ahnung, ich bin nur Kundin".
Er: "Oh Sie sahen so geschäftig aus, ich dachte, Sie arbeiten hier!"