pavot rouge

05.10.2009 um 20:34 Uhr

eskapismi

von: nenia

Voyage voyage,
plus loin que la nuit et le jour...
(Desireless - "Voyage, voyage")

Jamais rester. Der Geruch von fremden Straßen hat mich schon immer angezogen. Eintauchen in die Fremde, Aufsaugen der Welt. Aufwachen in fremden Hotelzimmern. Der Geruch von rein-weißer Wäsche in der Nase, die Haare zerwühlt. Fremd und vertraut, ein kurzes Ankommen, jung und wild, die Füße auf fremdem Asphalt, unruhig, aufsaugend, der Geschmack von Jahreszeiten. Festhalten, einatmen, nicht mehr fortlassen verwoben im Gedächnis. Eskapismi. Manchmal bin ich es. Illusorisch, eskapistisch. Das Reisen gibt mir den Geruch der ewigen Bewegung, es schaltet das Ticken aus, die Zeit steht still und ist doch wandernd, für mich allein, pulsierend, tanzend, sauvage.
Ich stand einmal am Brighton Beach, der Wind wehte Frühling. Und da war es. Der Ursprung, das Emigrantengefühl, das Blut meines ruhelosen Volkes, vielleicht. Früher war ich noch extremer. Mittlerweile reichen kurze Reisen, ein Aufblitzen und doch bin ich eventuell süchtig nach dem Erlebnis des Findens in der Fremde. Ich bin ein Emigrantenkind. Doch mittlerweile tragen mich die Füße immer leichter zurück.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenZwischenweltler schreibt am 07.10.2009 um 10:22 Uhr:Dein letzter Satz verleitet mich zu der Frage: Was bzw. welchen Ort empfindest Du als Heimat?
  2. zitierenpavot schreibt am 09.10.2009 um 09:17 Uhr:Viele Orte sind Heimat. Aber die Füße tragen mich zum momentanen Wohnsitz leichter zurück, da ich mich gut eingelebt habe und die graue Ruhrpottstadt mag.

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