sjÁlfurLOG

22.02.2005 um 00:06 Uhr

Qu'est-ce que je suis? - Málvenja og hljóðmur

von: sjAlfur

Musik: "Cygnus....Vismund Cygnus" - The Mars Volta

Sprachen sind der Schlüssel zu Texten. Klingt eigentlich überflüssig logisch, ist aber wichtig. Zumindest für mich. Ich schreibe die Texte zu meiner Musik hauptsächlich englisch, was ja keine Seltenheit ist. Aber mit zunehmend wachsendem Sprachschatz, versuche ich, weitere Elemente anderer Sprachen einzufügen. Isländisch steckt bereits in dem ein oder anderen Detail, ich hoffe, Französisch wird bald dazukommen... zumindest arbeite ich dran. In der Schule hatte ich Latein. Eigentlich totale Grütze, aber für ein grundsätzliches Sprachverständnis ist es teilweise tatsächlich ganz hilfreich. Zudem hilft es bei der Wortschöpfung.

Wortschöpfungen sind sowieso wichtig für meine Texte. Ich lege nicht unbedingt Wert darauf, hundertprozentig korrekte englische Texte zu schreiben, einerseits wär's langweilig, andererseits verspüre ich auch den Drang dazu, andere Einflüsse einzubringen. Natürlich will ich nicht aus mangelnder Sprachkenntnis dumme Fehler in meinen Texten haben, aber ich will nie an dem Punkt ankommen, an dem man meine Texte liest (wenn sie denn jemand liest...) und nicht mehr merkt, dass sie von jemandem stammen, dessen Muttersprache nicht Englisch ist.

Also will ich mischen, so gut es geht, so weit es Sinn macht. Ich frage mich nur selber, warum bei den bisherigen isländischen Phrasen, halb-Latein-orientierten Wortschöpfungen und Vorsilben usw. noch keine eindeutig deutschen Einflüsse zu spüren sind. Eigentlich ärgert mich das, denn auch wenn ich mit Konzepten wie "Heimatkultur" oder "Herkunft" nicht viel anfangen kann (ohne dabei in Frage zu stellen, dass diese Phänomene sicherlich wichtig und/oder berechtigt sind), läge es nahe, die Muttersprache mit in seine Texte einfließen zu lassen.

Aber Deutsch klingt für mich (noch?) nach einem Fremdkörper. Logisch, das liegt an der Gewohnheit, aber diese Gewohnheit muss man doch abstellen können... Warum gibt es doch eine beachtliche Zahl an Interpreten, die Englisch mit z.B. Spanisch mischen können? Bei deutschen Bands, wer fällt mir da ein? Rammstein. An deren textlicher Arbeit will ich mich aber eher nicht orientieren. Atari Teenage Riot... jo... nicht so ganz meine musikalische Schiene, und der "Gesang" bzw. Text wird da auch etwas anders eingesetzt. Wolfsheim. Stimmt, ich erinnere mich an "Sparrows & Nightingales". Aber es geht mir nicht drum, am Ende eines englischen Textes noch eine deutsche Strophe dranzuhängen.

Ich versuche mich ja hin und wieder mit Germanismen, aber der durchschlagende Erfolg ist das für mich noch nicht. Mal abgesehen von dem, was bereits schon in das englische oder amerikanische Sprachgut eingeflossen ist ("Angst" oder "Autobahn" z.B.).

Naja, ich werde mir mal ein gutes Konzept überlegen müssen... wenn ich Französisch drauf hab, bastel ich einen Text aus fünf Sprachen, der definitiv nicht mehr nachvollzogen werden kann. Ja, ich glaube so sieht die Zukunft aus. Viel hineinstecken, keine Erkenntnis rausziehen, das ist ein Konzept, das ist Wissenschaft, das ist... totale Scheiße.

Gute Nacht,
sjÁlfur


PS: Ich habe endlich die neue Mars Volta! Würde ich mich nicht komplett gegen Plattenkritiken verwehren, würde ich jetzt schreiben, wie großartig sie ist, aber so lasse ich es lieber.

21.02.2005 um 01:06 Uhr

Seelenspiegel

von: sjAlfur

Musik: "Our Soldiers' Letters" - Angelo Badalamenti

Ich sammle Charaktereigenschaften. Nur kleine Details, Vorlieben, Mosaiksteine des Habitus, marginale Phobien, oder auch kleine Geschichten, Erinnerungen, die nicht immer stimmen müssen, Angewohnheiten von schrullig bis skuril, groteske Weltanschauungen oder auch ganz normale Eigenheiten. Wem da etwas passendes einfällt (mir hilft alles, wenn es auch noch so banal erscheint...), kann es mir gerne schreiben oder hier als Kommentar drunter setzen, auch ohne weitere Erklärung etc., mir ist ganz egal, ob es eine eigene Wesenseigenschaft ist, oder die einer anderen Person, oder auch eine fiktive.

Ich versuche gerade ein paar fiktive Personen in einer Erzählung (im weitesten Sinne) plastisch zu machen und mit Leben zu füllen und bin für jedes bisschen Inspiration dankbar.

Gute Nacht,
sjÁlfur

19.02.2005 um 17:51 Uhr

Ég sjálfur...

von: sjAlfur

Musik: "Heartbeat to a Gunshot" - Angelo Badalamenti

Ich will gar nicht wissen, was in meinem Kopf vorgeht...

sjÁlfur

16.02.2005 um 11:25 Uhr

Länge und/oder Technik? - "Auf die Basis kommt es an" (Der Eisbär)

von: sjAlfur

Musik: "Streamside" - The Album Leaf

Was ist die richtige Länge eines Liedes? Ich sitze hier gerade und hör mir mal wieder "In A Safe Place" von The Album Leaf an, und frage mich, warum manche Lieder acht Minuten lang auf einem Riff, einer Hookline oder sonstwas aufbauen können, ohne langweilig zu werden. Dabei spielt es scheinbar keine Rolle, ob das Lied eine große Steigerung durchmacht oder nicht.

Als vielleicht etwas populäreres Beispiel nehmen wir mal die "Lateralus" von Tool. Die Lieder sind teilweise relativ lang, und auch wenn es eine bestimmte "Tool-Manier" ist, auf einem Riff aufbauend ein ganzes Lied zu komponieren, sind viele von den einzelnen Teilen und Varioationen her sehr unterschiedlich. Schism zum Beispiel. Auch wenn die gedanklich dahinterstehenden Akkorde immer gleich bleiben (würde man Standardakkorde dazu spielen), sind die Unterschiede von der Spielweise (Powerchords, zerlegt, durchgeschlagen, abgedämpft, trallala....) relativ groß. Bei Reflection hingegen (wenn ich es richtig im Kopf habe, ist's das längste der CD) gibt es zwar einen Spannungsbogen (den ein gutes Lied auch auf irgendeine Weise haben sollte), aber rein von Spielweise und Notation gesehen, ist es ziemlich gleichbleibend.
Dass Reflection eines meiner persönlichen Lieblingsstücke der CD ist, sagt vielleicht noch nicht viel aus, ich weiß es aber auch von einigen anderen, und immer wieder merke ich, dass Lieder, die anfangs ein Thema aufbauen, sich in dieses Thema verlieben, sich mit weiteren Stimmen, Ambients und teilweise auch zweckdienlichem Gesang um das Thema winden, dass diese Lieder bestens funktionieren. Das hat im grunde etwas von Filmmusik. Auch ist es egal, ob das Thema eine Bassline ist, eine Synthie-Melodie, ein markanter Drumrhytmus oder das gesamplete Schnurren von Nachbars Perserkatze.

Meine zentrale Frage ist aber, warum sehe ich das bei meiner Musik anders? Sicher, auf das, was man selber macht, hat man immer eine andere Sichtweise als ein Außenstehender, aber ich hadere oft genau mit diesen Längen, die ich in Liedern anderer Bands zum Teil sogar noch zu kurz finde. Auch klar ist natürlich, dass es daran liegen könnte, dass ich hier mit meinen Computerprogrammen, E- und nicht-E-Gitarre und Bass nur einen begrenzten Spielraum habe, während auf den professionell produzierten CDs "großer" Bands mit Plattenvertrag auch einfach mal als Füllwerk für einen 30-Sekunden-Auftritt in einem Lied eine Sitar oder sonstwas exotisches angeschleppt wird.

Oder sollte man gar nicht so "hoch" greifen? Sollte ich lieber eine komplette Demo mit einer oder maximal zwei Akustik-Gitarren-Spuren, 'nem programmierten Drum-Loop und einer Gesangsstimme, die ungefähr die angedachte Melodie wiedergibt, einspielen? Ich weiß (bzw. habe gehört), dass es Bands und Künstler gibt, die mit sowas Interesse geweckt haben... Aber dazu eignet sich vermutlich eher ein Lied, dass eine klare Strophe-Refrain-Struktur, deutliche Akkorde und Hooks hat, und eben nicht die Lieder mit aufbauenden Längen...

Dummerweise findet man auf diese Fragen keine Antwort, also werde ich es weiter nach Gefühl machen... hatte ich schon erwähnt, dass ich gerne mal Filmmusik machen würde??? ...nur so nebenbei...

sjÁlfur

14.02.2005 um 00:53 Uhr

VON - ESPÉRANCE - HOPE - HOFFNUNG - etc.

von: sjAlfur

Musik: "Von" - Sigur Rós

Wie angekündigt, hier ein weiterer Beitrag zum Film Mathilde, der unglaublich positiv und unglaublich kurz (für meine Verhältnisse) ausfallen wird.

Also: Ich stelle fest: Ich bin normal. Es gibt Sachen, Wesenszüge, Charaktereigenschaften, die vermutlich viele Menschen haben, nur weiß man das nicht, denn über solche Dinge spricht man eher selten. Eines davon ist das, was oftmals unter "Aberglaube" oder ähnlichen Schlagworten abgetan wird. Eine Eigenschaft von Mathilde (der Hauptrolle in dem Film...wer hätte es gedacht bei dem Titel?) ist, dass sie, wenn sie auf etwas hofft, mit dem Zufall spielt, bzw. den Zufall herausfordert. Als ihr Verlobter eingezogen wird und sie ihn beim Einsteigen ins Auto ihres Onkels, der diesen wegfährt, zum letzten Mal sieht, sagt sie zu sich selbst "Wenn ich vor dem Auto unten an der Kurve bin, kommt er lebend zurück.", woraufhin sie querfeldein losrennt, um vor dem Auto ihres Onkels an der nächsten Straßenkurve zu sein. Und diese Art von "Wenn das passiert, dann passiert auch das" kommt sehr häufig vor. Diese Art, sich selbst Hoffnung zu machen kenne ich von mir selber (vielleicht hat das jeder?), und ich mag es, wenn in Filmen viel Wert auf eben solche Aspekte von Menschen gelegt wird.

Was bringt dieser Eintrag? Gar nichts, aber ich finde ihn den schönsten seit langem... Warum, weiß ich auch nicht...

Gute Nacht,
sjÁlfur

13.02.2005 um 00:52 Uhr

Un long dimanche de pensée

von: sjAlfur

Musik: "Dead Pilot" - m.c.

"Ey der Film hat ja doch irgendwie geschockt, oder?" - "Echt, ich dachte, das wäre so ein Liebesfilm, aber so die Szenen auf dem Schlachtfeld, da..." - "Ja, die hat doch vorher die Amélie gespielt, und da dachte ich das wird wieder sowas..."

So gehört am Donnerstag Abend in der Münchner S8 vom Isartor Richtung Stachus, auf dem Weg zurück vom Kino. Nein, es geht in diesem Beitrag nicht um die Musik zu Un long dimanche de fiancailles (auch wenn ich mit Freude festgestellt habe, dass diese von Angelo Badalamenti stammt, der auch an der Filmmusik zu Lost Highway beteiligt war), sondern vielmehr um die Vermarktung des Films in Deutschland unter dem Titel Mathilde - eine große Liebe.

Ich sollte dazu sagen, dass ich in Beziehung zu dem Film in gewisser Weise voreingenommen war, denn ich habe zuerst gesehen, wer die Hauptrolle spielt, und dann hat mich der Titel erstmal nur zweitrangig interessiert. Um Audrey Tautou in einem Film zu sehen würde ich mir glaube ich gegen alle meine Grundsätze jeden Mist ansehen. (Nebenbei angemerkt: Das trifft im Übrigen auch noch für eine Handvoll anderer Schauspieler zu, nicht nur weibliche...)

Aber: Das obige Gespräch hat mich irgendwie genervt (vor allem hasse ich generell eine bestimmte Art von Gespräch, egal ob nach Kinofilmen oder z.B. nach Konzerten...), denn es beweist, dass das, was mich an der PR-Arbeit zu vielen Filmen (nicht nur zu diesem) so unglaublich nervt. Während man es allerdings in der Werbung, in Berichten oder Filmkritiken noch verdrängen kann, geht es direkt nach der Kinovorführung nicht mehr, zumindest kann ich es nicht. Bei Filmen, aus denen ich mit der Beurteilung "ganz nett" rausgehe, ist das nicht so wild, aber ich habe die (dumme?) Eigenschaft, mich in die wenigen Filme, die mich wirklich richtig in ihren Bann ziehen, "reinzuversenken". Und wenn ich zehn Minuten nach Filmende noch gedanklich in dem Film stecke, ignoriere ich das einfach nicht... aber egal, zurück zu dem, was mich eigentlich so stört:

  1. Warum zur Hölle muss jeder Film, der in den letzten Jahren mit Audrey Tautou in einer Rolle gemacht wurde, irgendwie auf Die fabelhafte Welt der Amélie bezogen werden? Gut, ich weiß, man will ja Querverweise ziehen als Werbemensch, damit auch jeder, der "Amélie ja sooo zauberhaft" fand, weiß, dass er/sie sich diesen Film auch wieder anschauen muss. Aber wie lang will man das machen? Mittlerweile wissen doch die meisten, wer sich hinter dem Namen "Audrey Tautou" verbirgt... oder habe ich die Menschen in meinem Umfeld schon so mit meinem Fanatismus zu dieser Schauspielerin infiltriert, dass ich nur glaube, dass die Mehrheit der Kinogänger weiß, wer das ist? Einige Zeit nach Amélie kam der Film Wahnsinnig verliebt in die Kinos. Und was stand auf dem Plakat ganz links oben? "Die dunkle Seite von Amélie"... Zitat mit der Quellenangabe "Freundin" (die Zeitschrift vermutlich...). Beim aktuellen Film hörte man immer wieder die Phrase "die schreckliche Welt der Mathilde". Womit wir zum nächsten Punkt kommen...
  2. Der Film ist weder ein leicht verdaulicher Liebesfilm, wie sowohl der deutsche Trailer als auch die deutsche Titelübersetzung scheinbar suggerieren, noch ist irgendwo eine "schreckliche Welt" thematisiert. Klar, die Geschichte spielt zur Zeit bzw. kurz nach dem ersten Weltkrieg (mehrere Handlungen laufen z.T. durch "Flashbacks" in verschiedenen Zeiten parallel), aber das ist eindeutig nicht das Hauptthema. Platt gesagt (und aus meiner Sicht) geht es vor allem um die individuellen Schicksale einer Handvoll Menschen, die zum Teil oder auch stärker durch Zufall miteinander verwoben sind. Dass der Film einen wichtigen Anteil an Szenen hat, die Geschichten und Handlungen an der Ardennen-Front widergeben, weiß man, wenn man auch nur einen winzigen Artikel zu dem Film gelesen hätte. Um zu wissen, dass die deutsch-französische-Front im ersten Weltkrieg kein Kinderspielplatz war, muss man nicht Remarque gelesen haben. Sicher kann man Kriegsbilder mehr oder weniger explizit darstellen, doch der psychische Eindruck solcher Szenen verhindert in jedem Fall den Plot eines "seichten Liebesfilms". Dass der Film aber auch keine "schreckliche Welt" darstellt erschließt sich schon daraus, dass ein wichtiges (wenn nicht sogar das zentrale) Motiv des Films "Hoffnung" ist. Das sollte jeder, der den Film gesehen hat, geschnallt haben, vor allem Journalisten, die meinen, über den Film etwas zu schreiben.
  3. Und vor allem die Leute, die für den Film Werbung machen... die müssen doch den Film auch kennen... oder nicht? Es ist ja schön und gut, einen Film massentauglich verkaufen zu wollen, aber wenn ein Filmverleih oder eine Produktionsfirma sich auf eine bestimmte Idee einlässt, dann müssen sie die Idee - bei allem Respekt vor Marktorientierung und Zielpublikumserfassung - auch dementsprechend publik machen. Ein Dokumentarfilm wird ja auch nicht als packender Thriller verkauft... dass ein Trailer möglichst auch Leute ansprechen soll, die nicht beim Lesen der Namen von Regisseur und Hauptdarstellerin schon hinten überkippen, ist klar, aber in vielen Fällen ist die PR einfach direkt falsch ausgerichtet. Die sprechen nicht nur eine andere Zielgruppe an, sie suggerieren auch, dass der Film für diese Zielgruppe ausgelegt ist, was andere Leute, die an diesem Film Interesse haben könnten, wiederum abschreckt. Es wird oft gerade bei US-Produktionen, die in Amerika alles abgeräumt haben, gerätselt, warum der Film in Deutschland oder anderswo nicht entsprechend lief. Nicht selten liegt es an der falschen PR.
Bei dem Film (ganz nebenbei: in meinen Augen ist der Film ein Meisterwerk [und ja...ich habe da noch genug Abstand, dass ich das nicht bei allen Filmen mit Audrey Tautou sagen würde...]) wurde jedenfalls meiner Meinung nach schon bei der Übersetzung des Titels ein grober Fehler begangen. Sicher, die eins-zu-eins Übersetzung wäre vermutlich noch schlimmer, aber "Eine große Liebe" sagt erstens nicht wirklich etwas aus (für einen Film...), zweitens impliziert es potenziell tatsächlich die Vermutung, es wäre einfach ein Liebesfilm, und drittens trifft es den Kern des Ganzen nicht... aber was red' ich eigentlich, sind wieder viele Worte ohne Nutzen. Zu meiner geistigen "Ignore-List" (ja, mein Kopf ist ein Messenger... nur irgendwie ohne Netzanschluss nach draußen... [wäre ein guter Aufhänger für einen Liedtext...]) füge ich also nach CD-Kritiken und "Künstler-Interviews" jetzt auch Filmkritiken, S-Bahn-Gespräche und Werbung im Großen und Ganzen hinzu.

Am besten ich lade mir ein Bild von einem Arm ohne Hand runter, setze mich davor und träume von einer perfekten Welt. Von meiner perfekten Welt, zumindest verstehe ich dort (in Gedanken) mich selbst (mein Selbst).

Gute Nacht,
sjÁlfur

PS: Ich denke, ich werde möglichst bald noch einen weiteren Beitrag zu einem Detail aus diesem Film schreiben. Ein Detail, dass mich sehr erfreut hat, damit nicht alle meine Gedanken zu dem Film, die hier im Blog zu finden sind, negativ klingen, und außerdem kann ich dann ganz unverfroren aller Welt (zumindest den paar Leuten, die hier mal ab und zu durchkommen) erzählen, wie toll ich diesen Film fand...

03.02.2005 um 14:11 Uhr

"Reflexive Radikalisierung" oder "Massakriert die Ideologie!"

von: sjAlfur

Musik: "The Outter Banks" - The Album Leaf

Es reicht. Endgültig. Warum kann man sich nicht loslösen von seinem gedanklichen Umfeld? Ich weiß, das Metier sollte man eigentlich Buddhisten oder was weiß ich nicht welchen Experten überlassen, aber ich habe keine Lust auf zweideutige Thesen im Großen und Ganzen.

Und warum bin ich auch immer selber Schuld an der Misere? Warum muss ich wider besseren Wissens immer noch Plattenkritiken lesen, warum denke ich Gedanken weiter, die eigentlich ein klares Ende haben sollten? Das nervt. Vor allem mich. OK, im Falle der Plattenkritiken ist Abhilfe zu schaffen, ich werde ganz einfach keine mehr lesen. Ich will nicht immer wieder die kleine persönlich interpretierte scheinbare Kollektivmeinung mir unbekannter Personen zu irgendwelchen Werken anderer, mir persönlich nicht bekannter Künstler hören. Ich kann weder das Leben, Denken, Argumentieren oder die Intention der Künstler noch der Kritiker nachvollziehen. Das ist Dekontextualisierung in gefährlichem Ausmaß, das ist wie das Wort zum Sonntag, der Tagesthemen-Kommentar der nur dann einen Wert hat, wenn er eine Pfarrerin in der Adventszeit auf einem Weihnachtsmarkt unter Glühweineinfluss zeigt...

Es mag paranoid sein, aber wirklich alles ist subjektiv, und dummerweise kann man wohl nichtmal seiner eigenen Auffassung trauen. Was Musik angeht schon, natürlich. Deshalb lese ich keine Plattenkritiken mehr. Ich sollte auch Kurzinterviews vermeiden, oder besser: Man sollte sie als fragmentarisches Schauspiel dessen sehen, was zufälligerweise in den Möglichkeiten des entsprechenden Mediums liegt und sich vor dem medialen Auge als Momentaufnahme manifestiert.

Das sind meine Gedanken, mein Blog, wer das hier liest sollte sich hüten auch nur ein Wort davon positiv oder negativ zu sehen. In zwei Stunden könnte ich genau das Gegenteil schreiben, mach es aber nicht, weil ich in einem Seminar sitze und nicht am Rechner. Dann würde ich den ganzen Kram widerlegen...

Das ist wie die Wissenschaft... man bemüht sich um den Fingerzeig auf die Subjektivität aller Dinge, um gleichzeitig aufbauend auf dieser Subjektivität etwas aufzustellen, was aber letztlich dann für eine Gruppe von Subjekten gelten muss... im Prinzip macht die Gesellschaft nichts anderes, nur ist da meistens das Aufmerksammachen eher zweitrangig. Und jedes Individuum macht es ebenso. Man formt sich Meinungen, festigt sie, revidiert sie oder verteidigt sie wider besseren Wissens...

Eigentlich könnten wir uns auf der Stelle alle postmodern vaporisieren... ob das etwas bringt, ist allerdings Ansichtssache...

sjÁlfur

02.02.2005 um 13:15 Uhr

Mars still in Mute? Saturn still Crowded?

von: sjAlfur

Musik: "Over The Pond" - The Album Leaf

Was habe ich mich doch gefreut gestern. Ab in den Saturn meines Vertrauens und nach der neuen Mars Volta "Frances The Mute" gesucht, die schließlich gestern rauskommen sollte... DACHTE ICH. Aber, war wohl nicht der Fall, ob ich zu doof war mich richtig zu informieren, oder der Termin kurzfristig verschoben wurde... man weiß es nicht...

Dafür habe ich aber jetzt endlich die neueste The Album Leaf, das entschädigt selbst bei dem mittlerweile leider normalen unverschämten Preis von 17 Euro. Soviel zu "Geiz ist geil!" und so...

Überhaupt, irgendwas macht Saturn falsch. Nicht für das eigene Geschäftskonzept, das läuft ja scheinbar umwerfend, aber für die Kunden. Mal abgesehen davon, dass der Laden in der Münchner Innenstadt jeden einigermaßen guten, größeren CD-Laden verdrängt hat, selber aber trotz riesiger CD-Abteilung zumindest im Bereich meines Musikgeschmacks mehr als nur schlecht ausgestattet ist; die Saturn-Menschen haben scheinbar die Dummheit einiger Mitbürger nicht einkalkuliert.

Tiefpreisgarantie! Ich hasse diesen Ausdruck sowieso. Sicher, bei größeren Anschaffungen und Elektrogeräten sehe ich das ein, wenn ich mir 'ne Waschmaschine mitTurbolader bei Saturn für 2,5 Millionen kaufe und die dann beim Elektro-Schröder um die Ecke für die Hälfte sehe, würde ich da auch Thermik machen. Aber wegen zwei Euro bei CDs???

Wie arm sind die Leute denn mittlerweile? Ganz ehrlich, wenn es mir so schlecht geht, dass ich die zwei Euro mehr mir nicht leisten kann, dann suche ich entweder nach einem günstigeren Angebot bevor ich mir die CD kaufe, oder ich lasse es einfach ganz. Ich hasse diese Mentalität auf jeden verfickten Euro zu schauen. Natürlich kauft man möglichst günstig, ist ja OK, aber wegen zwei dummen Euro sich bei Saturn in die Schlange der Habgierigen zu stellen? Tut mir Leid, da fehlt mir das Verständnis... (und als Student in München darf ich das sagen, wenn ich mal reich bin, halte ich das Maul. Versprochen.)

Aber selbst das ist ja OK. Wenn Saturn so einen Blödsinn macht und die Leute sich für ihr Geld dort anstellen ist das ja OK. ABER dann sollen die einen Service oder so dafür einrichten. Es gibt diese tollen Kopfhörer mit Barcode-Scanner, an denen man sich ganz alleine die CDs anhören kann, bevor man sie kauft. Pustekuchen, wenn man nicht gerade auf Britney Spears steht, haben die ganz oft CDs nicht im Laufwerk. Gut, dafür sind ja die Leute da, die einem diese CDs zum Anhören dann manuell raussuchen. Dummerweise stehen da nur diese Zwei-Euro-Fuchser mit ihren Tiefpreisgarantie-Ansprüchen...

Und vor allem... was reitet eigentlich diese Deppen, die sich mit einem Zwei-Euro-Anspruch in die Schlange stellen und dann erzählen, sie hätten diese und jene CD da und da billiger bekommen. Man muss sich das normalerweise bescheinigen lassen, sonst kann da ja jeder ankommen. Sagte der Herr, der letztens bei Saturn direkt vor mir stand dem Info-Menschen, er solle doch bei dem Laden anrufen, damit sie es ihm bestätigen... und das bei sechs CDs in mindestens drei verschiedenen Läden...
"Das Konzept geht aber so, Sie müssen uns belegen, dass es die CD anderaswo billiger gibt, das ist doch nicht unsere Aufgabe," sagte der Saturn-Info-Mensch.
"Wieso, ihr lobt euch doch mit euren tiefen Preisen, also solltet ihr dafür sorgen, dass der Kunde sein Geld zurückbekommt," war die Antwort...
Als ich nicht mehr warten wollte, und der gute Herr dann auch ausfallend wurde, habe ich mich einfach eingemischt und der Typ, der hinter mir stand (und offenbar Schwierigkeiten hatte den höflichen Ton zu treffen) auch. Letzterer schaffte es dann auch den Typen mit seinen sechs CDs zu vertreiben, unter den Flüchen, er würde Saturn verklagen.

Wenn es also demnächst zu einem aufsehenerregenden Prozess gegen Saturn kommt. Ich kannte den Typen! Wahnsinn...

Schönen Tag noch,
sjÁlfur