sjÁlfurLOG

28.02.2006 um 01:45 Uhr

Das beste, das Gott geschaffen hat, ist ein neuer Tag

von: sjAlfur

Wenn man den Tag schlecht ausgeschlafen, vom Telefon geweckt, beginnt, und zwischen Gehörbildung und Mikrofontechnik Blut schluckt, neben einem öffentlichen Waschbecken abklappt, innerlich zitternd das Ende des Herzrasens abwartet und gleichzeitig noch das Durcheinanderwirbeln nahender Wochenendpläne kommen sieht, dann hilft nur der Weg nach Hause und die Sehnsucht nach dem Schlaf. Und - mal wieder - helfen Sigur Rós. Man braucht Sätze, an denen man festhalten kann...

" Það besta sem guð hefur skapað er nýr dagur. "

Gute Nacht,
sjÁlfur

25.02.2006 um 01:15 Uhr

TRIVIALBLOGG:::Nachbeben...

von: sjAlfur

Öhm... naja, da ich jetzt schon zwei Beiträge, die hierher gehören auf den HeadSpeakerBox-Blog gepackt habe, setze ich als Ausgleich auch mal einen Beitrag, der nicht hierhin gehört hierhin. Okay? Okay...

Geklaut habe ich den folgenden Fragebogen ganz schnöde beim Blog mit dem fabulösen Titel "Warum Wanduhren sexy sind..." und hoffe, der Schreiber wird's mir verzeihen...

1. Was ist dein Lieblingsparfum?
Puma "Independence" (gibt es dummerweise seit einiger Zeit nicht mehr...)

2. Trägst du Unterwäsche, wenn ja, welche?
Es reizt mich ja, "nein" zu sagen, aber doch, trage ich... Natürlich richtige Boxershorts und keine "Arschkriecher"...

3. Was ist deine Lieblingseissorte?
Kokos

4. Duschen oder baden?
Duschen!

5. Sonnenauf- oder Sonnenuntergang?
Sonnenaufgang

6. Welche 3 Dinge hast du immer bei dir, wenn du unterwegs bist?
Plektrum
meine Brille (logischerweise...)
meine inneren Stimmen

7. Donald Duck oder Mickey Mouse?
Donald Duck (gibt es jemanden, der sich anders entscheiden würde???)

8. Welche Zahnpasta benutzt du?
Ajona

9. Rechts- oder Linkshänder?
Rechtshänder

10. Singst du unter der Dusche?
Klar. Aber nur im Kopf, wie eigentlich immer...

11. Redest du mit deinen Haustieren?
Unser Hund redet auch mit mir, da antworte ich natürlich.

12. Kennst du die richtigen Namen deiner E-mail-Freunde?
Klar.

13. Hast oder hattest du jemals ein pinkfarbenes Kleidungsstück?
Nein, nicht im Besitz. Aber im Urlaub auf Fehmarn hatte ich mal den pinken Pullover einer Freundin an, zusammen mit schwarzem Nagellack, schwarzgefärbten Haaren zu blasser Haut... und das bei Sonnenschein am Strand.

14. Beißt du dir in die Lippen, wenn du nervös bist?
Ja.

15. Weißt du, wie man die BH-Größe misst?
Logisch. Auch wenn ich die "gute Idee" mit dem CD-Durchmesser, die vor einiger Zeit mal kursierte in der Praxis für eher... problematisch halte...

16. Kannst du einen BH mit nur einer Hand öffnen?
Nicht, wenn die Frau auf dem Rücken liegt... (es sei denn, er lässt sich vorne öffnen...)

17. Gummibärchen oder Kaugummi?
Lakritz!

18. Wie alt bist du?
8 x 10³ + 842 Tage

19. Und wie alt möchtest du sein?
94² + 6 Tage

20. Loft, Villa, Bauernhaus oder einfach nur Wohnung?
Hauptsache ein Dach, evtl. wären mindestens drei Wände ganz nett

21. Was isst du am liebsten auf der Pizza?
Thunfisch

22. Wie trinkst du deinen Kaffee?
Ohne Zucker, ohne Milch, ohne Wasser und ohne Kaffepulver

23. Hast du schon mal für andere gekocht?
Ja.

24. Hast du schon mal Austern gegessen?
Nein. Aber andere Muscheln. Und Sushi. Und Frutti die Mare.

25. Weißt du Geburtstag und Alter deiner Eltern?
Ja. Ich kenne sogar ihre Namen!

26. Titel deines Lieblingsbuchs?
Das Booklet von "Mellon Collie and the Infinite Sadness" von den Smashing Pumpkins

27. Hast du schon mal jemanden ans oder aufs Bett gefesselt?
Ja

28. Sind deine Füße gleich groß?
Laut Schuhgröße schon. Laut Quantentheorie könnte es sein. Ich gehe normalerweise aber auch trotz dieser letzten Ungewissheit gerade.

29. Magst du Knoblauch?
Nein. Zumindest nicht zuviel.

30. Was war das erste Konzert auf dem du warst?
Oh... ich habe im Kindergarten mal Rolf Zuckowski live gesehen...

31. Liest du Tabellen?
Wenn Aachen gerade am aufsteigen ist, dann schon.

32. Was wäre das erste, was du tun würdest, wenn du einen Millionenjackpot im Lotto gewinnst?
Ähm... weiß jemand was mit den Buchstaben "SSL" anzufangen? Da.

33. Pepsi oder Coca Cola?
Cherry Coke

34. Wann hast du das letzte mal geweint?
Irgendwann in der Grundschulzeit? So ganz genau weiß ich das nicht mehr, "weinen" gehört jedenfalls zu den Dingen, die ich schon vor Jahren verlernt habe, und die ich - ganz ehrlich - manchmal ganz gerne wieder können würde...

35. Schau nach rechts - was siehst du?
HD-Rec, Kleinmischpult, Mic-Stativ mit Spinne vom SE 2200A und 'ne Menge Kabel.Außerdem eine Flasche "Medley's" (der schmeckt grausam, aber er stammt von irgendeinem Hurricane, der muss halt aus Nostalgie-Gründen weg...

36. Mit oder ohne Kohlensäure?
Wasser? Beides. Bier? MIT! Cola? Mit, abwer zur Not auch ohne. Besser als keine Cola.

37. Schnarchst du?
Nein! Okay... bei starker Erkältung mag das vorkommen, aber das ist dann krankheitsbedingt. Das kann man nciht verallgemeinern. Ebenso könnte man fragen: "Kotzt du?"

38. Kaust du auf Bleistiften oder Kulis rum?
Nee, in meinem Jahrgang hat eine mal auf einer Tintenpatrone rumgekaut und die ist dann geplatzt. Ich ahbe es auch vorher nie gemacht, aber seitdem stehen die Chancen noch schlechter, dass ich mal damit anfange.

39. Wenn auf einer Tür steht "ziehen" drückst du trotzdem?
Wenn ich der Tür wehtun will, dann schon.

40. Wenn du einen Tag in deinem Leben wiederholen könntest, welcher wäre das dann?
Nicht ein einziger. Ehrlich.

41. Wie würdest du dich selbst einschätzen? Shy, fly, high oder dry?
Bitte was? Ich glaube "fly", aber wenn das irgendwelche versteckten Anspielungen sind, die ich nur nicht verstehe, ziehe ich die Antwort sofort wieder zurück!

42. Pommes oder Bratkartoffeln?
Pommes

43. Hast du schon mal eine Waffe abgefeuert?
Als Kind hatte ich einen selbstgebauten Bogen. Der schoss aber nicht sehr weit. Und dann ist das Seil gerissen. Dann habe ich mir einen neuen gebaut. Ja. So war das.

44. Winnie the Pooh, Tigger, Kanga, Roo, Piglet, Eeyore, Rabbit oder Owl?
Tigger

45. Warst du schonmal in Disneyland/-world/-resort?
Nein, und ich will da auch NIE hin. Ich hatte aber im Rettungsdienst mal Einsätze in den HeidePark, das hat vollkommen gereicht...

46. Was ist dein größtes Ziel?
Der Moment.

47. Schlagsahne oder Caramelsirup?
Beides. Schlagsahne: Brüste. Caramelsirup: Bauchnabel. Kulinariker, ne?

48. Riechst du gerne andere Menschen?
Mein Geruchssinn hat eine Wohnung voller Gas nicht erkannt, Menschen sind für mich geruchsneutral.

49. Kannst du mit deinen Augen einzeln blinzeln?
Ja, und irgendwann werde ich auch noch rauskriegen, wozu das gut sein soll...

50. Frühaufsteher oder Nachteule?
Eigentlich veranlagter Frühaufsteher, aber durch meinen Lebenswandel bedingt wohl zwangsweise Nachteule...


sjÁlfur

22.02.2006 um 12:03 Uhr

[ich = alle!]

von: sjAlfur

Okay, dann mal hier der versprochene Button:



Gerne weiterzukopieren mit Verlinkung auf diesen Eintrag. Wenn ich mal berühmt bin, bastel ich 'n Button mit Autogramm... vielleicht.


sjÁlfur

22.02.2006 um 04:04 Uhr

Umbilical Syllables

von: sjAlfur

Am Himmel sah ich ihn fliegen, ein weißer Schatten im Wolkengrau, er ist sein eigenes drohendes Unheil in der Gestalt seines Vaters. Cygnus der Schwan landete, und als er den Boden berührte, begannen sich die Spulen des Bands rückwärts zu drehen...

an abortion that survived
a lineage of bastard mastacation
all the severed proof
talons scratch my suite
these are the feathers that replace them

Er war schwer krank, er kannte seine Herkunft nicht und er brauchte den Geruch von Nikotin. Er hatte die Stationen seines Lebens rückwärts abgeschritten. Er war ein Suchender zwischen all den anderen Suchenden, doch im Gegensatz zu allen anderen, fand er auch. Vismund hatte bereits kurz vor seiner Geburt seinen ersten Kampf überlebt, und gleichzeitig bedeutete dies für ihn das Aktivieren eines inneren Zeitzünders. Aufgewachsen im Schoße der Eulen hatte er sich immer gefragt, warum er ein Schwan war.

i hear him every night in every pore
and every time he just makes me warm
freeze without an answer
free from all the shame

Sie dachte ihr Leben lang zurück an die Nacht, in der es geschah. Sie spürte den panischen Atem im Nacken und den Eispickel, der ihr Fleisch zu zerreißen schien. Sie war eine derer, bei denen es nicht als wichtig erachtet wurde, was geschehen war. Einer mehr oder weniger, darauf kam es bei einer Hure nicht an. Wichtig war hingegen der, der ihr das angetan hatte, krank sein Körper, krank sein Geist. Und so blieb das Geschehene verborgen, die Eulen die es sahen kümmerten sich nicht. Doch sie dachte an den, der ihren Lenden entsprungen war, der Bastard, seine Brut, und doch ihr Sohn... aber Frances schwieg.

in her eraser sang the guilty
as it made the best mistakes
shark kites got tangled in the moleskin
urgent plea of escape
a mouth to mouth on the chalkboard
written in fingernail distaste

Die Schwester floh im Moment des Wimpernschlags. Sie war diejenige, die Zeugin war, Zeugin des Endes und des Anfangs und ihres eigenen Endes. Doch sie war diejenige, die ihre Augen abwand, sie war diejenige, die ihr Gewissen abwand. Sie ließ die Eulen stehen und wandte sich ab. Sie wusste von der Suche und wandte sich ab. Sie war eine Station unter vielen, doch sie war diejenige, die sich nicht mehr abwenden konnte, als er sie traf. L'Via sprach, um zu sehen.

and the damn she will break
make an ocean from this lake
as they siphon off all of our blood
and when miranda sang, everyone turned away
used to the noose they obey

Es war Miranda, die Vismund die Tragweite seiner Suche zeigte. Es war zu spät für ihn umzukehren. Aus dem Schatten, den er über seiner Vergangenheit gefunden hatte, machte ihre Wahrheit die Nacht. Sie war es, die sich immer widersetzt hatte, gegen die Eulen, gegen den Willen eines Gottes, gegen den Eispickel im Fleisch seiner Mutter.

no there's no light
in the darkest of our furthest reaches
no there's no light
no there's no time
you ain't got nothing
your life was just a lie

Der Schwan blieb zurück am Rande der Straße, mit gebrochenen Flügeln und zerzaustem Gefieder. Zuviel für eine Person, was er gehört hatte, zuviel für ein Leben zu ertragen. Cygnus der Schwan legte seine Zeusgestalt ab, das Erbe seines Vaters, und nahm das seiner Mutter an. Cassandra blieb am Rande der Straße zurück, dann traf sie eine Entscheidung und verschwand...

the ocean floor is hidden from your viewing lense
a depth perception languaged in the night
all my life, i've been sewing the wounds
but the seeds sprout a lachrymal cloud



sjÁlfur

[PS: Das sind natürlich nur Fragmente aus tausenden verschiedenen Interpretationen zu "Frances the Mute", das ist gerade die Version, die mir durch den Kopf ging.]

21.02.2006 um 00:52 Uhr

the thesis is said to be dead

von: sjAlfur

Manchmal wäre es schön bestimmen zu können, wer "alle" ist. Und manchmal freut man sich auch über Zuspruch mit Ansage.

sjÁlfur

19.02.2006 um 04:34 Uhr

with my broken bones

von: sjAlfur

Denken ist um diese Uhrzeit Glücksache. Bevor ich aber meinen Gedanken für heute Ruhe gönne, will ich hier auch nochmal "öffentlich" feststellen, dass ich die Klaustrophobie nicht als höhere Kunstform ansehe, dass erlittene Wunden nicht für Schwäche und nicht für Stärke stehen und dass man auch mit gebrochenen Knochen und bröckelnden Palästen noch Mensch ist.

made out of wood

Außerdem ist die Welt ein Schiff, und die Kombüsenratten sind dick und faul, ebenso wie die Ratten im Lagerraum. Da aber die Kombüsenratten irgendwann beschlossen haben, im Lagerraum Kolonien zugründen, geriet das Schiff ein wenig ins Ungleichgewicht. Und jetzt? Der erfahrene Seemann weiß, die Krängung ist eine lustige Sache fürdie, die zynisch genug sind heute noch auf schwarzen Humor zu stehen, und während der zugekokste Anker nur langsam aus seinem Kasten rutscht, brandschatzen die Ratten, lassen sich Dinge wie Nationalbewusstsein und Religion einfallen und missbrauchen sie um ihren genetisch veranlagten Sadismus auszuleben.

erase us - erase this world

Und dann sind wir wieder an Land, schlingen das Tau um den Poller, werfen einen Blick auf die Geister der Vögel am Himmel, träumen vom Winter auf Rügen und vom Sommer in Teheran, stellen uns die Worte und Bilder dazu vor, und merken schließlich, dass alles nur eine Illusion war. Eine Illusion, die Toten, die Ratten, die Vögel, das Meer... Nur Worte und Bilder, und ein paar wenige Geier hinter ihren Tastaturen. Dogmatiker. Ob Blogs, Zeitung, Fernsehen... denkt an die Ratten! Scheiß auf die Pressefreiheit!

just hit the ground running

Rechte sind was tolles. Man kann auf ihnen beharren ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen...


Gute Nacht,
sjÁlfur

18.02.2006 um 02:18 Uhr

nicotine

von: sjAlfur

Mal abseits aller Konzepte, die in meinem Kopf so rumgeistern und mich zuweilen auch ziemlich nerven, ist irgendwann mal (ist schon ein Jahr her, glaube ich... oder noch nicht? oder schon länger? keine Ahnung...) ein Lied entstanden, das mit zwei Akustikgitarrenstimmen und einer Gesangsstimme auskommt. Das zudem ein gängiges Konzept hat, keine Elektronik, nur 4/4-Takt usw...

Nachdem es lange Zeit auf der Festplatte meines HD-Rec eingestaubt ist, habe ich es vor zwei Wochen etwa mal wieder hervorgekramt... und ich habe beschlossen, dass jetzt, wo ich mittlerweile mit den Liedern unter dem "sjÁlfur"-Synonym einen guten Platz auch für solche Stücke gefunden habe, dieses Lied so wie es ist entstauben kann. Der Text ist verhältnismäßig simpel, das ganze klingt stark nach 'ner Smashing Pumpkins-B-Seite (oder sollte ich besser sagen "nach Billy Corgan"??), aber was soll's? Passt schon... Achja, hier der Text, der Titel ist "Nicotine", es geht um ein Foto, was ich irgendwann mal aus der Google-Bildsuche gefischt habe...


NICOTINE

i'm sleepy
drowse by your side
lay my head to rest in your lap
the nicotine waft caresses my face

and when i'm tired i belong to you
utopian visions i'm consumed with
speak of you

the rain falls
drips off your chin
wets my hair
exhausted i hide in your dress
grab your hands

to cover my eyes whilst the earth in weep
become aware of your skin
choking me to sleep

ashes fall off your hair
the mercy feels
it all comes down on me
the past is wide awake


Wobei ich mich jetzt gerade frage, ob ich den Text nicht doch schonmal irgendwann hier veröffentlicht habe... aber egal, würde vermutlich eh keinem Schwein auffallen...

sjÁlfur

10.02.2006 um 22:11 Uhr

SE 2200A

von: sjAlfur

Ich hab's! Hat ja auch lange genug gedauert... jetzt können endlich die Gesangsaufnahmen richtig losgehen! Also, zurücklehnen und die folgenden Bilder genießen...:






03.02.2006 um 14:42 Uhr

steinn

von: sjAlfur

innan steins
vaknar lítið sæði
burkninn brjótast út úr því

Es war einer der vielen Steine auf dem Weg von der Schlucht hinauf in die Berge. Die flüchtig vorübergehenden Passanten nahmen ihn nur als Stein wahr, doch eine Feldkrähe, die sich zufällig in der Nähe niederließ, gerade als der sonderbare Typ mit der windzerzausten Frisur in Richtung Schlucht verschwunden war, blickte auf, als sie das Knacken und Ächzen hörte. Etwas erwachte in dem Stein, und nicht nur in diesem... in allen Steinen entlang des Weges war das Ächzen und Splittern zu hören. Der Vogel schüttelte sich und entschloss, das ganze von einem sicheren Ast zu beobachten. Und dann barsten die Steine, einer nach dem anderen, als der Keim, der in ihnen erwacht war hervorbrach. Kurz darauf wogte Farn aus den Steinen und bedeckte den Weg bis hinab in die Schlucht...

innan hjartað minn
vaknar stór bylgja
sjórinn brjótast út úr mér

Ich sah mich um, als ich ein Geräusch hinter mir hörte. Der Anblick war erschreckend und faszinierend. Ein Meer aus Farn kräuselte sich leicht im Wind, dort wo ich eben noch meinen Weg von den Bergen hinab gekommen war. Ich spürte plötzlich, wie mein Herzschlag unregelmäßig wurde, wild pochte und der Sinusrythmus schließlich durch das Myokard brach. Ich riss meine Augen auf, spürte mein Blut rauschen als die Welle in mir erwachte, und als meine Rippen barsten, brach der weite Ozean aus meinem Herzen hervor und durchflutete den Farn und den ganzen weg zur Schlucht...


"Steinn" ist zwar ein eigenes Lied, der Text ist aber als direkte Anlehnung an "Glen" zu sehen. Viel mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Der Text ist nicht ganz ohne Hintergrund isländisch, aber das soll hier nicht weiter interessieren.

Nach "Steinn" folgt noch das Outtro-Stück von "The Ether Sickness" der ersten ANAMNESIA-Hälfte. Das instrumentale Stück trägt den Titel "The Second Between Two Hours" und spielt auf mehrere Sachen an (z.B. auf die CD-Einteilung, auch wenn jede Hälfte nur knapp 40 Minuten lang ist und das Stück natürlich länger als eine Sekunde...), wichtig war mir vor allem die Unmöglichkeit, denn es gibt von der Zeiteinteilung keine Sekunde zwischen zwei Stunden. Genau darauf aber wollte ich hinaus, eine Sekunde, die weder zur endenden noch zur beginnenden Stunde gehört, etwas, das aus dem Konzept rausgelöst ist.

Das Stück ist auch der Übergang von "The Ether Sickness" (ANAMNESIA-Hälfte 1) und "The Astral Wound" (Hälfte 2). Das Stück gehört zwar eigentlich zur ersten Hälfte, und wird auch so im Tracklisting aufgeführt, aber es erfolgt schon vor dem Stück ein Bruch. Alle Lieder vorher waren fließend aneinander geknüpft, und so ist auch das Outtro an "Steinn" geknüpft, allerdings durch eine eher schwammige, collageartige Fläche, die einen Halbtonschritt überbrückt. Nach dem Stück folgen die ersten Sekunden Stille der CD. Es herrscht eine zeitliche Trennung, aber von der Melodieführung und der Tonart ist es direkt zum Folgestück übergehend.

Ich bin mir zwar bewusst, dass das beim Hören wohl kaum jemand bemerken wird, dennoch ist das für mich und meine Konzeptvorstellung wichtig, denn die Trennung bzw. Verknüpfung der beiden CD-Hälften ist wichtigster Punkt des ANAMNESIA-Konzepts. Während "The Ether Sickness" musikalisch ein zusammenhängender, hauptsächlich homogener und überladener Teppich war, ist "The Astral Wound" zerrissener, heterogener, über weite strecken mit weniger parallelen Stimmen und extremeren Richtungswechseln.
Thematisch ist "The Ether Sickness" als das Problem zu verstehen, was sich eingangs der CD stellt, das Problem, dass man nicht alles sehen kann, was zu erfassen ist, der fieberhafte Versuch, in voller Breite ein zusammenhängendes Bild zu erfassen. In den Texten zu "Glen" und "Steinn" ist das Konzept an einen Punkt gekommen, an dem die wahrnehmung sehr viel weiter ist als das bloße Sehen. Das fiebrige, körperlose, ätherische Gefühl des begrenzten Blicks und des Strebens nach einem Sinn oder einer Linie ist abgeschlossen.
Daraus resultiert in "The Astral Wound" (ich greife damit schonmal etwas vor) aber das Problem, dass durch eine sehr viel höhere "Sichtweite" auch Dinge ins Blickfeld kommen, die sich nicht lösen und nicht erfassen lassen. Die "astrale" Wunde ist also das, was zwangsweise zurückbleibt, wenn man versucht, möglichst viel zu erfassen, es ist die verlorene Subjektivität (was in Reflexivität endet, was in "Torso Topographic" und "Headspeakerbox" noch textlich zum Tragen kommt).

"The Second Between Two Hours" ist der kurze Augenblick, in dem man "The Ether Sickness" überwunden hat und noch nicht "The Astral Wound" spürt.

Und wer mir jetzt noch folgen konnte, sieht vermutlich, wie einfach meine Gedanken, die dem Konzept zugrunde liegen, sind. (Wobei ich anmerken will, dass das nur ein Leitfaden des Konzepts ist, man kann [und soll!] den ANAMNESIA-Ablauf je nach eigener Interpretation auffassen...)


sjÁlfur

01.02.2006 um 23:02 Uhr

glen

von: sjAlfur

sitting on this wooden roof once more
peering through the limbs of anger
slipping through the dusty sunbeams
the child of glen never lingers

Ich hatte etwas freie Zeit an dem Tag, an dem ich den Text zu "Glen" geschrieben habe, auch wenn ich anfangs nicht wusste, dass ich den Text schreiben würde. Ich schloss die Fenster, warf einen genervten Blick auf das Wallpaper und stand schließlich auf. Ich ging aus der Wohnung, aus dem Haus, die Straße entlang bis zur Stadtgrenze, verließ den Feldweg, überquerte Wiesen und den noch regenfeuchten Wald. Auf einer Lichtung einige Höhenmeter weiter bergauf stand ein hölzerner Unterstand, halb in sich zusammengebrochen, halb vom Farn bedeckt. Ich setzte mich auf das knirschende Holz, und starrte durch die Baumkronen hinauf zur Sonne, schloss die Augen und spürte die Gedanken in Atome zerfallen, die sich dann wie Staub auf meine Haar und meine Kleidung legten...

the peaks crush my voice
mountains ease
soothing cliffs
where i can breathe

Ich befand mich weit oben, die Stadt lag weit unter mir in der Schlucht. Der Wind, der über die Bergkämme fegte blies durch meinen Kopf, die Sonne schien durch meine Finger. Ich tastete mich vorsichtig auf die Spitze eines Felsvorsprungs, wie ein Kind auf allen Vieren. Die Höhenangst, der ich unter Menschen mit entschieden vorgeschobener Scheinsicherheit entgegentrete, zog mich in ihren Bann und ich genoss das schwebende Gefühl von Angst und Freiheit. Ich atmete den Wind...

longing for the mountains on my sides
strolling along the creek of perils
living rocks around my feet
bear my necklace of thor's anvil

Später machte ich mich auf den Rückweg hinab in die Schlucht und wünschte, die hohen Gipfel zu meinen Seiten würden meinen scheuen Blick nicht spüren, würden nicht in Frage stellen, was ich gerne wäre, doch selbst die Kiesel am Ufer des abwärtsstürzenden Bachs durchschauten mich. Mit jedem Schritt zurück zur Stadt in der Schlucht, spürte ich die Schwere des Lebens, in das ich zurückkehren musste. Und gleichzeitig war es das Gefühl, dass ich lebte, egal wie sehr ich mich in die Berge sehnte, ich bin das Kind der Schlucht, und auch wenn ich ihr entfliehe, ich könnte (und will) es niemals leugnen...

and in the hollow deep
the echos (feedbacks) cry
that's where the sounds still lives
and melodies die

Ich überquerte die Wiese und sprang von Stein zu Stein entlang des Feldweges. Noch bevor ich die Straße erreichte, war mein Gang der, den man von mir erwarten würde. Ich spürte den Ruf des Windes in meinem Rücken, und ich lachte innerlich als ich ihm die kalte Schulter zeigte. Ich würde zurückkehren, ganz bestimmt, aber erst dann, wenn ich es wollte, und ich wusste, ich konnte es jederzeit...

climbing up the starway
to the vanished mountaintop
floating words in thin air
they won't ever give me up

Abends schlief ich dann, der Text zu "Glen" lag fertig geschrieben in der Zettelunordnung auf meinem Aufnahmegerät, die Melodie längst im Kopf, denn ich hatte dem Wind, dem Wald, den Bergen und natürlich der Schlucht zugehört. In Träumen kehrte ich zurück zu der Klippe unterhalb der Bergspitze, die jedoch nur fragile Drahtgittermodelle waren, die meinem Computer entsprungen in meinem Kopf mit der Melodie des Tages zu einem Netz wurden, das mich niemals fallen lassen würde...

signs over the fern sea
fragile letters caught in winds
skeleton trees ivy-clad
decoying glen is shimmering

Und dann sah ich das hölzerne Dach, meine Mitte, sah die Worte des Textes zur Melodie des Windes und des Waldes und der Berge und der Schlucht aus dem weithin schwebenden Farn aufsteigen, der sich nur langsam aus tausenden von Bits zusammensetzte, und inmitten des sirrenden Frequenzgangs lockte mich mit ihren tausenden Lichtern und Leben die Stadt in der Schlucht...


"Glen" steht nicht ohne Grund fast zur Hälfte von ANAMNESIA, denn der Text stellt (zusammen mit den wenigen isländischen Zeilen des auch vom Sinn her nachfolgenden Stücks "steinn") eine Quintessenz dessen dar, was ich "ohne Augen" zu sehen begann. Natürlich enthält mein Text zum Liedtext fast nur Metaphern, ich denke aber, sie sind so klar, dass deutlich wird, dass es nicht wirklich um eine Landschaft geht (bzw. um Gedankenlandschaften, wie auch schon bei "Ocular Shoreline" oder dem leider aus dem Konzept geflogenen ehemaligen Opener "Stalking Landscape"), es geht mir dabei vordergründig um meine Gedankenwelt im speziellen Verhältnis zur Musik. Ich weiß, sowas ist ziemlich klischeehaft, ich hoffe aber, es ist mir ganz passabel gelungen.

"Glen" ist bestimmt nicht mein Text mit den vertracktesten Formulierungen, aber es ist der Text, der mich nach wie vor immer wieder in seinen Bann schlägt, und bei dem es mir schwer fällt zu glauben, dass es meine eigenen Worte sind... (eigentlich sind es ja auch die Worte des Farns zur Melodie des Winds und des Waldes und der Berge und der Schlucht...)

sjÁlfur