Sonne, Mond und Sternchen

24.11.2006 um 11:12 Uhr

Ausgezeichnet, aber nicht brilliant

"das beste was ich seit semestern gehört habe"

"danke" 

"toll, solche vorträge brauchen wir."

"oh. ahja?"

"da sind sie nächstes mal wieder dran, ok?"

"äh, warum?"

"sie können noch mehr." 

"aha?"

"ja, bitte thesenpapier nochmal überarbeiten mit allem drum und dran. das war schon ausgezeichnet, aber nicht brilliant."

 

Wie soll man sich da bitte noch über Erfolge freuen? 

23.11.2006 um 00:28 Uhr

Und es gibt so Tage...

... da stößt der Löffel auf Granit und macht unangenehme, sehr sehr unangenehme Kratzgeräusche, wie Fingernägel auf einer Tafel, was ein ganz anderes geräusch ist als der Löffel durch die Sahne, der sich wunderbar anhört, ganz im Gegensatz zu dem Löffel auf Granit, aber ich wiederhol mich.

Aufgestanden, Computer angemacht, festgestellt, dass ich die falsche Literatur geholt habe, neue Literatur geholt, in Thema verbissen, nix verstanden, Zeitdruck, lesen, lesen, lesen, immer wieder den selben Satz, Kopien alle durcheinander, stapelweise Zettel auf'm Schreibtisch, endlich Thesenpapier fertig, an Prof verschickt, mich angezogen, an der Tür gestanden, Kind muss abgeholt werden, Telefon klingelt, kann ich mal wieder nicht klingeln lassen, kann ich einfach nicht, Prof ruft an, sagt Thesenapier ist zu niveauvoll, versteht keiner, so der Prof, ich Prof gefragt, ob er es gelesen hat, Prof nein gesagt, Prof gesagt, sieht er auf den ersten Blick, dass zu kompliziert, Prof gesagt, kürzen, sonst Scheiße, Prof gesagt, ich neig zu Imponiergehabe, ich überlegt, ob Prof Recht hat, ich dann überlegt, dass ich nicht immer überlegen sollte, ob Leute Recht haben, ich überlegt, dass prof scheiße ist und nicht Recht hat, Thesenpapier trotzdem gekürzt, abgeschickt, zum Kindergarten gefahren, Tochter verabredet mit neuer Freundin, Freundin keinen Bock gehabt, zu spielen, was Tochter will, Tochter keinen Bock gehabt zu spielen, was Freundin will, ich dann mit denen zwei stunden volles Programm gemacht, Tochter am Kreischen, Freundin am Zicken, als Kakao auf Teppich gelandet, Mutter von Freundin geklingelt, Gottseidank schnell wieder weg gewesen, Tochter weiter gekreischt, bis zum abend essen, Laune völlig im eimer, Unterschichtenfernsehen geschaut, Oli P beim Eislaufen gesehen, gemerkt, dass ich von allem abhängig werde, was eine Jury hat, mich wegen Zeitverschwendung fertig gemacht, dann mich zusammengerissen und an Computer gesetzt, fünf mal shifttaste gedrückt, komische Meldung bekommen, abgebrochen, seitdem Tastatur durcheinander, z war y und y z und die obere Reihe nicht mehr funktioniert, hysterischen anfall bekommen, mich benommen wie Dreijährige bei wutanfall, dann einfach alle Tasten ausprobiert und drei Zeilen in einer stunde geschrieben, alles so gelassen, aufgegeben und morgen neuer Tag, an dem ich der Welt ein Ypsilon für ein Zett verkaufe.

Möööönschenskinner, es kann nur besser werden. Und wann soll ich das mit der Gratisprobe von Tena Lady schreiben??? WANN DENN? Ich mag mich wiederholen, aber ich sollte einfach ein Ei legen. Schon beim Ausbrüten kann man so stolz sein und ich könnte DANN den ganzen Tag über Tena Lady schreiben, erstens, weil ich mir dann mehr Zeit nehmen würde, zweitens aufgrund der thematisch übergreifenden Relevanz. Schwangere und einmal schwanger gewesene werden verstehen, was ich meine. Und wenn ich mir grad anschau, mit welcher Leichtigkeit ich vom Löffel auf Granit auf Inkontinenzprobleme in der Schwangerschaft gekommen bin, sollte ich mir ein klein wenig Sorgen machen, oder zumindest den Beschluss fassen, endlich ins Bett zu gehen und die Augen zu schließen.

 

Gute Nacht da draußen...

 

22.11.2006 um 00:30 Uhr

Es gibt so Tage...

...da rutscht man wie der Löffel durch die Sahne. Aufstehen, Kind anziehen, Kuss, Kindergarten, Zähneputzen, Druckerpatrone nachfüllen, wichtigste Dokumente ausdrucken, mit rechts die Signaturen der Literatur rausgeschrieben, mit links den UB-Ausweis eingesteckt, Fahrrad fahren über grüne, immergrüne Ampeln, Kopierer frei und funktionabel, Bücher alle da, lesen, verstehen, Kaffee trinken, Kindergarten, dem Papa von Kevin zulächeln, sich mit Tochter im Regen über Regenbogen freuen, nach Hause, wieder schnell zu anderem Termin, Ampeln immer noch immergrün, danach schnell zurück ins warme Nest, die Welt ist ein guter Freund, das ist sie...

17.11.2006 um 17:00 Uhr

Hilfe!

Kann mir einer sagen, wie man das macht, so mit dieser Gesellschaft, wie man Smalltalk hält über dies und das mit irgendwie so erwachsenen Menschen zwischen 35 und 45, die alle so etabliert wirken, sowohl untereinander, als auch für sich genommen, kann mir einer sagen, wie ich es das nächste Mal vermeide, hilflos über ein Kindergartenaußengelände zu stolpern, einer Kaffeetasse in der Hand, zu feige eine Zigarette zu rauchen, völlig ahnungslos, wie man Kontakte knüpft, mit einem bescheuerten Grinsen auf dem Gesicht, kann mir DAS mal einer sagen? 

Hat mir jemand 'anders' auf die Stirn geschrieben, oder habe ich das selber gemacht? 

17.11.2006 um 00:18 Uhr

Von wegen "sensationell"!

Jetzt hieß es "Sensationell, du hast alle Erdbeeren eingesammelt!!!" Hatte ich aber gar nicht. HATTE ICH NICHT! Eine hatte ich übersehen, die lag hinter dem Felsen, man sah sie hervorlugen, und die WAR gar nicht zu KRIEGEN, und die schreiben, ich sei sensationell, war ich EBEN NICHT, ich hatte NICHT alle Erdbeeren eingesammelt, Ehre wem Ehre gebührt, SO NICHT meine Damen und Herren von der Maus, nicht mit mir.

Und über all den Stress (Hügel mit Seifenkiste rauf, Hügel mit Seifenkiste runter) kann ich jetzt nicht mehr schreiben, was mir heute an der Supermarktkasse mit einer Gratisprobe von Tena Lady passiert ist... 

Morgen ist ein neuer Tag, ich bekomm sie direkt, alle Erdbeeren, beim ersten Spiel, so wird es sein, und diesmal wirklich alle und dann bin ich wirklich sensationell und dabei wird die Sonne scheinen und weil ich alle Erdbeeren so schnell eingesammelt haben werde (äh?!), kann ich danach ein Kapitel zu einem der wichtigsten Themen in der sprachwissenschaftlichen Forschungsgeschichte beenden, dieses an den Chef versenden und mich hernach mit einem Pappbecher Latte M. auf die Wiese setzen.

Guter Plan.

Jetzt Augen zu. 

 

16.11.2006 um 14:58 Uhr

Winter adé!

Schadeschade, aber das wars dann mit dem Winter. Doof, kein Schnee dieses Jahr, aber Hauptsache der Balkon blüht wieder.

Jacken aus, Fahrrädchen, Wieschen, Sönnchen, verliebte Leute, nur komisch, dass die Eisdielen noch geschlossen haben. 

Scheiße bin ich gut drauf!!!! 

15.11.2006 um 14:47 Uhr

Noch eine Meldung zwischendurch

Bei der Nachbarin wurde gerade der Feuermelder ausgelöst, wegen der Rauchentwicklung der angebrannten Grünkernburger.

Das erinnert mich an eine Schlagzeile aus der Lokalpresse, die ich mir einst in jungen Jahren aufs T-shirt drucken ließ:

 "Und sie wollten doch nur Fischstäbchen braten. RUMMS! Da war die Wand weg."

Angebrannte Grünkernburger...

Oh Mann...

Wo Rauch ist, ist eben noch lange kein Feuer... 

15.11.2006 um 12:01 Uhr

Nochmal der appe Arm

Wir definieren offenbar häufig unser Glück über Entbehrungen, die Werbung hat dieses Phänomen schön aufgegriffen, es heißt selten, mit diesem oder jenem Produkt werden Sie bis an Ihr Lebensende glücklich sein, sondern "Sie werden nicht mehr ohne XY sein wollen", "Ohne XY macht es keinen Spaß", "Ohne XY geht es nicht", es ist so leicht etwas zu wollen, zu ersehnen, so schwer etwas zu haben und es anzuerkennen.

So viele Menschen fühlen dann am intensivsten, wenn ihnen etwas fehlt. Wie leicht ist es einen Menschen zu lieben, sich ihm im Geiste hinzugeben, solange er nicht da ist. Und all die Männer und Frauen in unglücklichen Beziehungen,  nur weil der einmal so geliebte Mensch nun immer da ist.

Es ist ja auch schwierig, da lebt man zusammen, plötzlich kommt alles über dich raus, dass man Stuhlgang hat z.B. oder Baumwollunterhosen mit Löchern, man könnte beim Popeln erwischt werden oder Gesichtsmaskentragen. Übellaunigkeit, Rumzickerei, Langweilerei, Schwächen, Fehler, da sind wir wieder beim "fehlen", irgendwann stellen wir fest, was uns am anderen fehlt, was wir entbehren und machen uns auf eine neue Suche, was wir bekommen, ist aber nichts Neues, nicht das was wir entbehrt haben, sondern nur eine erneute Eroberung, eine Illusion des Sehnen und des Wünschens. Ein bescheuerter Kreislauf. 

Mit uns selbst gehen wir doch auch ständig auf diese Weise ins Gericht, hier zu dick, da zu faul, hier zu nachlässig, da zu albern, hier zu demütig und da zu stolz, zu faltig, zu zickig, zu empfindlich, zu hart, zu bescheiden, ach all diese Rumkrämerei am eigenen Charakter, verbessern, immerzu wollen wir uns verbessern, das sein, was wir gerade nicht genug sind.

Für uns selbst? Oder für andere? Woran orientieren wir uns? Wieder an dem, was andere scheinbar haben, in einem Maß, wie wir es für uns selber wünschen? Oder wie es sich andere an uns wünschen? Was ist denn das für eine Motivation?

Ich selbst befinde mich diesbezüglich gerade in einem seltsamen Schwebezustand, beurteile mich gerade gar nicht, verweiger das einfach, habe auch Angst, etwas an mir ausdrücklich gut zu finden, Angst vor dem Druck, den das bewirken könnte, denn wie lange dauert es dann, bis ich darin nachlasse, wie unabänderlich sind positive Eigenschaften, wie kann man bloß eine Übereinkunft mit sich selbst treffen, dass man unabhängig vom Gemütszustand ganz in Ordnung ist, so, wie man eben genau in diesem Moment drauf ist? 

Und jetzt bring ich auch  vieles durcheinander, Gefühle, Tugenden, Talente, Launen, ein kluger Mann hat mal vor Jahren zu mir gesagt: "Mache dir stets klar, dass du nichts richtig machen kannst."

Da denke ich heute noch drüber nach.

 

 

13.11.2006 um 20:54 Uhr

kein bock auf tristesse

die können mich mal, die von der herbstfront, morgen geh ich auf die sonnenbank, es muss licht in meine augen, sonst bekomm ich wirklich ernsthaft schlechte laune, den ganzen tag war heute abend und jetzt ist es wirklich abend und ich habe einfach keinen bock auf herbstliche gemütlichkeit, ich will nicht die welt da draußen sterben sehen, ich will neues leben sehen und dabei fällt mir ein, dass ich jetzt einfach mal die zimmerpflanzen gieße und gleich ein baby mache. so.

 

12.11.2006 um 00:11 Uhr

Kaspar Kugel Teil III

Meine Nase ist wieder frei und mir ist einfach danach. Nach der Kaspar-Kugel-Geschichte nämlich. Mein Kaspar Kugel, der so ganz anders ist als der Gerd Schröder, so ganz ohne Testosteron kommt er aus, der Kaspar Kugel, der Latzhosenträger aus dem Kindergarten, wunderschön ist er und verträumt, und so ein verträumter, melancholischer Mann misstraut mir selbstverständlich, fast würde ich sagen, dass ich nackte Furcht, jawohl: nackte!!, in seinen blank geputzten, braunen Teddybäraugen erkennen kann. Und das reizt mich. Reizt mich ungemein. Aber das wissen wir ja schon.

Nach meinem unrühmlichen Auftritt bei der Planungssitzung passierte das Folgende:

Alle stürzten aufgeregt schnatternd davon, ich hörte noch Sätze wie, das wird ganz toll, ich bringe unsere Kasperlepuppen mit, ja und ich habe auch noch diese kleinen Plastiknäpfchen und dann lassen wir die Kinder an Pfefferminze riechen, wie riecht eigentlich Schokolade, ist das intensiv genug, meinste die erkennen Lakritzgeruch, und wie wärs mit einer Triangel, ja super und so Töpfe mit Kochlöffel, das ist ja was für die ganz Kleinen, da spannen wir dann ein Tuch und sie stellen sich dann dahinter, ich habe auch noch so eine kleine Spieldose, haben wir eigentlich genug scheren, wie wärs mit einer schönen Deko für den Stand, ja super so mit bunten Krepp, ja und könnte ... Fingermalfarben ... nee ... Schweinerei ... hoffentlich ... Wetter ... gut gelaufen ... Ideen ... Himbeeren ... auch rot ... Marmelade ... Zucker ... ja .. kann man nicht genug ... Karies ...

Und dann waren wir allein, der Herr Kugel und ich.

In alter Perfektion hatte die sauertöpfische Kindergartenleiterin den Sommerfestplanungssitzungstisch mit farblich aufeinander abgestimmten Plätzchen, Plätzchendeckchen, Plätzchenserviettchen, Teetässchen, Teelöffelchen, (Kaffee? KAFFEE? Ce-A-Ef-Ef-Eh-Eh? Wo kämen wir da hin? Nicht für Kinder ist der Tü-hürke-hen-trank...) gedeckt, an dem wir bis eben so fröhlich und eifrig gesessen hatten auf diesen kleinen Kindergartenstühlchen, und da stand er nun, der Kaspar Kugel, von allen guten Müttern und Kolleginnen verlassen und sollte alleine die Teetafel abräumen. Irgendwie kam er mir hilflos vor und so einsam, wie die kleine verschlafene Haselmaus, die gleich vom Kaninchen und dem verrückten Hutmacher in die Teekanne gestopft wird. Auf der Türschwelle konnte ich nicht anders, ich weiß nicht, was mich ritt: "Aber Herr Kugel, lassen Sie sich doch helfen, das ist doch Frauensache..."

Und Kaspar Kugel lachte dieses Lachen. Er ist ein Schnarchlacher, er grunzt, der Kaspar, und kneift dabei die Beine und die braunen Augen zusammen, und gibt dieses Rotzgeräusch von sich. Aber das ist nicht alles, der Kaspar, der Filou, sagt das Folgende: "Aber Frau SPunkt, Sie gehen aber ran."

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: "Sie gehen aber ran, Frau SPunkt." *grunz* *schnarch* *ziehnasehoch* *wippnervösaufundab*

Ich kann da nicht anders. In absurden Situationen bekomme ich Lachanfälle. Aus vollem Halse gackernd räumte ich mit dem Kugels Kaspar die Teetafel ab und bei der Vorstellung, dass der Kaspar zur Hälfte in der geblümten Teekanne stecken könnte, sonderte ich immer nur noch eine weitere Lachsalve ab. Herr Kugel, der sich nun seinerseits irgendwie geschmeichelt fühlte, lächelte nun verwirrt in sich hinein und wusste angesichts der sich wegschmeißenden Frau SPunkt, der inzwischen die Tränen herabliefen, nichts so recht zu erwidern. Aber wir räumten zusammen Geschirr ab, das war ja nun schon mal ein Anfang.

Als ich dann doch in einer fliederfarbenen Thermoskanne, deren Anblick mich zu erneuten Krämpfen ermutigte, Kaffee entdeckte, konnte ich nicht widerstehen: "Herr Kugel, ich habe Kaffee gefunden, können Sie mir Milch geben?"

Und da freut er sich, der Kaspar, denn dazu fiel ihm etwas ein:

"Aber Frau SPunkt," *grunz* "das sag ich" *schnorchel* "Ihnen jetzt. Das" *quietsch* "ist doch" *schnorchel* "nun wirklich" *pieps* "...äh..." *keuch* - - "Frauensache!"

Sprachlos. Ich war einfach sprachlos. Ich sah ihn an, den Kaspar, und der Kaspar mich. Wir standen da, zwischen uns nichts als eine kleine Teetafel, eine Zwölf-Uhr-Mittags-Situation, es war ruhig, zu ruhig, irgendwo draußen setzten die leisen Klänge einer Mundharmonika ein...

"Milch geben." Kleinlaut ist er jetzt. "Sie verstehen?" Leises Grunzen. "Frauen geben Milch." Hilfloses Röcheln. "Mä-Männer eben nicht."

Ich starr ihn immer noch an.

"Frau Spunkt," er ist echt verzweifelt, "so sagen Sie doch was."

Kennt Ihr 'Reine Nervensache' mit Robert de Niro und Billy Crystal? Wo Robert, der zu therapierende Mafioso, immer wieder anerkennend auf Billy, den Therapeuten zeigt und sagt: "Sie!", anerkennendes Nicken, "Sie sind WIRKLICH gut."

Ähnlich anerkennend nicke ich nun. Wohlwollend und liebenswürdig. Breit grinsend. Er ist zu komisch, der Kaspar, der nun grunzt: "Ne, Frau SPunkt, ne? Der war gut." Und nun ist er dran, sich wegzuschmeißen, er kriegt sich gar nicht mehr ein, "Frauensache." japst er, und "Milch" und "Es heißt ja Kuhmilch, nicht Bullenmilch, haha, gröhl, sprotz, grunz, schnarch" aber so plötzlich, wie er gekommen ist, ist er auch vorbei, Kaspars Lachanfall, er reißt ab, Kaspar schaut mich an, er wird ganz ernst, es ist dieser Filmmoment, wo Paare aus einer albernen Situation heraus ganz plötzlich übereinander herfallen, sich die Kleidung vom Leibe reißen und zwischen kleinen Kinderstühlchen und herunterpurzelnden geblümten Porzellan die schamlosesten Schweinereien anstellen, oh nein, Rückzug, Rückzuuuuuug, Herr Kugel, es war doch nicht so gemeint, so verstehen Sie mich doch, ich wollte Sie doch nur foppen, ein Witz, ein harmloser kleiner, unter Freundinnen, uns Pastorentöchtern, ähm, so schauen Sie mich doch nicht so an, Herr Kuuuugel, so sagen Sie doch was.

Und er sagt etwas, er sagt es todesmutig, und irgendwie klingt es unheilsschwanger:

"Ich gehe jeden Samstag im Gemeindezentrum tanzen."

Soso.

Von wegen kein Testosteron. Der Mann hat es faustdick hinter den Ohren, Blasenmeridian hin, Blasenmeridian her.

Ich hab mich einfach verlegen geräuspert, Kaspar sah ein, dass er zu weit gegangen war, er wies auf den mittlerweile gefüllten Geschirrwagen und ich schob ihn brav in die Küche.

Ist schließlich Frauensache.

 

10.11.2006 um 11:39 Uhr

Nase voll

Die Augen tränen, brennen, das ganze Gesicht fühlt sich gespannt und geschwollen an, der Mund aufgesprungen, die Mundwinkel eingerissen, die Nase auf die doppelte Größe angewachsen, voll von bakterieller zäher Flüssigkeit, der Rücken schmerzt, der Kopf dumpf umhüllt von träger nasser Watte, dunkelblaue Watte vielleicht, egal, Fakt ist, nicht denken zu können, atmen durch den trockenen Mund, die Zunge klebt unten fest und schmirgelt sich oben rum ab, ein spröder unbeweglicher Fleischlappen und der Rachen brennt und zischt beim Luft durchlassen und die Lunge ist ein feuchter Schwamm, der sich beschwert und klagt und klagt, klagt rasselnd vor sich hin, und wenn ich doch denken könnte oder klar sehen, was gäb ich drum, drei Tage nun dieses Elend und wenn man bedenkt, dass es sich um eine simple Erkältung handelt, dann will ich nie, niemals nie ernsthaft krank werden.

Bäh.

Gute Besserung an alle kranken Menschen da draußen.

06.11.2006 um 13:43 Uhr

Die Maus rollt und rollt

Die wollen uns doch verarschen, die von der SendungmitderMaus, das geht doch nicht, die ändern immer wieder die Wegstrecke und die erdbeeren liegen immer woanders, manchmal so, dass man sie gar nicht kriegen KANN, und dann diese Hindernisse, manchmal kommt man locker dran vorbei, manchmal gibts den großen Bums, und überhaupt, was soll das denn, man kriegt nur ein Lob, wenn man Erdbeeren sammelt und davon möglichst viele und dann heißt es, Klasse, Bravo, Super oder Immerhin..., aber dass ich mich inzwischen mit allen drei Leben zum Ziel durchrolle, das honoriert niemand. Und jetzt kommts: Einmal, als ich mich immer wieder zum Spaß gegen den schlafenden Elefanten hab rollen lassen und die Erdbeeren nur so nebenbei eingesammelt habe, DA KAM'S: Die sagten: SENSATIONELL, DU HAST ALLE ERDBEEREN EINGESAMMELT!!!

Ja, Mensch, wie viele denn? Ich weiß ja noch nicht mal, wie hoch die Anzahl der Erdbeeren ist, scheiße, ich will diese Erdbeeren, ich will wieder SENSATIONELL sein, ich will keine saubere Wohnung, keine Dissertation, keine Milch im Kühlschrank, ich will, ich will, ich will, ich will diese Erdbeeren, ich träume von den Erdbeeren, scheiß auf Eleganz und Schnelligkeit, auf die Erdbeeren kommt es an.

Sensationell... 

02.11.2006 um 14:22 Uhr

der appe arm in kleinbuchstaben

zeit. zeit is so eine ähnlich sache, man möchte gerne zeit haben, um über den appen arm zu schreiben, und wenn man sie dann hat, nimmt man sie sich nicht, und wann fallen einem die richtigen worte zum appen arm ein, wenn man keine zeit hat nämlich und einem beides, sowohl die zeit, als auch der appe arm vorkommen wie die zwei wertvollsten güter auf gottes erden. weil man das gefühl hat sie zu entbehren. den appen arm ja sowieso, das hat der appe arm so an sich. man entbehrt ihn.

also: der appe arm ist sowohl linguistisch als auch psychologisch ein interessantes phänomen.

linguistisch, weil 'ab' nun mal nicht zu den flektierbaren einheiten gehört, 'ab' ist 'ab', wird mit weichem b geschrieben, mit hartem p gesprochen und hinten gehört da keine kasus- oder numerusspezifische endung dran, der sprechende mensch hält sich jedoch ungern an bestehende regeln, er bricht sie und das sichert unseren fortbestand - wir entwickeln uns weiter. unendlich viel weisheiten stecken in diesem gedanken, doch wie erwähnt, die zeit, sie rast und ich muss eilen

was hat der appe arm mit unserer seele, unseren sorgen, unserem glück und leid zu tun? nun, wir würdigen ihn, den arm, nur dann, wenn er ab ist. wer freut sich denn schon über seinen arm, der rechte, der linke, egal, wir sprechen nicht drüber, wer sagt denn schon am telefon, hey, mir gehts gut, ich hab arme, ich freu mich. dabei fällt mir der gottbegnadete hape kerkeling ein, der als horst schlemmer beim herrn jauch auf'm stuhl saß und zum besten gab: ich habe rücken, ich habe kreislauf und ich habe füße.

ja, wir haben kreislauf, wir haben rücken und all die kleinen wunder unseres körpers und wann würdigen wir sie? wenn sie in gefahr sind, wenn der fuß juckt, der rücken schmerzt, der kreislauf zickt, der arm ab ist, dann, ja dann sprechen wir über sie, sie sind uns wichtig, wir wollen sie heilen, gut behandeln, wir finden sie wichtig und schön.

und wie leicht es ist, seine arme zu lieben, wenn sie ab sind, wie schwer, sie zu würdigen, wenn sie da sind. ich find jetzt meine arme sehr schön. sie sind muskulös und wohlgeformt, ich zeig sie gerne meine arme und sie tun ihre arbeit, nur wann gedenke ich ihrer? wenn ich einen ausschlag habe z.b. oder eine zerrung...

wir ehren die dinge, wenn sie uns schmerzen, wir sehnen uns nach ihnen, wir wollen nicht, dass sie ausfallen, ab sind, weg sind und dann geben wir ihnen raum, betrachten, ehren, verherrlichen sie gar, aber wehe, wenn sie wieder funktionieren, wehe, sie sind da und tun klaglos ihren dienst.

dann stellen wir fest, sooo toll sind sie ja nun auch wieder nicht, die arme, uns fallen die schwitzenden hautlappen ein, wir denken an ihren verfall und es stellt sich ein bisschen so etwas wie verachtung ein.

wer seid ihr schon, arme, die ihr mir angewachsen seid, tut euren dienst und schweigt.

und keine zicken, dass das klar ist!