Ne Weltidee. ... NE WELTIDEE!!!
"Mach doch mal ne Pause", hat mein Mann heute zu mir gesagt.
Da war ich baff.
Ehrlich baff.
"Mach doch mal ne Pause", hat mein Mann heute zu mir gesagt.
Da war ich baff.
Ehrlich baff.
Ich werde eingestellt. In den öffentlichen Dienst. Na? Is das was? Mh? Mh? Klang gut, ist wahrscheinlich auch gut, allerdings habe ich nach Sichtung der Einstellungsunterlagen den Eindruck, ich werde Mitglied in einer Geheimorganisation. (Gelogen habe ich direkt auf dem ersten Blatt, wo ich angeben musste, dass meine wirtschaftlichen Verhältnisse geordnet sind, höm).
Heute war also Ämtertag. Ich habe einen geschlagenen Arbeitstag damit verbracht, Nachweise über meine Person zusammenzutragen. Die Erkenntnisse des Tages waren nahezu existenziell:
1) Ich fühle mich in Ämtern wie ein kleines Mädchen im zu großen Erwachsenenanzug.
1.1) Das ist bei männlichen Verwaltungsangestellten von entscheidendem Vorteil
1.2) Man muss seine Schwächen zu Maschen verweben und diese einfach konsequent genug durchziehen
2) Ich muss dringend meine wirtschaftlichen Verhältnisse ordnen.
2.1) Wenn das heißt, dass ich jetzt Quittungen sammeln muss, sammel ich jetzt eben Quittungen.
2.2) Keine Steuern zahlen ist viel lukrativer als Steuern zahlen.
3) Verdammt nochmal, die nehmen mich ernst, da draußen.
3.1) Es ist widerlich, dass das an meinem kommendem akademischen Titel, meinem Familienstand und meinem zukünftigen Arbeitnehmerstatus liegt.
3.2) Noch widerlicher ist, dass ich es als angenehm empfinde.
4) Ich fühle mich jetzt sicherer, seriöser und erwachsener.
4.1) Das ist nichts, was ich je angestrebt habe.
4.2) Ich fürchte mich vor den betreffenden Konsequenzen
4.3) Ich muss dringend gegensteuernde Maßnahmen ergreifen
4.4) Quittungen sammeln scheint mir diesbezüglich völlig ungeeignet zu sein.
5) Es passen 9 (in Worten NEUN) dicke Bücher in meine neue Tchibo-Tasche.
5.1) Ich habe noch nie eine dieser Rückenübungen gemacht, ohne die, wie mir der Orthopäde vor geschlagenen fünf Jahren prophezeite, ich kein Jahr mehr durchstehen könnte.
5.2) Die Jahre ziehen ins Land.
5.3) Wo sind all die Blumen hin?
5.4) Ich schweife ab.
...
Ist das Leben wirklich bunt? Es kommt mir heute gräulich vor. Und da bin ich jetzt aber sehr erleichtert, dass es im Zuge der Rechtschreibereform hinsichtlich des Wortes 'gräulich' zu Ambiguitäten gekommen ist. Sonst hätte ich ein fieses Wortspiel mit grau und Grauen fabriziert, und das will keiner.
Lasst uns mit Klischees arbeiten. Im Grunde nur noch. Ausschließlich. Lasst sie uns zu Stereotypen verwursten, um ihnen schließlich, bestenfalls und endlich eine individuelle Note zu verleihen. Sie zu meiden, scheint mir jedenfalls wesentlich schwieriger zu sein.