Fallstudie

28.09.2006 um 20:26 Uhr

Schwiegern (ein neues Verb entsteht...)

Gestern habe ich meine "Schwiegereltern" kennengelernt.

Ja, das war mal was. Es hat über ein Jahr gedauert, bis es soweit war und diese Vorbereitungszeit hat es wohl auch gebraucht...so rein mental meine ich.

Ich hatte mir den ganzen Morgen den Arsch aufgerissen, damit der Dicke einen schönen Geburtstag hat: gebacken wie ne Wilde, Geschenke eingepackt, dekoriert, gekocht (und natürlich toll ausgesehen dabei....).

Jahaa.... so geht das. Wenn ich einen etwas weniger tollen Mann hätte, dann wäre all das um 16 Uhr vergessen gewesen. Geschichte. Vorm Krieg sozusagen.

Ankunft mit Küsschen für den Sohn und einem noch sehr herzlichen Händedruck für mich. Damit war aber meine Rolle dann auch schon erschöpft. Keine Verwendung  mehr nach dem ersten Akt.

Es gab Blumen (der Florist - nehme ich an - hat sämtliche Hotelzimmer von Elton John, JLo und Madonna zu deren vollsten Zufriedenheit geschmückt) und Champagner (Champagner!!! Nicht die billige Prosecco-Plörre -Man ist ja schließlich nicht irgendjemand...). Dann noch ca 3 meter dicke flauschige Handtücher (als finanzielle Verschnaufpause sozusagen), und am Ende natürlich Geld... (dreistellig, nicht wenig....). Jedes Geschenk wurde einzeln gewürdigt, besprochen und am liebsten wäre es "Mutter" wohl gewesen, wir hätten alle geweint vor Glück.

Herzlichkeit? Fehlanzeige. Authentizität? Nö. Plakative Freundlichkeit? Ja, das schon. Es wurden Fotos gemacht. Die glückliche Familie ist angesagt, drunter machen wirs nicht. Das gehört dazu. Man muss doch was vorzuzeigen haben.

Ich liebe ihn nach diesem Tag übrigens noch mehr. Sich in einer solchen Atmosphäre diese Selbstlosigkeit, diese Warmherzigkeit und diesen Charakter zu bewahren ist eine fast unglaubliche Leistung.

Und wen ich grade über alles liebe ist meine Familie. Alle wie sie da sind - mit ihren Unzulänglichkeiten, ihren Mängeln und Fehlern -,und unserer Fähigkeit uns trotzdem (oder grade deswegen) zu lieben und zu brauchen. Nichts verstecken, nichts überdecken, nichts verstellen, nichts kaufen.

Einfache, echte und tiefe Gefühle. Mann bin ich froh, dass ich das lernen durfte!

Ach ja.... das Fazit fehlt ja noch: Sie mochten mich sehr gerne. Ist aber ja auch kein Wunder, ich war immerhin mental topfit.

18.09.2006 um 19:05 Uhr

Selbstgespräch

Ach komm .... (ich red grad mit mir selber) Jetzt hör aber ma auf. 

Man kann aber auch echt alles dramatisieren wenn man will.... Wie eine alternde Filmdiva, die die falschen Blumen aufs Zimmer bekommt hör ich mich an.... ("Oh gott, nein neieheiiiinnnnn......" Stimme verendet in einem Schluchzen...)

Ich sollte mich besser kennen.

Einfach mal den Ball flach halten - das wär doch mal ne Devise.

Vielleicht bin ich einfach so. Ich fange an zu heulen bei der Merci-Werbung und will nachts um halb zwei zur nächsten Polizeiwache laufen, weil ich eine Mörderin bin. (Ich hatte fünf Minuten vorher eine Fliege mit der Zeitung erschlagen, nachdem ich ihr vorher drei Stunden gedroht hatte: "Hör jetzt BITTE endlich auf! Du willst es ja nicht anders. Gleich hau ich dir eine." 

Zwischen diesen beiden Extremen liegt irgendwo ... die Mitte. Die liegt meistens da. Ich leg mich mal dazu....