Fallstudie

29.12.2006 um 16:59 Uhr

Ich hab die Wut!

So Freunde,

ich hoffe, ihr habt die Weihnachtstage einigermaßen erfreulich hinter euch gebracht, denn nun steht das nächste "Fest" an. Und ganz im Gegensatz zu Weihnachten ist Silvester mein ganz persönliches Hass-Fest!

Als wenn es nicht schon genug Idioten gäbe, die an jedem einzelnen Wochenende im Jahr stark alkoholisiert, lallend, sabbernd und debil grinsend auf die Menschheit losgelassen werden, mit keinen anderen funktionstüchtigen Mechanismen mehr im Hirn als denen zum vor sich hin Stieren, Busen grabschen und Artgenossen zugröhlen "auf die Fressääää!"

-nein...! Jetzt gibt man ihnen auch noch scharfgeschützige Böller in die Hand. Und zum Schnur anzünden sind leider selbst die nicht zu blöd.

Und als gäbe es nicht genug vernünftige Argumente gegen dieses bescheuerte pseudo-penis-verlängernde Geböller (ich persönlich finde ja schade, dass "Brot statt Böller" so unpopulär geworden ist, weil es unglücklicherweise irgendwann mal in die Birkenstock-Öko-Müsli-Ecke geschoben wurde) - jeder Hundebesitzer -und davon gibt es doch immerhin einige Millionen in Deutschland- müsste es besser wissen!

Wenn ich mein Nuzi-Beeebi sehe, das eigentlich die Größe eines Schäferhundes hat, wie es sich in eine -über den Daumen- zwanzig mal zwanzig Zentimeter kleine Nische zwischen Regal und Wand quetscht, dabei vor Angst zittert und mich aus den traurigen braunen Augen herzzerreißend hilfesuchend anguckt, weil es ja nicht verstehen und man ihm auch nicht erklären kann, dass keine Gefahr droht von diesem ohrenbetäubenden Rumgebombe - dann würde ich am liebsten jeden beschissenen Schuljungen, jeden halbstarken pickeligen, sich aufplusternden Teenager und jedes ausgewachsene Arschloch in der Midlife-Crisis persönlich von der Strasse holen, um ihm seinen China-Böller DD in den After zu stecken, anzuzünden und ihm danach noch einmal versöhnlich zuzulächeln.... "Frohes Neues Jahr!"

22.12.2006 um 09:25 Uhr

Aufbruch

Los gehts!

Kurz vor knapp (die Dame reist nämlich ab) schaffe auch ich es noch, allen Anwesenden ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest zu wünschen! Wir sind zwar wahrscheinlich alle längst emotionsgestörte Konsumopfer, aber vielleicht schaffen es die einen oder die anderen doch einmal in diesem Jahr (jedes Jahr mein Vorsatz!) den Grundgedanken irgendwie ... aufleben zu lassen. Jeder auf seine Weise, jeder wie er mag, aber dass an Heiligabend der Film "Stirb langsam" gezeigt wird, macht mich persönlich irgendwie betroffen.

Ich bin vielleicht eine verkitschte alte Gefühlsduseltante, aber (bitte zu der Caro-Kaffee-Werbungs-Melodie von Volker Lechtenbrink): ich will leuchtende Augen voller Liebe, ich will Barmherzigkeit und Mitgefühl, ich will Familienglück ohne Stress, ich will Lebkuchenduft und Kerzenschein, all das will ich ... und nicht nur das!

Übrigens habe ich gemerkt, dass ich erwachsen geworden bin, als das Schenken anfing mir mehr Spass zu machen als das Beschenkt-Werden.

So,  meine wirren Weihnachtsassoziationen in dieser seltsam komprimierten Form haben hoffentlich niemanden überfordert.

Los gehts!

18.12.2006 um 21:24 Uhr

Mit Eingriff eingreifen

Ich bin eben grade als "Eingriffsverwaltung" tituliert worden! Was auch immer er damit sagen wollte - es sollte nicht nett gemeint sein.

Ich glaube die passende Assoziation dazu wäre (wenn nach ihm ginge), dass ich ein Nudelholz schwingendes und mit eingedrehten Lockenwicklern geschmücktes Monster bin, das morgens in die geblümte Kittelschürze steigt, um ihm die weißen Schießer mit Eingriff zu bügeln, und ihm dann alles auf das Bett zu legen, was er anziehen darf. Er müsste mich wegen allem um Erlaubnis fragen, einschließlich wann es ihm gestattet wäre, zur Toilette zu gehen, um sein "großes" Geschäft zu machen.

In Wahrheit ist (so ist wiederum MEINE Meinung) das Gegenteil der Fall. Ich finde mich ziemlich cool und diese Äußerung von ihm verletzt mich eigentlich nicht so sehr, eher frage ich mich, wohin wir mit uns eigentlich gekommen sind.

Und vor allem frage ich mich, abseits von diesem Rollenklischee, ob er auch nur ansatzweise ahnt, dass ich das Körnchen Wahrheit, was in diesem Domina-Bild steckt, so unglaublich gerne ablegen würde!

Ich will das nämlich gar nicht! Ich würde echt viel dafür geben, wenn ich mal die Schwache sein könnte! Ich finde es nämlich gar nicht so toll und noch weniger sexy, wenn er mir in allem hinterherdackelt. Was immer ich vorgebe - er ist heilfroh, keine Entscheidung treffen zu müssen. Super-männlich! Wow!

Und dann krieg ich dieses "Eingriffsverwaltung" vor den Latz geknallt und ich bin nicht sauer wegen der Beleidigung - nee, ich bin stinkwütend wegen der Scheiß-Selbstgerechtigkeit, in der er sich da sonnt. Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen - und dann mir diesen Vorwurf des "Eingreifens" machen. Das ist echt ein Witz!

Und wisst ihr, was ich dann denke?

Ob ich möglicherweise für Männer einfach zu komplex funktioniere...

16.12.2006 um 21:17 Uhr

Und ich sah dass es gut war

Heute ist es vollbracht. Ich habe meine Weihnachtseinkäufe zu einem guten Ende gebracht, auch wenn der Weg dorthin (um mit dem nicht sonderlich verehrten Xaver zu sprechen) steinig und schwer war.

Ein überdachtes Einkaufszentrum, geschätzte siebenundachtzig Billionen Menschen folgender Spezies: cholerische Prolls in Trainingsanzügen mit dicklichen blondierten Ehefrauen, Kampfmuttis mit vollgeladenen Kinderbuggys, ausländisch lärmende Migrantengroßfamilien, Teenager-Chicas mit Hüfthosen, die so tief sitzen, dass sich erahnen lässt, wann sie zum letzten Mal Stuhlgang hatten und die sich ausschließlich mit "sch"-Lauten zu verständigen scheinen, junggebliebene und studentisch dreinschauende Mittfuffziger-Pärchen, die auch im größten Gedränge noch strahlend Händchen halten und ...Ich. Das sind die Protagonisten in diesem energiegeladenen Action-Game namens Vorweihnachtszeit.

Mein High-Score kann sich sehen lassen: Ich habe eine Passantin angeschrien, weil sie mich netterweise auf einen Wasserfleck aufmerksam machte (der aber aus meiner Handtasche gelaufen kam, in der der Verschluss von der überteuerten, aus reiner Verzweiflung kurz vor dem Verdursten gekauften Wasserflasche seinen Dienst versagt hatte), ich habe ein kleines mit MP3-Player und Fotohandy bewaffnetes Albanerkind zusammengeschissen, weil es gewagt hatte, vor meinen Füßen stehenzubleiben um seinem Kumpel irgendein schweinisches Handy-Video zu zeigen und dabei laut gröhlte, ich habe eine Verkäuferin zuerst mit Blicken getötet und dann laut und für alle vernehmlich zu meinem Begleiter gesagt "In diesem Scheiß-Laden kaufe ich nichts" (bis auf das "Scheiß" ein Originalzitat aus Pretty Woman), und zu guter Letzt habe ich einen Kinderwagen zur Seite geschubst, weil die am Steuer laufende Mutti mir volle Möhre in die Knöchel gerummst war.

Um mal mit einem lieben Kommentierenden zu sprechen: Ich habe das Leben an den Eiern gepackt und heute mal etwas richtig Sinnvolles getan!

15.12.2006 um 23:38 Uhr

Update

Heute war mal wieder so ein Tag ohne Besonderheiten... (obwohl das nicht mal stimmt - bin eben grade noch griechisch essen gewesen, was bei meinem Budget nun wahrlich nicht jeden Tag vorkommt, und das auch noch mit zwei Männern!).

Aber alles in allem hat man doch viel zu viele Tage ohne Besonderheiten. Worauf soll man am Ende seines Lebens zurückblicken, wenn man nur Tage wie heute erlebt?

Ich stehe vor der Himmelspforte (hoffentlich!) und kann anbringen, dass ich Frikadellen gemacht habe, eine halbe Stunde Mittagsruhe gehalten und schlußendlich bei Aldi noch zwei Liter Milch gekauft habe. Echt beeindruckend! Gott wird hintenüber von seinem Thron kippen vor Begeisterung.

Ich glaube, ich muss echt mal anfangen was Sinnvolles zu tun. Gleich morgen!

13.12.2006 um 18:08 Uhr

Ich hoffe, der Weihnachtsmann wäre netter gewesen....

Heute möchte ich die allseits beliebte Serie über die Gefahren beim Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln um ein kleines Kabinett-Stückchen erweitern. Zuvor aber muss ich eine Erlärung abgeben und die Finger zum Schwure erheben, dass ich durchaus keine häßliche buckelige Schabracke bin, sondern eine ganz ansehnliche junge Dame mit modischem Geschmack und ebenmäßigen sympathischen Gesichtszügen....

Es begab sich vor ungefähr vier Jahren, ich war also eher noch jünger, sprich: knackiger, frischer, dünner und hübscher. Ich war auf dem Weg in die Südstadt und bestieg frohen Herzens einen Bus, denn es war ein schöner Tag und es wartete keine schwere Arbeit und kein angestrengender Waldlauf auf mich, sondern durchaus angenehme Unternehmungen a la Shoppen oder die lieben Freunde auf einen Latte Macchiato zu treffen.

Da ich nicht lange zu fahren hatte, stellte ich mich in die Mitte des Busses vor die Scheibe, die dem mittleren Einstieg gegenüber liegt und lehnte mich an die Anlehnstange. (Wenn jemand das richtige Wort dafür kennt, möge er es mir auf schnellstem Wege mitteilen!) Ich lehnte also dort und genoss den Ausblick auf die vorbeifahrenden Häuser (naja....), als an der nächsten Haltestelle die Tür aufging und ein Mann einstieg, der auf den ersten Blick aussah wie der Weihnachtsmann: Rundlich, mit roter Nase und roten Wangen und einem grauen Rauschebart, der sein halbes Gesicht verdeckte. Erst auf den zweiten Blick entdeckte ich Unstimmigkeiten: Der Pulk Aldi- und Lidltüten, den er in jeder Hand hielt und der etwas strenge Geruch, der von ihm ausging, enttarnte ihn als Mitglied jener Gattung Mensch, die früher einmal euphemistisch als Wermuthsbrüder bezeichnet wurde. Auch wurde mir nun klar, dass die Röte auf Nase und Wangen nicht der Kälte am Nordpol und dem Fahrtwind im Schlitten geschuldet war, sondern eher billigem Schnaps und schlechter Gesundheit in Form von geplatzten Adern.

Dieser Mann stellte sich genau vor die Eingangstüren, mit dem Gesicht nach draußen, so dass er quasi direkt mit seinem Hinterkopf vor mir stand. Ich störte mich nicht weiter an ihm, aber umgekehrt ging es ihm anscheindend anders. Immer wieder drehte er sich halb zu mir um (ohne mich direkt anzusehen) und zischte etwas durch die zusammengekniffenen Lippen, das ich aber nicht verstand, und dem ich auch keine Bedeutung zumaß. Dann schüttelte er hin und wieder empört mit dem Kopf und schimpfte ein bisschen vor sich hin.

Als wir nun eine Zeit lang gefahren waren, schien für ihn der Augenblick des Aussteigens näher zu rücken und er konnte wohl nicht den Bus verlassen, ohne doch noch eine Botschaft zu hinterlassen, die ihm offensichtlich die ganze Zeit schon schwer auf dem Herzen lag. Noch bevor der Bus gehalten hatte, drehte er sich wieder halb zu mir um und stieß einen Laut aus, als habe ihm jemand einen Bottich mit Eiter unter die Nase gehalten. Er spie mir praktisch entgegen:

"BAH!!! Son Mädchen..... - Nicht GESCHENKT wollte ich das haben!"

und hinterließ mich - nicht wissend ob ich nun lachen oder weinen sollte.

12.12.2006 um 22:01 Uhr

Für alle Verlassenen...

von: windkraft   Kategorie: Po-esie

 

   Wenn du mich vergisst  

Ich möchte, dass du

eines weißt:

 

du weißt ja, wie das ist:

Betrachte ich

den kristallenen Mond, den roten Zweig

des säumigen Herbstes an meinem Fenster,

 

berühre ich

beim Feuer

die ungreifbare Asche

oder den runzeligen Körper des Holzes,

 

bringt mich alles zu dir,

als wäre alles, was da ist,

Düfte, Metalle, Licht

nichts anderes als ein Schwarm

kleiner Schiffe,

hinsegelnd zu deinen Inseln,

die mich erwarten.

 

Nun aber,

wenn du allmählich aufhörst, mich zu lieben,

werde ich aufhören, dich zu lieben

allmählich.

 

Wenn du auf einmal

mich vergisst

suche nicht nach mir

denn ich werde dich schon vergessen haben.

 

Scheint er dir lange und irre lodernd,

der Fahnenwind,

der mein Leben durchweht,

und entscheidest du dich

mich auszusetzen, am Rand

des Herzens, in dem ich verwurzelt bin,

so bedenke,

dass am selben Tag,

zur selben Stunde,

ich die Arme erhebe

und meine Wurzeln sich aufmachen,

einen anderen Boden zu suchen.

 

Doch wenn du

jeden Tag

jede Stunde

empfindest, dass du für mich bestimmt bist,

mit unverrückbarer Süße,

wenn jeden Tag

eine Blume aufsprießt zu deinen Lippen, um

mich zu suchen,

ach meine Liebe, ach, Meine,

so wiederholt sich in mir

all dies Feuer

und nichts erlischt in mir,

nichts wird vergessen,

meine Liebe nährt sich von

deiner Liebe

Geliebte,

und solange du lebst, wird

sie in deinen Armen sein

ohne die meinen

zu verlassen.

 

                                   Pablo Neruda

 

 

12.12.2006 um 21:42 Uhr

Spontan-Idee

von: windkraft   Kategorie: Po-esie

Ich habe eben gerade beschlossen, eine neue Kategorie zu gebären (sozusagen...) und zwar geht es da um etwas, bei dem ich (ganz gegen meine sonstigen Gepflogenheiten) tatsächlich ziemlich ambitioniert bin.

Ich werde euch mit Poesie erfreuen (nicht von mir - keine Angst!) und damit der Verrohung und Verdummung in dieser Gesellschaft entgegen treten!!! (*mit Faust auf den Tisch hauen und schreien "I had a dream!!"*)  - Nee nee *gg* - ganz so schlimm ist dann doch nicht, aber ich finde in meinen Blog gehören auch meine Lieblingsgedichte (zumal Literatur ja mein Beruf ist) und deshalb werden sie kommen. Behandelt sie mit Anstand und Respekt. Streichelt ihnen hin und wieder über den Kopf. Und dann schreib ich bald auch meine Sex-Geschichten auf - Versprochen! ;-)

12.12.2006 um 11:16 Uhr

Mundgeblasen

Ich bin wieder da!

Um nicht in der Bahn wieder mit geistesgestörten Kannibalenmonstern konfrontiert zu werden, haben meine Eltern sich entschlossen, mal für zwei Tage mit zur Tochter in die große Stadt zu fahren und so konnte ich komfortabel mit dem Auto reisen.

Die Eltern bekamen Programm: am ersten Abend natürlich Weihnachtsmarkt und Glühwein, was auch eigentlich sehr schön war. Die Lichter gefallen mir ja schon, was ich allerdings nicht verstehen kann, sind die Stände mit wahlweise Kerzengedöns, Holzspielzeuggedöns, Selbstgemachtestoffpuppengedöns, Duftlampengedöns, Tiffanyspiegelgedöns, Räucherstäbchenundaromapyramidengedöns etc. Verdienen die da echt Geld mit? Es gibt also wirklich Leute, die ein kleines handgeschnitztes Zipfelmännchen aus dem Erzgebirge haben wollen und dafür dann 13,80 Euro bezahlen?

Naja, scheint es zu geben, es war nämlich nicht so, dass bei dem armen Standpersonal die Rippen zu zählen, die Wangen zu Höhlen verfallen und die Kleider zu Lumpen zersetzt waren. Sie sahen gut genährt, recht anständig angezogen und teilweise sogar ganz zufrieden aus.

Nun  ja. So richtig besinnliche Stimmung habe ich ja nicht gerade verbreitet. Sorry. Ich glaube, beim nächsten Mal kommt dann auch bei mir der unvermeidliche Jahresrückblick dran. Und eine kleine Ode an die falsche Freundschaft steht auch noch aus. Und ich wollte doch noch über meine frühen Jahre schreiben, die Sex-Pannen und so weiter. Das schaffe ich ja alles gar nicht mehr in diesem Jahr....

05.12.2006 um 22:39 Uhr

Ich glotz TV!!

Ich freue mich grade so!

Es gibt nicht viele Momente im Fernsehen, die dazu noch Anlass geben, aber ich durfte vorhin einen miterleben.

Eine Reportage lief - über die Liebe im Alter, mit mutigen und runzeligen kleinen Menschen darin. Eine fünfundachtzigjährige niederbayrische Frau hat sich über zwanzig Jahre nachdem ihr Mann gestorben ist, wieder neu verliebt. In einen strammen und gutaussehenden End-Achtziger mit gutmütigem Lächeln und Schalk im Nacken. Die beiden sind glücklich und beschließen zu heiraten, was die diversen Kinder und Enkel natürlich nicht gerade glücklich macht (ich tippe mal ganz verwegen auf Schiss ums Erbe).

Nun werden die beiden Frischverliebten interviewt und wenns nicht schon so gewesen wäre, hätte ich gesagt, es war wie im Fernsehen. Sie saßen in einer niederbayrischen Küche mit Kachelofen auf einer niederbayrischen reich beschnitzten Eckbank - hinter ihnen hing ein bestickter Wimpel: "Gott schütze dieses Haus" - und die beiden alten Leutchen sitzen dicht aneinandergeschmiegt, aber sehr sittsam in der Ecke der Eckbank, die Hände züchtig über der geblümten Schürze bzw. über der krachledernen Hose gefaltet, während draußen die Geranien blühen, als wüßten die, dass das Fernsehen heute kommt.

Sie werden gefragt, was sie denn ihren Kindern geantwortet hätten, die sie unlängst fragten "Um Gottes willen - warum wollt ihr denn in euerm Alter unbedingt noch heiraten??"

In das runzelige Gesicht der Frau treten Trilliarden von Lachfältchen und selten habe ich "verschmitzt" in einer reineren Form erlebt, als sie antwortet: "Ja mei - da hab i halt g´sagt, es is was Kleines unterwegs..."

05.12.2006 um 19:37 Uhr

Bahn gefahren und doch überlebt ...

Nur für die Akten:

Ich bin gut zu Hause angekommen und auch tatsächlich vom Bahnhof abgeholt worden.

Das einzig beunruhigende war der seltsame Mensch, der im Zug hinter mir saß und leise (das war das Unheimliche! Ganz leise - wie Hannibal Lector gegenüber Agent Starling) mit sich selber sprach. Man kann nicht sagen, dass er sich langweilte - er führte einen wirklich anregenden Dialog - inklusive allen Stimmlagen, leisem Lachen, aber auch einer leichten Ärgerlichkeit hier und da, und da konnte er dann auch wirklich ganz streng sein. Ich vermute, er hat dabei auch seinen Zeigefinger hin und her gefuchtelt.

Und dann sang er. Leise. Fast gehaucht. Erst ganz hoch, wie eine Frau. Dann ganz krächzig - wie der gute Sänger von Aerosmith, wie heißt er noch ... ach ja, Herr Stefan Tyler. Er röhrte also wirklich sein bestes. Ich war mir sicher, dass er sich gerne ein Kleid aus meiner Haut machen würde ... Ich saß wie paralysiert vor ihm in meinen Sitz gesunken - die starke Strangulations-Hand oder ein kleines scharfes Skalpell-Messer an meinem Hals erwartennd. Bloß keine Bewegung machen, die ihn in seinem Gesang stören könnte ...

Aber dann hat er letztlich sich doch entschieden, in Düsseldorf auszusteigen und dort sein nächstes Opfer zu suchen. Ich bin davongekommen.

Gute Wahl! Es gibt eh zu viele Düsseldorfer....

04.12.2006 um 20:59 Uhr

Dialog-Übung

Ich liebe meine Eltern über alles, aber Dialoge wie der folgende müssen einfach nicht sein!

Ich: "Welchen Zug soll ich denn morgen nehmen? Wann könnt ihr mich am besten vom Bahnhof abholen?"

Vatter: "Is mir egal. Ich wollte morgen etwas später vom Büro nach Hause fahren, da kann ich dich mitnehmen. Ich kann dich aber auch sonst jederzeit nach Hause fahren, dann fahre ich hinterher wieder zum Büro zurück."

Ich: "Nee, is ja nicht nötig. Da fährt alle zwei Stunden ein Zug, sag mir einfach, wanns dir passt..."

Vatter: "Du, mir ist das egal. Wie es dir am besten auskommt!"

Ich (langsam nervös werdend): "Wie gesagt, MIR ist es echt völlig latte!" (leicht erhobene Stimme) "Jetzt sag doch einfach, wann du vorhattest nach Hause zu fahren!!!"

Vatter: "Ja du, halb fünf, halb sieben - passt mir alles. Ich kann dich aber auch vorher jederzeit abholen."

Ich (bekomme schon Schnappatmung und muss anfangen mich wirklich zu beherrschen): "Darum gehts doch gar nicht! Ich weiß dass du mich abholen würdest! Es ist aber doch viel einfacher, wenn ich einfach dann ankomme, wenn du s-o-w-i-e-s-o fährst!" (ich spreche langsam und überartikuliert - wie mit einem Schwachsinnigen)

Vatter: "Ich fahr gegen Abend nach Hause. Halb fünf und halb sieben - geht beides"

Ich (winselnd): "Sag mir doch bitte ... bitte! .... wann denn genau? Halb fünf oder halb sieben?" (ich merke dass er eigentlich gar nicht mehr zuhört. es scheint was Spannendes am Fernsehen zu kommen - das merke ich an der folgenden Antwort)

Vatter (abwesend): "hhmmm"

Ich: "Papa!"

Ich (lauter werdend): "Papaaaa!"

Vatter: "hmm...." (dann, bemüht, aufmerksam zu klingen, es aber nicht sein) "Ja! ... Ähh...Ja! Ich kann jederzeit. Wie du willst"

Ich (ausflippend, 147 Dezibel laut): "Oh mann Pappa!!! Jetzt sag mir doch einfach die Scheiß-Zeit!!! Wieso ist bei uns eigentlich nichts, NICHTS, einfach??? Immer dieses Rumgehampel! Wann? Ich kann jeden verdammten Zug nehmen, den ich will!!! Wann - soll - ich - k-o-m-m-e-n???" (Stimme erstickt in einem Kreischen)

Vatter: hat den Hörer ganz gleichmütig und unbeteiligt an Mutter abgegeben. Er hat einfach gerne seine Ruhe...

Mutter (flötet): "Halloo!"

Ich (nach Luft schnappend und mich schnell wieder beruhigend): "Hallo!" (Pause. Dann ganz geschäftsmäßig) "Mama - sach mal ... welchen Zug soll ich denn morgen am besten nehmen?"

Mutter: "Och du, wir können dich jederzeit holen. Wann möchtest du denn kommen? Ich muss ja arbeiten, aber ich kann dich auch dazwischen schnell nach Hause fahren. Wann du möchtest...."

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