Taoistische Reflektionen

22.07.2015 um 02:14 Uhr

Die Weisheitslehre des Daoismus

von: tao

"Das Dao, das gesagt werden kann, ist nicht das Dao des Absoluten. Der Name, der gesagt werden kann, ist nicht der Name des Absoluten. Das Namenlose ist Ursprung von Himmel und Erde. Das Benannte ist die Mutter aller Dinge."
Der erste Vers im Tao-Te-King veranschaulicht in einer unerreichbaren Weise eine Einheit: Die philosophische Idee, die Unmöglichkeit ihres befriedigenden sprachlichen Ausdrucks, die selbstbezügliche Darstellung dieses Sachverhalts und die ästhetische Kunstform. Der Text macht in selbstreflexiver Weise deutlich, was auch das Problem aller Mystik und Esoterik ausmacht. Was gesagt werden kann, ist nicht der eigentliche Sinn und befriedigt mich deswegen nicht. Die Spuren des mythischen Verfassers Laotse verlieren sich an der Grenze des alten Chinas.
In dieser Tradition hat Dschuang Dsi die daoistische Lehre ausgeführt und die Harmonie zwischen den Menschen und dem Urgrund der Dinge erläutert. Das ewige, absolute Dao (der Weg, der Sinn) wird als mystisch-kosmische Einheit von Sein und Nicht-Sein, von Ding und Geist, verstanden. Der Daoismus verwendet häufig eine Sprache der Natur. So wird Dao mit Natursymbolen und als Mutter beschrieben. Das ursprüngliche Dao zeugte Yin und Yang. Das in der Welt und im Menschen enthaltene Dao heißt Te. Werden und Tun des Dao ist das Wu Wei, das Nicht-Machen, das Geschehen-Lassen, Nicht-Einmischen, Nicht-Angreifen, das So-Sein-Lassen des Dao im Sinn einer natürlichen Lebensführung, sich eines gegen die Natur gerichteten Handelns zu enthalten. Die Menschen gehen aus dem nicht-dualistischen Dao hervor und kehren wieder in diese Einheit zurück, bleiben also in die universale Ordnung eingebunden. Sie erreichen Sinnerfüllung in ihrem Leben, indem sie Einseitigkeiten und Disharmonien vermeiden.
Diese Weisheitslehre klingt sehr abstrakt und esoterisch, hat jedoch eine sehr lebenspraktische Seite. Langes Leben wird durch eine innere Harmonie der polaren Kräfte, durch Gelassenheit und die Balance von Tun und Nicht-Tun erreicht. Es kommt darauf an, die richtige Mischung von Nahrungsmitteln und Lebensgewohnheiten einzuhalten, und die chinesische Medizin hat ein ganzheitliches System entwickelt, wie durch Heilmittel und andere Maßnahmen dieses Gleichgewicht von Yin und Yang herzustellen ist.
Der Daoismus ist eine Religion  der Liebe und des Lachens. Der Daoismus ist lebensorientiert und lebensbejahend. Der Daoismus lehrt nicht die Entsagung, sondern den Genuß.



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